BRAIN-BLAH // „Belly Button Challenge“
– ein gefährlicher Hype aus China

18.06.2015 um 10.24 – box1 Gesellschaft

belly button challengeIch bin zu dick. Das behauptet jedenfalls ein Internet-Trend, der aus China zu uns rüber geschwappt ist. „Belly Button Challenge“ nennt sich der gefährliche Contest, der als neuester Traumkörper-Test gehandelt wird. Wer es schafft, seine Hand hinter dem eigenen Rücken vorbei bis zum Bauchnabel zu schlängeln, hat gewonnen. Für alle anderen gilt: Schade. Ich jedenfalls scheitere kläglich an dieser degradierenden Mission; die Hälfte meines Körpers müsste mir amputiert werden, um nur ansatzweise in Nabel-Nähe zu gelangen. Womöglich sind meine Arme auch einfach zu kurz geraten. So oder so, ich bin ein Verlierer, jedenfalls in der pervertierten Welt der Hashtags.

Grundlage für diesen bodenlosen Schwachsinn soll eine unauffindbare US-Studie zu sein, die laut Stern besagt, “ dass Frauen, die die Aufgabe lösen können, einen tollen Körper haben.“ Wieder stellt sich mir die Frage, was zuerst kam, das Huhn oder das Ei – ist Social Media zum Nährboden überkranker Wettbewerbe um das makelloseste Antlitz avanciert? Ja. Über 6000 #Bellybuttonchallege Beiträge finden sich derzeit allein auf Instagram, ganz zu schweigen vom asiatischen Twitter-Pendant Weibo, das mit 260.000 Treffern auftrumpft. Männer machen inzwischen übrigens auch mit. Und trotzdem schwarnt mir, dass wir es hier erneut mit einem Körper-Konkurrenz-Problem zu tun haben, das vermehrt bei Frauen auftritt. Als arbeiteten die Medien nicht schon hart genug daran, unser Selbstbewusstsein auf die Größe zerknüddelte Papierstücke zu minimieren.

belly button challenge

Es liegt wohl in der Natur das Menschen, nach Beweisen zu suchen. Beweisen dafür, dass man gut geraten ist. Man zwängt sich in 26er Hosenmodelle, misst Umfänge und Body Mass Indexe aus, macht sich selbst zu einem Stück Fleisch, das im besten Fall in die kleinste aller Schubladen passt. Warum? Weil wir auf der ständigen Suche nach Bestätigung sind, weil wir uns daran gewöhnten haben, Likes zu kassieren. Leider für die falschen Attribute. Hirn lässt sich nunmal schlecht fotografieren. Genau so wenig wie Herz. Was aber kann man gegen das Wettrüsten der schlanken Taillen tun? Mehr als Stinkefinger zeigen und an die Vernunft der Internet-User zu appelieren, die offensichtlich kurz davor ist, sich von der nächsten Klippe zu schmeißen, wohl kaum. Also: Bitte erst denken, dann nicht mitmachen. Auf gar keinen Fall. Danke.

Bildschirmfoto 2015-06-18 um 10.16.13

Bild: taylorccheatham

Inzwischen hat sich immerhin eine Gegenbewegung im Netz etabliert: #BOOBSOVERBELLYBUTTONS. Man kann sich jetzt darüber streiten, wie viel Sinn es macht, Schwachsinn mit Schwachsinn zu bekämpfen, aber zumindest geschehen die meisten Busengrabscher aus unterschätzter Selbstliebe, statt aus Magerwahn-Gedanken. Ein Lichtblick? Nah. Ein Beweis dafür, dass es immer noch genügend Menschen gibt, denen Wespentaillen am Allerwertesten vorbei flattern, aber irgendwie schon:

boobsoverbellybuttons

Bild: aroselikethis
Bild im Header: duffymoss

Für mehr Infos, insbesondere über den Druck, dem asiatische Mädchen ausgesetzt sind, hier entlang!

23 Kommentare

  1. Katinka

    Auf den ersten Blick dachte ich, das Pärchen wäre armamputiert 😉 Was für ein Schwachsinn, aber der „Hype“ wird vorübergehen wie jeder andere vor ihm.

