Kategorie-Archiv: Buch

BOOKS THAT SAVED & SHAPED MY LIFE //
Mit Autorin Elisabeth Rank

– 08.02.2016 um 15.56 – Buch

elisabeth rank

Elisabeth Rank, oder auch einfach Lisa, ist ein Mensch wie eine Torte. Wo Lisa ist, herrscht Gemütlichkeit, jedenfalls stelle ich es mir genau so vor, und noch dazu ist die 31-Jährige stets auf der Suche nach den wirklich schönen, manchmal leicht verbeulten und saftigsten Kirschen des echten Lebens. Nach solchen, die sich in ehrlichen Geschichten spannender Menschen verbergen, dort, wo die allermeisten vergessen, hinzusehen. Nicht nur auf ihrem eigenen Blog sammelt die Berlinerin treffende Worte – nach ihrem Debütroman „Und im Zweifel für dich selbst“ folgt 2013 „ Bist du noch wach„, seit Anfang des Jahres lesen wir außerdem als Online-Redakteurin beim ZEITmagazin von ihr. Ich selbst möchte Lisa hin und wieder sogar für ihre Status-Updates knutschen:  „„Es ist niemandem zu trauen, der sein Brot komisch schmiert”, sagt D,“ stand dort vor Kurzem geschrieben. Es ist also nur verständlich, dass wir unbedingt wissen wollen, welche Werke anderer Schreibender Lisa selbst am Herzen liegen.

„I will never be beautiful enough to make us beautiful together“ von Mira Gonzales zum Beispiel: weiterlesen

Books that saved & shaped my life //
Mit Designer Tim Labenda

– 01.02.2016 um 10.05 – Allgemein Buch

tim labenda books that saved my lifeFoto: Steffen Roth

Wann immer wir den Namen „Tim Labenda“ in den Mund nehmen, flattert uns das Herz, wir formen Schnuten der Entzückung und laufen über vor Stolz. Diese eisblauen Augen dort oben sollten sich sämtliche Moedekritiker der Welt tunlichst ins Hirn brennen, womöglich werden sie es nämlich sein, welche die eigenen künftig zum leuchten bringen. Oder besser: Weiterhin. Das, was Tim uns während seiner noch jungen Karriere nämlich bisweilen präsentiert hat, sprengt Grenzen, die manch ein deutscher Designer sich nicht einmal anzusehen wagt, er hält die Fahne für Berlin hoch, hat mit Vogue-Chefredakteurin Christiane Arp nicht nur einen treuen Fan der ersten Stunde, sondern auch eine Mentorin gefunden und übertrifft sich mit seiner Handwerkskunst von Saison zu Saison selbst. Wir warten daher gespannt auf das kommende Lookbook für Frühjahr/Sommer 2016, es kann nämlich nur gut werden, mehr als gut.

Heute geht es aber ausnahmsweise nicht um schönen Fummel, sondern um großartige Bücher. Solche, die Tim, den man im Übrigen nur lieben kann, geprägt, beflügelt oder zum Nachdenken gebracht haben. Mir schwant, da schlummert ein ewig kleiner Junge in dem inzwischen erwachsenen Mann – vielleicht hat er ja gerade deshalb niemals das Träumen verlernt. Eine Gabe, die rar ist in einer Gesellschaft der Übervorsichtigen. Bitte bleib, du Goldstück. Du bist nämlich jetzt schon ziemlich groß. weiterlesen

Buch-Tipps // Was ich jetzt lesen werde

– 06.01.2016 um 13.37 – box1 Buch

leseliste 2016In der ersten Woche des Jahres kaufe ich mir stets eine Handvoll Bücher, die ich während der nächsten 12 Monate hundertprozentig lesen will. Keine Neuheiten, die werden im Laufe der Zeit einfach dazwischen gefudelt, sondern meist Klassiker, die schon viel zu lange auf meiner Leseliste schlummern. Da denkt man immer, man wäre relativ bewandert und hätte bald sämtliche Werke durch, die nicht nur irgendwie wichtig, sondern vor allem auch großartig sind (alles andere wäre wohl mehr Bauchpinseler des Egos als Vergnügen), aber nein. Es geht immer weiter, wahrscheinlich sogar bis ans Ende der eigenen Lebenszeit, weil die Zeit selbst, vor allem für Ruhe und das geschriebene Wort, so oder so das knappste aller Güter ist. Also ran an den Speck, bevor es zu spät ist. Mein Vorsatz 2016: Mehr als nur ein Buch pro Monat verschlingen, bis die Augen viereckig werden. Den Fernseher habe ich dafür wieder aus der Wohnung verbannt – zu viel Ablenkungsgefahr und was soll ich sagen, ein Hoch auf Netflix, wenn das Hirn doch nicht will.

