Kategorie-Archiv: Gesellschaft

GIRLS TALK // #BREASTPEACE – Warum will niemand mehr Brüste haben?

– 14.04.2016 um 14.35 – Gesellschaft Leben Wir

breast peaceMit 14 waren meine Erbsen und ich kurz davor, einen Push Up bei New Yorker zu klauen, um aus dem flunderflachen Vorbau einen üppigen Busen-Balkon zusammen zu quetschen. Man wollte ja nichts weiter als erwachsen und endlich im geschlechtsreifen Alter sein, da gehörte ein anständiger Vorbau zumindest in dieser pubertär-naiven Vorstellung fest mit zum Entwicklungs-Prozess dazu. Als es irgendwann von selbst und womöglich auch durch die Pille zur Mops-Explosion kam, steckte ich die Dinger fortan in knatschenge Spaghetti-Träger-Tops, um sie wie zwei vergoldete Trophäen über den Pausenhof zu schleppen. Zehn Jahre und ein Baby später ist so gut wie nichts mehr übrig vom prallen Haut-Apfel Glück, ganz zur Freude der Modebranche, die ohnehin nur Augen für A-Körbchen hat.

Genau wie etliche gut bestückte Frauen weltweit, die im Angesicht all der flachbusigen Models in Existenzkrisen verfallen, einschnürende Sport-BHS in XS überziehen und mit Buckel durch den Sommer laufen, damit das Dekolleté möglichst dezent ausfällt. weiterlesen

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Brain Blah // Reminder: Lasst uns das Body Shaming doch endlich verbannen.

– 12.04.2016 um 16.46 – Gesellschaft Leben

stop body shamingFür die weit verbreitete Praxis des Body Shamings dienen vor allem die sozialen Medien immer wieder als Spielwiese chronisch gelangweilter, pöbelnder Weltverbesserer, die der Meinung sind, zu jeder Tages- und Nachtzeit über das Körpergefühl, das Essverhalten und den Schönheits-Grad sämtlicher sich im World Wide Web tummelnder Frauenkörper richten zu dürfen. Zuletzt wurde das Plus Size-Model Iskra Lawrence Zielscheibe widerwärtiger Kobolde, die natürlich lieber anonyme Beleidigungen, statt handfeste Argumente für ihre Aversionen gegenüber wohlig-wunderschöner Rundungen anbrachten und noch immer bringen. Da wurde zum Beispiel die Fast-Food-Keule ausgepackt und noch dazu freche Unterstellungen, die jegliche Selbstliebe aufgrund oder trotz kleiner Abweichungen von der dürren Modemagazine-Norm zur eindeutigen Lebenslüge abstempelten.

Wann außerdem endlich dieses überflüssige „Plus Size“ Labeling aufhört, steht nochmal auf einem ganz anderen Blatt geschrieben, es ist ja beinahe so, als käme die Welt nicht mehr ohne die eigentlich der Zoologie vorbehaltene Arten-Bestimmung aus. Wie falsch das und vieles andere ist, weiß immerhin der denkende Teil der Bevölkerung dieses Planeten. Sollte man jedenfalls meinen. Dem ist aber natürlich nicht so – ein Umstand, der uns alle gerade im Angesicht des nahenden Sommers zum gezielten Griff an die eigene Nase motivieren sollte. weiterlesen

