Tiny Talks // Mit Julia von NEWNIQ

13.12.2016 Allgemein, Tiny Talks

Julia und Judith, Freundinnen seit über 30 Jahren und Liebhaberinnen der schönen Dinge kennt manch einer von euch vielleicht schon vom Design Blog Newniq. Die Zwei haben sich vor ein paar selbstständig gemacht und fokussieren sich ganz auf die schönen Design-Dinge des Lebens. Seit über einem Jahr ist eine von ihnen nun schon Mama und genau dazu haben wir Julia in unserer neuesten Ausgabe von Tiny Talks ein paar Fragen gestellt, die uns kurzerhand verrät, dass Judith streng genommen Mit-Mama ist, wie der Laden mit der neuen Herausforderung überhaupt läuft und was seither alles auf den Kopf gestellt wird. On top gibt’s ein paar Tiny Rooms-Einblicke aus ihrem neugewonnen, zugegeben ziemlich schönen, Chaos. Bittesehr:

1. Wer bist du und was machst du? 

Ich bin Julia, 34 Jahre alt und ich bin Mitinhaberin vom Designblog Newniq. Ich bin zudem Illustratorin, Art Direktorin und Mama eines einjährigen Jungen. Ich esse jeden Mann unter den Tisch, lebe gerne meine griechische Hälfte aus und man sagt mir nach, dass ich die ewige Optimistin wäre.

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2. Wie heißt dein Kind?

Mein Sohn heißt Lias Janne, benannt nach dem griechischen Heimatdorf meines Vaters (Lias natürlich. Nicht Janne)

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3. Was hat dir dein Kind beigebracht?

Die Fähigkeit, fast alles auch mit einer Hand zu erledigen. Ob 3-Gänge-Menü kochen, im Stehen wickeln oder Badewanne schrubben. Geht irgendwie alles. Zudem natürlich ganz viel Gelassenheit und die Fähigkeit, sich mehr zu fokussieren, auch wenn mein Mann felsenfest der Meinung ist, dass mein Alltag wesentlich chaotischer sei, seit Lias auf der Welt ist.  

4. Wie wohnt ihr? 

Wir wohnen natürlich total klischeehaft in Prenzlauer Berg. Ich wollte niemals hier her, habe es immer „Utopia“ geschimpft. Bis vor zwei Jahren war Neukölln noch unser Zuhause, aber irgendwie hat es sich damals einfach nicht mehr richtig angefühlt. Nun ist eben alles ein bisschen sauberer, Murrat heisst hier eher Ricco, aber irgendwie mag ich es ganz gerne. Unser Einrichtungsstil ist ein Mix aus Klassikern, neuen Designstücken und stinknormalen Ikeamöbeln.

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5. Warum sind Eltern Helden?

Weil Kinder den Alltag einfach komplett auf den Kopf stellen. Das muss meiner Meinung nach aber auch so sein. Warum hätte ich mich sonst für ein Kind entscheiden sollen, wenn das Leben genauso wäre wie früher? Heißt also, dass man ab und an im Alltag ganz schön jonglieren muss. Ich weiß nicht, ob es Heldentaten sind, die ich vollbringe, ich bin da eher bescheiden, aber wenn ich meine Freunde über mich reden höre, dann werde ich ganz rot. Dann klopfe ich mir innerlich auf die Schulter und denke, dass vielleicht doch alles nicht ganz so selbstverständlich ist, wie ich es immer denke. 

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6. Was hat sich verändert, seitdem du ein Kind hast?

Es hat mich immer wahnsinnig genervt, dass so viele Menschen die Vorstellung haben, dass sich mit einem Kind einfach alles ändert: Nie wieder abends weggehen, mit dem Partner nur noch Gespräche über das gemeinsame Kind führen und schlafen kannste eh vergessen. Ja, ein bisschen stimmt das natürlich auch, aber ich glaube, dass es immer an einem selbst liegt, wie man sein Leben weiterführt. Ich habe im letzten Jahr Lias überall hin mitgenommen. Ob zu Pressereisen, zu Abendevents oder ins Büro. Man kann sich natürlich auch über jeden Pups Gedanken machen, aber man weiss doch selbst, was sein eigenes Kind mitmachen kann. Dafür ist man ja Mutter und sensibel genug zu merken, wenn es dem Kind zu viel wird. Und dann wird die Veranstaltung eben wieder verlassen. Punkt.

7. Haltet ihr euch an eine klare Rollenverteilung?

Was ist denn heute noch eine klare Rollenverteilung? Ich würde jetzt gerne sagen: Nein, auf gar keinen Fall! Wir sind die modernsten Eltern der Welt. Aber mal ehrlich: Wir sind schon ein wenig klassisch, was einfach daran liegt, dass mein Mann in einer Festanstellung ist und ich als Freie arbeite. Deswegen habe ich den Großteil der Elternzeit genommen, was aber völlig ok war. Da ich das Glück hatte, stillen zu können, war es zudem einfach viel logischer.

