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Gesundheitsschädigende Chemikalien: Zara will künftig giftfrei werden

29.11.2012, 11.53 | von

zara greenpeace Gesundheitsschädigende Chemikalien: Zara will künftig giftfrei werden

Zara bringt mich immer wieder in moralische Konfliktsituationen der fiesen Art. Wann immer ich eine Filiale des spanischen Modehauses betrete, könnte ich gut und gern jedes 5. Teil in meine Einkaufstüte wandern lassen. Denn das Kopieren von Designer-Looks wird dort ganz phänomenal praktiziert, was natürlich dazu führt, dass ich oftmals ziemlich große Lust verspüre, für wenig Geld viel Kleidung einzupacken. Irgendwann setzt dann allerdings mein Gewissen ein – und bisher verlor es sogar nur ziemlich selten den Kampf gegen meine Konsum-Lust.

Eine der Ursachen für das Zwicken im Bauch ist unter anderem eine Klage aufgrund ”sklavenähnlicher Arbeitsbedingungen bei einem Zulieferer in Brasilien”. Zara musste zuletzt eine Geldstrafe in Höhe von etwa 1,4 Mio. Euro zahlen, was nicht unbedingt auf die Unschuld des Unternehmens schließen lässt, im Gegenteil. Nicht minder besorgniserregend: Zara-Textilien weisen in einem aktuellen Textilien-Test von Greenpeace fortpflanzungsschädigende und krebserregende Chemikalien auf.

Greenpeace macht mit Protesten vor Zara-Filialen, sowie diversen Aktionen auf Facebook und Twitter immer wieder auf diesen Missstand aufmerksam. Insgesamt beteiligten sich bis heute etwa 300 000 Menschen an der “Detox-Kampagne” ( die das Austauschen von Risiko-Chemikalien durch umweltfreundliche Alternativen fordert), und auch weltweite Verbraucherproteste scheinen langsam Früchte zu tragen: Heute Morgen wurde bekannt gegeben, dass Zara bis 2020 alle gesundheits- und umweltschädlichen Chemikalien aus ihrer Produktion verbannen will. In der dazugehörigen Pressemitteilung heißt es:

“Mit jährlich rund 850 Millionen verkauften Textilien ist die spanische Inditex-Gruppe, zu der Zara zählt, das weltweit größte sogenannte Fast-Fashion-Unternehmen. Zu Inditex gehören auch die Marken Zara Home, Pull&Bear, Massimo Dutti, Bershka, Stradivarius, Oysho und Uterqüe. Inditex verpflichtete sich gegenüber Greenpeace zu umfassenden Verbesserungen in der Produktion: Für Textilien, Schuhe und Accessoires sollen bis zum Jahr 2020 nur umweltfreundliche Substanzen eingesetzt werden. 

 Bereits bis März 2013 will Inditex offenlegen, welche Risiko-Chemikalien bei 20 Zulieferern eingesetzt werden. Bis Ende 2013 sollen Daten zu 100 Textilfabriken vorliegen. Damit erfüllt Inditex eine zentrale Forderung der Greenpeace-Kampagne: Die Menschen in den Produktionsländern sollen Informationen erhalten, welche Schadstoffe durch Fabrikabwässer in Flüsse und damit in die Nahrungskette gelangen. Die Offenlegung wird auch Azofarbstoffe umfassen, die krebserregende Amine enthalten.” 

Das klingt erst einmal alles gut. Und vernünftig. Und nach einem ziemlich wichtigen großen Schritt. „Dies ist ein Meilenstein für eine saubere Textilproduktion“, sagt Christiane Huxdorff, Chemie-Expertin von Greenpeace. „Die gesamte Modebranche muss dem Marktführer nun folgen.“

Werden allerdings derart große Töne gespuckt, bleibe ich vorerst lieber kritisch. Bis 2020 kann noch eine Menge passieren. Von der Industrie verarscht werden wir so oder so am laufenden Band und all die “unabhängigen” Testergebnisse und “zukunftsweisenden Verbessrungen” sind auch nicht immer so unabhängig und zukunftsweisend wie man uns verklickern will. In diesem Fall tendiere ich allerdings schwer für das Festhalten am Credo “Alles ist besser als Stillstand und besser es passiert IRGENDETWAS als überhaupt nichts.” 

Was ich mir bis dahin wünsche, ist allerdings ein bisschen mehr Sensibilität. Und ein bisschen mehr Gehirn. Denn wenn ich meinen Blick so durch die Bloggerlandschaft schweifen lasse, dann fällt mir auf, dass extrem viele junge und auch ältere Mädchen nicht eine Sekunde über den Rattenschwanz, der an einem Zara-Kauf automatisch mit dran hängt, nachdenken. Es geht überhaupt nicht darum, Modeketten wie diese komplett zu meiden, dazu stecken wir vermutlich so oder so schon viel zu tief in Konsum-Sumpf fest. Aber, bitte. Kein Mensch braucht 3 neue Zara-Pullis im Monat. Auch kein Blogger.

Bild oben via.

 

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21 Kommentare
  1. Julie Depeche via Facebook:

    danke für’s aufgreifen! fast fashion schädigt uns alle nachhaltig (und ich muss mich selber in die kritik nehmen)

  2. Berlin Pepe via Facebook:

    tja dann braucht eine Frau keine Pillen mehr, nur Zara Lingerie anziehen lol

  3. Auf den Punkt getroffen! Toll, dass ihr das Thema aufgreift, liebe Nike!

  4. Caro Reimer via Facebook:

    Ich frag mal ganz naiv: Bis 2020 ist es aber schon noch ein ganzes Weilchen oder? (Edit: Erst Text lesen, dann naive Fragen stellen.)

