Tiny Jane //
Die Sache mit der Bratpfanne auf dem Kopf
und dem Laster im Hirn

16.01.2015 Baby Jane, Buch

tumblr_inline_mvlan4wJN81qm3zxkGestern Morgen bin ich mit einer Bratpfanne auf dem Kopf aufgewacht, im übertragenen Sinne natürlich, was das Ganze aber keineswegs besser macht. Normalerweise gibt man sich ja große Mühe, nach Außen stets frisch und dynamisch zu wirken, aber ich sag’s euch ganz ehrlich, manchmal, da ist nicht nur Holland in Not, sondern alles im Eimer, auch ich. „Du schaffst das alles so prima, die Arbeit, das Kind! Das ist der absolute Wahnsinn“, hallte es in meinem Kopf, bis irgendwann nur doch der „Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn“ übrig blieb.

Das werte Kind wollte stundenlang nämlich weder schlafen, noch kuscheln, noch spielen, noch Füßekitzeln, noch baden, sogar der Knisterapfel war plötzlich scheiße, genau wie Mami, jeder Aufmunterungs-Versuch meinerseits löste auf der anderen Seite wirklich und wahrhaftig nichts weiter als noch mehr Tränen aus. Irgendwann fragte ich mich ernsthaft, wer von uns beiden gerade eigentlich vom Teufel besessen war. Nach dem 30. „Gackgackgackgack“ aus meinem Mund entschied mich zwangsläufig für „beide“, alles andere wäre auch wirklich unfair gewesen, die Nase voll hatten wir nämlich auch beide. Von uns und dem Tag und diesem furchtbar anstrengenden Akt des Existierens.

Ich fing also an, die liegen gebliebene Arbeit und mich selbst zu verfluchen, meine Unfähigkeit, Spaß daran zu empfinden, stundenlang den Alleinunterhalter für einen Wutzelmann zu spielen, der ja doch noch nicht applaudieren und nur spärlich reagieren kann, ich wünschte mir einen Beamtenjob und richtige Elternzeit, öffnete dem Postmann aus purer Wut nicht mehr die Tür, stelle das Telefon auf lautlos und fand mich irgendwann Grießpudding-löffelnd auf dem Sofa wieder, das bloß leider nicht mehr aussah wie ein Sofa, sondern wie das Überbleibsel einer Sturmfreiparty, inklusive Kotzfleck.

Dann plötzlich Ruhe. Eine ganze Stunde lang. Nur der Laptop und ich, ich und die Mails, der Terminplan für die Fashion Week, Rechnungen, Briefe vom Steuerberater, die ich noch immer nicht verstehe, kein Sprudelwasser mehr im Haus, aber Kekse. Klingt romantisch, war aber auch nur mittelspaßig. An Kackaarschlochtagen ist nämlich gar nichts schön.

Ich rief also meine Mama an, redete wie eine Siebenjährige und fragte hundert Mal, wie das eigentlich funktionieren soll, das Oktopus-Sein mit acht Armen, vier Ohren, und so weiter. Was sie antwortete, hörte ich nicht mehr, denn eigentlich reichte mir die beruhigende Wirkung ihrer Stimme am anderen Ende der Leitung vollkommen aus, während ich schon wieder dabei war, sinnfreie Buchstaben in einen Artikel zu hacken. Mamis eben. Und „Oh Gott, ich bin jetzt auch eine.“

Als ich fertig war, legte ich mich flach wie eine Flunder und halb schielend vor Erschöpfung neben Lio. Und hätte ich ihn mit meinem röchelnden Schnarchen nicht nach wenigen Minuten schon wieder aufgeweckt, wir hätten bestimmt noch eine ganze Weile zusammen gedöst und von herrlich glitzerndem Badeschaum geträumt, von Friedefreudeeierkuchentagen. Das „Wähh“ kam uns dazwischen und das Bauchweh. Also: Frischluft für beide, denn hätte ich gestern auch nur noch ein weiteres Mal „Busemanbusemanbusemanpiep“ gefiept oder „heileheileGänschen“, ich wäre explodiert. Was ich später aber trotzdem noch tat. 