© Ulrike Meutzner

© Ulrike Meutzner

8. Kind und Karriere – ein Mythos?

Kein Mythos, aber eben auch nicht mit einem Wimpernschlag zu meistern. Man schafft es schon, wenn man hinterher ist, sich nicht gehen lässt und wirklich sehr organisiert an die Arbeit geht. Und dann kommt es auch immer drauf an, welches Alter das Kind gerade hat. Ich bin nach drei Monaten wieder langsam eingestiegen und habe dann im Frühjahr die Chance bekommen, die gesamte Kampagne für einen Nussnougatcreme-Hersteller zu illustrieren (boah, wie professionell ich hier die Schleichwerbung umgehe). Lias hat zu diesem Zeitpunkt noch nicht gekrabbelt und ist tatsächlich von Anfang an ein sehr genügsames Baby gewesen. Natürlich hätte ich meine Elternzeit manchmal lieber auf der Couch, kuschelnd mit meinem Sohn verbracht, aber so einen Job sagt man nicht ab. Es hieß also beides miteinander vereinbaren. Ich habe also 24 Stunden meinen Sohn betreut, habe in jeder Schlafpause illustriert (teilweise lag er schlafend auf meinem Schoß) und dann bis in die Nacht noch Blogbeiträge für Newniq geschrieben und Bilder bearbeitet. Das erzähle ich nicht, um mich als besonders fleißiges Bienchen zu loben, sondern damit man versteht, dass beides geht, aber eben nur mit viel Einsatz. Für mich persönlich war es auch wichtig, im Job zu bleiben, denn somit habe ich mir total den Mutter-Kollar gespart und hatte eher das Gefühl, dass ich mich ab und an mal gerne über Kinderthemen unterhalte.  

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9. Wie unterstützt ihr euch im Freundeskreis oder in der Familie?

Wir versuchen regelmässig mal rauszukommen und Familienleben zu zelebrieren. Mein Mann ist ein wunderbarer Vater, der es kaum abwarten kann, bis er den Kleinen endlich auf ein eigenes Skateboard stellen kann. Meine Familie ist toll, meine Schwester und ihre Frau sind die besten Tanten der Welt, die Geschwister meines Mannes sind genauso cool. Ich finde es wahnsinnig schön, ihnen allen zuzuschauen, wie sie mit Lias agieren und meine Eltern in ihrer Rolle als Großeltern zu erleben. Lias wächst von allen Seiten mit soviel Liebe auf, dass es mich mit ganz viel Stolz erfüllt. 

Beruflich habe ich das Glück, dass meine Mitgründerin Judith, zugleich auch seit über 30 Jahren meine beste Freundin ist. Das erleichtert alles einfach unheimlich. Wir sind ein perfekt eingespieltes Team. Erst vor ein paar Wochen sind wir bei einem Pressetermin angesprochen worden, wie selbstverständlich wir uns im Wechsel um Lias kümmern, damit die Andere gerade wichtige Fragen klären kann. Uns fällt das oft gar nicht auf, weil es für uns so natürlich ist. Judith erzählt bei Kunden gerne mal von „unserem Kind“ hihi.

10. Wann sind andere Eltern Segen, wann Fluch?

Ein Segen, wenn sie coole Menschen sind, die sicherlich auch schon vor der Geburt ihrer Kinder gut drauf waren und ihrer Linie treu geblieben sind. Es gibt aber eine Charaktereigenschaft von Eltern, die ich nicht ausstehen kann (und da bin ich jetzt auch mal sowas von undiplomatisch): Und das ist Humorlosigkeit. 

Ich habe oft das Gefühl, dass Mütter bei der Geburt nicht nur ihr Kind, sondern auch ihren Humor herausgepresst haben. Sie finden nichts mehr witzig, schon gar nicht, wenn es um das Kind geht. Ich komme mir dann oft vor, als würde etwas mit mir nicht stimmen. Ich war zum Beispiel im Babyschwimmen, was an sich schon eine echt bescheuerte Freizeitbeschäftigung ist. Mein Sohn hat es aber geliebt. Ich bin in die Gruppe nachgerückt und kam mir schon am ersten Tag vor, wie eine neue Schülerin, die alleine in der Mensa am Tisch sitzen muss. Fast alle haben es so wahnsinnig ernst genommen. In einer Stunde mussten wir uns, aufgrund der Fußball-Europameisterschaft, Deutschland-Girlanden umhängen. Ja, Deutschland-Girlanden!!! Ich habe gesagt, dass ich das jetzt echt albern fände und uns wirklich niemand sehen darf, der keine Kinder hat. Die würden doch denken, dass wir alle bekloppt seien. Statt Zustimmung regnete es nur fragende Blicke und Sätze wie: „Also Emil findet das aber ganz lustig…! Für ihn mache ich das gerne.“ Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass es mehr lustige Mütter als unlustige gibt und werde nicht aufhören nach ihnen zu suchen.

