„Meiner ist so groß“
Schon wieder bin ich belästigt worden und habe nichts gesagt

21.03.2017 Allgemein

Mal wieder ist es passiert. Und mal wieder stelle ich mir Fragen.

Letzte Woche stand ich abends mit zwei männlichen Freunden an einer Berliner U-Bahn-Station. Die Jungs verabschiedeten sich und stiegen in ihre Bahn, ich wartete auf meine. Stöpsel im Ohr, Musik auf den Ohren, nur noch zwei Minuten Warten. Dann schob sich ein Mann in mein Blickfeld. Er stand direkt vor mir und redete auf mich ein. Musik sei Dank verstand ich kein Wort, wollte aber nicht unhöflich sein – vielleicht hatte der Mann ja eine Frage – und nahm die Stöpsel aus den Ohren. Der Mann sprach und ich verstand ihn nicht. „Bitte?“, sagte ich und diesmal war seine Antwort klar verständlich: „Ich will dich ficken.“ Und: „Meiner ist so groß“, untermalt von entsprechenden Handbewegungen.

In diesem Augenblick hatte ich keine Angst, ich fühlte mich nicht eingeschüchtert – in Rufnähe warteten mehrere Leute ebenfalls auf die U-Bahn. Aber ich war unglaublich wütend. Erst auf den Mann, der seltsam weggetreten und teilnahmslos wirkte (Drogen? Alkohol?). Dann auf mich, weil ich einfach nichts sagte, meine Stöpsel zurück ins Ohr stopfte und stur vor mich hinstarrte, bis die Bahn kam. In der Bahn schickte ich eine Nachricht an meine Schwester, schilderte ihr, was geschehen war. Ihre Empörung konnte ich förmlich durchs Handy spüren. Und ich? Ich war nicht empört. Nur irgendwie… leer.

Nichts passiert, eigentlich

Denn ich kenne das ja. Ich bin es gewohnt, wie so viele andere Frauen. Als ich im nordfranzösischen Lille studierte, ein doch recht hartes Pflaster, wurde ich nachts auf dem Nachhauseweg einmal von einer Gruppe junger Männer umringt. Sie redeten auf Französisch auf mich ein und ich hatte keine Ahnung, was sie von mir wollten. Durch die aufkommende Panik vergaß ich sämtliche Sprachkenntnisse, in meinem Kopf war nur noch Platz für einen Gedanken: Wie komme ich hier wieder raus? Irgendwas machte dann in mir „Klick“ und Französisch-Fragmente kehrten zu mir zurück. Ich plauderte also mit diesen Männern, die mich umringten, sicher ein paar Minuten lang, bis ich es wagte, ein „Bonne nuit“ in die Runde zu werfen und weiterzugehen. Meter für Meter, immer in dem Bewusstsein, dass sie mir nachkommen könnten. Und dann? Es kam mir niemand nach.

Vor zwei Jahren wurde ich am hellichten Tag auf dem Berliner Mehringdamm angegriffen. Ich fuhr auf meinem Rad an Mustafa’s Gemüsekebab vorbei, als mir plötzlich ein Mann entgegenkam. Auf dem Fahrradweg. Ich klingelte. Der Mann sah mich direkt an, irgendetwas an ihm stimmte nicht. Er schien dreckig, aggressiv, der Blick verhangen. Dann packte er mein Fahrrad, griff in den Lenker und schrie mich an. Er versuchte, mein Rad mitsamt mir darauf gegen eine nahestehende Laterne zu werfen. Er schrie immer weiter, ich verstand ihn nicht. Ich war so perplex, dass ich nur sagte: „Hey, hey“. Immer wieder. Die 20 Menschen in der Schlange vor Mustafa’s Gemüsekebab guckten. Und guckten. Irgendwann ließ der Typ mein Fahrrad los, ich fuhr weiter, über die nächste Ampel – und brach in Tränen aus. Dabei war ja nichts passiert. Eigentlich.

