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Wann ist Mode eigentlich vegan?

05.02.2016 um 11.46 – Gesellschaft Mode

This is Jane Wayne - Julia Jane - Wann ist Mode vegan?

Mode ist nach Essen und vor Politik wohl eins der sensibelsten Themen, die man am besten bei beruhigender Meditationsmusik diskutieren sollte. Mode ist Kommunikation. Sie beeinflusst maßgeblich den ersten Eindruck und sie spiegelt all das wieder, was wir sind oder vielleicht sehr viel häufiger: was wir sein möchten. Und dann gibt es da etwas, was man im wiederkehrenden Prozess der modische Selbstfindung überhaupt gar nicht gebrauchen kann: Fakten über Leid und Tragik hinter den Produktionsbedingungen, Pestizide und die ewige Leier, wofür wir als Konsument die Verantwortung tragen. Nun sind wir schließlich alle intelligente Wesen und die Augen davor zu verschließen, dass Floskeln wie„man müsste eigentlich“ bis hin zu „da war doch was“ und „aber was kann ich schon machen?“ auch nur eine Leier sind – eben so ewig aber noch dazu destruktiv. Und wo liegt jetzt die Lösung? 

In einer guten alten Bekannten: Der goldenen Mitte, die sich aus einer Symbiose von Information und Integrität ergibt. Ich habe noch vor ein paar Jahren selber Lederprodukte und Kleidung aus Wolle und Seide in meinem Kleiderschrank gehabt. Mit zunehmendem Hintergrundwissen waren meine Taschen und Schuhe nicht mehr einfach nur schöne Lieblingsstücke, sondern leider auch Produkte, die in ihrem Herstellungsprozess viel Leid verursacht haben. Nun ist es kein Muss, sich von Ihnen zu trennen, so wie ich das getan habe – aber insbesondere, wenn Neuanschaffungen anstehen, lohnt es sich doch, einmal genauer hinzusehen.

Deswegen findet ihr hier zusammengefasst alle Materialien tierischen Ursprungs, die man in unseren Kleidungsstücken finden kann.

Pelz

Das Problem:

Ich glaube bei Pelz weiß mittlerweile jeder, dass da produktionsbedingt etwas ganz stark im Argen liegt – in case of doubt, watch this (Achtung, nichts für schwache Nerven). Übrigens gibt es in Deutschland keine glasklare Kennzeichnungspflicht für echten Pelz und auch der Preis hilft überraschenderweise auch nicht immer dabei, eine tierische Herkunft auszuschließen.

Oft zu finden in:

  • Winterjacken
  • Pelzkragen
  • Bommelmützen
  • Fellbällen (z.B. als Schlüsselanhänger)
  • Westen
  • Mützen

Echtpelz von Faux Fur unterscheiden:

  • Tierhaare bewegen sich filigraner und leichter im Wind als Kunstpelz.
  • Tierhaare riechen beim Verbrennen wie menschliche Haare, Kunstpelz nach verschmorten Plastik. Dies aber bitte ausschließlich bei Produkten ausprobieren, die man bereits besitzt!
  • Alternativ kann man auch die Haare auseinanderziehen und sich den Untergrund genau anschauen, Kunstpelz sitzt oft auf einer Art gewebtem Stoff, der eindeutig von Haut zu unterscheiden ist.

Leder

Das Problem:

