Kategorie-Archiv: Buch

Books that saved & shaped my life //
Mit Nora, Co-Gründerin von Edition F

09.03.2017 um 11.06 – box1 Buch

Nora Vanessa Wohlert dürfte vielen hier wohl längst ein Begriff sein. Zusammen mit Susann Hoffmann launchte die studierte Publizistin und Politikwissenschaftlerin im Mai 2014 Edition F – „ein digitales Zuhause für Frauen, die mehr wollen – im Job und im Leben“. Das Konzept ging schnell auf – heute ist die Businness- und Lifestyleplattform eine der wichtigsten Anlaufstellen für Karriere- und Lebensfragen, aber auch Themen wie Feminismus, Politik, Mutterschaft, Mode und Liebe stehen auf der täglichen Agenda, online wie offline – durch zahlreiche Events und Diskussionsrunden connecten die beiden Gründerinnen auch fernab des World Wide Webs Frauen, die etwas zu sagen haben. Edition F ist Magazin und Jobbörse in einem und wenn man so will, so etwas wie ein buntes, unterhaltendes und zugleich sauschlaues Potpourri aus beinahe allem, was uns auf der Seele brennt. Schon mit 13 Jahren wusste Nora, was sie will: Schreiben. Und eine Stimme haben. Das hat sie geschafft. Und zwar hoch hundert.

In unserer Serie „Books that saved & shaped my life“ verrät sie uns, welche Bücher sie auf ihrem Weg geprägt und begleitet haben. „Ronja Räubertochter“ zum Beispiel. weiterlesen

Books that shaped & saved my life //
Mit Autorin Mirna Funk

20.02.2017 um 11.44 – box2 Buch

Mirna Funk wurde 1981 in Ostberlin geboren, studierte Philosophie und Geschichte an der Humboldt Universität und veröffentlichte 2015 schließlich ihren ersten Roman „Winternähe„, der noch im selben Jahr mit dem Uwe-Johnson-Förderpreis für das beste deutschsprachige Debüt ausgezeichnet wurde. Weil all das, was Mirna uns und der Welt zu sagen hat, aber wohl kaum auf 352 Seiten passt, schreibt die freie Journalistin und Autorin weiter und mitunter sehr persönlich für Publikationen wie »Neon«, »ZEITmagazin«, »L’Officiel Germany« oder das »Süddeutsche Magazin« – über Feminismus, Kultur, Antisemitismus und ihr Leben zwischen Berlin und Tel Aviv, das sie mitunter auf Instagram dokumentiert.

Im Interview mit uns sprach Mirna damals über die Angst der Deutschen vor dem Fremden, über die Liebe zu ihrem Mann, den sie als Tochter einer nicht-jüdischen Mutter in Israel nicht heiraten darf und die Zeit im Krieg. Heute wollen wir von ihr wissen: Welche Bücher haben dich selbst eigentlich am meisten geprägt? Und dir womöglich sogar geholfen?
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Buch-Tipp //
„Das Problem mit den Frauen“

16.02.2017 um 8.00 – box2 Buch Feminismus

Warum tauchen eigentlich so wenige Frauen in den Geschichtsbüchern auf? Diese Frage diskutiert die Zeichnerin Jacky Fleming ironisch-unterhaltsam in ihrem neuen Buch Das Problem mit den Frauen. Ihre Antwort: Frauen sind Männern biologisch einfach unterlegen.

Ach je, die Frauen. Sie können wirklich nicht besonders viel: zu schwach, um Pinsel zu halten, zu kleine Köpfe, um ordentlich zu denken. Kein Wunder, dass es in den Geschichtsbüchern kaum beeindruckende Frauen gibt. Zumindest lautet so die Erklärung, die die britische Zeichnerin Jacky Fleming in ihrem Buch Das Problem mit den Frauen (Kiepenheuer & Witsch) liefert. Ihre mit Liebe zum Detail gezeichneten Frauen kommen gegen das schiere Genie ihrer männlichen Zeitgenossen einfach nicht an – und landen deshalb im (ebenfalls zeichnerisch dargestellten) „Abfalleimer der Geschichte“. weiterlesen

Slow Sunday // Ich möchte vergeben,
weil ich Frieden verdiene

12.02.2017 um 16.11 – Buch Slow Sunday

Die Isländerin Thordis Elva war 16 und das erste Mal verliebt. Ihr damaliger Freund und sie wollten auf dem jährlichen Christmas Dance den Status ihrer Beziehung für alle anderen sichtbar machen. Thordis, so sagt sie, war zu der Zeit im Übergang vom Leben eines Kindes zum Leben einer jungen Frau. Den ersten Freund der Öffentlichkeit vorzuführen, war dabei natürlich ein wichtiges Symbol.

