Off to New York City // 3 Bücher, die ich mitnehme.

13.09.2016 um 9.45 – Buch

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Ich fliege niemals ohne Bücher, überhaupt bin ich sehr gut darin, mich von der puren Existenz abzulenken. Wenn ich mir das stundenlange Betrachten von Wolkentürmen aber schon freiwillig entgehen lasse, dann zumindest mit Nahrung für den Kopf, denke ich mir bei jedem Gang ins Flugzeug. Manchmal verschlafe ich dieses gut gemeinte Vorhaben allerdings, oder ich esse vor Aufregung tütenweise Pringles und Katzenohren. Kann mir diesmal (es geht jetzt gleich nach New York) ausnahmsweise nicht passieren, zu sehr stecke ich mit der Nase schon seit Tagen in Robert Wringhams „Ich bin raus“. Der britische Querdenker, Sozialist, Autor und Bibliothekar, der außerdem für das Magazin „New Escapologist“ verantwortlich zeichnet, hat mich allein schon mit der Einleitung am Schlafittchen gepackt und abhängig gemacht. Es ist nicht so, als würde ich demnächst nach Patagonien auswandern, aber ein bisschen Selbstreflexion kann nicht schaden. Teju Coles „Open City“ habe ich erst drei Jahre nach Veröffentlichung verschlungen, nämlich 2015. Der junge Autor, der mittlerweile mit Sebald, Camus oder Naipaul verglichen wird, beschreibt die Großstadt New York und ihr Grundgefühl im Laufe seines Romans mit allen Sinnen. Ein intensives Buch, das man nie mehr vergisst und immer wieder lesen will und kann, wie ein guter Film, der in nostalgischen Momenten alles Gedachte noch zusätzlich verstärkt. Und dann ist da noch Sheila Heti, die sich selbst und uns in ihrer Geschichte über zwei Freundinnen die Frage stellt: Wie sollen wir sein? Oder besser: Wollen wir überhaupt so sein? Drei Mal Lese-Glück to go sozusagen. Ich bin dann jetzt mal weg.

Robert Wringham – Ich bin rausIch bin raus von Robert Wringham

„80% von uns hassen ihren Job, wir verbringen im Schnitt 87.000 Stunden bei der Arbeit, bevor wir ins Grab steigen. Einige von uns sterben sogar bei dieser Arbeit. Wir verbringen zudem durchschnittlich 5.000 Stunden in Zügen und Bussen und Staus, um zu dieser Arbeit zu kommen, nicht eingerechnet die unzähligen Stunden der Vorbereitung für, Sorge um und Entspannung von dieser Arbeit. Und trotzdem sind die meisten von uns verschuldet, weil wir meinen, unsere Würde durch ein Eigenheim wiederherstellen zu müssen, welches dann ja auch befüllt werden muss.

Die Falle ist stärker denn je und die Wenigsten wissen einen Ausweg. Viele hat diese Falle irgendwie beschäftigt, die wenigstens haben etwas gegen sie getan. Seit 2007 studiert Robert Wringham und sein kleines Magazin New Escapologist die Mechanismen dieser Falle, arbeitet an Alternativen und sammelt Geschichten von Ausbruchsversuchen. Und mit Ich bin raus zeigt er jetzt, wie wir tatsächlich der Falle entfliehen können.“

Grandios geschrieben – ein Sachbuch, das nicht langweilig wird, Mut macht und dazu inspiriert, die Dinge endlich auch aus anderen Perspektiven zu beleuchten. Vor allem solche, die der Konformismus geboren hat.

Randomhouse Verlag.

Teju Cole – Open City 

teju cole open city

„Julius, ein junger Psychiater, durchstreift die Straßen Manhattans, allein und ohne Ziel, stundenlang. Die Bewegung ist ein Ausgleich zur Arbeit, sie strukturiert seine Abende, seine Gedanken. Er lässt sich treiben, und während seine Schritte ihn tragen, denkt er an seine kürzlich zerbrochene Liebesbeziehung, seine Kindheit, seine Isolation in dieser Metropole voller Menschen. Fast unmerklich verzaubert sein Blick die Umgebung, die Stadt blättert sich vor ihm auf, offenbart die Spuren der Menschen, die früher hier lebten. Mit jeder Begegnung, jeder neuen Entdeckung gerät Julius tiefer hinein in die verborgene Gegenwart New Yorks – und schließlich in seine eigene, ihm fremd gewordene Vergangenheit.“

Eines meiner drei Lieblingsbücher 2015.
Gut bei Regenwetter oder einsames Im-Park-Liegen.

Suhrkamp Verlag.

Sheila Heti – Wie sollen wir sein?

Heti_wie-sollten-wir-sein

Die 39-jährige Madame Heti ist keineswegs ein unbeschriebenes Blatt und hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht, schrieb schon für die New York Times, das n+1, den Guardian und arbeitet als Interview Editor für das Magazin The Believer. Das fand schon unsere einstige Literatur-Expertin Powerpuff (die übrigens schmerzlich vermisst wird) heraus und empfahl uns im selben Atemzug das Lesen von Hetis Werk „How should a person be“, das mittlerweile auch in der deutschen Fassung erhältlich ist. Hier könnt ihr unsere Kritik von 2014 nochmal nachlesen.

„Sheila lebt in Toronto: Frisch geschieden und künstlerisch blockiert von der Arbeit an einem feministischen Stück, das sie für ein Theater schreiben soll, steckt sie mitten in der Lebenskrise. Alle anderen scheinen zu wissen, wie das geht: authentisch leben. Nur sie weiß es nicht, hat sie doch das meiste von Männern gelernt, die ihr etwas beibringen wollten.

Also beginnt sie, Gespräche mit ihrer besten Freundin, der Malerin Margaux, auf Band aufzuzeichnen, macht sie zum Untersuchungsobjekt ihrer philosophischen Neugier. Und nicht nur sie, sondern auch ihren dominanten neuen Lover Israel. Aber wo bleibt dabei sie selbst? Was, so fragt sie sich, ist Liebe, was ist Schicksal, wie bleibt man sich treu? Von Toronto nach Miami, New York und wieder zurück, führt Sheilas zuweilen sehr komische Erkundungs reise sie – und uns – in immer fruchtbareres, gefahrvolleres Gelände.“

Rohwolt Verlag.

3 Kommentare

  1. Mia

    Tolle Buchauswahl, besonders „Wie sollten wir sein“ hat mich mitgerissen. Ein Buch, dass ich auch jedem ans Herz legen kann (bin gerade am Lesen): „ErHängt. Wir fallen.“ – ein Roman über Suizid, der tief unter die Haut geht !!

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  2. Laura

    Mit Büchern zu reisen, ist einfach das Nonplusultra für mich. Denn das ist oftmals die wenige Zeit, die ich ungestört dem Lesen widmen kann. Keine Ablenkung. Kein Internet. Kein Handy…’Wie sollen wir sein‘ steht auch schon lange auf meiner Leseliste und wird hoffentlich bald (bei der nächsten Zugfahrt? 😉 angegangen!

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  3. Madlén Bohéme

    Oh Oh liebe Nike,
    beschreibt ein Wringham da nicht Erich Fromms Buch „Haben oder Sein“ nur mit moderneren Worten oder würdest du sagen er kommt wirklich zu neuen Erkenntnissen?

    Liebst,

    Madlén Bohéme

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