Von morgens bis Mitternacht //
24h durch Berlin mit Sara Chahrrour

16.10.2017 box1, Travel

Reißaus nehmen und die Welt kennen lernen, neue Kulturen aufsaugen und aus dem Staunen nicht mehr heraus kommen: Unsere neue Travel-Serie „Von morgens bis Mitternacht“ soll mit euch aus dem Alltag ausbrechen, euer Fernweh ankurbeln und euch in 24 Stunden das Schönste und Sehenswerteste einer Stadt mit auf den Weg geben. Und weil wir meist sowieso viel zu wenig Zeit haben, uns im Vorfeld durch Travel Guides zu durchforsten, haben wir Menschen gefragt, die uns dabei helfen, von längst platt getrampelten Pfaden abzukommen, die uns mit an ihren Sehnsuchtsort nehmen, in ihre Stadt, die voller Wunder steckt. Nach Tel Aviv, Mailand, Paris, London, Amsterdam, Tokio und Reykjavík bleiben wir heute doch einfach mal hier, genau gesagt: In Berlin.

Und genau dafür haben wir uns auch in dieser Woche eine Lady geschnappt, die unsere Hauptstadt in und auswendig kennt: Sara Chahrrour. Auf Finding Berlin streift sie mit ganz viel Herzblut regelmäßig durch Berlins Straßen, nimmt uns mit ihre kritischen Auge mit und hat immer die Kamera mit dabei. Und genau wie die Stadt selbst, zeigt Sara uns meist die rohe Schönheit dieser Stadt, ungefiltert und echt. Mit einer ganzen Ladung an Restaurant-Tipps, den schönsten Stellen zum Verweilen und einem kleinen Geheimtipp auf der Sonnenallee, starten wir mit Sara heute unseren 24h Stunden Guide für Berlin Teil 1. Diese Stadt ist nämlich einfach viel zu bunt, viel zu groß und definitiv viel zu facettenreich, um sie euch nur aus einem Blickwinkel vorzustellen. Et voilà: Von morgens bis Mitternacht Berlin ❤️

Wir wissen nicht mehr genau, seit wann wir Sara genau kennen, aber es sind viele Jahre vollgestopft mit Erinnerungen an lange Nächte, guten Döner und das, was man das wilde junge Leben nennt. Wir haben zusammen Bagels belegt, in vollgerauchten Kellern nach Luft geschnappt und Freibadsonne getankt, zwischendurch zwei mal New York und wieder zurück, auch an erste Gehversuche auf mittelhohen Hacken erinnern wir uns, wegen Dresscodes, von denen wir nicht viel verstanden. Immer dabei waren Saras Texte, ihr Kopfkino, das ständige Analysieren unserer Zeit und das Talent, jeden komplexen Gedanken in noch komplexere Sätze zu verpacken, aber in solche, die sich bis heute trotz aller Schlagkraft ganz leicht anfühlen. Für uns ist Sara eine der begabtesten Autorinnen/Schreiberinnen/wieauchimmermandasnennensoll dieser Stadt, vielleicht sogar die beste von allen. Und genau davon solltet ihr euch doch einfach selbst überzeugen: Eben auf Finding Berlin, einem Sehnsuchtsort und visuellem Magazin über Berlin und seine Kultur.

Sara auf Instagram:

Du Liebe, welche Lieder begleiten dich durch die Stadt?

Diese Stadt ist für: absolut jeden Menschen, der Freiheit und Autonomie liebt

Dein Herz hängt an Berlin, weil… ich hier die schönsten und besten Menschen der Welt getroffen habe.

Be prepared: Was sollte im Vorfeld auf jeden Fall in den Koffer wandern? Wetterfeste Kleidung für die üblichen Sturmgewitter, Sonnenbrille und UV-50 Gesichtscreme für die überraschende Sommersonne, und Bargeld, weil man immer noch nicht überall mit Kreditkarte zahlen kann.

Welches Buch liest sich hier besonders gut?

