Wenn die Mode wiehert – Ponyfell ist der neue Nerz.

25.04.2013 Allgemein

Der sonst von mir (heimlich) geliebten Modezeitschrift „In Style“ stand kürzlich wohl der Schalk im Nacken. „Nach der Lebensmittelbranche hat es jetzt auch die Modewelt erwischt“, wurde da ganz flippig getextet – gemeint war die steigende Beliebtheit des Ponyfells. Man reitet und streichelt des Menschens zweitbesten Freund nämlich nicht nur äußerst gern, nein, vermehrt zieht man ihm auch das Fell ab. Des Aussehens wegen, im Zeichen des guten Stils. Sich mit Nerzen behängen, das traut sich heute schließlich kaum noch wer. Klar, dass da was neues her muss.

Mäntel bei Jil Sander oder Alexander Wang, Stiefel bei Isabel Marant, auch Hermès und Tom Ford setzen auf das hübsch anzusehende Ponyfell und diese Zara-Slip-Ons, sind die eigentlich auch aus echtem Fell? Woher all diese Brands ihr neuestes Lieblingsmaterial beziehen, konnte auf die Schnelle nicht herausgefunden werden. Die „ZEIT“ freut sich aber immerhin über die Nicht-Existenz von Ponyfarmen, auf denen die Tiere ihres Fells wegen gequält werden könnten, wirft aber  indirekt die Frage in den Raum, ob ein Ponyhof für die Tiere eventuell auch ohne eine geplante Schlachtung die Hölle bedeute – zweifelsohne, will ich meinen.
Wichtiger erscheint mir jedoch die Frage nach dem Umgang mit einem Trend wie diesem. Um eins vorweg zu nehmen: Ich bin noch auf keinen grünen Zweig gekommen und freue mich deshalb schon jetzt über eine aufschlussreiche Diskussion in den Kommentaren. Denn:

Erst einmal schüttelte ich heftig mit dem Kopf, mir fielen fast die Augen aus dem Gesicht und ein bisschen Ekel überkam mich außerdem. PONYFELL? Nicht.Deren.Ernst.

Dann aber setzte das Schamgefühl ein. Ich bin nämlich ein schlechter Vegetarier. Weil ich Leder trage, wenn auch nicht viel. Und obwohl sich das nur schwer mit meinen moralischen Ansprüchen verbinden lässt, verzichte ich weder auf das weiche Jäckchen, noch auf derbe Boots. Mir der typischen Ausrede, „dass ja so oder so zu viel Fleisch gegessen würde und dass man dann zumindest das ganze Vieh verwerten sollte“, widere ich mich bald selbst an. Deshalb versuche ich zumindest, mich nur auf Basics zu beschränken. Was aber das allgemeine Problem nicht löst: Wie gehen wir denn jetzt mit dem Ponyfell-Trend um, herrgott nochmal?

Ein erstes Aufschreien ist ziemlich natürlich, obwohl es auch Menschen geben soll, die sich herzlich wenig für das interessieren, was da den neusten Schuh-Schnapper ziert. Wo genau liegt nun aber der Unterschied zwischen, sagen wir, Kalbsleder und eben Ponyfell? Sterben müssen schließlich beide Tiere, damit wir es erhobenen Hauptes durch die Stadt tragen können.

Bloß ist man das beim Pferdchen eben nicht gewöhnt. Dem flechtet man lieber die Mähne, als ihm die Kehle durchzuschneiden. Für mich persönlich besteht allerdings kein Unterschied zwischen einer niedlichen Kuh, einem Schwein oder dem Haflinger auf der Wiese nebenan. Alle haben sie Eltern, zwei Augen, vier Beine und eine Seele, daran gibt’s nichts zu rütteln.

Nur hat das Pony höchst wahrscheinlich ein angenehmeres Leben fristen können als die olle Sau im Mastbetrieb. Ist das Tragen von Ponyfell im Grunde also sogar vertretbarer als das verwursten von sogenannten „Abfallprodukten der Fleischindustrie“?

Meine Gedanken spielen Pingpong. Ich habe gerade wirklich keine Ahnung. Ich weiß nur, dass ich kein Ponyfell tragen will, so oder so.

15 Kommentare

  1. Milena

    Ist Ponyfell nicht einfach Kuhhaut mit Fell? So habe ich das bisher gehört, es wird wohl nur Ponyfell genannt und ist dann schließlich normales Leder, nur mit den Haaren noch dran… Bin mir aber auch noch nicht sicher, was ich davon halten soll.

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  2. Nike Jane Artikelautor

    Liebe Milena,
    ja, man imitiert echtes Ponyfell gerne,
    aber gerade im Luxus-Segment handelt es sich um Pony-Pony-Fell.
    Liebste Grüße!

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  3. Franzi

    selbst wenn, dürfte es keinen unterschied machne… ist ja nicht so als ob sie unter artenschutz stehen, jedoch sollte es wenn da´nn, so wie bei den Kühen sein und alles genutzt werden…

    kühe, lämmer, kälbchen… ponys…… solange wir noch nicht bei katzenbabys sind wird sich (selbst wenn es pferde sein sollten….) das entsetzen in grenzen halten

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  4. Malaika

    Ihr Lieben, auch im Luxus-Segment handelt es sich zu 99% nicht um Pony-Ponyfell!
    Dieses ist nämlich viel zu steif und unflexibel, Schuhe zum Beispiel ließen sich daraus gar nicht herstellen,
    es handelt sich um Kalbsleder mit Haar.

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  5. Mila

    Mhm, ich dachte immer, dass „Ponyfell“ eher eine übernommene, nicht ganz korrekte Übersetzung von „ponyskins“ ist, womit ja Fohlenfell bezeichnet wird. Und Fohlenfelle wurden in der Tat früher zu Mänteln und Schuhen verarbeitet.

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  6. Flori

    Ich habe auch gehört das man Kuhhaut mit Fell als Ponyfell bezeichnet? Stimmt das denn jetzt? Jetzt mal im Ernst wer trägt denn auch Pony 😐

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  7. Luisa

    Genialer Artikel, spricht mir zu 100% aus der Seele! Aber ob „Ponyfell“ = Ponyfell ist, weiß ich immer noch nicht.

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  8. Franziska

    und die Suche nach neuen Fellsorten geht weiter, die klassischen Felle sind den´´´weiterhin die Favoriten, nur werden sie pompöser verarbeitet.

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  9. Dörte

    Hey!

    Leider ist das Leder, das für Schuhe und Jacken, also im Allgemeinen die Modeindustrie, genutzt wird NICHT von den Masttieren die für die Lebensmittelindustrie geschlachtet werden – lange dachte ich auch, man könne doch dann „die Reste verwerten“.
    Falsch gedacht – unser Modeleder stammt größtenteils von indischen Kühen, die extra gezüchtet werden. Falls dich das Thema interessiert, schau dir mal „Erdlinge“ an- da werden Themen wie Lebensmittel- und Modeindustrie gesondert behandelt.

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