Als der Herr Vater nämlich endlich Heim kam, war beim Lieblings-Bürgermeister-Baby plötzlich alles wieder schicki. Einfach so. Ein einziges Jauchzen und Brabbeln und Grinsen. Und ich im Türrahmen lehnend, kopfschüttelnd und fluchend, was der Quatsch denn eigentlich solle, „ich bin doch kein alter Esel, den man den ganzen Tag vergackeiern kann“. Im gleichen Augenblick stolperte ich über meine eigenen Füße, bis ich halb lachend, halb weinend im Yogasitz auf dem Boden kleben blieb. „Freunde, ich mache heute nichts mehr, außer GIRLS gucken und Tee trinken, ALLEINE, in der Küche, ihr könnt mich mal.“ Ein filmreifer Abgang folgte. 

„Bratpfanne auf dem Kopf und ein Laster im Hirn“, schrieb ich meiner Lieblingsjule. „Halt durch, du Rakete“, kam zurück. „Kackaarschlochtage sind zum drüber lachen da.“ 

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23 Kommentare

  1. Karla

    Liebe Nike,

    bei mir kündigt sich zwar noch kein Nachwuchs an, aber wenn Ihr, hier: Du, künftig (weiterhin) so schön schreibst, werd‘ ich auch „Tiny Jane“ mit Wonne verfolgen! 🙂 <3

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  2. Antonia

    Sehr schön! Manchmal ist alles eben einfach kacke. Ich hoffe, dass ich mindestens genauso lässig werde wie du als Mama. Dass es aber solche Tage geben wird, ist klar – und umso schöner, dass du ehrlich drüber schreibst!

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  3. Zhenya

    Ach Nike!
    Ich weiß das hilft dir hier und jetzt kein Stück weiter, aber: ich freue mich jetzt schon auf ein Buch von dir <3

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  4. Sophia

    deine beiträge sind so herzerfrischend, da vergesse ich für einen moment alles um mich herum. danke dafür.

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  5. Svenja

    Hier eine Mittfühlmami! Diese Tage sind der Horror! Und vor allem ist der kleine happy wenn Papa kommt, und Papa hält einen dann auch noch für bescheuert („ich weiß gar nicht was du hast, der ist doch voll gut drauf“). Was mir am besten geholfen hat: sich Freunde einladen, die sind nämlich noch frisch. Wenn man stundenlang alles probiert, um das Kind zufrieden zu stellen ist man irgendwann so durch, dass sich das nur noch auf’s Kind überträgt. Und unser Kleine hatte Antibiotikabedingt Bauchschmerzen, dann gabs 2 Wochen Probiotika und die Krämpfe waren weg! Andere Mamas schwören auf Sab simplex gegen Blähungen. Aber genug von ungefragten Rätschlägen (bäh) und ganz ganz viel Kraft dir! Es kann nur besser werden! Ich sag immer, spätestens mit 18 ist es vorbei! Eine große Umarmung aus Köln <3

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    1. Banshee

      So wahr! Und ich kann mich Svenja nur anschließen: die so verteufelten Krabbelgruppen und Kaffeekränzchen werden auf einmal attraktiv, denn: man hat was zu tun und der kleine Wombat ist beschäftigt. Und am meisten hilft, dass die anderen genau dasselbe durchmachen.
      Alles Liebe für euch!

      P.S.: Little Jane ist meine neue Lieblingsrubrik 🙂

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    2. Renate

      NEIN 😀 ist es nicht aber die Hoffnung stirbt zuletzt 😉 da kommen dann andere Sorgen und Probleme und viiiieeelleee schlaflose Nächte. Ihr kennt sicher den bescheuerten Spruch : Kleine Kinder kleine Sorgen….blablabla…und somit sind Bratpfannentage noch sehr oft an der Tagesordnung 😀
      liebe Grüße

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  6. GloriaVictoria

    Wow Nike! Du schreibst so mega tief und ehrlich, wenn ich das lese, würde ich dich gerne persönlich kennen!

