Kategorie-Archiv: Feminismus

Ausstellung // Orlan – „This is my body, this is my software“

14.08.2017 um 10.00 – Feminismus Kunst

Die französische Künstlerin Orlan greift zu drastischen Maßnamen, um den gesellschaftlichen Umgang mit weiblichen Körpern zu thematisieren: Ihr eigener Körper wird zum Rohmaterial.

Ein bisschen sieht die Orlan aus wie eine fleischgewordene Cruella de Vil – die Künstlerin und die Disney-Bösewichtin teilen das auffällige schwarz-weiße Haar. Doch von Orlans Frisur wandert der Blick schnell zu ihrem Gesicht, zu den zwei Beulen an ihren Schläfen, über den Augenbrauen. Die hat Orlan sich als Teil einer Performance einpflanzen lassen, es handelt sich um Silikonimplantate. Denn im Zentrum von Orlans Kunst steht der eigene Körper, den sie mit Hilfe plastischer Chirurgie verändert. Carnal Art (deutsch: körperliche oder fleischliche Kunst) nennt sie das und schreibt in ihrem Carnal Art Manifesto:

“Carnal Art is self-portraiture in the classical sense, but realised through the possibility of technology. It swings between defiguration and refiguration. Its inscription in the flesh is a function of our age. The body has become a ‘modified ready-made’, no longer seen as the ideal it once represented […] As distinct from ‘Body Art’, Carnal Art does not conceive of pain as redemptive or as a source of purification. Carnal Art is not interested in the plastic-surgery result, but in the process of surgery, the spectacle and discourse of the modified body which has become the place of a public debate.” weiterlesen

Der Fall R. Kelly – „Wenn Sie Teenager sagen, über welches Alter sprechen wir hier?“

09.08.2017 um 12.55 – Feminismus Gesellschaft

Der amerikanische Künstler R. Kelly soll mehrere junge Frauen in Missbrauchsbeziehungen gefangen halten. Schon seit Beginn der 2000er ist R. Kellys verstörendes Verhältnis zu Teenagerinnen bekannt – doch wirkliche Konsequenzen folgten für ihn bisher nicht. Warum?

Die Vorwürfe sind gravierend: R. Kelly, erfolgreicher US-amerikanischer Sänger, Songwriter und Produzent, soll mehrere junge Frauen in Missbrauchsbeziehungen gefangen halten. Kelly, so sagen Frauen, die selbst einmal Teil seines ‚inner circle‘ waren, würde die Frauen auf Schritt und Tritt kontrollieren und darüber bestimmen, was sie anziehen, was sie essen, wann sie schlafen sowie wann und wie sie Sex mit ihm haben. Öffentlich gemacht hat diese Vorwürfe der Journalist Jim DeRogatis, der sich seit mittlerweile 17 Jahren mit R. Kelly und dessen sexuellen Beziehungen zu meist minderjährigen Mädchen beschäftigt. Schon im Dezember 2000 schrieb DeRogatis zusammen mit seinem Kollegen Abdon M. Pallasch in der Chicago Sun-Times, R. Kelly habe seine Stellung und seine Berühmtheit ausgenutzt, um Teenagerinnen zu treffen und mit ihnen Sex zu haben. DeRogatis förderte mehrere Klagen von Frauen gegen R. Kelly zutage, die schwere Anschuldigungen enthielten: Einer jungen Chicagoerin zufolge hatte Kelly Sex mit ihr, als sie erst 14 war und zwang sie zum Sex zu dritt. weiterlesen

Wie Donald Trump mit Blut und Brustmilch Frauen diskreditiert

Männer? Diese schrecklichen, haarigen Biester!“ heißt es im Film Manche mögen’s heiß von 1959. Der Witz an der Szene ist natürlich, dass dieser Satz von Jack Lemmon geäußert wird, der sich in seiner Rolle zusammen mit Tony Curtis als Frauen verkleidet – Daphne und Josephine – in eine Damenkapelle eingeschlichen hat. Die Ärzte sampelten dieses Zitat dann Jahrzehnte später in ihrem Hit Männer sind Schweine: Genüsslich zählen sie auf, warum Männer igitt und pfui sind und meinen das Ganze natürlich nicht so richtig ernst. Was sich nicht allein an dem Songtext zeigt („Männer sind Ratten/sie wollen alles begatten“), sondern auch an der Tatsache, dass hier Männer über Männer singen.

