Die Hüte & Mützen im Herbst 2017 sind nicht nur schön, sondern auch politisch.

05.10.2017 Shopping, Trend

Kein Herbst ohne Kopfbedeckung, schon klar, nichts Neues. Neu sind bloß, alle Jahre wieder, die Intentionen hinter dem freudigen Tragen einer ebensolchen. Gerade etwa überaus beliebt: Baker Hats und Baskenmützen. Aber wieso? Nunja, wohingegen wir uns, Hand aufs Herz, in der nahen Vergangenheit wohl eher haben von der hübschen Optik verleiten lassen, stehen 2017 endlich mal wieder alle Zeichen auf „hier liegt eine Message verborgen!“. Und genau die lautet wie folgt: Gleichberechtigung! Denn Kopfbedeckungen wie die genannten galten lange Zeit als reine Männersache. Logisch also, dass Maria Grazia Chiuri, Diors erste weibliche Chefdesignerin in der Geschichte des Luxushauses sich früher oder später ein passendes Accessoire zu ihren allseits besprochenen „We should all be Feminists“ Slogan-Shirts ausdenken würde. Zu verdanken haben wir das auch, wenn man so will, ihrer 20-jährigen Tochter: „Durch sie komme ich mit einer neuen Generation von Frauen in Kontakt. Eine Generation, die in der Welt eine große Rolle spielen wird. Das treibt mich an, mit ihnen Mode zu machen und sie bei ihren Wandlungsprozessen zu begleiten“, so Chiuri. Da war sie auch schon geboren, die aufkeimende Sehnsucht diverser Stil-Ikonen nach einem in diesem Fall ledernen Barett. Und weil es so ist, wie es immer ist, sickerte der Mikro-Trend während der vergangenen Wochen selbstverständlich auch erneut zu sämtlichen vertikalen Unternehmen wie Topshop und Konsorten durch. Er ist also im Alltag angekommen. Umso wichtiger, dass wir uns kurz Gedanken darüber machen, wieso. Und was wir da überhaupt tragen.

Also nochmal kurz zurückspulen, bitte. Fangen wir doch mit der Baskenmütze an, die tatsächlich nicht aus dem Baskenland stammt, sondern aus dem benachbarten Béan. Napoleon hatte sich, nachdem er sie wahrscheinlich auf den Köpfen etlicher Schäfer gesehen hatte, vertan und ihr im Grunde einen falschen Namen verpasst – doch traute sich niemand, ihm zu widersprechen. Später dann, im 15. Jahrhundert, war der Hut ein Zeichen des Wohlstands und Adels, es folgte aber schnell das Barrett. Ähnlichkeiten vorhanden, nur der Zweck war ein anderer: Das Barett war dem Militär vorbehalten. Nein, Moment: Ist es zum Teil noch immer. Siehe: Schwarze Barette (eine gesellschafts-politische Verknüpfung, die Maria Grazia Chiuri auf dem Laufsteg für sich nutzte, indem sie die Symbolik ganz einfach umkehrte und aus allem Übel etwas Gutes, nämlich eine selbstbewusste Armee emanzipierter Frauen, machte).

Aus beidem zusammengenommen entwickelte sich jedenfalls irgendwann die praktische, faltbare Mütze für jedermann, die schlussendlich auch bei normalen Bürgern Anklang fand (vom Adel Richtung Pöbel sozusagen). Dann wurde es politisch. Die Baskenmütze wie wir sie heute kennen wurde zum Symbol des Widerstands und der Freigeister, ab der späten 60er sogar in Deutschland. Dazu beigetragen hat zum Beispiel der berühmte Träger Che Guevara, der als Revolutionär und Verfechter von weltweitem Frieden und sozialer Gerechtigkeit bis heute viele Fans vorzuweisen hat. Hier allerdings sollten wir trotz aller Euphorie kurz innehalten. Che war kein Gutmensch. Er war auch ein böser Mensch. Er fand etwa, dass Hass wichtig sei, er liebte es zu töten, er war Leiter des La-Cabana-Gefängnisses. Damit aber nicht genug, die Umsetzung eines Rechtssystem, das die Beziehungen zwischen Männern und Frauen sowie den Konsum von Alkohol regeln sollte, erschien ihm ebenfalls als gute Idee. Ein fragwürdiges Vorbild also, der Herr Guevara.

Trotz allem hat es die Baskenmütze geschafft, sich von jedweder fiesen Assoziation freizuschütteln und sich zur Unisex-Franzosenmütze zu mausern (auch dank Marlene Dietrich!). Sogar tief hinein in die Wissenschaftswelt ist sie vorgedrungen, während der 50er schon, auf die Köpfe von Professoren und frankophiler Lehrer etwa, ganz zu schweigen von all die Künstlern, Literaten und Musikern, die eine solche Mütze mitunter bis heute als vulgarisierte Insignie der Boheme deuten, als très parisienne. Und ja, das Gender-Sternchen fehlt ganz bewusst, denn denken wir 30, 40, 50 Jahre zurück, dann sehen wir, mit ein paar Ausnahmen, beinahe ausschließlich männliche Baskenmützenträger vor dem inneren Auge. Umso schöner, dass Diors Leitwölfin nun vielleicht ein für alle Mal dafür sorgt, dass künftig ebenso viele Bilder weiblicher Trägerinnen durch unsere Köpfe jagen. 

Oh, und wie sieht es mit dem Baker Hat aus, der auch als Ballon- und Schiebermütze oder Fusion aus beidem bekannt ist? Die gehörte, natürlich, auch den Männern. Und zwar den Zeitungsjungen, Hafenarbeitern, Stahlarbeitern, Schiffsbauern, Bauern und Bettlern. Bis irgendwann während der 20er Jahre plötzlich die reichen Burschen kamen und sie auf den Golfplatz verschleppten. Alles auch nachzulesen bei Wikipedia, wo uns ausschließlich berühmte männliche Anhänger des „Gatsby Hats“ entgegen lächeln. Los, das ändern wir. Am besten noch heute, am liebsten sofort:

Schiebermütze aus Cord // Prada
Baker Boy Mütze // Topshop
Kappe aus Woll-Mix //  Mango
Karierter Hut // Mango
Karierte Wollkappe // Maison Michel
Kord-Schirmmütze // Kuyou
Baskenmütze mit Hahnentritt-Muster // Asos

Wool Beret Babyblau // & other stories
Perlenverzierte Baskenmütze // Mango
Rosa Mütze // Mint & Berry
Rote Baskenmütze // Gucci
Barett aus Wolle // Miu Miu
Mütze mit Brosche // Mango
Wollberetto mit Stickerei // Etro
Schwarze Mütze // Vero Moda

Baskenmütze aus Vinyl // Mango
Barett aus Leder // via Etsy
Baskenmütze aus Kunstleder // Asos
Hochgläntende Baskenmütze // Asos
Baskenmütze aus Vinyl // River Island

Die Hüte & Mützen im Herbst 2017 sind nicht nur schön, sondern auch politisch.

  1. Sarah

    Ich finde Modetrends immer wieder faszinierend. Da trage ich etwas seit Jahr und Tag jeden Herbst und Winter – und zack ist es plötzlich wieder im Trend. 😀
    Meine Sammlung an Basken- und Schiebermützen liegt schon seit ein paar Wochen bereit und wird fast täglich ausgeführt.

    Antworten

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