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Wann ist Kosmetik vegan?

04.12.2015 um 8.55 – Beauty Nachhaltigkeit

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Ein veganes Leben bedeutet für die meisten mindestens, dass man vor allem tierische Produkte aus seinem Speiseplan verbannt. Für mich ist Veganismus darüber hinaus aber auch eine Grundeinstellung und ich mache keinen Unterschied zwischen tierischen Inhaltsstoffen auf meinem Butterbrot oder in meiner Gesichtscreme.

Ich wage zu behaupten, dass die ein oder anderen von euch ihre Bodylotions oder Parfüms mit ganz anderen Augen betrachten würden, wenn sie wüssten, welche tierischen Stoffe sich hinter dem ein oder anderen komplizierten Fachausdruck in der Inhaltsangabe verstecken. Da gibt es vermeintlich harmlose Inhaltsstoffe wie Bienenwachs oder Milchbestandteile, dann aber wieder Fruchtwasser von Säugetieren oder tierisches Nervengewebe. Das hier soll keinesfalls ein Skript für den nächsten Horrorstreifen werden, sondern Basiswissen an diejenigen vermitteln, die gerne auf pflanzliche und synthetische Kosmetika zurückgreifen möchten. Ob ein Kosmetikprodukt vegan ist, lässt sich mit folgenden Fragen beantworten:

  1. Trägt das Produkt die Aufschrift „vegan“ bzw. „für Veganer geeignet“ oder kannst du ein veganes Siegel auf der Verpackung finden?

Man muss wissen, dass im Gegensatz zu „bio“, der Begriff „vegan“ nicht geschützt ist. Das gilt übrigens auch für das Schlagwort „Naturkosmetik“. Da ich meinen Einkauf auch weiterhin alltagstauglich gestalten möchte, habe ich mich vorerst entschieden, der Aufschrift „vegan“ immer zu glauben – zumindest, bis im großen Stil Betrugsfälle an die Oberfläche gespült werden. Wer das nicht möchte, sollte nur Produkte mit Siegel kaufen. Die zwei häufigsten Siegel für vegane Kosmetik sind diese hier:

This is Jane Wayne-vegane Siegel-nachhaltig-Julia Jane

  1. Du kannst keine eindeutigen Hinweise auf der Verpackung finden?

Hier gibt es mehrere Möglichkeiten. Der direkte Weg ist der Blick auf die Inhaltsstoffe, in denen es in der Regel von Fachbegriffen wimmelt, die kein Mensch versteht. Eine verlässliche Auflistung tierischer Inhaltsstoffe und ihre Bedeutung findet ihr bei PETA. Wenn ich allerdings im Laden stehe und mit Hilfe dieser Liste, einer App oder Google die Inhaltsstoffe zu analysieren versuche, dauert das A. ziemlich lange und ist B. extrem nervig. Daher mache ich es so, dass ich vorher schaue, welche Firmen vegane Produkte anbieten oder im besten Fall 100% vegan sind. Auch hier hat PETA eine Liste erstellt, auf der nahezu alle Firmen, deren Produkte in Deutschland erhältlich sind, aufgeführt sind. Achtung: PETA unterteilt hier in „tierversuchsfrei“ und „vegan“, was nicht automatisch dasselbe ist. Eine letzte Möglichkeit ist im Zweifelsfall immer, die Firmen selber anzuschreiben.

