Monday Reads // Mit 5-Stunden-Arbeitstagen, Sexismus-Verboten & Facebook-Kritik

12.09.2016 um 16.43 – Gesellschaft Leben

weekend reads this is jane wayne

Eine kleine feine Leseleiste zum Wochenbeginn, die gerne im Kommentarfeld ergänzt werden kann. Damit uns weder Lehrreiches und Amüsantes, noch Wichtiges entgeht:

Netzfund: Patti Smith – Advice to the young

Nutzer, die Facebook kritisieren, haben recht – und sind Heuchler

Espen Egil Hansen ist Chefredakteur der norwegischen ZeitungAftenposten – und seit gestern auch über die Landesgrenzen hinweg berühmt. Denn er hat einen offenen Brief an Mark Zuckerberg geschrieben, nachdem Facebook das berühmteste Bild des Vietnamkriegs auf der Seite eines seiner Redakteure gelöscht hatte. Mit der Begründung, dass das Mädchen, Kim Phuc, auf dem Bild nackt ist. Jetzt.de-Autorin Christina Waechter stellt sich die Frage, ob wir uns nicht tatsächlich freiwillig der Agenda des Systems unterwerfen.

Hoffnung ist furchtlos – und leider auch endlos

„Ich denke, eine unserer größten Ängste ist das Loslassen. Loslassen von unseren Träumen, unseren Vorstellungen, loslassen von Geschichten, Gefühlen, Erinnerungen und vor allem Menschen. Wir können den Gedanken nicht ertragen, etwas für immer zu verlieren. Also müssen wir uns unseren Arsch weghoffen um sorgenlos zu bleiben. Natürlich gilt das für alles im Allgemeinen, aber nehmen wir einmal das einfachste Bespiel – Liebe.“ Weiter gehts hier.

„Liebe CSU, du beflügelst Gewalt und Radikalisierung“

Hasnain Kazim ist Sohn von Einwanderern, die nicht aus dem „christlich-abendländischen Kulturkreis“ stammen. Von den rechtspopulistischen Tönen der CSU fühlt er sich deshalb angesprochen – und antwortet ihr. Ein offener Brief.

Wann kommt das Sexismus-Verbot in der Werbung?

Die Welt schrieb kürzlich, Heiko Maas ließe sich aber ganz schön Zeit mit seiner im Frühjahr angekündigten Gesetzesnorm gegen Sexismus in der Werbung. Und richtig, wenn die Gesetzesänderung im März „kurz vor der Ressortabstimmung“ (Spiegel Print 16.04.2016) stand, dann könnte es verwundern, warum nichts passiert. Weiter bei Pinkstinks.

Die Vermissung der Welt

„In meinem Hinterstübchen ist eine Wand, da hängen die Fotos, schnell angebracht, Notnagel für Notnagel. Vergessen ist Sonntag. Montag klingelt der Wecker. Mittwoch ist Bergfest. Freitag ist Bundesliga. Samstag zum Bäcker, lecker Brötchen. Sonntag. Geh mir weg mit Sonntag.“ Grandiose Gedanken-Ketten findet ihr drüben bei Neon.

How to live in the present without annoying yourself

„I can’t stop thinking about a short email I got from a friend a couple weeks ago. It read:
Can you do a story on Janis Joplin? I mean, she’s the best. I loved her before but, after seeing her documentary on Netflix, I’m moved to tears. A quote handpicked for you: ‘Tomorrow never happens. It’s all the same fucking day, man.’” Weiter bei Man Repeller.

Facebook ist legales Crack

Niemand, der bei Facebook arbeitet, darf öffentlich darüber sprechen. Antonio Martínez tut es doch. Er war dort Manager und berichtet für Zeit.de aus dem Inneren des US-Konzerns. Upsi.

It’s not about you #allemen

„Vor Kurzem stand ich mit einem männlichen Bekannten vor einem Musik-Festival. Wir setzen uns vor einen Zaun, an dem verschiedene selbst gemalte Poster mit Botschaften gegen sexualisierte Belästigung auf dem Festival-Gelände klebten. Er guckt sich ein Poster an, lacht auf und sagt: „Boah, noch nicht mal mehr feiern gehen kann Mann, ohne von Frauen gemaßregelt zu werden.“ Weiter gehts bei Trust The Girls.

