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Karottentage, oder: Soll das so?

05.10.2017 Outfit, Wir

Es gab in meinem Leben bisher vor allem Bananentage, ihr wisst es, aber nun ist ganz eindeutig die Ära der Möhren-Monate angebrochen, jedenfalls in meinem Kleiderschrank. Darin liegt, dank Luisaviaroma, dem Onlineshop, der mich ab sofort zu Outfit-Experimenten verleiten wird, seit neuestem also eine Ausgeburt der 80er Jahre-Reminiszenzen parat, frisch entworfen von Mademoiselle Isabel Marant höchstpersönlich. Der war ich bereits Anfang des Jahres auf den Leim gegangen, als sie mich mit ihren eierförmigen Safari- und Jeanshosen geradewegs am Geschmacks-Schlafittchen packte, um mich binnen einer einzigen Show während der Pariser Modewoche von allen Zweifeln zu befreien: Das aufblühende 80er-Revival ist eine gute Idee. Nicht nur für Kasten-Blazer-Anhängerinnen, sondern auch für all jene, die es untenrum gern luftig mögen, bollerig und weit. Die Karottenhose ist zurück, aber wie! Und ich freue mich – hurra – selbst wie Bolle. 

Nun gibt es ja aber durchaus zutiefst abgeneigte und skeptische Menschen, denen ich mich mit meiner Euphorie so sehr auf den Senkel gehe, dass sie mir am liebsten einen Stil-Chip ins Hirn implantieren würden. Das behauptet jedenfalls Person #1 meiner wenig repräsentativen Umfrage auf der Dieffenbachstraße, irgendwo in Kreuzberg. Alter: Zwischen 21 und 23, männlich. Ich war in weniger als sieben Sekunden durchgefallen durchs Beuteschema. Das sei nämlich echt „voll nicht sexy“. Schade Schokolade, dachte ich ein wenig peinlich berührt, weil ich ja nun wirklich nicht vorhatte, mich ihm auf die Brust zu binden. Dachte er aber. Also tat ich schnell so, als tränke ich einen heißen Kaffee, um es später nochmal zu versuchen. Ein allerletztes Mal bei einem Mann wohlgemerkt, denn wer noch immer der Meinung ist, es gehe beim Einkleiden ausschließlich um die Brunft und jedwedes Verstecken von Problemzonen, der verpasst ohnehin den halben Spaß. Viel besser ist es doch, wenn Kleidung als Seismograph des eigenen Empfindens funktioniert. Heute also: möhrig und ein bisschen schräg. Und überhaupt: Lieber ulkig als bierernst, jedenfalls manchmal.

Person #2, bärtig, um die 30. Lachte erstmal ziemlich lang und laut, um mich dann doch noch für voll zu nehmen, die Arme verschränkend, sehr nachdenklich. Ein paar Sekunden Stille, dann fiel der Groschen: „Krass, wie früher.“ Naja fast, gebe ich zu bedenken, hinsichtlich des Volumens habe es die Marant für 2017 ja schon recht gut gemeint. „Gefällt mir aber“, befindet der zweite Mann der Umfrage schließlich. „Weil man ja irgendwie schon sieht, dass jemand, der so eine Hose trägt, den Schalk im Nacken hat. Könnte mir vorstellen, dass du nett bist.“ Aha! Eine Hose mit Sympathie-Bonus? 

Ich möchte ihm Blumen reichen, aber der Geldbeutel ist leer. Und während ich da so stehe, werden meine Finger kalt, weshalb ich, wie praktisch, meine Ärmel herablasse wie Rapunzel ihr Haar.

Shirt: Loewe 
(thanks to Luisaviaroma)

Jeans: Isabel Marant 
(thanks to Luisaviaroma)

Tasche: Sandro Paris 

Loafer: Mango 

Ohrringe: Vintage 

Jetzt gehts ans Eingemachte. Passantinnen sind gefragt! Kann die Karotte der scharfen Meinung kosmopolitischer Großstadtpflanzen standhalten? Eine Bilanz: 

„Hör mir auf!“
„Scheiße, sag nicht, das ist jetzt wieder in?“
„Geh weg.“ 
„Wie ein Sack, ne?“
„Gott, voll süß!“
„Mega, einfach mega. Tauschst du die gegen meinen Fahrradhelm? Der hat sogar LEDs.“
„Soll die so?“ 
„Das sieht vor allem gemütlich aus.“
„Wieso trägst du denn sowas weites, man sieht ja das Figürchen gar nicht!“
„Unvorteilhaft.“
„Madonna hatte die auch!“
„Wer die trägt hat genug Selbstbewusstsein, da ist es egal, ob ich diese Hose mag oder nicht.“

Ende im Gelände. Da hatte sie mich, die Mitte 50-Jährige, auf deren Kopf eine rote Baskenmütze mit Pfauenbrosche saß. Es muss egal sein, was andere denken. Endlich. Und diesmal wirklich!

