Fair Friday Kolumne //
Warum vegan nicht gleich extrem bedeutet

vegan

Ich sag’s euch, ich empfinde es zuweilen als verflixt schwierig mit der Menschheit – und das hier wird kein Wohlfühlartikel. Meine Augen tun manchmal richtig weh vom im-Kreis-Rollen. Es ist vor allem dieses innerliche Augenrollen, das total anstrengend, oftmals aber auch unvermeidlich ist. Wer möchte schon ungefragt auf einer Geburtstagsparty von Moral und Ethik anfangen – höchstens jemand, der nicht mehr eingeladen werden möchte. Das gilt aber natürlich nur, wenn die eigene Meinung nicht deckungsgleich mit der aller anderen ist. Denn seine (zur Zeit noch) konsenstaugliche Meinung zu ethischen Themen selbstbewusst heraus zu posaunen, das scheint irgendwie sozial anerkannt.

Hier ist mein Problem: Ganz vorne mit dabei bin ich, wenn es darum geht, „diese Veganer“ auf ihrem Siegeszug in Richtung Mainstream immer mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Ich möchte vieles, was da so passiert, nicht hören und sehen, diese zeitweilige Überheblichkeit und Selbstdarstellung. Zum Fremdschämen und – zum wiederholten Male – Augenleiern. Was ich aber mindestens genauso wenig in meinem Alltag haben möchte, sind fadenscheinigen Ausreden von Menschen, die so bequem und selbstgerecht durchs Leben stiefeln, dass es mir angesichts ihres völlig unangebrachten Selbstbewusstseins regelmäßig die Sprache verschlägt. Ihr möchtet Wurst aufs Brot essen, Milch in eure Honey-Loops gießen und zu Omas 80. ein Spanferkel am Spieß drehen? 

Dann macht das doch. Es ist vollkommen euer Recht. Und mein Recht ist es, das absolut nicht okay zu finden. Von mir aus können wir es jetzt dabei belassen. Ein kurzer und schmerzloser Austausch, fertig. Das Problem sind jene, die immerzu versuchen, mir ihren Lebensstil als bewusste, durchdachte und zu rechtfertigende Entscheidung zu verkaufen. Denen keine Floskel zu beknackt ist, um mir Verständnis oder Zustimmung abzuringen. Die ständig davon reden, dass Veganer extrem sind und sich abnormal, ja, sogar unnatürlich verhalten. Das ist wirklich extrem nervig! Und lässt mich vermuten, dass Angst vor jeglicher Art von Eingeständnis, Veränderung und Weiterwicklung offensichtlich ihr Urteilsvermögen vernebelt haben muss.

Realität, irgendjemand?

Denn ich habe eine relativ klare Vorstellung davon, was landläufig in der Produktion tierischer Produkte als völlig normal, legal und anerkannt gilt. Ich weiß besser als die meisten Menschen, wie die Realität wirklich aussieht und finde die Worte „extrem“ und „abnormal“ hier deutlich angebrachter. In meinem Agrarwissenschaftsstudium habe ich mir nämlich von vorne bis hinten alle gängigen Praxen der Tierindustrie reingezogen, habe das Ganze bildlich durch einen Besuch auf dem Tierversuchshof meiner Universität in mein Oberstübchen brennen können und zig Prüfungen zu diesem Thema geschrieben.

Wie wäre es zum Beispiel mit einem klitzekleinen Auszug aus der Milchproduktion? Also: Ein Kälbchen wird geboren und nach maximal 48h von seiner Mutter getrennt. Es wächst mit anderen Kälbchen oder in Einzelhaltung auf, bekommt Ersatzmilch und sieht seine Mutter nie wieder. Kühe sind intelligente und soziale Tiere, sie merken sehr wohl, wenn ihr Kalb plötzlich nicht mehr da ist und rufen oft tagelang nach ihnen. Fun-Fact am Rande: Einen Welpen darf man nach den Tierschutzgesetz erst nach 8 Wochen (!) von seiner Mutter trennen. Bevor das Kalb 6 Wochen alt ist, wird es enthornt, es wird also das Hornwachstum gestoppt. Dazu wird ein über 500 Grad heißer Lötkolben jeweils auf die erhöhten Kopfstellen gepresst, an der später theoretisch das Horn wachsen soll. Dies geschieht in nicht-biologischen Betrieben völlig legal ohne jegliche Betäubung des Kalbs. Ja, das Kalb zappelt. Ja, das Kalb hat Schmerzen. Nein, Landwirte reden nicht gerne über dieses Thema. Sogar auf dem Versuchshof meiner Uni wurde die ganze Prozedur schlichtweg verschwiegen. Ist das Kalb männlich, landet es nach sehr kurzer Lebenszeit als Kalbsschnitzel auf dem Teller, ist es ein weibliches Kalb, wird es nach ca. 15 Monaten zwangsbefruchtet und nach 4-5 „Leistungsjahren“ geschlachtet. Eine Kuh kann normalerweise bis zu 20 Jahre alt werden. Das ist eine Realität, die man getrost als extrem und abnormal bezeichnen sollte, als falsch und unnatürlich. Zumindest empfinde ich das so. Die Tierindustrie ist grausam und ein Realität gewordener Alptraum, immer und überall, ohne Ausnahme. Es gibt keine tierfreundlich produzierte Milch, kein Fleisch aus artgerechter Haltung. Auch nicht im Biobereich. Auch nicht bei dubiosen Tierschutzsiegeln. Auch nicht beim sogenannten „Metzger des Vertrauens“.

„Das ist mir zu extrem“

Veganismus ist eine zu 100% positive, lebensbejahende und friedliche Lebensweise, die nach bestem Wissen und Gewissen versucht, völlig überflüssiges Leid zu ersparen. Nichts daran ist extrem oder abnormal, ganz und im völligen Gegenteil. Es gibt Momente, da wünsche ich jenen Menschen, die diese ganze Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes in Kauf nehmen und lautstark verteidigen, dass sie niemals begreifen, was sie da eigentlich mitverantworten. Denn das wird ziemlich sicher eine arg schmerzhafte Kollision mit dem eigenen Gewissen. Das hier ist kein Fleischesser-Bashing. Keine Milchtrinker-Verteufelung. Ich bin nicht als Veganerin geboren und bin weit davon entfernt, perfekt zu sein. Das hier ist lediglich eine simple Klarstellung der Faktenlage. Tierische Produkte zu konsumieren ist ethisch nicht vertretbar. Was wir Menschen tagtäglich im Supermarkt verantworten ist extrem unfair, extrem verantwortungslos, verursacht extremes Leid und ist extrem falsch. Man kann das jetzt schönreden, legitimieren, schnell vergessen oder wegschieben, aber es bleibt trotzdem die Wahrheit. Ja, es ist besser, weniger Fleisch- und Milchprodukte zu essen. Ja, es ist besser bio zu kaufen. Nein, das reicht nicht.

Und bevor ich diesen Krawallartikel hier gleich abschließe noch eine Sache: Auch das vermeintliche Gegenteil von Selbstgerechtigkeit, nämlich das bewusste Vortäuschen von Schwäche, gerne durch Äußerungen wie „ich könnte das ja nicht“, führt bei mir zur Augenleier-Dauerschleife. Denn es gibt genau zwei Möglichkeiten, eine solche Aussage zu interpretieren: Entweder denkt derjenige tatsächlich, dass er nicht die psychischen und physischen Voraussetzungen und die Willensstärke hat, um wenigstens mal zu versuchen auf tierische Produkte zu verzichten (oder sich zu beschränken) – dann hat diese Person eine wirklich erschreckend niedrigen Anspruch an sich selbst und dafür sicherlich kein Lob verdient. Oder aber – und das trifft wohl auf 99 Prozent der Fälle zu – „ich kann nicht“ ist schlichtweg die sozialverträglichere Version von „ich will nicht“.