Politik & Mode // Wie sich die Geister an „Islamic Fashion“ scheiden

– 07.04.2016 um 16.02 – Feminismus Gesellschaft

islamic fashion hijab modeAls im vergangenen Jahr erste Bilder der Hijab- und Abayas-Kollektion aus dem Hause Dolce & Gabbana im Netz auftauchten, schoss mir ehrlich gesagt nichts weiter als „aha, ganz schön clever!“ durch den Kopf. Der Nahe Osten gab bereits 2014 mehr als 8,7 Milliarden Dollar für Luxusmode aus, rund ein Drittel der weltweiten Haute-Couture-Kundinnen kommt von dort. Domenico Dolce und Stefano Gabbana würden mit ihrer Mode für muslimische Frauen, den prachtvollen Kopftüchern und edlen Gewändern, also zweifelsohne den Nagel auf den Kopf und den Zeitgeist treffen, auch im wirtschaftlichen Sinne. Wo die einen ganz optimistisch von Kulturverständigung sprechen und auch das Auftauchen einer Kopftuchträgerin in der zuletzt viel diskutierten H&M Kampagne von 2015 als fortschrittlich und richtig bewerten, beginnt für andere der ganz große Diskurs. Die Guardian-Autorin  etwa bemängelt im Fall D&G vor allem den Umstand, dass eine (westliche) Gesellschaft, die immer wieder mit Islamfeindlichkeit hadere, offensichtlich nur dann für die muslimisch geprägte Kultur zu schwärmen scheine, wenn ihr ein weißer, kapitalistischer Stempel aufgedrückt wird, wenn es um Geld geht. Und auch die britische Bloggerin Dina Torkia weiß nicht recht, was sie vom neuen Interesse der Modekonzerne an ihrer Religion halten soll: “I dreamed of being included in the mainstream of haute couture, & whilst D&G have managed to recognise us with this collection, they’ve also managed to exclude us.”

Dabei hatten sämtliche Medien doch gerade erst von diesem neuen Geschäftsmodell als wichtigem Schritt hin zu mehr Toleranz samt Vorreiter-Funktion berichtet; Uniqlo zog mit einer  Kopftuch-Kreationen in Kooperation mit Designerin Hana Tajima nach, Marken wie DKNY, Tommy Hilfiger oder Mango launchen bereits seit 2014 regelmäßig festliche Ramadan-Kollektionen. Und zwar ganz zum Leidwesen von Sozialistin Laurence Rossignol. weiterlesen

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Brain Blah //
Was macht Snapchat mit unserer Psyche?

– 06.04.2016 um 7.02 – Gesellschaft

snapchatAls ich vor ein paar Jahren zum ersten Mal Wind von Snapchat bekam, war ich schnell Fan des unschuldigen App-Neulands. Man schickte sich lustige Clips quer durch den Freundeskreis, malte mit dem Finger Herzen über das Käsebrot, munterte Kommilitonen mit der eigenen Klausuren-Tragödie beim Büffeln auf oder schwur sich über eine Distanz von 500 Kilometern ewige Freundschaft. Das rohe Leben war das, ohne Filter und auch fast ohne den heute omnipräsenten und Salon-fähigen Social-Media-Narzissmus, über den wir an dieser Stelle gar nicht streiten wollen, anderes Thema. Was dann jedenfalls geschah, muss ich euch kaum erklären – Instagram überflutete alles und noch mehr und die einst ungeschönte Spontanästhetik wich binnen weniger Monate dem ganz großen Inszenierungswahn. Was ging also ein erleichtertes Seufzen durch die Reihen, als Snappy seinen zweiten Frühling einläutete, alle waren sie ja gierig auf das neue alte Tool, das endlich wieder mehr Realität versprach. Dass sich die Utopie einer beinahe nahbaren Internet-Welt voll Natürlichkeit vor allem in Bloggerkreisen zu einem wahr gewordenen Alptraum mit Reality Soap Referenzen mausern würde, ist eine Wendung, die viele sehr wohl kommen sahen, aber nur die Wenigsten begreifen können. Außer, man steckt selbst bis zum fünften Video der eigenen Schmolllippen infolge tief drin. weiterlesen

Happy Equal Pay Day //
Women – like men, only cheaper.

– 19.03.2016 um 17.24 – Feminismus Gesellschaft

gender pay gap equal pay dayAlle Jahre wieder… ist Equal Pay Day. Zeit, ein bisschen wütend zu werden. 

„Ach, Equal Pay Day“, nölte letztens eine Kollegin, „da kriege ich jedes Jahr die gleichen Mails und Pressemitteilungen von den Frauenverbänden, was sich ändern muss und so.“ Das Traurige daran ist tatsächlich nicht die Flut an Mails, die den virtuellen Posteingang verstopft – sondern, dass diese Mails jedes Jahr gleich klingen. Und warum ist das so? Weil sich einfach nichts ändert. Schon klar, 2016 hat sich der Gender Pay Gap (GPG), also die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, von 22 Prozent auf 21 Prozent verringert (Grund dafür ist wohl u.a. die Einführung des Mindestlohns). Aber mal ehrlich, eine Party feiere ich deswegen jetzt nicht. Auch wenn jetzt Equal Pay Day ist und erstaunlich viele Menschen genau wie beim Internationalen Frauentag zu denken scheinen, das sei ein Anlass zum Feiern.

