Weniger Worte, mehr Taten //
Was wir jetzt noch für Aleppo tun können.

15.12.2016 Gesellschaft

aleppoIch finde keine Worte für Assad und seine russischen Helfer, nicht für das, was die Westliche Welt im Orient angerichtet hat und noch immer anrichtet, nicht für die USA, die vor fünf Jahren schon hätte handeln müssen, nicht für islamistische Gruppen, die an der Angst der Zivilbevölkerung wachsen, nicht für die Politik, die entweder wegsieht oder noch mehr Übel anrichtet, nicht für Machthaber, die einen Genozid geschehen lassen, nicht für das Vorantreiben von Waffenexporten in Entwicklungsländer und für das, was Geld und Religionen in der Lage sind zu zerstören, nicht dafür, dass die Welt Aleppo allein gelassen hat. „Als wir zum ersten Male berichteten, daß unsere Freunde geschlachtet wurden, gab es einen Schrei des Entsetzens und viele Hilfe. Da waren hundert geschlachtet. Aber als tausend geschlachtet waren und des Schlachtens kein Ende war, breitete sich Schweigen aus, und es gab nur mehr wenig Hilfe. So ist es. Wenn die Verbrechen sich häufen, werden sie unsichtbar. Wenn die Leiden unerträglich werden, hört man die Schreie nicht mehr. Ein Mensch wird geschlagen, und der zusieht, wird ohnmächtig. Das ist nur natürlich. Wenn die Untat kommt, wie der Regen fällt, dann ruft niemand mehr halt. (…)“ – Bertholt Brecht. Alle Infos zur aktuellen Lage in Syrien findet ihr zum Beispiel hier. Auch diese eMail des Journalisten Zouhir al-Shimale legen wir euch ans Herz. Und wie können wir jetzt noch helfen?

Spendet:

WHITE HELMETS
ÄRZTE OHNE GRENZEN
HAND IN HAND FOR SYRIA
SYRIAN AMERICAN MEDICAL SOCIETY
INTERNATIONAL RESCUE COMMITEE
SAVE THE CHILDREN
PREEMPTIVE LOVE COALITION
ICRC

Tut es einfach, wünscht euch eine Spende zu Weihnachten, verschenkt Spenden, aber schaut nicht einfach weg. Die meisten Organisationen akzeptieren sogar Paypal, Ausreden gelten also nicht. Und: Besser heute als morgen, am besten jetzt gleich. Aber auch nach Weihnachten noch, nach Silvester, in einem Monat und einem halben Jahr, immer wieder.

Demonstriert:

Berlin
Zürich
Facebook ist hilfreich, wenn man nach Demonstrationen in der eigenen Stadt Ausschau halten will. Meist reicht es, „Aleppo“ in die Suchleiste einzugeben, um passende Vorschläge zu finden. Bleibt die Suche erfolglos, kann man natürlich auch selbst zur friedlichen Demo aufrufen.

Unterstützt Geflüchtete:

Welthungerhilfe
Diakonie
Karam Stiftung
Start with a friend
Flüchtlingspaten Syrien


Schafft Bewusstsein, redet über das, was passiert, über eure Gefühle, diskutiert, vor allem im Angesicht von Flüchtlingsgegnern, die manchmal sogar in der eigenen Familie zu finden sind. Werdet ehrenamtlich tätig, wenn die Zeit es zulässt. Auf www.fluechtlinge-willkommen.de können wir uns zum Beispiel darüber informieren, wie wir Flüchtlinge in unseren eigenen WGs aufnehmen können, bei Kreuzberg hilft liegt permanent eine Bedarfs-Liste bereit, auf GivesomethingbacktoBerlin kann man ganz individuell etwas in den Hilfstopf legen, für alle anderen hält Pro Asyl eine Orientierungshilfe samt Karte bereit, eine gute Anlaufstelle ist außerdem wie-kann-ich-helfen.info.