Wir sind frei – machen wir was draus

Ich wünsche mir, dass ihr tut, was ihr für richtig haltet. Ich kann euch sagen, was ich für richtig halte, aber das spielt eigentlich keine Rolle. Ein großer Vorzug des Erwachsenseins ist schließlich, im gesetzlichen Rahmen freie Entscheidungen über das eigene Leben fällen zu können. Aber dazu gehört auch, nicht feige zu sein und zu seinen Entscheidungen zu stehen. Stellt euch nicht hin wie kleine Kinder und sucht verzweifelt das Echo eurer Meinung in der Masse, schaut euch nicht verunsichert um, auf welchem bunt-blinkenden Feld die anderen stehen und werdet nicht immer aggressiver, je dünner das argumentative Eis wird. Lenkt nicht ab von euren eigenen Entscheidungen und hört auf mit diesem unerträglichen „Veganer sind so extrem“-Schwachsinn. Macht euch grade, kneift eure knackigen Pobacken zusammen und seid euch sicher, bei dem was ihr da tut. Oder beweist Größe und ändert was. Raus da aus der verstaubten Comfortzone. Alles andere – und das kommt von Herzen – ist eine echt schwache Leistung.

<3

 

Noch mehr von unserer Julia Jane gibt’s hier:
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http://www.vegan-good-life.com

34 Kommentare

  1. Jana

    Hui, was für ein Artikel, liebe Julia! Ich stimme dir bei ganz vielen Dingen zu. Vor allem dieses „Ich könnte das nicht“ ist wirklich nervig. Jetzt kommt aber das große ABER: ich finde es zu viel Nicht-Veganern gleich zu unterstellen ihre Entscheidung könne nicht durchdacht und bewusst sein (dass es nicht zu rechtfertigen ist, gestehe ich durchaus zu). Ich rede hier jetzt auch gar nicht von Leuten, die sich jeden Morgen dick Salami aufs Brot knallen und täglich ihr Flesich zum Mittag essen. Aber nicht 100%ig vegan zu leben kann durchaus bewusst entschieden sein. Und das geht nämlich ganz arg in die Richtung früherer Artikel von dir zum Abwägen, Prioritäten setzen und nicht von sich selbst erwarten, alles immer ganz korrekt zu machen. Oft ist man nämlich gezwungen, abzuwägen, denn auch viele nicht-tierische Produkte sind ethisch nicht vertretbar, zwar dann nicht unbedingt wegen Tierleid, aber stattdessen wegen Ausbeutung von Menschen oder fehlender Umweltverträglichkeit. Alles geht leider nicht immer. Deswegen kann es auch durchaus eine bewusst durchdachte Entscheidung sein, z.B. Milch zu trinken, aber keine Palmölprodukte zu kaufen oder die alten Lederschuhe aufzutragen, anstatt die Billigproduktion von Plastikschuhen auf Erdölbasis anzukurbeln. Deswegen finde ich diese „Veganer vs Fleischesser“ sehr schade. Es gibt soviele Abstufen des (un)ethischen Lebens!

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    1. Arnold

      Hi T.,

      wie meinst du das, „Tiere sind Tiere“? Egal, wie lange ich darüber nachdenke, kann ich diese Aussage nur so verstehen: „Tiere sind keine Menschen, deswegen ist es okay, dass sie geschlachtet werden, nachdem sie ein glückliches Leben auf der Weide hatten.“ Meinst du das so?

      Dann habe ich eine Frage: Warum ist die Kategorie des Säugetiers, das geschlachtet wird, wichtig? Wenn es ein menschliches Säugetier ist, dann darf man es nicht umbringen, wenn es ein nicht-menschliches Säugetier ist, schon? Ich verstehe die Logik nicht und ich frage dich wirklich aus Interesse. Sollten nicht andere Dinge im Vordergrund stehen? Zum Beispiel die Fähigkeit, Schmerzen und Angst, aber auch Freude und Zuneigung empfinden zu können? Leider konnte mir diese Fragen bislang niemand so recht beantworten, vielleicht kannst du das ja, du scheinst dir ja sehr sicher zu sein.

      Ich denke oft, dass diese Labels einfach nur dafür da sind, uns davon abzuhalten, wirklich über die Lebewesen dahinter nachzudenken. Ich glaube, dass sie tatsächlich eher „ent-lebewest“ statt „vermenschlicht“ werden. Oder wie siehst du das?

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  2. Marie

    Danke liebe Julia für diesen Artikel und Deine ehrlichen Worte. Ich muss mir regelmäßig anhören, für mich wäre es leichter, kein Fleisch zu essen, da ich es nie so gerne mochte. Für mein jeweiliges Gegenüber sei das jedoch (aus tausend fadenscheinigen Gründen) viel schwieriger und deshalb nicht umsetzbar.
    Du bist wirklich eine Bereicherung für dieses Blog und ich freue mich jedes Mal auf Deine Beiträge!

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  3. T.

    Ja, Tiere haben Gefühle. Es tut mir leid, wenn ich sehe, wie Rinder hier zur örtlichen Schlachterei gebracht werden. Ich hoffe dann, dass die bis zu ihrer Schlachtung ein glückliches Leben auf der grünen Weide gehabt haben, aber nachprüfen kann ich es nicht. Trotzdem: Tiere sind Tiere und wir sollten sie nicht zu sehr vermenschlichen.
    Ich esse eher wenig Fleisch und versuche auch die Menschen in meiner Umgebung dazu zu bewegen, weniger Fleisch zu essen (also diejenigen, die viel essen) aber ganz darauf verzichten möchte ich (zumindest derzeit) nicht. Noch weniger auf Fisch, Geflügel, Eier und Milchprodukte.

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    1. Arnold

      Hi T.,

      wie meinst du das, „Tiere sind Tiere“? Egal, wie lange ich darüber nachdenke, kann ich diese Aussage nur so verstehen: „Tiere sind keine Menschen, deswegen ist es okay, dass sie geschlachtet werden, nachdem sie ein glückliches Leben auf der Weide hatten.“ Meinst du das so?

      Dann habe ich eine Frage: Warum ist die Kategorie des Säugetiers, das geschlachtet wird, wichtig? Wenn es ein menschliches Säugetier ist, dann darf man es nicht umbringen, wenn es ein nicht-menschliches Säugetier ist, schon? Ich verstehe die Logik nicht und ich frage dich wirklich aus Interesse. Sollten nicht andere Dinge im Vordergrund stehen? Zum Beispiel die Fähigkeit, Schmerzen und Angst, aber auch Freude und Zuneigung empfinden zu können? Leider konnte mir diese Fragen bislang niemand so recht beantworten, vielleicht kannst du das ja, du scheinst dir ja sehr sicher zu sein.

      Ich denke oft, dass diese Labels einfach nur dafür da sind, uns davon abzuhalten, wirklich über die Lebewesen dahinter nachzudenken. Ich glaube, dass sie tatsächlich eher „ent-lebewest“ statt „vermenschlicht“ werden. Oder wie siehst du das?

