Kategorie-Archiv: Film

Kolumne //
Wir müssten viel mehr wie Toni Erdmann sein.

27.09.2016 um 18.33 – Film Gesellschaft Leben

die neue kauzigkeit

Neulich saß ich im Kino und musste mich vor Lachen beinahe übergeben, ein Popcornkorn hatte sich beim heftigen Jauchzen zwischen Gaumen und Nase verirrt und klebte nun dort fest, Tränen schossen mir in die Augen, nicht aber vor Verzweiflung, sondern wegen dieser maximalen Wonne, die mir an Situationskomik beschert wurde. Ines Conradi gab auf der Kino-Leinwand als „Whitney Schnuck“ gerade lautstark „The Greatest Love Of All“ zum Besten, irgendwo in einem fremden Wohnzimmer, voller Inbrunst. Die Dame auf dem Platz neben mir versuchte währenddessen ihren Lachanfall durch heißblütiges Trommeln auf den Oberschenkeln ihrer Begleitung in den Griff zu bekommen, ein glückseliges Grunzen erfüllte den Saal.

Die deutsche Regisseurin und Drehbuchautorin Maren Ade hatte die Welt mit ihrem Spielfilm „Toni Erdmann“ zweifelsohne exakt in diesem Moment zu einer besseren gemacht. Eigentlich heißt der pensionierte Protagonist und Musiklehrer übrigens Winfried Conradi und hegt eine Vorliebe für schräge Scherze. Als sein Hund stirbt, macht er sich auf den Weg nach Bukarest, um die spießige Tochter vor der furztrockenen Einöde der Berater-Branche zu retten. Uns rettet er im gleichen Atemzug vor zu viel Heuchelei, zu wenig Freiheit und vergessenem Humor. Jeder von uns Zuschauenden wusste jedenfalls schnell, dass er gut daran täte, endlich mehr Toni in sein Leben einkehren zu lassen. Ein bisschen mehr Fuck Off eben. Und Mut zur Kauzigkeit. In den folgenden Tagen versuchte ich also, meinen inneren Erdmann häufiger nach außen zu kehren, statt ihn weiter zu ersticken. Wenn auch nicht immer erfolgreich. weiterlesen

Serien-Tipp // „Her Story“

15.09.2016 um 11.00 – Feminismus Film

her story serieEndlich eine Serie über Transfrauen, die ohne Männer mit Perücken und in Frauenkleidung auskommt: Her Story erzählt vom Leben und Lieben zweier Transfrauen in L.A. – und macht das so authentisch und gut, dass die Miniserie für einen Emmy nominiert wurde.

Ein Abend in L.A. Zwei Frauen, die einen Boulevard entlang schlendern, Eis essen, reden. „Würde es dir was ausmachen, wenn wir kurz in dieses Café reingehen?“, fragt die eine, Allie. „Ich friere mir die Eier ab.“ Die andere, Violet, guckt sie an, offensichtlich irritiert. Allie schlägt eine Hand vor den Mund. „Oh mein Gott. Tut mir so leid, ich hab das nicht so gemeint.“ Violet versucht noch einen Moment länger, wütend auszusehen – dann bricht sie in Lachen aus: „Der Ausdruck auf deinem Gesicht!“ Violet (Jen Richards) ist eine ganz normale Frau. Und: Sie ist transsexuell. Journalistin Allie (Laura Zak) wird auf die schüchterne Kellnerin aufmerksam und will sie für eine Geschichte über Transfrauen im Magazin Gay L.A. interviewen. Violet zögert erst: Sie sei keine Aktivistin und auch nicht lesbisch. Dann macht sie doch mit. Es bleibt nicht bei dem Interview: Die offen lesbische Allie fühlt sich zu Violet hingezogen. Violet aber datet Männer. „Also, warst du vor deinem Übergang ein schwuler Mann?“, fragt Allie und Violet lacht nervös. „Vor dem Übergang habe ich tatsächlich Frauen gedatet.“ Warum ist das jetzt anders? Violet erklärt, dass es weniger um die Männer geht als um sie selbst: „Wenn ich mit einem Mann zusammen bin, habe ich keine Zweifel an meiner Weiblichkeit. Mein Körper neben ihrem ist so offensichtlich weiblich.“
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Doku-Tipp //
She’s beautiful when she’s angry