Obwohl ich mir für solche Momente erstmals erhobenen Hauptes ein Buch aus der Kategorie „Freche Frauen“ zugelegt habe. Nein, ich schäme mich nicht. Ich werde mich in Badeschaum suhlen und Tränen weinen. weiterlesen

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Books that saved & shaped my life // Mit Nina Faulhaber von ASOS Germany

– 02.12.2015 um 14.38 – Buch

my life in booksNina Faulhaber ist eine der reizendsten Personen, die mir die Modebranche bisher beschert hat, ein Goldstück sondergleichen, das nicht nur den schärfsten Fummel von allen am Körper trägt, sondern auch jede Menge wunderbare Gedanken im Kopf. Als wir eines Tages zeitgleich auf dem fiesen Teppichboden des Berliner Fashion Week Zelts in uns zusammen sanken, vor Erschöpfung und auch Verzweiflung ob des gerade Gesehenen, da war der Drops gelutscht: Gäbe es einen Nina-Fanclub, ich säße definitiv auf dem Platz der obersten Präsidentin.

Wenn die Redaktionsleiterin von ASOS Deutschland gerade mal nicht fleißig ist, ist sie fleißig und manchmal auch fleißig, meist aber fleißig. Das Erstellen von Gifs gehört zu ihren Lieblingsbeschäftigungen, als kleines Mädchen hätte sie für einen echten Esel ihr letztes Hemd gegebenen, sie kann handgeschriebene Düfte riechen, malt ihr Tagebuch, weil sie Selbstgeschriebenes hinterher immer so schlimm albern findet und ist heimlich verknallt in Horst Evers. Ihr merkt: Nina ist ein Pfundskerl. Deshalb wollen wir auch auf der Stelle von ihr wissen, welche Bücher ihr Leben und Lesen bis heute geprägt haben: weiterlesen

Books that saved & shaped my life //
Mit Julia Knolle von „hey Woman“

– 24.11.2015 um 8.00 – Buch

julia knolle© Vera Comploj

Julia und ich, wir zwei haben es jahrelang geschafft, aneinander vorbei zu rennen und so etwas wie eine Coexistenz in Berlin zu führen, dabei tanzten wir mit Sicherheit mehr als ein Mal auf derselben Hochzeit. Vor ein paar Monaten schaffte Regisseurin Nicola Graef es dann aber doch noch, uns an einen Tisch zu bringen – wir hatten gerade gemeinsam in einem kleinen Charlottenburger Programmkino das Screening zur Arte Doku „We are Fashion“ gesehen, als sämtliche Mägen so laut knurrten, dass es uns zusammen mit einer Handvoll anderer Hungrigen in den großartigen Diener Tattersall mitsamt seiner deftiger Hausmannskost verschlug. Ein kurzer Schnattertantenplausch reichte aus, dann war recht schnell klar: Julia Knolle stapelt auf ihrem Nachttisch etliche Bücher, die dringend auf meiner persönlichen Leseliste landen müssen. Welche das sind, verrät sie und gleich. Erstmal erfahren wir aber kurz und knackig, was in ihrem Leben gerade überhaupt passiert: weiterlesen