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  7. Ana

    Ich bin selbst auch noch keine Mama, aber habe mit meinen kleinen Halbgeschwistern schon einiges mitbekommen, vor allem weil ich als „Große“ ungefragt, gerne und oft an genau solchen Tagen Babysitter sein (oder mindestens zur Seite stehen) durfte. Beim Anblick der überforderten Mutter, die einfach gern mal wieder länger duschen oder die sich stapelnde Post erledigen möchte, sagt man ja auch nicht nein… Meine damals beste Freundin dazu zu holen hat enorm geholfen. Wir haben ganz viel heiße Schokolade getrunken und – zugegeben – es waren ja auch nicht unsere Babys und die Aussicht auf ein Morgen und Übermorgen ganz ohne das alles hat sicher zu unserer Ausdauer beigetragen. Da bewundere ich Vollzeit-Mamas sehr, die durchhalten müssen und vor allem die, welche ihr Kleines nicht in die helfenden Hände beispielsweise einer großen Schwester abgeben können.
    Deshalb liebe Nike: danke für deine ehrlichen Worte. Es gibt eben auch Tage, an denen man das Baby gern mal abgeben würde – alles andere wäre gelogen 😉

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  8. Claudia

    Yup. Das war mein Donnerstag. Wunderbar, wie Du das beschreibst, das spricht mir aus der Seele und wird künftig an alle verschickt, die sich nicht vorstellen können, wie sich diese Kacktage anfühlen, wenn sie hier bei uns los sind. Gutes Durchhalten dir in diesen Momenten! Und liebe Grüße über den Kotti 🙂

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  9. claudia

    Vielen Dank für den wunderbar geschriebenen Artikel liebe Nike. Du sprichst mir aus der Seele. Erst gestern hatten wir auch so einen Tag: permanent Aktion und Geschrei und keine Entspanung in Sicht. Und das sogar außerhalb einesWachstumsschubs. Da werden die Stunden echt zu Wochen, Monaten. Und dann, wenn der Papa heimkommt: ein Lächeln und die Dame fällt in den Schlaf der Gerechten.
    Bitte mehr Baby-Content!! -:)

    Liebe Grüße,
    Claudia

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  10. Lena

    Hallo Nike,

    ich kenn solche Tage, Du Arme! Am besten mal die Mama bzw. Oma einfliegen und sich für ein paar Stunden verabschieden. Das komischste Gefühl beim ersten Kind fand ich, wenn man dann auf einmal allein zu Hause in der Wohnung ist und feststellt, dass sich alles geändert hat und dabei ist, sich noch viel mehr zu verändern. Wo ist man selbst, das war dann bei mir die nächste Frage. Super Rubrik, tiny jane! Bin gespannt wo die Reise Dich hinführt. Versuch, nicht so viel zu arbeiten! Alles Liebe.

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  11. Bell

    Herrlich geschrieben. Ich muss gleich noch rausfinden wie alt dein Wutzelmann ist, denn ich bin gerade zum ersten Mal hier gelandet. Aaaber, ich kann es absolut nachvollziehen. Ich verfluche solche Tage auch (wie wahrscheinlich jeder). Wenn man selbst im Chaos versinkt und die ersten Freunde durchgestylte Outfits auf Instagram posten. Ahhhhh, wie ich solche Momente liebe – NICHT.

    Aber es wird auch Tage geben wo alles läuft. Das Kind schläft, lacht und ein kleines Spaßbaby ist. Da vergisst man die Kotzflecken und das ständige T-Shirt-Wechseln.