12.09.2016 um 14.40 – Feminismus Film

shes beautiful when shes angry

Wenn es um Feminismus geht, dann weine ich manchmal laut, jedenfalls innerlich. Entweder vor Verzweiflung über die Borniertheit realitätsverweigernder Gegner dieser elementaren Geisteshaltung, oder aber vor Glück. So wie neulich, als ich zum ersten Mal „She’s Beautiful When She’s Angry“ sah, Mary Dores Werk über die Second Wave Feminists der späten 60er Jahre – ein längst überfälliges Stück Geschichte im Bewegbild, das es auf die großen Kinoleinwände der Welt geschafft hat. Ganz im Gegensatz zu den allermeisten Frauenrechtlerinnen übrigens, dabei gäbe es ausreichend Stoff und Sensationen für mindestens zehn Streifen. Diese inzwischen frei zugängliche Dokumentation über jene Frauen, die in den USA den Gleichberechtigungs-Stein ein zweites Mal zum Rollen brachten, über die verschiedenen Ansätze und Absplitterungen der Bewegung, über Mut und Protest und innere Konflikte, entschädigt uns zumindest ein Stück weit für alles bisher Unverfilmte.

Nach 90 Minuten mit Originalaufnahmen von früher und aktuellen Interviews mit den Protagonistinnen von damals kann ich nicht nur auf unzählige Gänsehaut-Momente, etliche Wut-Knoten und feuchte Augen ob des überschäumenden Kampfgeistes der gezeigten Aktivistinnen zurück blicken, sondern ertappe mich außerdem ungewohnt angesteckt von der inspirierenden Kraft, die Regisseurin Mary Dore mit ihrem Werk auf uns los lässt. Man möchte irgendetwas tun und bewegen, endlich wieder laut werden. Und all jene vor den Bildschirm setzen, die immer noch nicht verstanden haben, was Feminismus bedeutet. Und dass die Welt ausschließlich aus Feminist*innen bestehen sollte. weiterlesen

Frauen in Filmen // Gleichen weibliche Ghostbusters einer Apokalypse?

20.06.2016 um 13.32 – Feminismus Film Gesellschaft

frauen im film ghostbusters 3 2016 this is jane wayneDer neue – weibliche – Ghostbusters-Film ist zur Abstimmung darüber geworden, ob Filme von bzw. mit Frauen überhaupt jemand sehen will und ob diese gut sind. Das nervt.

Ein Nachmittag im Kino, voller Erwartung auf den neuen X-Men-Streifen. Während auf der Leinwand der gefühlt hundertste Trailer zu irgendeinem Film läuft, dreht sich mein Bekannter zu mir: „Guckst du dir eigentlich den neuen Ghostbusters-Film an? Mit den Frauen?“ „Klar“, sage ich, woraufhin mein Bekannter das Gesicht verzieht: „Aber der hat auf Youtube total schlechte Kritiken bekommen. Ich glaube, der Film ist echt mies – und das sage ich nicht, weil die Hauptpersonen Frauen sind.“

Ich bin baff: Seit wann gelten Youtube- „Kritiken“ ( = Klicks auf den Daumenhoch/Daumenrunter-Button plus User-Kommentare) als Hinweis darauf, ob ein Film gut oder schlecht ist? Und warum muss extra betont werden, das Problem seien nicht die Frauen – wenn sie es offensichtlich sind? (Letztens las ich einen Artikel, der ernsthaft den Titel trug: I despise Hillary Clinton and it has nothing to do with her gender – genau, schon klar). Ich werde den neuen Ghostbusters-Film mit Kristen Wiig, Leslie Jones, Melissa McCarthy und Kate McKinnon gucken, keine Frage: Jede einzelne dieser Frauen finde ich witzig und unterhaltsam und warum sollte die Kombination aus all diesen Frauen nicht einen lustigen Film ergeben? weiterlesen

Doku-Tipp //
„Miss Representation“ auf Netflix

30.05.2016 um 9.37 – Feminismus Film

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Media can be an instrument of Change. It can maintain the status quo and reflect the views of the society or it can awaken people and change minds.
It depends on who is piloting the plane. 