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  2. Ina Nuvo

    ach du meine Güte, jedesmal wenn man sich fragt, obs noch schlimmer werden kann, kommt eine neue bekloppte challenge um die ecke und bestätigt mir den Gedanken, dass die Zukunft der Menschheit wohl eher sehr beschränkte grenzen haben muss… ;p

    lieben gruß
    ina
    http://www.ina-nuvo.com

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  3. Judith Becker

    hä. ob man da ran kommt hat doch in erster linie mit beweglichkeit zu tun. die figur ist da doch wirklich nur sekundärer faktor..

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  4. Carla

    Bellybutton- Challenge= Schwachsinn-> da gebe ich dir absolut Recht!
    Aber die „Boobsoverbellybutton“-Geschichte finde ich weniger schwachsinnig.
    Die Idee dahinter ist, dass man anstatt seine Zeit mit „ich versuche mich zu verrenken um meinen Bauchnabel zu erreichen und jetzt mache ich noch ein Foto davon“ zu verschwenden, doch lieber in eben genau dieser Zeit seine Brust auf Knoten abtasten soll.
    Die Bilder die dann davon gepostet werden zeigen das tatsächlich nicht wirklich (und das es eine BH-Firma war die sich das ausgedacht hat ignoriere ich jetzt einfach mal 😉 ), aber eigentlich ist die Idee dahinter wie gesagt alles andere als Schwachsinn.
    Liebe Grüße
    Carla

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  5. Delia.C

    Das hat vor allem was mit Flexibilität zu tun… dank jahrelang Yoga komm ich locker mit der Hand auf den Bauchnabel – der aber zu einem nicht ganz so flachen Bäuchlein gehört. Also: Schwachsinn 😀

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  6. Anita

    Wieso berichtet ihr überhaupt über solch einen Schwachsinn und gebt dem auch noch eine Plattform????

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  7. anie

    was ist den das für ein Schwachsinn???
    Da möchte man zum einen so individuell sein wie möglich und kämpft mit allen Mitteln darum einzigartig zu sein, aber auf der anderen Seite soll man in eine vorgeformte Grösse passen?

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  8. Sabina @Oceanblue Style

    Also ohne Social Media haben wir nie von den ganzen armen kranken Menschen erfahren, die haben im Stillen Kämmerlein ihren Selbsthass auf den Körper zelebriert. Nun ist es möglich daran teilzuhaben. Aber es ändert nichts daran, dass es sich m.E. um mental kranke Menschen brauchen, bei denen im Kopf unbedingt die Reset Taste gedrückt werden müsste und die in Behandlung gehören. LG Sabina | Oceanblue Style

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  9. Lara

    Was ein Humbug- ich selbst würde mich als normalgewichtig bezeichnen, habe aber nen Bodyfettanteil von knapp 35% und schaffe das mit dem ollen Arm an den Bauchnabel- Dingens ganz locker weil ich einfach lange Arme hab und recht beweglich bin.. es gibt so viele Spinner auf der Welt =)

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  10. Elisa

    Ach Mensch, da ist der thigh-gap-Hype gerade am abflachen und schön kommt der nächste Käse aus dem fit&healthy-Lager.

    So ’ne non-body Challenge, irgendwas mit ‚Wie viele Bücher schaffst du in einem Monat?‘-Hashtag-Geschichte wäre doch mal was! Gibt’s sowas? :)

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  11. Hina

    Ich finde es höchst amüsant, Fremdschämen vom feinsten! Viel besser wäre es aber, wenn sie die bellybuttonchallenge mit der icebucketchallenge kombinieren würden und sich mit dem anderen Arm einfach Eiswasser über die Birne gießen. Das Eiswasser könnte man ggf. durch glühende Lawa ersetzen.

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  12. Pingback: Klickklick | die bloggerin

  13. Fräulein Julia

    Was für ein gequirlter Mist – ich bin dünn wie eine Bohnenstange und schaffe es trotzdem nicht. Das liegt aber eher (und meiner Meinung nur!) daran, dass meine Schultern (heute) nicht ganz so beweglich sind.

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