Neu im Kleiderschrank: Nike Sneaker, H&M x Lana del Rey und Gewissensbisse.

17.10.2012 Allgemein, Outfit, Wir

Ganz ehrlich. Ich fühl‘ mich heut ein bisschen wie der letzte Mensch auf Erden. Die Diskussion über das Tragen von Angora-Pullis, die hatten wir bereits an anderer Stelle entfacht. Damals hieß es zum Beispiel: „Nike, du bist Vegetarierin und würdest nie Pelz tragen, wieso greifst du dann zu Lederprodukten und weißt du denn nicht, woher Angora kommt?“.

Ja. Ja. Ja. Ja. Ich esse kein Fleisch, versuche überwiegend regionale Lebensmittel einzukaufen und mache das Licht aus, wenn ich einen Raum verlasse. Und trotzdem bin ich alles andere als ein Gutmensch, begehe jeden Tag um die hundert Fehler und werde höchst wahrscheinlich in meinem ganzen Leben nicht an diesen Punkt gelangen, an dem man da steht und sich selbst auf die Schulter klopft, weil man ja nun endlich alles richtig macht. Ich bin Teil dieser Gesellschaft, in der man beinahe durch die bloße eigene Existenz eine Menge Unheil anrichtet. Ohne dieses Unheil würde ich morgens nicht zur Arbeit kommen. Ich könnte in der Ubahn nicht mit meiner Oma telefonieren. Und einen Job hätte ich auch nicht. Damit muss man sich abfinden, zwangsläufig. Bloß vergessen sollte man den Rattenschwanz, der da an unserem konsumfreudigen Leben hängt, keinesfalls. Jeder muss im Grunde selbst entscheiden, wie viele Kompromisse er oder sie denn nun eingehen will, um eben sein oder ihr Bestes zu tun. Alles richtig machen? Ziemlich unmöglich. Weil wir bequem geworden sind. Und unsere Augen glänzen, wenn wir beispielsweise rosafarbene Fluffelpullis entdecken. Trotzdem, ein Angora Pulli für 20 €? Man kann sich vorstellen, wie es den Kaninchen ergeht, denen dort das feine Haar ausgekämmt wird. Mies. Trotzdem habe ich zugeschlagen, als eine meiner Freundinnen vor ein paar Tagen mit dem hübschen Stück in der Tasche vor meiner Tür stand, weil sie ihn viel zu groß erstanden hatte. Was ich nicht will: Miesepeter spielen. Aber: Vergessen sollten wir trotzdem nicht, dass Angora vom Angorakaninchen stammt und keineswegs vom Angorapflänzchen.

22 Kommentare

  1. trendlovski

    Ohhh, nein ich hab‘ den Pulli auch am Wochenende bestellt. Jetzt sehe ich bestimmt die ganze Zeit arme kleine Kaninchen vor mir* Trotzdem Danke für den REMINDER!! Recht haste!!

    Toller Artikel – Man kann ja auch nicht alles richtig machen. Aber irgendwo einen kleinen Anfang zu starten kann nur GUT sein und nicht schlecht….

    Trotzdem viel Spaß mit dem Pulli**

    x D.

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  2. s

    ich bin auch vegetarierin und auch ich mache nicht alles richtig. aber ich finde, dass es da auf die verhältnismäßigkeit, bzw. die argumentation ankommt. wenn ich zb (rein fiktiv) einmal im monat fleisch oder fisch esse, weil es mir damit gesundheitlich besser geht, ich aber den rest der zeit darauf verzichte, kann man das machen. oder man kauft lederschuhe, weil man meint, es ginge den eigenen füßen damit besser, als in plastik eingeschweißt zu sein. wenn ich aber weihnachten ordentlich bei der gans zulange, weil’s so geil schmeckt, ist es was anderes – finde ich. ein h&m-pulli, ohne den man vermutlich nicht gerade erfrieren würde, fällt meiner meinung nach aber in die kategorie gans. und in deiner offenbar auch, sonst bestünde ja kein grund zur umfangreichen rechtfertigung, oder?

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  3. Duy

    Ich zum beispiel kaufe keine neuen „Tierprodukte“. Alles Secondhand. Denk mal drüber nach 🙂
    Ach ja, und die Sneaker haben ja auch Tier drin 😉 Tier ist in unserer Gesellschaft schon viel zu sehr industrialisiert worden, weshalb es kein leichtes Unterfangen ist….

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  4. Lena

    Danke, ich erkenne mich in deinem Konflikt so sehr wieder (Vegetarierin, Regional-,Bio- und Fairtrade- Lebensmittelkäuferin, arbeite im sozialen Bereich aber liebe Mode und Lederprodukte). Auch danke für deine Beiträge zum Feminismus.

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  5. Annemarie

    Also einen Angorapulli hatte ich mal – und will keinen mehr. Weniger weil ich mir über die Tiere Gedanken gemacht habe – hab ich nicht (ich hab gar nicht gewusst, dass die dafür leiden müssen… ) sondern weil das Zeugs so furchtbar haart. Überall die kleinen Häärchen, in den Augen etc. nein, mag ich nicht. Davon abgesehen denke ich, bin ich ebenfalls eher inkonsequent. Von klein auf wurden wir (zumindest meine Generation) darauf konditioniert, Pelz bzw. Echtfell abzulehnen. Was bei mir sogar soweit geht, dass ich Pelz irgendwie „eklig“ finde, der Geruch und so… Leder tragen die meisten von uns trotzdem (ohne uns irgendeinen Kopf darüber zu machen)…. das ist nicht gerade konsequent, wenn man mal drüber nachdenkt. Ich nehme mich da aber , wie gesagt, in keinster Weise von aus.

