Sneaker Copy Cats –
wann ist die Schmerzgrenze erreicht?

11.09.2014 Schuhe, box3

copy-cat-sneakers-isabel-marant-stan-smithDass man beim Thema „Sneaker“ gern den Überblick verliert und im Laufe der Jahre womöglich jedes große Unternehmen schon mal beim Konkurrenten „geklaut“ hat, nein Moment, „sich hat inspirieren lassen“, ist längst ein altes Toastbrot und selbst Experten geben sich kaum mehr große Mühe, nach Copy Cat-Tätigkeiten zu fahnden. Vor ein paar Tagen, oder fast schon Wochen, schoss eine Designerin, die viele begeistert und ebenso viele nervt, allerdings über das Ziel hinaus und sorgte für Sprachlosigkeit und Augenrollen: Isabel Marant präsentierte ihren „Bart“ Ledersneaker.

Wir mussten zwei mal hinschauen, weil wir nicht begriffen, was wir da sahen, auf den Bildern konnten wir nämlich bloß einen adidas Stan Smith erkennen. Aber nein, Obacht! Es gibt tatsächlich minimale Unterschiede. „Bart“ ist also wirklich ein waschechter Marant und zugleich Symbol für einen Marken-Wahn wie man ihn eigentlich nur zelebrieren kann, wenn das Hirn sich längst vom Acker gemacht hat. Oder?

Zum Vergleich:
Isabel Marant „Bart“: 280 €.
isabel-marant-bart-sneaker-shop
adidas Stan Smith: 85 €.
adidas-stan-smith„Ach du Scheiße“ und „arme Gestalten“ schallt es zunächst in meinem Kopf, wenn ich an potentielle „Bart“-Schuh-Trägerinnen denke, aber dann, irgendwann, setzt auch das Verständnis ein. Wir modeaffinen Menschen sind ja zuweilen alle ein wenig schräg unterwegs und ganz und gar nicht Label-resistent. Ein weiteres Argument FÜR die teure Version: Man kann nur vermuten, dass Marants Produktionsbedingungen ein wenig anders ausschauen als jene von adidas. Aber an dieser Stelle möchte ich mich nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen, viel war hier nämlich nicht heraus zu finden.

Sagen wir es also so: In diesem Fall ist zumindest meine persönliche Schmerzgrenze erreicht. Und auch das Kopfschütteln dauert noch etwas an, war es doch Mademoiselle Marant selbst, die mit ihren Wedge-Sneakern gnadenlos kopiert wurde. Rache? Mag sein. Vor allem aber ist dieser Turnschuh-Schachzug ein äußerst cleverer, der die Marant’sche Kasse ganz gewiss ordentlich klingeln lässt. 

Die einzige „böse“ Copy Cat im Modekosmos ist die Stan-Smith-Diebin aber natürlich auch nicht. Valentino, Saint Laurent, Céline (siehe oben), Karl Lagerfeld, ja so gut wie jedes große Modehaus mischt längst auf dem Sneakermarkt mit – die wenigsten allerdings mit ganz eigenen Modellen. Hier noch ein Beispiel aus dem Jahr 2009: 

louis-vuitton-new-balance
Und relativ aktuell: Karl vs. New Balance:
karl-lagerfeld-new-balanceUnd wie haltet ihr es mit den Design-Dieben?

Infos: Sneakernews.

15 Kommentare

  1. Marius

    Da trag ich lieber die Senker der jeweiligen Sportmarke, weil die dem Outfit wirklich ein gewisses etwas verleihen.

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  2. anna

    die marant-sneaker finde ich oberaffig. klar sind die irgendwie ne spur minimalistischer und das metallische rot ist auch sehr ansprechend. aber mal ernsthaft. das original kostet 85e und frau marant klatscht ihren namen drauf und ne der preis verdreifacht sich?! wenn der preis durch faire herstellung, ökologischem leder etc beeinflusst ist – ok. aber irgendwie bezweifle ich das. damit wäre sie ja eine der wenigen, die so sauber produzieren lässt und das wäre doch bestimmt schon mal als gutes beispiel durch die medien gegangen, oder? finde das echt kritisch hier.

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  3. Kerstin

    Ich bin ja sehr überzeugt davon, dass die Produktionsbedingungen von Marant absolut nullkommanull besser sind als jene von adidas. Durch die diesen völlig lächerlichen Preis erhöht sich lediglich die Marge. Aber – nur darum gehts’s ja letztendlich oder? Leider. Vielen Dank für Deine kritischen Worte, Nike.

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  4. Katja

    Vielen Dank, dass Ihr das Thema ansprecht! Ja, das ist eindeutig über die Schmerzgrenze hinaus. Abgesehen davon, dass die Kopien dummdreist und die Preise eine Frechheit sind, find ich die Originale auch einfach viel cooler.