Nicht leicht, wenn alle gucken, das stimmt, aber durchaus möglich. Alles wird außerdem ein bisschen leichter, wenn man nicht nur Karotte, sondern auch ein Lächeln trägt. Das steckt einerseits an und lässt andererseits verzeihen. Sogar diese klitzekleine große Geschmacksverirrungen, die bald vielleicht gar keine mehr sein wird. Ihr wisst schon: Die Macht der Gewohnheit.

– Dieser Beitrag wird unterstützt durch Produktplatzierungen –

 
 

14 Kommentare

  1. Betty

    Sieht super an DIR aus !!! Man muss dafür so eine schmale Taille haben , wie Du . Sonst sieht Frau aus , wie eine wandelnde Telefonzelle ( gibt’s die heute eigentlich noch ?!) .

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  2. Julia-Maria

    Karotten ja, gerne aber ein wenig enger. Man muss ja manchmal ein bissl mit einer Sache übertreiben, damit sie moderat in der Gesellschaft ankommt. Das ist so mit politischen Dingen, aber vielleicht auch mit der Mode. Und diese VorreiterInnen feier ich schon allein für Mut, Selbstbewusstsein und „den Schalk im Nacken“.

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  3. clara

    Schöne Fotos und toller Artikel, wie immer! 🙂
    Wurde auch schon so manches mal belächelt oder dumm angemacht wegen meines Stils.
    Nimmt mir aber gottseidank trotzdem nicht den Spaß mit Mode verrückt herumzuexperimentieren und mich auszudrücken.
    Haha manchmal kann einem ein auffälliges/kontroverses Kleidungsstück auch als „tolerante-und-tolle-Menschen-Detektor“ dienen;)…

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  4. Nico

    sehr gut! Dieses Outfit an dir macht mich so glücklich! Aber bei breiteren Hüften leider wohl sehr unvorteilhaft 🙁 Ich hatte letztens auch eine der Cordhosen an, die ihr mal gezeigt hattet, aber bei meinem Hüften-Taillen-Verhältnis sah das wirklich ganz ganz furchtbar aus. Also bitte trage die Hose und ähnliche Hosen ganz ganz oft zum Ausgleich, das mir sowas nicht steht, denn dir steht das SUPER! Ich freue mich immer riesig, wenn ich auf der Straße mal was Abwechslung zur Skinny Jeans (Hallo 2007!) und vor allem auch mal mehr Farben sehe!

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  5. Ilka

    Liebe Nike,
    ich mag Deine Artikel und Deinen Schreibstil sehr. Euer Blogzine gehört zu den wenigen, das ich gerne lese. Ich hab mich vor 2 Wochen auch in diese Hose verliebt und letzten Montag war sie mein. Soo gemütlich und schön
    Jeder soll seine Meinung haben dürfen, dennoch kann man tolerant sein… so sehe ich das zumindest

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  6. Ella

    Wow, sieht toll aus! Aber auch die Fotos! würdest du bitte verraten, wie du sie bearbeitest??
    wär so toll

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  7. Anna

    Die Hose steht dir soooo gut – würdest du in der Stadt an mir vorbeilaufen würde ich sagen „Guck mal wie geil und bequem das aussieht! Könnte ich nie tragen :(“ 😀 😀 😀

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  8. Julia

    Liebe Nike,
    Das outfit ist der Hit! Ich habe auch so ein gutes Stück in schwarz. Meine Taile ( ich habe auch ein breites Becken) hat selten so schlank gewirkt! Also go for it! Aber ich wäre dir dankbar wenn du ein paar etwas kostengünstigere alternativen Preis gibst solltest du welche haben!

    Liebste Grüße Julia

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  9. Aylin

    Ich finde dein Outfit ebenfalls super toll! Die Hose steht dir hervorragend, da sie eine weibliche Silhouette zaubert und durch die enge Taille immer noch grazil und nicht einfach nur bauschig aussieht. Meine Unterstützung hast du bei diesem Modell also 😉

    Außerdem freue ich mich eigentlich immer etwas buntes im schwarze-Skinny-Jeans-mit-Lederjacke-Einheitsbrei zu entdecken. Hätte ich dich gesehen hättest du mir also sicher den Tag versüßt 😉
    Zudem finde ich es auch immer ganz lustig die Grenzen des „guten Geschmacks“ zu sprengen und dafür böse Blicke von ach so modischen Leuten zu ernten. Ich hab das Gefühl viele Leute wollen sich durch Kleidung in ein bestimmtes Schema einordnen, während ich immer viel mehr Spaß daran hatte und habe mich aus ebendiesem Schema auszuordnen.

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  10. Karola

    Schön!! Aber ich finde die Hose jetzt gar nicht sooo ungewöhnlich. Da gibts doch deutlich auffälligere Outfits bei euch zu finden. Ich finde, wer die Figur dafür hat, sollte solche Hosen auf jeden Fall tragen 🙂

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