Zur (Gucci) Feier des Tages: Eine Ode an Fake Fur?

23.10.2017 Mode, Trend, Shopping

Jedes Jahr werden mehr als 100 Millionen Tiere von der Pelzindustrie getötet. Nerze, Füchse und Marderhunde leiden auf Pelzfarmen in winzigen Maschendrahtkäfigen, nicht wenige Arten sterben zudem durch Fallen einen grausamen Tod. Auch der Umwelt rückt die Pelzindustrie zu Leibe: Für die Verarbeitung von Fellen zur Pelzmode werden etliche Massen an gefährlichen Chemikalien und Unmengen von Energie benötigt. Damit soll bald allerdings endlich Schluss sein. Zwar ist es noch ein langer Weg, vergangene Woche allerdings wurde ein weiterer Meilenstein gelegt: 

Am 11. Oktober verkündigte das Luxusunternehmen Gucci beginnend mit seiner Frühjahrs-Sommer-Kollektion 2018 auf jegliche Verarbeitung von Echtpelz zu verzichten.

Ein längst überfälliger Schritt, wie wahr, aber dennoch Grund zur Freude. Diese Selbtsverpflichtung Guccis wird nämlich hoffentlich auch weitere Brands zum Umdenken bewegen – wenn auch nicht ganz uneigennützig:

 

 

 

 

Guccis Präsident & CEO Marco Bizzarri kündigte während des Kering Award for Sustainable Fashion in London die pelzfreie Zukunft seines Unternehmens an. Diese Entscheidung Guccis folge langjährigen Beziehungen zu Mitgliedern der Fur Free Alliance, einer internationalen Koalition von 40 Tierschutzorganisation, die gemeinsam ein Ende des Pelzhandels erwirken wollen. Guccis pelzfreie Strategie beinhaltet Nerz, Kojote, Marderhund, Fuchs, Kaninchen und Karakulschaf (auch bekannt als Swakara, persisches Lamm oder Astrachan) sowie alle weiteren Spezies, die speziell für die Pelzproduktion gezüchtet oder gefangen werden. 

 

 

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„Soziale Verantwortung zu tragen gehört zu den zentralen Werten von Gucci, und wir werden uns weiterhin darum bemühen, Umwelt- und Tierschutz in unserer Strategie zu integrieren. Gucci freut sich, mit Unterstützung von HSUS und LAV diesen nächsten Schritt zu gehen und wir hoffen, dass wir dazu beitragen werden, Innovationen anzuregen und Bewusstsein zu schaffen, um die Luxusmodeindustrie zum Besseren zu verändern.“

 

Kunstpelz hingegen wird derweil immer beliebter:

Ob es moralisch vertretbar ist, Fake Fur, also unechten Pelz zu tragen, darüber scheiden sich seit Jahren die Geister. Fakt ist schließlich, dass die Gier nach totem Tier bisweilen vor allem von Prestige-Gedanken, aber nunmal auch durch optische Reize geschürt wurden, durch Trend-Tendenzen. Weil für das bloße Auge „echt“ und „unecht“ zuweilen kaum voneinander zu unterscheiden sind und die dazugehörige Assoziation im ersten Moment ein und dieselbe bleibt, finden also viele: Geht gar nicht. Weil jedwedes Tragen von Plüschel besagten Trend im Zweifel zu befeuern vermag. Selbst große Designerinnen wie Stella McCartney, die in ihren Kollektionen ebenfalls auf Leder verzichtet, sind sich nicht von Anfang an sicher gewesen, wie mit diesem Zwiespalt umzugehen ist:

„Modern fake fur looks so much like real fur, the moment it leaves the atelier no one can tell it’s not the real thing. And I’ve struggled with that,“ verriet sie einst. Die Konsequenz: Sie labelt ihre Produkte daher gut sichtbar mit einem schmückenden „Fur Free Fur“ Etikett.

Das ist, für alle, die es genau nehmen wollen, eine Möglichkeit. Und die andere? Teddy Optik zum Beispiel. Und noch eine Idee, die derzeit geläufig ist, ein bisschen Banane klingt, aber durchaus hilfreich sein kann, vor allem, wenn man in der UBahn nicht Gefahr laufen will, trotz Synthetik mit Eiern beworfen oder für eine fiese Pelzträgerin gehalten zu werden. Meine ganz persönliche Faustregel lautete zumindest bisher: Fake Fur ist für mich dann ok, wenn er tatsächlich nach Fake aussieht, also erst gar nicht auf die Idee kommt, so zu tun als sei er einst lebendig gewesen. Richtig abschätzen kann man dieses optische Kinkerlitzchen meist erst von Angesicht zu Angesicht, deshalb haben wir euch hier unsere liebsten Modelle herausgesucht, die (wie ich finde) zwar eindeutig unecht, aber gerade deshalb wunderschön ausschauen:

Stine Goya
Edited 
Mango 
Topshop
& other stories 
H&M
Shrimps
Mango 
Toga

Aber was, wenn die Traumjacke doch viel zu echt aussieht? Das frage ich mich gerade immer wieder, zum Beispiel aufgrund von solchen Schmankerl wie rechts im Bild von LPA. Schwierige Kiste, zumindest für mich, deshalb interessiert mich eure Meinung dazu sehr. Einige meiner Freundinnen denken nämlich genau andersherum. Sie sagen: Tritt in den Dialog! Wei es doch wahnsinnig wichtig sei, den ganzen Pelz-Verrückten unter die Nase zu binden, dass Pelz gerade deshalb nicht mehr vonnöten ist. Weil es längst wunderbare, hochwertige Alternativen gibt.

 

Also, was meint ihr?

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5 Kommentare

  1. Veronika

    Einerseits freue ich mich sehr über die Entscheidung von Gucci, andererseits finde ich es traurig, dass Echtpelz überhaupt wieder so groß werden konnte. Er war ja schon mal abgehakt und unten durch und zack, hat er ein Comeback und wird rauf und runter getragen, von dem Echtpelzbommel (Danke Fendi) bis hin zu den absurden offenen Gucci Schlappen. Und bis der Trend hier in München endlich zurückgeht, dauert es sicher noch – hier trägt gefühlt jede/r 3. einen Echtpelz an der Kapuze (Danke Woolrich). Mir graust es vor dem nahenden Wimter…
    Ansonsten kann man gar nicht oft genug betonen und erwähnen, wie unglaublich sinnlos, ignorant und grausam es ist, echten Pelz als Modeacceessoire zu tragen und die Hintergründe dazu auszublenden bzw. in Kauf zu nehmen. Es sagt sehr viel über die Träger/in aus. Am besten dann noch einen Hund an der Leine und sich für einen Tierfreund halten…

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    1. Kerstin

      WORD Veronika. Genau so ist es…..mir graust es auch schon wieder, hier durch München zu laufen, sobald es kalt wird…

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  2. Anne

    Ich stehe total auf den Mango Mantel.. den gibts hier in Mexiko auch noch mit rosa Ärmeln… <3
    Leider leider ist der Mantel mir bei 24 Grad zu warm und wenn ich im Februar wieder in Deutschland bin, gibts die tollen Teile wahrscheinlich nicht mehr…:(
    Naja, ich habe so wenigstens ein paar Euro gespart und liege in der Winterzeit am Strand!
    Liebst, Anne:)
    http://www.einfachanne.wordpress.com

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