Thordis fühlte sich an diesem Abend „unsterblich“ und „wie das glücklichste Mädchen der Welt“. Die Nacht des Christmas Dance und ihr neu gewonnenes Selbstbewusstsein aber führten zu folgenschweren Ereignissen, die sie nicht hatte kommen sehen. Neun Jahre später hat sie nun ein Buch über ihre traumatische Erfahrung geschrieben. Und sie hat es nicht allein geschrieben, sondern zusammen mit dem Mann, der sie in der besagten Nacht in ihrem eigenen Bett vergewaltigte. Thomas Stranger, ihr damaliger Freund, ihre erste große Liebe. Der Mann, der eigentlich Teil ihres magischen Abends werden sollte.  weiterlesen

Buch-Tipp // „Beziehungsweise“
– Ein Erzählband über Liebesvariationen

07.02.2017 um 13.50 – box1 Buch

beziehungsweise manuela reichart

Meistens packt es mich Samstags. Dann stampfe ich gen Lieblingsbuchladen und besorge mehr Lesestoff als ich binnen einer Woche überhaupt bewältigen kann. Was aber gut ist, vor allem als Allheilmittel gegen Seriensucht. Nun liegt er jedenfalls da, gleich neben dem endlich ins Deutsche übersetzten Klassiker „I Love Dick“, der 900 Seiten schwere, heiß diskutierte Roman „Ein wenig Leben“, der mich schon ganz zu Beginn so sehr einnahm, dass ich noch im letzten Moment eine Verabredung sausen lassen musste. Auf solch bewegenden Langzeitstrecken jedenfalls kommt mir ein kleines papierenes Ablenkungsmanöver von der seichten Sorte stets sehr gelegen. Diesmal zum Beispiel in Form von Manuela Reicharts Erzählband „Beziehungsweise“, den man ratzfatz verschlungen hat. Vielleicht auch, weil die Liebe uns alle betrifft. Wie ein roter Faden zieht sie sich durch unser Leben, mal als Glück, mal als Unglück. Immer gibt es einen Anfang und oft ein Ende – übrig bleibt aber stets dasselbe: Erinnerungen. Darum und um noch viel mehr geht es in Manuela Reicharts Texten, die von wohltuenden und kaputten Beziehungen erzählen, von Seitensprüngen und Hoffnung, von Zufällen und Neuanfängen. Von den unergründlichen Variationen der Liebe. weiterlesen

Buch-Tipp //
Maxie Wander: Guten Morgen, du Schöne

16.01.2017 um 10.13 – Buch Feminismus

maxi wander guten morgen du schoeneFast 40 Jahre alt ist Maxie Wanders Guten Morgen, du Schöne – ein Klassiker der DDR-Literatur. Authentisch erzählen Frauen darin von sich selbst, von ihren Träumen und Problemen. Das ist auch heute noch unbedingt lesenswert und überraschend aktuell

Ich bin in Westdeutschland aufgewachsen, wo man in der Schule sehr viel über den Holocaust lernte (zu Recht) und sehr wenig über die DDR (zu Unrecht). Die Scorpions hatten den „Wind of change“ herbeigesungen, die deutsch-deutsche Teilung war überwunden und wir alle Teil eines großen, glücklichen Volkes. Bei meinem ersten Trip in die ehemalige DDR hing ich in Dresden dermaßen fasziniert vor diversen „Ostalgie“-Produkten, dass meine in Ostdeutschland aufgewachsene Freundin Marie nur ungläubig den Kopf schüttelte.