Wir leben im Jahr 2016 und trotzdem scheint die Medienlandschaft immer noch fast ausschließlich zwei Schubladen für stereotype Männer- und Frauenbilder zu öffnen. „Wenn Firmen ihre Produkte mit nackten Frauen bewerben, halte ich das für gerechtfertigt, offensichtlich gibt es ja den Markt dazu“, fauchte uns Ronja von Rönne einst in ihrem Artikel „Warum mich der Feminismus anekelt“ zu. Das ist traurig und wir hoffen, die Verfasserin weiß das eigentlich auch. Denn unser Rollen-Bild wird eben sehr stark von medialen Formaten geprägt. Dabei scheint die Medienlandschaft meistens noch so tief in der Vergangenheit zu stecken, dass es beim Zusehen wirklich schmerzt. Das wundert uns im ersten Moment natürlich nicht, ein paar Zahlen und Fakten dazu sind allerdings erschreckend:

In „Miss Representation“ geht’s nämlich genau darum. Die Doku thematisiert fehlende Role Models, antiquierte Rollenmodelle und die Konsequenzen der einseitigen Frauen-Darstellungen, die diese Mainstream-Medien mit sich bringen. Zwar hat sich seit der Erstaustrahlung dieser Doku im Jahr 2011 tatsächlich ein wenig getan (Well hello, Lena Dunham, Emma Watson, Jennifer Lawrence und jawohl, Disney), wer in letzter Zeit aber mal wieder den Fernseher eingeschaltet hat und auch die Werbung nicht ausgespart hat, der weiß, wovon hier die Rede ist. Miss Representation von Jennifer Siebel – ab jetzt auf Netflix. Und hier gibt’s den 8minütigen Trailer dazu:  weiterlesen

Film-Tipp //
„La Belle Saison“ – eine Sommerliebe

24.05.2016 um 11.00 – Film

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Ich finde ja, Film-Tipps kommen niemals aus dem Wetter. Laue Sommernächte verbringen Turteltäubchen schließlich gern im Freiluftkino, Bahnfahrten raus zum See müssen wohl oder übel ebenfalls überstanden werden und dann gibt es ja noch diesen nicht unwahrscheinlichen Frühlings-Regen. Aber selbst wenn es trocken bleibt, ist so eine kleine eineinhalbstündige Pause auf dem Balkon, samt Wein und Pizza, wirklich nicht die schlechteste Idee. Vor allem, wenn auf dem Bildschirm trotzdem die Sonne scheint. „La Belle Saison“, ihr habt vermutlich schon davon gehört, ist ein französisches Film-Schätzchen. das offenbar dringend angesehen gehört und zwar nicht zuletzt aufgrund von Cécile de France, die in ihrer Rolle als Carole einmal mehr zu strahlen scheint. Es geht, natürlich, um die Liebe. Um eine, die nicht sein darf. Regisseurin Catherine Corsini hat sie selbst erlebt.  weiterlesen

FILM-TIPP // „DIE KOMMUNE“
von Thomas Vinterberg

27.04.2016 um 7.05 – Film

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„Das ist kein Film über eine wahre Geschichte, sondern ein Film über ein wahres Gefühl.“ (Quelle: Süddeutsche)

Thomas Vinterberg lebte bis zu seinem 19. Lebensjahr in einer Kommune. In seinem Film „Kollektivet“ verarbeitet der dänische Regisseur das Erlebte. Obwohl er noch heute an vielen der herrlichen Erinnerungen festhält, verheimlicht er seinen Zuschauern nicht, dass das bedingungslose Miteinander vor allem eins zerstört: Das eigene Ich. In seiner von echten Erlebnissen inspirierten und doch fiktiven Geschichten ist es Anna, die aus Liebe zur Gemeinschaft irgendwann nicht nur ihren Mann verliert, sondern auch den Verstand. Am Anfang steht also wie sooft eine wunderbare Idee voller Ideale, die am Ende an Naivität zerbricht. Und doch bleibt mit dem Abspann der Gedanke an ein besseres Miteinander zurück, eine kleine Hoffnung darauf, dass es mehr gibt als nur das eine klassische Bild der Vater-Mutter-Kind-Familie. weiterlesen

#GIRLCRUSH & SERIEN-TIPP //
JESSIE KAHNWEILERS „THE SKINNY“

19.04.2016 um 16.53 – box1 Film

series the skinnyJessie Kahnweiler lebt zusammen mit ihren Pflanzen in Los Angeles, ist Künstlerin auf ziemlich vielen Ebenen, noch dazu Drehbuchautorin, Feministin und womöglich auf dem besten Weg dahin, in die Fußstapfen von Lena Dunham zu treten. Weil sie sich keine Therapie leisten kann, dreht sie stattdessen Youtube-Videos und macht Kurzfilme. Auch, um sich auf der Welt zuhause zu fühlen, aber vor allem, um Themen auf den Tisch zu bringen, die von der Gesellschaft und manchmal auch von uns selbst nur allzu gern unter den Teppich gekehrt werden. Die eigene Vergewaltigung zum Beispiel („Meet my rapist“ wurde 2014 beim Sundance Festival gezeigt), rassistische Privilegien oder Bulimie.

