Fair Friday //
Fragen & Antworten zu Nachhaltigkeit & Veganismus

12.08.2016 um 8.12 – Fair Fashion Nachhaltigkeit

This is Jane Wayne - Julia Jane - Fair Friday

Wenn ich irgendwann mal groß bin, werde ich ein Buch schreiben. Ich habe eine Menge sehr wertvoller Geschäftsideen, aber keine ist so herausragend wie diese hier: Einen Bullshit-Katalog mit Fragen und Antworten zu Nachhaltigkeit und Veganismus, 100 Seiten stark, gedruckt auf Recyclingpapier, natürlich mit tierfreier Klebebindung. Ich dachte an eine unverbindliche Preisempfehlung von 9,99 Euro für das Taschenbuch und auch eine E-Book Version wird es geben. Ich erhoffe mir damit nicht nur, mir eine sehr goldene Nase zu verdienen, sondern auch, dass der Menschheit auf lange Sicht unnötig hitzige Diskussionen erspart bleiben. Ich glaube nämlich, dass die Grillpartys dieser Welt wieder friedlicher, Freundschaften gerettet und Gehirnzellen geschont werden können.

Einfach mal wieder zu Sinnen kommen, das wär’s doch, am besten auf einem sachlichen Fundament, mit gesundem Menschenverstand und all diesen Dingen. Als kleinen Vorgeschmack gibt es heute einen Auszug, quasi ein Mini-SOS-Paket mit den wichtigsten schlauen Antworten auf für mich nicht-ganz-so-schlaue Fragen – für die nächste Familienfeier, den Betriebsausflug oder den ganz normalen Wahnsinn. Denn Onkel Ewald und Tante Ursel sind grundsätzlich überzeugt: Für dein Sojawürstchen wird der Regenwald abgeholzt. Isso! 

„Das kann doch nicht gesund sein.“

Vegane Ernährung kann, wie jede Ernährungsweise auch, gesund oder ungesund praktiziert werden – ich kann den ganzen Tag vegane Sahnetorte essen oder halt eben Couscous-Salat. Wenig verarbeitete Produkte, viel Gemüse – die Regeln für eine gesunde Ernährung gelten überall. Es ist ein Vorurteil, dass vegane Ernährung ungesund sei. Ich würde mal behaupten, dass sich 80 Prozent der Bevölkerung noch nie mit den Nährstoffen ihrer Lebensmittel auseinander gesetzt hat. Vegane Ernährung hat zum Beispiel den gesundheitlichen Vorteil, dass sie cholesterinfrei ist. Ein zu hoher Cholesterinspiegel, der unter anderem durch tierische Fette verursacht wird, erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. So lange also bis aus dem „das kann doch nicht gesund sein“ ein belesenes und informiertes „das ist nachweislich ungesund“ wird (not gonna happen), hätten wir diesen Punkt geklärt.

„Was isst du denn überhaupt noch?“

Nicht verarbeitete Lebensmittel sind in der Regel zu 90 Prozent vegan. Verarbeitete Lebensmittel sollte man sowieso nur in Maßen genießen und auch hier gibt es mittlerweile eine Menge Alternativen. Ich esse also alles, was ich möchte, erweitere meinen Horizont und erwecke verborgene Geschmacksnerven wieder zum Leben. Es ist erschreckend, dass es Menschen gibt, die denken, ohne Milch, Käse, Fisch und Fleisch hätte man nichts mehr zu essen. Das ist doch unheimlich beschränkend und einseitig.

„Und woher kriegst du dein Protein?“

Also diese Proteinfrage hält sich von allen Vorurteilen am hartnäckigsten. Es scheint die allgemeine Auffassung zu sein, dass wir mit pflanzlicher Ernährung zu wenig Protein aufnehmen und dadurch schwächeln und natürlich auch keine Muskeln aufbauen können. Besonders in Richtung der Männer soll das wohl als vernichtendes Argument wirken. Aufklärung muss also her.

100gr Hähnchenbrust haben weniger Eiweiß als beispielsweise 100gr Seitan. Seitan wird ohne Zusatzstoffe aus Weizen hergestellt, hat eine fleischähnliche Konsistenz und kann variabel zubereitet werden. Es stammt übrigens ursprünglich aus Japan und gehört dort seit über 45 Jahren zur traditionellen Küche, also keine Spur von „ungesunde chemische Fleischalternative“. Seitan enthält natürlich Gluten und ist deshalb für Menschen mit einer tatsächlichen (oder eingebildeten) Glutenunverträglichkeit wohl keine gute Wahl. Ein paar weitere Alternativen für pflanzliche Proteinquellen sind deshalb außerdem: Linsen und Bohnen aller Art, Hanf, Quinoa, Amaranth, Soja, Erdnüsse, Reis, Mais, Hafer.

„Vegetarisch finde ich ja noch okay. Aber vegan ist doch extrem.“

Als Veganer versuche ich in allen Lebenslagen möglichst wenig Leid zu verursachen. Warum ist das extrem? Ist es nicht eher extrem, dass wir alleine in Deutschland jedes Jahr mehr als 700 Millionen Tiere rein für unseren vermeintlichen Genuss schlachten? Die Fleischindustrie beutet nicht nur Tiere, sondern auch Menschen auf der ganzen Welt aus. Sie ist außerdem mit Abstand der größte Verursacher von klimaschädlichen Gasen und stellt mit ihrem riesigen Bedarf an Futtergetreide eine direkte Konkurrenz zum Anbau von beispielsweise Lebensmittelgetreide dar. Das wiederrum verschärft die Engpässe für Wasser- und Lebensmittelversorgung in der dritten Welt zusätzlich. Mehr dazu gibt es hier. 

