Brain Blah // Selbst Simone de Beauvoir war manchmal eifersüchtig.

11.01.2017 um 7.30 – box2 Kolumne Leben Wir

collageIch muss mir diesmal feste an die eigene pseudo-selbstbewusst-feministische-Girlpower-Nase fassen und das mache ich nicht gern, und noch viel ungerner, weil der Grund für meine heutigen Stirnfalten im Angesicht kleiner Ungereimtheiten unter Frauen doch tatsächlich Männer sind. Als hätten wir nicht ausreichend eigene Päckchen mit uns herumzutragen und außerdem lang genug für Unabhängigkeit plädiert, fiel mir während eines Telefonats mit einer guten Freundin in der Ferne irgendwann doch tatsächlich auf, dass jede der circa drei weiblichen Personen, über die wir uns binnen zwanzig Minuten tendenziell neutral bis angepisst äußerten, in irgendeiner Verbindung zu unseren Partnern standen und stehen. Was offenbar vornehmlich in unserer subjektiven Annahme begründet liegt, beinahe jede Dame dieser Welt würde sich nach selbigen die Finger lecken. Finde den Fehler. Das darf doch wirklich nicht wahr sein, dass ausgerechnet ich eine permanente Skepsis gegenüber ein, zwei, drölf Frauen hege, die es auf irgendeine Art und Weise auf meine Beziehung abgesehen haben (könnten). Dabei haben sie das womöglich noch nicht einmal. Wobei. Weiß der Kuckuck. Es sollte mich natürlich ohnehin nicht interessieren. Meine ferne Freundin verstand mich trotzdem und sinnierte im gleichen Atemzug über eigene kleine Geschichten.

Da schicken ähnliche Instanzen nicht selten ungefragt Selfies, aus dem Urlaub zum Beispiel, immer dann, wenn sie selbst einem guten Kumpel schlicht und ergreifend das Bild einer Palme statt eines breites Bikinigrinsen rüber gesimst hätte, genau wie ich. Gut möglich, dass man sich jetzt darüber streiten kann, ob es der aktuellen Liebe in diesem Fall an Selbstwertgefühl oder der Reisenden an Respekt mangelt. Was nichts daran ändert, dass meine Freundin und ich hin und wieder eifersüchtig werden und damit als gewöhnlicher Durchschnittsmenschen höchstwahrscheinlich nicht gänzlich allein dastehen, sogar Simone De Beauvoir hatte sich in ihren Briefen an Jean-Paul Sartre nicht lückenlos im Griff. Entgegen meines eigentlich stark manifestierten Credos der Nächstenliebe tendiere ich ebenfalls dazu, gewissen Kandidatinnen schlangenartige Charakterzüge zu unterstellen. Das ist furchtbar. Und vielleicht überhaupt nicht berechtigt. Gut möglich also, dass ich an mir arbeiten muss. Wobei mir schwant, dass das viele von uns müssen, trotz Empowernment-Parolen.

Nehmen wir doch ganz einfach eine Handvoll zusammengesuchter Situationen aus unterschiedlichsten Quellen. Wenn eine Verflossenen bei jeder Gelegenheit auf der „guten alten Zeit“ herumreiten und voll freundschaftlicher Liebe betonen würde, wie sehr sie „den Menschen von damals“ schätzt, wäre das dann nett gemeint, oder nur ein durch die Blume gesäuselter Seitenhieb gegen alles, das Veränderung bedeuten könnte? Also auch gegen die aktuelle Partnerin. Als man mir von dieser Zwickmühle erzählte, fiel mir ehrlich gesagt keine sinnige Antwort ein. Wenn eine wieder Andere stets ein offenes Ohr hätte, aber am liebsten dann, wenn wir mal nicht in Höchstform sind, sollten wir dann dankbar sein, oder mit den Augen rollen? Erstmal abregen womöglich. Oder nehmen wir einmal an, eine von uns säße am Sonntagabend mit dem potenziell Zukünftigem in Decken eingemummelt auf dem Sofa und dann würde plötzlich sein Handy blinken, weil sie, irgendeine andere Affäre aus längst vergangenen Jahren, nach einem Zweier-Date plus Wein und Tatort schreit. Wer selbstbewusst ist, müsste eigentlich lachen und den beiden aufrichtig viel Spaß wünschen. Wer ist wie eine weitere Freundin aus meiner Anekdoten-Kiste, fragt sich hingegen bis heute, ob da eigentlich noch alle Latten im Zaun festsitzen bei der Tatort-Tante. Ich schüttle da ebenfalls ganz automatisch den Kopf.