  • Leder ist kein umweltfreundliches Produkt, da es vor der Verwendung für Textilien mit Chemikalien behandelt werden muss. Auch die Klimabilanz von Leder ist furchtbar, eben genau wie die von Fleisch – Futter, Wasser, Transport und Methangas wirken sich negativ auf die Umwelt aus.
  • Auch pflanzlich gegerbtes Leder von Biokühen ist weder viel besser für das Tier noch für die Umwelt. Zum einen haben Biokühe nicht zwingend nennenswert mehr Platz als konventionell gehaltene Kühe und zum anderen erfordert die Behandlung des Leders mit pflanzlichen Produkten mehr Zeit, mehr Wasser und somit logischerweise auch viel Energie. Die pflanzlichen Stoffe stammen häufig aus nicht-europäischen Ländern, in denen sie im schlimmsten Falle sogar die Bestände der genutzten Pflanzen gefährden.
  • Darüber hinaus ist Leder keinesfalls immer ein Abfallprodukt der Fleischindustrie, auch wenn man das immer wieder hört. PETA deckte zuletzt auf, dass ausgerechnet aus Indien Millionen von Kühen nach Bangladesch transportiert werden, um dort ihr Leben für die Lederindustrie zu lassen. Einen Film dazu gibt es hier (Achtung, enthält explizites Videomaterial!).

Oft zu finden in:

  • Schuhen
  • Handtaschen
  • Jeans-Patches
  • Handschuhen
  • Lederjacken

Alternativen:

  • Kunstleder: besteht im besten Falle aus dem Material PU und oft aus PVC, in der Waschmaschine waschbar, häufig robuster als echtes Leder
  • recycelte Materialien wie LKW-Plane oder Gummireifen
  • natürliche Materialien wie zum Beispiel Kork

 

Wolle

Das Problem:

Wolle ist nicht einfach nur ein „Friseurbesuch“. Der Schervorgang erfolgt fast immer unter enormen Zeitdruck und die zappeligen Tiere machen eine verletzungsfreie Prozedur nahezu unmöglich. Wolle wird unter anderem von Schafen, Ziegen und Kaninchen gewonnen. Weitere Infos und Videos (Achtung, enthält explizite Aufnahmen!) zum Thema Wollproduktion, nachhaltige Wolle und Wollexport vor allem bei Schafen findet ihr hier.

Oft zu finden in:

  • Pullovern
  • Hüten
  • Innenfutter
  • Mützen

Alternativen:

  • Baumwolle
  • Hanf
  • Tencel
  • recycelte Plastikflaschen
  • Polyester und Acryl

 

Daunen

Das Problem:

Ähnlich wie die Wolle der Angora-Kaninchen werden auch Daunen oft durch Lebendrupf gewonnen, am häufigsten von Gänsen. Weitere Informationen und Bildmaterial findet ihr hier.

Oft zu finden in:

  • Innenfutter
  • Bettdecken
  • Daunenjacken

Alternativen:

  • synthetische Thermostoffe wie beispielsweise Thinsulate

 

Seide

Das Problem:

Für Seide werden die Kokons der Seidenspinner inklusive Bewohner ausgekocht. Laut PETA werden beispielsweise für ein Seidenkleid mehr als 50 000 Raupen benötigt. Nun ist mir bewusst, dass man zu Insekten weitaus schwerer ein emotionales Verhältnis aufbauen kann als zu Schweinen oder Kühen. Auch gelten für Insekten andere Tierschutzgesetze und über ihr Schmerzempfinden gibt es durchaus geteilte Meinungen. Ich persönlich finde, dass es müßig ist, darüber zu streiten, wenn man auch ganz einfach eine Bluse aus Tencel tragen kann.

Oft zu finden in:

  • Blusen
  • feinen Stoffen
  • Hochzeitskleidern

Alternativen:

  • Nylon
  • Tencel
  • Viskose
  • Peace-Silk, hier dürfen die Raupen schlüpfen, bevor ihre Kokons verwendet werden. Aufgrund der vielen anderen Alternativen für mich persönlich nicht wirklich relevant, aber auf jeden Fall eine vertretbare Möglichkeit, wenn man auf tierische Seide nicht verzichten möchte.

 

Knöpfe aus Horn oder Muschel

Das Problem:

Hier sind wir eindeutig in der Masterclass der veganen Mode angelangt. Selbstredend ist, dass die Tiere, zu denen die Hörner und Muscheln einmal gehört haben, für die Verarbeitung ihr Leben lassen müssen. An die Information zu kommen, ob vorhandene Knöpfe nun von Tieren stammen oder nicht ist meistens extrem aufwendig. Wenn ich mir unsicher bin, dann frage ich vorher bei den Herstellern nach oder kaufe direkt bei einem veganen Brand oder in einem veganen Shop.

