What’s trending Laura?
Das Fashion Week Spezial

11.10.2016 um 13.12 – Inspiration Trend

laura maria wulff

Man kann es kurz und knackig festhalten: Der September ist wohl der wichtigste Monat in der gesamten Modewelt. Nicht nur die üppigen September Issues aller großen Modemagazine widmen sich mehr denn je ihrer Passion, auch die vier wichtigsten Modemetropolen präsentieren uns ihre neuesten Kollektionen für die kommende Saison. Und auch für mich persönlich war dieser Monat ein wenig wichtiger und spezieller als alle anderen zuvor.

Und weil ich fast den ganzen Monat über unterwegs war, nehme ich euch in meinem persönlichen Rückblick heute einfach mit. Was habe ich erlebt? Welche Schauen haben mich begeistert und welche leider nicht? Ich versorge euch heute mit ein paar Antworten. Eines kann ich bei meinem Blick in die Glaskugel schon jetzt verraten: Wenn es nach den Designer*innen geht, wird’s im Sommer 2017 ganz schön burschikos: Blumenprints und das Spiel mit Spitze sind zwar erlaubt, beides braucht aber dringend einen derben Kontrast, um nicht wieder in die verspielte und romantische Ecke abzudriften. Aber der größte Trend für 2017 ist unangefochten, dieser hier:

Schulterpolster! Auch hier wird’s also burschikoser und die vornehmlich männlichen Silhouetten halten Einzug in unseren Kleiderschrank. Interessanterweise sind die Overknees wieder da – aber nicht wie bisher oft gesehen mit hohem Absatz und somit ganz klar feminin, stattdessen adressiert man die derbere, burschikose Frau. Im Gesamtlook funktioniert das so: Overknees mit flacheren Absätzen werden zu übergroßen Hemden und Pullis (vom Freund gestohlen) kombiniert.

Layering und Dekonstruktion sind ganz klar zwei weitere, große Themen. Allerdings muss ich gestehen: Zwar liebe ich diesen Stil, aber so ganz so neu ist er wohl jetzt auch nicht mehr. Die Bauchtasche in allen Variation ist jedenfalls auch zurück – aber davon hatte ich euch ja bereits vergangenen Monat erzählt.

Meine Fashion Week Looks aus London Mailand & Paris:

#1 Die Taucherin

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Hier trage ich ein Top von Laain, Rock von Balenciaga, Gürtel von MM6, Tasche Fendi und Ohrringe von Siggi Spiegelburg. Foto Sandra Semburg

#2 Ab in den Ring

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Hose von Spalding, Bluse Vintage, Jacke CDG, Schuhe Dior und die Tasche von Fendi. Foto: Sandra Semburg

#3 Die Badenixe auf Umwegen

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Auf diesem Bild trage ich eine Hose von Marques Almeida, Top Jacquemus, Jacke CDG Play, Socken Prada, Schuhe Marni und meine derzeitige Lieblingstasche: die Fendi Baguette. Foto von Sandra Semburg

#4 Verkehrt herum

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Ich trage eine abgeschnitte Levi’s jeans von meinem Freund, T-Shirt von WoodWood, ein Vintage Spitzenshirt darüber, Schuhe von Prada und eine Tasche von Yves Saint Laurent. Foto: Sandra Semburg

#5 Huppala

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Mein persönliches lieblings Outfit :) Ich trage ein Top von Jacquemus, eine alte Armani Hose, Schuhe von Dior, den Gürtel habe ich meinem Freund gestohlen. Foto: Sandra Semburg

Worum es sich außerdem drehte? Um Fantasie-Welten. So zeigte der ein oder andere Designer in alten, romantischen Kirchen der Stadt.

Eines aber steht fest: Klar, die Schauen sind meist faszinierend und beim Verlassen der sorgfältig ausgewählten Locations denkst du dir „Oh nein, wie soll mein Geldbeutel es bloß verkraften, die ganze Kollektion zu kaufen?“ Für mich als Assistant Buyerin des Voo Store Buyer Teams geht es dann allerdings weiter in die Showooms der Designer und genau in diesem Moment schlittere ich von der Traumwelt in meinem Job: Du siehst dort jedes einzelne Stück ganz genau, jede Naht und jede Falte, die dir zunächst gar nicht aufgefallen ist. Ich nehme die Stoffe und die ausgewählten Lieblingslooks dann sorgsam in meine Hände und wir fangen an über Preise zu sprechen und da ist sie, die Realität.