Nicht normal, eigentlich

Denn eigentlich ist eben doch eine Menge passiert und passiert immer wieder. Und ich bin wütend über mich selbst, dass ich das meistens so hinnehme. Weil ich eben daran gewöhnt bin. Weil es so „normal“ ist. Und manchmal frage ich mich: Was wäre, wenn ich es nicht so hinnehmen würde? Wenn wir es nicht so hinnehmen würden? Wenn sich in unserer Gesellschaft endlich die Erkenntnis durchsetzen würde, dass solche Vorfälle nicht „normal“ sind – weder für mich, noch für so viele andere. Dass man sie nicht einfach „akzeptieren“ muss. Dass sich grundlegend etwas ändern muss, weil es hier nicht um vereinzelte, individuelle Vorfälle geht, sondern um ein strukturelles Problem. Ja, was wäre wenn?

36 Kommentare

  1. Leslie

    Ich wurde mal von einem Freund für lebensmüde erklärt, weil ich nach einer ähnlichen Attacke völlig empört die Polizei rief. Er hatte wohl Angst noch einmal auf den Angreifer zu treffen und entscheid sich dafür, es einfach hinzunehmen…
    Und dann sind da noch die Gaffer, denen die Erleichterung ins Gesicht geschrieben steht, darüber dass ein Anderer/eine Andere diesmal das Opfer ist. Ein wichtiger Text, denn ja, es muss sich was ändern.

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  2. Constanze Zimmermann

    Ich wurde im Zug auch mal von einem wahrscheinlich unter Drogen stehenden Typen belästigt, er versuchte mich zu küssen. Ich habe auch nicht viel gemacht, als nur „NEIN!“ zu sagen. Mein Problem ist, dass ich etwas besonders schlagfertiges/cooles/“beängstigendes“ sagen will, was mir in dem Moment nicht einfällt. Bescheuert…

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    1. Constanze Zimmermann

      UND ich denke, dass wir oft immer noch diese Erziehung in uns haben, dass „Mädchen höflich und nett“ sein sollen, bloss niemanden verärgern, als blöde Zicke oder schwierig gelten wollen.

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  3. Katrin

    Krass, dass du den Beitrag grad jetzt veröffentlichst. Ich wurde am Samstag vor meiner Haustür in Neukölln von einem Mann angegriffen. Zwei Messerstiche ins Bein. Das hat er im Vorbeilaufen gemacht. Ich dachte erst er hat mich nur in den Oberschenkel geboxt und war so perplex, dass ich nichts sagen konnte Und vor allem dachte ich mir halt auch „was für n Verrückter, naja was solls.“ Erst ne Minute später hab ich das Blut bemerkt. Der Typ war natürlich weg.
    Zum Glück waren Leute da, die gleich geholfen haben.

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  4. Elena

    Liebe Julia,
    ich finde es gut, dass du das Thema ansprichst. Leider ist es mir in letzter Zeit auch das ein oder andere Mal passiert, dass ich (sexuell) belästigt wurde. In dem Moment kocht alles in mir und ich würde den Typen am liebsten einfach mal sagen, was ihnen einfällt und wie wiederlich und respektlos ihr Verhalten ist. Meine Angst ist dabei allerdings, dass die Typen dann handgreiflich werden oder mich eben in irgendeiner Art und Weise angreifen. Deshalb halte ich leider oft den Mund – und ärgere mich hinterher oft genug drüber.
    Das Schlimme daran ist aber auch, dass man sich eben nicht auf die Hilfe anderer verlassen kann, wenn der Typ handgreiflich werden sollte. Viele stehen wirklich nur ruhig daneben und warten ab. Schade, niemand sollte wegschauen.

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  5. Miriam

    Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Vor einigen Wochen war ich in Hamburg in den Ferien und wurde in einer Kneipe auf dem Kiez richtig doof angemacht von einem älteren (vermutlichen) Alkoholiker, als mein Partner auf dem Klo war und ich alleine am Tisch sass – neben der Bedienung war ich die einzige Frau in der Bar. Nun könnte man sagen, klar, junge Frau alleine (wenn auch nur temporär) in einer Kneipe auf dem Kiez, passiert halt. Ich finde aber: Nein, verdammt nochmal. Und trotzdem habe ich in der Situation nichts gesagt und sogar noch versucht, den Vorfall wegzulachen. Im Nachhinein war ich so sauer auf mich – und ja, leer. Werde auch noch darüber schreiben. Das tut einerseits gut und zeigt andererseits, dass es eben immer, überall und ständig passiert. Und nervt.

