Slow Sunday //
Frauen, haltet zusammen!

17.12.2017 Slow Sunday

Wir sind alle gegen Sexismus. Weil es nicht okay ist jemanden für sein Aussehen, sein Geschlecht oder sonst irgendetwas, was uns verdammt nochmal nichts angeht und uns eigentlich nicht tangiert, zu verurteilen. Weil es nicht okay ist, seine eigene Unsicherheit, Unzufriedenheit und Angst an anderen auszulassen. Weil es nicht okay ist, andere spüren zu lassen, dass sie so wie sie sind grundsätzlich und als ganze Person nicht okay sind. Wir starten Bewegungen, schreiben Texte und wehren uns lautstark. Das ist alles toll und wichtig, aber manchmal frage ich mich, ob dieser Ansatz wirklich reicht? Aber wo bleibt das Handeln?

Was wir dabei nämlich regelmäßig unter den Teppich kehren, geschieht nicht zuletzt im direkten Austausch mit uns selbst. Denn: Was wir Frauen uns im gegenseitigen Miteinander manchmal antun, ist doch in Wahrheit oft mindestens genauso schlimm wie jede Form von Sexismus – und nicht zuletzt eines der größte Problem unseres Miteinanders. Ich will hier keinesfalls ein Battle starten, Sexismus nicht tolerieren, gar verharmlosen, noch will ich Äpfel mit Birnen vergleichen, aber: Wann fangen wir denn bitte an, all unsere Erwartungen dem anderen Geschlecht gegenüber, auch an uns selbst zu stellen?

Wir Frauen sehen uns doch gerne so: Weiblich, emanzipiert, vereint, gestärkt und gemeinsam gegen die Ungerechtigkeiten. Gegen Sexismus, für Gleichberechtigung, Akzeptanz und Respekt. -Ich falle gleich vom Stuhl vor lachen – oder eher vor weinen. Denn nur weil unser vermeintlich weiblicher Zusammenhalt nach außen hin so schön glänzt, heißt das nicht, dass auch immer drinsteckt was draufsteht. Ganz im Gegenteil.

Frauen schwächen sich so oft selber, von innen und aus so vielen anderen Gründern heraus, dass ich sie hier gar nicht aufzählen möchte. Manchmal finde ich, dass wir gar nicht so sehr nur auf das Patriarchat zeigen müssen, viele seiner Aufgaben übernehmen wir doch ab und zu einfach selber.

Was geht in uns vor, wenn wir aufeinander losgehen – natürlich nicht offen und direkt, sondern versteckt, langwierig und so richtig gemein? Merken wir nicht, wie lächerlich wir uns machen? Wir schreien lauthals gegen die Ungerechtigkeit gegenüber unseres Geschlechts und fordern mehr Fairness, aber wir verhalten uns selber nicht mal so.

Wir möchten eine gleichberechtigte Chance auf eine Karriere, aber natürlich nur für uns selber, nicht für die dünne, dicke, große, kleine, schlaue, nicht so schlaue, blondhaarige, dunkelhaarige, deutsche oder ausländische Frau im Nebenbüro. Denn die finden wir blöd – in der Regel deshalb, weil sie irgendetwas hat, was wir nicht haben. Eher selten, weil sie uns einen wirklichen Grund geliefert hat.

Unseren Freundinnen würden wir die Chancen eventuell noch gönnen, dann ist aber auch mal irgendwann Schluss, schließlich müssen wir auch mal an uns denken, oder? Die Wahrheit ist doch: Es gibt selten ein wirkliches Wir. Jede Frau muss viel zu oft einzeln für sich selber kämpfen und bekommt dabei den meisten Gegenwind von ihren Mitstreiterinnen. Dass sich Geschlechter gegenseitig versuchen zu bekämpfen, ist schon schlimm genug, aber mit ganz viel gutem Willen noch irgendwo auf Unterschiede und Unverständlichkeit zurückzuführen. Aber Frauen untereinander? Jede von uns weiß genau, wie sich die andere fühlt, wenn man sie mit Negativität überschüttet, denn wir fühlen alle ähnlich.