„Ich esse auch nur ganz wenig Fleisch und wenn, dann nur aus artgerechter Haltung.“

Es ist verrückt, wie mir in meinem Alltag wirklich ausschließlich Menschen begegnen, die nie Fleisch aus Massentierhaltung konsumieren und ganz genau wissen, woher ihr Fleisch stammt und unter welchen Umständen es „entstanden“ ist. Der bekannte „Metzger des Vertrauens“ ist außerdem immer fußläufig erreichbar. Da frage ich mich manchmal, wer das ganze riesige Angebot aus unwürdiger Massentierhaltung im Supermarkt kauft. Was genau soll das überhaupt sein, diese artgerechte Tierhaltung? Ist es artgerecht, männliche Küken zu schreddern, weil sie für die Eierproduktion nichts taugen und für die Fleischproduktion zu mager wären? Ist es artgerecht, ein Tier nach kurzer Lebensdauer für den eigenen Genuss zu töten? Ich finde es toll, wenn Menschen weniger Fleisch essen, aber am besten wäre es, gar keins mehr zu essen. Deshalb: Ja, ich sehe eure Bemühungen. Nein, das reicht mir nicht. Natürlich darf und kann es jedem Schnuppe sein, was ich darüber denke. Aber weniger Fleisch und eine vermeintlich artgerechte Haltung sind argumentativ keine ethisch angemessene Alternative zum Veganismus.

„Wenn morgen alle vegan werden, wohin mit den ganzen Tieren?“

Als die Glühbirne erfunden wurde, hat doch auch niemand gesagt „ja toll, aber wohin mit all den Kerzen?“. Es gibt keinen natürlich Zwang, Tiere weiter zu produzieren und zu töten. Es handelt sich um einen künstlich herbeigeführten Zustand. Da es in der Tierindustrie quasi keine natürliche Befruchtung mehr gibt, kann die Produktion von Ferkeln, Küken und Co. sofort gestoppt werden. Für alle anderen Tiere müsste bis an ihr Lebensende gesorgt werden. Außerhalb der Ställe, auf Weiden und in natürlichen Umgebungen. Wir können außerdem beruhigt sein, da ein nicht unerheblich großer Teil der Tiere durch genetisch optimierte Leistungszüchtung nicht lange leben würde oder aufgrund von physischen Beschwerden eingeschläfert werden müsste. Was traurig ist – aber deutlich weniger traurig, als so weiter zu machen.

„Du bist Veganer? Also isst du auch kein Fisch?“

Nein. WTF?

„Ich könnte das nicht.“

Zu diesem Phänomen habe ich mich an dieser Stelle schon geäußert, fasse aber gerne nochmal zusammen: Es stimmt nicht, dass du das nicht könntest, sondern schlichtweg nur, dass du nicht willst. Und das ist dein gutes Recht. Aber bitte versuche diese bewusste Entscheidung nicht zu etwas zu machen, für das du nichts kannst. Aber vielleicht glaubst du das wirklich – und dann muss ich sagen, dass ich es erschreckend finde, dass man eine so niedrige Meinung von sich selbst haben kann. Du kannst noch ganz andere Dinge.

„Aber wenn du auf einer einsamen Insel strandest, dann würdest du doch auch ein Tier essen bevor du verhungerst, oder?“

Ja, vielleicht würde ich ein Tier töten und essen, bevor ich selbst verhungere. Vielleicht esse ich aber auch einfach das, was das Tier isst. Das lebt schließlich auch auf deiner imaginären Insel, die mit unserer gemeinsamen Lebensrealität absolut nichts zu tun hat und deswegen auch ü-ber-haupt keine Rolle spielt. Deutschland ist keine Insel, weder eine einsame noch sonst irgendeine. Wir haben außerdem Supermärkte und Tomaten.

„Tiere werden extra dafür gezüchtet.“

Und das steht wo, in der Bibel? In China werden Hunde auch zum Essen gezüchtet und Pelztiere für ihr Fell. Orang-Utans werden an manchen Orten dieser Welt kahl rasiert, ruhig gestellt und zur Prostitution gezwungen. Wenn sie extra dafür gezüchtet wurden, ist das ja in der Konsequenz auch alles okay, oder?

„Konsequenterweise dürfte man dann aber gar nichts mehr essen, oder?“

An dieser Stelle verweise ich gerne auf meinen Artikel über Konsequenz und möchte außerdem nochmal betonen, dass diese Frage auf Folgendes abzielt: Wenn man also etwas nicht 100% richtig machen kann, dann ist es in Ordnung, wenn man es 100% falsch macht?

„Der Mensch hat schon immer Fleisch gegessen.“

Zielt die Frage aufs Überleben ab oder auf unsere Tradition? Zum ersten lässt sich sagen, dass nicht genau belegt werden kann, ab wann und in welcher Kontinuität der Mensch Fleisch gegessen hat. Auch lässt sich nicht sagen, ob sich der Mensch so entwickelt hat, weil er intuitiv Fleisch gegessen hat oder weil er mangels Nahrungsalternativen gar keine andere Wahl hatte. Wir picken uns außerdem genau das heraus, was uns gerade in den Kram passt. Das Verzehren von Fleisch ist okay, weil der Mensch schon immer so gehandelt hat. Aber das Jagen, Töten und Zubereiten von Fleisch müssen wir heute nicht mehr selbst machen. Wir können uns außerdem genau aussuchen, welche Teile des Tieres wir verwenden und essen und was einfach in den Müll fliegt. Ich finde diese Argumentation alles andere als wasserdicht. Spielt die Aussage wiederrum auf Tradition an, dann halte ich das für ein gefährliches Unterfangen. Es gab in der Geschichte der Menschheit eine Menge „Traditionen“, die aus gutem Grunde abgeschafft wurden. Traditionen entstehen aus vielen Gründen, aber nicht selten aus völlig an den Haaren herbeigezogenen, die einzig und allein ein paar Individuen bevorteilen während sie an anderer Stelle Leid verursachen. Man darf sie hinterfragen.