Wie ein 5-Stunden-Arbeitstag funktionieren kann

Auf 9-to-5 hatte der Unternehmer Aarstol keine Lust und kürzte von einem Tag auf den anderen die Stunden um 30 Prozent – die Gehälter blieben gleich. Auf Fast Company erklärt er, warum alle Unternehmen über einen 5-Stunden-Arbeitstag nachdenken sollten. Mehr bei Edition F.

Zweifelhafte Frauenratgeber – Tipps für die richtige Vögel-Atmosphäre

Frauenratgeber helfen dabei, Männer glücklich zu machen – vor allem wenn es um Sex geht. Uns fällt gar nicht auf, wie abgefuckt das ist. SPIEGEL-ONLINE-Kolumnistin Margarete Stokowski hat ein Buch geschrieben: „Untenrum frei“. Ein Auszug. Und hier kann mans kaufen.

Wie Hashtags Politik beeinflussen

#NeinheißtNein, #ausnahmslos, #ichhabnichtangezeigt #TeamGinaLisa: Eine Erfolgsgeschichte? Das fragt sich Stefanie Lohaus vom Missy Magazine.

Totalitarismus der Aufklärung

Wer in der Öffentlichkeit bestimmte Kleidungsstücke verbietet, begibt sich auf einen gefährlichen Weg: Morgen ist es das Essen von Tieren oder die Prostitution, die die Sittenpolizei alarmieren. Eine Kolumne von Jan Fleischhauer.

Ich sagte: „Lassen Sie ihn sterben“

Der inzwischen 29-Jährige *Jan hat vor vier Jahren erst seine Mutter, ein Jahr später dann seinen Vater verloren. Er wurde als Einzelkind mitten im Studium Vollwaise. Auf reddit startete er ein AMA. Einfach weil er reden wollte und weil er hofft, anderen eine Hilfe zu sein, die einen oder beide Elternteile verloren haben. Jan bekam viele Fragen. Mit so großem Interesse hätte er nicht gerechnet. Hier erzählt er seine Geschichte.  Vielleicht meldet sich ja jemand dem es ähnlich ergangen ist.

Zu Karriere-geil, oder warum hast du keine Kinder?

„Warum haben Sie eigentlich keine Kinder?“ Eine Frage, die Schottlands Erste Ministerin, Nicola Sturgeon, immer wieder hörte – nun spricht sie über ihre Fehlgeburt und warum diese Frage keine ist, die man zu leichtfertig stellen sollte. Hier lang. Warum Eltern in Deutschland im Schnitt unglücklicher sind, als kinderlose Paare, lest ihr hier. Wir finden trotzdem: Go for it. Aber nur, wer wirklich will.

Radikalisierung – der Damm ist gebrochen

Anetta Kahane, die Chefin der Amadeu Antonio Stiftung, spricht auf TAZ.de über die AfD-Wahlerfolge, deutsche Identität und eine Realität, die vielfältiger ist, als es die Rechte glauben machen will.

Burka-Verbot – Frauen äußern sich zur Verhüllungs-Debatte

In Nizza haben Polizisten am Strand eine Frau im Burkini gebüsst. Der Vorfall hat die Debatte über das Verhüllungsverbot neu entfacht. Und auch in der Schweiz spricht sich die Mehrheit für ein Verhüllungsverbot aus, wie es eine Volksinitiative anstrebt. Nun äussern sich Frauen, die sich selber verhüllen – oder den Schleier abgelegt haben. Danke, Miriam Suter.

Warum Plus-Size-Mode nicht zu einem positiven Körpergefühl beiträgt

„Auch, wenn sich in den vergangenen Jahren einiges zum Positiven entwickelte: Body-Positivity sieht anders aus. Statt sich auf verschiedene Körperformen einzulassen, wird versucht von der Norm Abweichendes auf Teufel komm raus weniger dick aussehen zu lassen. Gerne wird so getan, als ob fette Frauen nicht fett wären, wenn man ihnen nur die richtigen Klamotten anzieht. Als ob jede Frau eine Sanduhr-Silhouette hätte.“ Hier gehts weiter.

Maria und Sophia leben 5 Tage lang ohne Müll zu produzieren

„Wir wollen versuchen, 5 Tage lang keinen Müll zu produzieren. Zero Waste heißt das im Hipstersprech und ist nach Clean Eating gerade der neue heiße Scheiß. Denn im Kapitalismus, da wo Konsum das Maß aller Dinge und sozusagen das höchste Gut ist, definieren wir uns immer mehr über unsere Art zu konsumieren, weniger über spirituelle Weltanschauungen. Jetzt also Zero Waste. Die Idee dahin ist nobel, großartig und klingt erst einmal total easy: Zero Waste bedeutet nichts weiter, als auf jede Art von Verpackung und sonstigen Müll zu verzichten.“ Obs gelingt, lest ihr hier.