 

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Dabei gilt doch für uns alle: Wenn wir etwas erreicht haben, dann in der Regel, weil wir hart dafür gearbeitet haben und nicht weil uns einfach alles geschenkt wurde. Wir sagen das über uns selber und sollten das auch bei anderen im Kopf behalten. Du bist ihr ähnlich und sie dir, warum bringt ihr euch so viel Hass entgegen? Wir schaden uns nicht nur selbst, sondern auch der Position, die wir uns in der Gesellschaft versuchen zu erarbeiten. Wir machen uns unglaubwürdig und: Unsere vermeintlich starke Frauenbewegungen wirken aus diesem Blickwinkel nur noch wie eine leere Hülle.

Ist es nicht in Wahrheit so, dass wir viel weniger für unser Recht kämpfen müssten, wenn wir anstatt uns selber gegenseitig fertig zu machen, im Alltag endlich eine weibliche Allianz gründen, uns respektieren und gegenseitig stärken würden? Women around the World: UNITE! Und jetzt bitte endlich wirklich!

10 Kommentare

  1. Christina

    Auf den Punkt!
    Danke für den wundervollen ehrlichen Text. Ich wünsche mir mehr Frauen, die anderen Frauen Komplimente machen. In der Straßenbahn, im Cafe, im Büro und auf dem Spielplatz. Aus Jux und Dollerei und dann wenn es auch mal verdient ist. Es tut auch gar nicht weh. Bitte unbedingt weitersagen!

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  2. Sara

    Ehrlich gesagt ist mir der Artikel auch wiederum zu verallgemeinernd, voller Vorurteile und gegen Frauen gerichtet! Als wären wir alle Superzicken, die sich gegenseitig angiften und hintenrum die Chancen der anderen manipulieren. Mag sein, dass es solche Frauen gibt – es gibt sicherlich auch solche Männer. Aber ich zähle mich absolut nicht dazu! Genauso wenig wie meine Freundinnen und eigentlich alle Frauen, die ich kenne. Wäre schön, wenn hier nicht pauschal das Bild erweckt würde, dass Frauen sich gegenseitig nichts gönnen und erst einmal lernen müssten, ihre Krallen einzufahren…

    Wenn man dazu aufrufen möchte, dass Frauen sich gegenseitig mehr schätzen und helfen, dann wäre es besser, mit gutem Beispiel voranzugehen und nicht in ebendiesem Artikel Frauen erstmal pauschal runterzumachen. Allein schon der Satz „Merken wir nicht, wie lächerlich wir uns machen“… Was soll das bitte? Fühle mich nicht angesprochen und ziemlich wütend über den Artikel.

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    1. Lilli

      Danke, Sara! Ich bin auch sehr wütend über diesen Artikel. Sprechen wir hier über 14-jährige Mädels, die sich – meiner Erfahrung nach übrigens genauso sehr wie Jungs in diesem Alter – anzicken oder über erwachsene Frauen? Wer in solch einer Realität lebt tut mir jedenfalls sehr leid! Hatte den Artikel schon am Wochenende gelesen, mich aber zurück gehalten, da ich Julias Artikel und ihr Verständnis von Nachhaltikkeit (und nun anscheinend auch von Feminismus) leider schon häufiger kritisieren musste.

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  3. Henriette

    Ich fühle mich auch überhaupt nicht angesprochen von dem Text. Ich und die Frauen* mit denen ich zutun habe, leben diese Konkurrenz nicht. Es tut mir leid, wenn das die Lebensrealität anderer ist. Aber hier würden ein paar Komplimente in der U-Bahn oder sonstwo auch nicht helfen (nichts gegen Komplimente, die gerne trotzdem, aber einfach aus Nettigkeit!). Feministische Forderungen sind hier doch schon viel konkreter! Und sollten auch so gelebt werden, zum Beispiel in dem man Frauen* in seinem Umfeld pusht, freiwerdende Stellen mit ihnen besetzt und und und.

    Und btw – falls manche Frauen die im Text beschriebene „Stutenbissigkeit“ tatsächlich an den Tag legen: Wo würdest du, Julia, diese denn verwurzelt sehen, wenn nicht im Patriachiat?