Würden stattdessen Frauen in so einer Art und Weise über Männer singen, wäre das vermutlich weniger komisch. Ebenso, wenn Männer so über Frauen sängen. Nun ist Donald Trump kein Sänger – darüber, wie igitt und pfui manche Frauen sind, hat er trotzdem eine Menge zu sagen. weiterlesen

Kolumne //
„Fashion is a feminist issue.“

05.07.2017 um 15.13 – Feminismus Kolumne Mode

Ganz ehrlich: Lange Zeit habe ich mir überhaupt keine Gedanken über Mode gemacht. Klar, ich interessiere mich für Mode – mir ist nicht egal, was ich anziehe. Oder vielleicht doch? Anders ist es zumindest nicht zu erklären, dass ich jahrelang kaufte, was ich wollte, ohne auch nur mal kurz darüber nachzudenken, wo meine Klamotten eigentlich herkommen.

Selber Klamotten aussuchen und kaufen zu können, war für mich eine Befreiung. Nicht, weil meine bösen Eltern meiner Schwester und mir keine schönen Klamotten kaufen wollten. Sondern weil ich eben eine typische Teenagerin war, immer mit einem Auge darauf, was meine Freundinnen trugen und was auf dem Schulhof angesagt war – und meine Eltern sich erfrischenderweise weigerten, das Spiel „Aber alle tragen das doch jetzt!“ mitzuspielen. Sie warteten erstmal ab, ob ich die absolut lebensnotwendige Hose auch nach drei Wochen noch so unentbehrlich fand. Wenn ja, wurde das Ding auch mal gekauft. Wenn nicht, dann eben nicht. Eine an sich sehr gesunde elterliche Erziehungsmaßnahme, die ich als klamottengeile Teenagerin aber klarerweise nicht zu schätzen wusste. Als ich dann endlich (Taschen-) Geld sowie die elterliche Erlaubnis hatte, meine Klamotten künftig selber aussuchen und kaufen zu dürfen, kaufte ich – und habe damit gefühlt nie aufgehört. weiterlesen

Hurra, hurra, die Ehe ist für alle da!

30.06.2017 um 10.13 – Feminismus Gesellschaft

Wer hätte gedacht, dass die sogenannte ‚Ehe für alle‘ in Deutschland mal Dank eines Interviews mit der Zeitschrift Brigitte eingeführt würde. Angela Merkel war zu einem kleinen Plausch ins Berliner Gorki-Theater gekommen, locker-flockig, unkompliziert. Der Abend endete dann aber überraschend mit einer umständlichen Erklärung der Kanzlerin, in Sachen gleichgeschlechtlicher Ehe würde sie die Diskussion „mehr in die Situation führen, dass es eher in Richtung einer Gewissensentscheidung ist“.

Und schwuppdiwupp war sie dahin, die jahrelange Blockadehaltung der CDU. Indem Merkel die Entscheidung über die ‚Ehe für alle‘ zur Gewissensentscheidung erklärte, machte sie endlich den Weg frei für eine Abstimmung im Bundestag. weiterlesen

Manspreader sitzen gern breitbeinig
– damit ist in Madrid jetzt Schluss

Madrid geht gegen das sogenannte ‚Manspreading‘ vor – und wie zu erwarten ist die Empörung groß.

Eine Nachricht, die um die Welt ging: In Madrid wurde zack, mal so eben, das sogenannte ‚Manspreading‘ in öffentlichen Verkehrsmitteln ‚verboten‘. So lautete zumindest die Schlagzeile. Richtig verboten hat Madrid nämlich nichts, sondern lediglich eine Aufforderung zur Verhaltensänderung installiert: In Bussen und Bahnen informiert nun ein Schild darüber, dass für jeden Fahrgast nur ein Sitz vorgesehen ist. Theoretisch könnte sich dieses Schild natürlich ebenso an Frauen richten – aber wer im öffentlichen Nahverkehr unterwegs ist, weiß: Manspreading ist, wie der Name sagt, tatsächlich ein männliches Problem. Beziehungsweise eher ein von Männern verursachtes Problem. weiterlesen

LADIES TALK // #Pantychallenge
– das sauberste Höschen gewinnt

22.06.2017 um 12.10 – Feminismus Gesellschaft Leben

Gestern Abend bei einem Event, der Tag stecke mir eigentlich noch in den Knochen, traute ich meinen Ohren nicht. Binnen weniger Gesprächsfetzen war ich nicht nur hellwach, sondern auch doppelt fertig und in Sorge. Um die psychische Konstitution einer halben Generation. Was das für ein abscheulicher Trend sei, der da gerade das Internet flute, schimpfte mein Gegenüber. Und auch ich traue es mich ja kaum niederzuschreiben. Klingt beschmindert, ist aber wahr: Die #Panty- oder auch #PussyChallenge ist, bzw. war für einen kurzen Moment in vollem Gange. Bitte was? Ja, genau. Die Scheiden-Herausforderung (mit besten Grüßen an Giulia Becker). Die Autorin hatte gerade erst versucht, Sexismus mit musikalischer Satire zu bekämpfen und könnte dieser Tage glatt einen weiteren Songtext schreiben, der da heißen könnte: Ich habe einen Scheidenschleim.

Bah, igitt, denken jetzt viele. Aber so ein Ausfluss ist nicht nur völlig normal, sondern auch hilfreich. weiterlesen

Wonder Woman // Gegen Sexismus ist selbst eine Superheldin machtlos

20.06.2017 um 10.29 – Feminismus Film

Die Erwartungen an Wonder Woman waren hoch: Ein Film über eine Superheldin und dann auch noch gedreht von einer Frau? Verrückt aber wahr: Diese Kombination funktioniert richtig gut!

Ehrlich gesagt: Ich hatte Angst, mir diesen Film anzuschauen. Ich hatte mich zu lange auf ihn gefreut, die Erwartungen waren turmhoch. „Und wenn der jetzt mies ist?“, dachte ich noch, als ich mich im Kinosessel niederließ. Schließlich sollte Wonder Woman beweisen, dass die Menschen sehr wohl über 90 Minuten lang eine Superheldin als Hauptperson auf der Leinwand sehen wollen und dass sie das wollen, obwohl eine Frau – Patty Jenkins – hinter der Kamera stand. Außerdem sollte Wonder Woman irgendwie feministisch, unterhaltsam und klug sein und dem sogenannten cinematic universe von DC Comics zu einem Comeback verhelfen. Sonst noch was? weiterlesen

Bassistin und Künstlerin Kim Gordon designt für & other stories

19.06.2017 um 12.34 – Feminismus Kooperation Mode

& other stories, einer der mit Sicherheit attraktivsten Ableger des H&M Konzerns, überrascht uns seit der Gründung im Frühjahr 2013 immer wieder mit Kollaborationen, von denen manch eine Modekette nicht einmal zu träumen wagen dürfte: Die Zusammenarbeit mit Rodarte etwa war groß und unkonventionell, jene mit Vika Gazinskaya vor allem unerwartet und zeitgemäß – um nur meine persönlichen Highlights zu nennen – aber jetzt schnappt das Unternehmen wirklich komplett über, im besten aller Sinne: Zwar steht & other ohnehin schon für einen angenehmen Mainstream, der mit einem Bein dennoch relativ regelmäßig scharf an der Kante zur Eigenwilligkeit steht, aber dass man es tatsächlich fertigbringen würde, eine Persönlichkeit wie Kim Gordon für sich zu gewinnen, hinterlässt mich gleichermaßen staunend wie vor Gier auf das Kommende sabbernd. KIM GORDON. Ich, pardon, schnall ab. Die einstige Bassistin und Sängerin von Sonic Youth gilt als die lauteste Frau der Welt. Als Geschlechtergenzen auflösendes Donnerwetter. Als Rockstar. Im Herbst 2017 allerdings dreht sich alles um ihr Schaffen als Künstlerin: Zusammen mit & other stories arbeit sie derzeit an einer von ihrer Kunst inspirierten Mini-Kollektion. weiterlesen

Weekend Reads // Der Drogenbericht 2017, die Vermarktung queerer Symbole & warum Social Media traurig macht

09.06.2017 um 13.18 – Feminismus Gesellschaft Leben

Eine feine Leseleiste zum Wochenende, die gerne im Kommentarfeld ergänzt werden darf. Damit uns weder Lehrreiches und Amüsantes, noch Wichtiges entgeht:

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Commencement Speeches // 5 Reden von 5 Frauen, die echte Lebensweisheiten bieten

06.06.2017 um 8.30 – Allgemein Feminismus Leben

Mai ist nicht nur der Wonnemonat, sondern auch der Monat, in dem viele der sogenannten Commencement Speeches gehalten werden: Reden, gerne von Promis, vor frischgebackenen College-Absolvent*innen. Eine gute Gelegenheit, sich inspirieren zu lassen – zum Beispiel von Shonda Rhimes und J. K. Rowling.

Als ich im Dezember 2012 mein deutsch-französisches Doppeldiplom in Empfang nahm, wurden zwar ein paar Reden geschwungen – so richtig einfallsreich waren die aber nicht. Immerhin wurde uns Neu-Diplomierten nicht ernsthaft prophezeit, mit einem Diplom à la IEP Lille (meine Universität) würde sich quasi automatisch ein Topjob finden. So geschehen bei einer Freundin, die ihr Diplom zwei Jahre früher machte als ich und sich noch heute mit Schaudern an diesen Moment universitärer Überheblichkeit erinnert. Statt Jobgarantien gab es bei uns nur Regenschirme, auf denen der Name unseres Jahrgangs, George Orwell, abgedruckt war. Im Nachhinein eine erstaunlich treffende Wahl, denn wer würde besser zum modernen Dasein zwischen Alternative Facts, Fake News und Comeback der Diktatur passen als der Autor des dystopischen Romans 1984? weiterlesen

Ein paar Gedanken
zum Thema „Emanzipation“

24.05.2017 um 11.45 – Feminismus Leben

Vor einiger Zeit wurde ich von einem Frauenmagazin interviewt. Es ging darum, was Frausein im Jahr 2017 bedeutet, um Gleichberechtigung. Und natürlich ging es auch um Feminismus, um meinen Weg dahin.

Ich berichtete, dass meine Eltern im heimischen Herne schon das traditionelle Ernährer-Modell gelebt hätten: Mein Papa war Ingenieur und verdiente das Haupteinkommen. Meine Mama setzte nach der Geburt meiner Schwester und mir beruflich erstmal ein paar Jahre aus, nur ihre Wirbelsäulengymnastik-Kurse leitete sie weiter. Später stieg sie dann wieder in ihren Job in der Verwaltung eines großen Revierparks (so heißt das im Ruhrgebiet) ein, arbeitet seitdem Teilzeit. „Aha“, sagte sie Journalistin am anderen Ende der Leitung, „Sie sind also deshalb Feministin geworden! Weil sie sich von dem traditionellen Beziehungsmodell, das ihre Eltern repräsentieren, emanzipieren wollten.“  weiterlesen

Die Serie The Handmaid’s Tale ist verstörend
– und unheimlich gut

18.05.2017 um 8.00 – Feminismus Film Gesellschaft

Ehrlich gesagt: Ich hatte Angst, mir diese Serie anzugucken. Weil das Buch, auf dem die Serie basiert, zu meinen Lieblingsbüchern gehört und darin jedes Wort, jeder Satz perfekt ist. Weil es Anfang der 1990er bereits eine Verfilmung von The Handmaid’s Tale gab und ich die ziemlich misslungen fand. Aber nachdem die Hulu-Serie mit Elisabeth Moss (Peggy aus Mad Men) in der Hauptrolle monatelang angeteasert wurde, konnte ich nicht widerstehen. Ich schaltete ein – und bin froh darüber.

Denn The Handmaid’s Tale ist so mit das Beste, was die übergroße Serienlandschaft gerade zu bieten hat. Das liegt vor allem an der Dringlichkeit und Aktualität, die die Serie vermittelt, daran, dass sie die Frage nach dem „Was wäre, wenn…?“ so eindrücklich und schonungslos beantwortet. Die Geschichte selbst spielt in der nahen Zukunft, in der Republik Gilead: Durch nukleare Katastrophen ist ein Großteil der US-Bürger*innen unfruchtbar geworden, die Geburtenrate sinkt dramatisch. Es kommt zu einem Staatsstreich durch die christlich-fundamentalistische Gruppe Sons of Jacob, die den Präsidenten sowie den gesamten Kongress ermordet, die Verfassung außer Kraft setzt und die Republik Gilead auf dem Territorium der ehemaligen USA errichtet. In atemberaubendem Tempo wandeln die Sons of Jacb das Land in eine christliche Militär-Diktatur um, in der Frauen keine Rechte haben. Die neuen Gesellschaftsstrukturen orientieren sich an Stellen aus dem Alten Testament und weisen allen Menschen bestimmte Rollen zu. Die herrschende Klasse hält sich sogenannte Handmaids: fruchtbare Frauen, die den jeweiligen Haushalten – bestehend aus einem Commander und dessen Frau – zugewiesen werden, um ihnen Kinder zu gebären. weiterlesen