„Für die Sojaprodukte der Veganer wird der Regenwald abgeholzt.“

Der Regenwald wird vor allem aus folgenden Gründen abgeholzt:

  • Weidefläche für Tiere (Fleischproduktion)
  • Anbau von Futtergetreide (Fleischproduktion)
  • Gewinnung von Tropenholz oder Holz für die Papierherstellung
  • Abbau von Bodenschätzen
  • Anbau von Ölplantagen (z.B. Palmöl)

So gut wie nie werden für vegane Sojaprodukte Waldflächen abgebrannt. Soja wird inzwischen sehr oft in Europa angebaut und einige vegane Hersteller verpflichten sich sogar dem Schutz von Regenwäldern. Biozertifiziertes Soja kommt außerdem obendrauf noch ohne den Einsatz von synthetischen Düngemitteln und Pestiziden aus.

„Dein Essen isst meinem Essen das Essen weg.“

Keine Sorge, ich esse kein genmanipuliertes Getreide oder Soja, das auf gerodeten Regenwaldflächen angebaut wurde. Das Verhältnis von Futterinput und Fleischoutput hält sich außerdem kein Stück die Waage. Würde man statt Futtergetreide dieselbe Menge Lebensmittelgetreide anbauen, könnte man deutlich mehr Menschen ernähren, als es das durch das Futter gewonnen Fleisch je könnte. Dein Essen isst also der dritten Welt das Essen weg. Autsch.

This is Jane Wayne - Julia Jane - Fair Friday

Keine Frage: Man kann selbstverständlich auch ein Buch über die größten Nachhaltigkeits-Irrtümer veröffentlichen. Ich denke aber, dass es weniger Seiten hätte. Zum größten Teil würde es darin wohl um völlig überteuerte Superfoods mit riesigem CO2-Fußabdruck gehen und darum, dass man mit veganer Ernährung eben nicht automatisch abnimmt.

So. Und jetzt esst ihr was auch immer ihr wollt und ich meinen Grünkernburger. In Frieden. Ohne nervige Sprüche, die keine Substanz haben.

Fotocredit: Jazmin Quaynor

38 Kommentare

  1. Tati

    Erstaunlich und erschreckend, was dir für Fragen und Kommentare begegnen. Aber dann erinnere ich mich, dass ja auch irgendwer diese riesigen Auflagen der BILD-Zeitung kaufen muss, und dann wird mir wieder alles klar.
    Die beste Lektion daraus sollte sein, seine Meinung niemals in Stein zu meißeln und sich selbst im Innern so flexibel wie möglich zu halten, bei allen Lebensdingen. Erstmal anhören, versuchen zu verstehen, gerne auch mal diskutieren, dann vielleicht eine Meinung bilden, aber das Urteil möglichst vermeiden.

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  2. maja

    Ich habe mal eine Frage (an alle): ist Veganismus gleichzusetzen mit Nachhaltigkei? Für mich sind das zwei unterschiedliche Themen. Nachhaltigkeit ist der Oberbegriff, der u.a. auch Veganismus enthalten kann, aber nicht muss. Ich würde gerne mehr zu den anderen Bereichen lesen, wie z.B. Umgang mit Ressourcen (Wasser, Strom, Luft…), Veränderung der Gesellschaft in allen Bereichen (z.B. Share-Economy, weniger Autos, mehr Fahrräder > Auswirkungen auf das Stadtbild), Konsumverhalten (Trendshopping, SecondHand) und ggf. auch zum Thema Nachhaltigkeit im Umgang miteinander.
    Grüße,
    maja

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    1. Jana

      Ich stimme dir total zu, Maja! Wer vegan lebt, lebt nicht automatisch nachhaltig. Nachhaltikgeit umfasst noch so viele viele viele andere Dinge im alltäglichen Leben! Deswegen ärgert mich auch oft die leichte Arroganz vieler vegan lebender Menschen, die meinen, wenn sie Tierprodukte meiden, retten sie gleich die Welt. Es ist ein großer und toller Schritt und verdient Respekt und viele Nachmacher, auf jeden Fall, aber es ist eben damit lange nicht getan.

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      1. Rahel

        Hm, viele vergessen manchmal, dass man aus verschiedenen Gründen und Kombinationen dieser zum Veganismus kommen kann. Ein Veganer, der es für die eigene Gesundheit macht, vielleicht auch für den Umwelt-, aber nicht unbedingt für den ultimativen Tierschutz, steht dabei unter Umständen neben einem Veganer, der es aus grundlegender Ablehnung von Gewalt macht und einem, dem es primär um den Schutz der Natur (vielleicht sogar aus sprituellem Antrieb) geht. Oder alles ein bisschen. Ich glaube, gerade die letzten, also die ethischen und spirituellen Veganer, sehen in ihrer Ernährung mehr als nur ein Konsumverhalten, nämlich einen Lebensstil, der gewaltfreies, verantwortungsvolles Handeln auf allen Ebenen beinhaltet. Das wird dann leider schnell dogmatisch, wirkt vielleicht sogar arrogant, weil es eben mehr umfasst als nur das reine Konsumverhalten. Nicht, dass man keine Ideale für sich selbst haben und umsetzen kann, aber man sollte doch vermeiden, seine eigenen Dogmen auf andere zu übertragen. Geht meist nach hinten los und man wird eben als „extrem“ abgestempelt und verbaut sich damit, dass einem weiter zugehört wird. Es hat eben nicht jeder dieselben empathischen Gefühle für die Natur/seine Mitmenschen/Tiere. Das muss man akzeptieren, auch wenn es nicht leicht ist, wenn man selbst so fühlt, und man muss trotzdem versuchen, mehr Menschen für mehr vegetarische/vegane Ernährung zu gewinnen. Nicht der Ideale zuliebe, sondern für mehr Naturschutz im Ergebnis.