      Antworten
  4. NHoa

    Danke für den Artikel. Ich höre ganz oft Kommentare wie „..sie war auch ‚mal vegan, aber hat dann eingesehen, dass es nichts gebracht hat..“ „wie kannst du nur ohne Käse oder Milch, ist das nicht anstrengend?“ „Aber Fisch ist doch kein Fleisch..“

    Oft erzähle ich den Leuten gar nichts von meiner Lebensweise, weil ich es nicht mehr ertragen kann, wie viele Menschen einfach von sich auf andere schließen. „Du musst gar nicht, das mache ich aus ethischen Gründen und nicht um dir oder anderen einen Gefallen zu tun..“

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  5. Pi

    super interessanter artikel!
    dass die etablierte fleisch- und tierprodukt-industrie ethisch nicht vertretbar ist, steht außer frage.
    dass menschen reine pflanzenfresser sind, leider nicht.

    auch ich habe eine lange vegetarische und eine etwas kürzere vegane phase durchlebt, bis ich schwanger wurde und wieder einen unbändigen fleischhunger entwickelte. daraufhin habe ich mich mit ernährungsempfehlungen für schwangere, stillende und babies auseinandergesetzt und festgestellt, dass diese überwiegend fleisch und milchprodukte inkludieren. da ich in dieser speziellen lebensphase meine gesundheit und die meines babies priotisiere, habe ich wieder milchprodukte, fleisch und vor allem fisch (omega 3 zur gehirnentwicklung!) in unseren speiseplan mit aufgenommen. ich ernähre mich und meine familie nun zum großteil planzenbasiert und achte bei den minimalst eingesetzten tierprodukten auf eine biologische herkunft. genauso halten es wohl sehr viele konsumenten, die eine etisch vertretbare ernährung anstreben, aber von den konfliktären empfehlungen der ernährungswissenschaft verunsichert sind. besonders halten es so viele junge mütter in meinem umfeld. mit einem baby unterm herzen (und dann im arm) ändern sich die prioritäten und für dessen gesundheit und wohlergehen nehmen viele die vorteile in anspruch, an der spitze der nahrungskette zu stehen, auch wenn dies mit der eigenen ethischen weltanschauung kollidiert. hast du vielleicht, als veganismus-expertin, wissenschaftliche, peer-reviewed studien und artikel in petto, die sich für eine vegane ernährung in schwangerschaft, stillzeit und für babies aussprechen? ich würde wirklich gern wieder mehr in diese richtung gehen, möchte aber wie gesagt nicht die gesundheit meiner familie kompromittieren.

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    1. elefteria

      diese ernährungsempfehlungen kommen aber auch deshalb zustande, weil 99% der bevölkerung nun mal milch- & fleischprodukte konsumieren und deshalb selbst ärzte/ernährungsberater nicht objektive empfehlungen geben. ich vertraue da nur noch meinen eigenen recherchen, da ernährung ein so komplexes thema ist, dass man nie absolut die aussage treffen könnte dass schwangere fleisch essen müssen oder milchprodukte. prinzipiell lassen sich leider alle aussagen durch irgendwelche studien belegen, und man muss herausfinden, welche dieser studien ernstzunehmen sind (d.h. von wem sie beauftragt wurden & wie die stichprobe & datenerhebung durchgeführt wurde). und am rande: omega-3 ist in leinsamen, chiasamen und walnüssen enthalten, sogar in einem für den menschlichen körper viel besser aufzunehmenden verhältnis. das sind nur die dinge die ich herausgefunden habe, aber ich finds super dass du interesse hast mehr in richtung vegan zugehen!

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      1. Pi

        ja,ich erkenne die problematik, die du hier ansprichst. damit hast du vollkommen recht!
        lobby, hegemoniale strukturen, pfadabhängigkeit und auch soziale erwünschtheit und bequemlichkeit spielen sicherlich eine große rolle, auch in der wissenschaft, die nach ihren eigenen ethischen kriterien eigentlich unabhängig und bescheiden agieren muss.

        da ich aber leider einen anderen wissenschaftlichen zweig als ernährungswissenschaften eingeschlagen habe, kann ich hier keine eigenen forschungen anstreben und muss auf empfehlungen aus möglichst unabhängigen, etablierten quellen hören. meine eigenen recherchen auf google scholar, researchgate und ähnlichen einschlägigen wissenschaftsdatenbanken haben leider zu dem oben beschriebene ergebnis geführt. daher die frage nach wissenschaftlichen, peer-reviewed quellen an julia =D. kannst du mir vielleicht solche studien und artikel empfehlen?

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        1. Julia Jane Artikelautor

          Liebe Pi,

          danke für deine immer sehr interessanten Kommentare. Ich wiederhole an dieser Stelle nochmal, dass ich selber keine Mama und auch nicht schwanger bin. Wenn ich ein Kind hätte, würde ich es ganz sicher vegan ernähren, da ich überzeugt bin, dass ein Baby im Grunde nichts anderes braucht als ein Erwachsener (im Grunde, nicht im Detail!). Das ist meine Auffassung und keine Wertung deiner. Ich glaube übrigens nicht, dass eine moderate Ernährung inkl. Fleisch, Fisch und Milch (obwohl letztere noch am kritischsten zu betrachten ist) ungesund für ein Baby oder Kind ist. Es wäre für mich vor allem eine ethische Entscheidung. Die einzige Quelle, die ich dir hier mit gutem Gewissen schicken kann, ist eine Informationsseite von Peta: http://www.peta.de/gesundemama Ganz unten im Artikel findest du die Quellenangaben und weiterführende Literatur. Vielleicht hilft dir das weiter <3

          Liebe Grüße,

          Julia

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          1. Pi

            danke für diese empfehlungen julia! leider geht die weiterführende literatur hier nur auf eine vegetarische diät und nahrungsergänzungspräparate ein, nicht auf eine vegane ernährung in schwangerschaft, stillzeit und fürs baby. die datenlage scheint immernoch so dünn zu sein wie vor zwei jahren. super schade! es ist echt krass, wie sehr die meinungen in den ernährungswissenschaften auseinandergehen, dadurch wird man wirklich ganz schön verunsichert.

          2. Jana

            Ich habe da gerade durch Zufall was gefunden und musste an die Diskussion hier denken. Vielleicht liest es ja noch jemand, den es interessiert. Bei der welt.de (jaja, fragt mich nicht, wie ich da gelandet bin…) gab es diesen Artikel hier: http://www.welt.de/wissenschaft/article157241024/So-gefaehrlich-ist-Veganismus-in-der-Schwangerschaft.html?wtrid=socialmedia.socialflow….socialflow_facebook
            Natürlich reißerisch geschrieben. Aber um den Artikel geht es mir nicht als Informationsbasis. Wichtig ist, dass darin ein Review (Piccoli et al., 2015) über wissenschaftliche Studien zum Thema verlinkt ist: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1471-0528.13280/pdf
            Die Conclusion ist, dass die Evidenzlage nicht eindeutig genug ist um sichere Schlüsse zu ziehen, es aber danach aussieht, dass vegane Ernährung in der Schwangerschaft als sicher angesehen werden kann, WENN auf eine ausreichende Zufuhr bestimmer Vitamine und Mineralstoffe besonders geachtet wird.
            Leider also keine definitive Antwort, aber immerhin eine wissenschaftliche Quelle mit vielen Referenzen zu verwandten Arbeiten.

    2. Pi

      diese änderung meiner vormals vegetarischen/veganen einstellung durch schwangerschaft und mutterschaft wirst du als nicht-mama (glaub ich doch?) wahrscheinlich schwer nachvollziehen können. aber so ist das nunmal mit uns menschen: jeder hat seine eigene wahrheit und leitet davon seine eigene ethik ab.

      ich versuche, mich bei all meinen entscheidungen von ethik/liebe und wissenschaft leiten zu lassen, aber leider sind auch die daraus abgeleiteten empfehlungen oft konfliktär.

      um adornos brilliante sentenz zu zitieren: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ –
      zumindest nicht in unserem aktuellen gesellschafts- und wirtschaftssystem.

      du hast, um deinen lebensstil ethisch vetreten zu können, den veganismus als dominierende prämisse gewählt, weil du überzeugt bist, dass dies am meisten zur nachhaltigkeit beiträgt.

      da ich als konsumpsychologin eine andere brille aufhabe, sehe ich hyperkonsum, materialismus und konsumerismus als größte bedrohung für menschheit und den planeten erde an.
      mich würde, sehr interessieren, wie du mit der kongnitiven dissonanz umgehst, für einen blog zu schreiben, der
      1). allgemein den konsum ankurbelt und die ständige akquisition neuer produkte als weg zu einem glücklicheren und besseren leben proklamiert (was er wissenschaftlich erwiesen nicht leisten kann!)
      2) auch tierische produkte in der mode, wie leder und seide, cashmere etc. bewirbt und damit deren konsum befördert.

      dies mag wie eine ketzerische frage klingen, es ist aber wirklich nicht böse gemeint und interessiert mich in der tat sehr. wir sind alle weit, weit weg davon perfekt zu sein. es lohnt sich aber für alle, ihre lebensweise und ethik immer mal wieder zu diskutieren, kritisch zu hinterfragen, und danach zu streben, es besser zu machen. ich hoffe, du fühlst dich nicht angegriffen und freue mich auf deine antwort!