 

Kleber

Das Problem:

Die meisten Veganer interessieren sich nicht nur dafür, was in den Textilien ihrer Kleidung steckt, sondern auch für den Klebstoff, der sie zusammenhält. Im Kleber finden sich nämlich oft tierische Stoffe – allen voran Kasein, das aus Milch gewonnen wird. Konkret bedeutet das, dass Schuhe oder Taschen, die aus Kunstleder, Kork oder ähnlichem bestehen, nicht zwingend vegan sein müssen. Ähnlich wie bei den Knöpfen aus Muscheln oder Horn gibt es zum einen die Möglichkeit, die Hersteller zu kontaktieren, oder aber als vegan deklarierte Produkte zu kaufen. Viele konventionelle Schuhhersteller wie Nike oder Vans sind sich dieser Problematik bewusst und bieten Schuhe an, die inklusive des Klebers für Veganer geeignet sind.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Themengebiet heiß umstritten und viel diskutiert ist. Ich habe mit zunehmender Informationslage meine eigenen Entscheidungen getroffen – und es mir einfach gemacht: Ich kaufe und trage nichts, was tierische Materialien enthält. Ausschlussverfahren. Angesichts der vielen spannenden Alternativen, die immer zahlreicher werden, sehe ich das auch als absolut machbar und nicht besonders schwierig an.

Mich interessiert nun aber brennend, worauf ihr beim Einkauf von Mode so achtet. Was ist für euch beim Einkaufen am Wichtigsten und was haltet ihr von veganer Mode?

Anmerkung der Redaktion: Noch mehr von Julia gibts hier:
www.jvliakoch.com
Instagram: @jvliakoch

Snapchat: jvliakoch
http://www.vegan-good-life.com

21 Kommentare

  1. Alex

    Interessanter Artikel, danke dafür! Bleibt nur die Frage, ob Kunstleder wirklich umweltverträglicher ist als Leder? Im Hinblick auf Tierschutz allemal, nur würde mich interessieren, wie es um die Materialgewinnung, eventuell dabei entstehende Abfallprodukte und den Herstellungsprozess bestellt ist. Viele Grüße!

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    1. Julia Jane Artikelautor

      Hi Alex,

      das ist in der Tat eine interessante und viel diskutierte Frage. Bei dieser Thematik geht es häufig um pflanzlich gegerbtes (Bio-)Leder, denn dass die konventionelle Ledergewinnung eine um ein Vielfaches schlechtere Ausgangslage im Bereich Ethik und Umwelt hat als Kunststoffe, ist meiner Meinung nach eindeutig.
      Fakt ist, dass Kunstleder in klassischer Form – sprich PVC- oder PU-basiert – auf Erdölressourcen angewiesen ist, also auf eine nicht nachwachsende Quelle, die unter Aspekten des Umweltschutzes nicht sonderlich gut abschneidet.
      Brauchen wir hier dringend Alternativen? Definitiv! Für mich ist die Verwendung von Kunststoffen ausschließlich eine Übergangsphase, bis neue Materialien erschlossen und auch wirklich umfassend angeboten werden.
      Pflanzlich gegerbtes Bioleder hat als „nachwachsender“ Rohstoff und mit minimalem Chemieeinsatz den Ruf, umweltfreundlicher als Kunststoff zu sein. Für mich gibt es in dieser Frage verschiedene entscheidende Gegenargumente:

      Zum einen ist es aus ethischer Sicht so, dass für Kunststoffe keine Lebewesen ausgebeutet werden müssen – auch wenn natürlich klar ist, dass generell überall, wo der Mensch baut, erschließt und abbaut, Verluste auf Seiten der Natur und Tierwelt entstehen.

      Neben ethischen Gesichtspunkten wie Tierschutz, Tierhaltung und Ausbeutung, ist die Tierindustrie aber eben auch der größte Verursacher von Klimagasen – und da ist auch die Biokuh keine Ausnahme.