        Außerdem ist es wohl so: Essen macht einen großen Teil des Konsums eines Menschen aus, gar nicht mal von der Masse her, aber es ist neben Kleidung der nach außen hin präsenteste Teil, zumal man an Wohnungseinrichtung, Strom/Heizung, Fortbewegungsmittel, Kosmetik, Putzzeug, Hobbies, Urlaub etc nicht immer denkt, an Essen aber schon und es auch fast jeden Tag kauft. Außerdem wird Essen als etwas sehr Persönliches wahrgenommen, weil es mit Geschmack zu tun hat, mit Prestige, mit Erinnerungen und regionaler Prägung, damit, sich etwas zu gönnen oder, sich in etwas zu zügeln. Alles Dinge, die sehr emotionsbehaftet sind in die man sich deswegen nicht gern reinreden lassen will. Aber wenn man schnellen Wandel sehen will, sollte man eben nicht mit langweiligen Stromanbietern anfangen oder den Leuten erzählen, dass sie besser nicht mehr jedes Jahr in den Urlaub fliegen sollten, sondern versuchen, die Menschen da zu packen, wo es erst mal am meisten weh tut, dann aber auch viel Spaß machen kann: Essen und Klamotten. Man kann anders essen und Geschmack daran finden. Man kann auch viel weniger neu kaufen und seinen modischen Ausdruck mit Second hand, DIY und neue Kombinationen befriedigen. Ging vor den 90ern und der Massenproduktion ja auch. Aber ist halt alles nicht so bequem, und Menschen sind echt krasse Gewohnheitstiere… dabei macht es so Spaß, seine Gewohnheiten zu ändern! :)
        Ich würde auf jeden Fall auch gern mehr zu anderen Bereichen, in denen es Ideen für mehr Nachhaltigkeit gibt oder sie bereits umgesetzt werden, lesen.

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      2. Flo

        Oh je oh je, DAS hast du naemlich vergessen Julia, das Totschlag-Argument der nachhaltigen nicht-Veganer, die allbekannte „Arroganz der Veganer“ (kombiniert mit dem „das reicht aber nicht“ Argument“)…

        Sehr komisch, dass ich wirklich noch nie einen Veganer getroffen habe, der mit einer Abgasschleuder in der einen Hand und einem Plastikblumenstrauss in der anderen mit seinem Privatjet durch die Welt duest, seinen vegansen Cheesecake mampft und sich fuehlt als wuerde er/sie die welt retten. Die Veganer, die ich kenne, achten alle sehr auf Nachhaltigkeit und bilden sich ganz sicher nicht ein, mit dem Sojaschnitzel sei ihr Anteil getan… Genauso hat Julia doch auch schon sehr oft Artikel ueber Nachhaltigkeit geschrieben, und das immer sehr eindeutig von Veganismus differenziert.

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        1. Rahel

          Ich schon. Die, die es aus rein gesundheitlichen Gründen machen nämlich (böse Hormone in meinem reinen Körper ihh, aber billige Klamotten und neues Handy 2x im Jahr sind ok) oder weil der Strand im Urlaub in der Karibik ja sooo schöne Natur ist. Die, die oft auch schnell wieder damit aufhören. Ich glaube du hast meinen Kommentar auch falsch verstanden, Flo. Ich lebe selbst vegan (weil ich sehr naturverbunden bin und Gewalt kacke finde) und wollte nur erklären, wieso manche Veganer als arrogant eingestuft werden: weil sie ihre Art, zu empfinden, anderen aufdrücken wollen. Das geht aber nun mal nicht und damit schottet man sich auf Dauer auch emotional von anderen ab und will ihnen dann irgendwann nur noch ein Buch in die Hand drücken, anstatt mit seinen Mitmenschen zu reden und zu versuchen, ihnen seine individuelle, eigentlich schöne Weltsicht zu vermitteln, auf nette Art und Weise. Denn das ist ja eigentlich das Ideal: eine nette, verbundene, nicht verseuchte Welt – oder?

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          1. Rahel

            Ich merk gerade, dass der obere Teil meines zweiten Kommentars auch arrogant rüberkommen könnte. Toleranz ist eben einfach nicht leicht. Und unfehlbar oder komplett im Nirvana angekommen ist auch niemand. Deswegen muss man weiter miteinander reden :)

          2. Flo

            Rahel, ich habe mich auf Jana und eher nicht auf deinen Kommentar bezogen, den ich wiederrum sehr differenziert finde. Der Trend-Kurzzeit-Veganer ist natuerlich eine ganz andere Nummer, aber ich finde es einfach gefaehrlich, wie oft der „arrogante Veganer“ Mythos perpetuiert wird.

            Wenn ich mich in Berlin mit einer super Linken Person unterhalte und die mir Marxismus als irgendein Ideal vorlegen moechte, dann denke ich doch auch nicht, dass sie „arrogant“ ist (obwohl sie mir da versucht ihre Weltsicht aufzudruecken), selbst wenn sie so tut, als sei das die einzige sinnvolle Lebensweise. Dann denke ich einfach, dass ich damit nichts anfangen kann und das nicht zu mir passt.

            Bitte versteh mich nicht falsch, ich stimme total mit dir ueberein, man sollte versuchen seine Sicht nett und artig zu kommunizieren. Aber es muss doch auch ok sein, ab und an passioniert und ueberzeugt davon zu reden, ohne dass die Leute sich direkt bedroht und belehrt fuehlen. Und das sage ich aus einer Perpektive heraus, wo ich mich oft schon nicht mehr traue, ueberhaupt das Wort „vegan“ in den Mund zu nehmen, um Leuten ja nicht zu nah zu treten und mich nicht direkt in eine Schublade stecken zu lassen. So als waere das blosse Statement, dass ich gern und ueberzeugt Veganer bin, schon ein Affront (und ich sage wirklich _jedes_ Mal, dass jeder tun muss, was er fuer richtig haelt…und trotzdem kriegen so viele Leute jedes Mal einen halben Herzkasper vor lauter vorauseilender Annahme…).