    Was tun?

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  6. Eva

    Ich denke, dass jede Frau so etwas erlebt hat oder ähnliches berichten kann. Das schlimmste für mich dabei ist, das Gefühl der eignen Hilfslosigkeit und die Blicke der „unbeteiligten“ Zuschauer. Als ob man selbst einen Fehler gemacht hätte.
    Mir fallen leider auch erst später die passenden Antworten ein. Meistens bleibe ich stumm und versuche den Typen zu ignorieren, weil ich auch Angst vor einem körperlichen Übergriff habe.
    Das traurige daran ist, dass sich gefühlt alle die Jahre nichts verändert hat. Auch meine Mutter und Großmütter können von solchen Vorfällen berichten. Sie waren sogar noch selbst Schuld daran……
    Keine Ahnung was sich in unserer Gesellschaft ändern muss, damit unseren Töchtern so etwas nicht mehr passiert.
    Vielleicht ein Umdenken, dass Frau kein reines Lustobjekt ist und Mann nicht von Natur aus überlegen……
    Diese Denkweisen ziehen sich übrigens durch alle gesellschaftlichen Schichten. Auch bei scheinbar gebildeten Menschen scheint sie weit verbreitet zu sein.

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  7. escu

    Die notwendige Gesellschaftsänderung liegt in der Mode. Bedeckten Frauen passiert sowas zu 99.9% weniger

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    1. Renate

      Ähm wie bitte ? Meine Kunderstube verbietet mir das zu schreiben Warnicke möchte! So eine Aussage macht mich unglaublich wütend.

      Ich persönlich nehme solche Angriffe nicht mehr stumm hin. Die Zeiten sind vorbei. Da überwiegt die Wut. Ich werde laut. Ich bin auch älter und denke darüber sicher anders. LG Renate

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    2. Lala

      Escu, dieser zutiefst primitive Satz kann nur aus einem Impuls heraus geschrieben worden sein: Provokation. Bitte, benutze dein Hirn. Danke. Amen.

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    3. Rike

      Na klar!!!! Hinfort mit der Gleichberechtigung!
      Das Problem war ja eigentlich schon immer der Körper der Frau, ihre Lust zur Selbstbestimmung und ihr naiver Wunsch, einfach machen zu können was sie will. Wer kann bei solchen Frauen schon den Männern die Verantwortung für ein etwaiges beleidigendes und übergriffiges Verhalten geben? Also Mädels bedeckt Euch, die Männer können ja scheinbar nicht anders.
      Oh man ich fasse es nicht…

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  8. Sibille

    Möglicherweise werden mir hier gleich Einige an die Gurgel springen wollen, aber ich versuche trotzdem, meine Message rüber zu bringen, weil sie mir am Herzen liegt.
    Dass ihr diese Übergriffe erleben musstet, tut mir wirklich aufrichtig leid und ich möchte eure Gefühle diesbezüglich nicht verletzten, sondern würdige euren Schmerz.
    Es gibt bei dieser Thematik leider nur einen Haken. Und jetzt folgt eine psychologisch-spirituelle Sichtweise auf die Problematik:
    Opferbewusstsein erzeugt leider weitere Umstände, in denen einem seine Gedankenmuster immer wieder gespiegelt werden. D.h. solange man sich als Opfer irgendwelcher Umstände fühlt, wird das Leben es einem „beweisen“ oder „spiegeln“, durch das permanente Erzeugen ebensolcher Situationen. Der Weg aus diesem Dilemma, kann nur über die Bewusstseinsebene erfolgen. Also, indem man seine (negativen) Gedankenmuster verändert und seinen Blick auf das Leben in eine andere Richtung lenkt. Indem man z.B. das würdigt, was schon gut läuft.
    Das soll nun nicht bedeuten, dass Leid und Ungerechtigkeiten nicht vorhanden sind; Ich möchte allerdings Wege aufzeigen möchte, diese zu verringern oder gar zu verändern.
    Das Verringern von Leid erfolgt nicht durch das Bekämpfen der Umstände, sondern zunächst im Akzeptieren und schließlich im Transformieren. Es gibt im Englischen einen sehr guten passenden Satz dazu „what you resist, persists“, was du bekämpfst, bleibt bestehen.
    Das bedeutet im Grunde genommen: Erst wenn ich bestimmte Umstände so akzeptiere, wie sie sind, kann ich sie annehmen. Wenn ich sie angenommen habe, kann ich sie loslassen und schließlich durch bewusste Steuerung meiner Gedankenwelt in eine konstruktive Bahn lenken. Konkret würde das bedeuten: Es bringt nichts, sich auf das Leid zu konzentrieren oder es bekämpfen zu wollen, sondern vielmehr sollte es als einen Teil des Lebens bejaht werden. Richtet man anschließend bewusst den Blick auf das, was man im Leben haben möchte, z.B. Gerechtigkeit unter den Geschlechtern oder Wertschätzung des Weiblichen, kann Veränderung geschehen. Wenn man vermehrt seinen Fokus auf das richtet, was schon gut funktioniert und sich weniger in der Suppe badet, die schlecht ist, dann wird sich die Realität automatisch anpassen.
    Wer das nicht glaubt, kann es ja mal testen. Denn: Probieren, geht über Studieren..;)