      Hinzu kommt, dass Leder ein verderbliches Produkt ist, das also in einem aufwendigen Prozess haltbar gemacht werden muss. Im nachhaltigen Modebereich geschieht das mit pflanzlichen Gerbstoffen, auf die ich in meinem Text ja schon kurz eingegangen bin. Es mag sogar sein, dass manche dieser Gerbstoffe nachhaltiger sind, an den Klimagasen der Lederproduktion ändert das freilich nichts.

      Allein aus ethischen Gründen, der klimaschädlichen Bilanz der Tierindustrie und wegen des Ausblicks auf alternative und nachhaltige Textilien zu PVC und PU ist es meiner Meinung nach nicht haltbar, davon zu sprechen, dass Tierhaltung und die Verarbeitung von tierischen Produkten mit einem wirklich nachhaltigen Lebensentwurf vereinbar sein können.

      Aber es wäre natürlich sehr interessant, die beiden Herstellungsprozesse durch Zahlen und Studien vergleichen zu können, die ethische Komponente mal außen vor gelassen. Wen jemand Quellen zur Hand hat…? :)

      Viele liebe Grüße,

      Julia

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  2. mia

    ich hab wirklich schwierigkeiten mit diesem komplexen thema und hab für mich auch noch keine abschließende lösung gefunden. ernährungstechnisch lebe ich seit über 13 jahren streng vegetarisch und seit mitte januar vegan,
    im modischen sinne hab ich mich zwar viel mit produktion auseinander gesetzt, aber ja, ganz ehrlich, immer wieder sowohl aus faulheit, als auch aus spontaner verknalltheit zu einzelnen kleidungsstücken die augen verschlossen.
    ich behelfe mich viel mit secondhandkäufen und versuche, insbesondere schuhe nur noch zweiter hand zu kaufen, denn ja, gerade da verzichte ich ungern auf leder. für mich persönlich ist das der beste kompromiss, den ich schließen kann. fernab des tierleids (dass ich hiermit auf keinen fall runterspielen möchte, niemals), habe ich nämlich totale schwierigkeiten damit, produkte aus „plastik“ zu kaufen und zu tragen. gerade bei schuhen frage ich mich da eben auch nach der nachhaltigkeit des produktionsprozesses inkl. umweltverträglichkeit – und da trag ich wirklich lieber ein paar gebrauchte lederstiefel auf, die sonst eventuell im müll landen, obwohl noch sehr gut – als viel geld für einen haufen gift auszugeben.
    inzwischen gibts ja zum glück immer mehr auch schöne, ökologisch, vegan und fair produzierte alternativen,
    ich freu mich sehr, dass das immer mehr in den fokus rückt!
    danke für deine kolumne, auch wenn ich vieles schon weiß, lese ich sie wahnsinnig gern und finds super, dass du so charmant und informativ über dieses schwierige (weil moralische) thema berichtest ❤ ❤ ❤

    apropos: ich bin eine absolute leggingsliebhaberin, hab aber leider noch keine wirklich bezahlbare grüne alternative gefunden (zumindest nicht, wenn sie nach drei monaten ebenso auseinanderfällt wie ihre günstigen kettenkollegen), hat vielleicht wer unter den folgenden kommentatorInnen nen tip?

    Antworten
      1. mia

        danke für den tip, aber 45 euro liegen für mich ausserhalb des machbaren, zumindest für eine baumwoll-leggings. in dem segment plusminus gibts einige angebote, auch von hess natur, ist halt ein batzen geld – ausser sie hält lange :) ich werd wohl mal erste reviews abwarten.