          3. Rahel

            Ach blöd, ich kann da unten nicht mehr kommentieren…
            Zum Thema Empfindlichkeit hab ich neulich auch diesen interessanten Artikel gelesen: http://www.zeit.de/kultur/2016-07/deutschland-beleidigtsein-debattenkultur-empfindlichkeit-polemik

            „Wer mich beleidigt, bestimme ich!“ 😀
            Einfach weiter passioniert und überzeugt bleiben, Flo. Wenn man nett bleibt, kann man Menschen doch ruhig mit seiner Meinung konfrontieren. Es braucht wieder mehr Haltung und Konfrontation statt Neutralität und Vorsicht :)

        2. Jana

          Liebe Flo (leider kann ich offenbar auch nicht mehr direkt unter deinen Kommentar antworten, ich hoffe, du siehst das trotzdem),
          ich habe in meinem obigen Kommentar lange überlegt, ob ich das Wort „Arroganz“ benutzen soll oder nicht. Ich habe nämlich schon befürchtet, dass es nicht gut ankommt. Deswegen habe ich auch versucht es abzuschäwchen mit „leicht“ und „viele“ (also eben nicht alle Veganer!). Ich freue mich, zu hören, dass die Veganer in deinem Umfeld alle auch auf andere Aspekte der Nachhaltigkeit achten. Aber das ist vielleicht deinem Umfeld zu verdanken, aber leider nicht immer so (Stichwort Repräsentivität der Stichprobe). Wie auch Rahel kenne ich auch einige, die aus reinen ernährungsgründen, als mit dem Gesundheitsargument, vegan essen (oft dann eben auf das Essen beschränkt, in anderen Bereichen aber tierische Produkte nutzen), oder einige die aus rein ethischen Gründen vegan leben und diese ethischen Fragen aber nicht in Zusammenhang mit der Nutzung anderer Ressourcen (auch menschlicher z.B. bei Billigproduktion) bringen. Natürlich darf das auch jeder so machen. Es soll gar kein – wie du es nennst – „Totschlagargument“ sein, denn es ist von mir ja gar nicht als Argument gegen Veganismus gedacht. Im Gegenteil, ich finde es gut, wenn Leute vegan sind, völlig egal aus welchen Gründen. Ich finde nur, man sollte nicht mit Nachhaltigkeitsaspekten für Veganismus argumentieren, dann aber in anderen Lebensbereichen diese Nachhaltigkeitsaspekte außer Acht lassen.
          Ebensowenig war mein Kommentar gegen Julia oder ihren Artikel gerichtet. Ich lese die Artikel gerne und sie sprechen auch mir oft aus der Seele. Aber wie eben Maja würde ich mich noch mehr freuen, wenn es auch mehr um andere Bereiche des nachhaltigen Lebens geht. Schließleich heißt die Kolumne ja „Fair Friday“, nicht „Vegan Friday“.
          Ich hoffe, ich konnte klarstellen, dass mein Kommentar ganz und gar nicht alle Veganer als arrogant darstellen sollte und auch überhaupt nicht aussagen wollte, dass ich Veganismus in irgendeiner Weise schlecht fände. Es gibt nur noch so viel mehr zu ändern.

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  3. xenia

    wenn es dieses Buch je gäbe, ich würde es kaufen – 1000x – und alle Idioten gratisch verteilen, sollten sie mir eine der beschriebenen Fragen stellen!
    Super klasse geschrieben. Mir geht das ganze Augenrollen schon auf den Zeiger, wäre wirklich praktisch ich könnte das mal jemanden unter die Nase halten.

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  4. Mari

    Danke, Danke und nochmals Danke!
    Ein paar deiner flotten Sprüche habe ich schon mal für den nächsten Zusammenprall abgespeichert.
    Und das Buch würde ich dir aus der Hand reissen – sehr toll geschrieben!

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  5. Sara

    Gut gezielt, aber irgendwie nicht so richtig getroffen! Ich sag das nicht als Vorwurf, sondern weil es super wichtig ist, auch den härtesten Kritikern den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Dafür sind zwei Argumente etwas zu kurz gekommen:

    1) Proteine. Nein, es ist tatsächlich gar nicht so einfach, vegan an die richtigen Proteine zu kommen. Das treffsicherste Argument unter den Fleischessern und Muskelaufbauern (und in Zeiten der Fitnessbesessenheit ist das ganz schön der Knaller) ist ja, dass man durch eine pflanzenbasierten Ernährung keine ganzen Aminosäuren bekommt. Und das ist nicht falsch! Man muss durchaus konkret darauf achten, was man isst und wie man es kombiniert, wenn man Muskeln aufbauen will. Es ist schwieriger, aber überhaupt nicht unmöglich. Daher das Argument vielleicht ausbauen und die Pumper abholen. Ein paar Hinweise dafür hier: http://www.shape.com/healthy-eating/diet-tips/surprising-way-vegetarians-may-be-ruining-their-workouts.

    2) Ein weiteres Argument ist oft, dass man niemandem mit seinem Veganismus hilft. Die Chinesen sind das Problem! Ist doch egal, wie viele Tiere sterben – wir haben größere Probleme! Richtig, wir haben größere Probleme, aber die sind auch an diese Ausbeute unserer Natur gekoppelt. Diese ganze Tierzucht verbraucht UNMENGEN von Energie, die sich überhaupt nicht mit Flugobst oder kalifornischen Mandeln vergleichen lassen kann. Das Land, was verbraucht wird, das Futter, was verbraucht wird, das WASSER, was verbraucht wird: und die Kosten werden dann nicht auf den Verbraucher gelegt (wie etwa bei Bio-Fleisch), sondern auf den Steuerzahler. Das ist Massentierhaltung. Und dann brauchen wir auch nicht über erneuerbare Energien nachzudenken, denn die können die Brände, die wir entfachen, nicht löschen.

    Im Sinne der effizienten Nachhaltigkeit und der Welternährung gab es übrigens eine Studie, die vor kurzem veröffentlicht wurde: es wäre am sinnvollsten, die Welt wäre vegetarisch. So könnte das anderweitig unbrauchbare Weideland genutzt werden für Milchprodukte, aber eben im minimalen Stil. Mit einem geringen Energieverbrauch.

