Books that shaped & saved my life //
Mit Amelie Kahl vom Amazedmag

05.12.2016 Buch, box1

amelie kahl books that saved and shaped my live thisisjanewayne

Zusammen mit Milena und Antonia beglückt uns Amelie als eine der drei Gründerinnen des wundervollen AMAZED Mags tagtäglich mit Schönem und Schlauen in Schrift und Bild, für den Bean Store ist sie außerdem als Einkäuferin unterwegs und auch das The Stu, ein Projektraum für Künstler*innen und Entrepreneurs auf dem aufsteigenden Ast, wäre ohne die Münchenerin, die aus Überzeugung niemals Mascara benutzt, höchst wahrscheinlich nur halb so bereichernd. Wofür ich Frau Kahl neben ihrer konstant mindestens dreifachen Umtriebigkeit aber am allermeisten bewundere, ist ihre gnadenlose Offenheit. In ihren Kolumnen schreibt sie etwa darüber, wie es sich anfühlt, immer wieder an sich selbst arbeiten zu müssen, einen Job zu verlieren oder überwältigend häufig missverstanden zu werden, sie stellt Fragen, sucht nach Antworten und spricht über Trennungen und Zweifel mindestens so selbstverständlich wie über das Leben als Frau in einer Gesellschaft, die „Kleine Maus“ noch immer für ein adäquates Kompliment hält.

Nur logisch also, dass ich anlässlich unserer Reihe „Books that saved & shaped my life“ nun endlich wissen wollte, welche Bücher eine fabelhafte Amelie wie diese bisher wohl am meisten genossen und verschlungen hat:

books that saved and shaped my life thisisjanewayneMagic Hoffman von Jakob Arjouni 
Eine Empfehlung eines guten Freundes. Unsere Freundschaft basiert seit zwei Jahren primär auf Büchern und Filmen und dementsprechend nehme ich jeden Tipp aus diesen Bereich von ihm dankbar an. Magic Hoffman ist einer der unterhaltendsten und besten Romane, die ich in einer langen Zeit gelesen habe. Er erzählt den Kampf eines ehemaligen Gefängnisinsassen, der sein Leben zurück möchte, er behandelt das Verabschieden von Träumen und das Verlieren im Leben. Und ist dabei amüsant, spannend und fesselnd. 

Faserland von Christian Kracht
Ein Klassiker, der vom Genre her Magic Hoffman ähnelt. Ich glaube, weil ich mich aufgrund meiner ausgeprägten Social Media Nutzung stark mit den schönen Dingen des Lebens und Ästhetik auseinandersetze, suche ich oft in Filmen und Büchern einen Ausgleich. Auch hier behandelt die Geschichte das Verlieren im Leben, den Hass, der schon fast in Ekel mündet und bleibt dabei amüsant. Wer es noch nicht gelesen haben sollte, sollte das dringend nachholen!

Die Kunst ein kreatives Leben zu führen von Frank Berzbach
Dieses Buch hat tatsächlich und wortwörtlich mein Leben verändert. Gelesen habe ich es vor ungefähr drei Jahren und mich anschließend zum ersten Mal intensiv mit Achtsamkeit im Alltag auseinander gesetzt. Den Autoren Frank Berzbach durfte ich kürzlich persönlich kennen lernen und seither bereichern – neben seiner Bücher – Gespräche mit ihm mein Leben. Er ist ein unglaublich inspirierender, schlauer und angenehmer Mensch, der seine buddhistischen Ansätze modern und auf die heutige Zeit münzt – und berührt und hilft dabei sicherlich nicht nur freischaffende Kreative! 

Der beste Suizid ist immer noch sich tot zu leben von Candy Bukowski
Ich möchte, dass Candy Bukowski jeden Abend an meinem Bett sitzt, und mir Geschichten erzählt. Ihre Erzählungen, die man weder in Kurzgeschichten, noch in Prosa ordnen kann, sind so herzzerreißend schön und poetisch, dass ich ihre Texte bewusst langsam lese, um jedes einzelne Wort einzusaugen. Candy Bukowski wird wahrscheinlich niemals meine persönliche Vorleserin werden, bis dahin lese ich Der beste Suizid ist immer noch, sich tot zu leben. Immer und immer wieder. 

Sommerhaus, später von Judith Hermann
Judith Hermann erinnert mich an meine Jugend. Also nicht die, die ich vorgebe, immer noch zu haben, sondern die echte Jugend, die man mit 16 oder so erlebt. Mit Pubertät, herzzerreißenden Liebesgeschichten, ersten Alkoholerfahrungen und melancholischen Sonntagen. Vor allem Letzteres habe ich zu der Zeit zelebriert. Ich habe mich alleine mit Büchern in schrabblige Cafés gesetzt, Schwarz-Weiß-Filme auf Französisch gesehen, obwohl ich natürlich kein Wort verstanden habe, und Tagebuch geschrieben. Ich war romantisch und genau diese Romantik ist mir mittlerweile abgegangen. Zu der Zeit war Judith Hermann meine Heldin der Kurzgeschichten, sie haben genau das ausgedrückt und widergespiegelt, was ich gefühlt und gedacht habe. Heute sehe ich keine Schwarz-Weiß-Filme mehr auf Französisch, aber ich lese manchmal an einem Sonntag „Sommerhaus, später“, und Träume mich in die damalige Melancholie zurück.

Das hier ist Wasser von David Foster Wallace
Die Rede von David Foster Wallace, die er vor Absolventen des Kenyon College hielt, wurde einige Jahre später als Essay veröffentlicht und hat mein Herz berührt. In ihr erklärt DFW das Glück und das eigentliche Ziel der Bildung. Seine Worte sind herzzerreißend schön und noch so viel dramatischer, in Anbetracht der Tatsache, dass sich jener Autor und Philosoph umgebracht hat. Wer das Glück verstanden hat, kann es nicht leben, das sagte er schon mal. Eigentlich möchte ich David Foster Wallace als eigene Rubrik aufführen, da er einer der besten Autoren ist, die ich je gelesen habe. Lustig, schlau, tiefgründig. David Foster Wallace hat das Glück in der Theorie verstanden und zwar konnte er es selbst nie leben, aber er lässt uns mit lustigen und genialen Büchern daran teilhaben. Jeder sollte das Essay gelesen haben. Und „Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich“, und „Unendlicher Spaß“, sowieso.

Mehr von

Related