Mittlerweile bilde ich mir ein, doch ein bisschen mehr über die DDR und Ostdeutschland zu wissen – alles andere wäre nach fünf Jahren Erstwohnsitz Berlin auch mehr als traurig. Und trotzdem habe ich Maxie Wanders wunderbares Buch Guten Morgen, du Schöne erst jetzt gelesen. Eine Freundin hat mir diesen 40 Jahre alten Klassiker der DDR-Literatur zum Geburtstag geschenkt und ehrlich gesagt war ich skeptisch, wie aktuell und interessant das heute noch sein kann: 19 Frauen im Alter von 16 bis 92 Jahren aus der DDR, die von ihren Sorgen und Hoffnungen, von Träumen und Liebe erzählen. weiterlesen

Adventskalender // Tor 13: Gewinnt 2 x 3 Coffee Table Books aus dem Gestalten Verlag

13.12.2016 um 0.01 – Buch

gestalten

Wir hatten die Sache mit diesen sogenannten Coffee Table Books eine ganze Zeit lang einfach irgendwie missverstanden, denn manchmal kamen sie uns eher vor wie Zierdebücher oder Foto-Schinken, die ausschließlich aus optischen Gründen, zu Prestige-Zwecken und wegen der Zurschaustellung des eigenen Kunstgeschmacks auf Couchtischen herumlagen. Glücklicherweise machte es irgendwann klick – und zwar gleich mehrfach: Denn ein solcher Bildband kann viel mehr, als bloß vollzustauben: Er kann die schönsten Konversationen hervorzaubern, verführt zum Innehalten und „sich Zeit nehmen“, verlangt zum Weglegen, aber auch zum Wiederaufnehmen. Er verkörpert zwischen zwei Buchdeckel gepresste Leidenschaft und die vollendete Liebe für Print und Fotografie und stillt nicht zuletzt auch nach vielen Jahren noch unsere Sammelsehnsucht, so dass wir ihn im besten Fall immer wieder aus dem Stapel ziehen, um sich gleich beim Blättern wieder aus dem Alltag zu träumen und selbst nach dem xten Öffnen noch neue Details zu erkennen.

Und weil wir nicht nur große Liebhaberinnen des geschriebenen Wortes sind und unser Herz vor langer Zeit schon an schönste Fotografien verloren haben, kommen wir heute nicht umher, um auch euch mit der geballten Ladung Coffee Table Books zu versorgen. Gemeinsam mit dem Gestalten Verlag verlosen wir heute und morgen nämlich drei unserer derzeit Liebsten: Scandinavia Dreaming  Nordic Homes, Interiors and Design, The Hinterland – Cabins, Love Shacks and Other Hide-Outs und Evergreen – Living with Plants. Und so könnt ihr eines der zwei „Coffee Table Book“-Pakete gewinnen: weiterlesen

Books that shaped & saved my life //
Mit Amelie Kahl vom Amazedmag

05.12.2016 um 15.28 – box1 Buch

amelie kahl books that saved and shaped my live thisisjanewayne

Zusammen mit Milena und Antonia beglückt uns Amelie als eine der drei Gründerinnen des wundervollen AMAZED Mags tagtäglich mit Schönem und Schlauen in Schrift und Bild, für den Bean Store ist sie außerdem als Einkäuferin unterwegs und auch das The Stu, ein Projektraum für Künstler*innen und Entrepreneurs auf dem aufsteigenden Ast, wäre ohne die Münchenerin, die aus Überzeugung niemals Mascara benutzt, höchst wahrscheinlich nur halb so bereichernd. Wofür ich Frau Kahl neben ihrer konstant mindestens dreifachen Umtriebigkeit aber am allermeisten bewundere, ist ihre gnadenlose Offenheit. In ihren Kolumnen schreibt sie etwa darüber, wie es sich anfühlt, immer wieder an sich selbst arbeiten zu müssen, einen Job zu verlieren oder überwältigend häufig missverstanden zu werden, sie stellt Fragen, sucht nach Antworten und spricht über Trennungen und Zweifel mindestens so selbstverständlich wie über das Leben als Frau in einer Gesellschaft, die „Kleine Maus“ noch immer für ein adäquates Kompliment hält.