Und dann ist da noch „The Skinny„, Kahnweilers neueste Dark-Comedy-Webserie, in der sich die Regisseurin und zugleich Protagonistin offenbar hin und wieder selbst spielt. Die 10-minütigen Episoden erzählen vom Krieg führen gegen den eigenen Körper, vom Wahnsinn, Freundschaft, und dem Drama als Millenial mit all seinen Zweifeln und Möglichkeiten geboren worden zu sein – nicht selten möchte man durch den Bildschirm springen, um Jessie am Schlafittchen aus der sichtbaren Zone des Internets zu ziehen. weiterlesen

TV-TIPP // „Mode und Individualität“
feat. the Janes

08.03.2016 um 17.29 – box2 Film Wir

this is jane wayne

Wieder ein kleiner Clip aus der Reihe Augen (und Ohren) zu und Durch, oder: Meine Güte, wie schnell vergeht denn bitte die Zeit und wie viel kann sich denn bloß binnen so weniger Monate ändern?. In der ARD Alpha Serie „Unsere zweite Haut“ treten wir erstmals in Folge 4 auf und genau jene könnt ihr euch derzeit in der Mediathek zu Gemüte führen. Es gibt nicht nur einiges von der Fashion Week vor gut acht Monaten zu sehen, sondern auch eine hochschwangere Sarah Jane, die beiden Supergirls Pola und Thekla von der Kleiderei, viel Mode und Behind the Scenes Material aus den eigenen vier Wänden (wir hatten damals noch kein neues Büro), sondern auch eine Handvoll Rückblicke in vergangene Zeiten und sogar ein kleiner Schwank über Justin Bieber. „Mode und Individualität“ ist das Oberthema der Sendung, alles dreht sich demnach also um Social Media, Identitäten und Kleider-Inszenierungen, um das Geldverdienen und den Wandel der Zeit.

Irgendwann werden wir telegen sein, ich weiß es. Zumindest in unserer Träumen. Viel Spaß! weiterlesen

SERIEN-TIPP //
Netflix Originals „Love“

23.02.2016 um 12.07 – box1 Film

netflix serie love

Ich bin noch nicht lange ein Serienmensch, was nicht etwa daran liegt, dass ich selbige nicht sonderlich mögen würde, ganz im Gegenteil, ich weiß bloß um mein enormes Suchtpotenzial. Die brandneue Netflix-Produktion „Love“ jagt mir allerdings nur mittelviel Angst ein – wenn Breaking Bad das Heroin krasser Serien Junkies ist, wirkt Love eher wie ein seichtes Marihuanapflänzchen. Das ist keinesfalls schlecht, womöglich sogar besser, in jedem Fall aber sehr angenehm. Genau wie Mickey und Gus.

Die beiden Mittdreißiger sind zweifelsohne schräg, ein bisschen kaputt und trotzt üppig gepflückter Neurosen-Sträuße in etwa so nahbar und sympathisch wie der Lieblings-Nachbar, der uns gelegentlich mit Salz, Kerzen oder Butter aushilft. Man wundert sich womöglich über die ein oder andere Überreaktion und Kauzigkeit, ohne beides würde aber ganz gewiss etwas fehlen. Gus ist ein Bilderbuch-Nerd mit gebrochenem Herzen, Mickey frustriert, schlagfertig und frisch gebackener Single. Die zwei gebeutelten Anti-Hero-Protagonisten treffen zum ersten Mal an einer Tankstelle aufeinander. Weil Mickey dingend Kaffee und Zigaretten braucht, keine Mäuse dabei hat und deshalb kurz davor ist eine Straftat zu begehen, gibt Gus sich heldenhaft höflich wie immer und übernimmt die Rechnung der bis dato Fremden, die einen roten Badeanzug zur Jeans und rosa Söckchen in Adiletten trägt – vielleicht der Anfang einer Geschichte über echte, wahre Liebe? weiterlesen