Jetzt steht man da, realisiert puff das sind starke Preise und oh die Teile, die ich an der Kollektion so mochte, werden wohl gar nicht erst produziert werden. Ich probiere die Stücke dann meist selber an, um zu erfahren, wie Frau sich denn so fühlt, in solch einer 2000 Euro teuren Jacke. Und oft komme ich dann eben an den Punkt, an dem ich feststelle, dass Gesehenes nicht in Relation zum Preis steht und die Sachen gar nicht so toll sind wie gedacht. So ist mein eigenes Bankkonto zwar zunächst gerettet, aber mein Kopf qualmt trotzdem. Ich wollte doch eigentlich mein altes Gefühl behalten! Und schon bin ich bei der nächsten Frage angekommen: Ist Mode mittlerweile vor allem etwas, dass wir nur bewundern können, wenn wir es aus der Ferne betrachten, in guter Gesellschaft und zu guter Musik?

Kennt ihr das nicht auch, dass ihr eine Jacke oder einen Rock entdeckt, bei dem ihr erst denkt: „Was soll das jetzt schon wieder?“ Und dann, drei Wochen später, seht ihr ein Mädchen auf der Straße mit ebendieser Jacke und denkt: „Ach vielleicht gehe ich doch noch mal in den Laden und probiere das gute Stück an.“ Auch im letzten Monat habe ich mich wieder häufig mit diesem Thema beschäftigt: Was ist Mode und was ist Stil? Wie beeinflusst uns die Mode? Sind es wir, die Masse oder einfach die Medien, die uns suggerieren, Dinge als Trend anzunehmen? Gibt es überhaupt noch Individualisten, die Trends aus dem Boden stampfen? Oder brauchen wir heute vor allem Orientierung und kupfern ab, was das Zeug hält? Eigentlich kann ich das kaum beantworten, aber ich versuche jeden Tag, wenn ich was für den Laden kaufe oder für mich privat, mich genau zu fragen, was das Besondere ist, was mir daran gefällt: Ist es das Kleidungsstück selbst oder nur das Drumherum, das mich blendet?

Am Ende dieser vergangenen vier Wochen stehe ich nun da, mit all meinen Eindrücken über die kommende Saison im Gepäck. Ehrlich gesagt, habe ich nicht wirklich viel Neues erspähen können, wenngleich mich natürlich trotzdem einiges in seinen Bann gezogen hat. Vielleicht muss aber auch nicht alles immer furchtbar neu gedacht oder gar völlig anders sein. Vielleicht brauche ich auch einfach noch ein bisschen mehr Zeit, um alles sacken zu lassen. Aber tada, ein paar Goldstücke für den kommenden Sommer, habe ich bei all der Fülle natürlich doch schon jetzt ausgemacht:

Die für mich besten Kollektion der Saison: 

#1 Jil Sander //

Meine absolute Lieblingskollektion der Saison: so modern und doch so klassisch. Plissee und übergroße Männerhemden mit Schulterpolstern sind die Grundbausteine der SS17 Kollektion. Als ich in dieser Show saß, wusste ich, dass ich einfach nur noch Jil tragen will. Mehr brauche ich nicht:

#2 Marni //

Die Nummer 2 auf meiner Lieblingeliste: Wieder so elegant, so klassisch, noch dazu so cool und entspannt. Arbeiterhosen mit riesigen Bauchtaschen, dazu übergroße Hemden mit Wasserfall-Ausschnitt in selber Coleur. Dicke Kordeln werden als Gürtel durch den Bund eines Rockes gezogen, den Frau ab jetzt über die Hose drüber zieht. In dieser Kollektion stecken so viele neue Trends auf einmal, dass ich mehrmals hingucken musste. Ich bin absolut begeistert, auch weil ich finde, dass es eben genau auf den Punkt designt wurde und nicht bis zu Verkleidungskiste hin übertrieben wurde.

#3 Mulberry //

Ein alte Fabrikhalle und weiße Streifen auf dem Boden, die eine Straße darstellen: Wir, die Zuschauer, schauen auf eine Wand mit großen Vierecken, durch die wir hindurch gucken können.

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Hier ein Foto, damit ihr euch das Ganze besser vorstellen könnt.

