Mixtape // Quaterlife Crisis I
– When We Were young

15.03.2017 box1, Musik

Mir ist vergangene Woche das gehässige Lachen über meine Midlife-Crisis-Eltern mitten im Hals stecken geblieben, plötzlich waren da nämlich drei Karma-Falten auf meiner Stirn zu sehen, während mein Sohn schokoladenverschmiert mit dem Finger auf mich zeigte und aussprach, was ich in diesem Moment dachte: Mama ist alt! Ich fing an zu heulen, weil ich gerade erst zum achtundfünfzigsten Mal von meiner 18-Jährigen Nachbarin gesiezt worden war, die ständig klingelt, um mich vor der Lautstärke ihrer nächsten Party zu warnen, auf der ich gefühlt gestern noch die erste gewesen wäre, die nach Gras gefragt hätte. Ich meine, zumindest vorgestern war das Pretty Vacant in Düsseldorf doch noch mein Wohnzimmer, in dem ich umsonst Schnaps bekam, den Barkeeper datete und den DJ (hi Eser!) beim Namen kannte. In dem ich mit meinen Mitbewohnerinnen trippelnderweise zu Indiekellersongs tanzte, bei Kettcars „Deiche“ beleidigte SMS an meine Fast-Beziehung verschickte und Geld für die Pizza danach einsammelte, um gleich nach dem Rausschmeißlied die Erste an der siffigen 3-Euro-Bude zu sein, obwohl wir schon am Nachmittag zwei Kilo Miracoli vorgekocht hatten. In zwei Wochen habe ich Geburtstag. 29. Und ich weigere mich. Weil ich gerade meine erste Qauterlife Crisis durchlebe. Den Soundtrack dazu hört ihr unten. Lebe wohl, mein Traum vom „We’re gonna live forever“ Tattoo auf dem linken Oberschenkel. Ich bin jetzt fast groß. Deshalb hänge ich mir lieber ein tröstendes, altes Poster übers Bett.

 

22 Kommentare

  1. Franzi

    Same here. vor zwei Jahren hab ich noch darüber gelacht und gedacht, das würde mich nie ereilen. Jetzt, ziemlich genau zwei Monate vor meinem 30., habe ich mir meine Zornesfalte wegbotoxen lassen, während ich mir gleichzeitig insgeheim an die Stirn getippt und geschworen habe, das nie wieder zu tun.

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  2. Maren

    Danke für die Worte- gut zu sehen, das es nicht nur mir so geht. Ich bin schon seit ein paar Monaten 29- dieses Jahr noch werde ich 30. ich habe aber das Gefühl- im
    Kopf bin ich 22. Auf die gleichen Dinge habe ich Lust, die ich damals tat, nur eben mit ein bisschen mehr Verstand in der Birne. Um mich herum wird seit Jahren geheiratet und Häuser gebaut. Nicht das ich das verurteile, im Gegenteil. Aber es zeigt mir umso mehr , wie die Uhr tickt. Und irgendwie mag ich da nicht so recht mitmachen. Ich meine, nicht das man mir mein alter äußerlich ansieht- erst kürzlich wurde ich beim Kauf von Hochprozentigem gefragt ob ich denn schon volljährig sei- da konnte ich nur müde grinsen. Es ist der Kopf, der mich verrückt macht, das Gefühl habe, ich müsste doch noch so viel erleben. Nochmal auf Festivals gehen.
    Verrückte Sache- das älter werden . Vielleicht sollten wir es gelassener angehen
    Alles liebste aus Ostfriesland

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    1. Mila

      Na dann geh doch noch Festivals und tu die Dinge, zu denen du Lust hast. Wer hindert dich? Warum willst du dir denn von einer Zahl dein Lebensgefühl diktieren lassen. Ich bin Mitte vierzig und fühle mich innerlich auch oft noch wie Mitte zwanzig – und dann lass ich dieses Gefühl auch raus. So what?! Oft ist die Barriere im Kopf die einzige Schranke, die uns begrenzt. Weg damit! Und tun, wozu frau Lust hat. Ob jetzt mit 30, 40 oder 50.

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  3. Valentina

    Und hier die nächste! Auch ich bin bald 29, werde nur noch gesiezt und stelle mit erschrecken fest, dass 20jährige fast 10 Jahre jünger sind, als ich. Oder anders gesagt, ich zehn Jahre älter bin.
    Erlebnisse, wie mit deiner Nachbarin, passieren mir auch gehäuft. In verschiedenen Variationen. Dabei fühlt sich das alles gar nicht so weit weg an. 🙂

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  4. Leonie Antonia

    Ich glaube die drei Falten sind das Resultat einer geilen Zeit und du solltest einfach fleißig mehr davon sammeln! (:

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  5. Carla

    Da sieht man mal wieder wie wunderbar dicht ihr an Eurer Leserschaft seid- auch hier kommentiert eine bald 29-jährige, die zu 95,99% genau das gleiche fühlt wie du liebe Nike (nur dass nicht mein Sohn, sondern mein Freund mich liebevoll auf die wunderschön in der Frühlingssonne glitzernden grauen Haare auf meinem Kopf hinweist- er freut sich schon darauf wenn ich komplett ergraut bin, weil es steht mir so gut 😛 es könnte also schlimmer sein ;)). Sogar das von dir angesprochene Poster liegt zusammengerollt beim Geschenkpapier- ich konnte es bei meinem letzten Umzug einfach nicht der Mülltonne übergeben…
    Drehe jetzt Heartbeats von José Gonzáles (DANKE dass du mich an dieses Lied erinnert hast!!) auf Maximallautstärke und freue mich schon jetzt auf deinen nächsten Post.
    Allerliebste Grüße
    Carla