Dabei geht es doch im Grunde nur um Freundschaft. Zwischen Jungs und Mädchen, die inzwischen erwachsen sind, die eine Vergangenheit teilen und deshalb nicht auf das Jetzt verzichten wollen, schon gar nicht wegen „der Neuen“. So einfach und kompliziert zugleich. Denn ich habe ja auch supergute männliche Freunde, mit denen ich einst einen beschwipsten Zungenkuss ausgetauscht habe. Aber auch eine ganz eigene Art mit diesem Fakt umzugehen. Nämlich in gewisser Weise gar nicht. Wer heute noch als Homie an meiner Seite verweilt, der Vater meines Sohnes etwa, der mein allerbester Freund von allen ist, ist längst aus der Schublade sämtlicher Besitzansprüche und lüsterner Gedanken rausgerutscht. Deshalb auch Team Palme statt Bikini. Weil ich aber weiß, dass so gut wie niemand sich mit der Utopie des lückenlosen blinden Vertrauens leicht tut (und damit meine ich nicht das Vertrauen in aktuelle Partner, sondern jenes in deren Ex-Partner), übe ich mich vor allem in Achtung gegenüber neuer Lieben an den jeweiligen Seiten meiner männlichen Lieblingsmenschen. In Inklusion statt Exklusion, Freundschaft heißt doch auch Interesse zeigen. Damit klar ist, dass man mich nicht doof finden muss, weil ich die neue Beziehung nunmal im besten Fall nicht doof finde. Das heißt auch: Wenn sich einer bei mir ausheult, höre ich zu und versuche parteilos zu sein, ein helfendes Ohr mit beruhigender Stimme sozusagen und im Zweifel für die Angeklagte, damit vielleicht alles wieder gut wird. Vielleicht könnten sie und ich sogar gute Bekannte werden oder gar Freundinnen. Es liegt mir schlichtweg fern, zur heimlich und hämisch lachenden Verbündeten in Krisenphasen zu verkommen, oder zu jemandem, der sich am Gefühl ergötzt, auf Ewig einen gewissen Stein im sexy Kumpel-Brett zu haben. Und nun kommen wir zum Knackpunkt: Ich frage mich nämlich recht häufig, ob die Mehrheit da nicht ein wenig anders tickt.

Ganz bestimmt nicht aus Böswilligkeit, das will ich gern glauben. Aber vielleicht aus dem unterbewussten Anspruch heraus, auch weiterhin eine ganz besondere Rolle einnehmen zu dürfen. Noch immer zu gefallen. Und hier beginne ich, zu begreifen. Vielleicht ist es viel verständlicher als ich dachte, dass kleine Momente der Bestätigung für die meisten Menschen in diesem Kontext wichtig sind. Niemand will doch das Gefühl haben, der neuen Partnerin oder dem neuen Partner unterlegen zu sein. Deshalb buhlt man hin und wieder. Man spielt vielleicht etwas. Und sonnt sich in kleinen Erfolgen, in Momenten der Vertrautheit. Ich denke, das geht klar. Auch wenn ich bestimmt wieder und wieder die Zähne fest zusammenbeißen werde und meine Freundin noch viel mehr. Aber eines ist wichtig: Andere Frauen sind keineswegs Schlangentiere mit der Absicht, Beziehungen zum Frühstück zu verspeisen. Sie sind bloß ebenso unsicher wie wir alle manchmal. Vielleicht sogar traurig. Das sollte ich dringend respektieren und aufhören, zu fluchen.