Offiziell heißt der Equal Pay Day „Internationaler Aktionstag für gleiche Bezahlung von Frauen und Männern“ und findet dieses Jahr am 19. März statt. Equal Pay Day ist der Tag im Jahr, bis zu dem Frauen unentgeltlich arbeiten, wenn man ihr Einkommen an dem von Männern misst. Das sind gut 76 Tage, also zweieinhalb Monate, in denen Frauen umsonst arbeiten. Oder, in Geld umgerechnet: Während Männer pro Stunde durchschnittlich 20,59 Euro verdienen, sind es bei Frauen nur 16,20 Euro. Und ja, das ist genauso frustrierend, wie es klingt. weiterlesen

Brain Blah // AfD – Eine Kurze Pflichtexkursion in Deutschlands politischen Abgrund.

– 15.03.2016 um 13.06 – Gesellschaft

wahlprogramm afdImmer wenn es Menschen schlecht geht, lassen sie sich leicht von ideologischen Holzideen, Dummheiten und Propaganda umgarnen, das ist keine Neuigkeit. Dass eine rechtspopulistische Partei in Deutschland seit dem Ende des zweiten Weltkriegs aber zur zweit und drittstärksten Macht erkoren wird, durchaus. Die AfD trifft derzeit den Nerv all jener, die sich vergessen fühlen oder gar tatsächlich vergessen wurden. Denen das Denken zu anstrengend ist. Die aus Unwissenheit auf den Protest-Zug aufspringen, eigene Probleme nicht bei sich selbst suchen, sondern mit Freude auf andere projizieren (da passt der Nicht-Deutsche natürlich perfekt ins Bild), die Teil von etwas sein oder einfach ein wenig Krawall machen wollen. Sie nutzt Angst aus, um Hass zu schüren, streut Salz in fremde Wunden und führt eine ganze Wählerschaft an der Nase herum, die meint, ein paar wenige rechtsorientierte Gedanken machten aus dem gutbürgerlichen Hirn noch längst kein Nazi-Organ, dafür aber einen besseren Ort aus ihrer Heimat, die mit Angela Merkels humaner Flüchtlings-Politik gewiss dem Untergang geweiht sei. Die Alternative für Deutschland ist im Klartext auf dem besten Weg dorthin, genau das zu werden, was unsere Gesellschaft vor 70 Jahren geprägt hat. Verabscheuungswürdig ist die Partei mitsamt ihrer Anführerin Frauke Petry schon jetzt, daran wird von innen heraus seit jeher hart gearbeitet. Erst Anfang der Woche hatte der Krefelder Kreisverband der AfD auf seiner Facebookseite den Ausschluss eines Fußballclub-Mitgliedes aufgrund von Sympathien für die Partei wie folgt kommentiert: „Und immer weitere Berufsverbote für AfD’ler kommen hinzu. Freuen Sie sich schon auf den blauen Stern? Wir wissen: Wir werden den Stern wie eine Auszeichnung tragen! Bis zum bitteren Ende!“ – hier haben wir es mit der Lieblingstaktik dieser ach so harmlosen und selbstredend völlig zu unrecht verurteilten „Wölfe im Schafspelz“ (oder anders herum?) zu tun. Zwecklos. Dunja Hayali trifft mit ihrer jüngst viral gegangenen Rede den Nagel auf den Kopf: „In einem Land, in dem die Meinungsfreiheit so ein hohes Gut ist, darf und muss jeder seine Sorgen und seine Ängste äußern können, ohne gleich in die rechte Nazi-Ecke gestellt zu werden. Aber: Wenn Sie sich rassistisch äußern, dann sind Sie verdammt nochmal ein Rassist.“

Die AfD hat demzufolge ein großes Problem: Wenn man aus dem aktuellen Parteiprogramm sämtliche rechtsradikale Hintergründe streicht, bleibt am Ende nicht viel übrig. weiterlesen

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Brain Blah //
Feminismus 2016.

