Kategorie-Archiv: Buch

Buch-Tipp //
The Notorious RBG (Ruth Bader Ginsburg)

06.10.2016 um 13.33 – Buch Feminismus

the notorious rbg

Ich habe meine Freundin Betty selten so euphorisch erlebt und Betty ist wirklich ein alter Stein in meinem Freundesbrett. Vor zwei Wochen brachte sie ein Buch mit zum Pizzaabend, knallte es auf den Tisch, hob die Hände als würde sie zur Pirouette ansetzen, schaute uns dabei mit ernsthafter Miene an und forderte: Lest dieses Buch. Denn Ruth Bader Ginsburg sei eine Heldin.

Das ist natürlich ohnehin ein längst glasklarer Fakt, aber seit Irin Carmon und Shana Knizhnik, die beiden Urheberinnen des Tumblrs „The Notorious RBG„, die Genialität der mittlerweile 83-Jährigen 2015 im gleichnamigen Buch verewigt und noch dazu verbildlicht haben, ist aus der zweiten amerikanischen Verfassungsrichterin überhaupt eine Ikone der, wenn man so will, intellektuellen Popkultur geworden. Es kommt jedenfalls nicht selten vor, dass auf sämtlichen, zumeist studentischen Kostümierungs-Parties der U.S.A. junge Ruths gesichtet werden, manche tragen sogar Bart und ausnahmslos alle schwarz-geränderte Brillen zu weißen Spitzenkragen. RBGs Markenzeichen. weiterlesen

Off to New York City // 3 Bücher, die ich mitnehme.

13.09.2016 um 9.45 – Buch

books i like

Ich fliege niemals ohne Bücher, überhaupt bin ich sehr gut darin, mich von der puren Existenz abzulenken. Wenn ich mir das stundenlange Betrachten von Wolkentürmen aber schon freiwillig entgehen lasse, dann zumindest mit Nahrung für den Kopf, denke ich mir bei jedem Gang ins Flugzeug. Manchmal verschlafe ich dieses gut gemeinte Vorhaben allerdings, oder ich esse vor Aufregung tütenweise Pringles und Katzenohren. Kann mir diesmal (es geht jetzt gleich nach New York) ausnahmsweise nicht passieren, zu sehr stecke ich mit der Nase schon seit Tagen in Robert Wringhams „Ich bin raus“. Der britische Querdenker, Sozialist, Autor und Bibliothekar, der außerdem für das Magazin „New Escapologist“ verantwortlich zeichnet, hat mich allein schon mit der Einleitung am Schlafittchen gepackt und abhängig gemacht. Es ist nicht so, als würde ich demnächst nach Patagonien auswandern, aber ein bisschen Selbstreflexion kann nicht schaden. Teju Coles „Open City“ habe ich erst drei Jahre nach Veröffentlichung verschlungen, nämlich 2015. Der junge Autor, der mittlerweile mit Sebald, Camus oder Naipaul verglichen wird, beschreibt die Großstadt New York und ihr Grundgefühl im Laufe seines Romans mit allen Sinnen. Ein intensives Buch, das man nie mehr vergisst und immer wieder lesen will und kann, wie ein guter Film, der in nostalgischen Momenten alles Gedachte noch zusätzlich verstärkt. Und dann ist da noch Sheila Heti, die sich selbst und uns in ihrer Geschichte über zwei Freundinnen die Frage stellt: Wie sollen wir sein? Oder besser: Wollen wir überhaupt so sein? Drei Mal Lese-Glück to go sozusagen. Ich bin dann jetzt mal weg. weiterlesen

Buch-Tipp // „Vom Ende der Einsamkeit“ Von Benedict Wells

24.08.2016 um 22.03 – box1 Buch

benedeict wells vom ende der einsamkeit

Es passiert mir ja selten, dass ich Autor*innen nachstelle, also eigentlich natürlich nie, bloß für Harald Martenstein hatte ich zuweilen mal die Bilder-Suchmaschine angeschmissen, weil ich dringend wissen wollte, wer mir da in der Zeit Magazin Kolumne eigentlich seit Jahren aus der Seele schreibt und schimpft und schwitzt. Im Fall Benedict Wells hingegen tippten meine Finger nach den ersten gefressenen sechzig Seiten des neuen Romans quasi wie von selbst die Buchstaben seines Namens in mein Gesichtsbuch ein; ich brauchte ein Profil und ein paar Augen zu dieser ebenso klassischen wie genialen Erzählweise, die immer sagt, was sie meint, ohne große Kreise um das Eigentliche zu drehen. „Vom Ende der Einsamkeit“ wird vom Feuilleton nicht zu Unrecht so hoch gehandelt wie ein seltener Edelstein, wobei Benedict selbst eigentlich der größte deutsche Literaten-Rohdiamant von allen ist, bescheiden, klug und viel zu weise für sein Alter, nicht protzig oder bloßer Pop, sondern schlichtweg mehr als gut. Sieben Jahre lang schrieb der 30-jährige Münchener an seinem vierten Werk, das in diesem Frühjahr auf „Becks letzter Sommer“ folgte. Es ist ein Familienroman geworden, der vor allem von einer großen Liebesgeschichte lebt. weiterlesen

FEMINISMUS // Buchtipp: „Sex Object“
von Jessica Valenti

02.08.2016 um 12.34 – Buch Feminismus

sex object

In ihrer Essay-Sammlung Sex Object erzählt die amerikanische Feministin Jessica Valenti wie es ist, als Frau in einer Gesellschaft aufzuwachsen, die Frauen verachtet. Und zeigt, welche Macht persönliche Geschichten haben.