20 Kommentare

  1. eleftheria

    wieder einmal grandioser text von dir nike und zufälligerweise für mich genau passend, da ich letztens in einer ähnlichen situation gewesen bin. danke für die schönen worte!

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  2. Kerstin

    Ach liebe Nike,
    Deine Gefühle sind einfach nur sehr menschlich – Eifersucht ist doch ganz normal, und die Exfreundinnen Deines geliebten Partners nicht einfach nur SUPER zu finden weil sie mal vor langer Zeit den selben guten Geschmack hatten wie Du, ist auch normal.
    Wenn Du dich tatsächlich an der eigenen Nase packen möchtest, dreh es um: dein Ex, Vater Deines Sohnes, war mal Dein Traummann. Du seine Traumfrau. Zweifelsohne, sonst gäbe es ja nicht Lio. Besagter Ex wird sicher auch irgendwann eine neue Partnerin haben – hat er vielleicht sogar schon. Wie fühlt diese sich, wenn sie an Nike denkt? Ist sie vielleicht auch von Dir verunsichert? Eifersüchtig? Bestimmt mal. Ist das normal. Natürlich. Also, alles gut.

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  3. Guli

    Ufff, die Selfieabsenderinnen scheinen ja egotechnisch auf ganz schön wackligen Stelzen gebaut zu sein. Eeinem Kumpel der eine feste Partnerin hat, würde ich alleine schon aus Respekt vor dieser nie nie, aber auch niemals ein Bikiniselfie schicken. Ganz davon abgesehen, wie nazisstisch und bescheuert Bikiniselfies sind. Das Dickpic der Frauen? Wie Du bereits sagstest: Wer dies dennoch nötig hat und Dir dabei wohl augenscheinlich gleichzeitig einen Seitenhieb verpassen möchte, scheint wohl wirklich unsicher zu sein. Dann obliegt es aber auch dem Empfänger solche sexy Messages, dies zu erkennen und „einzuordnen“.

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    1. pi

      Jo, sehe ich genauso. Also, ich achte da auch immer sehr, sehr drauf, nur noch Kumpelsignale zu senden. Sowohl bei Ex-Partnern als auch bei Freunden und Langzeit-Kumpels, deren neue Geliebte mich auch manchmal als Bedrohung ansehen. Da muss man schon ein bisschen mehr reflektieren, wie gut Besitzansprüche und ständige zwinkernde Remineszenzen an alte, ach so schöne Zeiten jetzt der Gesamtsituation tun.

      Wenn ich meinen Kumpel, egal ob Ex-Lover oder nicht, auch als Mensch so sehr schätze, dann will ich ihn ja auch im meinem Leben behalten, als Freund. Und dann muss man schon dem neuen Partner ein Mindestmaß an Respekt und aufgeschlossener Freundlichkeit entgegenbringen. Immerhin hat ein hochgeschätzter Freund sich diesen Menschen als Lebens(abschnitts)gefährten ausgesucht. Ich versuche dann immer, mich stark zur Vorurteilsfreiheit zu zwingen und mich auch eins zu eins mit dem neuen Mädel im Freundeskreis zu beschäftigen. Wenn es nicht schnasselt, muss man ja nicht viel miteinander zu tun haben, aber so kann das Gegenüber einen auch einfach besser einschätzen und empfindet einen nicht mehr als Bedrohung. Und bei mir sind so auch echt schon ein paar gute Freundschaften draus entstanden, so dass ich in zwei Fällen im Endeffekt mit den neuen Mädels mehr Kontakt hatte als mit den Exfreunden, sogar auch nach deren Trennung (was dann auch wieder ein Eiertanz ist, aber das ist eine andere Baustelle ;D).