– 14.03.2016 um 12.31 – Feminismus Gesellschaft Shopping

shopping girl gangWir haben den Weltfrauentag verschlafen, und zwar zu großen Teilen mit Absicht, denn es ist ein wenig wie mit diesem Valentinstag, eigentlich sollten wir immerzu über unsere Stellung nachdenken, darüber, wie gleichberechtigt wir wirklich sind und was wir weiterhin tun können, um nicht kurz vor dem Ziel stehen zu bleiben. Ich begegne nämlich noch immer Menschen, die glauben, Feminismus sei nur etwas für Verzweifelte, eine Bewegung, die ausschließlich für unzufriedene Frauen erdacht wurde und längst nicht mehr vonnöten sei, dabei leben wir im Jahr 2016, wo doch klar sein müsste, dass es hier vor allem darum geht, Menschen nicht in Schubladen, Kategorien, Rassen oder Geschlechter zu unterteilen. Wer schlichtweg dem Begriff „Feminismus“ überdrüssig ist, der darf auch gern zu „Humanismus“ greifen. Ist im Prinzip gehupft wie gesprungen, die Achtung vor der Würde des Menschen hat womöglich so oder so zu viele Gesichter für eine einzige Definition.

Gleichberechtigung und Chancengleichheit sind jedenfalls die Essenz des Ganzen – ein Konzept, das phantastisch und logisch klingt, aber hier und da dennoch nach ein bisschen Pflege verlangt. Es ist nämlich ganz und gar nicht selbstverständlich, dass Männlein und Weiblein und alles Wunderbare dazwischen miteinander arbeiten als gäbe es die veralteten Mechanismen der gesellschaftlichen Sozialisierung nicht, als trete man beispielsweise Müttern und Vätern ebenbürtig gegenüber, mal ganz abgesehen von all den immer noch unverschämten Gesetzgebung hinsichtlich der sogenannten „Homo-Ehe“, widerlich ist das. Eine Ehe sollte eine Ehe sollte eine Ehe sein. Ganz gleich, welcher sexuellen Orientierung man obliegt –  Frisch gebackene Papas müssen vor Nase rümpfenden Vorgesetzten und Kollegen noch immer für das Recht auf ihre wohlverdiente Elternzeit kämpfen, bekommen aber Applaus für öffentliches Wickeln. Als seien sie Teilzeit-beschränkt und dem Können einer Frau Maman ohnehin massiv unterlegen. Man tätschelt gern auf ihren Schultern herum und neigt zu degradierenden Komplimenten wie „Hat Ihre Frau heute Ausgang, das machen Sie aber toll.“ Wann immer sich also Rollenklischees auflösen oder verschieben, haben die Protagonisten und Protagonistinnen des modernen befreiten Lebens mit Vorurteilen zu kämpfen und auch mit Kritik. Man nehme beispielsweise die abreitende Mutter, die selbst aus den eigenen Riegen noch immer allzu häufig mit Argwohn beäugt wird, ich selbst könnte Bände über mein Raben-Dasein schreiben. Ein bisschen sollte man also schon darauf achten, dass alles noch weiter ins Lot kommt. Denn was Oma und Uroma erkämpft haben, ist groß. Aber noch immer viel zu klein um als Status quo akzeptiert werden zu können. weiterlesen

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Die kaputte Modebranche
– und wie sie eine Revolution erlebt

– 17.02.2016 um 16.36 – box1 Gesellschaft Mode

VetementsDie Mode, wie wir sie kennen, ist tot – wie sehr Trendforscherin Li Edelkoort mit ihrer scharfen These Recht behalten sollte, ahnte zum Zeitpunkt des Erscheinens ihres Anti-Fashion Manifestos im vergangenen Jahr wohl niemand. Spätestens seit Anfang dieser Woche stehen wir nun tatsächlich vor der vielleicht größten Revolution der Branche seit der 60iger Jahre. Vor einem wahrhaftigen „Wind of Change“, der selten so heftig von Innen heraus blies, vor einem kaputten System, das sich selbst kannibalisiert und in einen unheilbaren Burn Out gehetzt hat. Für eine Therapie ist es längst zu spät. Die Welt der Mode muss sich neu erfinden und mit ihr deren Protagonisten.