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11. Wie würdest du dich selbst als Mutter beschreiben?

Locker, nicht zu aufgeregt und wahnsinnig glücklich, wenn man das so sagen kann. Ich bin nicht super streng, aber kann auch mal ein lautes Nein sagen und dabei mit großen Augen ins Leere starren.

12. Lebt ihr in einer kinderfreundlichen Gesellschaft?

Naja, Prenzlauer Berg halt. Aber ich muss sagen, dass ich es schon ganz angenehm finde, dass man hier verstanden wird.

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13. Hat sich dein Stil verändert, seit du Mutter bist?

Am Anfang ja, weil man durch das Stillen doch ein wenig eingeschränkter ist. Ich war froh, als ich endlich wieder normale BHs tragen konnte. Ich verändere mich aber jetzt auch immer wieder – unabhängig vom Muttersein.

14. Was hat dir niemand über das Elternsein verraten?

Dass ich ständig Monologe führe. Obwohl, Monologe trifft es nicht, denn ich unterhalte mich seit der Geburt mit meinem nun einjährigen Sohn. Leider ist es eine sehr einseitige Konversation. Ich komme mir dann vor wie eine verrückte Olle. Irgendwann habe ich angefangen ALLES zu kommentieren: „So, jetzt holen wir mal die Zahnpasta aus der Schublade“, „Ach schau mal der Nachbar hat aber schöne neue Geranien. Die hat er bestimmt beim Baumarkt gekauft! Ach nee, meinste echt die sind vom Blumenladen unten?“ Im Supermarkt stehend frage ich Lias gerne mal, ob es lieber eine Zucchinitarte oder niedrig gegarten Lachs zum Abendessen geben sollte. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass er mir irgendwann zum karamellisierten Zwiebelsüppchen rät, bevor mich alle Mitmenschen für völlig Banane halten. 

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15. Und welches Klischee stimmt überhaupt nicht?

Boah, es gibt so wahnsinnig viele. Zum Beispiel dass Kinder immer nur im eigenen Bett schlafen können und die Kitaeingewöhnung der Horror wird. Dass man sich vorher ganz viel ausruhen soll. Ich persönlich habe meist Hummeln im Hintern und habe deswegen auch meinen Mutterschutz nicht auf der Couch verbracht. Meine Mitgründerin Judith hat das damals manchmal zur Weißglut gebracht. Immer wieder musste sie mich daran erinnern, dass ich jetzt aber wirklich mal aufhören soll. Zwei Tage vor der Geburt habe ich dann die letzte Mail beantwortet. 

16. Und zuletzt: Warum sollte man Kinder bekommen?

Um Gottes Willen, nicht jeder sollte Kinder bekommen! Aber die, die Lust darauf haben, denen sei gesagt: Es ist der Knaller, es macht so viel Spass und es ist ein Leben, das mit keinem anderen vergleichbar ist. Niemals hat mir etwas soviel Freude bereitet wie das Leben mit Kind. Man liebt unendlich und fühlt gleichzeitig den schlimmsten Schmerz auf Erden. Es ist ein wahnsinnig großes Glück, wenn man Kinder bekommen kann. Das ist nicht selbstverständlich. Ich habe selbst ein Kind verloren und weiß deswegen, wie glücklich ich mich heute schätzen kann. Man hat eben einen anderen Blick aufs Leben, weil alles so unwichtig und klein erscheint, was dich wiederum sehr erden kann.

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7 Kommentare

  1. Marike

    Ich finde toll, dass Julia frei heraus zugibt, dass Kind und Karriere eben nicht immer so einfach zu vereinbaren sind. Manchmal hat man das Gefühl, man ist selbst der absolute Loser, weil man es nicht hinbekommt und die meisten anderen eben schon…aber das ist auch oft Fassade, denke ich.

    Sehr sympathische Muddi!

    Liebe Grüße
    Marike

    Antworten
  2. NB

    So, so, so sympathisch! Ich werde demnächst auch Mama und kann schon jetzt nicht mehr hören, dass ich ein komplett anderer Mensch werde… Schön, wenn auch mal jemand erklärt, dass man einfach so bleiben kann wie man ist – nur eben mit Kind <3

    Antworten
  3. Jana Mehring

    Wow, was für ein schönes Interview und die Bilder der Inneneinrichtung erst! Finde den Altbaustil echt super und vor allem gekonnt eingerichtet. Und ganz besonders der Holzboden, der hat es mir echt angetan. Haben einen ähnlichen im Gartenhaus, aber etwas dunkler 🙂

    Liebe Grüße
    Jana

    Antworten

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