Books that shaped & saved my life //
Mit Sara Shakur

– 16.11.2015 um 12.15 – Buch

life in books sara shakurIch weiß nicht mehr genau, seit wann ich Sara kenne, aber es sind viele Jahre vollgestopft mit Erinnerungen an lange Nächte, guten Döner und das, was man das wilde junge Leben nennt. Wir haben zusammen Bagels belegt, in vollgerauchten Kellern nach Luft geschnappt und Freibadsonne getankt, zwischendurch zwei mal New York und wieder zurück, auch an erste Gehversuche auf mittelhohen Hacken erinnere ich mich, wegen Dresscodes, von denen wir nicht viel verstanden. Immer dabei waren Saras Texte, ihr Kopfkino, das ständige Analysieren unserer Zeit und das Talent, jeden komplexen Gedanken in noch komplexere Sätze zu verpacken, aber in solche, die sich bis heute trotz aller Schlagkraft ganz leicht anfühlen. Für mich ist Sara eine der begabtesten Autorinnen/Schreiberinnen/wieauchimmermandasnennensoll der Stadt, vielleicht sogar die beste von allen. Neben ihrem Studium der Kulturwissenschaften, pflegt sie außerdem Finding Berlin, ein visuelles Magazin über Berlin und seine Kultur. Es folgen daher ganz selbstverständlich: Fünf Bücher, die Sara Shakur geprägt haben.

Darunter Sören Kierkegaard, John Niven, Orson Scott Card, Ben Lerner und Yann Martel: weiterlesen

Books that saved & shaped my life //
Mit Lisa van Houtem

– 13.10.2015 um 9.30 – box3 Buch

lisa van houtem my life in booksFoto: Pelle Buys

Lisa van Houtem ist  32, Journalistin und Co-Gründerin von Femtastics, dem in diesem Jahr ganz frisch geschlüpften Online Magazin für Girlpower. Unsere gemeinsame Geschichte beginnt in New York, genauer gesagt in einer Hotel Lobby, es war Liebe auf den ersten Blick. Man hatte uns damals zusammen mit einer Handvoll anderer Redakteurinnen auf ein paar Sessel drapiert, bloß waren wir die einzigen beiden ohne hochhackige Geschosse an den Füßen, mit Zigarettenpackungen in den Hosentaschen und Schalk im Nacken. Am nächsten Tag fanden wir uns in der hinterletzten Ecke des Broadways wieder, Lisa hielt meine Hand, als mir eine Schwarzhaarige im Yankees-Trikot den Oberschenkel tätowierte. Neben der Musik und ihrem Ehemann Pelle liebt sie vor allem gute Literatur. Es folgen also: Sechs Bücher, die Lisa geprägt haben.

Darunter Hermann Hesse, Patti Smith, T.C. Boyle, Gary Shteyngart, Simone De Beauvoir und Nick Cave eine Leseliste wie aus meinem eigenen Hirn entsprungen. Danke, du Rabauke. weiterlesen

Books that saved & shaped my life //
Mit Teresa Köster

– 06.10.2015 um 10.16 – box1 Buch

my life in books teresa koesterFoto: Michael Schulz

Teresa Köster ist freie Redakteurin, Kunstgeschichtlerin und waschechte Berlinerin. Ein stilles Wasser, das so tief ist wie der Atlantik, eines, das es vermag, erst stundenlang zuzuhören, ganz aufmerksam, um kurz darauf in endlosen Nächten vollgepackt mit klugen Gedanken zu versinken. Neben einem furchteinflößenden Wissen über die hiesige Kulturszene verfügt Tete, die es hasst, wenn ich sie so nenne, außerdem über einen brillanten Musikgeschmack. Nur eins kann sie noch besser als stimmungsunterstreichende Soundtracks zu erstellen: Bücher finden. Solche, die gelesen werden müssen, darauf ist Verlass.

Unsere neue Serie „Books that saved & shaped my life“ erkläre ich hiermit also für eröffnet – mit Teju Cole, Susan Sontag, Jonathan Franzen, Klaus Kordon, Siegfried Lenz und Milan Kundera im Gepäck: weiterlesen