  1. Was ist der Unterschied zwischen „tierversuchsfrei“ und „vegan“?

Eigentlich logisch: Ein Produkt kann nicht an Tieren getestet sein und trotzdem tierische Inhaltsstoffe enthalten. Seit dem 11. März 2013 sind Tierversuche für Kosmetika in Deutschland verboten. Leider ist das nicht die ganze Wahrheit, da eine Vielzahl an Inhaltsstoffen in Kosmetika unter die Chemikalienverordnung „REACH“ fällt, für die Toxizitätstests an Tieren durchgeführt werden müssen. Das oben abgebildete Häschensiegel steht für 100% vegan und tierversuchsfrei. Die Anforderungen für das Siegel der Veganblume beinhalten ebenfalls den Verzicht auf Tierversuche am Endprodukt oder den Inhaltsstoffen. (Nachtrag: In den Kommentaren wurde angemerkt, dass die Veganblume Tierversuche nicht immer zu 100% ausschließen kann – obwohl das in ihren Anforderungen ganz klar drintsteht – und man sich stattdessen auf das Häschensiegel verlassen sollte. Die Veganblume ist meiner Erfahrung nach viel verbreiteter und als Orientierung vollkommen ausreichend. Wer unsicher ist, sollte sich im Zweifelsfall vor jedem Einkauf auf der Seite von PETA genau über die Brands informieren.) Es ist häufig so, dass der Vermerk „vegan“ auf einer Verpackung ebenfalls Tierversuche ausschließt, eine wirkliche Sicherheit gibt es aber nur bei den Siegeln.

Wer ganz tief in die Materie einsteigen möchte, muss außerdem wissen, dass Firmen, die nach China exportieren, automatisch in Kauf nehmen, dass ihre Produkte an Tieren getestet werden. In China ist das gesetzlich so vorgeschrieben. Wer nicht auf diese Produkte zurückgreifen möchte, findet ihr hier eine sehr gut recherchierte Schwarze Liste.

  1. Sind vegane Produkte immer nachhaltig?

Nein. Nachhaltig ist vor allem Naturkosmetik, die aber nicht unbedingt vegan sein muss und andersrum. Da „Naturkosmetik“ kein geschützter Begriff ist, sollte auf der Verpackung entweder der Begriff „bio“ bzw. ein Biosiegel oder aber ein BDHI- bzw. NaTrue-Siegel zu finden sein.

Ihr habt noch weitere Fragen? Dann immer her damit?

Anmerkung der Redaktion: Noch mehr von Julia gibts hier:
www.jvliakoch.com
Instagram: @jvliakoch

Snapchat: jvliakoch
http://www.vegan-good-life.com

24 Kommentare

  1. Madlén Bohéme

    Toll erklärt, ich achte bei Beauty zunehmend mehr auf vegan, bei dekorativer Kosmetik fällt es mir ehrlich gesagt schwer, aber bei Cremes und Gesichtsreinigungsprodukten habe ich tolle vegane Produkte schon gefunden. Ernährst du dich auch vegan?

    Liebst,

    http://www.madlenboheme.com

    Go Veggie :)

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  2. Thank That

    Lieben Dank für diesen aufklärerischen Artikel. Wir müssen zugeben, dass wir auf diesem Gebiet noch ziemliche Anfänger sind und uns die Gewohnheit noch viel zu häufig ein Schnippchen schlägt. Aber wenn man sich vor Augen führt, welche Inhaltsstoffe etc. man sich buchstäblich ins Gesicht schmiert, kann man gar nicht anders, als das umgehend ändern zu wollen. Du machst hier sehr anschaulich deutlich, wie simple man das angehen und umsetzen kann. Top!
    http://thankthat.com/

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  3. Ina Nuvo

    Sehr schöner Überblick, dass in China Versuche verpflichtend sind wusste ich nicht! Ich achte immer darauf, meine Produkte vegan, oder zumindest tierversuchsfrei zu halten, ich bilde mir ein es gab sogar mal eine App, bei der man sein Produkt suchen konnte, um zu prüfen, ob es zum einen schädlich ist, und zum anderen an Tieren getestet wurde.

    Liebe Grüße
    Ina
    http://www.ina-nuvo.com

    Antworten
    1. Julia Jane Artikelautor

      Hi Ina,

      meinst du die barcoo-App?
      http://www.barcoo.com
      Ich habe sie sogar auf dem Handy, benutze sie aber nur sehr selten. Und genau, sie zeigt an, ob das Produkt an Tieren getestet wurde und es gibt Hinweise zu den Inhaltsstoffen, aber keine Informationen ob vegan oder nicht :)
      Trotzdem aber natürlich cool, dass es das überhaupt gibt!