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    1. Constanze

      Ich will hier gar niemanden „gurgeln“, ABER sollte man jemandem, der sexuell belästigt wurde (von Vergewaltigung fangen wir jetzt gar nicht erst an, das wird sonst als überspitzt dargestellt empfunden) sagen „Ja, aber schau! Der Rest ist doch ganz prima! Konzentriere dich doch mal da drauf?“.

      Nach meiner Erfahrung sah ich mich nicht als Opfer, sondern den Typen als Arschloch. (Übrigens für die Kommentatorin von oben: Ich trug eine weite Jogginghose und einen Schlabberpulli. Sexy Hexi, he?)

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  9. karin

    Ich wurde mal in einem Club von einem Typen, der hinter mir stand, am Hintern und zwischen den Beinen „begrapscht“, der auf der engen Tanzfläche wohl dachte „unerkannt“ zu bleiben. Das war das einzige Mal, wo ich ohne eine Sekunde zu zögern reagiert habe – ich habe mich umgedreht, ihm mein volles Getränk über den Kopf geschüttet und ihn dann vom Türsteher rausschmeißen lassen. Er hat nicht protestiert und sein dummes Gesicht werde ich wohl nie vergessen. Aber sowas passiert traurigerweise dauernd und wie oft denkt man, naja, vielleicht war es keine Absicht..oder man kann in der Menge nicht ausmachen, wer es war..

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  10. Lina

    Ich war letztens auf einem Konzert in Begleitung eines guten Freundes. Ich wurde dort von einem Typen am Hintern begrapscht. In diesem Moment hatte ich einen Kloß im Hals, mir wurde kurz schlecht und ich konnte nicht fassen was da passiert war. Ich habe zunächst auch nicht den Mut gehabt mich meinem Kumpel anzuvertrauen, weil ich irgendwie dachte „Ach nimm das nicht so schlimm, hab dich nicht so mädchenhaft“. Schließlich habe ich mich doch meinem Kumpel anvertraut, obwohl ich dabei immer noch das Gefühl hatte, ich sei Schuld an der Situation (falls jetzt die Leute kommen mit freizügig gekleidet- ich trug normale Jeans mit weitem T-Shirt). Seine Reaktion war nur „Echt?!“. Ich bin von mir selbst enttäuscht, dass ich nicht tougher reagiert habe und dem Grapscher einfach was erzählt habe und ganz im Gegenteil sogar mir selbst noch ein schlechtes Gewissen eingeredet habe und mir innerlich gesagt habe ich soll nicht so rumzicken was ist schon dabei.