      Das kann man aber immer nur, wenn echt keine Gefühle mehr im Spiel sind, bzw, wenn man es nicht nötig hat, von allen Kumpels und Exfreunden auch sexuell begehrt zu werden. Und wer das nötig hat, ist, wie Guli schon gesagt hat, meistens eher unsicher und ein bisschen instabil als diabolisch und schlangenartig. Da muss man dann überlegen, ob man dem guten Freund zu liebe Bock hat, diese Situation mit Offenheit und einem Freundschaftsangebot zu entschärfen, oder ob man sich denkt: Na, wenn du so eine Alte als Partner haben willst, dann ist bei dir aber wohl auch nicht alles ganz tutti, dann hab ich auf die ganze Situation keinen Bock mehr, ciao, ich bin raus.

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  4. Eve-L

    In solchen Situationen habe ich auch schon gesteckt. Aber was ich dabei gelernt habe war, dass ich mich selbst in diesen Konstellationen viel zu wichtig genommen habe. Nach meiner Erfahrung drehen sich viele Menschen (um es nicht nur auf die Damen, Ex oder nicht, zu beziehen) nämlich ausschließlich um sich selbst und haben kein Konzept von Kontext und dass sich dieser ändern kann und welche Auswirkungen das haben kann. Mangel an Empathie geht damit auch oft einher.
    Will sagen, den entsprechenden Damen bist Du wahrscheinlich schnurz piep egal. Die wollen scheinbar nur (kurzfristige) Aufmerksamkeit. Die Reaktion darauf ist viel entscheidender.

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  5. Paula

    Ich verstehe grundsätzlich das Problem und wie immer hast du deine Gedanken wundervoll zu Papier gebracht. Trotzdem prangerst du bestimmte Personen sehr öffentlich an. Die Ladys werden sicher deinen Blog lesen und werden sicher wissen, dass sie gemeint sind. Auch euer erweiterter Bekanntenkreis weiß wahrscheinlich wer gemeint ist. Ich denke darüber bist du dir im Klaren. In den Kommentaren beginnen jetzt schon einige, die (Ex-) Freundinnen deines Freundes zu dissen. Irgendwie gibt mir das ein komisches Gefühl und ich frage mich, ob man das ganze nicht weniger öffentlich oder explizit hätte besprechen können.

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    1. Nike Jane Artikelautor

      Liebe Paula, dein Einwand ist überhaupt nicht unbegründet und ich verstehe ihn sehr gut, bloß stecke ich manchmal technisch in einer Zwickmühle, wenn ich schreibe. Ich schreibe nämlich kein Tagebuch, sondern versuche eigene Gedanken mit etwas universelleren Situationen zu verknüpfen, bloß klingt es dann manchmal so, als sei das „Fiktive“ in Wahrheit überhaupt nicht ausgedacht oder woanders aufgeschnappt.. Deshalb bin ich jetzt hier und da durch den Text gefegt, um deutlich zu machen, dass mein eigener Freund zum Beispiel keinesfalls Tatort-Nachrichten bekommt. Ich glaube allerdings, ich hätte bloß die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen und ihn darum gebeten, sie doch bitte zu uns einzuladen. Eine dritte Tiefkühlpizza wäre auch noch dagewesen <3

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  6. Sophie

    Ohne die rosa Bubble jetzt platzen lassen zu wollen, aber meistens ist doch der Punkt an dem man anfängt dem eigenen Bauchgefühl zu misstrauen und an sich selbst und seinem eigenen Urteilsvermögen zu zweifeln genau der Punkt an dem man falsch abbiegt. Ich hoffe das Tatort Beispiel war eines der fiktiven, denn wenn ich (als glücklicher Dauersingle und mit einigen verflossenen Liebschaften) jemanden meiner Verflossenen nach Tatort und Wein frage, suche ich in der Regel nichts anderes als eine Schulter zum anlehnen und jemanden zum temporären kuscheln. Und wenn da dauerhaft das Handy blinkt mit diversen Anfragen von Vorgängerinnen, ist das meiner Erfahrung nach eher ein Indiz dafür, dass diese Anfragen in der Vergangenheit auf offene Ohren getroffen sind und nicht mit „nein danke, kein Interesse“ beantwortet wurden, sondern eher die Hoffnung aufrecht erhalten wurde, nicht zuletzt zum Tätscheln des eigenen Egos.