      Antworten
  4. Elena

    Liebe Julia,

    Danke für den tollen Artikel. Ich achte auch immer mehr darauf, vegane Artikel zu verwenden.

    Wie stehst du denn zur Naturkosmetikmarken von dm und rossmann? Ist es möglich, für so wenig Geld tatsächlich nur Natur zu bekommen? Ich bin da zugegeben ein bisschen skeptisch und auch unsicher.

    Viele Grüße Elena

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    1. Julia Jane Artikelautor

      Hallo Elena,

      meiner Meinung nach ist es nicht so, dass man automatisch immer vom Preis auf die Qualität der Naturkosmetik schließen kann. Übrigens ist Naturkosmetik nicht automatisch biologisch, das nur mal am Rande. Alverde Naturkosmetik (dm) führt zum Beispiel keine Tierversuche durch (Achtung, nicht alles ist auch automatisch vegan) und ist durch das NaTrue-Siegel (mehr Infos gibt es hier: http://www.natrue.org) als Naturkosmetik zertifiziert. Konkret heißt das: Im Produkt findest du nichts, was nur vom Menschen hergestellt werden kann und alle Inhaltsstoffe kommen auch in der Natur vor bzw. sind durch chemische Reaktionen natürlicher Stoffe entstanden. NaTrue hat vor einiger Zeit das Siegel für Verbraucher vereinfacht (oder auch nicht, wie man es nimmt) und man kann jetzt nur noch auf der Website nachschauen, ob ein Produkt unter Naturkosmetik, Naturkosmetik mit Bioanteil oder Biokosmetik fällt. Alverde hat Produkte in Kategorie 1 und 2. Ich benutze selbst auch viel von Alverde, z.B. von Zeit zu Zeit das Shampoo für blondes Haar oder Duschgel. Zu Rossmann kann ich leider nicht so viel sagen, da dm für mich näher ist und ich deshalb meist dorthin gehe :) Ein anderes Thema ist nochmal die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe aka „Aloe Vera steht drauf und ist aber nur zu 2% enthalten“ und da ist es in der Regel so, dass wenn man hauptsächlich sehr hochwertige Inhaltsstoffe möchte, auch mehr bezahlen muss. Wenn du eine Empfehlung möchtest, dann kauf dir für Gesichtscreme, Toner, Lotion etc. Kosmetik mit Inhaltsstoffen wie Aloe Vera etc. und greif für Shampoo, Duschgel und Handcreme auf Alverde o.a. zurück.
      Hoffe es hilft <3

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  5. rike

    es wäre cool, wenn du einfach mal zeigst, was du so benutzt :) vor allem make-up, gerne aber auch generell kosmetik. würde mich freuen :)

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  6. Bina

    Dank dir für diesen Beitrag! Ich versuche auch, mehr und mehr vegane Kosmetik zu verwenden. Tierversuchsfrei sollte eigentlich schon Standard sein – aber da machen China und einige Firmen, die dort auf dem Markt sein wollen, leider nicht mit… Wird Zeit, dass sich das ändert!
    Liebst, Bina

    Antworten
  7. Ragni

    Ich steige auch immer mehr auf Naturkosmetik um, zwar muss diese nicht unbedingt vegan sein, aber wenn das der Fall ist, ist das natürlich nochmal ein Extrabonus. Hauptsache keine Chemie mehr auf den Körper schmieren.
    Danke für Deine guten Erklärungen.

    Liebst,
    Ragni x

    maleikah.com

    Antworten
  8. Kat

    Fairfriday<3
    Wie heißt die Produktlinie mit den Flamingos drauf? Die schönen Nagellacke habe ich schon ausfindig gemacht.

