Kategorie-Archiv: Gesellschaft

BUCHTIPP // „Girl’s Can’t Code“
– Pah, „We Love Code!“

– 23.05.2016 um 12.27 – Feminismus Gesellschaft

girls can code neuneu

Websites, Apps, Programme: Kennen wir alle. Aber wie sieht es mit den Codes dahinter aus? Das Buch We Love Code! will neugierig machen aufs Programmieren – Bühne frei für Ada Lovelace, Brainfuck und 2-Schritte-Authentifizierung.

Manchmal denke ich an meine Schulzeit zurück und ärgere mich: Hätte ich mal Informatik als Fach gewählt! Dann könnte ich heute vielleicht programmieren, hätte vielleicht einen super bezahlten Job und mein Leben wäre vielleicht generell – besser. Hätte hätte Fahrradkette. Statt Informatik wählte ich Erdkunde-Sozialwissenschaften, was jetzt auch nicht schlecht, aber auch nicht so richtig cool war. Informatik hingegen war cool. Das wurde mir spätestens in dem Augenblick bewusst, als wir mit dem Französisch-Kurs im Computerraum hockten und Vokabelübungen machten. Plötzlich färbte sich mein Bildschirm pechschwarz, in der oberen linken Ecke erschien eine giftgrüne Schrift: „Follow the white rabbit“. Und in der letzten Reihe lachten sich zwei meiner Mitschüler schlapp, weil ihr kleiner Trick („Trojaner“ genannt) so gut funktioniert hatte. Was soll ich sagen: Einer der beiden Herren arbeitet heute für Google.  weiterlesen

In was für einer Welt Leben wir eigentlich //
Waxing für 12-Jährige – ein offener Brief

– 11.05.2016 um 17.15 – Feminismus Gesellschaft

waxingÜber Haare haben wir schon häufiger diskutiert. Nicht nur über solche, die auf dem Kopf wachsen, sondern auch über jene, die im Intimbereich und unter den Achselhöhlen sprießen. Wir empfinden den Diskurs darüber, dass ausnahmslos jede selbstbestimmte Frisur als prachtvoll gelten dürfen muss, nach wie vor als wichtig. Wenngleich es einem Tränen in die Augen treiben sollte, dass die Öffentlichkeit sich in Anbetracht der Natur des Körpers noch immer geniert als sprächen wir von Verwahrlosung, dass es überhaupt noch vonnöten ist, auf die Schönheit von Diversität aufmerksam zu machen und darauf, dass Natürlichkeit einzig durch die perfide mediale Sozialisierung, der wir unterliegen, als eklig empfunden werden kann. Neben der Periode unterliegt vor allem das Schamhaar einer strengen Zensur. Instagram sperrte einst den Feed der Künstlerin Petra F. Collins, man sah ein paar Flusen rechts und links aus dem Höschen ragen. Das war zu viel des Guten. Im Grunde ist der weibliche Körper an sich und exakt das, was zu ihm gehört, schon mehr als die meisten ertragen können. Menstruationsblut etwa wird in der Welt der Hygieneartikelhersteller derart abstrahiert, dass man beinahe meinen könne, unser Uterus stoße statt Gebärmutterschleimhaut ein wohlig duftendes babyblaues Gel der Unschuld aus. Es ist ein wahrer Luxus, sich in seinem Körper wohl fühlen zu dürfen. Und nicht aufgrund seiner Beschaffenheit, Optik und Mechanik benachteiligt zu werden. Der oft proklamierte Drang unserer Generation nach Individualität scheint nämlich ähnlich wie der Spaß genau da aufzuhören, wo die Natur vergessen hat, einen Photoshop-Filter anzuwenden. Das ist nicht neu. Neu hingegen ist aber, dass nun offenbar auch Kinder den Schemen der radikalen „Selbstoptimierung“ unterliegen.