Um es gleich klar zu machen: Sex Object ist kein Buch, das man lesen sollte, wenn man sich entspannen will – am Strand, abends vorm Schlafengehen. Sex Object macht stellenweise nämlich ganz schön wütend, fassungslos, traurig. Und genau das macht dieses Buch so gut. weiterlesen

Feminismus // 3 Bücher, die prägen – oder:
Die Macht der Buchstaben

01.06.2016 um 12.04 – box2 Buch Feminismus

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Es gibt sie: Bücher, die uns so beeindrucken, dass wir nach der Lektüre nicht mehr dieselben sind. Die Aha-Momente auslösen und unsere Hirne in einen wahren Gedanken-Tornado stürzen. Ohne die begeisternde, manchmal auch deprimierende Lektüre von Büchern wäre ich heute – vielleicht – keine Feministin.

Welche Bücher das genau sind? Ich könnte duzende aufzählen, habe mich aber schweren Herzens für drei entschieden, um sie euch an dieser Stelle ganz fest ans Herz zu legen: 1. The Handmaid’s Tale, 2. Ein eigenes Zimmer und 3. Memoiren einer Tochter aus gutem Hause. weiterlesen

Auf meinem Nachttisch im April //
Wunde Punkte von Matt Sumell

04.04.2016 um 11.29 – box3 Buch

matt sumell wunde punkte

Nachdem ich jahrelang davon ausging, dass es in der Literatur nichts wichtigeres als dicke Schinken und Ergüsse einstiger Intellektueller gäbe, musste ich irgendwann feststellen, dass das waghalsige, moderne Buchleben wie ein lauer Wind an mir vorbei pfiff und ich damit nichts weiter als einer dieser lausigen fehlgeleiteten Bücherwürmer war, die stets meinen, man könne das Gehirn nur mit Prestige-trächtigen Autoren aufmöbeln und die dabei das Beste verpassen. Das andere Lesen wenn man so will, das wie ein Faustschlag in den Magen dringt und im nächsten Moment vor Lebendigkeit überquillt. Deshalb landet inzwischen jeden Monat eine Neuerscheinung auf meinem Nachttisch.

Diesmal ist es Matt Sumells „Wunde Punkte“, das Debüt eines unverschämt talentierten Schriftstellers, der eigentlich gar kein Schriftsteller werden, sondern bloß seiner Dozentin imponieren wollte. Hat nicht funktioniert und so schrieb er seinen ersten Roman, der leicht als Sozialstudie über die Existenz eines waschechten Proleten abgetan werden könnte – wäre da nicht die enorme Komik, die unerträgliche Tragik und das ungemein heftige sprachliche Donnerwetter, das uns mit jeder Zeile in ein anderes Extrem der Gemütszustände wirft. weiterlesen

Krumulus‘ Buch-Tipps // Bücher im Frühling

22.03.2016 um 9.59 – Allgemein Buch

Meteorologisch ist er längst da, jetzt fehlt bloß noch ein bisschen Überzeugungskraft: Frühling, wir schmecken dich, mach hinne! Die dritten Ferien (!) und sogar Ostern stehen direkt vor der Tür – und wir bereiten uns hier in der 3-Kerle-Bude natürlich bestens vor, um über die Feiertage auch keine Langeweile aufkommen zu lassen. Grund genug also, vergangene Woche bei Anna vorbei zu schauen und uns mit neuen Büchern einzudecken. Wir haben bloß ehrlicherweise schon ein bisschen geschummelt und schon vergangenen Sonntag mit dem ersten Buch begonnen: Ab unter die Decken und mit einem Stapel neuer Schmöcker das Wochenende verbracht. So kann uns das schlechte Wetter rein gar nicht anhaben. Frühling oder nicht? Ganz gleich: Wir sind vorbereitet:

Vielleicht ist auch was für euch dabei? weiterlesen

Buch-Tipp // Der Mama Styleguide

15.03.2016 um 17.58 – Allgemein Buch

Als Janine Dudenhöfer und Jules Villbrandt vor rund acht Monaten in meiner Wohnung standen und von ihrem Buchprojekt erzählten, hatte ich um ehrlich zu sein, keinen blassen Schimmer davon, worum es in ihrem neuen Mama Styleguide gehen sollte. Ich wusste bloß, dass ich eigentlich ein Problem mit Moderatgeberbüchern und Stylingregeln, mit Do’s und Dont’s mit Must haves und all dem anderen Quatsch hatte und niemandem unter keinen Umständen irgendetwas diktieren wollte. Wie auch? Ich war in meiner 32 Schwangerschaftswoche und fühlte mich selbst ein klein wenig überfordert in meiner damaligen Situation. Und trotzdem machte ich mit, weil mir schwante, dass das hier ganz anders laufen sollte: Während Jules also locker aus der Hüfte heraus Bilder von mir und meiner Wohnung schoss, plauderte ich mit Janine über meine heimlichen Schwangerschaftsretter, Vorfreuden, Minimizer, meine Intuition und erfolgreich betriebene Realitätsverweigerung – und hatte einfach noch immer keine Ahnung, wie dieser Mama Styleguide genau aussehen sollte.

Seit dem Wochenende halte ich mein Exemplar nun endlich in den Händen und wisst ihr was? Seither platze ich vor Stolz: Weil Janines und Jules Herzprojekt so unfassbar großartig geworden ist, weil ich meine eigene kleine Schwangerschaftserinnerung im Buchformat halte UND neben so tollen anderen Mamis und Papis in einem Buch meine Geschichte teilen durfte. Ein Mama Styleguide – oder sagen wir: Ein Geschichten-Buch mit ganz realen Stories, das mehr als bloß irgendein Ratgeber sein will, alles sein darf, aber vor allem rein gar nichts muss <3 weiterlesen

Books that saved & shaped my life //
Mit Lektorin Friederike Schilbach

15.02.2016 um 11.56 – box2 Buch

friederike_schilbach_portrait_v650xxFoto: Mary Scherpe

Über kaum eine Mail habe ich mich in den vergangen Tagen so sehr gefreut, wie über jene von Friederike Schilbach. Die 35-Jährige Lektorin für internationale Literatur beim S. Fischer Verlag ist so  etwas wie eine professionelle Kirschensammlerin, nur, dass in ihrem Körbchen keine Früchte, sondern Buchstaben landen und zwar solche, die von der ganzen Welt gesehen und gelesen gehören. So holte sie etwa Werke von Autoren und Autorinnen wie Leanne Shapton, Lena Dunham, Sheila Heti, Kevin Powers, Elif Batuman und Matt Sumell nach Deutschland; es ist als hinge an jedem einzelnen ihr ganzes Herz. Im vergangenen Jahr zum Beispiel fand ich den Roman „Das Ende von Eddy“ von Edouard Louis in meinem Briefkasten, Friederike hatte einen handgeschriebenen Brief dazu gelegt. Eine Liebeserklärung an den jungen Franzosen, an seine 300 Seiten starke Geschichte darüber,  wie wie man eine Kindheit zwischen Rassismus, Missbrauch und Gewalt überlebt, wenn man schwul ist. Aus meinen beim Lesen vergossenen Tränen hätte man womöglich mehr als eine ganze Kanne Tee aufkochen können.

Friederike ist mit hoher Wahrscheinlichkeit einer der wenigen Menschen, auf deren Wesen eine der tausendfach zitierten Weisheiten Antoine de Saint-Exupèrys wirklich zutrifft: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das gilt in ihrer Welt offenbar auch für Bücher. Welche acht sie in der Vergangenheit am meisten geprägt haben, verrät sie uns hier: weiterlesen

BOOKS THAT SAVED & SHAPED MY LIFE //
Mit Autorin Elisabeth Rank

08.02.2016 um 15.56 – Buch

elisabeth rank

Elisabeth Rank, oder auch einfach Lisa, ist ein Mensch wie eine Torte. Wo Lisa ist, herrscht Gemütlichkeit, jedenfalls stelle ich es mir genau so vor, und noch dazu ist die 31-Jährige stets auf der Suche nach den wirklich schönen, manchmal leicht verbeulten und saftigsten Kirschen des echten Lebens. Nach solchen, die sich in ehrlichen Geschichten spannender Menschen verbergen, dort, wo die allermeisten vergessen, hinzusehen. Nicht nur auf ihrem eigenen Blog sammelt die Berlinerin treffende Worte – nach ihrem Debütroman „Und im Zweifel für dich selbst“ folgt 2013 „ Bist du noch wach„, seit Anfang des Jahres lesen wir außerdem als Online-Redakteurin beim ZEITmagazin von ihr. Ich selbst möchte Lisa hin und wieder sogar für ihre Status-Updates knutschen:  „„Es ist niemandem zu trauen, der sein Brot komisch schmiert”, sagt D,“ stand dort vor Kurzem geschrieben. Es ist also nur verständlich, dass wir unbedingt wissen wollen, welche Werke anderer Schreibender Lisa selbst am Herzen liegen.

„I will never be beautiful enough to make us beautiful together“ von Mira Gonzales zum Beispiel: weiterlesen