5 Gründe, warum wir jetzt
alle Feminist*innen sein sollten.

27.07.2016 um 7.30 – box1 Feminismus Gesellschaft

feminismus 2016 thisisjanewayneFeminismus wird immer gebraucht – aber manchmal ein bisschen mehr als sonst. Denn:

1. Donald Trump

Donald Trump mag plötzlich Politiker sein. Vor allem aber ist er ein alternder Milliardär mit beunruhigend orangestichigem Hautton und einem unendlichen Fundus an frauenfeindlichen Kommentaren. Model Heidi Klum ist „fett“, Fox News Moderatorin Megyn Kelly eine „Schlampe“ (die außerdem dank ihrer Periode nicht klar denken kann), Arianna Huffington schlicht „hässlich“. Außerdem findet Trump Stillen in der Öffentlichkeit „widerlich“ und glaubt, Hillary Clinton könne keine gute Präsidentin sein, weil ihr Mann Bill eine Affäre hatte („Wenn Hillary Clinton ihren Mann nicht befriedigen kann, was lässt sie denken, dass sie Amerika befriedigen kann?“). So unerträglich Trump ist – noch unerträglicher ist die Tatsache, dass so ein misogyner – und homophober – Mensch tatsächlich zum republikanischen Präsidentschaftskandidat gekürt wurde. Millionen Menschen in den USA haben bereits für Trump gestimmt, Millionen werden es bei der Wahl im November 2016 wieder tun. Trumps Überzeugungen sind nicht extrem, sie sind Mainstream. Nicht nur in den USA.

2. Der Fall Gina-Lisa

Unabhängig davon, ob Gina-Lisa Lohfink vergewaltigt wurde oder nicht (das Verfahren läuft noch): Der Umgang mit ihr in der Öffentlichkeit war und ist einfach nur unfassbar. Ja, Gina-Lisa mag knappe, enge Klamotten, viel Make-Up und hat kosmetisch so einiges an sich machen lassen. Ja, Gina-Lisa ist platinblond und hat eine große Klappe. Das bedeutet aber nicht, dass sie an einem eventuellen Sexualverbrechen selber Schuld hat, wie in einigen Medien (ganz vorne dabei: BILD) und in der Öffentlichkeit suggeriert wurde. Offenbar muss es immer und immer wieder gesagt werden: Sexy Kleidung ist nicht automatisch eine Aufforderung zum Sex. Sexy Kleidung rechtfertigt nicht sexuelle Gewalt. Zu oft wird Opfern sexueller Gewalt nicht geglaubt – nicht im Freundes- und Bekanntenkreis, nicht vor Gericht. Es bleibt abzuwarten, ob das neue, verschärfte Sexualstrafrecht („Nein heißt nein“) daran etwas ändern kann. Momentan zumindest wird uns noch viel zu oft vermittelt, dass sexuelle Gewalt irgendwie normal ist. Und dass Frauen im Zweifelsfall nicht Opfer, sondern Täter sind.

3. Black Lives Matter

Zugegeben: In Deutschland leben nicht annähernd so viele schwarze Menschen wie in den USA – nämlich so zwischen 300.000 und 800.000. Und dank nicht völlig außer Rand und Band geratener Waffengesetze werden hier auch nicht regelmäßig Schwarze grundlos von der Polizei erschossen. Das heißt aber nicht, dass Schwarze in Deutschland keinen Rassismus erleben und diskriminiert werden. Der Kommentar des AfD-Politikers Alexander Gauland über Jérôme Boateng („Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“) war zwar unmöglich – drückte aber vermutlich genau das aus, was viele Deutsche so denken. Die Vereinten Nationen forderten im Abschlussbericht des Antirassismus-Ausschusses der UN zu Deutschland verbindliche Trainings für Polizei, Richter und Staatsanwälte in Deutschland, damit diese „rassistische Vorstellungen erkennen“. Wir mögen in Deutschland nicht das gleiche Ausmaß an institutionalisiertem Rassismus und Polizeigewalt gegenüber Schwarzen haben wie in den USA – aber „black lives“ sollten auch für uns Bedeutung haben. Wir hören Künstler wie Kanye West oder Beyoncé, wir lachen über Chris Rock und lesen Chimamanda Ngozi Adichie. Die Art, wie wir im Club tanzen, bestimmte Begriffe, die wir benutzen, sind von schwarzen Menschen geprägt. Wir können nicht all diese Dinge toll finden und cool, ohne uns auch Gedanken um die Menschen dahinter zu machen. Beim Feminismus geht es schließlich nicht nur um Frauen, sondern um verschiedene Arten der Diskriminierung.

