My Life is a Mixtape // 21 Lieder von
damals bis heute mit… Sarah Jane

01.06.2017 um 11.44 – Musik Wir

In My Life is a Mixtape nehmen wir euch mit auf eine ganz persönliche Reise durch unser Leben, ein Blick in unser Tagebuch quasi, denn in wirklich jedem Song steckt irgendeine wunderbare bis schmerzliche Erinnerung. Als Nike Jane vor wenigen Wochen startete und euch ihr Mixtape kredenzte, fielen mir auf anhieb 40 Lieder ein, die ich vom Fleck weg mit euch teilen wollte: Seit gestern Nachmittag sitze ich nun schon an meinem ganz persönlichen Mixtape und fahre eine emotionale Achterbahn, die ihr glücklicherweise nicht nachvollziehen müsst. Aber dennoch: Irgendetwas reinigendes, großartiges und magisches steckt in dieser Auflistung sämtlicher Song von damals bis heute und ich kann nur jedem ans Herz legen, es uns gleich zu tun und einmal genau zu notieren, welches Lied wann was auslöste, welche Momente ihr damit verbindet und wie verrückt die Zeit doch war. Wie Nike schon sagte:

Jeder von uns trägt schließlich eine ganz persönliche Speicherplatte mit sogenannten Life-Hits mit sich herum. Die müssen gar nicht alle schön sein, Ehrlichkeit zählt viel mehr. Deshalb schließe ich mich hier fix an und kredenze euch Mixtape #2, das irgendwie zu lang ist, indem trotzdem so viel fehlt:

1. Die Kindheitserinnerung

Mein Vater klopft mit seinen Händen aufs Bein und pfeifft. Zugegeben, das tat er eigentlich immer, wenn ihm ein Lied gefiel. Aber bei diesem Song ist die Erinnerung daran besonders stark. Meine Schwester dreht die Anlage auf und ich sehe Phil Collins mit seinen Band-Kollegen durch einen weißen Raum marschieren – weiter reicht die bildliche Vorstellung der Situation nicht mehr. Ich weiß bloß, dass mein Papa später immer betonte, dass er den Song gar nicht so sehr möge. „I can’t dance“ von Genesis ist das Lied, das mir so sehr im Gedächtnis geblieben ist, wie sonst nur Pink Floyd mit „Wish you were here„. Ich war 4.

2. Der erste große Auftritt

Hachen, 1993. Meine Familie und ich leben im Sauerland und ich erinnere mich als wäre es gestern gewesen. 4 Non Blondes schaffte es auf die Best-Of-Doppel-CD der Bravo Hits 93 und lief bei mir rauf und runter in der Doppelgarage meines Vaters, die zugleich Werkelraum war. Es hallte dort besonders gut und hatte eine Mikrophon-artige Power. Trotzdem schrie ich mir natürlich die Seele aus dem Leib und performte, was das Zeug hielt. Es war zugleich das Jahr des Umbruchs, denn in dem Jahr trennten sich meine Eltern und wir zogen ins Rheinland. Was ich damals nicht ganz verstand, gar schlimm fand, sollte der Soundtrack für eine große Veränderung werden.

3. Ach, Viva!

Bei uns daheim gab’s bloß eine Handvoll Sender, aber in der Junggesellenbude meines Vaters gab es alles: Einen PC, ein riesiges Wohnzimmer zum Performen, zum „Mila Superstar mit Luftballon“-Nachahmen, prickelnden Eistee aus Dosen – und Viva! Ein wahr gewordener Traum also. Und im Fernseher lief Donna Lewis mit „I love you alway forever“. Ich singe das Lied heute übrigens noch immer so, wie damals: Denglisch deluxe.

4. Höher!!!

Ein My First Sony Kassetten-Rekorder samt Mikro und ein Dachfenster, in dem ich mich bei Dunkelheit spiegeln konnte, reichten meiner Schwester damals aus, um die perfekte Performance mit mir zu üben. Es lag Mariah Careys Album im CD-Player und „Hero“ lief rauf und runter, mit Ausnahmen von „Stopp, nochmal“- und „Höher“-Einwänden von Kristin. Ich weiß nicht genau, wie meine Mutter diese gesanglichen Höllenqualen ertragen hat, aber es tut mir bis heute aufrichtig leid. Wir jedenfalls waren fest davon überzeugt, dass meine Schwester noch eine ganz große Sängerin aus mir machen könnte.

5. 1997 schon wissen, wie der Mann der Träume aussieht

Isaac Hanson, der Mann meiner Träume mit 10. Was war da los? Entweder die Jungs trugen Pottschnitt oder die erste Gel-Helikopter-Frisur. Aber lange Haare? Hach, Isaac. Ich war zum ersten Mal schwer verliebt. Offensichtlich hat sich schon damals mein !Männer-Typ“ manifestiert, denn auch der Liebste von heute trägt langes Haar.

6. Von Star-Schnitten, Deo-Dosen und „Ghetto Superstar“

Ich teilte mir lange Zeit das Zimmer mit meiner älteren Schwester. Ein Zimmer voller Caught in the Act und Britney Spears-Postern. Es gab keinen Setzkasten, dafür sammelte meine Schwester Impuls-Deodosen und reihte die verschiedenen Sorten sorgsam auf. Ein Zimmer, zwei Aiwa-CD-Spieler. Meiner war immer aus. Dafür lief ihrer immer. Und dank ihr kam 1998 DAS Lied in meine Ohren: Pras featuring Mya & Ol‘ Dirty Bastard „Ghetto Superstar“. Den Hype um Coolio verstand ich damals allerdings nicht. Mya’s Part singe ich auch heute noch falsch.

7. Das liebste Mixtape voller Erinnerungen

Eine meiner besten Freundinnen (bis heute!) schenkte mir nach der 6. Klasse ein Mixtape auf Kassette mit all unseren Liedern. Ziska verließ die Schule und damit ich sie nicht vergessen sollte, gab’s die volle Ladung Dirty Dancing-Soundtracks und dieses Lied hier:

8. Himmel, was sind wir erwachsen!

Und auf natürlich war da Nike Jane und die neue Schule war gar nicht mehr so ungewohnt und neu und groß und anders. Mit ihr wurde fast alles zum ersten Mal gemacht: Wir spuckten vom ersten, zweiten und dritten Mal Alkohol, ließen uns heimlich Bauchnabel-Piercings stechen oder verreisten mit Ruf Jugendreisen in unseren ersten, eigenen Sommerurlaub. Ich könnte jetzt zig Lieder spielen, aber dieses eine, das kommt mir gerade in den Sinn. Warum? Sie wird mich wahrscheinlich schlagen, wenn sie das jetzt liest – aber: Erinnerst du dich noch? Wir, in Krefeld, auf einem Silbermond-Konzert? Waren wir 14?

9. 2001 Aaliyah „Try again“

Es ist 2001 und wir fühlen uns alle so cool. Girl Power wird auch nach den Spice Girl groß geschrieben, zum Beispiel dank Aaliyah und TLC. Ich war unendlich traurig, als zwei meiner liebsten Sängerinnen kurz hintereinander starben.

10. Der erste Freund!

… und dann war da Michi. Mein erster richtiger Freund. Und selbst wenn unsere gemeinsame Zeit nur acht Monate lang hielt (ich beendete das Ganze hochdramatisch und ziemlich tränenreich), waren wir noch wahnsinnig lange dickste Buddies, verschlangen Döner zusammen und passten aufeinander auf. Im Radio lief hoch und runter: Maroon 5.

11. Das Gefühl von Freiheit

2005: Mein Lupo und ich, wir waren das Dreamteam schlechtin. Wer dort, wo ich herkomme, keinen fahrbaren Untersatz will, mag entweder isoliert leben oder ist übermäßig sportlich. Zumindest empfand ich das immer so. Deswegen war mein gelber Lupo auch mein ein und alles. Und mit ihm fuhr ich überall hin. Mit runtergekurbeltem Fenster und Zigarette zwischen den Fingern lief lautstark Tracy Chapman „Talkin‘ bout a Revolution“. Ich fühlte mich so frei, so erwachsen und so jung zugleich.

