Kurz, kürzer, Mini – ein Stück Stoff kehrt zurück

– 12.04.2011 um 12.41 – Allgemein Mode Trend

Manchmal bedarf es ein wenig Mut, die Jugend zu begeistern. Die junge Engländerin Mary Quant war 1965 verrückt genug gewesen, der modehungrigen Meute nichts weiter als ein winziges Stück Stoff zu kredenzen: Den Mini-Rock.

In Chelsea hatte sie bereits drei Jahre zuvor ihre eigene kleine Boutique eröffnet, in der sie selbstgeschneiderte Modelle aus billigen Stoffen anbot; der brave Einheitsbrei, den sie hätte von der Stange wiederverkaufen können, missfiel ihr. Das gewagte Längen-Experiment zahlte sich aus: die Vogue zeigte die Entwürfe der frisch gebackenen Designerin und schon bald trug ein Jeder die neue Kürze, die mindestens zehn Zentimeter oberhalb des Knies endete: Mädchen, Hausfrauen, die High Society und sogar das englische Königshaus – sie alle waren der ungewohnten Beinfreiheit verfallen. Bloß der Vatikan konnte mit der „unzüchtigen Kleidung“ nicht allzu viel anfangen – Besuche des Petersdoms waren in derart freizügiger Manier tabu. Schade.

Ansonsten trug man ihn eigentlich immer, den Mini. Zur Arbeit, zum Theater, in der Freizeit – die Stoffvielfalt machte es möglich, sich jedem noch so adretten Anlass anzupassen. Währenddessen versuchte das Spießertum die nackte Empörung klammheimlich herunterzuschlucken – im Kampf gegen den neuen Dresscode hätten sie ohnehin alt ausgesehen.

Auf die Spitze trieben es später die Medien:

„Wien. Die mit dem Frühling kürzer wedenden Röcke eröhen nach Ansicht österreichischer Kriminalpsychologen die Gefahr von Sexualdelikten. In manchen Situationen stelle der Minirock einen zusätzlichen Anreiz das und könne selbst Männer animieren, die ursprünglich gar keine böse Absicht gehabt hätten. […]“


Ja, der Mini spaltete die Geister. Die einen sahen den Mini als Rebellion, als sexuelle Befreiung an, andere hingegen fühlten sich in die Rolle des Sexobjekts gedrängt. Dennoch war seine Erfolgsgeschichte nicht aufzuhalten.

In den 7oern verschwand die ultrakurze Länge so langsam wieder von der Bildfläche, kurz nachdem 1969 die Freizügigkeit auf den Laufstegen ihren Höhepunkt erreicht hatte. Bloß der Popo wurde so gerade noch verdeckt.

So ganz vergessen wurde der Mini allerdings nie, in jeder Generation finden sich noch heute Anhänger der Quant-Bewegung. In diesem Frühjahr aber kehrte er in recht viele Kollektionen großer Designer zurück, obwohl der Hosenrock ihn im letzten Sommer beinahe gänzlich abgedrängt hatte. Im Jahr 2011 wirkt alles ein weng züchtiger und trotz Kürze ganz schön verdeckt – dem hohen Bund sei Dank. Denn er verpasst dem Rock trotz über dem Knie endender Silhouette eine angezogene Optik und ermöglicht es auch Damen fern ab vom androgynen Twiggy-Typ die neue Mode zu tragen. Werdet ihr’s versuchen?

Etro

Balenciaga

Hosenrock von Christian Dior

Phillip Lim

Twiggy!

Fotos via style.com, via, via, via und via.

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