Slow Sunday // Das Lifetime Projekt:
Tipps für die Selbstliebe Teil II

26.02.2017 Slow Sunday

Liebe Leser*innen, darf ich fragen, wie es so läuft mit der Selbstliebe? Noch nicht angefangen, mitten drin oder schon ganz oben angekommen im völligen Einklang mit dir selbst? Bei mir ist das Thema nämlich nach wie vor etwas schleppend, es hängt mir wie ein Klotz am Bein und ich finde es zeitweise mehr lästig als hilfreich. Dies ist nun bereits mein vierter Artikel (siehe hier, hier und hier) zur „Selbstliebe“ und man könnte meinen, dass ich ja schon einige Schritte weiter sein müsste. Das bin ich vielleicht auch, aber längst nicht in dem Maße, wie ich mir das so vorgestellt habe.

Selbstliebe ist ein Projekt, das eher in die Kategorie „Lifetime-Achievement“ gehört. Man kann das Ganze vielleicht mit einem 400m Lauf vergleichen, aber mit zusammengebundenen Schnürsenkeln: Ich sehe den Weg, ich weiß wie es geht, aber ich komme nur in Minischritten vorwärts. Ständig schwanke ich zwischen Selbstliebe-als-Hausaufgabe und Selbstliebe-einfach-nebenher-geschehen-lassen – beides keine guten Ideen. Das eine verursacht Stress und das anderen Stillstand. So gerne aber möchte ich meinen eigenen Weg mit euch teilen und die besten Tricks, die ich auf diesem Weg links und rechts aufsammele, an euch weitergeben. Nach Tipps für die Selbstliebe Teil 1 folgt nun Teil 2 mit weniger Fokus auf die eigene Seele, dafür mehr Pack-an an für den Alltag. 

Ich glaube fest daran, dass man für jede anstrengende und herausfordernde Aufgabe Raum und Zeit schaffen muss, aber mindestens ein gutes Grundgefühl. Ich kann mich nicht, während ich zu S-Bahn trabe und der Schultergurt meines Rucksacks immer wieder von meiner Schulter meinen Arm herunterrutscht, auch noch fragen, was ich mir heute eigentlich gutes tun möchte. Deshalb gibt es von mir an diesem wunderbaren Sonntag eine Mischung aus Muße und Raum für Gedanken und Ruhe – als Anstoß, sich mehr mit den eigenen Bedürfnissen auseinanderzusetzen.

Wunschlisten schreiben

Nun, es muss sich hier nicht um eine bestimmte Liste handeln. Auf ihr können sowohl materielle Wünsche für die Zukunft als auch seelische Wünsche und Träume vermerkt werden. Ich bin eher der Typ „einfach nur fein säuberlich untereinander aufschreiben“. Sobald bei so einer emotionalen Sache zu viel Kreativität ins Spiel kommt, werde ich persönlich ungeduldig und verbanne das Meisterwerk auch gerne mal mit sofortiger Wirkung in den Mülleimer. Aber natürlich gibt es hier keine Regeln: Es darf geschrieben, geklebt, geglitzert, gemalt, gerissen und geweint werden, alles ist erlaubt, nichts davon muss jemals jemand sehen.

Progressive Muskelentspannung

Hierbei handelt es sich um etwas sehr, sehr uncooles. Etwas, das Krankenkassen empfehlen und auch Ärzte, in deren Praxis beiger Teppich liegt. „Bitte entspannen Sie sich 54 Minuten und spannen Sie abwechselnd einzelne Gliedmaßen an, um sie wenig später wieder zu entspannen.“ Selbstverständlich gibt es das Ganze auf CD. Auf CD, hör doch auf! Ich besitze absolut gar nichts mehr, in das ich eine CD reinschieben kann! Zu den monoton vorgetragenen Übungsanweisungen läuft der Soundtrack von Eat Pray im Eso-Remix und vermutlich findet man auch irgendwo den Tipp, dass man ruhig ab und zu ein Räucherstäbchen anzünden kann. Wisst ihr, was das Schlimmste daran ist? Ringt man sich einmal dazu durch, ist es das bis dato hilfreichste, was ich jemals gegen innere Anspannung und Stress angewendet habe. Nun liege ich also ab und zu morgens in meinem Bett und spanne zum Beispiel abwechselnd meinen linken und dann meinen rechten Fuß an. Was soll ich sagen, wenn’s hilft…

Jeden Tag ein Kapitel lesen

Auf meinem Nachttisch stapeln sich Bücher. Welche, die ich bereits gelesen habe und nochmal lesen möchte und andere, die ich unbedingt lesen will, es aber einfach nicht tue. Dieses verflixte Netflix ist Schuld daran. Es ist eben die einfachere Entscheidung, sich aufs Sofa fallen zu lassen und anderen die Verantwortung der Abendgestaltung zu übergeben. Knappe 1,5 Beduselung gehen da pro Tag drauf und auf Dauer ist mir das einfach viel zu viel. Ich träume davon, abends geduscht, mit Tee und Stricksocken in meinem Bett zu sitzen und ein Kapitel in einem tollen Buch zu lesen. Und ich weiß, dass ich es schaffen werde, das, was jetzt noch eine Ausnahme ist, zu einer festen Gewohnheit zu machen. Denn – und das meine ich ganz ehrlich – kein Film und keine Serie hat mich jemals so berühren können wie es manche Bücher getan haben.

