„WE SHOULD ALL BE FEMINISTS“ //
Maria Grazia Chiuris Christian Dior Debut

10.10.2016 um 13.55 – Feminismus Mode

dior we should all be feminists

Kann Mode feministisch sein? Eine Frage, die gerade sämtliche Medien aufheizt. Eine, die beim genauen Blick auf die Historie der Mode im ersten Moment überflüssig scheint. Man denke nur an die Verbannung des Humpelrocks und die Befreiung des weiblichen Körpers, an Jeanshosen und optisches Gender Bending. Wäre da nicht der ewige Vorwurf des seelenlosen Ausverkaufs einer Bewegung, die sich im Kern nunmal mit mehr als Oberflächen beschäftigt. Erst waren es vorsichtige Referenzen im Detail, die etliche Laufstege fluteten, dann klare Aussagen wie jene von Acne Studios. Jüngst reihte sich selbst H&M mit einem bewusst emotional aufgeladenen Kampagnenvideo in die popkulturelle #FemalePower-Riege ein. Kontoverse Diskussionen hierzu sind wichtig und berechtigt, mehr zum Thema werden wir schon rasch von Julia Korbik lesen. Für Maria Grazia Chiuris Debüt beim Traditionshaus Dior allerdings, werde ich ab sofort eine Lanze brechen, wann immer der Vorwurf des reinen Marketing-Kalküls ihrerseits laut wird. Ihre „We Should All Be Feminists“ T-Shirts hatten seit der dazugehörigen in Paris gezeigten Herbst/Winter Show für Aufsehen gesorgt, im positiven wie im negativen Sinne. Dabei sollte man sich wenigstens diesmal einig sein.

Das weiße Stück Stoff, das den Titel von Ngozi Adichies berühmten und gleichnamigem TED-Talk wie ein Gesetz auf der Brust trägt, hätte aus keiner besseren Tusche-Feder stammen können als aus jener der allerersten Frau, die je das Mode-Zepter bei Christian Dior in den Händen hielt. Mit ihrer neuen Position begibt sich die 52-Jährige, wenn man so will, auf Augenhöhe mit einer Coco Chanel. Und steht damit für eine Minderheit. Es sind noch immer vornehmlich Männer, die in der Andokratie der Womenswear das Sagen haben, ein Missstand, der so ähnlich auch in der Politik nicht präsenter sein könnte. Maria Grazia Chiuris Timing, die zuvor gemeinsam mit Pierpaolo Piccioli für Valentino designte, ist demnach perfekt. Und hätte sie gerade jetzt auf ihre Strahlkraft und mediale Power verzichtet, auf ihre längst bekannte Liebe zur Popkultur, um eine der wichtigsten Botschaften unserer Zeit in die Welt hinaus zu tragen, ja dann erst hätte ich die Stirn in Sorgenfalten gelegt. Ich frage mich eher: Wann hören wir endlich auf, uns über Statements dieser Art zu wundern? Für mich ist Chiuris Debüt ist ein starkes, auf allen Ebenen.

Nebst der Kollektion, die ohne Stereotypen auskommen will, war auch die Front Row ein Fest: Rihanna, Jennifer Lawrence, Carla Bruni, Kate Moss und Bianca Jagger nahmen dort Platz, aber eben auch Autorin Chimamanda Ngozi Adichie höchstpersönlich. Und noch etwas, das Maria Grazia Chiuri richtig gemacht hat: Schon vor der Show zeigte sie via Instagram immer wieder die wichtigen Frauen hinter den Kullissen. Nämlich jene, die tagtäglich im Atelier an der Erfüllung stoffgewordener Träume werkeln:
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