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  11. Melanie

    Liebe Julia,
    danke für diesen wichtigen und richtigen Artikel und dafür, dass Jane Wayne einen Austausch zu diesem Thema ermöglicht und ihr den Blog als Plattform für wichtige Themen wie diese verwendet! Auch hier in den Kommentaren sieht man ja leider wie viele Frauen Erlebnisse wie deine, Julia, teilen.
    Und obwohl ich so etwas sonst schweigend übergehe, muss ich noch loswerden, dass mich Aussagen wie die zur Bedeckung von Frauen und der spirituelle Ansatz zum Opferbewusstsein extrem wütend machen!!! Kommentare wie diese Suchen und Finden die „Schuld“ bei den Frauen, begründet mit einer falschen Einstellung, falscher Kleidung, unpassenden Verhaltensweisen etc. Genau diese Schuldzuweisungen (direkt ausgesprochen oder durch fehlende Hilfsbereitschaft im Ernstfall praktiziert) führen zu der Verunsicherung die die meisten von uns in solchen Situationen spüren und hier auch geschildert haben – darf ich für mich einstehen (auch wenn Andere es für übertrieben halten, es von Außen wie eine Kleinigkeit aussieht)? Ein deutliches JA als Antwort auf diese Frage ist so wichtig und wir sollten uns gegenseitig immer wieder dazu ermutigen!
    Ich habe selbst schon erlebt wie viel mehr Sicherheit man in einem bedrohlichen Moment bekommt, wenn sich nur ein einziger Außenstehender dazu unterstützend äußert und Präsenz zeigt.

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  12. Juli

    Ich nehme solche Situationen nur noch in den seltesten Fällen unkommentiert hin. Wenn jeder immer alles über sich ergehen lässt und nie den Mund aufmacht, wird sich nie etwas ändern. Wahrscheinlich bringt es auch nicht besonders viel, weil sich diejenigen, die sich daneben benehmen auch weiterhin daneben benehmen werden. Aber für mich ändert es etwas! Es fühlt sich gut an, Dinge nicht einfach über sich ergehen zu lassen, sondern den Mund aufzumachen…auch, anderen zu helfen, wenn man so eine Situation mitbekommt… Lieber krieg ich selbst eine in die Fresse, als mit dem Wissen leben zu müssen, dass ich zu feige war für jemanden einzustehen, selbst, wenn ich die-/denjenigen gar nicht kenne. Es verändert etwas mit der eigenen Selbstwahrnehmung und dem Selbstwertgefühl. Keiner hat das Recht andere in unangenehme Situationen zu bringen.

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  13. Sebastian Wultrop

    Erst Teddybären schmeißen und jetzt auf Hilfe hoffen… Und die, die dann helfen, landen im schlimmsten Fall noch selber vorm Richter oder werden in Truppenstärke zusammengetreten. (oft von einem „Familienclan“, „Jugendlichen“ oder „30 Neuköllnern“ – Das klärt mal schön mit euch selbst! Mir tun nur die Frauen Leid, die das alles geahnt haben und auf die keiner hören wollte ( die „Besorgten“, die irgendetwas oder -jemanden „hassen“). So bewahrheitet sich mal wieder: man kann zwar die Realität ignorieren, aber nicht ihre Folgen!
    Insofern versucht doch mal, auch wenn es sehr schwer fällt, die Realität (das ist dieser große rosa Elefant im Raum, den jeder sieht), überhaupt zu benennen – im ganzen Thread hat das sich das bisher noch niemand getraut. Und wohl auch deswegen wird es auch immer so weiter gehen und demnächst noch schlimmer werden, denn Berlin wird voller. Wer aus politischer Korrektheit etc. schon die Analyse nicht zulässt, findet auch keine Lösungen….

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    1. Julia

      Ich kann Dir aus eigener Erfahrung sagen, dass ich seit etwa meinem vierzehntem Lebensjahr mindestens ein Mal pro Woche von irgendeinem Typen dumm angemacht worden bin.
      Pi mal Daumen sind das also über 900 „Vorfälle“. Rein rechnerisch hatte also jede (männliche) Bevölkerungsgruppe Deutschlands die Gelegenheit, sich „auszutoben“, mehrmals.
      Angefangen mit 12- jährigen Türkenjungs, die aus dem Auto heraus „Wieviel, Baby?“ schreien, über einen deutschen Vorgesetzen, der mir dazu gratuliert, „an genau den richtigen Stellen“ abgenommen zu haben und mir (vermutlich um das zu demonstrieren) im Vorbeigehen auf den Hintern haut, über einen kanadischen Austauschstudenten, für den Nein defintitiv nicht Nein hieß.
      Ist mir latte, wo der Typ her kommt, der mich wie ein Stück Fleisch behandelt. Ich möchte einfach, dass er das nicht macht.