Ab morgen am Kiosk //
Petra Collins x ZEITmagazin

– 23.09.2015 um 14.29 – box1 Buch Feminismus

petra f collins zeitmagazinDas ZEITmagazin schlüpft gern in unterschiedliche Gewänder und schmückt sich nicht selten mit großflächigen Bildern aufgenommen von den spannendsten Andersdenker_innen der (Pop-)Kultur. Diesmal ist aus einem Treffen zwischen Petra F. Collins und Chefredakteur Christoph Amend ein Fotoheft entstanden, das die Darstellung junger Mädchen vom Kitsch befreit. Genau das will auch die Künstlerin selbst, der über 175 000 Menschen auf Instagram folgen – trotz, oder gerade wegen mindestens zwei mittelgroßer Skandale, ausgelöst durch zu viel Schamhaar und ein in den Augen vieler „provokant-widerliches“ Perioden-Shirt für American Apparel. Sie möchte, „dass Mädchen wieder besser mit sich zurecht kommen“ und mit ihren analogen Aufnahmen „Facetten des Alltags und der Gefühlswelt (…) zeigen, die normalerweise verdrängt und versteckt werden, die in der Öffentlichkeit einfach nicht stattfinden.“

Wir duften schon vorab einen Blick in die morgen erscheinende Ausgabe werfen und sind nach abgekautem Glitzernagellack und Kugelschreibergekritzel noch größere Fans der Kanadierin, die seit Jahren zum Inner Circle von Rookie-Gründerin Tavi Gevinson zählt und längst zu einer der wichtigsten „Cultural Influencer“ unserer Zeit geworden ist. weiterlesen

Lesen // „Walden“
von Henry David Thoreau

– 17.09.2015 um 13.29 – Buch

walden henry thoreau„I took a walk in the woods and came out taller than the trees.“

Es kommt vor, dass ich das turbulente Leben liebe, meistens sogar, aber manchmal, da geht es mir wie so vielen anderen, die der Stadt dann und wann überdrüssig sind, die fliehen wollen vor dem Lärm, der Hektik und zu viel Menschheit. Zwischen Stadtflucht und Landfrust versuche ich noch immer heraus zu finden, welcher Ort mit mir zusammen alt werden wird, ein kleiner oder ein großer, ob ich Nachbarn haben werde und wenn ja, wie viele. Ich versuche mich darauf zu besinnen, was richtig für mich ist und was falsch, was mir gut tut, aber immer dann, wenn ich meine, mich gefunden zu haben, verliere ich mich erneut im Wust der Möglichkeiten. Ich stelle mir dann vor, wie es wäre, einfach zu gehen. In die Berge oder zurück in die Heimat, ich frage mich, ob ich wirklich brauche, worauf ich gerade nicht verzichten will, ob Schönes nur Ablenkung oder wahre Freude ist, ob es mehr gibt als das hier. Wie wäre das, nicht arbeiten zu müssen, weil man kein Geld braucht, keine Verpflichtungen zu haben, aber Zeit, für sich selbst zu sorgen, irgendwo weit weg. Himmel oder Hölle?

Henry David Thoreau war so alt wie ich, nämlich 27, als er sich 1845 schließlich dazu entschied im Wald zu leben – frei von Konsum und bürgerlicher Etikette. Das aus dieser Erfahrung entstandene Buch „Walden“ gilt bis heute als Inspirationsquelle der 68-Generation, als Musen-Literatur von Tolstoi bis Gandhi und Muss für jeden Freigeist, der ab und zu an Weltflucht denkt. weiterlesen

Buch-Tipp // „Frauen und Kleider“
von Sheila Heti, Leanne Shapton, u.v.m

– 15.09.2015 um 12.36 – box2 Buch

Frauen und leider
Gibt es ein Outfit, in dem du zu jedem Zeitpunkt deines Lebens glücklich wärst? 
Hast du Träume, in denen Kleider eine Rolle spielen? 
Wenn du all deine Kleider bis auf eins weggeben müsstest, was würdest du behalten?
Hast du je etwas gekauft, das im weitesten Sinn dein Leben verändert hat?