Heute Morgen erreichte uns per Mail die Nachricht einer Leserin. Während ihres letzten Besuchs im Waxing-Studio stolperte Jolki Palki über eine Werbung, die alles übertrifft, was man als denkender Mensch als vertretbar einordnen sollte: Teenies zwischen 12 und 17 Jahren erhalten ab sofort Rabatt auf jede Art der Haarentfernung. Daraufhin schrieb Palki einen offenen Brief, den wir an dieser Stelle mit euch teilen wollen. Auch, um an den Verstand der Betreiber_innen von Wax in the City zu appellieren: weiterlesen

Sexualstrafrecht // „Wie es sich anfühlt, weniger Rechte zu haben als ein Auto“

– 09.05.2016 um 14.18 – Feminismus Gesellschaft

sexualstrafrechtAlina Sonnefeld meldete sich im vergangenen Jahr per Mail bei uns. Im Anhang befand sich ein Text, der dringen in die Internet-Welt hinaus geschickt gehörte. Damals schrieb sie darüber, wie es sich anfühlt, in der heutigen Welt ein Mädchen zu sein. Ein 18-jähriges Mädchen. Jetzt vermutet unsere Autorin, weniger Reche zu besitzen als ein Auto:

Mir war das lange nicht bewusst. Das mit unserem Sexualstrafrecht.

Dass es nicht genügt vergewaltigt worden zu sein, um den Täter strafrechtlich verurteilen zu lassen. Dass man verpflichtet ist, sich zu wehren, mit allen Mitteln. Auch mit denen, die einem nicht zur Verfügung stehen. weiterlesen

Social Media Battle //
Alte Hasen vs. junges Gemüse

– 05.05.2016 um 18.23 – Gesellschaft Mode Technik

digital influencerManchmal, wenn das Internet über Social Media oder wir Blogger_innen über Veränderungen in der digitalen Welt schreiben, frage ich mich, wer von euch wohl längst mit rollenden Augen vor dem Bildschirm sitzt. Man kann sich auf der einen Seite nämlich köstlich darüber amüsieren, wie bierernst scheinbar nebensächliche Themen zuweilen diskutiert werden, andererseits haben wir es hier faktisch mit einem mittlerweile millionenenschweren Business zu tun: Wer viele Follower vorzuweisen hat, etwa auf Instagram, rüttelt häufig heftig am Kooperations-Baum. Das ist neu. Früher galt: Je höher der Traffic auf der eigentlichen Website, desto besser – Social Media existierte ausschließlich als positive Begleiterscheinung. Heute jedoch läuft der Hase oft komplett anders herum, die hellsten Sterne am Himmel der sozialen Medien kommen gar komplett ohne Webseiten aus. Instagram-Ikonen und Snapchat-Profis lassen vorrangig schöne Bilder statt getippten Content sprechen. Und zwar sehr zur Sorge der schreibenden Blog-Front. Auch ich erbrach mich erst jüngst verbal auf das Phänomen mit dem gelben Geist – bis ich prompt zur Bekämpfung meiner offenbar frühzeitigen Vergreisung zum Selbsttest überredet wurde und schließlich höchst vergnügt aus der Woche voller „Snaps“ hervor ging. Es kommt womöglich also nicht darauf an, was wir konsumieren, sondern wie wir konsumieren. Wie berechtigt ist aber die mitunter handfeste Kritik an diversen, sagen wir mal, „Fast-Media“-Stars, die seit geraumer Zeit über unsere Smartphone-Displays hüpfen?

Sarah fragt sich derzeit beispielsweise öffentlich, ob der leichtfüßige Bunte-Bilder-Feed, der inzwischen in die Hände von Facebook übergangenen ist, womöglich geradewegs zum Wertverlust von Blogs und damit auch des geschriebenen Wortes führt, Masha gruselt sich ein wenig vor der Macht all jener, die ihr gesamtes Leben für Snapchat abfilmen und bei unseren Kolleginnen von Journelles geht es aufgrund des inflationär gebrauchten Begriffs „Digital Influencer“ heiß her. Die ersten beiden Diskussionen ließen mich beim Lesen mit dem Kopf nicken wie ein nach Futter suchender Spatz; da ist viel Wahres dran und die Kratzbürste in mir gab sich hoch erfreut über so viel Ehrlichkeit. Spätestens mit dem Gesprächsstoff-Beitrag von Jessie ließ sich aber ein kerniger Beigeschmack zwischen den Zeilen heraus lesen: Nämlich die omnipräsente Angst von uns alten Hasen, das junge Gemüse könne uns irgendwann von der Bildfläche verdrängen. weiterlesen

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GIRLS TALK // #BREASTPEACE – Warum will niemand mehr Brüste haben?