      Antworten
      1. Sybille

        Hey Pi, ich bin zwar nicht Julia, aber ich würde dir trotzdem gerne auf zwei Dinge antworten.
        1.) Wie gehst du mit der kognitiven Dissonanz um, für diesen Blog zu schreiben? (Bitte das Folgende nicht als Angriff sehen, aber ich denke du bist nicht die Einzige, die sich das fragt, darum dachte ich, kann ich mal dazu was sagen)
        – Nur weil man einen anderen (ethischen, bewussteren) Lebensstil pflegt, kann man trotzdem Menschen, die das nicht (in der Form) tun, mögen. Man darf sogar für sie arbeiten. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Das gleiche gilt für das Thema Konsum. Ich stimme dir übrigens absolut zu in der These. (Dass übermäßiger Konsum eine Bedrohung ist.) Dennoch laufen wir ja alle nicht nackt rum. Man muss es ja nicht wie die Janes machen, aber ihr Kleidungsstil ist trotzdem toll und man kann sich definitiv hin und wieder zu dem einen oder anderen Outfit inspirieren lassen. Oder sich einfach nur die Bilder anschauen, ist doch auch schön. Bewusstsein hilft hier sehr, nicht in den Konsumwünschen zu ertrinken. Der Veganismus hilft übrigens sehr bei vielen Bewusstwerdungsprozessen.
        – Ich finde es gut, dass Julia für diesen Blog schreibt, weil sie dadurch Menschen erreicht, inspiriert und sensibilisiert, die sich vielleicht sonst nicht mit diesen Themen beschäftigen. Und da der Blog ziemlich populär ist, hat sie alles genau richtig gemacht. Sie kann dadurch eine größere Masse erreichen. Denn alle anderen, die bereits vegan und nachhaltig leben, kennen sich aus und wissen bereits sehr viel.
        2.) Wie geht man mit dem Konflikt um, wenn man schwanger ist, vegan lebt, aber Angst um die Gesundheit seines Kindes/seiner Familie hat?
        Hatte ich auch, kann ich verstehen. Ich bin vegan, stille sogar noch und habe ein 13 Monate altes Baby (mittlerweile Kleinkind). Ich kann dir keine peer-reviewed Quellen nennen (weiß nicht mal was das ist, ich vermute Studien), aber: Ich habe eine vegane Schwangerschaft und Stillzeit hinter mir und kann aus persönlicher Erfahrung und mittlerweile durch sehr viel Recherche zum Thema Ernährung sagen: Ich fühle mich seit ich vegan bin, mental und körperlich, gesünder und fitter, inkl. Schwangerschaft und Stillzeit. Das liegt daran, dass sich meine Nährstoffaufnahme verbessert hat und ich andere, gesündere und auch besser resorbierbare Nahrungsmittel zu mir nehme. Ich bin mir sicher, dass mein Körper (und der meines Kindes) mit allen Mineralstoffen versorgt ist, sogar besser als vorher, weil ich mich, wie gesagt, gesünder und fitter fühle. Auch der Nebel im Kopf ist verschwunden. Es geht hier also nicht nur um Ethik, sondern auch um tatsächliche Gesundheit und Wohlbefinden. Ich habe die Schwangerschaft sehr gut überstanden, hatte keine großen Heißhungerattacken, habe meine alte Figur recht unkompliziert wiederbekommen, mein Baby ist nie krank und entwickelt sich super (sowohl geistig als auch körperlich). Ich bin kein Ernährungsexperte, aber aus persönlicher Erfahrung und durch das, was ich über Ernährung gelesen und recherchiert habe, könnte dein Fleischhunger vielleicht durch einen Nährstoffmangel gekommen sein, denn ähnlich verhält es sich bei Heißhungerattacken auf Süßes oder Salziges. Der Körper benötigt bestimmte Nährstoffe (Mineralien, Vitamine etc.), und schreit dann nach den schnellen, ungesunden Ersatz-Nährstoffen, z.B. Zucker. Vegan heißt übrigens nicht gleich gesund, wenn nicht darauf geachtet wird, dass man das Richtige isst oder sich ausgewogen ernährt. Das soll nicht altklug klingen, aber ich habe am Anfang auch Fehler gemacht, aus denen ich gelernt habe. Ich mache höchtwahrscheinlich immer noch welche, aber ich sehe das eher als Ansporn mich weiter zu entwickeln.
        Ist vielleicht nicht wissenschaftlich, aber persönlich erprobt und für gut befunden. :)

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        1. Pi

          danke für deine ausführliche erklärung und deine guten tips zu veganismus in schwangerschaft und stillzeit, liebe sybille. deine art zu argumentieren macht mut und lust, sich wieder mehr mit dem thema zu beschäftigen. das ist EMPOWERMENT und mMn der beste und effektivste weg, andere menschen von dem zu überzeugen und begeistern, was man selbst für wichtig und richtig hält.

          da ich mich selbst auf ein thema spezialisiert habe, in dem der grat zwischen ideologie und wissenschaft sehr schmal ist, wünsche ich mir allerdings nach wie vor sehr noch mehr wissenschaftliche fundierte informationen zu veganismus in schwangerschaft/stillzeit und babynahrung. ich möchte sicher sein können, dass ich damit auch langfristig das richtige für mich und mein baby tue – und langzeitstudien, bzw. langfristige folgen von veganer ernährung in dieser zeit sind leider nicht vorhanden bzw sehr rar. wenn irgendjemand hier noch quellen in petto hat, bitte her damit minirock)..bei so vielen tollen eigenschaften ist es doch gerechtfertigt, dass ich mir das hundertste paar schuhe kaufe und euch alle animiere, das auch zu tun, oder etwa nicht?“.