Als Raf Simons 2015 nach nur dreieinhalb Jahren den Posten als Chefdesigner bei Dior kündigte, tat er das aus vielerlei Gründen, aber wohl auch, weil er dem Druck der sich beinahe überschlagenden Saisons nicht mehr standhalten konnte und wollte. Herbst/Winter, Frühjahr/Sommer, Cruise, Pre-Fall, Capsule, Haute Couture – um wirtschaftlich gut aufgestellt zu sein, haben sich sämtliche Marken im Laufe der Zeit einen Kollektions-Rhythmus angeeignet, der zu schnell und vor allem zu gewaltig ist, um dauerhaft echte Kreativität abliefern zu können und dennoch zu langsam, um sich mit rasant agierenden und kopierenden Fast Fashion Giganten messen zu können. Als habe man sich absichtlich mit einem Virus infiziert, um kurzzeitig überleben zu können. Die Frage ist nur: Wie wird man ihn wieder los? Zum Beispiel durch Rebellion. weiterlesen

Fair Friday //
Wann ist Mode eigentlich vegan?

– 05.02.2016 um 11.46 – Gesellschaft Mode

This is Jane Wayne - Julia Jane - Wann ist Mode vegan?

Mode ist nach Essen und vor Politik wohl eins der sensibelsten Themen, die man am besten bei beruhigender Meditationsmusik diskutieren sollte. Mode ist Kommunikation. Sie beeinflusst maßgeblich den ersten Eindruck und sie spiegelt all das wieder, was wir sind oder vielleicht sehr viel häufiger: was wir sein möchten. Und dann gibt es da etwas, was man im wiederkehrenden Prozess der modische Selbstfindung überhaupt gar nicht gebrauchen kann: Fakten über Leid und Tragik hinter den Produktionsbedingungen, Pestizide und die ewige Leier, wofür wir als Konsument die Verantwortung tragen. Nun sind wir schließlich alle intelligente Wesen und die Augen davor zu verschließen, dass Floskeln wie„man müsste eigentlich“ bis hin zu „da war doch was“ und „aber was kann ich schon machen?“ auch nur eine Leier sind – eben so ewig aber noch dazu destruktiv. Und wo liegt jetzt die Lösung? 

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Aufgefallen // Diäten statt Mode
– alles für die Klickzahlen

– 04.02.2016 um 11.50 – box1 Gesellschaft Leben

Diaet wahn magerwahn
Ich lebe selbstverständlich nicht im Wolkenkuckucksheim, mir ist also durchaus bewusst, dass die Welt der Brigitte-Diäten eine überaus erfolgreiche ist, der Modebranche, die noch immer nicht viel von physischer Diversität versteht, sei Dank. Bloß schwieg selbige besagtes Thema der Körperoptimierung durch Abnehm-Tricks bisweilen eher tot, als das gefährliche Feuer der Esskrankheiten im Deckmantel gut gemeinter Ernährungs-Ratschläge noch selbst zum lodern zu bringen. Ausnahmen gab es schon immer, vornehmlich im Lifestyle-Bereich, der eigentlich sehr geschätzten Grazia zum Beispiel trampelte ich erst im vergangenen Jahr schweren Herzen auf die Füße, weil deren Leserinnen sich plötzlich an fast schon geistesgestört absurden Geißelungen des eigenen Magens orientieren sollten, getreu dem Motto was für Promis gut ist, kann für uns Normalsterbliche nicht verkehrt sein.

 Seit einer Weile stößt mir aber vor allem das Online-Treiben hoch geschätzter, alt eingesessener Modemagazine übel auf. weiterlesen

INTERVIEW // „Der Terror ist plötzlich ganz nah“ – Prune Antoine über ihre Freundschaft zu einem angehenden Terroristen

– 07.01.2016 um 12.46 – box1 Gesellschaft

Prune AntoineGenau ein Jahr ist der Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo her, die Anschläge von November sind nur wenige Wochen alt – der Terror ist plötzlich ganz nah. Prune Antoine, französische Journalistin in Berlin, hat einen angehenden Dschihadisten getroffen, sich mit ihm angefreundet und ein Buch drüber geschrieben.