Aktuell zelebriere ich die Werke, die im Korbinian Verlag erscheinen. „Das Nirvana Baby“ von Juri Sternburg ist zum Beispiel so eine Novelle, die einen unterschwelligen Berliner Zustand einfängt; einer, der sich in Zeiten von G-20 Randale, global regierendem Kapitalismus und urbaner Identitätslosigkeit mit dem Widerstand (oder der Möglichkeit des Widerstands) auseinandersetzt. Genauso wie Berlin kann man auch dieses kurze Werk in der Dauer einer Ringbahnfahrt abhaken und vergessen. Oder man kann jeden einzelnen hippen Satz über Air Max, Nazis, Linksradikale, das Prince Charles und weitere zeitgenössische Symbole der Stadt aufsaugen und daraus ein Lebensgefühl interpretieren, das unheimlich nah an der Realität unserer Zeit ist.

Ich packe meinen Koffer: Was wandert aktuell bei dir rein? 

Meine Olympus Mju II. Analoge Schnappschüsse halten die Flüchtigkeit und Vergänglichkeit Berlins mit genau der typischen Nostalgie fest, mit der man gerne an seine Zeit in der Stadt zurück denkt. Das kriegt man mit digitalen Bildern nicht so gut hin, weil ihnen die Romantik des Fehlerhaften fehlt.

Außerdem:

24 Stunden Berlin fernab von getrampelten Wegen:
Vom Frühstück bis zur schönsten Bar, hin zum schnuckeligsten Hotel: 

Wo schickst du uns hin?

Aufwachen im Michelberger Hotel ist auch nach all den Jahren noch immer am schönsten. Hier kann man für kleineres Geld übernachten, ohne auf Stil verzichten zu müssen. Abends in der Lobby gibt’s regelmäßig spontane Konzerte, die Sofas sind so gemütlich, dass man hier schon mal den ganzen Abend verplempern kann, die Küche ist auch nicht zu verachten und im Biergarten im Innenhof wartet kuddelige Atmosphäre mit Lampions auf euch. 

Vor 11 Uhr braucht man gar nicht erst aufzustehen. Am Wochenende Brunch im Geist im Glas mit perfekten Bloody Mary’s dazu. Die Huevos Rancheros sind zum Reinlegen und gibt’s auch in vegan. Dazu gibt es Filterkaffee auf Flatrate.

Wer noch nicht da war: Auf jeden Fall die private Sammlung von Boros sehen! Dafür braucht man vorher einen Termin oder mit Glück gibt es spontane Plätze. Man kann sich nur mit einer Führung in der Ausstellung bewegen, die einen sehr guten Einblick in die Welt der zeitgenössischen Kunst gibt. Auch für solche, die mit Kunst auf Städtereisen nicht viel anfangen können, lohnt sich die Tour, denn die Sammlung wurde in einen ehemaligen Bunker gebaut, der zeitweise ein Techno-Club war und später eben zu diesem privaten Museum umfunktioniert wurde. Die Tour dauert etwa eine Stunde und lässt einen sozusagen die Berliner Nachkriegsgeschichte betreten.

 

Ein Beitrag geteilt von Thom Archer (@thomarcher) am

Berlin hat sich zu einem gastronomischen Paradies entwickelt, wie ich bei meinen letzten Städtereisen in Europa feststellen durfte. Zum Mittagessen gehe ich aber trotzdem gerne (unter der Woche) im Bastard auf der Reichenberger Straße essen, weil es dort undogmatische, experimentelle und sehr leckere Hausmannskost zu einem vernünftigen Preis gibt.

Wenn es nicht regnet, dann mit dem Fahrrad auf das Tempelhofer Feld! Hier kann man die Berliner Freiheit am eigenen Leib erleben. Dass so viel Freifläche in einer beengten Stadt existieren kann, ist eine echtgewordene „Utopie des Nichts“. Für mich das ultimative Zeichen dafür, dass man nicht jedem Freiraum einen neuen Wert zuschreiben muss.

Wer mag, spaziert über die Sonnenallee – die neue „arabische Straße“ von Berlin, wo Libanesen, Syrer, Iraker und natürlich auch Türken, Deutsche und Menschen aus vielen Nationen in einer orientalischen Diaspora leben.