    Liebst,
    Bell

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  12. Lem

    Liebe Nike,
    ich hatte damals drei Kinder unter drei Jahren. Mein Mann war von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends arbeiten und hat nebenher noch studiert. Heute weiss ich gar nicht mehr, wie ich das eigentlich geschafft habe. Manchmal haben alle drei Kinder auf einmal geheult und geschrien. Dann bin ich einfach sitzen geblieben und habe gedacht: Schlimmer kann es nicht mehr werden, es kann also nur noch besser werden. Es war die reinste Knochenarbeit. Aber tröste dich, irgendwann kommt der Moment, ich erinnere mich, meine Zwillinge waren 8, da kannst du sie mal für eine Stunde alleine lassen und das fühlt sich an wie das Paradis. Diese Momente, die man, bevor man Kinder hatte, als ganz selbstverständlich hingenommen hatte, fühlen sich nun so fantastisch und Stück für Stück bekommt man seine Freiheit wieder. Ohne Kinder zu haben, hätte man dieses gar nicht wertgeschätzt. Nicht dass ich jemals bereit hätte, sie überhaupt auf die Welt gesetzt zu haben, aber ich weiss genau, wie diese schrecklichen Momente sind. Jetzt freu ich mich schon wieder auf die Enkelkinder. Die kann man nämlich geniessen und wenn man genug hat und es schwierig wird, bekommen Mama und Papa sie wieder zurück.
    Herzliche Grüsse von Bellalemoncella.

    Antworten
  13. Lem

    Sorry, hier noch einmal ohne Fehler:
    Liebe Nike,
    ich hatte damals drei Kinder unter drei Jahren. Mein Mann war von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends arbeiten und hat nebenher noch studiert. Heute weiss ich gar nicht mehr, wie ich das eigentlich geschafft habe. Manchmal haben alle drei Kinder auf einmal geheult und geschrien. Dann bin ich einfach sitzen geblieben und habe gedacht: Schlimmer kann es nicht mehr werden, es kann also nur noch besser werden. Es war die reinste Knochenarbeit. Aber tröste dich, irgendwann kommt der Moment, ich erinnere mich, meine Zwillinge waren 8, da kannst du sie mal für eine Stunde alleine lassen und das fühlt sich an wie das Paradies. Diese Momente, die man, bevor man Kinder hatte, als ganz selbstverständlich hingenommen hatte, fühlen sich nun so fantastisch an und Stück für Stück bekommt man seine Freiheit wieder. Ohne Kinder zu haben, hätte man dieses gar nicht wertgeschätzt. Nicht dass ich jemals bereut hätte, sie überhaupt auf die Welt gesetzt zu haben, aber ich weiss genau, wie diese schrecklichen Momente sind. Jetzt freu ich mich schon wieder auf die Enkelkinder. Die kann man nämlich geniessen und wenn man genug hat und es schwierig wird, bekommen Mama und Papa sie wieder zurück.
    Herzliche Grüsse von Bellalemoncella.

    Antworten ↓

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  14. lael

    sorry, wenn ich das so schreibe, aber ich hab mich schon gefragt, wann nach so viel sonnenschein endlich mal der kacktag bei dir kommt. so ist das einfach mit baby und die ersten 3 monate sind einfach kacke. danach wird es nicht weniger anstrengend, aber viel lustiger, versprochen! meine 7monatige maus und ich sind mittlerweile ein top dreamteam und verbringen die tage mit spaßig-albernen delfi/pekip/krabbelgruppen. da singt man das zieharmonikalied zum 10. mal und denkt, jetzt wird man endgültig wahnsinnig, aber der austausch mit anderen mamis ist das einzige was mir an kacktagen hilft.
    quatschen, ausatmen, weitermachen! du schaffst das!

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  15. Steffi

    Welcome to the Club 🙂 ich kann mich sehr gut an die Säuglingszeit erinnern.. es war nicht immer schön und diese Situationen kennt, glaube ich, jede Mom. Aber: alles wird gut, die Kleenen werden größer.. dieser Zustand ist nicht für immer. Kopf hoch! LG von noch ner Working Mom

    Steffi / http://www.redseconals.com

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