          da positive und negative aspekte bei ernährung und konsum so eng miteinander verwoben ist, fällt es sehr schwer zu der – auch von dir erwähnten – ERKENNTNIS zu gelangen. und genau da helfen ethik (ich als hippie im herzen nenne es auch gern liebe <3) und, tadaaa, wissenschaft. hier kenne ich mich in meinem spezialgebiet natürlich besser aus.
          im bereich konsum ist die wissenschaftliche beweislage überwältigend: materialismus und konsumismus (das wertschätzen von dingen, streben nach identität, glück und lebenssinn durch konsum, fokus auf konsumverhalten zur steigerung des selbstwertes und zur gesellschaftlichen distinktion…) korreliert sehr stark mit umweltschädigendem, egoistischen verhalten. noch stärker ist allerdings die korrelation mit persönlichem unwohlsein und unzufriedenheit. je mehr man sich auf konsum und das ständige kaufen schöner dinge fokussiert ,um nach dem guten leben zu streben, desto unglücklicher und unzufriedener wird man. durch die fokussierung auf das außen und die schöne darstellung werden soziale vergleiche, wettbewerb und das streben nach status und image befödert – unzufriedenheit, das gefühl, nicht zu genügen, depressionen, angstzustände etc nehmen zu. das ist das gegenteil von dem, was an allen ecken und leider auch oft hier suggeriert wird. wer mehr dazu lesen mag, kann bei google scholar nach „materialism and subjective wellbeing“ suchen.
          unser materialismus-problem ist immens und seine negativen folgen für mensch und natur werden extrem unterschätzt – und zwar nicht nur im sinne von nachhaltigkeit in ferner zukunft, sondern im hier und jetzt. es fällt sehr schwer, sich vom konsumglauben zu lösen, wenn das gesamte system um uns herum das gegenteil erzählt. das problem wird, wenn es überhaupt erkannt wird, ständig verniedlicht „ich hab nen schuh/taschen-tick – i’m such a nerd, hihi“ und heruntergespielt. genau so ist es mit dem veganismus! stichwort “ oh, ich finde so ne salat-mädchen voll albern, ohne fleisch werde ich aggro, hihi“ . wie kommt man z.B. gegen die super erfolgreiche „got milk?“ (auf deutsch: „die milch machts“) werbekampang an, die immer noch dermaßen nachhallt, dass die meisten felsenfels davon überzeugt sind, sich mit möglichst viel milch was total gutes zu tun? mir hilft in solchen situationen eine klarstellung durch die wissenschaft. menschen mit informationen versorgen, sie mündig machen. und sie mit empowerment überzeugen und begeistern!
          und natürlich weiß ich, ebenso wie du und wie julia, dass das hier genau die richtige plattform dazu ist, um die menschen, die einem demographisch und auch von den interessen und gedankengängen her oft sehr ähnlich sind, von dem thema zu begeistern, dass einem so am herzen liegt. die janes sind, genau wie ihre leserinnen, überdurchschnittlich reflektiert und menschlich geblieben in diesem ganzen modezirkus. wir interessieren uns doch hier alle für schöne kleidung, zeitgeist, gesellschaftlicheund mode strömungen, tolle farben und formen, stoffe und schnitte. und das hat auch, bis zu einem gewissen maß, seine berechtigung! trotzdem wünsche ich mir sehr, so sehr, dass die kritischen seiten von konsum und modezirkus noch etwas mehr überdacht werden und menschen-, gesellschafts- und umweltfreundlichere alternativen etwas mehr beachtung finden. es muss nicht immer das neuste, trendigste und immer mehr und teuer werden. man kann sich auch extrem gut und viel individueller und kreativer mit second hand, alten lieblingen, neuen kombinationen, DIY oder professionell umgestalteten und umgeschneiderten kleidungsstücken, mit auf fairness und nachhaltigkeit wertlegenden marken, kleiden – und man ist erwiesenermaßen glücklicher, wenn man weniger und bewusster konsumiert und dadurch die kleidung und ihre herkunft viel mehr wertschätzt, und öfter spazieren führen kann. mode macht viel mehr spaß und sinn, wenn sie intrinsisch und nicht extrinsisch motiviert ist, dann ist man auch frei von trendmarken, geklont wirkenden key pieces und dem preisschildchen. darüberhinaus werden hier ja ohnehin schon viel mehr themen als nur mode behandelt, da ist es nicht abwägig, noch mehr darauf einzugehen, dass mode und dinge niemals zum dreh- und ankerpunkt des lebens werden sollten. denn das sind – wieder mal wissenschaftlich bewiesen – im optimalfall inneres wachstum, kreativität und selbstentfaltung, sich sinnbringend engagieren, soziale bindungen, anderen helfen und fuck yeah, liebe! Dann wiedersprechen sich glück und zufriedenheit und nachhaltigkeit auch nicht, im gegenteil!

          das ist natürlich eine sehr schwierige gratwanderung, wenn man wie die janes ständig von schönen versuchungen umgeben ist, von firmen umworben und mit produkten beschenkt wird, und – ich wiederhole mich – es ist schon ne ganz schöne leistung, dass die beiden immer wieder beweisen, dass sie ihre integrität im modezirkus wahren und mit den füßen auf dem boden bleiben wollen. ich bin mir sicher, dass ich die beiden und auch manche leserinnen mit meinem input manchmal ganz schön nerve. aber ich bin mir auch sicher, dass ich hier damit an der richtigen adresse bin <3

          Antworten
          1. Nike Jane

            Pi, ich liebe deinen Input . es geht mir runter wie Butter, dass hier Menschen mit überdurchschnittlich „großem“ Hirn mitlesen <3

        2. Pi

          yo janes, ihr habt den falschen (also den richtig formatierten) kommentar gelöscht.
          hier nochmal:

          danke für deine ausführliche erklärung und deine guten tips zu veganismus in schwangerschaft und stillzeit, liebe sybille. deine art zu argumentieren macht mut und lust, sich wieder mehr mit dem thema zu beschäftigen. das ist EMPOWERMENT und mMn der beste und effektivste weg, andere menschen von dem zu überzeugen und begeistern, was man selbst für wichtig und richtig hält.

          da ich mich selbst auf ein thema spezialisiert habe, in dem der grat zwischen ideologie und wissenschaft sehr schmal ist, wünsche ich mir allerdings nach wie vor sehr noch mehr wissenschaftliche fundierte informationen zu veganismus in schwangerschaft/stillzeit und babynahrung. ich möchte sicher sein können, dass ich damit auch langfristig das richtige für mich und mein baby tue – und langzeitstudien, bzw. langfristige folgen von veganer ernährung in dieser zeit sind leider nicht vorhanden bzw sehr rar. wenn irgendjemand hier noch quellen in petto hat, bitte her damit!

          zum zweiten punkt: ich habe meine fragen wirklich sehr harsch formuliert. damit wollte ich aufzeigen, dass es immer sehr schwierig ist, die eigene ethik-auffassung als oberstes leitprinzip für alle festzulegen und die vermeindliche eigene moralische überlegenheit dazu zu benutzen, einen wettbewerb aufzustellen. wir sind alle sehr weit davon entfernt, uns ethisch korrekt zu verhalten und es ist auch echt kaum möglich, alles richtig zu machen. jeder hat wie gesagt seine eigene wahrheit , das kann aber auch sehr positiv sein, wenn man sich ohne scheuklappen und offen auf wertschätzende diskussionen einlässt und andere dort abholt, wo sie sich gerade befinden. wenn man für ein thema brennt, dann kann man menschen am besten mit anschaulichen erklärungen, handfesten informationen, gutem vorbild, begeisterung und positiven interventionen davon überzeugen. die moralkeule schwingen bewirkt meist genau das gegenteil und schreckt ab. und genau deshalb hatte ich so ein bischen beef mit dem artikel hier oben (und oft auch mit mir selbst) und habe in der antwort in die selbe kerbe geschlagen.
          meine eigentliche intention ist es, aufzuzeigen, dass bewusste ernährung und bewusster konsum im allgemeinen das gleiche wollen und nicht voneinander abgekapselt werden können.

          ernährung und konsum weisen (zumindest im aktuellen gesellschafts- und wirtschaftssystem) die selbe grundproblematik auf: sie sind zum (über)leben notwendig – wir müssen und mit nährstoffen versorgen und wir müssen konsumieren, uns kleiden, ein dach überm kopf haben etc.
          zusätzlich sind ernährung und konsum quelle von sinnesfreuden – wir genießen unser essen, erfreuen uns an schönem design etc. darüber hinaus nutzen menschen sowohl ernährung als auch konsum dazu, soziale bindungen zu stärken, status zu signalisieren, ihr selbstbild zu stabilisieren etc.
          aus beiden bereichen haben sich aber leider industrien entwickelt, die diese eigenschaften ausnutzen und pervertieren, menschen und tiere ausbeuten und unseren planeten als ganzes bedrohen. einige wenige profitieren vom leid vieler. wir menschen der industrialisierten welt sind aber leider so tief in diesem wirtschafts- und gesellschaftssystem verwurzelt, so weit vom dadurch entstehenden leid entfernt und so von werbung gebrainwashed (ich bin werbepsychologin und das ist leider kein bischen übertrieben), dass wir die problematik nicht sehen oder nicht sehen wollen und erfolgreich verdrängen. wir berufen uns auf soziale normen und schöne, friedliche assoziationen, um unser ethisch nicht vertretbares verhalten rechtzufertigen:
          „aber der leckere sonntagsbraten bringt doch die familie zusammen,er steht für tradition und ich habe so viele schöne erinnerungen daran…“
          “kleidung hilft dabei, der welt zu zeigen, wer wir sind, mit der identität zu spielen, sich schön und stark zu fühlen, gesellschaftliche errungenschaften zu symbolisieren (sexuelle befreiung – > minirock)..bei so vielen tollen eigenschaften ist es doch gerechtfertigt, dass ich mir das hundertste paar schuhe kaufe und euch alle animiere, das auch zu tun, oder etwa nicht?“.