„Das war eine spontane Idee, ich habe erstmal gar nicht drüber nachgedacht. Ich wusste nur, dass ich ihn irgendwie interessant finde“, sagt Prune. Es ist Anfang Dezember und gegen 16 Uhr schon fast dunkel. Wir sitzen im Café Altes Europa in Berlin Mitte: Welcher Ort wäre besser geeignet für ein Treffen zwischen einer Französin und einer Deutschen? Dieses alte Europa, dem wir angehören, ist gerade in den Krieg gezogen, gegen den selbsternannten Islamischen Staat (IS), auch wenn deutsche Politiker im Gegensatz zu französischen lieber nicht von „Krieg“ sprechen wollen. Prune, 34, ist freie Journalistin und lebt seit 2008 in Berlin. Sie hat einen getroffen, der auch in den Krieg ziehen wollte – für den IS. Darüber hat sie ein kleines, feines Buch geschrieben: La fille et le moudjahidine (Das Mädchen und der Mudschahed*). weiterlesen

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Rückblick 2015
– die 12 beliebtesten Kolumnen 2015

– 04.01.2016 um 15.21 – box3 Gesellschaft Leben

die besten kolumnen 2015

Was ich an meinem Beruf eigentlich am allermeisten mögen würde, werde ich ziemlich häufig gefragt, denn natürlich lechzt der ein oder andere Naseweis geradezu danach, mir sämtliche Cupcakes und Superschuhe im wahrsten Sinne des Wortes auf der Zunge herum drehen zu können.  Glücklicherweise kommen mir selbige aber nur ziemlich am Ende meiner persönlichen Arbeits-Alltag-Hitliste in den Sinn. Es ist viel eher die Liebe zum geschriebenen Wort, die mich an Bratpfannen-Tagen aus der Gehirnsalatsuppe fischt und immer dann zum Hoffnungsschimmer avanciert, wenn vor lauter Mails kaum Spaß in Sicht ist. Nach Feierabend verkrieche ich mich dann gern mit ein, zwei Gläsern Rotwein in meiner Schreibecke und tippe mal schnittig-schnippige Kommentare, mal pathetische Möchtegern-Weisheiten und ab und zu auch noch größeren Unsinn als die Menschheit ertragen kann. Ein paar wenige dieser Texte landen regelmäßig in unserer Kolumnen-Kategorie und werden überraschenderweise wie wild geklickt. Die 12 beliebtesten Beiträge, darunter auch Gedanken von Scalamari, seht ihr nach dem Klick.

Mich plagt jetzt nur noch eine Frage: Wie soll es in Zukunft weitergehen? Es ist nicht so, als würden mir nicht hundert weitere Themen in den Fingern kribbeln, bloß habe ich mich tragischerweise irgendwann in den beinahe unbesiegbaren Spagat zwischen Fiktion und persönlichen Erfahrungen begeben. Ständig muss ich aufpassen, was ich schreibe, weil jedes Wort automatisch als Tagebucheintrag gelesen wird. Was logisch ist, aber nicht immer richtig. Das blockiert und ist ein ziemlich beschneidendes Gefühl, um hier mal bei einer ordentlichen Portion Drama und Pathos zu bleiben. Ich könnte mir jetzt also ein Pseudonym zulegen, aber ihr würdet es höchstwahrscheinlich schneller merken, als der erste Satz beendet wäre. Tabula Rasa? Alles auf Anfang und hemmungslos drauf los tippen, ohne Rücksicht auf Verluste? Möglich, aber auch ein bisschen schmerzhaft. Wir werden sehen – 2016 wird jedenfalls ein wildes Jahr und wir nehmen niemanden lieber mit als euch ♥ weiterlesen