    Ich hab noch nicht mal ein grundsätzlich ethisches Problem damit, Tiere zu essen oder zu schlachten. Aber die Art und Weise, wie es passiert und wie es sich auch in dieses krasse „Friss oder Stirb“ System unserer Welt eingliedert, ist einfach falsch. Man kann das als politischen Protest sehen 😉 Just my 2 cents.

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  6. tanja

    Ich bin etwas traurig, dass du wieder in diesen harschen Kampfmodus gewechselt bist. Ich erinnere mich an einen Beitrag, indem du dich ein bisschen aus der Ecke der hardcore Veganer rausbewegt hast und dir auch mal Ausnahmen gönnen wolltest. Warum muss es immer so oberlehrerhaft sein. Wenn deine Familie und Freunde solch ein Buch brauchen gerne, aber du solltest die Ausflage klein halten. In meinem Umfeld z.B. darf jeder essen und machen was er möchte und vor allem selbst zur Erkenntnis kommen und nicht von einem vermeintlichen „Experten“ geführt werden.

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    1. Flo

      Tut mir Leid, wenn es vielleicht etwas harsch klingt, aber es ist schon etwas amuesant, dass du Julia hier direkt bestaetigst (siehe „Vegan ist extrem“). Nur der der entspannte Veganer der sich „Ausnamen goennt“ und alles nicht so eng sieht und kein Oberlehrer ist und jeden tun laesst was er moechte ist natuerlich zu akzeptieren. Ich finde es jedes Mal wieder faszinierend, dass man ueber Themen wie politische Meinung oder modischen Geschmack so entspannt sprechen kann, aber kaum kommt ein Veganer daher und erklaert voellig sachlich und unaufgeregt warum er/sie vegan ist, schon fuehlen sich alle ganz furchtbar bedraengt, bedroht und belehrt.

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      1. Tanja

        Du bist der Meinung, dass man gerade entspannt über politische Meinungen diskutieren kann…? In unseren Zeiten weit gefehlt, aber das ist nicht das Thema. Mir ging es eher um den Kontrast der beiden Artikel und um Julias Wohlbefinden und die Art des Schreibens. Ich lerne gern dazu, ob es um Ernährung oder Politik geht. Vielleicht habe ich zu sehr zwischen den Zeilen gelesen….sorry.

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  7. Anna

    Ich finde alle Punkte nachvollziehbar, bis auf das Nicht-Verstehen des „Ich könnte das nicht.“. Gut, das liegt vielleicht auch daran, dass ich mir meine gescheiterten Versuche, vegan zu essen, schönreden möchte. Oder dass ich nach acht Jahren Vegetarier-Dasein monatelang so einen Hunger auf Fleisch hatte, dass ich irgendwann regelmäßig davon geträumt hab (nein, das denk ich mir nicht aus; und ich war auch kein „Puddingvegetarier“).

    Was ich mich frage: wenn jemand stark übergewichtig ist und beim Abnehmen scheitert, wird von den meisten akzeptiert, dass es mit „Iss halt weniger, wenn du wirklich willst, geht das!“ nicht getan ist. Es gibt meines Wissens Studien, die zeigen, dass es von adipösen Menschen nur ein einstelliger Prozentsatz schafft, dauerhaft abzunehmen. Und da geht es „nur“ um weniger oder anders zusammengesetztes Essen, nicht darum, komplette Lebensmittelgruppen aus der Ernährung zu streichen. Warum ist es dann so unverständlich, dass es auch Leute gibt, die es eben nicht schaffen dauerhaft vegan zu essen?

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  8. Jessie

    Mmh ich muss da Anna ein Stück weit recht geben. Ich versuche es immer wieder mit vegetarischen Phasen, die ich so lang durchhalte, wie es eben geht. Aber ich habe immer wieder mit Eisenmangel zu kämpfen, Tabletten helfen nicht, Spritzen will ich nicht. Ja, dann konsumiere ich Fleisch. Nein, ich habe keinen Metzger meines Vertrauens. Bin ich nun schlechter als jeder Veganer? Obwohl ich grundsätzlich in allen Lebensbereichen versuche, nachhaltig und verantwortungsbewusst zu leben? Diese Haltung, die nicht unbedingt bei Julia, aber immer wieder in den Kommentaren durchschaut, missfällt mir. Die Welt ist nicht nur schwarz oder weiß.

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    1. Rahel

      Ich würde sagen, die Frage musst du dir selbst beantworten, Jessie. 😉 Jeder muss sich selbst fragen, ob er alles ihm momentan (geistig/emotional/finanziell) Mögliche tut, ein besserer Mensch zu werden. Wenn man das mit ja beantworten kann, ist doch alles gut. Und wie das konkret aussieht, ist jedem ja selbst überlassen. Prinzipiell sollte niemand über jemand anderes als sich selbst urteilen, weil nur man selbst sich und seine Lage komplett kennen kann, finde ich. Was man aber machen kann: sich austauschen, sich voneinander erzählen, sich beeinflussen.

      Und überhaupt, chillt mal ein bisschen, auch Anna vom Kommentar darüber. Ihr scheint euch doch Gedanken zu machen und Ziele nicht zu erreichen ist doch nicht so schlimm. So ne Angst vorm Scheitern ist doch bekloppt, wenn man auf nem Weg ist, der in eine gute Richtung führt, ist das doch schon sehr viel. <3

      Antworten
      1. Jessie

        Ich bin ganz gechillt und meine Anfangsfrage eine rhetorische:-) es interessiert mich nämlich nicht besonders, was andere von meinem Essverhalten denken und völlig fremde schonmal gar nicht.