          da positive und negative aspekte bei ernährung und konsum so eng miteinander verwoben ist, fällt es sehr schwer zu der – auch von dir erwähnten – ERKENNTNIS zu gelangen. und genau da helfen ethik (ich als hippie im herzen nenne es auch gern liebe) und, tadaaa, wissenschaft. hier kenne ich mich in meinem spezialgebiet natürlich besser aus.
          im bereich konsum ist die wissenschaftliche beweislage überwältigend: materialismus und konsumismus (das wertschätzen von dingen, streben nach identität, glück und lebenssinn durch konsum, fokus auf konsumverhalten zur steigerung des selbstwertes und zur gesellschaftlichen distinktion…) korreliert sehr stark mit umweltschädigendem, egoistischen verhalten. noch stärker ist allerdings die korrelation mit persönlichem unwohlsein und unzufriedenheit. je mehr man sich auf konsum und das ständige kaufen schöner dinge fokussiert ,um nach dem guten leben zu streben, desto unglücklicher und unzufriedener wird man. durch die fokussierung auf das außen und die schöne darstellung werden soziale vergleiche, wettbewerb und das streben nach status und image befördert – unzufriedenheit, das gefühl, nicht zu genügen, depressionen, angstzustände etc nehmen zu. das ist das gegenteil von dem, was an allen ecken und leider auch oft hier suggeriert wird. wer mehr dazu lesen mag, kann bei google scholar nach „materialism and subjective wellbeing“ suchen.
          unser materialismus-problem ist immens und seine negativen folgen für mensch und natur werden extrem unterschätzt – und zwar nicht nur im sinne von nachhaltigkeit in ferner zukunft, sondern im hier und jetzt. es fällt sehr schwer, sich vom konsumglauben zu lösen, wenn das gesamte system um uns herum das gegenteil erzählt. das problem wird, wenn es überhaupt erkannt wird, ständig verniedlicht „ich hab nen schuh/taschen-tick – i’m such a nerd, hihi“ und heruntergespielt. genau so ist es mit dem veganismus! stichwort “ oh, ich finde so ne salat-mädchen voll albern, ohne fleisch werde ich aggro, hihi“ . wie kommt man z.B. gegen die super erfolgreiche „got milk?“ (auf deutsch: „die milch machts“) werbekampang an, die immer noch dermaßen nachhallt, dass die meisten felsenfels davon überzeugt sind, sich mit möglichst viel milch was total gutes zu tun? mir hilft in solchen situationen eine klarstellung durch die wissenschaft. menschen mit informationen versorgen, sie mündig machen. und sie mit empowerment überzeugen und begeistern!
          und natürlich weiß ich, ebenso wie du und wie julia, dass das hier genau die richtige plattform dazu ist, um die menschen, die einem demographisch und auch von den interessen und gedankengängen her oft sehr ähnlich sind, von dem thema zu begeistern, dass einem so am herzen liegt. die janes sind, genau wie ihre leserinnen, überdurchschnittlich reflektiert und menschlich geblieben in diesem ganzen modezirkus. wir interessieren uns doch hier alle für schöne kleidung, zeitgeist, gesellschaftlicheund mode strömungen, tolle farben und formen, stoffe und schnitte. und das hat auch, bis zu einem gewissen maß, seine berechtigung! trotzdem wünsche ich mir sehr, so sehr, dass die kritischen seiten von konsum und modezirkus noch etwas mehr überdacht werden und menschen-, gesellschafts- und umweltfreundlichere alternativen etwas mehr beachtung finden. es muss nicht immer das neuste, trendigste und immer mehr und teuer werden. man kann sich auch extrem gut und viel individueller und kreativer mit second hand, alten lieblingen, neuen kombinationen, DIY oder professionell umgestalteten und umgeschneiderten kleidungsstücken, mit auf fairness und nachhaltigkeit wertlegenden marken, kleiden – und man ist erwiesenermaßen glücklicher, wenn man weniger und bewusster konsumiert und dadurch die kleidung und ihre herkunft viel mehr wertschätzt, und öfter spazieren führen kann. mode macht viel mehr spaß und sinn, wenn sie intrinsisch und nicht extrinsisch motiviert ist, dann ist man auch frei von trendmarken, geklont wirkenden key pieces und dem preisschildchen. darüberhinaus werden hier ja ohnehin schon viel mehr themen als nur mode behandelt, da ist es nicht abwägig, noch mehr darauf einzugehen, dass mode und dinge niemals zum dreh- und ankerpunkt des lebens werden sollten. denn das sind – wieder mal wissenschaftlich bewiesen – im optimalfall inneres wachstum, kreativität und selbstentfaltung, sich sinnbringend engagieren, soziale bindungen, anderen helfen und fuck yeah, liebe! dann wiedersprechen sich glück und zufriedenheit und nachhaltigkeit auch nicht, im gegenteil!

          das ist natürlich eine sehr schwierige gratwanderung, wenn man wie die janes ständig von schönen versuchungen umgeben ist, von firmen umworben und mit produkten beschenkt wird, und – ich wiederhole mich – es ist schon ne ganz schöne leistung, dass die beiden immer wieder beweisen, dass sie ihre integrität im modezirkus wahren und mit den füßen auf dem boden bleiben wollen. ich bin mir sicher, dass ich die beiden und auch manche leserinnen mit meinem input manchmal ganz schön nerve. aber ich bin mir auch sicher, dass ich hier damit an der richtigen adresse bin.

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          1. Jana

            Liebe Pi,
            vielen Dank für ALLE deine Beiträge unter diesem Artikel! Ich stimme in so gut wie allem 100% mit dir überein und finde, dass du ganz toll, durchdacht, respektvoll und nachvollziehbar beschreibst, argumentierst, erklärst und nachfragst!
            Mach weiter so!
            Liebste Grüße (so von Wissenschaftlerin zu Wissenschaftlerin ;-))

      2. Julia Jane Artikelautor

        Liebe Pi,

        ich habe kein Stück ein schlechtes Gefühl oder schlechtes Gewissen für diesen Blog hier zu schreiben. Es ist für mich auch nicht „das kleinere Übel“ oder „eine Zwischenlösung“. Ich habe die ehrliche und (wie du ja auch schon erwähnt hast) bodenständige Art der Janes schon immer sehr geschätzt und fühle mich hier mit meiner Art und meinen Einstellung zu 100% zugehörig. Ich sehe meine Beiträge als Ergänzung und Denkanstoß in einer Umgebung, die übrigens viel offener für das Thema ist als jede andere Plattform, die ich bisher kennengelernt habe.

        Ich empfinde es kein Stück so, dass hier Konsum als Weg zu einem glücklicheren und besseren Leben proklamiert wird. Euphorische und positive Artikel ja, falsche Versprechungen meiner Meinung nach nicht. Dass hier Produkte tierischen Ursprungs beworben werden und auch solche, deren Produktionsbedingungen nicht geklärt oder nachweisbar negativ sind, sehe ich neutral. Unser ganzes Konsumsystem hat sich über viele Jahre aufgebaut und entwickelt und das ändert sich nicht von heute auf morgen. Ich bin sehr froh, dass ich hier die Möglichkeit habe, auch andere Konsummöglichkeiten aufzuzeigen und ein laufendes System mit Denkanstößen zu ergänzen. Natürlich sieht meine ideale Vorstellung anders aus, ich wünschte, Nachhaltigkeit wäre kein Randthema, sondern Selbstverständlichkeit. Aber dafür muss sich schlichtweg auch noch etwas beim Angebot ändern und das braucht Zeit. Und in genau dieser Zeit leiste ich lieber meinen Beitrag, als zu schweigen und darauf zu warten, dass sich ganz schnell unser System ändert.

