Hermès S/S 13 – Girls who look like boys!

01.10.2012 Allgemein, Mode

Hermès könnte man glatt als mein Lieblings-Brand betiteln – wäre ich denn bloß steinreich oder hätte zumindest die Absicht später mal mit einem Spitzenverdiener liiert zu sein. Beides erscheint mir eher unwahrscheinlich. Vielleicht ist es also die Unerreichbarkeit der wahr gewordenen Stoffträume, die mich immer wieder sabbernd vor dem Bildschirm zurück lässt. Oder aber auch Christophe Lemaires unbeschreibliches Gespür für Form und Farbe.

Lemaire lässt in seinen Kollektionen gern Kulturen miteinander verschmelzen – die Perfektion dieser Praxis ließ sich recht gut an den vergangenen beiden Saisons ablesen: Da wurde Star Wars noch mit orientalischem Schick vermischt, Nomadenträume ins urbane Jetzt katapultiert und Gauchos eroberten die Großstadt. Das Frühjahr 2013 schlägt eine etwas andere Richtung ein, wenngleich die Stärke der zuletzt präsentierten Cowgirls keineswegs verloren geht. Diesmal verwischt Lemaire allerdings mehr als nur kulturelle Grenzen – modische Geschlechterrollen werden subtil durchbrochen, wenn nicht sogar aufgelöst.

Maskuline Elemente aus dem Wilden Westen, nämlich Hosenträger und Harness-Gürtel wenn man so will, begleiten uns weiterhin, dazu gesellt sich viel Leder und ein Hauch 80er-Jahre-Attitüde, erzeugt durch harte Schulterpartien, Tücher in Schlips-Optik und wilde Muster-Ansammlungen, die sich beinahe auf die klassischen Grundfarben beschränken und genau damit so harmonisch und warm wirken wie selten zuvor. Blau, Gelb, Rot, ein wenig Eierschalenweiß und Creme – Lemaire setzt immer wieder auf die soliden und doch modernen Klassiker der Spektral-Welt (obwohl sich erstmals auch Aqua-Töne eingemogelt haben). Manch ein Look wirkt trotzdem fast bedrohlich, denn die City Warrior Thematik scheint außerdem nicht recht von der Bildfläche verschwinden zu wollen. Es kommt eben nicht immer darauf an, das Rad neu zu erfinden. Vielmehr geht es darum, zu mischen, was eigentlich nicht zusammen gehört, um am Ende eine Zukunft zu Formen, die sich zwar von der Vergangenheit abhebt, aber an Tragbarkeit nicht einbüßen muss. Christophe Lemaire ist und bleibt ein Genie, daran ist in meinen Augen nicht zu rütteln. Ich jedenfalls sabbere jetzt noch ein wenig weiter, wenn’s genehm ist.

 

Alle Bilder via Style.comHIER könnt ihr euch die gesamte Kollektion auf einen Blick ansehen.

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