Der Neue Mann

In den vergangenen 20 Jahren hat sich vieles im Leben von Männern geändert. Was sind die Probleme, was die Herausforderungen des modernen Mannes? Das ZeitMagazin hat sich diesen Fragen angenommen und bringt nun regelmäßig Beiträge zum Thema. Ein Mal mehr wird also klar: Feminismus geht uns alle an, denn am Ende geht es vor allem um eins: Um Humanismus. Und Gleichberechtigung, auch für Männer. Hier lang.

Fixpunkte und Vorbilder

Es geht rund auf dieser Welt. Drunter und drüber. Wie soll man sich da zurechtfinden? Wenn die Theorie nichts mehr taugt, sollten wir uns an der Praxis orientieren, am Menschen. Echte Vorbilder sind schwer zu finden, führen uns aber zum Guten – Ein brillanter Beitrag von Wolf Lotter.

Teppiche für Immer

„Beberlin“ hatte ich bereits auf Instagram entdeckt und war sofort verschossen. In die allerschönsten Teppiche der des Labels von Julia Schauenburg-Kacem. Nun haben Femtastics die frisch gebackene Geschäftsfrau besucht und sie zum Interview gebeten. Einmal alles bitte, auch Julias Wohnung!

Stilvoll – das neue Buch von Marlene Sørensen

Autorin und Journalistin Marlene Sørensen widmet sich in „Stilvoll“ ganz verschiedenen Frauen, für die Stil ganz unterschiedliche Dinge bedeutet. Model Eva Padberg, Sängerin Joy Denalane, Schauspielerin Hannah Herzsprung und ihre Stylistin Leena Zimmermann Kostümbildnerin Aino Laberenz sprechen über ihre Liebe zur Mode, teilen Anekdoten und zeigen ihre liebsten Looks. Im Interview mit Refinery 29 verrät Sørensen, wie sie die Frauen im Buch ausgewählt hat, wie sie ihren eigenen Stil beschreiben würde und warum der Stil der Deutschen gar nicht so schlecht ist, wie ihr Ruf!

Wie Rassisten dank diverser Blogs ihren Job verlieren

Hasskommentare finden vor allem im Internet statt – dort, wo man glaubt, seinen Rassismus ohne Konsequenzen ausleben zu können. Aber damit ist jetzt Schluss. Mehr weiß i-D.

TAGS:

6 Kommentare

  1. Esra

    Whaaat? „What really matters is, to do what you want“? (Patty Smith) Was ist denn das bitte für eine Aussage? Und wenn jemand über Leichen gehen will, soll er über Leichen gehen, wenn es ihn glücklich macht?
    Mir stinkt es wirklich, dass heutzutage „dream believe achieve“ über die Menschlichkeit gestellt wird… Wenn du es WIRKLICH willst, wirst du es erreichen. Ja, das mag sein – aber: ist es denn komplett egal geworden, wie der Mensch dabei ist? Ob er noch menschlich ist? Und MITmenschlich?
    Hier ist ein guter Spruch von John Ruskin: Nicht was er mit seiner Arbeit erwirbt, ist der eigentliche Lohn des Menschen, sondern was er durch sie wird.

    lg
    Esra

    Antworten
    1. Nike Jane Artikelautor

      Liebe Esra, ich verstehe deine Aufregung – aber dieser Satz von Patti Smith scheint mir sehr arg aus dem Kontext gerissen geworden zu sein. Ich habe ihn noch nicht einmal in diesen sechs Minuten bemerkt? Und wenn er tatsächlich da ist, dann sind die übrigen 5 Minuten wohl gesagt worden, um diese wenigen Wörter in den richtigen Zusammenhang einzuordnen. Oder stehe ich auf dem Schlauch. Ich meine, wir alle kennen Patti. Radikal ist sie vor allem, wenn es um ihre Kunst geht. Nicht aber im wortwörtlichen Sinne.