Berlinale 2016 // „Mustang“ –
Über Freiheit, Hoffnung & Emanzipation

22.02.2016 um 9.12 – box2 Film

mustang

Fast spurlos zog sie in diesem Jahr an mir vorbei, die Berlinale 2016, die Sieger der Bären, die Filmparties und all die Premieren. Und wenn mein liebster Freund Flo mir am Wochenende nicht noch einen knackigen Rundumschlag seiner Highlights und Empfehlungen bei einem Glas Rotwein mit auf den Weg gegeben hätte, ich könnte beim Thema Berlinale wohlmöglich bloß stumpf mit den Achseln zucken. Über 20 Filme hat er sich im Rennen um den goldenen Bären angeschaut, kümmerte sich um die Presse für Jonathan und legte mir einen Beitrag besonders ans Herz: Mustang, die türkisch-französisch-deutsche Co-Produktion von Regiedebütantin Deniz Gamze Ergüven, die mit so viel Lebensfreude und Freiheit gefüllt ist, mit so viel Mut aufwartet und vor allem eines in den Vordergrund stellt: Girlpower.

Es ist dieses eingebrannte Bild, das uns hierzulande immer wieder erschaudern lässt: Es geht um Unterdrückung, Fremdbestimmung und traditionelle Frauenbilder und gleichzeitig eben auch um Hoffnung, Rebellion, Zusammenhalt und Lebensfreude in einer Welt, die von Traditionen, Vorschriften und Männern geprägt ist. Es geht um den Wunsch nach Freiheit, der hierzulande oft so selbstverständlich ist, in Mustang allerdings schmerzlich erkämpft werden muss. weiterlesen

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WARDROBE TALES TEIL II

16.12.2015 um 14.17 – Film Wir


In Teil I der Wardrobe Tales für eBay Fashion habe ich mit euch ein bisschen in meinem umgebauten Kleiderschrank-Badezimmer gewühlt, von Lakritz und Filterkaffee geschwärmt, bestickte Kleider ausgeführt und hier und da ein bisschen Unfug über fehlenden Mut geredet. Ähnlich geht es in der zweiten Folge weiter, bloß dass diesmal alles um meine liebste Zeit des Jahres kreist, in der wir ganz genau jetzt Bauchnabel-tief drin stecken. Meine mittlerweile nicht mehr ganz so heimliche Liebe zu Lurex ist in Video #2 zum Beispiel ein großes (Socken-)Thema, ebenso der schmale Grad zwischen unerträglichem Kitsch und festlichen-bananigen Gimmicks, ab und zu fliegt mir auch das Kinn vor Freude weg und nicht nur ein Mal regnet es Konfetti. Es ist wirklich immer wieder die gleiche Leier, kurz vor dem ersten Advent schwöre ich mir, nicht in Lichterketten zu ersaufen und auch beim nächsten Dinnerabend auf dem Teppich und ganz schlicht zu bleiben, sobald es dann aber wirklich so weit, landen doch wieder Tröten und Goldsterne auf dem Tisch. Mehr ist manchmal mehr. Aber nur in der Weihnachtszeit.

Am Körper trage ich derweil zwei heiße Anwärter auf den Tannenbaum-Look, nämlich ein fedriges Kleid von Valentino Red, das ich bereit hier zeigen durfte, und ein Lala-Berlin-Fundstück, das mich schon vor etlichen Saisons zum Jauchzen brachte: weiterlesen

Serien-Tipp // Jessica Jones, Superheldin mit posttraumatischer Belastungsstörung

26.11.2015 um 14.15 – Feminismus Film

jessica jones serien tipp

Mit Jessica Jones schickt Marvel die erste Superheldin in Serie. Heldenhaft ist an dieser trinkenden, zynischen und kaputten Frau aber kaum etwas – zum Glück!

„Ich suche nach dem Schlimmsten in Menschen“ sagt die grimmig-gelangweilte Stimme von Jessica Jones (Krysten Ritter) aus dem Off – und damit ist der Ton für Marvels neue Netflix-Serie, benannt nach ihrer Heldin, gesetzt. Jessica, das stellt sich schnell heraus, ist sehr talentiert darin, das Schlimmste in Menschen zu finden: Sie arbeitet als Privatdetektivin und einzige Angestellte ihres Unternehmens Alias Investigations in New York. Den Großteil ihrer Zeit verbringt Jessica damit, Fremdgängern mit der Kamera aufzulauern und sie beim heimlichen Stelldichein abzulichten. Erfüllende Arbeit sieht anders aus.