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  6. Maren

    An Mila : nun , allein macht ein Festival aber nicht halb soviel Spaß oder? Ebenso tanzen gehen. Verstehst du meinen Punkt? Die Welt um mich herum ist soviel älter geworden und hockt lieber nur noch zuhause rum.
    Aber generell gebe ich dir natürlich recht, man muss tun , worauf man Lust hat und sich nicht von dem Alter einschränken lassen. 🙂

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    1. Mila

      Maren, dann mach deine Welt vielleicht wieder ein bisschen größer oder lock die Freunde von der Couch Weißt, was ich meine? Aber keine Ahnung, vielleicht habe ich auch leicht reden, weil mich das Älterwerden einfach nie geschreckt, ja sogar nie interessiert hat. Man kann’s eh nicht aufhalten und ALLE müssen da durch, so why get worked up about it. Mich nervt vielmehr, dass ich gar nicht genug Lebenszeit habe, um all die Dinge zu tun, die ich noch auf dem Zettel hab 😀
      ich finde es immer ein bisschen schade, dass gerade Frauen sich von diesem Altersding im Kopf so einbremsen lassen.

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  7. Franziska

    Ehrlich? Ich bin gerade 24 und musste tatsächlich zum ersten Mal beim Anblick eines Blogeintrags weinen. Lasst mich niemals 29 werden, wie soll ich das ertragen, wenn ich schon jetzt schlappmache?

    Danke für die Playlist, hör ich mir jetzt beim Baden an!
    xx

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  8. Kristina

    Ich werde morgen 32 und denke in letzter Zeit oft, dass ich mich viel besser fühle als mit 25. Na klar, ich kann nicht mehr jedes Wochenende durchfeiern und muss viel mehr Verantwortung übernehmen. Aber ich fühle mich selbstbewußter und auch zufriedener. Mit 25 habe ich viel an mir und meiner Zukunft gezweifelt. Nun sehe ich alles gelassener. Ich kann also nur sagen: Die 30er sind spitze!

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  9. KTINKA

    Hier steht die 34 kurz bevor. Für mich bedeutet das, dass ich mindestens jetzt schon feste im Mitte-30 angekommen bin. Uffz. Und, statt wie früher in den Indie-Discos dieser Stadt rumzuhängen (gibt es die in Zürich überhaupt?) und bis morgens das Tanzbein zu schwingen, mache ich Yoga und gehe alle zwei Wochen zum Shiatsu weil sonst mein Körper den Office Alltag nicht mehr mitmacht. Am glücklichsten bin ich, wenn ich auf meinem Sofa liegen und lesen kann. Oder beim begärtnern meiner Terrasse. Und, das ist okay so. Wie mitte 30 fühle ich mich trotzdem längst nicht. Eher wie eine etwas müdere 25-jährige, die aber gleichzeitig auch selbstbewusster und entspannter ist.

    Letztens , auf einer Autofahrt, bin ich bei Spotify vom 100sten ins 1000ste gekommen, die alten Indie Hits konnte ich alle noch mitsingen, und wie gerne hätte ich eine Zeitmaschine gehabt, um wieder in Stockholm auf der Tanzfläche meine Runden drehen zu können. Aber irgendwie hab ich mir dann auch gedacht: wie gut diese Erinnerungen sind und wie gut es ist, es diese Songs gibt, die diese Erinnerungen wieder hervorrufen. Deswegen komme ich jetzt eigentlich zu dem, was ich schon zu Beginn dieses Kommentars sagen wollte: Danke für dieses tolle Mixtape! <3 Und: ein Hoch auf das Älter werden, die Krisen, auf jedes grauen Haar und jede Falte. Woop.

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  10. Ines

    Haha. Ich werd nächste Woche 31 und hab mir am Montag tatsächlich zum ersten Mal ne Anti-Falten-Creme aufgetragen…
    Ich denke immer „Ich fühl mich noch gar nicht wie über 30…“. Aber wie fühlt man sich denn mit über 30?? Da gibts ja Gott sei Dank keine Richtlinien. Und nur weil unsere Eltern uns in dem Alter schon vorkamen, wie die übelsten Spießer, müssen wir das ja nicht unbedingt nachleben. (Außerdem waren wir damals kleine Kiddis und hatten vom Erwachsensein ohnehin keinen Plan!) Solange wir die Dinge tun, an denen wir Spaß haben, ist doch alles gut.
    Sich von einer Zahl vorschreiben zu lassen, wie man zu leben hat, ist jedenfalls irgendwie unnötig. (Das gilt übrigens auch für die Zahl auf der Waage.)
    Aber die Playlist ist wirklich toll! Gott sei Dank gibt es mittlerweile in meiner Umgebung wieder Veranstaltungen, bei denen man zu so etwas das Tanzbein schwingen darf. Da fühl ich mich gleich wieder wie 25! 😀

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  11. Anja

    Ach das wird noch surrealer mit Ende 30. Älter und alt werden ist einfach unglaublich. Es passiert und man merkt es nicht, weil vieles doch erst gestern gewesen zu sein scheint. Leider werden mit den Jahre nicht nur die anderen älter: die eigenen Eltern, die eigenen Kinder oder die Freunde- auch man selbst. Aber das Alter ist das eine und die Einstellung und das reale Lebensgefühl das andere.

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  12. nadine

    1. die 30er sind klasse
    2. allein, dass du 29 als quarter-life bezeichnest, zeugt doch von einem sehr gesunden optimismus und kommt an „we’re gonna live forever“ echt nah heran…

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