Macht Druck:

Schreibt Emails an die russische Botschaft und das Außenministerium oder ruft dort an. Seid laut. Fordert „Save Passages“. Zeigt, dass Aleppo der Welt nicht egal ist.
Russische Botschaft:
Tel: 030/22-65-11-84
infokonsulat@russische-botschaft.de
infokonsulatberlin@gmail.com
Kontakt Auswärtiges Amt.
Hier ist Twitter auch ein guter Weg: @AuswaertigesAmt
Genau wie Facebook.

Unterschreibt Petitionen, am besten alle:

Hier findet ihr eine Liste von Change.Org.
Wir legen euch etwa jene von Dr. Hamza Al Khatib ans Herz.
Im letzten Monat gab es 42 Angriffe auf medizinische Einrichtungen in Syrien, 15 davon waren Krankenhäuser. Er ist einer der letzten Ärzte, die sich noch um die 300.000 verbliebenen Menschen im östlichen Aleppo kümmern.

Zeigt, dass ihr da seid:

Bana Alabed ist sieben Jahre jung und twittert mithilfe ihrer Mutter aus dem Krieg, wie viele andere auch. Statt Likes auf Instagram zu verteilen, könnten wir unsere Zeit auch nutzen, um jenen zu antworten, die glauben, die Welt habe sie vergessen. Die Angst davor haben, zu sterben und nicht mehr gehört zu werden. Spendet Trost und Hoffnung und zeigt, dass ihr da seid. Dass wir alle da sind und nicht wegschauen.

Helfen statt Hashtags. Jeder auf seine Weise.

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28 Kommentare

  1. Valerie

    Das ist ja der Hammer: Durch Euch weiss ich, dass morgen in Zürich eine Veranstaltung stattfindet! Dankedankedanke!

    Antworten
  2. caroline

    Alles gut und gar nicht böse gemeint, nur die Anmerkung: nicht von „Dritter Welt“ sprechen. 😉 den Begriff nicht benutzen. Liebst!

    Antworten
  3. Laura

    Liebe Janes,
    auch noch eine kleine Ergänzung zu Eurer Liste: Amnesty International (sowohl die deutsche Sektion als auch alle andere Sektionen weltweit) fordern sichere und legale Zugangswege von nationalen Regierungen, dazu gibt es von jeder Landessektion entsprechende Petitionen. Außerdem gibt es eine internationale Petition zum Schutz der Zivilbevölkerung Aleppos. Amnesty wird international unter den NGOs sehr ernst genommen, die Petitionen sind häufig erfolgreich, daher hier der Hinweis. Hier die Links:
    https://www.amnesty.org/en/get-involved/take-action/demand-safe-evacuation-of-people-from-east-aleppo/ (Petition zum Schutz der Zivilbevölkerung)
    http://action.amnesty.de/l/ger/p/dia/action3/common/public/?action_KEY=10345&d=1 (Link zur deutschen Petition zu sicheren Zugangswegen)
    Viele Grüße,
    Laura

    Antworten
  4. Katja

    Hey ihr Lieben,

    toller Post – auch auf IG, da hab ich heute morgen schon gelesen. Ich wollte an dieser Stelle auch für alle anderen Leserinnen & Leser anmerken, dass man Spenden auch verschenken kann. Gerade jetzt, wo viele noch nach Geschenken für die Familie suchen, kann man vielleicht auf etwas Materielles verzichten und ein Spendengeschenk überreichen. Ärzte Ohne Grenzen bietet das beispielsweise auch an. Da bekommt man eine schöne Karte dazu, die man dann verschenken kann. Meine Eltern freuen sich seit Jahren darüber.

    Danke, dass ihr darauf aufmerksam macht und eure Reichweite für diese Themen nutzt. Das ist so verdammt wichtig!

    Grüße an euch :-*

    Antworten
      1. Karla

        Soeben an „Ärzte ohne Grenzen“ gespendet.
        Und das jährliche „Aktion Mensch“-Jahreslos designt.
        🙂

        Antworten
  5. Elena

    Liebe Janes, vielen Dank für euren Post!

    Eine der wichtigsten Institutionen in diesem Bereich ist das Internationale Komitee vom Roten Kreuz. Es fördert die Achtung des Humanitären Völkerrechts und setzt sich für den Schutz des Lebens und der Würde der Opfer von bewaffneten Konflikten ein. Auf seiner Homepage kann man auch für Syrien spenden: https://www.icrc.org/de/spende/dringender-aufruf-fur-syrien.