4. Ghostbusters

Ein Film, der gleichzeitig so viel mehr ist als ein Film. Das Ghostbusters-Remake mit weiblichen Geisterjägern rief schon vor seinem offiziellen Kino-Start eine wahre Hass-Kampagne im Internet hervorgerufen – angeführt von frustrierten Männern, die den Gedanken nicht ertragen können, dass es ihren Film nun auch mit Frauen gibt. Da werden Kindheitserinnerungen zerstört, die Apokalypse naht! Seltsam, dass andere Remakes (und davon gibt es ja nun wahrlich genug in Hollywood) nicht annähernd solche Reaktionen hervorriefen. Aber da haben ja auch keine Frauen die Hauptrollen gespielt. Ergebnis des Ganzen: Die Erwartungen an Ghostbusters waren lächerlich hoch, inhaltlich wie finanziell. Würde der Film scheitern, wäre das ein Beweis für alles Mögliche. Vor allem dafür, dass niemand lustige Frauen in Hauptrollen sehen will. In den USA ist der Film bereits angelaufen und lieferte am ersten Wochenende nach Filmstart okaye Einspielergebnisse. Bleibt zu hoffen, dass wir in ein paar Jahren nicht allein über die Tatsache diskutieren, dass Frauen tatsächlich die Hauptrollen spielen – sondern das Ganze gar nichts Besonderes mehr ist. Vielleicht auch dank Ghostbusters.

5. Theresa Mays Schuhe

Theresa May ist die neue englische Premierministerin – immerhin die erste Regierungschefin seit Margaret Thatcher. Und alles, was die englischen Medien interessiert, ist: Sind Mays Leoparden-Schuhe zu gewagt? Ist ihr Ausschnitt zu tief? Inwiefern sehen May und Angel Merkel sich ähnlich? Selbst Spiegel Online war sich nicht zu blöd, bei dieser Diskussion mitzumachen; auch wenn der entsprechende Artikel sich durch einen satirischen Einstieg tarnte – ändert trotzdem nichts an der Tatsache, dass es im ersten Drittels des Artikels nur um Theresa Mays Aussehen geht. Brexit, Schottlands Unabhängigkeitsbestrebungen, die Krise der Tories und der Labour-Partei? Nicht halb so spannend wie Mays Frisur. Ach, wie schön wäre es, ginge es bei Politikerinnen wirklich um die Politik, die sie machen.

11 Kommentare

  1. Sabine

    Word! Danke Danke Danke. Es ist einfach so traurig, dass man immer noch so viele Leute davon überzeugen muss, dass Feminismus sich lohnt und man immer noch einiges zu tun ist.

    Antworten
  2. Jen

    Ich bin leider komplett desillusioniert und inzwischen überzeugt, dass Trump leider gewinnen wird. Und dann ist die Atombombe ja nicht mehr weit… lohnt sich alles kaum noch :/

    Antworten
  3. Laura

    Ganz groß!! Und so wichtig!! Vielen Dank für diesen Artikel. Man kann nur hoffen, dass genügend Amerikaner zur Besinnung kommen und im November für Hillary stimmen werden. Fingers crossed!

    Antworten
  4. Meri

    Der Artikel hat es wirklich auf den Punkt gebracht. Es sind doch wirklich fundamentale Dinge, die hier angesprochen werden und welche die feminismus-Debatte leider immernoch aufrecht erhalten…. Somit ist es fast schon schade, dass solch ein Artikels überhaupt nötig ist. Gerade die Reduzierung auf Aufsehen und die stereotypisierug macht mich einfach sauer!

    Gerne mehr!! <3

    Meri
    Combinedblog.wordpress.com

    Antworten
  5. Anna

    Ich muss ja sagen, ich beneide die US-Amerikaner wirklich nicht um ihre Wahlmöglichkeiten. Ich würde mein Kreuz nur sehr, sehr widerwillig für Hillary setzen und wirklich auch nur, um Trump zu vermeiden. (Wobei ich die wirkliche Befürchtung habe, dass er das Rennen macht.)
    Was hältst du von der Debatte um amerikanische Feministinnen, die sagen, man solle Hillary wählen, weil sie eine Frau ist?

    Antworten

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *