Slow Sunday // Emotional Decluttering #2 – Um wen geht es hier eigentlich?

21.05.2017 Slow Sunday

Gerne würde ich euch jetzt den vor vier Wochen in Aussicht gestellten Fahrplan für emotionales Decluttering vorlegen. Kann ich aber nicht. Genau genommen bin ich kaum ein Stück weiter gekommen, seit ich mir vorgenommen habe, etwas Licht in meine völlig verknotete Gefühlswelt zu bringen. Die Sache ist (Surprisesurprise!) einfach ein sehr komplexes Thema.

So vielschichtig und tief verwurzelt sind sie, unsere Emotionen – und nur mit sehr viel Geduld zu entwirren. Oft habe ich zum Beispiel das Gefühl, dass ich keine Kontrolle darüber habe, was sich alles so in meinen Kopf verkriecht, sich dort festklammert und mir mein Leben schwer macht. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass das zwar der Status Quo ist, dass dieser sich aber verändern und steuern lässt. Denn man kann sehr vieles sehr wohl entscheiden – auch, wer und was sich in das eigene Leben drängt bzw. wem wir alles so Zutritt gewähren. Mein erster Ansatzpunkt war es, also herauszufinden, aus welchen Richtungen meine Emotionen durcheinander gewirbelt werden. Oder anders gesagt: Um wen geht es da eigentlich ständig in meinen Gedankengängen? 

Denn: Wenn ich sage, ich bin kaum ein Stück weiter gekommen, so muss ich hinterherschieben, dass dieses „kaum“ sich trotzdem wie „eine Menge“ anfühlt. Nachdem ich nun meine Liste weiter auseinandergedröselt hatte, war klar, dass nur etwa 15 Prozent meiner Gedankengänge tatsächlich mit mir, meinem Leben und meinem Wohlbefinden zu tun haben. Das heißt aber nicht, dass es nicht viel mehr gäbe, über das man vortrefflich grübeln könnte – nur gebe ich mir selbst eben nicht ausreichend Raum dazu. Es ist kein Platz im Kopf, zu viel ist vollgestopft mit irgendwelchen anderen Dingen, von denen man eigentlich gar nicht so genau weiß, wie sie sich so unbemerkt ins Hirn schleichen konnten.

Richtig klar geworden ist mir das in einer eigentlich nicht sonderlich wichtigen, aber sehr aufschlussreichen Alltagsbegegnung. Einem dieser kleinen Ärgernisse, denen man vermeintlich nicht viel Platz gibt, die aber unbemerkt im Hintergrund einiges an Kapazitäten beanspruchen.

Ich habe eine schreckliche Nachbarin. Die Frau nimmt oft meine Pakete an, soweit so gut. Leider ist sie wahnsinnig genervt von meinen Paketen, oder davon, dass sie sie annehmen „muss“. Keine Ahnung, was ihr Problem ist, vielleicht ist ihr Flur so klein, vielleicht hat sie einfach keinen Bock und kann aber auch nicht Nein sagen, auf jeden Fall habe ich sie nicht um ihren „Service“ gebeten und habe keine Lust, mich wie eine Schwerverbrecherin zu fühlen, nur weil ich Dinge im Internet bestelle und ab und zu vor die Tür gehe. Doch ungefähr diesen Vorwurf macht sie mir mit ihrer passiven Art, mit ihrem grimmigen Gesichtsausdruck und ihren schnippischen Bemerkungen, die nicht so richtig offen und grade heraus genervt und beleidigend sind, aber eben doch richtig unfreundlich und einfach völlig unangebracht. Und eben genau diese irritierenden Begegnungen spuken nun schon seit Wochen knapp unter der Oberfläche des Wahrnehmbaren in meinem Kopf herum. Ich bin völlig entnervt, wenn ich wieder einen Abholzettel im Briefkasten habe, fahre mich innerlich schon hoch, bevor ich mich überhaupt auf den Weg zur nächsten Haustür mache und bin unterschwellig leicht dauergestresst, wenn sich ein Paket ankündigt, ich aber voraussichtlich nicht zu Hause bin.

Jetzt kommt aber das Entscheidende, das sich anhand dieses banalen Beispiels recht schön erkennen lässt: Meine Gedanken führen ins Nichts, sie sind fremdgesteuert und von vorne bis hinten negativ. Sie drehen sich einzig und alleine um die Frau, um ihre unmögliche Art, darum, wie unfreundlich sie ist und die ewige Frage, warum sie so ist. Dabei könnte mir das so herrlich egal sein. Konstruktiver und zielführender wäre es, wenn ich mich ausschließlich damit beschäftigte, wie ich mich fühle, welche Veränderungen ich mir wünsche und wie ich diese umsetze. Schon, wenn ich mir diese Erkenntnis im Geiste vorbete, wird die Negativität beherrschbar. Sie gibt mir meine Handhabe zurück und damit die Chance, dieses „Problem“ aus der Welt zu schaffen. Als sich die Gute also das nächste Mal über ein Paket echauffiert hat, habe ich ihr mit einem breiten Lächeln gesagt: „Wissen Sie was, das ist ja gar kein Problem. Nehmen Sie doch einfach keine Pakete mehr von mir an. Ich fahre gern zum Kioskm um sie da abzuholen. Dann haben Sie das aus den Füßen.“ Sie war irritiert, ein bisschen sauer, konnte aber nur schwerlich verneinen, ohne aus der Rolle zu fallen. Ich bin sie los. Was war passiert?

Ich habe die Negativität, die von außen in mein Leben getragen worden ist, die man mir aufgedrängt habe, erst zur Kenntnis genommen, dann lokalisiert. Dann habe ich entschieden, dass ich sie nicht haben möchte – und habe sie dem Adressaten zurück gegeben. Annahme verweigert. Eine Blaupause für mich, die ich nun öfter anwenden möchte. Klar, je größer die Emotionen, je verzwickter und bedeutender die Beziehung, desto schwieriger wird die Sache. In meinem vergleichsweise wenig relevanten Beispiel gab es da eine naheliegende Reaktion. Trotzdem vermute ich, dass man diese Methode auf alle großen und kleinen Hindernisse im Leben anwenden kann.

In Step 2 meiner Emotional Decluttering Phase möchte ich also nun meine Liste an Dingen, die mich beschäftigen, in die Bereiche Job, Familie, Partnerschaft, Freizeit und Wünsche bzw. Träume einordnen. Dann möchte ich mir zunächst 3 in sich verworrene kleine Gefühlsexplosionen anschauen und nach der am wenigsten kraftaufwendigen Lösung suchen. Ich will dabei aber einzig und alleine für mich das Problem aus der Welt schaffen.

Wenn also meine Tante sich ständig halb-lustig-halb-ernst in meine Beziehung einmischen will und mich nur aus diesem Grund regelmäßig anruft, dann muss ich sie wohl sanft an die Hand nehmen und sie gemeinsam hinter meine persönliche Grenze ziehen, wo sie dann bitte für immer stehen bleiben soll.

Oder wenn immer die gleiche Kassiererin im Supermarkt wahnsinnig unfreundlich ist, dann sollte ich ihr vielleicht sagen, dass mich ihr Verhalten stört. Ein einfaches und ehrlich interessiertes „warum sind sie eigentlich so unfreundlich?“ kann hier wahre Wunder wirken. Wegen dieser schlichten Frage habe ich eine sehr irritierende Service-Mitarbeiterin schon in Tränen ausbrechen sehen (zugegebenermaßen habe ich die Frage in dieser Situation nicht selbst gestellt, war aber sehr überrascht, welche Wirkung sie haben kann).

Ich möchte mich bei jedem Gedankengang, der mir durch die Hirnrinde geistert, ganz bewusst fragen, um wen es hier eigentlich geht und wie ich den Fokus dabei wieder auf mich richten kann. Ich habe gelernt, von der Gegenseite Emphatie und Entgegenkommen zu erwarten – und wenn das nicht passiert, enttäuscht zu sein, aber mich nicht zu Wort zu melden. Es ist Zeit, das zu ändern. An der Zeit, Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Raus mit euch aus meiner Rübe.

Collage: We and the Colour & Another Mag.

21 Kommentare

  1. Kathrin

    Liebe Julia,
    Sicher ein richtiger Ansatz, solche schwelenden Konflikte direkt anzusprechen, um ihnen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Aber dieser Satz macht mich doch ein bisschen nachdenklich: „Wegen dieser schlichten Frage habe ich eine sehr irritierende Service-Mitarbeiterin schon in Tränen ausbrechen sehen …“ Ist das wirklich das Ziel? Ich schätze mal, Freudentränen waren es nicht? Wer weiß denn schon, was die Kassiererin privat beschäftigt – von den vermutlich nicht allzu tollen Arbeitsbedingungen mal abgesehen. Mir kommt es in dieser Situation gütiger vor, einfach freundlich zu sein und, anstatt das Verhalten auf sich selbst zu beziehen, mal zu versuchen sich in die andere Person hineinzuversetzen.
    Vielleicht hat sich ja deine schnippische Nachbarin auch einfach eine Geste der Dankbarkeit erhofft, anstatt als selbstverständlich angesehen zu werden. Ich kenne das schon selbst, dass man gerne mal seinem Ärger Luft machen möchte, aber versuche inzwischen einfach „the bigger person“ zu sein, in eigentlich allen Fällen kommt Freundlichkeit auch zurück. Wie du selber schreibst, du hast keine Ahnung was „das Problem“ deiner Nachbarin ist, aber anstatt dich zu ärgern, wäre es ja auch möglich sie etwas kennenzulernen und zb herauszufinden, warum sie denn immer daheim ist und ob du nicht im Sinne von guter Nachbarschaft auch was für sie übernehmen könntest.
    Liebe Grüße!

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      1. Tine

        Und ich ebenso!

        Und, mal ganz nebenbei, wenn jemand immer meine Pakete annehmen würde, ich würde mich irgendwann mit einer Kleinigkeit dafür bedanken. Da geht es nicht um das materielle, sondern um die Geste.

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    1. Julia Jane Artikelautor

      Liebe Kathrin,

      natürlich ist es nicht mein Ziel andere zum Weinen zu bringen, das habe ich aber auch nicht so geschrieben. Wenn jemand unfreundlich zu mir ist und ich ihn freundlich (!) darauf hinweise und dann mein Gegenüber anfängt zu weinen, sehe ich da nicht, wo ich einen Fehler gemacht habe. Du hast geschrieben „es macht dich nachdenklich“, aber was genau meinst du denn damit? Hättest du die Frau nicht gebeten freundlicher zu sein? Das würde mich wirklich interessieren <3
      Und du würdest tatsächlich versuchen eine Nachbarin, die immer unfreundlich zu dir ist, näher kennenzulernen, weil es sein könnte, dass sie private Probleme hat? Vielleicht haben wir da einfach unterschiedliche Meinungen. Ich sehe mich nicht in der Pflicht darüber hinweg zuschauen, wenn andere zu mir unfreundlich sind und mich dann auch noch ihren Problemen anzunehmen. In Wahrheit ist es nämlich meiner Meinung nach so, dass sich die Nachbarin nicht traut dem Postboten zu sagen, dass sie keine Pakete mehr für mich annehmen möchte und dann macht sie dieses Problem aber zu meinem. Klar, es ist nicht leicht immer zu sagen, was man möchte und reflektierend zu sein, aber dann auch noch zu anderen unfreundlich zu sein finde ich einfach daneben.
      Ich empfinde es übrigens auch so, dass man in der Tat "the bigger person" ist, wenn man anderen freundlich mitteilt, dass sie sich gerade falsch verhalten, anstatt zu Beispiel zurück blöd zu sein oder sich den ganzen Tag zu ärgern. Mir das aber einfach gefallen lassen ist mir gegenüber auch nicht fair. Aber es kann ja auch sein, dass du besser darüber hinwegsehen kannst..aber auf jeden Fall danke ich für deinen Kommentar.

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      1. Kathrin

        Liebe Julia,
        eigentlich fand ich meinen Kommentar recht verständlich, aber ich kann es gerne etwas deutlicher formulieren, versuche dabei mich kurz zu halten:
        – Wenn es nicht das Ziel ist, warum bringst du es dann in deinem Text? Ohne weiteren Kommentar, nachdem du erklärst, dass du es für eine angebrachte Strategie hälst?
        – Nein, hätte ich nicht. Solange sie ihren Job macht, geht mich ihre Person echt nichts an. Falls du jemals im Service irgendwo gearbeitet hast, weißt oder wüßtest du, wie stressig das ohnehin sein kann, das Letzte was man da braucht sind Kunden, die einen persönlich angreifen. Und es ist egal, wie du es formulierst, es bleibt ein Angriff auf eine Person, die du überhaupt nicht kennst. Wie andere hier treffend bemerkt haben: distanzlos – und ich finde auch: anmaßend.
        – Ja würde ich tatsächlich! Nachdem du ja offenbar sehr häufig Pakete bestellst (es aber als selbstverständlich ansiehst, dass Paketbote, der dich nicht erwischt, und Nachbarin da ihren Teil tun, anstatt dir eine Empfangsbox -oder was auch immer die Post bei dir im Angebot hat- zu organisieren; „in Wahrheit“ bist ja doch du selbst der Auslöser der ganzen Chose) wäre es, wie bereits geschrieben, mehr als angebracht, sich in irgendeiner Form zu bedanken, und bei der Gelegenheit freundlich über das Thema zu sprechen und ja, sich kennenzulernen. Kann nicht schaden, seine Mitmenschen zu kennen, erfordert halt etwas Empathie.
        – Da hast du offensichtlich was missverstanden, wenn die einzigen Handlungsmöglichkeiten für dich blöd zurückreden oder ein persönlicher Angriff sind und du denkst, du wärst „the bigger person“. Wie gesagt, steh drüber (Stichwort: check your privilige) und sei besonders freundlich zu dieser Person, sie wird es dir danken und es kommt über kurz oder lang zurück.

        Du schreibst: „Ich will dabei aber einzig und alleine für mich das Problem aus der Welt schaffen,“ scheinst dabei aber vollkommen blind dafür zu sein, dass du auf dieser Egoschiene möglicherweise verletztend oder unhöflich zu anderen Menschen bist, wodurch erstrecht neue Probleme entstehen.

        Liebe Grüße

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        1. Julia Jane Artikelautor

          Wow, Kathrin, ich sehe da bei uns wirklich keine Überschneidungen, was dieses Thema angeht. Distanzlos und anmaßend, weil ich jemanden darauf hingewiesen hab, dass er unfreundlich ist? Finde ich absolut nicht nachvollziehbar und empfinde eher deinen Kommentar als aggressiv und völlig überzogen. So negativ, so schade. Du scheinst nicht an einem echten Austausch interessiert zu sein und ich jetzt ehrlich gesagt auch nicht mehr.

          Viele Grüße,

          Julia

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  2. Lara

    Liebe Julia,

    Andere sind nicht dafür zuständig, deiner Erwartungshaltung zu entsprechen.
    Umgekehrt gilt natürlich das Gleiche.
    Zu diesem Thema hat Rolf Betz einige Bücher geschrieben, nur mal als kleine Anregung.
    LG

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    1. Julia Jane Artikelautor

      Liebe Lara,

      vielen Dank für deinen Buchtipp.
      Ich empfinde es durchaus so, dass ein gewisses Maß an Höflichkeit und Freundlichkeit durchaus die Aufgabe von jedem von uns ist. Das ist für mich auch keine Erwartungshaltung, sondern die Basis, die das tägliche Miteinander erträglich und friedlich macht.

      Viele Grüße,

      Julia

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  3. Marie

    Und wie ICH den Fokus WIEDER auf MICH … ob ein ständiges und ausschließliches kreisen um die eigene Gefühlswelt so super hilfreich ist, wage ich stark zu bezweifeln. Und das Problem sind auch nicht immer und ausschließlich die anderen. (1. Kindergarten Jahr)

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  4. Kristiane

    Was mir persönlich geholfen hat, war mir bewusst zu machen, dass jeder ein ‚Paket‘ mit sich rumträgt. Eines, dass man niemandem ansehen kann. Du kannst nicht wissen was Deinem Gegenüber 5 Minuten zuvor geschah, oder wie sein Alltag im Ganzen ausschaut. Obenauf eine ordentliche Portion Mitgefühl und das Miteinander kann (nicht muss) sich freundlicher gestalten.
    Denn was mir zudem weiter geholfen hat, war mir klar zu machen, dass mir dort draussen niemand etwas schuldig ist. Auch keine Freundlichkeit oder Höflichkeit. Wenn ich diese im Miteinander und von unserer Gesellschaft erwarte, kann ich nur bei mir ansetzen. Alles andere macht – wie Du es auch beschreibst – mürbe.

    Am Ende macht dann der Ton die Musik. Mit einem Lächeln und Freundlichkeit bewaffnet lässt sich fast jede Situation drehen oder zumindest verbessern. Das klappt nicht immer, muss es aber auch nicht. Aber einen Heulkrampf möchte ich beim Gegenüber nicht auslösen.

    Was die eigenen Gedanken und Emotionen angeht tut mir Distanz gut. Ich bin nicht meine Gedanken. Und den inneren Monolog – meinen Quatschi – weise ich mal mehr mal weniger gut in seine Schranken.
    Zum Glück lässt sich unser Selbstbewusstsein schulen und ausbauen, sodass man im nächsten Schritt auch alte, angelernte oder anerzogene Muster loswerden kann. Mir hat dabei Herr Fromm zur Seite gestanden.

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  5. Lena

    Die Passage mit der Mitarbeiterin des Supermarktes finde ich sehr bedenklich. Ersten: Andere sind wirklich nicht für Deine Erwartungen zuständig. Null. Das ist völlig Dein Thema. (Vielleicht ist die Frau im Supermarkt einfach so? Es gibt durchaus Menschen, die einen anderen Sinn von Freundlichkeit haben oder aus diverse Gründen einfach nicht anders können – man könnte ewig diskutieren). Und Zweitens: Man weiß nie was dahinter steckt und gerade, wenn es sich um fremde Menschen handelt wie eben eine Nachbarin, die man nicht kennt, oder eine völlig fremde Frau im Supermarkt – Vorsicht. Ich bin in zwei Monaten fertige Sozialarbeiterin (arbeite aber seit 6 Jahren mit Kindern, Jugendlichen, Menschen mit Behinderung etc.) und so ungefähr das schlimmste, was man machen kann ist, ohne eine Beziehung zu den Menschen (gerade bei der Frau im Supermarkt) ein sensibles Thema ansprechen. Da gehört auch Freundlichkeit dazu – weil es manchmal Gründe gibt, die man sich gar nicht vorstellen kann. Sprech mal jemand so an und treff den falschen Nerv… da sind schon ganz schreckliche Sachen passiert, die Kolleginnen oder Kollegen von mir nicht haben schlafen lassen. „Ist doch nicht schlimm.“ – Tja, das weiß man eben nie. Man sollte niemanden mit Samthandschuhen anfassen. Aber ohne eine Beziehung zu den Menschen eine gewisse Distanz wahren bei bestimmten Themen. Ich wäre da also vorsichtiger, ich nehme auch viel aus meiner Arbeit und meinem Studium mit in mein Privatleben (bei uns kann man nicht gut trennen teilweise) und die Rückmeldungen sind positiv auf mein Verhalten, sei es im privaten als im beruflichen Kontext. Und wenn man näher drüber nachdenkt, ist mit der Tür ins Haus fallen in mehr Situationen schlicht und einfach scheiße als gut. Und das Thema mit der Erwartung: Da kann man ganze Doktorarbeiten drüber verfassen. Aber letztendlich liegt es bei einem selbst, egal wie komplex das Thema ist. Wieso, weshalb, warum – vllt hat schon jemand dazu geschrieben, angerissen habe ich es in Psychologie.

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    1. Julia Jane Artikelautor

      Mhmm…liebe Lena, ich persönliche finde deinen Ansatz etwas befremdlich. Demnach kann man ja nie jemandem etwas sagen oder ehrlich sein? Zumal reden wir hier auch nicht von einem Kind, einem Jugendlichen oder einem behinderten Menschen (wobei ich jetzt auch hier nicht sehe, warum man nicht sagen sollte, wenn einen etwas stört), sondern von gesunden und erwachsenen Menschen. Du schreibst auch, dass man niemanden mit Samthandschuhen anfassen sollte, aber gewisse Themen seine Distanz wahren. Ich habe jemandem gesagt, dass ich ihn sehr unfreundlich finde – inwiefern ist das ein „gewisses Thema“? Ich finde es verrückt, dass du unter meinen Text diesen Kommentar schreibst, da haben wir uns wohl entweder gehörig missverstanden oder liegen in unsere Herangehensweise extrem auseinander. So oder so, danke für deinen Input <3