      Antworten
      1. Esra

        Liebe Nike, sorry, dass ich mich so aufgeregt hab ^^Bin so fürchterlich temperamentvoll, hehe.
        Es geht bei der Minute 1,50 los, wo echt eine Plattitüde nach der anderen kommt… Natürlich hat sie mit allem recht – es ist schwer, ein menschliches Wesen zu sein, jeder strebt nach Glück und Gesundheit, es ist wichtig, dass jeder tun kann, was er will… Aber das einfach so rauszuhauen, ohne es gleichzeitig kritisch zu hinterfragen – ist man denn zum Glück „verpflichtet“ (denn wenn man ständig von überall hört, dass Glück erstrebenswert ist, fühlen sich viele Menschen unter Druck gesetzt, weil sie nicht glücklich sind – sogenannte „Loser“)? Ist es denn wirklich erstrebenswert, zu tun, was man will? Ja, ich weiß was sie sagen will – dass man es DÜRFEN sollte, zu tun , was man will. Allerdings gibt es wahnsinnig viele Politiker, Geschäftsleute und einzelne Personen, die tun was sie wollen – und damit der Welt immens schaden…
        Ich wollte das nur nicht so im Raum stehen lassen.
        Die meisten denken nicht darüber nach, wenn sie solche Wahrheiten hören, denn sie sind ja nicht falsch – aber auch nicht unbegrenzt wahr.
        lg
        Esra

        http://nachgesternistvormorgen.de/

        Antworten
        1. Nike Jane Artikelautor

          Danke immer wieder für deine Kommentare, Esra!
          Meine Antwort würde jetzt allerdings ungefähr Artikel-lang werden, ich muss aber packen. Keine Ausrede. Nur, dass du weißt, dass ich deine Antwort gesehen habe. Kurz: Ich finde aber ja, es ist erstrebenswert glücklich zu sein und alle sollten glücklich sein können. Das „können“ ist hier das Entscheidende. Denn meist kommt Unglück genau von dem Scheiß da draußen, vom Konsum (hallo an mich selbst!), von Regeln, Sozialisierung (ihr müsst so und so sein, „so“ macht „man“ das), von den Dingen, die wir nicht erreichen können. Gäbe es den Druck glücklich zu sein in unserer Welt der Selbstoptimierung zum Beispiel nicht, würde sich, wenn man oben genannten Scheiß raus dezimieren würde, womöglich ganz von selbst so etwas wie Glück einstellen. Ehm. Ich muss wirklich los, aber versteht man, was ich meine?

          Antworten
  2. Nina

    Erst einmal muss ich euch echt für die Rubrik loben! In letzter Zeit ist das immer eine super Zusammenstellung und ich hätte nie die Zeit oder Muße selbst so viele interessante Artikel herauszusuchen. Und dann zu dem ManRepeller-Artikel: Ich hatte neulich eben diesen Aha-Effekt. Ich dachte nämlich immer und bei allem, was ich gemacht habe unterbewusst, es wäre so eine Art Vorbereitung auf das „echte“ Leben, das ich einmal führen würde. Meine Reisen wären eine Vorbereitung, so dass ich später einmal nicht total provinziell wäre und mich später in der Welt zurecht finden würde, meine Auslandsaufenthalte und Sprachkurse wären, damit ich später einmal nicht durch schlechte Sprachkenntnisse etc. auffallen würde etc. Also nicht, dass ich es nicht gemacht hätte, weil ich es toll fand. Das natürlich auch. Aber die Haltung wird einem, so denke ich, durch das Studieren anerzogen. Man lebt in einer WG oder auf dem billigsten Standard oder in sonstigen Provisorien, und irgendwann, denkt man, wird man einmal leben wie die Erwachsenen – was auch immer das dann sein soll. Und irgendwann ist man plötzlich erwachsen und egal wie das eigene Leben dann aussieht, man erkennt auf einmal, dass das jetzt und auch schon die ganze Zeit DAS Leben ist, das es im Leben kein Ziel gibt, keine Stufe, auf der man dann endgültig lebt und eigentlich auch nicht dieses obskure „Ankommen“, von dem man immer hört und liest. Alles fließt. Ein Moment nach dem anderen, jetzt oder nie und dass man immer wieder daran arbeiten muss, dass es das eigene Leben bleibt – denn auch von dem „ich war in London“, „ich habe dies und das getan“ kann man sich (außer der Erinnerung und Prägung) nichts kaufen. In diesem Moment sollte es das eigene Leben sein. Und man muss immer wieder entscheiden und neu planen. … Ist mir nur so durch den Kopf gegangen, vielleicht auch sonst jemandem.

    Antworten

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *