Wie Donald Trump mit Blut und Brustmilch Frauen diskreditiert

Männer? Diese schrecklichen, haarigen Biester!“ heißt es im Film Manche mögen’s heiß von 1959. Der Witz an der Szene ist natürlich, dass dieser Satz von Jack Lemmon geäußert wird, der sich in seiner Rolle zusammen mit Tony Curtis als Frauen verkleidet – Daphne und Josephine – in eine Damenkapelle eingeschlichen hat. Die Ärzte sampelten dieses Zitat dann Jahrzehnte später in ihrem Hit Männer sind Schweine: Genüsslich zählen sie auf, warum Männer igitt und pfui sind und meinen das Ganze natürlich nicht so richtig ernst. Was sich nicht allein an dem Songtext zeigt („Männer sind Ratten/sie wollen alles begatten“), sondern auch an der Tatsache, dass hier Männer über Männer singen.

Würden stattdessen Frauen in so einer Art und Weise über Männer singen, wäre das vermutlich weniger komisch. Ebenso, wenn Männer so über Frauen sängen. Nun ist Donald Trump kein Sänger – darüber, wie igitt und pfui manche Frauen sind, hat er trotzdem eine Menge zu sagen.

Vor einigen Wochen lieferte der US-Präsident einen seiner üblichen Rants, diesmal gegen das Moderator*innen-Duo der Sendung Morning Joe. Die läuft auf dem eher linken Sender MSNBC, gehört also zu jenen Medien, die Trump im Verdacht hat, quasi minütlich Fake News zu produzieren. In mehreren Tweets schrieb Trump über die Moderator*innen Joe Scarborough und Mika Brzezinski:

„I heard poorly rated @Morning_Joe speaks badly of me (don’t watch anymore). The how come low I.Q Crazy Mika, along with Psycho Joe, came… to Mar-a-Lago 3 nights in a row around New Years Eve, and insisted on joining me. She was bleeding badly from a face-lift. I said no.”

Die ganze Geschichte nochmal auf Deutsch: Trump guckt (natürlich) Morning Joe nicht mehr, hat aber mitbekommen, dass da schlecht über ihn geredet wird. Also begibt er sich flugs zu Twitter, um Scarborough und Brzezinski zu diskreditieren. Die hätten ihn nämlich auf seinem Anwesen in Mar-a-Lago in Florida besuchen wollen, und zwar an drei aufeinanderfolgenden Abenden. Er, Trump, hätte aber angelehnt. Außerdem hätte Brzezinski aufgrund eines Facelifts stark im Gesicht geblutet.

Widerliche Fleischhüllen

An der Geschichte, so wie Trump sie präsentiert, stimmt offenbar mal wieder gar nichts. Dass der US-Präsident lügt, daran hat man sich – leider – gewöhnt. Und leider auch an seine offensichtliche Frauenfeindlichkeit und Abneigung gegenüber allem, was irgendwie mit weiblichen Körperflüssigkeiten zu tun hat. Es ist kein Zufall, dass Trumps Attacke sich vor allem auf den weiblichen Teil von Morning Joe richtet, auf Mika Brzezinski: Routinemäßig diskreditiert Trump Frauen, indem er auf eine von ihm als negativ empfundene Weiblichkeit reduziert. Gute Weiblichkeit, die repräsentieren für Trump Frauen wie seine Tochter Ivanka oder seine Frau Melania. Schlechte Weiblichkeit, die repräsentieren für Trump alle Frauen, die nicht seiner Meinung sind und es wagen, ihm öffentlich zu widersprechen. Diese Frauen sind für Trump nicht mehr als widerliche, blutende Fleischhüllen.

So wie Megyn Kelly: Die Fox-Moderatorin stellte dem Präsidentschaftskandidaten Trump während einer TV-Debatte 2015 ein paar unbequeme Fragen. Trump verbreitete nachher: „You could see there was blood coming out of her eyes, blood coming out of her wherever. In my opinion, she was off base.” Dass Kelly offensichtlich nicht aus Augen und Nase blutete – das wäre ein medizinischer Notfall gewesen – war Trump egal. Ihm ging es nicht um Tatsachen, sondern um Standpunkte: Kelly, so seine Logik, ist eben eine Frau und dadurch ihrem (monatlich) blutenden Körper hilflos ausgeliefert. Wie soll sie da vernünftig denken können? Obwohl Trumps Formulierung ‚out of her whatever‘ sich angeblich auf Kellys Nase bezog (als ob das die Sache besser machen würde), fest steht: Blut, in welcher Weise auch immer abgesondert von Frauen, ist für Trump schlicht widerlich und abstoßend. Etwas, für das Frauen sich schämen müssen. In Mika Brzezinskis Fall präsentiert Trump Brzezinskis angebliches Facelifting als etwas Peinliches, etwas, was frau nicht macht. Donald Trump, ein Fan natürlicher weiblicher Schönheit – wer hätte das gedacht?

Keine Menschen, sondern ein abstoßendes Naturspektakel

Der amerikanische Präsident hat aber nicht nur mit weiblichem Blut ein Problem, sondern generell mit allen weiblichen Körperflüssigkeiten. Stillende Mütter zum Beispiel findet er genauso ‚disgusting‘. Die Tatsache, dass Frauen Flüssigkeiten verschiedenster Art ausscheiden bedeutet für Trump ganz selbstverständlich, dass Frauen deshalb irrational, unberechenbar und verrückt sind. Sie sind für Trump schlicht keine Menschen, sondern eine Art abstoßendes Naturspektakel. Für die Frauen, die seinem weiblichen Schönheits- und Verhaltensideal entsprechen, gilt übrigens das gleiche: Auch sie sind für ihn keine Menschen, sondern nur attraktives Zubehör. Diese – seine – Sicht der Dinge hält Trump für völlig normal, sonst würde er sie nicht so dermaßen selbstverständlich und immer wieder herausposaunen. Und das ist, neben dem Inhalt seiner Aussagen, das eigentlich Erschreckende.

„Frauen? Diese schrecklichen, blutenden Biester!“ Donald Trump mag kein Sänger sein – seinem Lied über Frauen, die wild in der Gegend herumbluten, müssen wir aber wohl trotzdem noch eine Weile zuhören. Und hängen so in Sachen trumpscher Frauenfeindlichkeit einmal mehr in der Endlosschleife fest.

2 Kommentare

    1. Peter K.

      Ich als Mann, musste beinahe weinen, als ich diesen Artikel gelesen hatte, weil ich mich so schrecklich für meine Geschlechtergruppe geschämt habe. Präsident Trump ist wirklich absolut untragbar für die Vereinigten Staaten von Amerika, gar für den geamten Planeten.
      Ich kann nur hoffen, dass Sie Frau Korbik und alle anderen Damen dieser Weln, aufgrund der Äußerungen dieses abstoßenden Menschens nicht alle Männer pauschalisiert betrachten.
      Frauen sind auf keinen Fall Sexobjekte oder ein Naturspektakel!

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