Die Sache mit der Panik vor dem Unvorhersehbaren.

24.02.2012 Allgemein, Leben
Foto: Jillian Marleen Becker.

Manchmal hast du Angst davor, dass irgendwann alles zusammen bricht. Dass alles, was du liebst, irgendwann einfach nicht mehr da sein könnte. Deine Freunde, deine Gedanken, das Talent und dein Leben. Deine Gliedmaßen kribbeln als würden tausend Maden auf deinem Körper im Takt des Herzschlags tanzen. Die Stirn heiß, der Nacken feucht. Panik. Weil du weißt, dass du niemanden retten kannst. Sie nicht und dich selbst nicht.

Manchmal zittert deine Stimme und die Knie werden weich. Wie ein krankes Lamm versuchst du dich auf den Beinen zu halten, aber du wirst fallen, egal wie sehr du dich bemühst. Immer dann, wenn das schlechte Gewissen dir mitten ins Gesicht schlägt, wenn dir klar wird, dass nichts vollkommen ist. Weil du nicht da sein kannst, wo man dich braucht, nicht überall zu selben Zeit. Deine Geschwister vermissen dich, während du dich fragst, ob sie dich irgendwann vergessen. Der letzte Besuch in der Heimat ist schon Monate her. Was, wenn jetzt irgendwas passiert, wenn das Schicksal schneller zuschlägt als gedacht oder der Zufall falsche Entscheidungen trifft? Dann schaust du aus der Ferne zu und kannst nichts dagegen tun. In solchen Momenten wünschst du dir, du wärest irgendwann die Erste, die geht; damit du den Schmerz nicht miterleben musst, kein einziges Mal. Wie egoistisch von dir.

Zwischen Papiermüll und abgekauten Bleistiften steigt dir wieder die Angst in den Kopf. Diesmal nicht vor dem Ende der Existenz, sondern vor Stillstand. Die Verzweiflung über das Ausbleiben von Ideen, die Wut über den inneren Druck, der jeden guten Gedanken im Keim erstickt. Dann fürchtest du dich vor dem Verlust deiner Phantasie und davor, dass du irgendwann nicht mehr du sein kannst. Leergedacht und ausgesaugt, ohne jegliche Inspiration. Kann der Schlüssel zum Ideenhimmel jemals rosten? Alles ist vergänglich und gar nichts ist sicher. Finde dich damit ab.

Morgen könnte dein Job weg sein, übermorgen dein Lover, nächste Woche deine Freunde. Die Sonne könnte verglühen oder die Welt untergehen. Hör auf dich zu sorgen, sonst bist am Ende du diejenige, die einfach so verpufft.

Denn manchmal weinst du, weil du weißt, dass du nichts tun kannst. Nichts dagegen und nichts dafür. Weil ihr alle doch nicht mehr seid als Seifenblasen in der unendlichen Weite des Universums. Die einen schaffen es bis in den Himmel, andere zerplatzen schon am ersten Windstoß. Die Unvorhersehbarkeit der Dinge macht dir immer wieder Angst. Die Gewissheit, dass nichts kontrollierbar ist, dass der eine, sichere Weg nicht existiert. Schon morgen kann alles ganz anders sein. Ändern kannst du daran nichts. Denn mit jedem Schritt, den du zu vorsichtig gehst, vergeht auch immer ein bisschen Glück.

3 Kommentare

  1. holly

    wunderwunderwundervoll! danke für diesen großartigen und wahren text. finde mich total darin wieder und es tut einfach gut, dass auch andere diese art von gedanken haben.

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  2. Ola

    Der trifft´s auf den Punkt. So wahr. An machen Tagen lähmt einen die Angst geradezu, an anderen ist sie wie weggeblasen. Dass Kontrolle nur eine Illusion ist, wissen die meisten, wirklich spüren tun es nur wenige. Tut gut zu lesen, dass man nicht der einzige ist.

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