    Das vllt. aus der Perspektive einer der Ladies die solche Anfragen stellt(e)…

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  7. Sandra Valeska

    Liebe Nike,
    ich kenne dieses Gefühl. Aber aus feministischer Sicht ist mir vor kurzem etwas klar geworden: Ich glaube, der Grund, warum wir Frauen immer noch nicht gleichberechtigt sind und immernoch im Verhältnis zum Mann dargestellt werden, ist, dass wir uns selbst von eben diesen zu sehr abhängig machen. Da mag jetzt vllt. jede den Kopf schütteln, aber warum agieren wir Frauen nicht als Kollektiv sondern halten uns mit Konkurrenzkämpfen auf? Neid ist hier das Stichwort- wer ist die Schönste, die Coolste, die Beste?! Dann wird gelästert was das Zeug hält und wir merken nicht, wie wir gerade gegen unsere Genossinen kämpfen, obwohl es doch eigentlich egal ist, wie uns irgendein Junge findet . Da kommt in uns die Sehnsucht nach männlicher Anerkennung hoch, aber brauchen wir das heutzutage noch? Ich bin der Meinung, dass es sich viel besser anfühlt, sich losgelöst von irgendwelchen (männlichen) Personen gut zu fühlen und selbstbewusst, Hand in Hand mit allen anderen Frauen- mögen sie schöner sein oder nicht- für mehr Gleichberechtigung zu kämpfen. Klar- wenn der Herzensbube umgarnt wird, schaltet sich auch bei mir manchmal die Löwenmama ein. Aber auch diese Gefühle kann man doch mit einer kräftigen Portion Vertrauen in die eigene Beziehung löschen, denn schließlich ist der Mann bei einem und nicht bei der anderen. Und sollte er sich jemals entscheiden doch zur anderen zu gehen- so what! Wir leben glücklicherweise in einer Zeit, in der es nichtmehr eine Schmäh oder ein Ruin ist keinen Mann zu haben. Also: Schöne und tolle Frauen kann man auch gerne bewundern ohne in ihnen Konkurrenz zu sehen. Kuss und liebe Grüße <3 Coochie

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    1. Nike Jane Artikelautor

      Das sehe ich ja ganz genau so. Von vorn bis hinten. Aber vor allem die Geschichten meiner Freundin (und manche davon sind wirklich so passiert, das muss man sich mal vorstellen), haben mich daran zweifeln lassen, dass die breite Masse überhaupt an einem echten Miteinander interessiert ist. Vielleicht stecken da ein paar Zweifel und Unsicherheiten einfach noch zu tief in der Psyche fest?

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      1. Sandra Valeska

        Ja, das Gefühl habe ich leider auch… Aber dann wird es wohl Zeit diese Zweifel abzulegen! Ich würde mich jedenfalls sicherer in einer Umgebung von sich gegenseitig wertschätzenden Frauen fühlen. Denn die meisten Unsicherheiten entstehen erst durch Konkurrenz der Frauen untereinander. Viele meiner Freundinnen und auch ich haben mehr Angst vor abwertenden Blicken meiner weiblichen Zeitgenossen bezogen auf Outfits und Äußerlichkeiten. Feminismus bedeutet aber auch das Frausein lieben und neben allem Weiblichen bedeutet das eben auch: sich gegenseitig Liebe und Verständnis zeigen. Im Bezug auf einen Mann würde das in meiner Idealvorstellung heißen: Bei einem gemeinsamen Cafe sich über die schönen Zeiten austauschen oder sie zu einem gemeinsamen Tatortabend, der sie freundlich und herzlich in eure Mitte begrüßt, kennenlernen. Aber ich weiß, dass es Mut und vor allem auch Stärke bedeutet, dabei keine negativen Gefühle zu zu lassen. Und wenn frau „Konkurrentinnen“ wie Freundinnen behandelt (schließlich habt ihr eine Gemeinsamkeit: Ihr schätzt beide einen lieben Mann), dann kann frau wenigstens ein Vorbild sein und zum Umdenken anregen…