        Meine Reaktion drehte sich um Aussagen wie „Nein, das reicht mir nicht“ und all die Kommentare dazu, die in die gleiche Kerbe schlagen. Mag sein, dass Veganer sich schnippische Kommentare anhören müssen, das gilt aber umgekehrt aber genauso. Intoleranz findet sich auf beiden Seiten. Und es gibt ja auch durchaus Gegenargumente zur rein veganen Ernährung. Keine Studie ohne Gegenstud ie, das ist einfach so.

        Ich finde es ja richtig, sich bewusst mit Ernährung zu befassen, das tue ich auch. Aber manchmal denke ich, Wahnsinn, was da für manche eine Obsession wird.

        Antworten
  9. Deborah

    Interesting stuff. Vorallem die Kommentare. Der Katalog ist einsame Spitze ! :) Und kennt jeder der vegan lebt. Es ist total spannend wie sehr ihr alle, ihr unglaublich rationalen, intelligenten und gebildeten Frauen bei diesem Thema reagieren könnt. Wow. :) Ich komme ja eher aus der Herz-fühlen-und-spüren-Ecke und muss sagen, wer einmal einem Tier in die Augen guckt, der spürt doch das es nicht richtig sein kann, dieses zu töten. Protein, Eisen, Tradition, Theorien hin und her. Ganz egal ob es sich um einen Hund, ein Huhn oder eine Kuh handelt. Vielleicht kann man ja auch ab und zu vom ratio in das Herz und einfach einen Moment lang spüren. <3 #writteninlove #totallyesovegan #youcanfeelitinyourheart

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  10. kat

    Es wundert mich nicht, dass es bei diesem Thema oft emotional wird. Die Frage, ob man auf tierische Produkte verzichtet oder nicht, ist eine moralische Frage. Es geht darum, was richtig ist und was falsch in einem ethisch-moralischen Sinn. Und das lässt sich nicht allein aufgrund von sachlichen Informationen entscheiden, sondern ist ein Werteurteil. Oder politisch, wie schon jemand schrieb.

    Dass manche Bemerkungen zum Veganismus Bullshit und auch einfach nicht ernsthaft interessiert sind, zeigt die Auswahl ganz gut. Allerdings finde ich sie nicht alle dumm. Wenn ich mir die Zutatenliste von Sojamilch anschaue, finde ich das wenig überzeugend. In der Schwangerschaft habe ich wieder mehr Fleisch gegessen, weil ich Eisentabletten nicht gut vertrage und ich keinen Sinn in einer Ernährungsform sehe, die Nahrungsergänzungsmittel braucht. Und welchen Stellenwert haben regionale und saisonale Produkten? In den veganen Kochbüchern, die ich habe, ist gefühlt jedes zweite Rezept mit Avocado und es werden Gemüsesorten gemischt, die es einfach nie gleichzeitig regional gibt.
    Wenn mir da jemand mehr dazu sagen kann, gerne – als „nicht so schlau“ lasse ich mich aber deswegen nur ungern bezeichnen.

    Wie gelingt es, miteinander zu diskutieren, emotional und von der Sache überzeugt, ohne Arroganz und Abwertung? Das treibt mich gerade wirklich um, auch im Blick auf gesellschaftliche Diskussionen. Den Artikel hier finde ich dabei mittelgut gelungen. Bei mir kommt vor allem an: „Es wäre besser, du würdest leben wie ich. Ich weiß, was richtig ist. Wenn du so viel wüsstest wie ich, würdest du das auch tun.“ Lust auf mehr Nachhaltigkeit hat er auf jeden Fall nicht gemacht, dazu klingt er viel zu genervt.
    Aber es gibt eben Fragen, wo es nicht reicht, dass es jeder so macht, wie er es will. In ganz vielen Lebensbereichen kann heute jeder nach seiner Facon glücklich werden, vielleicht tun wir uns deshalb so schwer damit und empfinden es als extrem, wenn jemand zu meinen Bemühungen sagt: „Nein, es reicht mir nicht.“ Wie man da rauskommt, ist für mich eine Frage, auf die ich noch keine Antwort habe.

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    1. elefteria

      wie du schon sagtest klingt der text nur aus deiner persprektive genervt und arrogant. ich finde es sind alles gute antworten mit wirklichen argumenten gegen die typischen anekdoten die man als veganer immer wieder hört. was ist an diesen antworten schlimm oder gar abwertend? es klingt etwas als ob es dich kränkt mit einigen fakten die gegen deine ernährung sprechen, konfrontiert zu werden.
      und was soll das mit der zutatenliste von sojamilch? es gibt auf dem markt so viele verschiedene anbieter und die meisten ungesüßten varianten von pflanzenmilch haben sehr einfache zutaten, nämlich wasser & soja oder mandel oder hafer, je nach sorte (z.b. die von provamel oder alnatura)

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      1. kat

        Ich finde „Bullshit-Katalog“, den man „Idioten gratis verteilen“ (das war ein Kommentar) arrogant, ja, genauso wie „nein, deine Bemühungen reichen nicht“. Allerdings, ich habs mir eben alles nochmal durch gelesen, ist der größte Teil der Antworten wirklich sachlich.
        Trotzdem bleibt das Gefühl, dass mich hier jemand bekehren und mir die Welt erklären will, einfach weil sie es besser weiß. Diese Haltung kommt weniger durch in den einzelnen Antworten als am Anfang und Schluss. Und das macht nun mal gar keine Lust auf Auseinandersetzung und Diskussion.

        Ich finde, es ist eben nicht alles so klar mit den Fakten. Ich packe meine kleine Tochter im Winter in einen Fellsack und nicht in einen aus Fleece. Fleece verliert beim Waschen kleinste Fasern, die nicht heraus gefiltert werden können und deshalb in den Gewässern landen. Deshalb habe ich mich dagegen entschieden. Es ist doch so oft ein Abwägen, bei dem man für die Vorteile des einen die Nachteile von etwas anderem in Kauf nimmt. Manchmal muss man ein Urteil revidieren und etwas ändern. Die Welt ist nicht schwarz und weiß, auch bei der Ernährung und bei Nachhaltigkeit nicht.