      Antworten
      1. Lena

        Ich glaube wir reden eventuell aneinander vorbei. Das ist wohl ein Thema, über das man reden muss und nicht schreiben. Vielleicht habe ich mich auch zu wage ausgedrückt – kann sein. Ich weiß ja, was ich meine, da ist es manchmal schwer das auch so rüber zu bringen. Naja. Es ist ein gewissen Thema, weil´s Leute gibt (und davon nicht wenige) die Probleme haben mit Freundlichkeit und anderem sozialen Verhalten. Außerdem: Was ist freundlich, was ist unfreundlich? Da kann man über Sozialpsychologie und Psychologie allgemein reden und ist Wochenlang beschäftigt. Und das mit den Jugendlichen etc. habe ich nur erwähnt, um deutlich zu machen, dass ich in dem Feld arbeite, mehr nicht. Natürlich kann man das jedem Menschen sagen. Aber eben, wenn eine gewisse Beziehung da ist. Meiner Meinung nach. Ich finde es einfach schwierig, jemand völlig Fremden so etwas zu sagen. Aber das ist auch nur meine Meinung. Natürlich soll man ehrlich sein und auch sagen, wenn einen etwas stört. Das mache ich auch, bei der Arbeit und im Privaten. Aber der Rahmen drum herum macht viel aus – finde ich. Grüße

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        1. Julia Jane Artikelautor

          Hi Lena,

          mhm..okay habe es jetzt glaube ich etwas besser verstanden. Ich behalte deine Gedanken einfach mal im Hinterkopf, auch wenn ich es nach wie vor schwierig finde zu wissen, welche Themen du jetzt meinst und welche nicht. Aber das ist ja auch nicht schlimm, man muss ja nicht immer einer Meinung sein.

          Liebe Grüße,

          Julia

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  6. Mimi

    Ohne dir zu nahe treten zu wollen, aber bei deinen Texten in letzter Zeit bekommt man das Gefühl, dass du gerade ziemlich in der „Ich-Blase“ festhängst.

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    1. Julia Jane Artikelautor

      Liebe Mimi,

      möchtest du das vielleicht einmal erläutern? Also was genau ist eine Ich-Blase, inwiefern hänge ich deiner Meinung nach darin fest und warum ist die Beschäftigung mit Dingen, die mich, mein Leben und mein Verhalten beeinflussen etwas negatives? Zumindest hatte ich das Gefühl, dass du das negativ findest.

      Freue mich auf deine Antwort.

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  7. Yaya

    Hallo, ich kommentiere hier nicht so oft, aber bei mir ist der Text ganz anders angekommen als bei meinen Vorkommentatorinnen. Ich habe für mich persönlich mitgenommen: Lass dich von der Stimmung anderer nicht so herunterziehen, denk nicht ständig über negative Begegnungen nach, zerbrich dir nicht den Kopf darüber, wenn dich jemand nicht fair behandelt. Und wenn du dir schon den Kopf zerbrichst: Sprich denjenigen darauf an, bzw. signalisiere ihm einfach, wie du dich fühlst aufgrund seiner Worte oder Aktionen.
    Und das ist für mich total okay, hat nichts mit „Ich-Blasen“ oder dem Verletzen von Menschen mit ernsten Problem zu tun.
    Nur meine paar Cents 🙂 LG

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    1. Veronika

      Da schließe ich mich an, so habe ich den Text auch aufgefasst und wenn man Julias Texte bisher gelesen und verstanden hat, kann man diesen sehr gut einordnen, finde ich. Und interpretiert da weder Egoismus noch Anmaßung hinein, sondern Sensibilität gegenüber ihrem Umfeld und ein hohes Maß an Selbstreflexion.
      Ich kann das Beschriebene auf jeden Fall nachempfinden und bin auch der Meinung, dass eine gewisse Grundhöflichkeit & Freundlichkeit gegenüber anderen im Alltag wie ein kleines Polster wirkt, das den Umgang miteinander wesentlich angenehmer gestaltet. Gerade auch in der Stadt macht das einen großen Unterschied bezüglich der Lebensqualität aus (insbesondere wenn man etwas sensibler ist und nicht teflonartig vieles an sich abperlen lassen kann- schön für die, die das können) ist aber leider allzu oft Mangelware…

      Antworten

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