        Liebe Grüße,

        Julia

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    3. Leo

      Liebe Pi,
      mir stellt sich grade die Frage, wieso du die scheinbar fehlenden Ergebnisse irgendwelcher Studien über dein eigenes Gefühl stellst?
      Du schreibst, dass du schwanger einen „unbändigen Fleischhunger“ entwickelt , dann aber erstmal Ernährungsempfehlungen gelesen hast, bevor du dich für die scheinbar wissenschaftlich am besten begründete Ernährung enschieden hast.
      Warum reicht es denn nicht, dass du diese Veränderung in deinem Appetit wahrnimmst, wieso das alles wissenschaftlich fundiert sein? Das will mir nicht in den Kopf.
      Ich denke immer öfter, dass wir Menschen verlernt haben, darauf zu hören, was unser Organismus uns sagt und plädiere in puncto Ernährung für weniger Kopf und mehr Bauchgefühl.
      Oder zumindest dem Bauchgefühl als letzte Instanz. Ich schätze, ohne kritische Artikel und Recherchen im Internet als Anstoß hätte ich die vegetarische Ernährung für mich nicht ausprobiert; der beste Beweis, dass diese Ernährung momentan gut für mich ist, ist aber doch, wie ich darauf reagiere/ mich fühle/meine Gesundheit ist, nicht etwa, ob das eine Studie herausgefunden hat. Das Stichwort ist hier also schlicht und einfach Wahrnehmung.
      Würde mich wirklich interessieren, wie du das siehst.
      Liebe Grüße,
      Leonie

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      1. Pi

        hi leo,
        mit der intuition ist das immer so ne sache. ich bin auch im leben in erster linie absoluter bauch- und herzmensch, spreche und handle meist, ohne darüber nachzudenken und bin fan von intuition und „mein körper weiß schon automatisch, was mir gut tut“. musste aber mit zunehmenden jahren auf diesem planeten lernen, dass man dabei nicht immer richtig liegt, besonders bei komplexen, multidimensionalen sachverhalten.
        menschen können manchmal schlecht abschätzen, ob das, was sie intuitiv spüren und wollen, auch immer langfristig das beste für sie ist. aus dem psychologie-anteil meines studiums kann ich da folgende beispiele für geben:
        gemäß der evolutionspsychologie z.b. will der neanderthaler in uns immer intuitiv die nährstoffdichteste nahrung haben. das machte sinn in einer zeit, in der wir den ganzen tag auf den beinen waren und uns bewegten und das mammut, dass man alle zwei monate erjagte, der große und verdiente und auch bitter nötige festschmaus war. heute sorgt der japp auf omnipräsentes fett , zucker und fleisch aber für ein adipositas problem in unserer couch potato gesellschaft. menschen wollen intuitiv meist dinge, die das belohnungszentrum unmittelbar stimulieren. deshalb essen wir ungesundes, ziehen den bequemen weg vor und prokrastinieren etc. die fähigkeit zum belohnungsaufschub ist aber einer der wichtigsten prädiktoren für ein erfolgreiches und glückliches leben!
        genau so geht’s mit bewegung: unseren hintern zum joggen hochzukriegen fällt besonders schwer, weil der neanderthaler in uns sich intuitiv nicht freiwillig bewegen will. für ihn machte es null sinn, freiwillig wertvolle kalorien zu verbrennen. wer nun aber sehr regelmäßig joggen geht und weiß, dass einen unmittelbar danach das runner’s high belohnt und dass man sich langfristig viel besser fühlt, bei dem wird die assoziation joggen-positive gefühle so oft verstärkt, dass er irgendwann intuitiv und nach bauchgefühl weiß, dass ihm joggen gut tut. nur leider überdrehen menschen auch oft, wenn sie unreflektiert nur noch dieser positiven intuiton folgen. auch zu viel joggen kann schlecht für menschen werden. es fühlt sich zwar unter umständen gut an, aber die langfristigen folgen können nicht immer korrekt abgeschätzt werden (bei zu viel sport z.b. körperliche abnutzung, herzschäden etc).
        da evolutionspsychologie heute von vielen belächelt wird, hier ein state-of-the-art beispiel aus der kognitven psychologie (und dem behaviorismus)
        1) nach daniel kahnemann (thinking, fast and slow) gibt es im menschen zwei systeme:
        a) den autopiloten, der automatisch und schnell, weitgehend mühelos und ohne willentliche Steuerung, also intuitiv operiert. dieser arbeitet unbewusst und wertet und verarbeitet alle wahrnehmungseindrücke nach mustererkennung. der funktioniert erstaunlich gut in gewohnten umgebungen und themengebieten, in denen man alle beinflussenden variablen kennt, schon viele probleme gelöst und entscheidungen getroffen hat und deren(langfristige) folgen gut abschätzen kann. darum können fachexperten auf ihrem gebiet auch meist sachverhalte akkurat intuitiv einschätzen, wenn sie die groben rahmendaten sehen und darin muster wiedererkennen (ärzte, anwälte etc)
        2) das bewusste, reflektierte denken: dies wird bewusst gesteuert, ist anstrengend und arbeitet langsam, kann damit aber schwierige, komplexe probleme lösen, die unbekannte einflussgrößen inkludieren und mehrere dimensionen und perspektiven haben.
        ein persönliches beispiel im bereich konsum: ich bin ne junge frau und gelernte mediengestalterin und fand kunst, design, zeitgeist und mode schon immer toll. auch werbung liebte ich schon als kleines kind, weil sie so prägnant und auf den punkt gebracht schöne, emotionale und humorvolle geschichten erzählt und einen in perfekte kleine welten entführt. ich schenkte ihr immer große aufmerksamkeit. dementsprechend spannend fand ich – besonders im bereich mode – stets neue trends und das sich stetig ändernde allgemeine aesthetikempfinden und fuhr leicht auf zeitgeistige marken und produkte ab, die geschickt emotional aufgeladen und romantisiert wurden. ich shoppte intuitiv und nach bauchgefühl, und fühlte mich in der neuen kleidung dann schön und stark, up to date und cool. mein gutes gefühl und die komplimente und aufmerksamkeit von außen verstärkten diese positive assoziation zwischen klamotten shoppen und gut-fühlen, also verstärkten sie auch mein gutes bauchgefühl, meine „intuition“. dies führt natürlich zu einer verstärkung dieses verhaltens. in einer bestimmten phase meines lebens nahm die beschäftigung mit trends, blogs durchforsten, klamotten shoppen dann einen immer größeren teil meines alltags ein, es fühlte sich ja intuitiv gut an! Irgendwann wurde ich jedoch auf ein alternatives lebenskonzept gestoßen und begann, mich kritischer mit persönlichen und umwelt-implikationen von konsum zu beschäftigen. durch bewusste, reflektierte beschäftigung mit dem thema erkannte ich, dass sich mein konsumverhalten verselbstständigt hatte und einen unverhältnismäßig großen teil meines lebens dominierte. durch die fokussierung auf das sich intuitiv gut anfühlende shopping , auf mein äußeres und das anschaffen von dingen vernachlässigte ich zunehmend inneres wachstum, kreativität, und auch beziehungen. wir lebten zu diesem zeitpunkt in kalifornien (!!!) und ich hatte soo viel zeit damit verbracht zu shoppen, statt auf explorertour zu gehen, mich voll auf land und leute einzulassen, neue dinge auszuprobieren und mich voll ins abenteuer zu stürzen. weil shoppen intuitiv am leichtesten fiel! ich kannte niemanden in diesem neuen land. mein mann ging arbeiten und ich hatte tagsüber (neben dem studium) viel zeit, also fiel es am leichtesten, neben dem studieren am rechner öfter mal blogs zu durchforsten und dann in die stadt zu fahren (san francisco), um in die mall, kleine trend- oder in second hand läden zu gehen. hier fühlt man sich nicht allein, es guckt einen niemand komisch an, wenn man beim einkaufen allein unterwegs ist und man muss seine comfortzone nicht verlassen. doch mein bauchgefühlt trügte: dieser leichteste weg konnte nicht der richtige sein. cali hatte so viel mehr zu bieten als shopping! mein leben hat so viel mehr zu bieten als shoppen und möglichst gut aussehen und von anderen dafür gelobt zu werden! krass, wieviel zeit und geld ich dafür investiere! manchmal muss man mehr reflektieren und sich bewusst aus der intuitiv gut anfühlenden (comfort)zone und aus erlernten und immer wieder verstärkten und daher leicht fallenden und gut anfühlenden verhaltensmustern pushen, um wirklich leben und glücklich werden zu können! the rest is history. als ich meinen fokus willentlich re-adjustierte, neuen input dazu nutzte, wieder BEWUSST mehr auf mein inneres zu hören, hatte ich in cali die zeit meines lebens =D. seit dem gabs viele rückschläge und quantensprünge, aber ich bin auf dem richtigen weg und megafroh, all das mal zu überdenken und nach dem richtigen, wirklich glücklich machenden leben zu streben, bevor ich meine zeit und mein geld auf der jagd nach falschen gold verschwende und meiner tochter fragwürdige werte mit auf den weg gebe.
        fazit: intuition ist toll und super hilfreich. bei wichtigen entscheidungen, neuen lebenssituationen und auch im alltag sollte man, wenn man sein leben richtig leben und vollkommen ausschöpfen will, immer danach streben, diese nicht mit der comfortzone zu verwechseln. intuition kann immer nur auf gelernten mustern basieren – diese sind aber nicht immer richtig! erst wenn man erlerntes/bekanntes bewusst reflektiert und zur diskussion stellt, wenn man über den tellerrand hinausschaut und sich auf andere perspektiven einlässt, und diesen neuen input nutzt, um seine inneren wahrheiten bewusst zu reflektieren, kann man über den eigenen horizont hinausschauen und sein leben bewusst in die hand nehmen. ich wende mich dabei gern, zusätzlich zu meinem eigenen ethik-kompass, an schlaue bücher, an menschen, die ich bewundere und an die wissenschaft. die hat wenigstens den anpruch, objektiv nach der „wahrheit“ zu forschen. hier gibt es zu jedem thema experten, die versuchen, alles für und wieder abzuwägen und darauf basierend sachverhalte und zusammenhänge mit ihren kurz-und langfristigen implikationen zu erklären und verständlich darzustellen.es werden diverse vorkehrungen getroffen, um objektivität ,realibilität und validität anzustreben und verzerrungen durch subjektive weltsichten, soziale erwünschtheit etc zu vermeiden. mit diesem wissen hat man dann eine super absprungbasis, von der aus man sich wieder auf die eigene intuition verlassen und seine eigene weltsicht einbringen kann. das nennt man „standing on the shoulders of giants“
        zum eigentlichen thema: vegane ernährung tat mir sehr gut, sowohl geistig/emotional als auch körperlich, und ich kann als erwachsener auch leicht nahrungsergänzungsmittel zu mir nehmen. ich kann jedem empfehlen, das auszuprobieren und möchte unbedingt wieder selbst mehr in diese richtung gehen, weil es ethisch korrekt ist und wir alle auf jeden fall viel zu viel und unreflektiert fleisch und tierprodukte konsumieren. beim für mich neuen themengebiet mutterschaft/babynahrung bin ich aber blutiger anfänger und kann die langzeitfolgen nicht abschätzen, daher orientiere ich mich an expertenwissen.