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  4. Alice

    Mir gings total ähnlich, was diesen Artikel betrifft. Feminismus hat nichts damit zu tun, dass wir jedes Verhalten von Frauen* akzeptieren müssen, Feminismus bedeutet nicht, dass Frauen* nicht sexistisch, rassistisch oder gemein sein können. Er bedeutet umgekehrt auch nicht, dass Männer* es sind. Es ist eine Kritik an der Gesellschaft und am Verhalten vieler. Ob Frau* oder Mann*. Und Julia, ja die Fehlerfreundlichkeit ist nicht oft verbreitet in feministischen Kontexten da hast du leider sehr recht, aber ich kann verstehen, dass sich Menschen die sich selbst als Feminist*in bezeichnet von deinem Artikel stark missverstanden und angegriffen fühlen.

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  5. Carolin

    Ich habe mich durchaus von dem Artikel angesprochen gefühlt. Wenn ihr Stutenbissigkeit noch nicht erlebt habt bzw. alle Frauen in eurem Umfeld einander supporten und wohlgesonnen sind, dann herzlichen Glückwunsch. Das ist toll und wünschenswert. Ich hingeben habe sowohl in meiner langjährigen Tätigkeit in einem großen Verlag als auch im Privaten immer wieder die gegenteilige Erfahrung machen müssen, und das, obwohl ich selbst mich oft genug um Support, Ehrlichkeit und Freundlichkeit bemüht habe. Ist schade, aber ist so. Und wie oft ist es so, dass zwar der eigene, enge Kreis unterstützt wird, nicht aber die, die ein bisschen außerhalb des Dunstkreises sind? Julia hat wahrscheinlich ähnliche Erfahrungen gemacht, und dass sie diese in diesem Text verarbeitet, ist doch durchaus legitim und hat nichts mit „14-Jährigen“ etc. zu tun.

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  6. Beata

    Vielen Dank für den Artikel, liebe Julia. Kann ich genauso unterschreiben. Ich habe jahrelang in einem großen Team aus ca 30 Frauen gearbeitet und kann das bestätigen was du beschreibst. Was da an Missgunst, Stutenbissigkeit und Lästerein abging, war einfach nur traurig. Es gab natürlich auch Frauen, die da nicht mitgemacht haben und ebenso gab es auch männliche Kollegen, die über andere gelästert haben. Aber es waren eben überwiegend Frauen, die da über andere Frauen so streng urteilten. Im Alltag lerne ich immer wieder neue Frauen kennen (Kita, Schule, Spielplatz…) und auch da werden andere Mütter so unglaublich schnell bewertet und verurteilt und ich habe mich schon so oft gefragt, warum das so ist.
    Ich kann nicht nachvollziehen, warum sich hier einige Leserinen angegriffen fühlen und sogar wütend sind. So als gäbe es diese Problematik unter uns Frauen gar nicht. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass keine von euch Erfahrungen in diese Richtung gemacht hat. Ich finde der Artikel regt doch sehr zum Nachdenken ein, wie Frauen eigentlich miteinander umgehen.

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    1. Lilli

      Diese Problematik gibt es unter uns Menschen – es auf Frauen zu reduzieren finde ich in einem femisitischen Artikel (oder viel mehr einem, der es sein soll) absolut unangebracht. Der Artikel klingt so, als würde er 90% der Frauen zu Zicken reduzieren wollen, was zumindest in meiner Welt nicht der Realität entspricht. Natürlich gibt es Frauen, die man nicht leiden kann. Genauso wie es Männer gibt, die man nicht leiden kann. Ich verstehe nicht, wieso es hier nötig ist alle Frauen in einen Topf zu werfen und so zu tun, als wäre dieses Probleme ein rein weibliches. Für mich persönlich passt dieser Artikel in die Brigitte, aber doch bitte nicht auf ThisisJaneWayne!

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  7. Daniela

    Ich finde den Begriff „Stutenbissigkeit“, der immer wieder in Kommentaren zum Thema auftaucht, unmöglich. Frauen mit Pferden gleichzusetzen und das Verhalten damit als Herdentrieb einzuordnen, wertet Frauen pauschal ab und schafft keine Grundlage für eine Diskussion über Erfahrungen und Möglichkeiten des unterstützenden Umgangs!

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