No Logo // Geht der Taschen-Trend wirklich weg von großen Labels?

10.08.2017 Mode, Trend

Ich kann nun wirklich nicht behaupten, von großen Labels auf kleinen Taschen abgestoßen werden. Die Psychologie dieses Prestige-Mechanismus dürfte den meisten hier auch ohne dazugehöriges Studium in Ansätzen bekannt sein. Bei zwei ineinander gewundenen Cs etwa werden viele Augen groß und das Herz ganz warm. Auch gegen das dicke G sind viele Alessandro Michele-Jüngerinnen nicht gewappnet und schaut man dann auch noch gen Modebranche, schien das Motto des offensichtlichen Labelings bisweilen ohnehin gar „Protzen und Klotzen“ zu lauten. Ich selbst, bekennendes Opfer der „ich belohne mich jetzt mal mit ein bisschen Luxusleder-Ausrede“, habe diese Zurschaustellung zwar stets kritisch beäugt, aber niemals boykottiert. Das werde ich auch in Zukunft nicht, aus vielerlei Gründen. Aber dennoch ganz genau abwägen, ob so eine dicke Schnalle in Logo-Form beim nächsten Kauf tatsächlich wieder sein muss.

Schuld an diesem Sinneswandel ist ein wachrüttelndes Erlebnis auf Münchener Boden. Die Münchener und Münchnerinnen allerdings waren nicht Schuld an meinen plötzlich auftretenden Aversionen, sondern vielmehr eine Handvoll entfernter Kolleginnen, mit denen ich bis dato noch kein Wort gewechselt hatte. Zwei oder drei von ihnen entlarvten sich schnell als so schräg, im schlechtesten aller Sinne wohlgemerkt, dass sich negative Gefühle beim Anblick der um die dazugehörigen Arme baumelnden Handtaschen nicht mehr länger beiseite schieben ließen.

📽 nature 💚🌳🌱🌿🍃🌾 gracias Victoria ❤👧🏻

Ein Beitrag geteilt von Blanca Miró Scrimieri (@blancamiro) am

Als die Verrückteste der Gruppe schließlich damit anfing, sich mit irren Augen um den Greifarm-Automaten der Veranstaltung zu winden und an ihm zu rütteln wie bescheuert, ohne Unterlass und nachdem sie sich vorgedrängelt hatte, bloß weil dort angeblich das Ticket zum Hauptgewinn (eine Designer-Handtasche, na klar) versteckt liegen sollte, hätte ich am liebsten mein eigenes Designer-Hab und Gut in Gänze verbrannt. Weil ich fortan unter keinen Umständen mehr als Mitglied dieser Influencer-Subkultur mehr identifiziert werden können wollte. Natürlich klang das selbst in meinen eigenen Ohren hochnäsig, aber ihr könnt euch besagtes Szenario wirklich nicht vorstellen. Es saß und sitzt noch immer tief. Umso erfreuter bin darüber, dass über dem diesjährigen Modesommer ein ganz anderer Wind zu wehen scheint als über den Instagram-Feeds diverser Label-Gurus. Es geht inzwischen gefühlt nämlich weniger darum, wer das meiste Geld in die Hand nimmt, sondern darum, wer die beste Spürnase vorzuweisen hat. Problem-Verlagerung, könnte man jetzt völlig zu Recht behaupten. Ich begrüße diese scheinbare Entwicklung dennoch mit offenen Armen:

Bonjour France 🇫🇷 (& short hair again)

Ein Beitrag geteilt von María Bernad (@maria_bernad) am

Wo ich auch hinsehe, diejenigen, vor deren Stil ich vor Wonne kapituliere, frönen derzeit lieber wieder Flohmarktfunden, Strandbeuteln, Birkin Baskets, Ata-Taschen und Handtaschen kleiner, beinahe noch unbekannter Marken, die sich bei näherer Recherche nicht selten als faire Familienunternehmen entpuppen. Toino Abel aus Portugal zum Beispiel:

Nicht immer bedeutet (nearly) No Name allerdings auch nearly no cash. 300-600 Euronen kosten etwa die Taschen von Wicker Wings oder jene von Manu Atelier:

❤️ to the beautiful @double3xposure

Ein Beitrag geteilt von Wicker Wings (@wickerwings) am

Bold, PAVONE #Fall17 #manuspeople #analoguestories 📷: @miriam_marlene

Ein Beitrag geteilt von Manu Atelier (@manu_atelier) am

Bunte Körbchen hingegen findet man zu Hauf via Etsy. Der Shop von Ellen und James jedenfalls brummt.