– 14.04.2016 um 14.35 – Gesellschaft Leben Wir

breast peaceMit 14 waren meine Erbsen und ich kurz davor, einen Push Up bei New Yorker zu klauen, um aus dem flunderflachen Vorbau einen üppigen Busen-Balkon zusammen zu quetschen. Man wollte ja nichts weiter als erwachsen und endlich im geschlechtsreifen Alter sein, da gehörte ein anständiger Vorbau zumindest in dieser pubertär-naiven Vorstellung fest mit zum Entwicklungs-Prozess dazu. Als es irgendwann von selbst und womöglich auch durch die Pille zur Mops-Explosion kam, steckte ich die Dinger fortan in knatschenge Spaghetti-Träger-Tops, um sie wie zwei vergoldete Trophäen über den Pausenhof zu schleppen. Zehn Jahre und ein Baby später ist so gut wie nichts mehr übrig vom prallen Haut-Apfel Glück, ganz zur Freude der Modebranche, die ohnehin nur Augen für A-Körbchen hat.

Genau wie etliche gut bestückte Frauen weltweit, die im Angesicht all der flachbusigen Models in Existenzkrisen verfallen, einschnürende Sport-BHS in XS überziehen und mit Buckel durch den Sommer laufen, damit das Dekolleté möglichst dezent ausfällt. weiterlesen

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Brain Blah // Reminder: Lasst uns das Body Shaming doch endlich verbannen.

– 12.04.2016 um 16.46 – Gesellschaft Leben

stop body shamingFür die weit verbreitete Praxis des Body Shamings dienen vor allem die sozialen Medien immer wieder als Spielwiese chronisch gelangweilter, pöbelnder Weltverbesserer, die der Meinung sind, zu jeder Tages- und Nachtzeit über das Körpergefühl, das Essverhalten und den Schönheits-Grad sämtlicher sich im World Wide Web tummelnder Frauenkörper richten zu dürfen. Zuletzt wurde das Plus Size-Model Iskra Lawrence Zielscheibe widerwärtiger Kobolde, die natürlich lieber anonyme Beleidigungen, statt handfeste Argumente für ihre Aversionen gegenüber wohlig-wunderschöner Rundungen anbrachten und noch immer bringen. Da wurde zum Beispiel die Fast-Food-Keule ausgepackt und noch dazu freche Unterstellungen, die jegliche Selbstliebe aufgrund oder trotz kleiner Abweichungen von der dürren Modemagazine-Norm zur eindeutigen Lebenslüge abstempelten.

Wann außerdem endlich dieses überflüssige „Plus Size“ Labeling aufhört, steht nochmal auf einem ganz anderen Blatt geschrieben, es ist ja beinahe so, als käme die Welt nicht mehr ohne die eigentlich der Zoologie vorbehaltene Arten-Bestimmung aus. Wie falsch das und vieles andere ist, weiß immerhin der denkende Teil der Bevölkerung dieses Planeten. Sollte man jedenfalls meinen. Dem ist aber natürlich nicht so – ein Umstand, der uns alle gerade im Angesicht des nahenden Sommers zum gezielten Griff an die eigene Nase motivieren sollte. weiterlesen