Nur logisch also, dass ich anlässlich unserer Reihe „Books that saved & shaped my life“ nun endlich wissen wollte, welche Bücher eine fabelhafte Amelie wie diese bisher wohl am meisten genossen und verschlungen hat: weiterlesen

Books that saved & shaped my life //
Mit Katja Schweitzberger

29.11.2016 um 12.03 – box3 Buch

katja schweitzberger

Katja Schweitzberger ist seit diesem Jahr Mode- & Beauty Redakteurin bei Refinery 29 und zwar eine mit Elefantenhirn – grob geschätzt kennt sie sämtliche Laufsteglooks der vergangenen zehn Jahre aus dem Effeff, was den ein oder anderen dazu bringen könnte, anzunehmen, dass für andere Theme nicht mehr allzu viel Platz bleibt. Aber weit gefehlt, man sollte sich an dieser Stelle keinesfalls von falschen Vorurteilen irreleiten lassen. Die gebürtige Arnstädterin hätte meines Erachtens auch ohne Probleme im Musikjournalismus Fuß fassen können – hier könnt ihr den dazugehörigen Musikgeschmack Probe hören. Bevor sie uns außerdem jahrelang mit geistreichen Artikeln auf ihrem eigenen Blog „Bees & Ballons“ beglückte, um 2011 das Zepter bei Les Mads zu übernehmen, widmete sie sich dem Studium der Sprachwissenschaften, als Nebenfächer belegte sie Psychologie und Anglistik. Erst dann folgten diverse Praktika, etwa bei der ELLE, die ihre Liebe zur Mode schließlich zu einem waschechten Beruf heranwachsen ließen, dem sie längst von Berlin aus frönt. Zuhause stellt Katja den Trubel der Stadt auf Mute, wann immer es geht. Inmitten von Büchern, die sich gelegentlich auch auf dem Fußboden stapeln.

Denn ein Leben ohne Lesen wäre für unsere Freundin nämlich ebenso schwer zu ertragen wie eines ohne The Cure. Und das soll was heißen. Wir beginnen also mit einer neuen Runde „Books that saved & shaped my life“ – war ja schon wieder viel zu lange her: weiterlesen

Buch -Tipp // „UNBEHAUSTE“
– 24 Kurzgeschichten über das Fremdsein

22.11.2016 um 12.28 – box3 Buch

unbehauste 24 Autoren über das fremdsein buch

Ich habe eine Schwäche für Kurzgeschichten und wenn ich ein bisschen mehr Grips und Motivation an den Tag legen würde, dafür aber weniger Zweifel hätte, könnte ich mich wohl längst von sämtlicher Panik im Angesicht fehlender Weihnachtsgeschenke frei machen, weil meine Familie unterm Baum endlich die seit Jahren versprochenen Zeilen aus meiner Feder vollgepackt mit Epos lesen müsste. Dem ist aber natürlich nicht so. Weshalb ich andere, nämlich die, die sich getraut und einfach mal gemacht haben, statt bloß drüber zur reden um Ende alles abzusagen, mehr bewundere denn je. Jule Müller etwa, oder auch Fabian Herriger, der übrigens aus meinem Dorf stammt und ohnehin ein ganz feiner Schreiber ist. Die beiden können sich fortan als zwei von 24 Autor*innen bezeichnen, die gemeinsam die von Alexander Broicher herausgegebene Anthologie „Unbehauste“ geschaffen haben, ein Sammelband, das ich in einer einzigen langen Nacht verschlungen habe. Wegen der Vielschichtigkeit der teils fiktiven, teils schmerzhaft echten Geschichten, wegen des Auf und Abs zwischen Wut und Hoffnung, wegen unverzichtbarer Perspektiven und Denkanstöße, die im Kollektiv noch gewaltiger nachhallen. In 24 Geschichten, Essays und Gedichten geht immer um eins: Das Fremdsein. In einem Land, in der Welt oder sich selbst. Ein Thema, das aktueller nicht sein könnte. Womöglich sogar eines der derzeit wichtigsten. Und noch ein Kaufargument: Ein Teil des Erlöses kommt passender Weise der Integrationsförderung zugute. weiterlesen

Buchtipps // Von Verlust & Trauer – Bücher, die den Tod erklären.

04.11.2016 um 11.43 – Buch Tiny Jane

„Mama, warum musste Opa sterben und wo ist Opa jetzt?“, ist einer dieser Sätze, der mich jetzt schon unruhig werden lässt und dafür sorgt, dass in meinem eigenen Kopf unzählige Fragezeichen hinzukommen. Schon kurz nach dem Tod meines eigenen Papas habe ich mich gefragt, was ich antworten soll, wenn meine eigene Tochter mit fragenden Augen irgendwann vor mir steht und mich mit diesen wenigen Worten konfrontiert. Weil ich keine Antwort habe, weil ich selbst nicht weiß, ob wir es irgendwie hätten verhindern können, weil der Tod so radikal ist und weil ich mir doch so sehr gewünscht hätte, mein Vater hätte mein kleines Mädchen eben noch besser kennen gelernt.