Keine spontanen Entscheidungen

Ich habe mir angewöhnt, vor jeder Entscheidung die ich fällen soll und vor jeder Antwort, die mir abgefordert wird, kurz inne zu halten. Füllwörter und -sätze wie „Moment“ oder „da muss ich mal kurz drüber nachdenken“ kommen mittlerweile wie ein Reflex aus mir heraus, wenn mein Gegenüber mit großen Augen vor mir steht und mit Druck versucht, eine schnelle Antwort aus mir herauszuquetschen. Ich bin jemand, der zuallererst immer das entscheiden möchte, was die anderen sich wünschen, was für die anderen besser wäre und wovon ich denke, dass diese anderen es sich von mir wünschen. Indem ich diesen Alleingang meines Unterbewusstseins kurz unterbreche, gelingt es mir, mich kurz zu ordnen und nachzudenken, was ich eigentlich möchte. Das klappt leider nicht immer, aber viel häufiger, als wenn ich alles der Gewohnheit überlasse.

3 Kommentare

  1. Cora

    Du hast Recht liebe Julia,progressive Muskelentspannung IST uncool,aber -dickes,fettes aber- wenn man sich daran gewöhnt hat,durchaus hilfreich 😉 Anfangs fand ich die ganze Geschichte auch ziemlich blödsinnig,schon allein deswegen weil ich absolut unfähig bin,einfach ruhig dazuliegen und Meditationsübungen u.ä. für mich eigentlich totale Folter sind,aber (wieder ein dickes aber^^) nachdem ich es mehrmals zu verschiedenen Tages- bzw Nachtzeiten und in den verschiedensten Stimmungen ausprobiert habe,fiel mir auf,dass es mit etwas Übung und Konzentration sogar wirklich entspannend sein kann,auch wenn das sich erstmal widersprüchlich anhören mag. Die Übungen helfen mir immer,wenn abends im Bett der Kopf einfach nicht ruhig sein möchte oder sich doch mal wieder eine Panikattacke anbahnt und nach knapp zehn Jahren mit besagten Attacken hab ich für mich rausgefunden,dass es helfen kann,sich so auf den eigenen Körper zu konzentrieren,weil es einen vom Wirrwarr im Hirn ablenkt 🙂 Lange Rede,kurzer Sinn: Gib dem Ganzen vielleicht noch eine Chance;geh mit der Einstellung ran,dass es auch nicht weniger cool ist als Smoothies mit Kohl zu trinken;versuch es eventuell zu anderen Zeiten und wenns dir doch zu doof ist,zwing dich nicht dazu,jeder findet seine eigenen Mittel und Wege zum „Bei-sich-Sein“ 😉 Puh,das war ja ein halber Roman. Ich hoffe,meine Sicht darauf kann eventuell hilfreich für dich oder jemand anderen sein. Noch ganz viel Glück und auch Spaß auf deinem Weg zur Selbstliebe wünsch ich dir <3

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  2. Christina

    Ja, bei Panikattacken kann die Muskelentspannung wirklich Wunder wirken. Bin auch damit behaftet und bisher hat die das Füße An- und Entspannen fast immer geholfen. Der Selbstliebe hab ich mich auch seit ein paar Monaten jetzt verstärkt verschrieben, es war auch mein Neujahrsvorsatz (auch wenn die Haltbarkeit der Neujahrsvorsätze ja auch immer so … mäßig lang … ist). Mein wirksamstes „Mittel“ so weit, wenn man das überhaupt so nennen kann, ist es, mein Leben mehr und mehr auf das auszurichten, was ich persönlich gut und richtig finde. Das umfasst Menschen, Hobbys, auch den Job. Je mehr ich anfange zu wissen, was ich wirklich liebe und will und je mehr mein Leben Stückchen für Stückchen so wird, desto mehr mag ich ich auch irgendwie selbst. Aber du hast auf jeden Fall recht: Das ist ein Lifetime-Achievement.

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  3. TeeResa

    Stück für Stück schaffen wir das <3 Ich glaube fest daran! Danke für die kleinen Helferchen dafür

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