Interview-Tipp // Li Edelkoort
„Kleidung statt Mode, denn Mode ist tot“

– 07.12.2015 um 18.18 – Gesellschaft Mode

fashion is dead„Mode wie wir sie kennen ist tot“, behauptet Trendforscherinnen-Urgestein Li Edelkoort. Mit ihrem „Anti-Fashion-Manifesto“ hatte sie Anfang des Jahres für Kopfzerbrechen in der Branche gesorgt, die einen nickten eifrig, andere hingegen distanzierten sich halb eingeschnappt, halb auf bessere Zeiten hoffend von den gewagten Thesen der Niederländerin. Wir warfen unsere Meinung zum Thema bereits an dieser Stelle in Diskussions-Topf, schüttelten hin und wieder den Kopf, verstanden dennoch das Dilemma und blieben am Ende trotzdem optimistisch. Nun stolperten wir allerdings über ein taufrisches Interview, das Edelkoort jüngst einem Schweizer Frauen-Magazin gab – das Fazit: Wir verstehen jetzt ein bisschen besser, worum es dem 1950 geborenen Mutterorakel in ihrem Manifest wirklich geht. „Alles davon ist Provokation. Weil ich will, dass wir uns ändern. Ich glaube, wir haben noch eine Chance auf Genesung“, verrät sie da etwa. Und sie hat Recht. Aus lauter Angst vor dem Ungewissen, vor dem Scheitern und der Wirtschaft, hat die Modebranche irgendwann ihren Mut verloren. Mit der geradezu perfektionierten „Nummer Sicher“ begibt man sich zwar nicht auf Glatteis, ebenso wenig aber auf unbekanntes, neues, visionäres Terrain. So weit, so verständlich. Ganze schweigen von perversen Marketing-Mechanismen, sich beinahe selbst überschlagenden Zeitplänen und dem Muss einer nachhaltigeren Gesellschaft. Aber was ist mit den Alessandro Micheles dieser Welt? Der neue Chefdesigner hinter Gucci macht vieles anders. Seine letzte Kollektion, die das Unternehmen binnen einer 20-minütigen Show auf links krempelte, wirkte wie eine surreale Zusammenkunft zwischen Großmutter Paschulke und Jimmy Hendrix, im besten aller Sinne. Keines der beiden Elemente ist zwar plötzlich aus unbekannten Himmeln zu uns herab geregnet, zusammen genommen waren sie jedoch noch nie so stark. Und irgendwie auch neu, dynamisch, zukunftsweisend, ansteckend und laut. Dennoch: Reden wir hier von Kleidung, statt von Mode?

So sieht es jedenfalls Edelkoort. Wir würden in Vintage und der Sehnsucht nach besseren Zeiten ersaufen. Mode sei, „wenn ein Designer in einer bestimmten Epoche es schafft, den Zeitgeist in Form und Allüre einzufangen. Er transformiert den Körper und damit unser Wesen: wie wir flirten, gehen, sitzen, unsere Haare machen.“ Vielleicht macht Michele also modische Kleidung. Oder kleidsame Mode? Fragt man die Trendforscherin, sucht man zumindest nach modische Menschen vergebens. Die gebe es längst nicht mehr. weiterlesen

Brain Blah //
Bloggerinnen verlassen Instagram – „social media is not real life“

– 03.11.2015 um 17.50 – box2 Gesellschaft

Bildschirmfoto 2015-11-03 um 17.22.06Heute Morgen habe ich zugegebener Maßen keinen Empathie-Clown verschluckt. Ich sollte euch also wohl am besten schon jetzt verraten, dass ich das, was da draußen gerade im Social-Media-Land passiert, nur sehr bedingt ernst nehmen kann. Diesmal meine ich aber weder überfilterte Gesichter, noch inszenierte Momente, sondern das Spektakel, das mit dem Bekenntnis der Bloggerin Essena O’Neill einhergeht. Die Beauty-Koriphäe, die zuletzt mehr als eine halbe Million Follower auf diversen Kanälen wie Instagram und Youtube zu verzeichnen hatte und mitunter 2000€ pro stundenlang arrangiertem Schnappschuss verdiente, gelange dieser Tage nämlich zu einer bahnbrechenden Erkenntnis, die wie folgt lautet: „Social Media is not real life.“

Mit lautem Getöse und, natürlich, einem kurzem Clip zum glorreichen Abgang, verabschiedete sich die 18-Jährige jetzt also aus dem Web. Fast. Denn plötzlich folgen ihr mehr Menschen denn je.  weiterlesen