Body Positivity Track //
Miss Eaves – Thunder Thighs

09.06.2017 um 11.30 – Musik

Eigentlich hatte ich mir geschworen, weniger von Body Positivity zu schwafeln und stattdessen für eine Art Body Neutralism einzustehen. Vielleicht ist es aber noch ein bisschen zu früh für diese radikale Form der Akzeptanz durch Ignoranz (oder wie auch immer man ein gut gemeintes Desinteresse an den Körperformen dieser Welt nennen mag). Wir wären ja quasi längst am Ziel angelangt, wenn Bäuchlein und Beine überhaupt keinen Redestoff mehr bieten würden, wenn Formen, Farben und Äußerlichkeiten endlich kein öffentliches Thema mehr wären. In Wahrheit ist der Weg hin zur selbstverständlichen Diversität aber noch ein sehr langer und Body Shaming pünktlich zum Sommer präsenter denn je. Ein wunderbares Beispiel für die Abstinenz von Respekt gegenüber der Vielfalt des menschlichen Körpers lieferte dieser Tage etwa das Klatsch-Magazin „Inside“, das mit dem Titeln „Die Dellen-Queens! Stars im Cellulite-Stress“ lockte. Diese traurige, klickgeile Frechheit bedarf zwar keines weiteren Kommentars, ein bisschen Gegenwind kann aber trotzdem nicht schaden.

Rapperin Miss Eaves kommt uns da mit ihrem neuen Track „Thunder Tighs“ gerade also durchaus gelegen. Ihr Sommer-Mantra lautet nämlich: “Thick thighs, sundress, I’m looking good”!

Eaves ist übrigens außerdem für das Instagram Projekt The Every Body Project verantwortlich:

„I am not sure if young girls are about that body positive life, but it is so important from a young age they see a variety of bodies being celebrated and people living happy and genuine lives.“

Das komplette Interview findet ihr bei Jezebel.

9 Kommentare

  1. Louisa

    Also vllt wird mich jetzt die gesammelte Leserschaft von TIJW hassen, aber bitte Leute, erklärt es mir! Was ist an übergewichtigen Menschen schön? Und vorallem: Was bitte ist daran gesund? Warum werden plötzlich alle verherrlicht, die ihren Körper doch eigentlich wie Scheiße behandeln, indem sie ihm weder gesunde Ernährung, noch die nötige Menge Bewegung geben?!

    Einige der Frauen in dem Video sind eindeutig zu dick! Und das aus rein gesundheitlicher Perspektive. Ich habe mittlerweile jedes Mal, wenn ich von dem ganzen Body Positivity-Kram höre, einfach das Gefühl, dass es als Ausrede und Rechtfertigung gilt für diejenigen, die sich gehen lassen. Vor allem geht es dabei immer um übergewichtige Menschen, dabei sind weder Über- noch Untergewicht ein erstrebenswertes Körperideal. Diversität finde ich schön und gut und wichtig, aber machen wir uns doch nichts vor. An einem bestimmten Punkt ist es nicht einfach „Ich habe ein paar Röllchen-zu-viel-Koketterie“, sondern schlicht und ergreifend ein gesundheitliches Problem. Und von Jahr zu Jahr dann immer mehr. Nur darf man das scheinbar nicht mehr sagen, da man dann als Rassist, Menschenhasser oder sonst was bezeichnet wird. Ich finde diesen Trend aber oftmals erschreckend und denke nicht, dass eine Figur wie sie in dem Video vielfach zu sehen ist, als Vorbild für junge Menschen dienen sollte (ebensowenig wie eine untergewichtige kein Vorbild sein sollte!).

    Ich war letzte Woche in Urlaub und habe dabei beobachtet, wie eine Familie (Vater, Mutter + zwei Töchter) sich mit unglaublicher Anstrengung ein paar Stufen rauf zu einer Fontäne bewegt hat. Sie waren alle dick. Mir tat es unglaublich leid, das zu sehen, weil es eine extreme Einschränkung bedeutet, wenn man nichtmal ein paar Stufen raufkommt, ohne danach zu schnauben und zu schwitzen. Und ich glaube nicht, dass den Teenager-Töchtern Videos wie das oben, bei irgendetwas helfen können. Ganz im Gegenteil. Deswegen sehe ich auch nicht ein, warum es plötzlich gefeiert werden soll, wenn jemand „dicke Oberschenkel“ hat. Ich finde, man sollte das Ganze noch mal etwas differenzierter angehen, anstatt jetzt jeden zu loben, der seinen Körper offensichtlich nicht gut behandelt.

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    1. Cora

      Liebe Louisa,versteh mich bitte nicht falsch,generell bin ich deiner Meinung und denke auch,dass man ungesundes Gewicht egal in welche Richtung nicht unbedingt zelebrieren sollte,aber ein wenig differenzierter sollte man das Thema schon angehen ;).
      Zum einen ist „zu dick/dünn“ ein recht weites Feld und für den Beobachter nunmal subjektiv,zum anderen weiß man doch auch nie,wer die andere Person ist. Das übliche Beispiel hier mal an mir: ich wiege bei 1,59m ca. 45 Kilo und kann schon nicht mehr zählen,wie oft mir von vollkommen fremden Menschen unterstellt wurde,ja wohl auf Dauerdiät,magersüchtig,viel zu dünn zu sein. Dass ich aber eine ziemlich hyperaktive Schilddrüse habe und deswegen nicht nur schwer zunehme,sondern auch ständig Essen mit mir durch die Gegend trage,weil mir nach +/- drei Stunden ohne Essen schlecht wird und mein Körper einfach schlapp macht,wissen diese Leute natürlich nicht.
      Lange Rede,kurzer Sinn: man steckt einfach nicht drin,im Körper und Kopf der anderen Person.
      Bestimmt gibt es Menschen,die ihrer Gesundheit zuliebe ein paar Kilo ab-/zunehmen sollten,aber in weitaus mehr Fällen als man vermutet,ist Gewicht eben ein Faktor den man gar nicht oder nur wenig selbst beeinflussen kann.
      Dir steht es natürlich wie jedem anderen frei,bestimmte Dinge/Äußerlichkeiten/etc. nicht schön zu finden (ich persönlich bin auch ein „Opfer“ unserer Zeit und finde eine schlankere Figur schlicht attraktiver), doch schadet es vermutlich nicht,wenn wir die Hintergründe etwas öfter hinterfragen.
      Wie gesagt,ich meins nicht böse und wünsche dir ein schönes Wochenende 🙂

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      1. Louisa

        Liebe Cora,

        danke für deinen Kommentar! 🙂 Natürlich gibt es Menschen, die aus bestimmten Gründen weder gut zunehmen, noch gut abnehmen können. Genauso, wie jeder Mensch so seine Problemchen mit sich rumschleppt. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass nur bei einem sehr kleinen Teil tatsächlich eine Störung des Hormonhaushalts oder ähnliches der Grund für eine „ungesunde“ Figur ist.

        Ich habe z.B auf der Arbeit drei Kollegen, die zum Teil stark übergewichtig sind. Einer kann nur noch Kleidung in den USA shoppen, die anderen beiden (zwei Mädels) verschlingen über den Tag verteilt so viele Süßigkeiten, dass mir vom Anblick allein schwindlig wird. Jammern dann aber darüber, dass sie im Sommer nichts anziehen können, worin sie sich wohlfühlen. Keiner von diesen Kollegen, die ich allesamt sehr gerne mag, leidet an irgendeiner Krankheit. Und an genau dieser Stelle frage ich mich eben, warum sie ihren Lebensstil nicht ändern, schon allein ihrer Gesundheit zuliebe. Und an genau dieser Stelle finde ich, dass Body Positivity keine Verherrlichung von ungesunden Körperformen sein darf, was sie meiner Meinung einfach oft ist! Anfangs fand ich das Ganze nämlich auch super, aber allmählich finde ich, dass das Thema zu simpel „abgefrühstückt“ wird. Akzeptanz ist sehr wichtig, aber ich finde auch, dass man für einander Verantwortung tragen sollte. Und dazu gehört auch, jemandem nicht High Five zu geben, wenn er sich offensichtlich in ein ungesundes Körperideal (und zwar in Richtung zu dürr oder zu dick) verrennt.

        Viele Grüße, Louisa

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        1. Cora

          Da bin ich ganz bei dir! Schon allein,weil ich mir nicht sicher bin,ob manche der Leute,die mit ihrem Körper unzufrieden sind,sich nicht durch die Body Positivity Bewegung eher noch schlechter fühlen,wenn sich besagte positive Beziehung zum Körper eventuell trotzdem nicht einstellen will.
          Wer etwas positives daraus ziehen kann und dadurch vielleicht auch anfängt gesünder mit seinem Körper umzugehen,den kann ich nur beglückwünschen. Ich gehe halt leider davon aus,dass Menschen,die sich wenig Gedanken um ihre Gesundheit machen,das in den seltensten Fällen ändern,Medien hin oder her. Der Mensch ist im Grunde eben doch ein Gewohnheitstier schätz ich 😉