        Antworten
        1. Julia Jane Artikelautor

          Hi Mia,

          ich kann dir nur sagen, dass ich die Leggings von anzüglich jetzt knapp ein halbes Jahr habe und sie sich weder in der Waschmaschine verzieht (wasche sie aber in einem Wäschesäckchen), ihre Farbe verblasst oder sie z.B. an den Knien ausbeult. Die Qualität ist meiner Meinung nach ihren Preis absolut wert, vor allem auch nochmal im Hinblick auf die faire Produktion von anzüglich Produkten.
          Leider habe ich keinen anderen Tipp für dich, da ich selbst sehr lange nach einer fairen und nachhaltigen Leggings gesucht habe und bisher auf Second-Hand Produkte zurückgegriffen habe.

          Viele liebe Grüße,

          Julia

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  3. Michi

    Super Artikel! Ich versuche gerade bei neu gekauften Sachen mittlerweile auf tierische Materialien zu verzichten. Allerdings finde ich es recht schwierig bei Jeans und Lederpatches. Ich versuche sehr viel Second Hand zu kaufen und da drücke ich bei Schuhen schon mal ein Auge zu, versuche aber auch dort die vegane Variante zu wählen.
    Mein größtes Problem ist tatsächlich Wolle. Da bin ich leider noch nicht so konsequent

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  4. Mila

    Liebe Julia,
    vorab: ich lebe weder vegan noch vegetarisch, woran sich für mich auch nichts ändern wird. Nicht weil ich es nicht könnte, sondern weil ich es nicht möchte. Dennoch bin ich sehr ernährungs- und konsumbewusst und achte darauf, was ich wo kaufe. Ich finde deine konsequente Haltung großartig und lese diese Rubrik sehr gern, weil sie sehr informativ ist. Und Information/Wissen ist nun mal der Schlüssel zu vielen Fragen im Leben. Du sprichst hier nun den Kleber in Schuhen an. Jetzt habe ich vor kurzem gelesen, dass der Leim für Klebebindungen in Büchern tierische Bestandteile enthält, weswegen Veganer im Grunde keine Bücher kaufen „dürften“. Stimmt das so? Aber wie soll das praktich umsetzbar sein?

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    1. Julia Jane Artikelautor

      Hi Mila,

      spannende Frage! Viele Bücher sind tatsächlich mit tierischem Leim geklebt, es sei denn es handelt sich um vegane Bücher oder Magazine, da wird in der Regel darauf geachtet. So ist es zum Beispiel auch bei unserem Vegan Good Life Magazin – vegane Klebebindung ist für uns ein Muss.
      Wenn ich ein Buch kaufen möchte, dann mache ich das nicht davon abhängig, ob der Leim vegan ist oder nicht. In der Regel frage ich es auch nicht vorher bei den Verlagen an, da ich diesen Prozess für verhältnismäßig zu zeitaufwendig halte. Wichtig ist vor allem, dass man sich nicht von starren Regeln lähmen lässt, wenn sie sich praktisch nur schwer anwenden lassen.
      Bei Schuhen gibt es aber in meinen Augen mittlerweile genug Alternativen und trotzdem muss ich sagen, dass ich vollkommen verstehen kann, wenn Einsteiger veganen Kleber bei Textilien nicht zu ihrer Priorität machen.

      Liebst,

      Julia

      Antworten
  5. Mari

    Danke für den Anstoß dieses Themas!
    Ja, wo beginnt die vegane Mode?
    Seit mehr als zwölf Jahren vegan und dementsprechend immer mehr und besser über Hintergründe informiert, ließ ich ziemlich auch schnell die Wolle beiseite. Leider hielten meine synthetischen Strickartikel nicht länger als einen Winter, was mich ziemlich nervte.
    Nun lässt es sich nicht leugnen, dass wir es hier mit einem qualitativ hochwertigen und langlebigen Produkt zu tun haben.
    Seitdem ich über einem Secondhandladen wohne, fand ein Gedankenwandel statt.
    Sofern ich Wolle aus zweiter Hand trage, unterstütze ich keine Wollindustrie, fördere den Kleiderkreislauf und erhalte ein hochwertiges Produkt.
    Was sagst du dazu? Ist dieser Gedanke vertretbar oder ist Wolle hier in dieselbe Kategorie wie Pelz, Leder und Co. zu stecken?