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  8. Jul

    Also ich weiß nicht…Dass man sich „unfeministisch“ fühlen muss und sich quasi auch noch selbst dafür fertig macht, wenn es doch eh schon im Herzen sticht, das kann es doch auch nicht sein! Klar ist es wichtig, die eigenen fiesen Neidhammel-Tendenzen und ihre seelischen Ursprünge unter die Lupe nehmen – um die Dinge klarer sehen und damit anderen Damen gegenüber fair bleiben zu können.
    Aber Verliebtsein als eine Art Schwäche zu sehen, die ja eigentlich nichts anderes ist als die „Suche nach männlicher Anerkennung“- huiuiuiui! Das ist happig.
    Ich glaub, und das ist ja die ewige Krux wie bei allen Gefühlsdingen, man kann sich für solche Fälle leider keinen Masterplan zurechtlegen, sondern muss von Situation zu Situation und Mensch zu Mensch neu ausloten, was Sache und welche Reaktion angebracht ist. Weil…wir sind halt alle menschlich. Und zu wem man dann „hält“ in einer bestimmten Situation, und wie man einer Person umgeht, das kommt für mich am Ende immer genau darauf an, wie diejenige Person sich eben verhalten hat. Egal ob Männlein oder Weiblein! Denn die können genau gleich toll oder arschig in Herzensangelegenheiten sein.

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    1. Jul

      Ein allgemeiner Gedanke noch, ich weiß nicht ob ich den verständlich genug formuliert kriege…

      Sich eine Art „Zwangssolidarität“ unter Girls aufzuerlegen, obwohl das eigene Herz und der Verstand eigentlich mitbekommen, dass da was Fieses (jetzt nicht unbedingt auf die von Nike geschilderte Situation bezogen) im Busch ist, das kann doch auch keine Lösung sein.
      Das ist meiner Meinung nach falsch verstandener Feminismus. Weil man sich selbst gegenüber nicht wertschätzend verhält, wenn man das eigene Bauchgefühl unterdrückt wird und Verletzungen in sich drin behält, nur damit mit unseren Mit-Mädels solidarischer „Frieden“ herrscht.

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  9. Sarah

    Liebe Nike,

    Danke fuer den schoenen Text. Natuerlich hast du mit den Unsicherheiten recht. Aber der Fingerzeig hin zum Feminismus hat auch seine Berechtigung: Unsere Sisterhood hoert naemlich ueberall da auf, wo Maenner ins Spiel kommen. Da koennten wir von anderen Kulturen echt viel lernen. Uns schwirrt allen das Konzept der romantischen Liebe im Kopf rum, die Person, die ploetzlich wichtiger sein soll als alles andere, der man selbst am wichtigsten sein soll. Die Person, fuer die man selbst das intelligenteste, huebscheste, netteste und insgesamt aussergewoehnlichste Wesen auf Erden ist. Und damit ist Verliebtheut ploetzlich ein Druck als ein glitzriges Zusammensein mit einer tollen Person. Wir werden eifersuechtig, wir fangen an uns zu vergleichen, weil wir unbedingt diese Ideale erreichen wollen.
    Das war jetzt sehr viel theoretisches Blabla. Aber nehmen wir doch mal Beyonce. Sie singt super feministische Lieder, aber gleichzeitig singt sie von „sidechicks“, die im Gegensatz zu ihr „average bitches“ sind.
    Zusammenfassung dieses sinnlosen Posts: Eifersucht ist ein normales Gefuel, fuer das man sich nicht schaemen braucht, aber in unserem kulturellen kontect ist es auch ein politisches, weils unsere Sisterhood zerstoert. Und darum finde ich deinen Artikel sehr richtig und gut und wichtig 🙂