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  14. e.

    ja, es wäre schön, das man mal klar aussprechen würde / könnte / dürfte, was eigentlich das vordergründige Problem ist und der Text deutet es ja schon an… Ich habe aus ähnlichen Gründen meine Arbeit in einem Flüchtlingsheim aufgegeben…

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  15. Eva

    Für mich gibt es hier nur eine Wahrheit, die es zu benennen gilt: sexuelle Belästigung begründet sich auf dem Umstand, dass wir in einer Welt leben, in der Frauen wie eine minderwertige Randgruppe behandelt werden – dabei sind 50% der Weltbevölkerung weiblich. Die Tatsache, dass Männer sich als Frauen überlegen sehen und entsprechend handeln ist omnipräsent (siehe Trump), zieht sich durch alle Klassen und Kulturen und ist sicher kein Phänomen, dass sich erst in den letzten Jahren bemerkbar gemacht hat. Und ja, noch erschreckender als diese Tatsache selbst finde ich, wie oft ich mich selbst ertappe dies als Umstand, den man eben toleriert hinzunehmen. Es ist aber eben nicht normal!

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  16. Sara

    Hallo Sebastian, was soll diese unterschwellige rechte Proganda?
    Nur böse Flüchtlinge und Migranten belästigen Frauen? Sexuelle Belästigung existiert erst seit 2015 und gab es vor den ersten „südländischen“ Migranten in den 60ern überhaupt nicht? Ehrlich jetzt?
    Lass dir von einer jungen deutschen Frau sagen, dass wir Frauen genauso auf Dorffesten und dem Oktoberfest sowie jedem anderen Fest von weißen Männern in jeglicher Form belästigt werden, auch in Clubs, oder beim Sport in der Schule. Wir sprechen/ Ich spreche da aus Erfahrung. Es geht mir nicht um Relativierung, sondern um Tatsachen. Dein Kommentar hat hier nichts verloren.
    Und an e.: Sorry, dass du schlechte Erfahrungen im Heim gemacht hast. Aber du solltest nicht verallgemeinern. Was sollen die Thaländerinnen oder Philippinas über unsere Männer sagen?

    LG, Sara

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  17. Johanna

    Sehr passend dazu der neue Text auf FICKO: http://ficko-magazin.de/billie-im-bann-der-daemonen-was-passiert-ist-seit-ich-grapscher-schlage/

    Ich finde, (psychische und phsysische) Gewalt darf (physische) Gegengewalt erzeugen. „In einer Situation, in der wir sowieso eher am unteren Ende der Nahrungskette stehen, was sexualisierte Übergriffe betrifft und wir uns dessen auch ständig bewusst sein müssen, geht es um pragmatische Lösungen.“ Wenn das bedeutet, dass man jemanden wegschubst oder ihm eine knallt, dann ist das eben so. Wenn solche Typen öfter diese Reaktionen bekommen würden, würden sie es sich zweimal überlegen, ob sie es wieder tun.

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  18. Elsie

    Interessanter Thread, aber mir fehlt ein Aspekt: So gut wie alle hier geschilderten Übergriffe kamen von Typen, die offenbar irgendwie aus der Spur waren – sei es durch Alkohol, Drogen, geistig/psychische Störungen. Aus meiner Sicht haben solche massiven Übergriffe nur bedingt mit fehlender Wertschätzung für Frauen zu tun, sondern eher mit den vielen kaputten Typen, die unterwegs sind.

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    1. Johanna

      Deswegen muss man sich solches Verhalten aber nicht eher gefallen lassen. Das „Motiv“ ist ja erst mal wurscht – wenn man will, dass so etwas nicht wieder passiert, muss man dafür sorgen, dass solches Verhalten öfter Konsequenzen für die Typen hat.

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  19. Elsie

    Schon klar, das sehe ich genauso wie Du und habe es ja auch nicht in Abrede gestellt. Mir ist das Motiv für solche Beleidigungen oder Körperverletzungen letztendlich egal und das Ziel muss sein, diese Typen zu stoppen. Mir ging es nur darum, einer Verallgemeinerung wie „…dass wir in einer Welt leben, in der Frauen wie eine minderwertige Randgruppe behandelt werden“ etwas entgegenzusetzen. So sehe ich unsere Welt nicht, und so sehe ich schon mal gar nicht meine Position als Frau.

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  20. e.

    …und wieder wird relativiert und daher schweige ich weiter, bevor ich mich öffentlich als „unterschwellig rechts“ (habe selber Migrationshintergrund) bezeichnen lassen muss, wenn ich über kulturelle Probleme rede, die noch stärker und allgemeiner ausgeprägt sind als bei Männern der westlichen Welt, denn die Kulturen, in denen Frauen sich verhüllen müssen und nur als Mütter fuktionieren müssen, die für Ehebruch gesteinigt werden obwohl sie vergewaltigt wurden, dem Mann Leibeigen sind, wo Homosexuelle gefoltert und ermordet werden, etc. – diese Kulturen verbreiten sich hier gerade und wir schauen nur zu und sagen kaum was, obwohl die Benennung all dieser Tatsachen nicht im geringsten mit Rassismus zu tun hat!
    aber das kommt ja nicht an 🙁

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  21. Ava

    Wenn mir sowas passiert, hat der Typ in der Regel nach 5 Sekunden eine sitzen. Aber so richtig. Von einem gehauchten „Hey, was soll das“ hat sich noch niemand abschrecken lassen. Sorry to say, aber ist leider so.
    Wer wie ein eingeschüchtertes Opfer wirkt, ist eines.
    Meine Erfahrung.

    Mädels, wehrt euch! Kampfsport, Selbstverteidigung, egal was.
    Also nicht nur piepsig Stopp rufen, sondern gleich zuschlagen/mit Schmackes wegschubsen/etc..
    Auch wenn’s erst Überwindung kostet. Es wirkt.
    Ich unterschreibe den weiter oben verlinkten Beitrag zu 100%.
    LG Ava

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  22. Vivienne

    Ich lese das erst jetzt. Dein Artikel spricht ein wichtiges Thema an. Einmal bin ich nachts um drei auf einem U-Bahnhof in Berlin von drei Typen eklig angemacht worden (haben mir obszön beschrieben, welche sexuellen Handlungen sie mit mir machen wollen). Dabei war besonders einer der drei ganz besonders aufdringlich und hat mich versucht zu begrabschen. Ich habe dann zwei Männer mittleren Alters angesprochen nach dem Motto „Ich werde belästigt. Bitte helfen sie mir.“ Unglaublicherweise haben sie sich weggedreht und mir geantwortet „Wir wollen damit nichts zu tun haben.“ Die hatten wohl Angst, dass die Typen ihnen etwas tun. Am anderen Ende des Bahnhofes saß dann eine junge Frau, die mir beigestanden hat. Wir haben uns einfach auf englisch unterhalten und die Typen ignoriert. Da haben meine Verfolger nichts mehr verstanden und mich dann endlich in Ruhe gelassen.
    Aussteigen musste ich trotzdem allein. Ich bin nach hause gerannt, weil ich Angst hatte, verfolgt zu werden und zuhause in Sicherheit habe ich dann geweint.
    Ich habe in New York, Berlin und Paris gelebt und kann mich an einige unangenehme Vorfälle erinnern. Das was du beschreibst passiert vielen Frauen, jeden Tag, überall.
    Ich bin vor einem halben Jahr Mama geworden und eine wichtige Lektion, die ich meinem Sohn beibringen möchte, ist Zivilcourage. Ich hoffe, er wird eines Tages anderen Menschen beistehen, wenn sie Hilfe benötigen. Man muss dabei ja nicht aggressiv dabei auftreten. Vielleicht einfach hingehen und so tun als kenne man die Person, die dort belästigt wird oder andere Menschen mit ins Boot holen. Stellt euch vor eine Frau wird belästigt und um sie herum stellt sich eine schützenden Traube aus Menschen. Wie würden die Belästiger da reagieren?

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  23. Verena

    Mich trifft dieses Thema seit so vielen Jahren mitten ins Herz. Ich denke mich kaputt daran , es macht mich ganz krank.
    Die Menschen lagen falsch, als sie nach weißen und schwarzen Menschen unterschieden. Und sie liegen alle falsch, nun, da sie die Menschen in weiblich und männlich trennen.

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