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          1. Agatha

            Also ich denke mal, dass deine Kollegen über ihre privaten gesundheitlichen oder psychischen Probleme sicherlich niemanden etwas auf der Arbeit erzählen, daher lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, warum sie dicker sind als die anderen. Solange sie trotzdem ihre Arbeit gut machen können, geht es auch niemanden was an. Ich habe in den letzten 5 Jahren wegen einer Krankheit, die ich hier nicht weiter ausführen mag, ca. 25 kg an Gewicht zugelegt. Davor war ich schlank und sportlich, dann kam die Krankheit und das waren 5 beschissene Jahre. Ich habe lange damit gehadert und mich auch oft sehr geschämt, zich Diäten und Sportarten getestet. Mittlerweile habe ich mich damit einfach abgefunden, weil es mir gesundheitlich zum ersten Mal seit Jahren wirklich gut geht. Ich stehe jetzt mit ein wenig mehr Stolz über dieser ganzen Body-Scheisse und freue mich bei monki und Co. auch mal endlich Frauen im Badeanzug zu sehen, die meinem Körper ähnlich sind und zu sehen, dass auch übergewichtige Frauen freudenvoll ein bauchfreies Oberteil rocken können.
            Es ist eben doch so leicht über andere zu urteilen und das Maul aufzumachen, sich auszumalen, dass sie als Dünne nur Watte mit Orangensaft essen oder sich als Dicker erstmal zwei Döner reinhauen. Ob da andere Probleme eine Rolle spielen, wird in unserer oberflächlichen Gesellschaft gerne übersehen. Ich freue mich jedenfalls, wenn es erstmal eine Weile so bleiben könnte und die Körpervielfalt vielen Menschen die Hemmung nehmen würde sich einfach zu akzeptieren, um endlich Zeit für wirklich wichtige Dinge zu haben.

    2. Maxi

      Liebe Louisa,
      Ich glaube das Problem, was viele Menschen die sich für Pody Positivity einsetzen sehen ist, dass die Label dick = ungesund & dünn = gesund einfach schlicht und ergreifend nicht immer zutreffen. Eine sehr schlanke Person, die sich ungesund ernährt und nicht bewegt und sich jede Woche in irgendwelchen Clubs Drogen reinhaut ist zB ungesünder als eine im gängigen Sinne „über“gewichtige Person, die sich gesund ernährt und bewegt. Nicht jeder wird durch Bewegung ultra schmal, gerade wenn man älter wird. Ja, Die Gesellschaft hat es verstanden!!! Dick ist schlimm, Dick ist hässlich, Dick ist ungesund – Ganz ehrlich, mit solchen Stigmata haben ungesunde schlanke Menschen nichts zutun, geschweige denn das ganze Photoshop Dilemma um natürlich Körperformen in den Medien.

      Ich empfehle ALLEN die sich für das Thema interessieren den podcast This American Life mit der Folge „Tell me I’m Fat“ https://www.thisamericanlife.org/radio-archives/episode/589/tell-me-im-fat (Da kommen mehrere Leute dazu zu Wort – auch eine Frau die sich zB einer gewichtsreduzierenden OP unterzogen hat – das ist wirklich wahnsinnig interessant und hat mir die Augen geöffnet)

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  2. Sabina

    Ich finde weder zu dick- habe mir das Video allerdings nicht angeschaut- noch zu dürr schön und gesund und kann beidem nicht viel positives abgewinnen. Wobei mir ein paar Kilo zu viel besser gefallen, als die abgehungerten Thigh Gaps.
    Mit der mangelnden Bewegung gebe ich meinen Vorschreiberinnen wirklich recht; mein Büro liegt in der Nähe einer Grund- und Realschule und mir wird regelrecht schlecht, wenn ich sehe, was für Bewegungslegastheniker es schon im Kinder- und Teeniealter gibt.
    Die umgekehrte Variante- Training bis zum Klappergestell oder nur Hungern ohne Sport- finde ich auch nicht erstrebenswert…..ausgezehrte Sehnigkeit bzw. muskelfreie dürre Wabbligkeit auch nicht.
    Und ganz ehrlich- Gesundheit vorausgesetzt- ich finde es nicht schwer, mit vernünftiger Ernährung- ich esse alles, nur keinen Fertigmüll, habe auch keinerlei Allergien und Unverträglichkeiten- und einem vernünftigen Maß an Bewegung eine vernünftige Figur zu haben. Wie gesagt, Gesundheit vorausgesetzt ist das für mich eigentlich der Normalzustand. Ich bin 1,65 und wiege 57 trainierte Kilos und habe weder in Bade- oder sonstigen Klamotten Probleme mich zu zeigen. Und nackt auch nicht. Perfekt ist eh niemand, so what;-).