12. Abitur!

Eigentlich müsste jetzt Mousse T mit Pop Muzak kommen, denn irgendwann verließ mich offensichtlich jeder Musikgeschmack. Ein Lied, das aber noch viel wichtiger war, wurde zur Hymne der besten Stufe der Welt: Angels von Robbie Williams. Egal wann die Schnulze lief, unsere Stufe fand zusammen, bildete einen Kreis und jaulte auf. Man, man, man: 10 Jahre ist das her. Es fühlt sich an wie gestern.

13. Die große Welt aka die erste eigene Wohnung:

2007. Die erste eigene Wohnung. Das Studium. W.H.A.O.W! Ich sehe mich noch heute mit meinem American Apparel-Komplett-Outfit und extra hohem Dutt in der Küche sitzen und ganz bezaubernd von dieser Lykke Li sein. Ich fand diese Frau so unglaublich toll, dass ich nicht aufhören konnte, alles über sie zu recherchieren. Alles war so leicht und tanzend. Ein bisschen wünsch ich mir die alte Lykke Li manchmal zurück.

14. Jet „Are you gonna be my Girl“

Es gab eine Zeit, da wurden Musiklieder als Handy-Klingeltöne missbraucht und auch mein Wecker weckte mich jeden morgen schrill mit „Are you gonna be my girl“ von Jet. Ein paar Jahre später holte mich die Band wieder ein, denn auch mein Fallschirmsprung-Video in Australien wurde mit diesem Song unterlegt. Ein Zeichen, davon bin ich überzeugt. V E R R Ü C K T, oder?

15. Abschlussarbeit – und dann? Selbstständigkeit!

Mein Praktikum endete in einer täglichen Frustration: WAS STUDIERE ICH DENN HIER? Ein paar Tränen später bei Nike auf dem Sofa und schon stand fest: Ok, wir machen uns einfach selbstständig. Nike hatte damals bei ArtschoolVets! in Berlin gearbeitet, erste Online-Magazin-Erfahrungen gesammelt und so war klar: So etwas wie das Urban Culture Magazin für Jungens machen wir einfach selbst. Alles ging ganz schnell. Bevor wir Jane Wayne gründeten, gab’s allerdings noch eine kleine „Prüfung“ für mich: Denn es galt natürlich auch die Macher des Magazin zu überzeugen und so übernahmen wir eine Woche lang die Urlaubsvertretung für die damalige Redakteurin. Unsere Musikvorstellung der Woche: Mayer Hawthornes „Your Easy Lovin‘ Aint‘ Pleasin‘ Nothing“.

16. Dog Days are Over.

Und dann kam Berlin. Ach du scheiße, was mache ich denn hier. Ich zog in die Stadt, in die ich eigentlich niemals wollte. Dabei wollte jeder nach Berlin. Auf einer Karte in „Pretty Vacant“ fand ich kurz vor meinem Umzug passenderweise eine Postkarte auf der stand „Berlin mich nicht voll“ – und ich fühlte mich komplett verstanden. Rein ins Abenteuer und raus aus der Comfort Zone. Weg von Mami und in die weite Welt. Alles ging schnell. Alles. Und bloß einen Monat später kam Single-Sarah auch schon mit ihrem heutigen Freund zusammen. Dog Days are Over!

17. Von 9 Uhr bis 24 Uhr arbeiten: So fing alles an.

Wir tippten uns die Finger wund und produzierten 8 News am Tag, sprangen auf allen Events rum, um genügend Content zu gestalten und überall ‚Hallo‘ zu sagen. Wir waren nur im Büro. Zwischendurch aber, wenn David von Highsnobiety und die Truppe von ASV nicht da waren, gab’s kleine Powerauszeiten mit Miley Cyrus und lautem Gegröle. Party in the USA, ich würde sagen, das Lied läuft noch in 30 Jahren bei uns. Das beste Video kommt aus Atlanta. Dort fand nämlich ein Hardcore Konzert statt – ausnahmslose alle Kids tanzten!