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  6. christina

    oh ja, das problem kenne ich. ich bin selbst auch vegetarierin und versuche soweit es geht mich vegan zu ernähren, aber das mit der kleidung ist echt schwierig. anfangs habe ich wolle, leder usw. abgelehnt (pelz schon immer!!!), bin dann aus qualitätsgründen doch wieder auf leder umgestiegen. ich versuche dann aber sehr bedacht einzukaufen, kein mensch braucht z.b. hunderte von taschen, schuhen,…und wenn ich dann was aus leder kaufe, dann muss ich es auch längerfristig tragen können.

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  7. Marie

    Mich würden auch die Nikes interessieren. Die sehen so schön filigran aus! Hast Du Sie in Berlin gekauft? Liebe Grüße

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  8. Marlen

    In dem Konflikt sehe ich mich auch immer wieder, aber eher bei Leder. Ich kann es nicht einmal wirklich vor mir selbst rechtfertigen, wieso ich Leder dem Kunstleder vorziehe, klar es hält beinahe immer länger, sieht besser aus, fühlt sich besser an. Dennoch ist es ein Produkt für das Tiere sterben müssen und ich lehne es nicht ab.
    Im Endeffekt ist es wirklich so, dass jeder eben seinen eigenen Grad von „Verzicht“ finden muss; kleine Schritte sind besser als keine.

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  9. sarah

    also ich bin KEIN vegetarier.. (achte halt etwas drauf wo das fleisch her kommt) und trotzdem würde ich niemals nen angorapulli kaufen. tja geht auch umgedreht. man kann sich sicherlich drüber streiten was verwerflicher ist.

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  10. Alma

    ich sehe mich leider oft in der gleichen situation – vegetarierin, liebt lederschuhe und angorapullover. aber ganz abgesehen vom ernsten thema:

    du schreibst so süß und dabei so ehrlich, geradeheraus, dass es ein genuss ist, deine texte zu lesen!
    liebsten dank dafür!

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  11. anne

    ich versuche ebenfalls sehr bewusst zu leben, vegan, regional etc soweit es eben geht. natürlich geht es auch mir so, dass ich mal lust auf etwas eigentlich verwerfliches habe. trotzdem ist es wohl nicht gerade schwer auf einen h&m pulli zu verzichten, wie oben schon geschrieben wurde. sich hundert mal zu überlegen ob man lederschuhe will und sie sich dann zu kaufen, vllt auch second-hand das ist absolut ok. dann muss man sich auch nicht schlecht fühlen, aber einem 20 euro h&m pulli „nicht widerstehen“ zu können….naja das scheint mir ziemlich einfach zu sein…genau das ist ja der unterschied!

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  12. Shari

    Also Plastik fällt ja auch nicht einfach so vom Himmel, ne! All das Erdöl, da wird sich nicht nur bekriegt in fernen Ländern nur damit wir hier schön Auto fahren können…Erdölderivate brauchen wir hier auch für unsere Kosmetik, Rewe-Tüten etc. und so alles andere um uns herum…Dann doch lieber Leder und Angora und Wolle…halt schauen wos herkommt und nicht zu oft zugreifen:)

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  13. Tani

    Ich stimme Shari voll und ganz zu, Plastik ist aus Erdöl und das ist ebenfalls super schädlich für die Umwelt! Wenn man zu Second Hand-Pullis mit Angora greift, kurbelt man wenigstens nicht die neue Produktion von solchen Produkten an. Ausserdem bin ich mir bei einem 20 Euro-Pulli nicht sicher, ob es wirklich Hasen-Angora ist, es gibt nämlich auch eine Angora-Ziege, deren Haare abrasiert und nicht gerupft werden und einfach etwas härter sind als die der Hasen. Ausserdem dachte ich, dass bei Hasen-Angora zwar im Deutschen jeweils Angora steht, im Englischen aber auf jeden Fall ‚rabbit hair‘ stehen müsste. Steht dies nicht, müsste es Angora-Ziegenhaar sein. Wolle hingegen halte ich für kein Problem, denn es tut den Schafen nicht weh, wenn sie geschert werden. Und das Leder für Schuhe stammt zwar meist aus der Fleischindustrie, allerdings sorgt dies wenigstens dafür, dass möglichst alles vom Tier verwertet wird. Wenn man da zu Labels greift, die transparent und nicht gerade in China produzieren, ist dies vielleicht sogar besser, als Plastik zu kaufen. Alles in allem bleibt es aber auch für mich immer ein Dilemma und ich finde es super, dass du mit diesem Artikel dazu anregst, wieder einmal über die eigenen Konsum- und Lebensgewohnheiten nachzudenken!

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  14. Derya

    Hey!
    Toller Pulli, leider ist er schon längst ausverkauft. Will mir den gerade Online gebraucht kaufen, allerdings hatte ich ihn im Laden nie anprobiert. Was trägst du denn für ne Größe auf dem Foto? So sitzt er supi!

    Danke für deine Hilfe!

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