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  3. Angi

    Ich finde diese Körper Akzeptanz Videos gut und ja ich bin selber zu dick, weil es mir genauso wenig nützt, mich für meinen Körper fertig zu machen und mich zu hassen und darauf läuft es doch meist hinaus in einer Gesellschaft in der jeder Körper gefälligst ultraschlank sein MUSS.
    Und nein, den wenigsten Dicken wirst du es an der Stirn ablesen können, was denn nun der Grund für´s Übergewicht ist und auch ich erzähle es nicht ungefragt jedem – es geht schlichtweg niemanden etwas an.
    Es geht sicherlich nicht darum dicke Körper als das einzigst wahre zu preisen, sondern in meinen Augen eher darum, sich so anzunehmen wie man eben im Moment ist, sich TROTZDEM zu lieben und nicht ständig darüber zu hadern, das man zu dick ist oder eben gottgegebene Körperformen hat, an denen man tatsächlich nichts großartig ändern kann.
    Ich selbst habe z.B. eine Apfelfigur und früher einmal noch ein paar Kilos weniger als das Idealgewicht und ja ich bin Raucher und hatte immer noch Bauch = ist halt so bei einer Apfelfigur und wurde permanent blöd angemacht, wie ich nur rauchen könne, wenn ich schwanger sei……gut der Bauch war kleiner wie jetzt, aber selbst mit normalem Training nicht weg zu bekommen.
    Ebenso habe ich auch mit meinen damals sehr schlanken Körper Äußerungen zu hören bekommen wie : dein Hintern ist zu klein, dein Busen zu groß, dein Bauch ist zu groß, deine Oberarme zu dick, dein Kreuz sieht aus wie das von einem Kerl, deine Beine sehen aus wie Streichhölzer und du hast ja gar keine Hüften.
    Heute soll doch gefälligst jeder super schlank sein und super tolle Maße von oben bis unten haben, nicht zu viel oder zu wenig Hintern, nicht zuviel oder zu wenig Oberweite usw. – Himmeldonnerwetter, die wenigsten Menschen haben, mal abgesehen vom Gewicht die perfekten Maße, geschweige denn das perfekte Gesicht…
    Sich trotz allem so anzunehmen wie man ist, denn ein permanent schlechtes Gewissen und Gefühl verhilft einem nicht dazu auf gesunde Art und Weise abzunehmen, sondern führt zu Dingen wie Magersucht oder eben noch mehr Frust ….
    Und genau diese Standardisierungen ärgern mich wie fett = faul,krank und häßlich oder schlank = schön, gesund und fleißig usw. – denn sie stimmen so einfach eben nicht grundsätzlich.
    Und ja man darf mich als zu dick empfinden, stimmt ja auch, aber ich möchte mich nicht mit jedem wildfremden damit auseinandersetzen müssen oder benehme ich mich so distanzlos Fremden gegenüber und Dingen die mir ins Auge fallen?
    Es geht doch auch darum und sorry das ist schlicht so: die ständige Sexualisierung von Frauen, habe ich selbst schon erlebt, das mir eine Freundin erzählte, das ihr Freund meinte ich hätte ja gar keinen Hintern und einen zu großen Busen, das sähe ja echt scheiße aus – was zur Hölle ist das so wichtig für ihn, er hat doch eine Freundin nach seinen Wunschvorstellungen gefunden, warum muss er mich dann in sexueller Hinsicht bewerten – mir persönlich ist das schnurzpiepegal wie die meisten anderen Menschen aussehen, solange sie sich nicht wie die hinterletzten Idioten benehmen und ja ich wäre nicht im Traum darauf gekommen den Typen optisch (menschlich schon) zu bewerten, weshalb auch ?
    Gerade deswegen finde ich diese Bewegung gut, als Gegenpol zum teilweise sexistischen, perfektionistischen Schönheitswahn und als Beispiel dafür, das Menschen nunmal unterschiedlich sind.
    Und es ist für jeden wichtig, sich erstmal so anzunehmen wie wir sind nämlich : zu dick, zu dünn, zu klein, zu groß usw., eben nicht perfekt.
    Ich fühle mich durch diese Videos jedenfalls nicht bestätigt im Dicksein, sondern im Ich Sein und ja auch als Dicke darf man sich ein Eis im Sommer gönnen ;-).
    Ungesund ist sowieso vieles, aber muss ich Erwachsene Menschen in allem reglementieren, eigentlich weiss man – insofern man nicht vollkommen verblödet ist – sowieso was gesünder und besser wäre….

    Gut dick sein ist etwas was einem im ersten Moment ins Auge springt, aber es gibt so vieles mehr, was nicht gleich ersichtlich ist…
    Man darf ja nicht mal 5 Kg zuviel auf die Waage bringen und hat gesellschaftlich schon ein Problem….Mensch es zeigt für mich einfach nur eines : habt Spaß und Freude am Leben und habt Euch verdammt nochmal gern.

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