        Antworten
    4. Ivy

      Offizielle Ernährungsempfehlungen sind oft von der Fleisch- und Tierprodukindustrie subventioniert. Es gibt ebenso Artikel darueber weshalb Fisch ungesund ist, und Milchprodukte sowieso.

      Antworten
    5. Theresa

      Auch in der Schwangerschaft lässt es sich wunderbar vegan leben und es schadet dem Ungeborenen gar nicht! Einfach wieder falsch informiert!

      Grüße von einer Hebamme!

      Antworten
  6. Sybille

    Danke! <3
    (1. für deinen Mut, solche Artikel zu schreiben; 2. dafür, dass es bewusst lebende Menschen wie dich gibt; 3. für deine Fähigkeit, unangenehme Themen klug und weise in Worte zu packen)

    Antworten
  7. Silja

    Liebe Julia!

    Super Worte und ein klares Statement. Ich selbst ernähre mich größtenteils vegan (hier könnte jetzt eine Diskussion zu Konsequenz ansetzen, darauf will ich aber nicht hinaus), immer aber sehr bewusst und 100% vegetarisch – aus ethischen Gründen. Ich weiß um die Umstrittenheit und Skandale rund um die Milchindustrie und das Ziel ist, allerdings habe ich genau dazu eine Frage, rein aus Interesse: In den meisten Artikeln geht es immer und ausschließlich um Kuhmilch, Bedingungen unter denen Kühe und Kälbchen gehalten bzw. misshandelt werden – von Schafen und Ziegen ist nie die Rede und viele der mittlerweile zahlreichen „Health“-Blogs empfehlen z.B. Joghurt aus Schaf- oder Ziegenmilch. Natürlich ist das Prinzip das gleiche, nämlich: WIr nehmen den Tieren die MIlch weg, die für ihre Babys gedacht ist. Trotzdem: Weißt du mehr dazu, was Unterschiede angeht?

    Antworten
    1. Julia Jane Artikelautor

      Hi Silja,

      Schafs- und Ziegenmilch geht tatsächlich immer etwas unter, übrigens auch in meinem Studium. Der Markt ist wohl einfach (noch?) zu klein und zu uninteressant. Wie du schon gesagt hast, das Prinzip ist ähnlich: Um Milch zu produzieren, müssen die weiblichen Tiere Babys bekommen und die werden ihnen dann weggenommen, damit möglichst viel Milch für den Menschen bleibt. Neben der Milch werden Schafe auch noch wegen der Wolle und dem Lammfleisch gehalten. Als „Nebenjob“ werden sie zur Pflege von Weideland eingesetzt, ebenso wie Ziegen. Je lukrativer jedoch ein Markt wird, desto intensiver wird die Haltung der Tiere. Gerade für Ziegen ist das besonders schlimm, weil sie einen starken Bewegungs- und Kletterdrang haben und ihre Bedürfnisse in der Stallhaltung nicht ausleben können. Die Informationslage über Haltungsbedingungen, Skandale und allgemeine Zahlen ist viel schlechter als im Bereich der Kuhmilchproduktion, deswegen ist das im Großen und Ganzen alles, was ich dir dazu sagen kann.

      Liebste Grüße,

      Julia

      Antworten
  8. Daria

    Danke für den ehrlichen und offenen Artikel. Ich selbst ernähre mich größtenteils vegan und bin dabei dies auch auf meine Kleidung etc auszuweiten. Es ist nicht immer leicht, aber wie heißt es so schön. Wenn man es will findet man einen Weg, wenn nicht eine Ausrede.

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  9. Nicole

    Sehr gut! Du hast mir aus der Seele gesprochen! Ich gehe auf solche Diskussionen schon gar nicht mehr ein, lächle nur und geh weg – es ist svhlichtweg zu große Energieverschwendung. Mein Umfeld versteht und respektiert meine Lebensweise mittlerweile, weil sie lernten, dass ich denen auch nicht aufs Fleisch spucke – ich möchte mein Essen schließlich auch in Ruhe genießen. Die Welt wird sich in dieser Hinsicht einfach ändern müssen, das System funktioniert so einfach nicht mehr. Doch es wird noch einige Zeit ins Land gehen. Abschließend:
    „Ganz gleich was Du auch ausrichtest, es wird nie mehr sein als ein einzelner Tropfen in einem unendlichen Ozean!“ – „Was ist ein Ozean, wenn nicht eine Vielzahl von Tropfen?“
    Grandioser Film, der das Thema verfremdet an die Spitze bringt.
    Liebe Grüße

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