    Klar, es gibt so Designerpieces, die man dann unbedingt haben will, auch weils gerade diese Stücke von diesem Designer sind (und das auch gern alle erkennen dürfen, die ähnlich modeverrückt sind wie man selbst und heimlich anerkennend nicken – oha, die Jensenboots! Nicht schlecht, die Phantom Bag! Wohoo, die Velocite!)

    Aber ganz ehrlich, wer mit diesen oberoffensichtlichen Teuer-weil-Designer-Kopien angelatscht kommt, hat kein beeindrucktes Nicken, sondern nur mitleidiges Kopfschütteln verdient.

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  5. Karla

    IM wurde so gnadenlos und frech kopiert, ich nehm ihr diese Aktion irgendwie nicht übel. Finde aber sie hat es eigentlich gar nicht nötig adidas zu kopieren.
    Solange ihr hier für Marken wie adidas und Nike werbt, Unternehmen mit extrem fragwürdigen Produktionsbedingungen, finde ich solche Artikel total heuchlerisch.
    Erst mal vor der eigenen Tür kehren bevor man die Moralkeule schwingt.
    Und über die Produktionsbedingungen bei IM einfach nur zu spekulieren bringt überhaupt nichts.

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  6. Flo

    Ich find’s auch Banane, ähnliche Gedanken habe ich wenn ich Mädels mit den überteuerten Celine Vans sehe 😉 Aber nun ja, es muss ja auch jeder selbst entscheiden. Ich würde mir auch keinen gehypten Celine Shopper zu astronomischem Preis kaufen nur weil es momentan zum Mittel – High End Modemädchen Schick gehört je ein paar Vorzeigeteile von IM, Celine, Acne und ein paar anderen Kandidaten zu besitzen. Dass IM ebensowenig öko-human-fein produziert wie viele andere weiß wohl jeder in der Branche.

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  7. alex

    puh, ich glaube ich hab in meinem ganzen leben noch kein Kommentar auf einer Webseite hinterlassen, aber nachdem ich ein paar Artikel von Euch gelesen hab verstehe ich zumindest ansatzweise woher diese Kommentarkultur kommt…

    Nur ein paar kurze Facts:
    – Der Isabel Marant Schuh ist Made In Portugal und das Leder ist Kalbsleder (ja, der qualitative Unterschied zu ‚Normalem Leder‘ ist gewaltig)
    – Der Adidas Stan Smith ist Made in China und das Leder qualitativ unterste Schublade. Da sollte man nichts schön reden.

    Schaut Euch bitte mal von Adidas den Arthur Ashe, Rod Laver oder den Robert Haillet an…die wurden alle vor dem Stan Smith Veröffentlicht und sehen dem ss irgendwie verdammt ähnlich…
    Ich will den Marant Schuh hier gar nicht verteidigen (…weil nicht hübsch), aber das ist kein Stan Smith Rip Off, sondern eine offensichtliche Hommage an Tennis Schuhe der 60/70er.
    Selbe gilt für den MMM Replica. (der heißt sogar genauso wie der Bundeswehrschuh…)

    Ihr seid Vogue Partner Seite, stellt in nahezu jedem Beitrag pure Luxusgüter vor…diese Preisdebatte ist lächerlich!
    Man könnte ja genauso fragen ob 100 Euro für einen Made In China Stan Smith nicht zuviel sind? Nur weil es für den Deutschen Durchschnittsgeldbeutel langt, heißt ja nicht das der Preis ‚fair‘ ist.
    Adidas ist ein Milliardenschweres Unternehmen, da geht es pur um Profit.. Ist es nicht ebenfalls Markenwahn solche Fakten komplett auszublenden, nur weil die vom Marketing Euch ein paar für umme geschickt haben?

    Die nächste Modebewusste Bekannte die mir erzählen will das Ihr ein achso cooler Blog seid kriegt aufredenfall ein Stirnrunzeln, so charmant wie Ihr auch schreibt…das geht besser und wirkt naiv.
    cheers!

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  8. man

    Hallo zusammen

    Wir reden in dem Artikel über eine Schmerzgrenze. Wir reden hier über Copycats. Wir reden hier in allererster Linie über das Design und die Dreistigkeit des simplen Kopierens – vor allem von alt bewährten Produkten. Gut, Apple hat das auch getan, wenn man mal nach Braun und Apple googelt…
    Finde ich sehr dreist und peinlich, das so zu machen. Aber better do a good copy und so weiter, man weiss es ja.

    Tja 2014 und auch schon die letzten Jahre sind Sneaker so hoch in Mode, dass es mich schon ankotzt, was draus aus dem ganzen Sneakerding geworden ist.

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