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  10. Anna

    Also man kann sich wohl darüber streiten, was nun angebracht ist und was nicht – sowohl beim Beibehalten des Kontaktes als auch er Reaktion darauf – aber jemand, der einem Mann, der in einer Beziehung ist, ein Bikiniselfie schickt, egal mit welchem Zusatz, hat hier das Problem. Keine Diskussion 🙂

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  11. Lena

    Also ich kenne das Problem auch von der anderen Seite: so bin ich zum Beispiel immer noch sehr gut mit meiner ersten großen Liebe (mittlerweile 22 Jahre her !) befreundet, er ist auch der Patenonkel meines ersten Sohnes. Seine neue Freundin, mit der er mittlerweile auch seit ca. 6 Jahren verheiratet ist und zwei Kinder hat, tat mir zu Beginn echt leid, da er sich dermaßen (in meinen Augen) ungeschickt verhalten hat. Es ist seit Jahren klar, dass wir nur Freunde sind. Er stellte mich dann aber jedem als seine erste große Liebe vor, seine erste Freundin, umarmte mich bei jeder Gelegenheit, etc. Ich weiss genau, er meinte das nicht so, er ist ein grundweg lieber Kerl und einfach ehrlich und generell eher kuschelig, wogegen ich auch gar nichts habe. Aber ich hätte mir ein paarmal gewünscht, er hätte sich die Schwärmerei gespart und wäre nicht so auf Tuchfühlung gegangen, wenigstens für die erste Zeit, bis Unsicherheiten aus dem Weg geräumt sind. Ich rechne es seiner Frau sehr hoch an, dass sie über ihren Schatten gesprungen ist und unsere Freundschaft akzeptiert hat. Ich weiss, dass es schwer für sie war, weil ihre beste Freundin mich einmal ins Kreuzverhör genommen hat. Ich weiss nicht, wie ich mich da verhalten hätte….

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  12. Anastasia

    Hallo liebe Nike,

    danke für den wundervollen Text, wo ich echt oft schmunzeln musste, denn ich weiß genau was du meinst und ich finde, man muss sich für solche Gedanken und Gefühle nicht „schämen“, egal wie viel Girlpower eigentlich in uns steckt.
    Die beschriebenen Situationen? Finde ich einfach respektlos. Ich hatte das sehr oft mit meinem jetzigen Freund. Wenn wir feiern gehen und auf einmal eine Olle ihn anspringt… da stand ich am Anfang erstmal verdutzt da und wusste nicht ganz recht was das sollte und wie ich reagieren sollte…warum? Weil sie ihn ansprang und im Wissen wer ich bin, mich einfach ignorierte. Warum? Weil er mit ihm mal was hatte…aber jetzt mit mir da steht. Am Anfang war ich wütend, warum er das überhaupt zuliess der arme Trottel. Was sind meine jetzigen Reaktionen? Einfach nett lächelt mit einem kleinen Suff Hallo sagen, wenn nicht sogar genauso euphorisch wie wie, sie anspringen und sie ist raus.

    Ich bin zu allen Leuten sehr nett, aber wenn ich sehe, dass eine Verflossene mich schlichtweg doof behandelt, dann muss sie mit entsprechenden Reaktionen rechnen, die sie aus der Bahn werfen, auch wenn ich überhaupt kein Fan von solchen Spielen bin, aber das ist menschlich und egal wir rational-superpower-mäßig–solidarisch wir unterwegs sind;
    Egal wie wo was – hat der Ex Partner, Ex Liebhaber, Partyknutscher etc pp. einen neuen Partner an seiner Seite, sollte man dies respektieren.