  5. Kristoffer Schwetje:

    Sehr schöner Artikel, besonders das Abschluss-Statemant klingt wirklich ehrlich und vernünftig!
    Wahrscheinlich wird er aber für 80% der Leser schon zu lang und dröge sein :/ Trotzdem, weiter so und mehr davon!

  6. Daniela Wer via Facebook:

    Na hoffentlich klappt das auch bevor noch mehr Fabriken abfackeln und Menschen für “unseren nächsten Pulli” leiden müssen. Danke für den Beitrag!!!

  7. Jill:

    Den Bericht finde ich gut und wichtig!!!
    Schön, dass ihr auch über so etwas berichtet!

  8. Susanne:

    Schöner Artikel ! Und den Effekt, sobald man einen Zara betritt, fast alles kaufen zu wollen, kenne ich auch. hab aber auch schon sehr lange nichts mehr gekauft.

  9. Lisa:

    Ich habe frueher viel bei Zara gekauft. Aber das man nach solchen Meldungen ueberhaupt noch in Erwaehgung zieht dorthin zu gehen, finde ich verwunderlich. Es ist durchaus moeglich faire Klamotten zu kaufen. Dann kauft man eben weniger, dafuer bessere! Nike, du sprichst mir aus der Seele: Diese Gedankenlosigkeit ist schlimm. Grade zur Weihnachtszeit /Konsumzeit.

  10. Svenja Klassert via Facebook:

    Was für eine Überraschung! ;)

  11. Mimi:

    Erstmal finde ich es wirklich gut, dass Ihr auch über diese Ereignisse und nicht so netten (Neben-)Erscheinungen der Modewelt- und Industrie berichtet.
    Vielleicht kann ich dem Bericht noch etwas hinzufügen:
    Greenpeace hat bei einer ganzen Reihe von Unternehmen chemische Schadstoffe in der Kleidung festgestellt, und dabei wurden jeweil nur knapp 10 Teile untersucht.
    Greenpeace hat die betroffenen Unternehmen auch aufgefordert, sich der sogenannten “Roadmap to Zero” anzuschließen. Dies ist ein Zusammenschluss mehrerer Firmen und Unternehmen der Bekleidungs- und Schuhbranche, die sich dazu verpflichten, bis zum Jahr 2020 die Emission chemischer Schadstoffe auf null zu reduzieren (keinerlei Abgabe von gefährlichen Schadstoffen aus Chemikalien – „Zero Discharges of Hazardous Chemicals“ – ZDHC).
    Deshalb der für einige weit gefasst erscheinende Zeitrahmen bis 2020. Er ist Inhalt der soeben erwähnten Roadmap to Zero.

  12. Radiomaedchen:

    aber es ist doch nicht nur zara..

  13. Katrin:

    Das Einzige was den Kunden bei Zara, H&M und Co. doch wirklich interessiert ist der Preis – so lange sich in dem “Konsumdenken” der Leute nichts ändert, wird sich auch an den Zielen von den Textilherstellern nichts ändern. Wenn die Artikel dann nicht mehr Krebserregend sind, kommt der nächste Clou.

    Jedoch nicht nur billig Textiler produzieren so.. das gleiche machen die “großen” Marken wie Levis, Tommy & Boss doch nicht anders.

  14. Iris:

    danke für den artikel. ich glaub die etablierst dich zu meinem liebsten deutschsprachigen informationsblog!

  15. Iris:

    *in bezug auf mode meine ich :D

  16. Lisa:
  17. Anna:

    Die Frage ist doch, ob wirklich nur die Fast Fashion Labels so produzieren. Oder ob das, wie Katrin schreibt, die großen/’guten’ Marken nicht genauso machen. Was kann man eurer Meinung nach guten Gewissens kaufen (ohne, dass jedes unifarbene T-shirt gleich ein Loch in den Geldbeutel reisst)?

  18. jen:

    Finde auch gut, dass das Thema aufgegriffen wird. Muss aber auch leise Kritik los werden, denn Zara ist bei weitem nicht alleine der Übeltäter, sondern auch viele andere – hier gerne und oft besprochene und getragene – Labels sind dabei. Steht ja alles im Greenpeace Bericht, den sich jeder runterladen kann. Wer *wirklich* anders shoppen möchte, kann sich mal diese Tipps anschauen: Das ist ein Anfang.
    http://www.sueddeutsche.de/geld/tipps-zum-klamottenkauf-fair-einkaufen-leicht-gemacht-1.1533488

  19. Mila:

    @Jen
    Danke für den Link!

  20. Arne:

    Ihr seid einfach super!
    Ich finde das richtig toll, dass Ihr auch über solche Mißstände schreibt, denn das Bewusstsein für solche Dinge muss sich auf allen Ebenen grundlegend ändern.
    Ich kaufe schon seit zwei Jahren überhaupt nicht mehr bei Fast Fashion Ketten wie H&M, Zara, Cos & Co ein.

    This is Jane Wayne rules!

  21. [...] die die Aufmerksamkeit auf sich zieht. In diesem Sinne konnte auf die Aufforderung von Greenpeace seitens ZARA nur eine positive Antwort kommen und zwar ziemlich schnell, denn sonsthätten sich ihre [...]

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