Die drei Autorinnen Sheila Heti, Leanne Sharpton und Heidi Julavite haben gemeinsam ein Buch geschaffen, das durchaus als Liebeserklärung an die Mode zu verstehen ist, nicht aber an die Art von kaufbarem Konsum, den wir tagtäglich in Magazinen, auf Blogs oder Bildschirmen unter die Nase gerieben bekommen, sondern an die emotionale Sprache unserer Kleidung, an kostbare Besitztümer, die nicht mit Preisschildern zu messen sind. Ein alter Anorak zum Beispiel oder rosafarbene viel zu teure Pumps, die Phantasien bündeln, am Ende aber nie getragen werden. Was sagen diese Dinge über uns aus, und: Warum ziehen wir überhaupt an, was wir anziehen? Über 500 Frauen aus sämtlichen Ländern der Welt haben für „Women in Clothes“ („Frauen und Kleider“, S. Fischer Verlag) einen Fragenkatalog beantwortet, der stetig weiterentwickelt wurde –  darunter Lena Dunham, Miranda July, Kim Gordon oder Cindy Sherman.  weiterlesen

Brain-Blah //
Von Stilratgebern & Französinnen

– 08.09.2015 um 11.43 – box1 Buch Gesellschaft

how to be parisienneIch habe ein Schwäche für Ratgeberbücher, jetzt ist es raus. Solche, in denen Dinge stehen wie „loslassen“, „zur Ruhe kommen“ oder „authentisch sein“. Ein bisschen eso, ich weiß, und auch banane. Was mir aber ganz und gar nicht gefällt, ist die derzeit alles überschwemmende Klugscheißer-Literatur, die uns nichts als oberflächliche Regeln diktiert. Im vergangen Jahr gab es da ein prächtiges Beispiel, den Namen verkneife ich mir, weil viel Mühe darin steckt, das weiß ich. Jedenfalls amüsierte man sich damals noch köstlich über dieses „No-Go“ namens Sandalen, so ein Schuhwerk gehöre sich nicht für eine Frau mit Stil. Das Tragische an Aussagen wie dieser ist nicht nur deren offensichtliche Vergänglichkeit (ein paar Monate später zeigte sich die weltweite Front Row dank Célines „Furkenstocks“ gerappelt voll mit den eben noch verschmähten Latschen), sondern vor allem der Käfig der Fremdbestimmung, der mit ihnen nach und nach erbaut wird, überall da, wo Menschen sich auf das gedruckte Wort und selbsternannte Spezialisten verlassen.

Das widerstrebt ganz eindeutig dem Glanz und der Größe und dem Demokratiegedanken der Mode, die heute weniger wegen der Witterungsverhältnisse existiert, sondern vielmehr als Ausdruck der eigenen Persönlichkeit agiert. Der Körper und die Kleidung, mit der wir selbigen umhüllen, sind schließlich zwei der wenigen Kostbarkeiten, über die wir noch selbst entscheiden und bestimmen können und dürfen. Ein Jammer wäre es, diese Freiheit freiwillig gen Mond zu schießen. weiterlesen

Bildband-Tipp //
„Snapshots of dangerous Women“

– 27.08.2015 um 12.52 – box1 Buch

snapshots of dangerous women„When I’m good, I´m very good, but when I’m bad, I’m better.“ – Mae West 

Männer sind Männer rund Frauen sind Frauen, so war das damals, und damals ist noch gar nicht lange her. Trinken, rauchen, laut und frivol sein, hinter dem Lenkrad sitzen und vielleicht sogar rasen, Sport treiben, Haut zeigen, Abenteuer erleben und sich vergessen – die „dangerous women“ von früher mussten dafür mutig sein. Beim Betrachten der sorgsam kuratierten Fotografien, die zwischen den 30er und 60er Jahren aufgenommen und von dem New Yorker Kunstsammler Peter J. Cohen aus Flohmarktkisten dieser Welt gerettet wurden, ersäuft man entweder in Langweile, weil „alles schon gesehen“, oder aber man denkt sich fort, zum Beispiel ins Jahr 1922, als in der Zeitung noch Schlagzeilen wie a women is arrested for lighting a cigarette in the street zu lesen waren, man sucht nach den Geschichten hinter den Schnappschüssen und versinkt in Fragen, die größer sind als temporärer Leichtsinn. Und dann ist da noch Dankbarkeit. Dafür, dass es sie gab, die wilden Hilden und Dorothy Levitts dieser Welt, die lieber Hosen als Röcke trugen, an Autos schraubten, im Flugzeug den Atlantik überquerten und sich ihre Lippen als Zeichen der eigenen Emanzipation mit feuerroter Farbe bemalten. Manchmal hilft es, sich daran zu erinnern, dass Selbstverständlichkeiten irgendwann einmal Ausnahmen waren – um am Ende festzustellen, dass wir genau da weiter machen sollten, wo wir uns heute in wohliger Bequemlichkeit suhlen. „A dangerous woman doesn’t break the rules – she makes them.“ weiterlesen

