Heroines // Janelle Monáe
„Always remember to pick freedom over fear”

01.02.2017 Feminismus, Menschen

heroines janelle monae womens march speachDie US-Künstlerin Janelle Monáe sieht sich selbst als Geschichtenerzählerin: Dem Narrativ von Hass und Intoleranz setzt sie ihren eigenen entgegen – ob als Sängerin, Schauspielerin, Aktivistin oder Androidin Cindi Mayweather.

Einer von Janelle Monáes bekanntesten Songs heißt Electric Lady – und ja, diese Frau ist in der Tat elektrisierend: Monáe ist nicht nur Sängerin und Songwriterin, sondern auch Schauspielerin sowie Chefin ihres eigenen Musiklabels Wondaland Records. Eine Menge Beschreibungen, die trotzdem nicht angemessen ausdrücken können, wer dieses Multitalent wirklich ist. Denn eigentlich ist Monáe vor allem eine Fürsprecherin der Außenseiter*innen, der Menschen, die irgendwie anders sind oder anders gemacht werden.

So wie Cindi Mayweather, Monaés Alter Ego: Die Androidin ist eine Art messianische Figur für die Androiden-Community in der futuristischen Stadt Metropolis und steht im Mittelpunkt von Monáes Konzeptalben The ArchAndroid (2010) und The Electric Lady (2013). Anders als im Stummfilmklassiker Metropolis ist die Androidin hier nicht die Antagonistin, sie ist die Heldin. Cindi kämpft gegen ungleiche Machtverhältnisse, gegen die Unterdrückung der Android*innen. Die Musik dazu ist mal filmisch-pompös und orchestral, mal funky, mal erinnert sie an Sixties Pop, mal ist sie jazzig. Aber immer ist da Monáes klare Stimme, die in manchen Momentan an Beyoncé erinnert, und der rebellischen Androidin Cindi Ausdruck verleiht. Monáe selbst sagt: „Android is a new form of the other, but you can parallel the other to so many different types of people. Even if you don’t consider yourself to be the other, at one point in time I’m sure you felt like that.”

Die Androidin als Aktivistin

Monáe nutzt die Persona Cindi Mayweather und den Freiheitskampf der Android*innen als Metapher für gesellschaftliche Bewegungen – insbesondere, um auf die Anliegen von Afroamerikaner*innen aufmerksam zu machen. Denn wie Cindi ist auch Janelle eine Aktivistin, die sich leidenschaftlich für ihre Überzeugungen einsetzt. So ist Monáe aktiver Teil der Black Lives Matter-Bewegung, machte für Barack Obama Wahlkampf und nahm mit Missy Elliott und anderen Sängerinnen den Song This Is For My Girls für Michelle Obamas Let Girls Learn-Kampagne auf. Bei den diesjährigen Golden Globes drehte sich alles um Meryl Streeps Rede – mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit hätte aber Janelle Monáes Rede verdient. Als sie zusammen mit dem Team von Moonlight – Monàe spielt in dem Film die Freundin eines Crack-Dealers – auf der Bühne stand, fand die Schauspielerin bewegende Worte zur Kontroverse um die homophoben Bemerkungen der Gospelsängerin Kim Burrell:

„I’m pro love. At the end of the day, no matter where you come from, and who you love, you deserve to have a right to the American dream – and to also have your story told. (…) I just think that anybody who is representing hate is a part of the problem and I hope we can learn from each other, be more empathetic of one another, and I hope that we can all remember that at the end of the day, we all bleed the same color.”

Flammendes Plädoyer für Toleranz

Monáe selbst sorgt dafür, dass die Geschichten von Menschen, denen in der Mainstream-Kultur viel zu oft keine Stimme gegeben wird, gehört werden: Im Überraschungshit Hidden Figures stellt sie neben Taraji P. Henson und Octavia Spencer eine von drei afroamerikanischen Mathematikerinnen dar, die in den 1960ern am Weltraumprogramm der NASA mitarbeiten – und so entscheidend dazu beitragen, dass 1962 der erste US-Astronaut die Erde umrunden kann. Bei Auftritten und Interviews merkt man, wie wichtig Janelle Monáe das Thema Gleichberechtigung ist, gerade wenn es um Frauen und Minderheiten geht. Kein Wunder also, dass die Künstlerin auch beim jetzt schon legendären Women’s March on Washington am 21. Januar 2017 dabei war. „Hello, future“, begrüßte sie die Menge, um dann ein flammendes Plädoyer für Toleranz und Respekt zu halten:

„I want to say to the LGBTQ community, to my fellow brothers and sisters, to immigrants, my fellow brothers and sisters, to women: continue to embrace the things that make you unique, even if it makes others uncomfortable. You are enough. And whenever you feel in doubt, whenever you want to give up, you must always remember to pick freedom over fear.”

„I’m a storyteller”

Es könnte auch Cindi Mayweather sein, die hier spricht – aber die Androidin scheint sowieso eine Menge von Janelle Monaé selbst zu haben. Oder vielleicht umgekehrt? Dem Guardian sagte Monáe in einem aktuellen Interview: „I’m a storyteller who wants to tell untold, meaningful, universal stories in unforgettable ways. I want to do it all, study it all and find my place in it.” Ob musikalisch, filmisch oder rhetorisch: Diese elektrisierende Dame hat noch viele Geschichten zu erzählen – gut so! Denn hoffnungsvolle, positive Narrative werden die USA, aber nicht nur diese, in den kommenden vier Jahren dringend nötig haben.

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