Politik & Mode // Wie sich die Geister an „Islamic Fashion“ scheiden

– 07.04.2016 um 16.02 – Feminismus Gesellschaft

islamic fashion hijab modeAls im vergangenen Jahr erste Bilder der Hijab- und Abayas-Kollektion aus dem Hause Dolce & Gabbana im Netz auftauchten, schoss mir ehrlich gesagt nichts weiter als „aha, ganz schön clever!“ durch den Kopf. Der Nahe Osten gab bereits 2014 mehr als 8,7 Milliarden Dollar für Luxusmode aus, rund ein Drittel der weltweiten Haute-Couture-Kundinnen kommt von dort. Domenico Dolce und Stefano Gabbana würden mit ihrer Mode für muslimische Frauen, den prachtvollen Kopftüchern und edlen Gewändern, also zweifelsohne den Nagel auf den Kopf und den Zeitgeist treffen, auch im wirtschaftlichen Sinne. Wo die einen ganz optimistisch von Kulturverständigung sprechen und auch das Auftauchen einer Kopftuchträgerin in der zuletzt viel diskutierten H&M Kampagne von 2015 als fortschrittlich und richtig bewerten, beginnt für andere der ganz große Diskurs. Die Guardian-Autorin  etwa bemängelt im Fall D&G vor allem den Umstand, dass eine (westliche) Gesellschaft, die immer wieder mit Islamfeindlichkeit hadere, offensichtlich nur dann für die muslimisch geprägte Kultur zu schwärmen scheine, wenn ihr ein weißer, kapitalistischer Stempel aufgedrückt wird, wenn es um Geld geht. Und auch die britische Bloggerin Dina Torkia weiß nicht recht, was sie vom neuen Interesse der Modekonzerne an ihrer Religion halten soll: “I dreamed of being included in the mainstream of haute couture, & whilst D&G have managed to recognise us with this collection, they’ve also managed to exclude us.”

Dabei hatten sämtliche Medien doch gerade erst von diesem neuen Geschäftsmodell als wichtigem Schritt hin zu mehr Toleranz samt Vorreiter-Funktion berichtet; Uniqlo zog mit einer  Kopftuch-Kreationen in Kooperation mit Designerin Hana Tajima nach, Marken wie DKNY, Tommy Hilfiger oder Mango launchen bereits seit 2014 regelmäßig festliche Ramadan-Kollektionen. Und zwar ganz zum Leidwesen von Sozialistin Laurence Rossignol. weiterlesen

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Brain Blah //
Was macht Snapchat mit unserer Psyche?

– 06.04.2016 um 7.02 – Gesellschaft

snapchatAls ich vor ein paar Jahren zum ersten Mal Wind von Snapchat bekam, war ich schnell Fan des unschuldigen App-Neulands. Man schickte sich lustige Clips quer durch den Freundeskreis, malte mit dem Finger Herzen über das Käsebrot, munterte Kommilitonen mit der eigenen Klausuren-Tragödie beim Büffeln auf oder schwur sich über eine Distanz von 500 Kilometern ewige Freundschaft. Das rohe Leben war das, ohne Filter und auch fast ohne den heute omnipräsenten und Salon-fähigen Social-Media-Narzissmus, über den wir an dieser Stelle gar nicht streiten wollen, anderes Thema. Was dann jedenfalls geschah, muss ich euch kaum erklären – Instagram überflutete alles und noch mehr und die einst ungeschönte Spontanästhetik wich binnen weniger Monate dem ganz großen Inszenierungswahn. Was ging also ein erleichtertes Seufzen durch die Reihen, als Snappy seinen zweiten Frühling einläutete, alle waren sie ja gierig auf das neue alte Tool, das endlich wieder mehr Realität versprach. Dass sich die Utopie einer beinahe nahbaren Internet-Welt voll Natürlichkeit vor allem in Bloggerkreisen zu einem wahr gewordenen Alptraum mit Reality Soap Referenzen mausern würde, ist eine Wendung, die viele sehr wohl kommen sahen, aber nur die Wenigsten begreifen können. Außer, man steckt selbst bis zum fünften Video der eigenen Schmolllippen infolge tief drin. weiterlesen

Happy Equal Pay Day //
Women – like men, only cheaper.

– 19.03.2016 um 17.24 – box2 Feminismus Gesellschaft

gender pay gap equal pay dayAlle Jahre wieder… ist Equal Pay Day. Zeit, ein bisschen wütend zu werden. 