Es geht los: Die Kollektion beinhaltet vor allem Satinstreifen in Lila/Weiß, Rot/Weiß, Rot/Gelb und Blau/Weiß. Stiefel mit breitem Absatz und Rüschen oder eine Art Mule sind die Highlights der Kollektion. Übergroße Taschen runden das Ganze ab. Ich muss sagen, dass für mich schon ein fast vergessenes Label, wieder da ist und wirklich umgehauen hat. Mein nächstes Ersparnis soll wohl eine Mulberry Tasche sein.

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Meine Neuentdeckungen des Monats //

1. Sharon Wauchob: Als ich am Anfang des Monats in meinem Londerner Hotelzimmer ankam, hatte ich einige Schauen-Einladungen, die schon auf mich warteten, eine davon war „Sharon Wauchob“. Und ganz ehrlich: Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde. An dem Tag der Show war es kalt und regnerisch, ich war schon müde und hatte eigentlich gar keine Lust mehr. Nachdem googlen der Adresse, merkte ich allerdings, dass es nicht weit entfernt war und gab mir einen Ruck. Und genau dieser Ruck, macht mich heute mehr als glücklich, denn es hat sich wirklich unglaublich gelohnt: Auf mich wartete etwas völlig Neues, feinste Stoffe mit Blumen bestickt, die aber eben nicht in eine mädchenhafte Richtung schlitterten, sondern stark und emanzipiert daher kamen. Als ich im Anschluss schließlich mehr über die Designerin recherchierte, wurde schnell klar: diese Frau ist keine Anfängerin! In den Jahren von 1997- 2001 arbeitete sie als Inhouse Designerin bei Louis Vuitton, um nur einen ihrer Karriere-Steps zu nennen. Aber seht selbst:


2. MANÉMANÉDieses super spannende Label kommt aus Spanien. Der Gründer Miguel Becer kreierte sein Marke für die, wie er sagt „besondere Frau“. Und zwar die Frau, die Mode nicht als Waffe der Verführung nutzt. Es geht um eine neue Ära von Weiblichkeit. Für mich gibt es zwar keine mehr oder weniger besondere Frau, sind wir doch alle auf unsere Art besonders, weil jede von uns sich in ihren Feinheiten wohl anders ausdrückt – so eben auch in der Mode. Und trotzdem hat mir das Label sehr gefallen: Weil es eben beweist, dass Frauen auch ohne lauten Knall in Jeans oder Minirock unglaublich sexy aussehen kann.

Hier zunächst seine Schuhe die er auf seinem Instagram Account selbst trägt, ich finde ziemlcih gelungen.

3. Sies MarjanSander Lak heißt der Creative Direktor von Sies Marjan, der das Frauenlabel 2016 in New York gründete. Der Gebürtige Holländer lernte am Central Saint Martins in London und an der ArtEZ im niederländischen Arnheim. Schon nach einer Saison könnt ihr seine Kollektionen bei den größten Online Shops wie Mytheresa.com oder Matchesfashion erwerben. Ich würde sagen: Verdient!

Meine drei großen neuen Trends des Monats auf einen Blick //

1. Schulterpolster


2. Workwear


3. Kopfbedeckungen in allen Formen


5. Overknee Stiefel

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Von Jacquemus then gerade ganz oben auf meiner Wishlist

Was auf keinen Fall unerwähnt bleiben darf:

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…kleine Fußtaschen bei Chanel. Super Idee und grandios praktisch: Unsere Hände und Arme haben auch wirklich wichtigeres zu tun!

Aber zurück ins Hier und Jetzt:

Meine Voo lieblinge des Monats //

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Kariertes Hemd von Marques‘ Almeida.
Schuhe von Marni.
Hemd von Raf Simons.
Kleid von Jil Sander.
Mantel von MM6.
Und noch immer auf der Liste: Die Cordhose von Marni.

Als ich am 5. Oktober von meinen drei Reisen am Abend zurück nach Berlin kam, wollte ich eigentlich nur noch eins: Schlafen. Aber ihr kennt das, schnell noch durchgezappt und hängen geblieben. Und zwar hier: Ein kleines Kontrastprogramm und gerade deshalb so zum empfehlen: „Meine Schwestern“ – läuft gerade in der ARD Mediathek.

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5 Kommentare

  1. Lisa

    Auf „What’sTrending“ hab ich sehnsüchtig gewartet. War letzten Monat schon komplett begeistert! Vielen Dank für die Top-Zusammenstellung!

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  2. Annette Wulff

    Hallo Laura,
    du schreibst wunderbar lebendig,spannend,dass mir gar nicht mehr so wichtig war ob ich die Mode wirklich mochte.
    Hat mich gefreut – Annette

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