    Ich tue es auch – ich bin mit meinem Ex echt gut auseinander gegangen, aber als ich ihn auf einer Party mit seinem neuen Mädchen sah, habe ich ihn nicht angesprungen – ich habe ihn normal gegrüßt, sie auch und ihnen viel Spaß gewünscht. Denn es gibt Gründe warum man der/die Ex ist und wenn das fest ist, sollte man damit auch erwachsen umgehen…

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  13. Maxi

    Mann, ist das eine spannende Diskussion mal wieder und Eifersucht ein interessantes Thema.
    Ich möchte um eine weitere Komponente erweitern, neben dem schon von Sarah erwähnten Problem mit der „Sisterhood“ (hier möchte ich auf diesen grandiosen Sybille Berg Artikel hinweisen, der bringt das sehr gut auf den Punkt: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/gleichberechtigung-frauen-macht-schluss-mit-dem-frauenhass-a-1119505.html)

    Aber in meiner Beziehung zB ist Eifersucht auch Thema, aber oft geht sie von Ihm aus. Er unterstellt prinzipiell, dass alle Männer die sich mit mir treffen wollen und „neu“ in den Freundeskreis kommen, prinzipiell etwas von mir wollen können. Auch berufliche Mails, die mal privater werden, oder eben Verflossene, mit denen ich noch befreundet bin, er muss sich immer wieder vergewissern, dass „Männer ja so ticken“ und dass ich da nicht drauf einsteige. Versteht mich nicht falsch, ich versteh dass man da Unsicherheiten hat und es ist gut darüber zu reden UND es gibt auch keinen Grund zu seiner Sorge, Aber: liegt dem Ganzen nicht auch ein sehr sehr unfeministischer Grundgedanke zugrunde nämlich dass man Frauen einfach so „klauen“ kann. Es ist ja nicht so als stünde man in der Gegend rum und dann kommt einer und – Hach, klaut die arme unwissende Frau einfach so unter der Nase weg. Dieser Gedanke regt mich jedes mal so auf, dass ich mich deshalb streite und nicht wegen der Eifersucht. Es nervt quasi auch das umgekehrte, dass zB man kein Kompliment von einem Arbeitskollegen bekommen kann oder ein Lob, ohne dass es heißt er steht auf dich. Genauso wenig, wie die Frau einfach so deinen Freund „klaut“. Es gibt fiese Ausspanner-Menschen unter Männer und Frauen und Seitensprünge passieren. Aber da darf man auch nicht immer den Partner so passiv sehen und ihm autonomes Handeln absprechen. (Nicht dass Nike das getan hätte, aber ich finde es wichtig das nochmal zu beleuchten.)

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  14. Flo

    Sehr feiner Artikel liebe Nike, und du bringst das hin und her gerissen sein zwischen Sisterhood und eigentlich ziemlich bloeden Uschis sehr gut auf den Punkt. Im Regelfall hilft es mir in solchen Situationen, auf den Kerl, den man sich da ausgesucht hat zu vertrauen, statt sich allzu sehr ueber diese oder jene Dame zu echaeuffieren. Wie du schon so passend schreibst, liegt oft etwas dahinter, das mich persoenlich so gar nicht betrifft (ob das nun Unsicherheit, Aufmerksamkeitsbeduerfnis, Bestaetigungshunger oder sonst was der Dame sind). Mein Mantra in dem Fall dann eher „kill them with kindness“. „Kill“ hier sehr metaphorisch. Und den Rest muss der Typ regeln, also wie er auf solche Avancen reagieren moechte und was er davon haelt. Wenn er solche Bikiniselfies oder Tatortanfragen selbst auch als unangebracht empfindet, dann kann er das ja relativ net und relativ einfach auch klar machen und da sollte aus meiner Perspektive ja auch irgendwie die Verantwortung liegen…

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