Watching u 👁👁

Ein Beitrag geteilt von Natasha Goldenberg (@ngoldenberg) am

Beauty @louisabrueg wearing the Camille Wrap Dress + 70’s Roundie Bag ✨

Ein Beitrag geteilt von P O S S E (@posse) am

Man woman man woman man woman bla bla bla

Ein Beitrag geteilt von María Bernad (@maria_bernad) am

Second night in pretty Puglia. (First night was spent nursing takeaway pizza, beer and greasy hair after checking in at midnight.) 🍋☀️🇮🇹

Ein Beitrag geteilt von Lucy Williams | Fashion Me Now (@lucywilliams02) am

Ach, und Lucy Williams, die scharfe Schlange, setzt derweil auf Simon Miller:

Schön, einfach nur schön. Und erfreulich. Oder?

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4 Kommentare

  1. Aglaja

    Habe bei der Beschreibung der Szene mit dem Greifarm-Automaten sehr lachen müssen! Danke dafür! 😀

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  2. Franzi

    Meiner Meinung nach bezahlt man bei diesen ganz großen Labels auch ganz doll die Marke an sich. Sie sind ganz sicher qualitativ einwandfrei, aber ich denke auch Taschen kleinerer Labels sind das genauso. Nur dass sie statt tausenden Euros „nur“ hunderte Euros kosten, die sich mit ganz viel sparen auch Otto-Normal-Frau leisten können.
    Ich habe mich damals schon sehr darüber gefreut als ich mir eine Handtasche von Liebeskind aus tollem, weichem Leder anschaffen konnte. Meine andere Handtasche von Poon Switzerland begleitet mich auch schon eine ganze Weile.

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  3. Jule

    Ich bin 33 Jahre alt, durchaus konsumorientiert, interessiere mich fleißig für Mode, habe einen guten Job, in dem ich ordentlich verdiene, keine Kinder – und keine einzige Designertasche. Es ist nicht so, dass ich nicht ein wenig sehnsuchtsvoll aufseuze, wenn ich eine Chanel 2.55 sehe, aber dann kickt regelmäßig mein Verstand ein und dieser sagt mir, dass das ganz großer finanzieller Schwachsinn wäre (für mich persönlich). Da ich Fake-Designertaschen ebenso schwachsinnig finde (wenn auch aus anderen Gründen) und man mich mit Michael Kors und Liebeskind-Taschen jagen könnte, wird es wohl auch in Zukunft dabei bleiben, dass ich ab und an ein No-Name-Lederschätzchen secondhand oder bei &other stories (im Sale) erstehen werde und das war’s. Dafür war habe ich dieses Jahr bereits drei Trips in sehr schöne europäische Metropolen unternommen. Die Tasche, die dabei am häufigsten zum Einsatz kam: Der Leoparden-Jutebeutel, den es bei H&M für einen Euro an der Kasse gibt. Was soll ich sagen: Große Baglove.

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  4. Marie

    Hahaha Daumen hoch, Jule.
    Meinetwegen kann die Designer Tasche noch so sehr als wichtigster innigster Wunsch herbeigeredet werden. Für mich bleibt es wie bei allen Status Symbolen mindestens auch ein -sehr teuerer und daher gerade wenn man dafür (!) ernsthaft 3 Jahre spart- etwas verzweifelter Versuch der selbstaufwertung .
    Als add- on ok aber es wirkt nunmal wirklich nicht bei jedem . Deswegen Vlt wirklich lieber nochmal nachdenken ob man nicht statt dessen etwas für das Innere ich tun kann Stichwort reisen, Fernstudium, Engagement …just Saying.
    Und bitte jetzt nicht die zig mal auch hier gelesene Leier von der absoluten Wichtigkeit und dass das alles nichts miteinander zu tun hat Chanel Leier.
    Schönen Sonntag

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