Die Straße ist voller Shisha-Cafés, Shawarma-Läden und anderen Shops aus dem Nahen Osten. Unbedingt in der zurecht gelobten „Damaskus Konditorei“ vorbei gehen und dort „Halawe“ und „Knafeh“ probieren, das sind syrische Süßspeisen, für die sich der Spaziergang lohnt!

 

Ein Beitrag geteilt von Gourmie (@gourmiefumi) am

Der Sonnenuntergang kündigt sich an, und den sieht man fast nirgendwo besser als am Landwehrkanal in Kreuzberg. Ein Bier vom Späti holen und entweder am Urbanhafen oder auch weiter hinten, am Bouleplatz in der Forster Straße, ans Ufer oder an die Brücken setzen, und dem Treiben zuschauen. Wenn es regnet, geht man einfach in eines der süßen Cafés (Katie’s Blue Cat oder 5 Elephant) und klaubt sich noch die letzten Tortenstücke aus der Theke, bevor die Läden schließen.

Zum Abendessen geht man entweder in den Goldenen Hahn, wo es traditionelle, italienische Küche in gemütlicher und cooler Atmosphäre gibt, oder ins Beuster, noch cooler und mit dem besten Steak Tartar und den allerbesten Pommes der Stadt (die Moules sind auch nicht zu vernachlässigen). 

 

Ein Beitrag geteilt von Beuster Bar (@beusterbar) am

Wer mit sehr vielen Freunden unterwegs ist und Lust auf was Neues hat, der geht bei Night Kitchen in Mitte vorbei. Hier gibt es mediterrane Geschmäcker (Tomaten-Carpaccio, gegrillter Oktopus, Ayran-Drinks) in den wunderschönen Heckmannhöfen, serviert mit einer Prise Leichtigkeit und zum Festpreis: „Dinner With Friends“ bedeutet, dass man vom Chef eine kuratierte Version des Menüs serviert bekommt, alles zum Teilen und so viel, bis alle am Tisch zufrieden sind. Im Winter, wenn es mal was zünftiges sein soll, geht man in die urige Knödelwirtschaft. Hier gibt es nur Knödel, aber dafür die besten.

Ja, gute Drinks sind wichtig – die kriegt man in schnöseligen Bars vom Westen bis hin zum Osten – aber viel wichtiger ist für mich die Location. Deshalb erstmal auf ’nen räudigen Drink in den Monarch über/am/im Kottbusser Tor. Im Hintergrund die Skyline von Kreuzberg: die U1 Hochbahn und die Plattenbauten der 70er, das Vermächtnis einer absurden Architekturphase, die heutzutage zum ästhetischen Kunstwerk stilisiert wird.

 

Man kann überall tanzen gehen, aber am besten ist es halt im Berghain – wenn man drauf steht. Man muss nämlich Commitment zeigen, wenn man sich die Schlange, die Tür-Tortur und die lange, lange Nacht sowie eben Techno reinziehen möchte. Wer lieber auf eine simplere Angelegenheit aus ist, der geht ins St. Georg, wo eigentlich immer eine gute Hip Hop Party steigt. Für alles andere hat man ein waches Auge in den sozialen Netzwerken, denn in Berlin kommt’s meistens eher auf die Veranstalter als auf die Locations an.

Dein liebster Urlaubsschnappschuss aus Berlin?

Da ich in Berlin lebe und keinen Urlaub mache (außer vielleicht an Sonntagen), hier ein Bild von einem kleinen Ausflug auf dem Müggelsee, das mehr oder weniger versehentlich entstanden ist:

Deine 3 liebsten Instagram-Accounts aus der Stadt,
die den Geist und das Leben hier perfekt einfangen.

Ein Mitbringsel für die Liebsten, das man aus Berlin besonders gut mitbringen kann.

Molekül I Parfum von Geza Schön oder Poster von der Volksbühne

Für welche Stadt soll unser Guide als nächstes beantwortet werden?

Und immer wieder: London!

 

Und noch mal alle Orte für euch zum Nachsehen:

Von morgens bis Mitternacht //
24h durch Berlin mit Sara Chahrrour

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