Allerdings scheint Arbeit Jessica sowieso nicht besonders zu interessieren. Sie schläft bis spät in den Tag hinein, steht auf Flüssignahrung in Form von Whisky und hat offensichtlich Probleme, ihre Aggressionen in den Griff zu bekommen. Wüsste man nicht, dass es sich um eine Marvel-Serie handelt und Jessica Jones eine Superheldin aus der Reihe Iron Man, Captain America und Co ist, man könnte Jessica Jones genauso gut für ein düsteres Neo-Noir-Drama halten. Eines von der Sorte, wo ein schlechtgelaunter, stets düster blickender und hart trinkender Privatdetektiv durch New Yorks Straßen zieht. Und jetzt: Achtung – Spoiler-Alarm! weiterlesen

Vorgemerkt // „Janis: Little Girl Blue“
– The Life & Rise of Janis Joplin

18.11.2015 um 8.33 – Film

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She took a flag and made a place in Rock’n Roll for women (…) Janis was fearless with her pain and her truth. Es gibt wohl niemanden der Welt, der nicht irgendetwas mit Janis Joplin verbindet – mit dieser großartigen Künstlerin und ihrer unfassbar rauchigen Stimme, mit ihren Ohrwurm-Hits wie „Mercedes Benz“ und diesem viel zu frühen Tod, der sie ganz makaber in den „Club der 27er“ neben Kurt Cobain und Amy Winehouse brachte. Wer aber war diese Frau eigentlich? Was genau zerriss ihr Herz über all die Jahre und warum starb sie viel zu früh? Nach Janis (1974), der bislang einzigen Doku über die Sängerin, versucht Regisseurin Amy Berg nun Antworten in der im Januar bei uns erscheinenden Dokumentation „Janis: Little Girl Blue“ zu finden und skizziert mit ganz viel Feingefühl das Leben der Musikerin chronologisch von ihrer Kindheit bis zu ihrem Drogentod.

Wir erfahren von Janis‘ Problemen, sich nie weiblich genug gefühlt zu haben und große Schwierigkeiten hatte, unter anderen Menschen zu sein. Aus Aussagen von Wegbegleiter, alten Aufnahmen, bislang unveröffentlichtem Filmmaterial und persönlichen Briefe soll sich unser Gesamtbild formen – von dieser Frau, von der wir doch eigentlich so viel wissen sollten, es am Ende aber irgendwie dennoch gar nicht tun. Der Dokumentarfilm verspricht ein Annäherungsversuch zu werden und wir kringeln das Release-Datum schon jetzt rot im Kalender ein. weiterlesen

Film-Tipp // He named me Malala

28.10.2015 um 9.45 – box2 Feminismus Film

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Malala Yousafzai ist die jüngste Friedensnobelpreisträgerin der Welt. Drei Jahre ist es jetzt her, dass ihr ein Taliban-Kämpfer aus nächster Nähe in den Kopf schießt. Er will endlich das Mädchen töten, das für die BBC im Internet Tagebuch über den Krieg in Pakistan schreibt, darüber, dass ihr Männer mit seltsamen Bärten den Schulunterricht verbieten wollen, das Tanzen, das Tragen ihres Lieblingskleides. Zu diesem Zeitpunkt steht Malala längst auf der Todesliste der radikalen Islamisten, die mit aller Gewalt die Scharia durchsetzen wollen, einen Gottesstaat, in dem Frauen nur noch verschleiert die Straße betreten dürfen. Ein Umstand, den die sie nicht akzeptieren will und kann, Hunderttausende lesen ihre Augenzeugenberichte.

Malala überleb das Attentat und zieht mit ihrer Familie nach Großbritannien, in ihrer Heimat, dem Swat-Tal, jagt man sie weiterhin. Angst hat sie selten, vielleicht kommt sie aber auch einfach nicht dazu, denn es gibt Wichtiges zu tun. An ihrem 16. Geburtstag hält die junge Frau, die nur durch ein Wunder überleben konnte, vor den vereinten Nationen eine Rede, die um die Welt geht. „Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern“, sagt sie da. Bis heute setzt sich die inzwischen 18-Jährige als Mitbegründerin des Malala Fund für das Recht von Mädchen auf Bildung ein, überall. Ob sie manchmal an Rache denkt? Nie. „Solche Gefühle sind mir fremd,“ erklärt sie Regisseur Davis Guggenheim, der die Heldin seines vielfach ausgezeichneten Dokumentarfilms achtzehn Monate lang begleitete. Dabei lächelt sie schief. Eine Gesichtshälfte ist seit dem Anschlag gelähmt. Ihr Mut ist durch diesen Tag aber nur noch größer geworden. weiterlesen