Ich habe noch keine Antwort auf diese Frage, obwohl sie mich jetzt schon bald ein ganzes Jahr lang quält. Vielleicht finde ich sie im Laufe der Zeit bis Wilma überhaupt sprechen kann, bis die Themen „Verlust, Tod und Trauer“ also auf unserem Küchentisch liegen. Ich weiß es nicht. Was ich aber sehr wohl weiß: Es gibt kaum ein anderes Thema, das wir so radikal versuchen vor uns her zu schieben, das uns so plötzlich und schmerzerfüllt treffen kann und das gerade für unsere kleinen Schutzbedürftigen ganz besonders sensibel und hoffnungserfüllt aufbereitet werden sollte. Und genau dabei helfen uns manchmal Bücher. Kinderbücher, die den Tod ganz vorsichtig und trotzdem sehr verständlich erklären – genau dann, wenn wir selbst vielleicht keine eigenen Worte finden. weiterlesen

Top 10 Coffee Table Books //
Gegen Fernweh

25.10.2016 um 9.00 – box1 Buch

fernweg coffee table books

Die Sache mit diesen sogenannten Coffee Table Books habe ich lange Zeit nicht verstanden, oder besser: Missverstanden. Ich vermutete aufgrund meines eigenen Desinteresses, die dicken Foto-Schinken würden ausschließlich aus optischen Gründen, zu Prestige-Zwecken und wegen der Zurschaustellung des eigenen Kunstgeschmacks auf Couchtischen herumliegen. Es sollte tatsächlich noch einige Jahre dauern, bis ich schließlich begriff, dass es auch anders geht. Dass ein Bildband etwa die schönsten Konversationen hervorzaubern kann, dass so ein schweres, großes Buch auch Innehalten bedeutet, und „sich Zeit nehmen“, dass man es im besten Fall immer wieder aus dem Stapel zieht, um sich beim Blättern davon zu träumen und nach neuen Details zu suchen. Mittlerweile verändert sich je nach Stimmung sogar mein Arrangement auf dem Beistelltisch, mal liegt dort wütende Kunst, meist Snapshot Of Dangerous Women und seit neuestem ganz viel Fernweh-Lektüre.

Und wenn ich dann zu lange in „Hide and Seek“ geblättert habe und mein Herz nach einem Bauhaus verlangt, überbrücke ich die Zeit bis zum nächsten Waldspaziergang vielleicht einfach mit Evergreen – Living with plants: weiterlesen

Buch-Tipp //
„Ich hasse dieses Internet“ von Jarett Kobek

13.10.2016 um 8.30 – box3 Buch

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Friederike Schilbach ist für mich so etwas wie eine Buchbrieffreundin, nur, dass anstelle von Siegellack meist ein einfaches Post-It am gedruckten Inhalt ihrer Post an mich klebt. Diesmal sprach die vielerorts hoch geschätzte Lektorin des S.Fischer Verlags in einer rosafarbenen Notiz von nicht viel mehr als Liebe und fügte quasi zeitgleich das digitale Versprechen hinzu, ich könne wohl kaum enttäuscht werden. Von „Ich hasse dieses Internet„, dem jüngsten Roman des Amerikaners Jarett Kobek, der einen türkischen Namen trägt und einst an der NYU studierte. Ab sofort ist seine wütende Schrift auch in Deutschland erhältlich. Und weil ich bisweilen gerade einmal 30 Seiten voran gekommen bin, etwa aufgrund des permanenten Wimmerns meines eMail-Postfaches, dürfte im Grunde klar sein, dass ich mich hinsichtlich des heutigen Buch-Tipps auf blindes Vertrauen stütze, wenngleich ich beim Lesen diverser Zeilen bereits ein paar Tränen gelacht habe und mich dem Autor schon jetzt auf sonderbar ambivalente Weise verbunden fühle. Ich hasse dieses Internet nämlich auch, bloß nicht immer und ausschließlich. Umso schmerzlicher trifft mich Kobeks 368 Seiten starke Vermutung, unsere Gesellschaft leide an flächendeckender Vertrottelung, wenn es um das Begreifen sämtlicher Risiken im Umgang mit Technologien geht. Oder zumindest an proaktiver Verdrängung. An dieser Stelle kommt David Hugendick ins Spiel. Wo mein Wissen über jeden weiteren Inhalt der von den beiden Protagonistinnen Adeline und Ellen getragenen Geschichte endet, beginnt sein wortgewandtes Lob an diesen eloquenten Wutanfall, auf den eine ganze Kritikerschar nur so gewartet haben muss. Ich habe mich verliebt. In zwei Männer gleichzeitig, wie es scheint. weiterlesen