18. Mit Johnny Cash in den Urlaub

No Money, no Holidays! Wir hatten nicht viel. Außer Luft und Liebe und unseren Laptop. Ich bin noch immer wahnsinnig dankbar für diese Erfahrung, stolz auf uns, dass wir uns durchgebissen haben und bin selbst rückwirkend wahnsinnig hibbelig, wenn ich daran denke, was wir alles erlebt haben. Meine Güte: 7 Jahre Selbstständigkeit mit allen Höhen und Tiefen. Einen Kurzurlaub gönnten wir uns trotzdem: Ein Wochenende auf Rügen im Dezember. Ich kann mich eigentlich nur noch an die Hin- und Rückfahrt erinnern, den Rest haben wir einfach fast komplett verschlafen. Im Duett auf der Autobahn mit Johnny Cash. Er Johnny, ich June.

19. Von California Sunrise über Nantes bis Home

Ich liebe Berlin mittlerweile sehr. Berlin ist mein zuhause, was nicht bedeutet, dass das Herz nicht immer noch im Rheinland weilt. Zurückkommen? Ich weiß es noch immer nicht. Aber Berlin ist seit langem so viel für mich. Und sollte sich das irgendwann ändern, wird mein Innerstes mir schon sagen, wohin es gehen soll. Home is where the heart is – ihr kennt das Spiel!

20. Wilma Filippa & das Elternsein

Das erste Jahr mit Baby war hart für mich, da bin ich ganz ehrlich. Die viele Arbeit, der Verlust meines Papas und das Durcheinander in meinem Kopf. Trotzdem stark sein, das Wunderbarste der Welt glücklich machen und dabei selbst die größte Liebe der Welt spüren. Alles war anders. Alles ist anders. Aber heute ist alles entspannt und ausgeglichen. Es gibt noch immer Baustellen. Aber ohne die, wäre es auch ganz schön langweilig, non? Ich würde wahrscheinlich selbst anfangen zu graben, damit was passiert.

21. Für immer in meinem Herzen: Paps.

11 Kommentare

  1. Theresa

    Sprachlos, so viel Liebe! Oh Sarah. <3
    Heart of Gold wird dafür jetzt einmal richtig laut aufgedreht.

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  2. Sarah B.

    Wow, Sarah, ich bin wenige Jahre älter als Du, aber was die genannten Songs angeht hab ich mich erschrocken, wie sehr meine Picks Deinen geglichen hätten (zumindest bis einschliesslich Punkt 14.), wie sehr sich der Soundtrack ähnelt. Vor allem diejenigen, die man heute eigentlich nur guten Freunden oder unter starkem Alkoholfluss beichten würde. Einer meiner nahezu geheimgehaltenen Meilensteine und allzeit-Lieblinge wäre noch „Toxic“ von Britney. Erschüttert?

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  3. Franzi

    Bei Heart of Gold muss ich auch immer an meinem Papa denken und wie ich mit ihm – da war ich 14 oder so – von ihm zum Neil-Young-Konzert mitgenommen wurde <3. Damals fand ichs eher so lala, heute weiß ich es umso mehr zu schätzen.

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  4. Anne

    Bei Punkt 19 kann ich dir nur zustimmen.
    Ich lebe nun seit 4 Jahren in Wismar, weil ich dort studiere und ich finde es echt super. Am liebsten Würde ich nach dem Studium ins nahe Hamburg ziehen um dort zu arbeiten. Auch viele Freunde wohnen mittlerweile in Hamburg.
    Aber mein Herz, dass weilt immer noch im Rheinland und ich glaube, dass wird auch immer so bleiben.;)
    Auch wenn ich nur aus der nähe von Köln komme, wenn ich den Kölner Dom bei der Bahneinfahrt im Hauptbahnhof sehe, dann flattert mein Herz und ich denke:“ich will hier nie wieder weg!“. 🙂
    Vielleicht zieht es mich irgendwann mit Sack und Pack und vielleicht sogar mit Kind und Kegel in das schönste Rheinland zurück! <3

    Liebst, Anne 🙂
    https://einfachanne.wordpress.com

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  5. Julia

    Liebste Sara,

    Das ist fast eins zu eins mein mixtape inklusive Heart of Gold für meinen Papa
    Der ebenso viel zu früh gestorben ist!
    Da habe ich glatt ein trännchen verdrückt ;). Ich wünsche dir ein schönes Wochenende

    Liebste Grüße
    Julia

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