        Ach, und die Sojamilch… ich war fest entschlossen, welche zu kaufen. Da sie aber derart viele unaussprechliche Zutaten hatte, habe ich sie zurückgestellt. Aber ich gebe ihr gerne eine zweite Chance!

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  11. Jen

    Ich bin seit 23 Jahren Vegetarier und habe immer wieder „vegane Phasen“ – will sagen, ich achte nicht darauf, dauernd Eier/Milch/Käse zu essen, und tue es automatisch nicht täglich. Ich versuche so nachhaltig zu leben, wie es geht (echten Ökostrom/nur Reformhaus/Bioladen/lokale Labels/viel Fahrrad etc) und lebe das auch meinen Kindern vor.
    Aber ihr Lieben. Sowohl der Fragenkatalog oben als auch einige Kommentatoren wirken doch sehr aggressiv und ja, arrogant. „Ja, ich sehe eure Bemühungen. Nein, das reicht mir nicht.“ oder „Trend-Kurzzeit-Veganer“ … Wieso ist man als Veganer dazu berechtigt, andere zu be- und verurteilen? Weil euch das dauernd widerfährt? Sollte man sich nicht genau anders verhalten, eben deshalb?
    Ich kenne diese Diskussion seit 23 Jahren, denn auch Vegetarier sein ist für viele absurd. Ich lächele dann immer nur und sage, dass es für mich so am besten ist. Und empfehle gute Literatur zum Thema, für alle die, die mehr wissen wollen (= mich in mühsame Diskussionen verwickeln möchten). Ich gebe mir in jedem Fall immer Mühe, mein Gegenüber nicht als schwach, dumm, faul, egoistisch anzusehen, auch wenn es mich wundert, wie man es schafft, sich heutzutage nicht mit Nahrung und deren Produktion auseinanderzusetzen.

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  12. Fabienne

    Das mit der Massentierhaltung verstehe ich. Auch das mit dem Fleisch und den Eiern.
    Aber wie ist es bei Milchprodukten von Tieren, die in guten Verhältnissen leben? Ist da das Argument „es sind nicht die natürlichen Lebensräume der Tiere und man sollte sich nicht über sie stellen, in dem man sie als Nutztiere hält“?
    Oder gibt es da noch andere Gründe?
    Es ist wirklich als Frage gemeint, weil ich es einfach nicht weiß.

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    1. Sylvie

      Kühe produzieren Milch als Nahrung für ihre Babys – ebenso wie andere Säugetiere auch. Damit wir Menschen diese Milch konsumieren können, werden die Kälber kurz nach der Geburt von ihren Müttern getrennt und mit Ersatznahrung aufgezogen. Und weil die Kuh, die kein Kalb mehr aufzuziehen hat, aufhört, Milch zu produzieren, muss sie weitere Kälber gebären und wird deshalb immer und immer wieder geschwängert; so unnatürlich oft, dass sie schließlich nach nur einem Bruchteil der Jahre, die Kühe eigentlich alt werden können, stirbt.
      Mehr zu den „Nebenwirkungen“ der Milchproduktion kannst du bei Interesse z. B. in diesem Artikel nachlesen: http://vegan.ch/warum-vegan/warum-keine-milch/

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      1. Leo

        Ich hab das an anderer Stelle schon mal erwähnt, aber ich möchte es für die Vollständigkeit gern wiederholen:
        Die Bedingungen, die du beschreibst, Sylvie, mögen auf geschätzte 95% der Rinder in Deutschland zutreffen, aber es ist tatsächlich nicht immer so! Es gibt in Deutschland demeter-Betriebe, in denen die Kühe nicht künstlich besamt werden, die Kälber erstmal bei ihrer Mama bleiben und trinken dürfen (die ein bisschen parallel gemolken werden, ja das geht ohne Ausbeutung!) und das Alter einer Kuh geschätzt wird.
        Wäre es nicht schlau, diese Höfe zu unterstützen? (Nicht als Veganer, schon klar, aber für den Rest)
        Nennt mich idealistisch, aber die Nachfrage bestimmt doch auch das Angebot, und ich fände es sehr wünschenswert, wenn diese Art der Tierhaltung größere Verbreitung fände.

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  13. Andrea

    Ich finde diesen Artikel belehrend und selbstgerecht. Ich hatte nach dem Lesen richtig schlechte Laune, wegen dieser Überheblichkeit, dann habe ich mir ein dickes Stück Salami abgeschnitten und mit Genuss gegessen. Vorbeugend erspare ich mir weiteres Lesen dieser Rubrik, so überzeugt man keinen, sondern bestätigt nur sämtliche Vorurteile und vergrault Leute, die sich zumindest für das Thema interessiert haben.

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    1. rike

      wenn du nach diesem artikel noch „mit genuss“ ein „dickes stück salami“ essen konntest, gehörst du glaube ich nicht zur zielgruppe (denkende, empathische menschen) dieses artikels. eigentlich kann ich über böse kommentare immer gut hinwegsehen, aber wie dumm, ignorant und widerlich war das denn bitte?!

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    2. laura

      @Andrea: Meinst Du das ernst oder ist das Satire? Getroffene Hunde bellen. Viel Erfolg bei der weiterern Selbstreflektion, liebe Andrea. Und nicht gleich schlecht gelaunt sein, weil jemand Dir den Spiegel vorgehalten hat und dir nun deswegen dein eigenes Gewissen deine gut gepflegte Ignoranz in Frage stellt. Muss echt ätzend sein. Bon Appetit!

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  14. Pingback: SUNDAY READ: VIER SPANNENDE STÜCKE MIT AHA-EFFEKT – VIERTEL VOR

  15. Dhana

    Vielen lieben Dank für diesen Artikel!! Werde deine Antworten ab sofort anwenden,denn manchmal verlässt mich bei den blöden Fragen, die mir so gestellt werden, echt die Schlagfertigkeit.
    Liebe Grüße und bloß weiter so!
    Dhana

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