    Antworten
  6. Lea

    Danke für die super Liste! Dieses Jahr hab ich auch für jeden aus meiner Familie in seinem/ihrem Namen gespendet. Gerade bei Leuten denen man sonst nur Sachen schenkt weil man ja irgendwas schenken muss, ist sowas weitaus sinnvoller. Und schöner 🙂

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  7. Lena

    Super, dass Ihr auch hier Stellung bezieht und drauf aufmerksam macht. Da zählt jedes noch so kleine Erwähnen, die Leute müssen erschlagen werden damit – meiner Meinung nach… denn so viele Leute schauen und hören weg oder zucken nur mit den Schultern. Gerade eben hatte ich meine wöchentliche Asylrechtsvorlesung – und selbst da sitzen Leute, denen das egal ist. Und in einem halben Jahr sind das SozialarbeiterInnen. Naja anderes Thema. Daumen hoch für diesen Post. Schade, dass man es hervorheben muss, aber das ist ja in der Bloggerwelt eine Seltenheit, dass auch sowas thematisiert wird. Und dann auch noch so forsch (positiv gemeint). Super, super, super!

    Antworten
  8. Franzi

    Danke ihr Janes! Danke, dass ihr eben nicht der Angst vor Polarisierung anderer Modeblogs folgt, sondern eure Reichweite nutzt.

    Antworten
  9. Jessica B

    Finde ich toll, dass Ihr Euren Blog hierfür nutzt und vor allem auf die VERSCHIEDENEN Wege zu helfen hinweist. Viele Blogger machen es sich nur allzu einfach und drücken auf den Paypal-Button und meinen, sie hätten ihre Pflicht damit getan. Klar ist das immer noch besser, als die Kohle fuer die naechste Designer-Tasche rauszuhauen. Aber was Flüchtlingen vor allem berührt und hilft, ist der persoenliche Austausch, der bei Spendenaktionen natürlich auf der Strecke bleibt. Ich habe mich hier in München über die Diakonie Bayern engagiert und kann es nur jedem empfehlen; einer der berührendsten, bereicherndsten Erfahrungen meines Lebens. Just do it!

    Antworten
    1. Nina ○●

      So wichtig und richtig persönliches Engagement und Austausch auch sind, von „allzu einfach machen“ und „Pflicht getan“ sprechen, weil jemand „nur“ den PayPal-Button drückt und dann auch noch gleich die Klischee-Keule hinterherschwingen, dass das Geld ja sonst für die nächste Designertasche rausgeworfen wäre… Also sorry, aber das finde ich schon ein bisschen frech. Wichtig ist, DASS geholfen und bitte nicht bewertet wird, welche Hilfe nun besser oder wichtiger ist!

      Antworten
  10. Antonia

    Danke!
    Ich habe noch einen Vorschlag gegen die Sprachlosigkeit Rassismus gegenüber: argumentieren üben! so richtig fundiert und trotzdem zack zack parat:
    https://www.aufstehen-gegen-rassismus.de/kampagne/stammtischkaempferinnen/
    die helfen in der Not an Weihnachten schnell: https://www.facebook.com/SOSWeihnachten/

    und noch eine kleine Begriffsbemerkung (weil gerade erst mit beschäftigt und für einleuchtend befunden) „Orient“ ist ein europäisches Konstrukt und soll „die da weit weg“ anders und gleich machen (das vermaledeite othering). Der begriff „Orient“ fasst Regionen zusammen, die nicht sonderlich viel gemein haben. Nennen wir sie doch beim Namen die Orte, nennen wir sie doch beim Namen die Menschen. Wenn ihre Stimmen schon so oft ungehört bleiben.

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  11. Julia

    Vielen Dank für diesen großartigen Artikel. Der wird sofort geteilt.
    Ich hoffe, dass sehr viele Menschen ihn lesen und handeln.
    Alles Liebe, Julia

    Antworten
  12. Pingback: Cherry Picks #50 - amazed

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