„Ach, Equal Pay Day“, nölte letztens eine Kollegin, „da kriege ich jedes Jahr die gleichen Mails und Pressemitteilungen von den Frauenverbänden, was sich ändern muss und so.“ Das Traurige daran ist tatsächlich nicht die Flut an Mails, die den virtuellen Posteingang verstopft – sondern, dass diese Mails jedes Jahr gleich klingen. Und warum ist das so? Weil sich einfach nichts ändert. Schon klar, 2016 hat sich der Gender Pay Gap (GPG), also die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, von 22 Prozent auf 21 Prozent verringert (Grund dafür ist wohl u.a. die Einführung des Mindestlohns). Aber mal ehrlich, eine Party feiere ich deswegen jetzt nicht. Auch wenn jetzt Equal Pay Day ist und erstaunlich viele Menschen genau wie beim Internationalen Frauentag zu denken scheinen, das sei ein Anlass zum Feiern.

Offiziell heißt der Equal Pay Day „Internationaler Aktionstag für gleiche Bezahlung von Frauen und Männern“ und findet dieses Jahr am 19. März statt. Equal Pay Day ist der Tag im Jahr, bis zu dem Frauen unentgeltlich arbeiten, wenn man ihr Einkommen an dem von Männern misst. Das sind gut 76 Tage, also zweieinhalb Monate, in denen Frauen umsonst arbeiten. Oder, in Geld umgerechnet: Während Männer pro Stunde durchschnittlich 20,59 Euro verdienen, sind es bei Frauen nur 16,20 Euro. Und ja, das ist genauso frustrierend, wie es klingt. weiterlesen

Brain Blah // AfD – Eine Kurze Pflichtexkursion in Deutschlands politischen Abgrund.

– 15.03.2016 um 13.06 – Gesellschaft

wahlprogramm afdImmer wenn es Menschen schlecht geht, lassen sie sich leicht von ideologischen Holzideen, Dummheiten und Propaganda umgarnen, das ist keine Neuigkeit. Dass eine rechtspopulistische Partei in Deutschland seit dem Ende des zweiten Weltkriegs aber zur zweit und drittstärksten Macht erkoren wird, durchaus. Die AfD trifft derzeit den Nerv all jener, die sich vergessen fühlen oder gar tatsächlich vergessen wurden. Denen das Denken zu anstrengend ist. Die aus Unwissenheit auf den Protest-Zug aufspringen, eigene Probleme nicht bei sich selbst suchen, sondern mit Freude auf andere projizieren (da passt der Nicht-Deutsche natürlich perfekt ins Bild), die Teil von etwas sein oder einfach ein wenig Krawall machen wollen. Sie nutzt Angst aus, um Hass zu schüren, streut Salz in fremde Wunden und führt eine ganze Wählerschaft an der Nase herum, die meint, ein paar wenige rechtsorientierte Gedanken machten aus dem gutbürgerlichen Hirn noch längst kein Nazi-Organ, dafür aber einen besseren Ort aus ihrer Heimat, die mit Angela Merkels humaner Flüchtlings-Politik gewiss dem Untergang geweiht sei. Die Alternative für Deutschland ist im Klartext auf dem besten Weg dorthin, genau das zu werden, was unsere Gesellschaft vor 70 Jahren geprägt hat. Verabscheuungswürdig ist die Partei mitsamt ihrer Anführerin Frauke Petry schon jetzt, daran wird von innen heraus seit jeher hart gearbeitet. Erst Anfang der Woche hatte der Krefelder Kreisverband der AfD auf seiner Facebookseite den Ausschluss eines Fußballclub-Mitgliedes aufgrund von Sympathien für die Partei wie folgt kommentiert: „Und immer weitere Berufsverbote für AfD’ler kommen hinzu. Freuen Sie sich schon auf den blauen Stern? Wir wissen: Wir werden den Stern wie eine Auszeichnung tragen! Bis zum bitteren Ende!“ – hier haben wir es mit der Lieblingstaktik dieser ach so harmlosen und selbstredend völlig zu unrecht verurteilten „Wölfe im Schafspelz“ (oder anders herum?) zu tun. Zwecklos. Dunja Hayali trifft mit ihrer jüngst viral gegangenen Rede den Nagel auf den Kopf: „In einem Land, in dem die Meinungsfreiheit so ein hohes Gut ist, darf und muss jeder seine Sorgen und seine Ängste äußern können, ohne gleich in die rechte Nazi-Ecke gestellt zu werden. Aber: Wenn Sie sich rassistisch äußern, dann sind Sie verdammt nochmal ein Rassist.“