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  9. Pingback: Cherry Picks #46 - amazed

  10. Annmarie

    „Vegan“ bedeutet aber immer, dass das Produkt nicht an Tieren getestet wurde.“ – das hätte ich gar nicht gedacht irgendwie, aber sehr interessant. aufklärung in diesem thema find ich sehr wichtig. wir sollten schließlich alle darauf achten, was wir uns und unserer umwelt damit antun – positiv wie negativ. Naturkosmetik macht mit gutem gewissen so viel mehr spaß :)

    http://whitelikelight.de

    Antworten
    1. Laura

      Liebe Annmarie & liebe Julia,

      leider ist diese Aussage auch nicht richtig! Bei Kosmetika stimmt die Rechnung vegan = tierversuchsfrei leider nicht!
      Der Artikel ist sonst ganz wunderbar, erhellend und sehr wichtig! Vielen Dank dafür, liebe Julia

      Leider sind deine Informationen an dieser einen Stelle jedoch nicht korrekt!:
      Bei der Aufschrift „vegan“ sowie der Kennzeichnung mit der Vegan-Blume kann sich nicht darauf verlassen werden, dass die Kosmetika tierversuchsfrei sind.

      Die Vereinbarung zur Vergabe des Siegels besagt (siehe https://www.vegansociety.com/ ), dass Unternehmen keine Tierversuche durchführen und in Auftrag geben dürfen; weder für das Endprodukt noch für Inhaltsstoffe.
      Soweit ist das alles top!
      Das Schlupfloch besteht jedoch darin, dass mit Zulieferfirmen und Hersteller_innen von Inhaltsstoffen zusammengearbeitet werden kann, die Tierversuche machen. Jediglich Drittfirmen auf die sie in irgendeiner Form Einfluss ausüben, müssen ebenfalls tierversuchsfrei handeln.
      Somit ist die Vegan-Blume leider! kein Garant für tierversuchsfreie Kosmetik!
      Bei der Vergabe z.B. des Logos mit dem Häschen (cruelty free and vegan) wird dieses Schlupfloch ausgeschlossen.

      Ich hoffe, dass ich noch etwas Licht in die Sache bringen konnte!
      Liebe Julia, vielen Dank für deine tollen Artikel!!

      <3
      Laura

      Antworten
      1. Jens

        Genau, vielen Dank und toller Artikel!! Es wäre super wenn die Info noch korrigiert werden kann. Die Positivliste von Peta und das hier erwähnte Häschen-Logo von ihnen, daran orientier ich mich auch.

        Antworten
        1. Julia Jane Artikelautor

          Liebe Laura, lieber Jens,

          danke für eure Kommentare und den Hinweis. Ich bin jetzt im Text etwas ausführlicher darauf eingegangen.

          Viele Grüße!

          Antworten
  11. Jens

    GANZ WICHTIG, da sich hier ein kleiner inhalticher Fehler eingeschlichen hat:
    VEGAN bedeutet nicht immer gleich tierversuchsfrei. NATÜRLICH gibt es auch vegane (bzgl der Inhaltsstoffe) Produkte, die leider trotzdem an Tieren getestet wurden.

    Auch Maybelline oder Konsorten haben sicher Produkte die „aus Versehen“ vegan sind, also nix tierisches drin ist. Aber Tierversuche machen die halt trotzdem. Ich guck auf die Positivliste von Peta.

    Antworten
  12. Miri

    Achtung, Achtung!
    Kleiner Fehler im Text:
    Vegan bedeutet nicht, dass die Kosmetik auch tierversuchsfrei ist! Leider, leider können auch Produkte, die als „Vegan“ ausgeschrieben sind, an Tieren getestet worden sein!

    Vielleicht könntest du das noch im Text ändern, liebe Julia!?
    Ansonsten finde ich toll, dass ihr euch mit dem Thema beschäftigt!

    Antworten
    1. Julia Jane Artikelautor

      Hallo liebe Lisa,

      ich habe meine Traum-Foundation leider noch nicht gefunden, kann aber bis zu diesem Zeitpunkt Alverde und BWC (Beauty Without Cruelty) via boutique-vegan.com empfehlen.

      Ich hoffe, dass ich dir erstmal weiterhelfen konnte <3

      Antworten

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