    Alles Liebe,
    Mari

    Antworten
    1. Julia Jane Artikelautor

      Hi Mari,

      danke für deinen Kommentar und deinen Denkanstoß.
      Ich persönlich finde schon, dass es einen Unterschied zwischen Leder, Pelz usw. und Wolle gibt. Für Wolle muss nicht unmittelbar ein Tier sterben, obwohl es hier natürlich ähnlich ist wie bei Milch – die „Leistung“ der Tiere lässt nach, Lammwolle kann nur in einem kurzen Lebensabschnitt der Tiere gewonnen werden und es gibt so viel Nachfrage, dass dieser unter natürlichen Umständen nicht nachgekommen werden kann.
      Ich kenne viele Veganer, die Wolle völlig in Ordnung finden, wenn sie aus nachhaltiger und tierfreundlicher Produktion kommt oder Second-Hand ist. Da es für mich einfach zu zeitaufwendig ist, die jeweiligen Hintergründe zu recherchieren, ich nicht das Gefühl habe, dass mir Wolle irgendwo fehlt und ich es einfach schwierig finde zu beurteilen, ob es okay ist einem Tier „etwas wegzunehmen“, konsumiere ich Wolle einfach gar nicht – auch nicht Second Hand.
      Deine Handhabung finde ich nachhaltig und nachvollziehbar und nur weil ich es anders mache, heißt das nicht, dass deine Herangehensweise für mich falsch ist. Ich bin sowieso ein riesiger Fan von Second-Hand, weil es für mich eine wunderbare Überbrückung darstellt, bis gewisse Produkte überhaupt erstmal nachhaltig, tragbar (!) und fair produziert werden können.

      Liebste Grüße,

      Julia

      Antworten
  6. Lena

    Guter Artikel, sicher sehr interessant für „Einsteiger“. Finde auch deine Haltung zum Buch Thema, was in den Kommentaren aufkam, super! Ich hatte vor kurzem im Uni Café eine Diskussion um Fritz Limo. Ich achte auf meine Ernährung und auf meinen Konsum, jedoch lebe ich nicht vegan. Auf dem Etikett der Limo Flasche stand, dass diese vegan sei. Ich sagte zu meiner Begleitung: Hey die ist ja vegan! Wusste ich nicht. Darauf hin sprang die Bedienung fast über die Theke und fing an einen Vortrag zu halten. Der Kleber vom Etikett sei da aber wohl nicht vegan (fand ich im Internet danach übrigens keine Hinweise zu). Er würde das nicht mehr trinken, obwohl die super lecker wäre. Da musste ich an den Artikel zum Thema Konsequenz denken. Habe dann mit „Konsequenz vs. Perfektion“ argumentiert, hat nichts genutzt. Ich bin nun als Kundin da untendurch. Klar, wenn man in der Thematik eine ganz harte Linie fährt, dann geht das für manche Leute eben gar nicht. Verstehe ich ja auch. Aber dieses angehen von denen, die das eben anders sehen, hat mich echt schockiert..

    Antworten
  7. Claudia

    Zum Thema Leggings:
    Ich liebe die Leggings von Braintree (kaufe sie in einem nachhaltigen Modegeschäft, gibt es auch online bei Avocadostore), Mischung aus Bambus-Viskose und kleiner Teil Bio-Baumwolle, tolles Tragegefühl (ca. 30 Euro).

    Antworten
  8. Madlén Bohéme

    Hey, toller Artikel.