Die AfD hat demzufolge ein großes Problem: Wenn man aus dem aktuellen Parteiprogramm sämtliche rechtsradikale Hintergründe streicht, bleibt am Ende nicht viel übrig. weiterlesen

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Brain Blah //
Feminismus 2016.

shopping girl gangWir haben den Weltfrauentag verschlafen, und zwar zu großen Teilen mit Absicht, denn es ist ein wenig wie mit diesem Valentinstag, eigentlich sollten wir immerzu über unsere Stellung nachdenken, darüber, wie gleichberechtigt wir wirklich sind und was wir weiterhin tun können, um nicht kurz vor dem Ziel stehen zu bleiben. Ich begegne nämlich noch immer Menschen, die glauben, Feminismus sei nur etwas für Verzweifelte, eine Bewegung, die ausschließlich für unzufriedene Frauen erdacht wurde und längst nicht mehr vonnöten sei, dabei leben wir im Jahr 2016, wo doch klar sein müsste, dass es hier vor allem darum geht, Menschen nicht in Schubladen, Kategorien, Rassen oder Geschlechter zu unterteilen. Wer schlichtweg dem Begriff „Feminismus“ überdrüssig ist, der darf auch gern zu „Humanismus“ greifen. Ist im Prinzip gehupft wie gesprungen, die Achtung vor der Würde des Menschen hat womöglich so oder so zu viele Gesichter für eine einzige Definition.

Gleichberechtigung und Chancengleichheit sind jedenfalls die Essenz des Ganzen – ein Konzept, das phantastisch und logisch klingt, aber hier und da dennoch nach ein bisschen Pflege verlangt. Es ist nämlich ganz und gar nicht selbstverständlich, dass Männlein und Weiblein und alles Wunderbare dazwischen miteinander arbeiten als gäbe es die veralteten Mechanismen der gesellschaftlichen Sozialisierung nicht, als trete man beispielsweise Müttern und Vätern ebenbürtig gegenüber, mal ganz abgesehen von all den immer noch unverschämten Gesetzgebung hinsichtlich der sogenannten „Homo-Ehe“, widerlich ist das. Eine Ehe sollte eine Ehe sollte eine Ehe sein. Ganz gleich, welcher sexuellen Orientierung man obliegt –  Frisch gebackene Papas müssen vor Nase rümpfenden Vorgesetzten und Kollegen noch immer für das Recht auf ihre wohlverdiente Elternzeit kämpfen, bekommen aber Applaus für öffentliches Wickeln. Als seien sie Teilzeit-beschränkt und dem Können einer Frau Maman ohnehin massiv unterlegen. Man tätschelt gern auf ihren Schultern herum und neigt zu degradierenden Komplimenten wie „Hat Ihre Frau heute Ausgang, das machen Sie aber toll.“ Wann immer sich also Rollenklischees auflösen oder verschieben, haben die Protagonisten und Protagonistinnen des modernen befreiten Lebens mit Vorurteilen zu kämpfen und auch mit Kritik. Man nehme beispielsweise die abreitende Mutter, die selbst aus den eigenen Riegen noch immer allzu häufig mit Argwohn beäugt wird, ich selbst könnte Bände über mein Raben-Dasein schreiben. Ein bisschen sollte man also schon darauf achten, dass alles noch weiter ins Lot kommt. Denn was Oma und Uroma erkämpft haben, ist groß. Aber noch immer viel zu klein um als Status quo akzeptiert werden zu können. weiterlesen

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