Buch-Tipp //
The Notorious RBG (Ruth Bader Ginsburg)

06.10.2016 um 13.33 – Buch Feminismus

the notorious rbg

Ich habe meine Freundin Betty selten so euphorisch erlebt und Betty ist wirklich ein alter Stein in meinem Freundesbrett. Vor zwei Wochen brachte sie ein Buch mit zum Pizzaabend, knallte es auf den Tisch, hob die Hände als würde sie zur Pirouette ansetzen, schaute uns dabei mit ernsthafter Miene an und forderte: Lest dieses Buch. Denn Ruth Bader Ginsburg sei eine Heldin.

Das ist natürlich ohnehin ein längst glasklarer Fakt, aber seit Irin Carmon und Shana Knizhnik, die beiden Urheberinnen des Tumblrs „The Notorious RBG„, die Genialität der mittlerweile 83-Jährigen 2015 im gleichnamigen Buch verewigt und noch dazu verbildlicht haben, ist aus der zweiten amerikanischen Verfassungsrichterin überhaupt eine Ikone der, wenn man so will, intellektuellen Popkultur geworden. Es kommt jedenfalls nicht selten vor, dass auf sämtlichen, zumeist studentischen Kostümierungs-Parties der U.S.A. junge Ruths gesichtet werden, manche tragen sogar Bart und ausnahmslos alle schwarz-geränderte Brillen zu weißen Spitzenkragen. RBGs Markenzeichen. weiterlesen

Off to New York City // 3 Bücher, die ich mitnehme.

13.09.2016 um 9.45 – Buch

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Ich fliege niemals ohne Bücher, überhaupt bin ich sehr gut darin, mich von der puren Existenz abzulenken. Wenn ich mir das stundenlange Betrachten von Wolkentürmen aber schon freiwillig entgehen lasse, dann zumindest mit Nahrung für den Kopf, denke ich mir bei jedem Gang ins Flugzeug. Manchmal verschlafe ich dieses gut gemeinte Vorhaben allerdings, oder ich esse vor Aufregung tütenweise Pringles und Katzenohren. Kann mir diesmal (es geht jetzt gleich nach New York) ausnahmsweise nicht passieren, zu sehr stecke ich mit der Nase schon seit Tagen in Robert Wringhams „Ich bin raus“. Der britische Querdenker, Sozialist, Autor und Bibliothekar, der außerdem für das Magazin „New Escapologist“ verantwortlich zeichnet, hat mich allein schon mit der Einleitung am Schlafittchen gepackt und abhängig gemacht. Es ist nicht so, als würde ich demnächst nach Patagonien auswandern, aber ein bisschen Selbstreflexion kann nicht schaden. Teju Coles „Open City“ habe ich erst drei Jahre nach Veröffentlichung verschlungen, nämlich 2015. Der junge Autor, der mittlerweile mit Sebald, Camus oder Naipaul verglichen wird, beschreibt die Großstadt New York und ihr Grundgefühl im Laufe seines Romans mit allen Sinnen. Ein intensives Buch, das man nie mehr vergisst und immer wieder lesen will und kann, wie ein guter Film, der in nostalgischen Momenten alles Gedachte noch zusätzlich verstärkt. Und dann ist da noch Sheila Heti, die sich selbst und uns in ihrer Geschichte über zwei Freundinnen die Frage stellt: Wie sollen wir sein? Oder besser: Wollen wir überhaupt so sein? Drei Mal Lese-Glück to go sozusagen. Ich bin dann jetzt mal weg. weiterlesen