    Ich lebe seit nun vier Jahren vegan (ernährungstechnisch) und sehe es wir Mari: Leder und Secondhand kaufe ich durchaus vegan. Seide, Pelz und Co. kommen mir eh nicht ins Haus, auch nicht Second Hand. Vegane Mode ist leider so ne Sache, ich denke auch hier macht es die Mischung und die Besinnung auf eine Capsule Wardrobe, welche eben nicht das Fast Fashion Prinzip immer mehr und dann weg damit unterstützt. Gerade im Second Hand gibt es so hochqualitative Ware, da hier noch Wert auf gute Stoffe und Verarbeitung gelegt wurde. Kleidung sollte an sich mehr wertgeschätzt werden. Und ich finde es toll, dass mit dieser Rubrik das Thema in Angriff genommen wird. Schöne Basics gibt es ja im Fair Fashion Bereich mittlerweile auch ohne zu tief in die Tasche zu greifen.

    Liebst,

    http://www.madlenboheme.com

    Antworten
  9. Schirinsche

    Hallo Julia, ich ernähre mich nicht konstant vegan oder vegetarisch, mag aber deine Fair Friday Kolumne, weil du hier wertvolle Tipps für ein NACHHALTIGERES Leben an sich gibst. Ich persönlich versuche, wenigstens in kleinen Schritten an vielen Stellen einfach aufmerksamer, bewußter und damit weniger zu konsumieren und ich finde, dass würde jedem gut tun. Egal ob vegan oder wieauchimmer. 15 Paar Jeans und dann noch eins? Warum? Immer den neuesten Look daheim, warum? Ständig andere Trends, warum? Die verflixte Schnelllebigkeit im kompletten „Konsumbereich“ versperrt uns den Weg zu mehr Bewusstsein darüber, ob das wirklich alles sein muss und ob man wirklich alles haben muss. Überall gibt es Tonnen von Inspiration und Shopping-Ideen/-Vorschlägen und aktivieren bei uns den „Muss-ich-haben“-Bereich im Hirn. Ständig. Egal, ob Mode, Einrichtung, Technik, … Deshalb zählt jede Entscheidung, die in Richtung „fair“, „second hand“ oder“ nein, das kaufe ich jetzt nicht“ zielt! Bitte weiter so und mehr davon, es ist schon schwierig genug! (Auch wenn es dann wieder Shopping-Inspirationen sind … 😉 )

    Antworten
  10. Anja K.

    Ganz toller und wichtiger Artikel, den man auf einem Blog, der unablässig Konsum propagiert (aber gut, man lebt ja von den Beworbenen), gar nicht erwartet! Ich selbst versuche schon seit Jahren so nachhaltig wie möglich zu leben. Ich kaufe meine Klamotten ausschliesslich 2nd Hand (auf Portalen wie http://www.kleiderkorb.de lässt es sich (noch) ausgezeichnet und günstig kaufen, tauschen, verkaufen) und den Geldbeutel schont es auch.
    Auf diesem Blog kann man prima Kolumnen lesen und demnächst hoffentlich mehr von dir, liebe Julia. Von den Modesachen, die hier vorgestellt werden, habe ich ohnehin noch nie etwas gekauft- alles zu teuer / aus unfairer Produktion und leider viel zu altbacken kombiniert, daher nicht einmal inspirierend. Das ändert sich jetzt hoffentlich.
    Ganz liebe Grüße,
    A.

    Antworten
  11. Anja

    Ein toller Artikel, der die großen Problembereiche übersichtlich in den Kernpunkten zusammenfasst. Ganz toll!!! <3 <3

    Antworten
  12. Bina

    Ein super Artikel. Ich kaufe sowieso keine Produkte mit Pelz. Seit letztem Jahr nun auch kein Leder mehr. Seide ist mir nicht besonders wichtig, also kann ich darauf auch gut verzichten. Nur mit Wolle habe ich noch so mein Problem, bin mir aber über die schlechten Bedingungen für die Tiere bewusst und möchte mehr und mehr auf die Herkunft der Wollteile achten. Mit dem Klebstoff achte ich nicht komplett drauf . manchmal gefallen mir Schuhe aus Kunstleder, wo ich nicht weiß, welcher Klebstoff verwendet wurde. Aber ich hoffe, dass sich die Möglichkeiten und Alternativen weiter ändern und ich irgendwann einen komplett veganen Kleiderschrank habe.
    Liebst, Bina

    Antworten

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