INTERVIEW // Mirna Funk über ihr Buch
„Winternähe“ & modernen Antisemitismus

– 21.08.2015 um 9.48 – box2 Buch

mirna funk winternaeheMirna Funk ist eine deutsche Jüdin, die 1981 in Ostberlin geboren wurde. Sie redet schnell und laut, aber nicht einfach so, sondern weil sie viel zu sagen hat. Nach ihrem Studium der Philosophie und Geschichte schreibt sie für zahlreiche Publikationen wie „Interview“, den „Freitag“ und das „ZEITmagazin“, über Feminismus, Mode und Antisemitismus – Mit Schubladen konnte Mirna noch nie viel anfangen. Im Sommer 2014 geht die Journalistin nach Tel Aviv, um von dort aus über ihr Leben im Ausnahmezustand zu berichten. Was vor knapp einem Jahr noch niemand wusste: Gleichzeitig arbeitet sie ganz still und heimlich an ihrem ersten Roman „Winternähe“, der gerade erschienen ist und prompt mir dem Uwe-Johnson-Förderpreis für das beste deutschsprachige Debüt der vergangenen zwei Jahre ausgezeichnet wurde.

Winternähe“ erzählt eine Geschichte zwischen Berlin und Tel Aviv, die Geschichte von Lola. Lola ist aber nicht Mirna, Mirna nicht Lola. Ein paar Gemeinsamkeiten gibt es trotzdem: Den von Fremden aufgemalten Hitlerbart zum Beispiel. Die Suche nach der eigenen Identität als Vaterjüdin, den Versuch, selbstbestimmt zu leben und die Fassungslosigkeit darüber, dass selbst Freunde sich zu antisemitischen Kommentaren in der leichtsinnigen Wonne der Social Media Welt hinreißen lassen. Ein bisschen soll „Winternähe“ auch Aufklärung sein, sprachlich schlau und provokant, eine Art Handbuch, das die Vielfalt der israelischen Gesellschaft aufzeigt und Wissen gegen gefährliche Vorurteile austauscht. Im Interview spricht Mirna Funk über die Angst der Deutschen vor dem Fremden, über die Liebe zu ihrem Mann, den sie als Tochter einer nicht-jüdischen Mutter in Israel nicht heiraten darf und die Zeit im Krieg. weiterlesen

Buch-Tipp // Miranda July
– „The First Bad Man“

– 12.08.2015 um 11.00 – box2 Buch

the first bad man miranda julyIn meinem Wandschrank stehen zwei Bücher von Miranda July, „No one belongs here more than you„, eine Kurzgeschichtensammlung, und „Learning to love you more„, das im Grunde eine gebundene Zusammenfassung des gleichnamigen Kunstprojekts ist. Beide Werke haben mich fasziniert, keine Frage, aber keines hat mich um den Schlaf gebracht. Ähnlich erging es mir mit den beiden Langfilmen der in Los Angeles lebenden Allround-Künstlerin, weder „The Future“, noch „Me and you and everyone we know“ konnten mich, im Nachhinein betrachtet, so richtig mürbe machen, im positivsten aller Sinne natürlich, was nicht bedeutet, dass ich sie nicht mochte. Es ist nur ein bisschen so, als würden sämtliche Kritiker dieser Welt Miranda July bedingungslos auf Schritt und Tritt folgen, vielleicht weil sie selbst als Person so bunt und schön und bizarr ist, womöglich fehlte mir bisweilen aber auch einfach der Sinn für ihre filmischen und literarischen Ergüsse, gut möglich.

Etwas anders verhält es sich mit ihrem Debüt-Roman „The first bad man„, der jüngst im Englischen erschien. Seit drei Tagen gehe ich zu spät ins Bett, um doch noch eine Seite lesen zu können und noch eine und noch eine, bis die Augen brennen. weiterlesen