Musik: “HAIM” aus L.A. sind härter als ich dachte (und ein Gedankengang zur Girl Power)

– 07.11.2012 um 14.25 – Allgemein Kultur Musik

 Musik: HAIM aus L.A. sind härter als ich dachte (und ein Gedankengang zur Girl Power)

Anfang des Jahres schickte mir ein lieber Freund einen Link, der geradewegs zu HAIM führte. Drei Girls aus L.A., die auf zwei Gitarren und einem Bass rumschrammeln, dazu ein männlicher Drummer, Haare bis zum Hintern und Texte über Herzschmerz. Ich blieb unbeeindruckt.

Dann eine weitere Nachricht, diesmal von einer Freundin, die eigentlich Edward Sharpe and the Magnetic Zeros sehen wollte,  letzten Endes aber glücklich beseelt von deren Vorband, nämlich HAIM, den Heimweg antrat. Sara postete kurz darauf den Track “Forever” und so langsam dämmerte mir, dass es sich eventuell lohnen könnte, den drei Grazien noch eine Chance zu geben. Forever I see you and me / Forever I’ll try for you and I/ No I never believed in their insight/ Just another good reason to get it right fraß sich in mein Hirn. Netter Pop, netter Ohrwurm, guter Soundtrack zum Sommer, dachte ich. Mehr aber auch nicht. Dann die Einladung zum Konzert am Montag – Mein Instagram-Beitrag nach 20 Minuten: Damn. These kids got a new fan. 

 Musik: HAIM aus L.A. sind härter als ich dachte (und ein Gedankengang zur Girl Power)

 Musik: HAIM aus L.A. sind härter als ich dachte (und ein Gedankengang zur Girl Power)

Die jüdischen Schwestern Este, Danielle und Alana Haim (24, 22, 19) haben offensichtlich ziemlich viel mehr drauf, als sie der Masse mit ihrem eingängigen Hit “Forever” vorgaukeln. Danielles Stimme zeigt sich manchmal fast verstörend tief, ich muss an Janis Joplin denken, an die 90er und L7. Und dann macht es Klick. Spätestens als Este ihr Shirt auszieht und in gebrochenem Deutsch so etwas wie “Lutsch meinen Schwanz” faselt (hier musste ich übrigens an The Runaways und Cherie Curries obszöne Outfits denken), wird mir klar, dass das hier vielleicht wirklich das nächste große Ding ist. Und wisst ihr was? Ganz gleich, ob wir es hier lediglich mit einer perfekten Inszenierung zu tun haben, oder aber mit drei Musikerinnen, von denen mindestens eine kein Problem mit Halbnacktheiten hat, ich kann das alles tatsächlich nur gut finden. Es kommt nicht darauf an, ob ich mich hie und da kurz vom Fremdscham überwältigt gefühlt habe oder mich fragte, ob es denn immer so “auf die Fresse sein muss”, Haim sind ein extrem angenehmer Gegenentwurf zur KatiePerryLanaRihanna-Fraktion; endlich neue Identifikationsfiguren für Teenagermädchen. Haim treffen den Nerv der Zeit gerade nahezu exakt: Erst kürzlich haben wir hier über die neue Girl Power gesprochen, Lena Dunham wird zum neuen Sprachrohr einer selbstbewussten Generation, die kräftige Oberschenkel nicht länger unter weiten Röcken versteckt, in den USA werden weibliche Comedians gefeiert, Sarah Burton gilt als eine der hochgelobtesten Designerinnen der Jetztzeit, neue Magazine wie die “Gentlewoman” erobern den Markt, die Spice Girls feierten zumindest für die Olympischen Spiele Reunion und weibliche Rapperinnen brechen Rekorde –  Die vierte Welle des Feminismus’ überrollt uns gerade, ohne dass wir uns überhaupt darüber im Klaren wären. Ich hab’ heut wirklich nix zu meckern. Ein Interview mit Este, Danielle und Alana folgt in Kürze.

 

Das Video zu Forever will jetzt nicht mehr recht zu meinem Bild von Haim passen: 

Diese Aufnahmen hier dafür umso mehr: 


Danke an aenninger für die Instagram-Zusammenstellung oben <3

2 Kommentare

  1. Jessica

    find ich gut dass der “neue feminismus” bald auch in deutschen gefilden anklang zu finden scheint. macht weiter so ihr janes – gute sachen gehören verbreitet!!

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