Kategorie-Archiv: Gesellschaft

Short Chat // Mit Leyla Piedayesh
„Aufwachen und sich bewegen für eine bessere Zukunft“

10.02.2017 um 12.34 – Gesellschaft Mode

lala berlin persian punk immigrant aw17Leyla Piedayesh, Gründerin von „Lala Berlin„, ist aus der deutschen Modeszene nicht mehr wegzudenken und auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt wie ein bunter Hund – die Dänen gehören inzwischen zur treuesten Kundschaft. Ihre Prints, die leichten Stoffe und Silhouetten, die uns durch Sommermonate tragen und auch das butterzarte Kaschmir für empfindliche Winterhaut, genau wie der urbane Schick des Labels und die starke Persönlichkeit der Designerin machen die deutsche Modebranche seit über 12 Jahren um einiges facettenreicher und internationaler.

In der vergangenen Woche wurde die Herbst/Winter 17/18 Kollektion während der Kopenhagen Fashion Week gezeigt, wobei neben der Mode vor allem ein Statement von Designerin Leyla für Diskussionsstoff sorgte. Die Power Frau, Unternehmerin und Mutter ist vor vielen Jahren aus dem Iran nach Deutschland immigriert und hielt es im Zuge der Proteste gegen das von Donald Trump verhängte Einreiseverbot für Staatsangehörige überwiegend muslimischer Länder (ingesamt sieben Staaten waren betroffen – Iran, Irak, Syrien, Libyen, Sudan, Jemen und Somalia) für ihre Pflicht, ein schriftliches Statement zu setzen (wir übrigens auch!). Einige Kollektionsteile schwebten außerdem mit Aufrufen wie „Revolution“ oder „Change“ über den Laufsteg. Ihre Meinung darüber, ob Mode politisch sein darf, oder sogar sollte, hat Nike euch bereits mitgeteilt. Was Leyla zu dem Thema zu sagen hat, lest ihr jetzt im Short Chat. weiterlesen

„Ich snappe, also bin ich.“
– Was Kim Kardashian & René Descartes gemeinsam haben

08.02.2017 um 10.29 – Gesellschaft Leben

ich snape also bin ich snapchat work out kim kardashianEin Gastbeitrag von Anneli Botz.

„I never Snapchat my workouts, just because I don’t know why — I’m just not Kourtney and Khloe. But it’s like, if I don’t Snap it, then it’s as if it never happened. But I work out every single day for over an hour“, ließ Kim Kardashian neulich mit Hasenohren und Mäuschenstimme über ihren Snapchatkanal verlauten. Was im ersten Moment als gewohnt naives Blabla aus der sogenannten „Reality World“ erscheint, lässt bei näherer Betrachtung tiefer blicken.

Doch beginnen wir mit einer kurzen Bestandsaufnahme:

Reality Queen Kim Kardashian rackert sich nach eigenen Angaben tagtäglich im Fitnessstudio ab, steppt stundenlang auf dem Crossfittrainer, hört dazu möglicherweise Enrique Iglesias und trainiert so lange, bis sie im Anschluss jede einzelne Faser ihres Körpers spüren kann. Dabei begeht sie allerdings einen Kardinalfehler und versäumt, ihr Workout via Snapchat mit ihren Follower zu teilen, was im Umkehrschluss zu dem Dilemma führt, dass es sich für sie gar so anfühlt, als hätte die schweißtreibende Selbstkonditionierung nie stattgefunden. Ganz im Gegensatz zu „Kourtney und Khloe“, die es neben der Zurschaustellung aller Banalitäten ihres Alltags natürlich nicht versäumen, auch die gemeinsame Fitnessroutine ins Virtual Web zu senden. Ob die beiden aber tatsächlich trainierten, oder eigentlich frei nach dem Prinzip agierten, „Signature-Hintern in hautenge Leggings quetschen, ein paar Wasserspritzer ins Gesicht, das Bein hoch auf die Hantelbank, Kamera drauf, 20 Sekunden snappen, Workout over“, ist dabei völlig egal. weiterlesen

Designer*innen setzen Statements // Warum Mode politisch sein darf und sogar sollte.

06.02.2017 um 15.17 – Gesellschaft Mode

protestIch war gerade dabei, eine kleine Lobeshymne auf all jene Modehäuser zu verfassen, die in Zeiten wie der jetzigen klar Stellung beziehen. Die sich – im Fall der Fälle – weigern würden, einem Mitglied der Trump Familie je kostenlos feinen Zwirn zur Verfügung zu stellen (Joseph Altuzarra, Tom Ford, Sophie Theallet, Opening Ceremony, Marc Jacobs), die den Protest auf den Laufsteg holen (wie etwa Lala Berlin, die auf ihrem Runway ein Plakat mit dem Schriftzug „I Am An Immigrant“ in den Händen hielt, um gegen „die Attacken auf die Menschenwürde“ zu protestieren), die sich im Kollektiv dazu entscheiden, wenig subtil, aber dafür volle Pulle die Liebe zu propagieren. Wie OC mit dem Launch der Global Varsity Jackets. Oder Ganni mit seiner #Lovesociety zum Beispiel. Oder Demna Gvasalia, dessen Schriftzüge für die Balenciaga-Kollektion nicht nur zufällig an das rot-weiße „Bernie Sanders“-Logo erinnerten. Da stolperte ich in Kommentarspalten, aber auch auf Blogs und in Magazinen schon alsbald auf ein paar wenige Kritiker*innen, die das „Aufstehen“ der Modebranche ganz entgegen meiner eigenen Empfindungen als „cleveres Marketingkalkül“ abfertigten. Oder zumindest danach fragten, wie politisch Mode eigentlich sein darf.

Ich stutzte nur kurz, antwortete mir selbst mit den Worten „sie MUSS sogar“ (wie Journelles übrigens auch), stöberte zunächst weiter und fand in Raf Simons Menswear Show schließlich Gaffa Tape statt Gürtel vor. Der Designer erklärt dazu: „I wanted to go back to how I experienced New York in the beginning and combine it with how I experience it now. So this fresh young direction to the city and everything it stands for—and what is happening now. (…)Ask me do I think that you should stand up against what is happening in this country, then I say yes.” Vermutlich werden während der kommenden Modewochen noch etliche Beispiele folgen. Und obwohl ich der Meinung bin, dass das kritische Hinterfragen kapitalistischer Strukturen ebenso wie das Anprangern cleverer Marketing-Streiche zu jedem Zeitpunkt unabdingbar sind, kann ich in diesem Fall nur weiter auf meinem Standpunkt beharren, der sich ganz deutlich für das Nutzen jeglicher medialen Power „for a good cause“ ausspricht. Ganz gleich, ob oder wie damit zeitgleich das eigene Portemonnaie gefüllt wird. Am liebsten würde ich sogar sagen „eben darum“. Weil ich der Diskussion, die einst mit dem Fame-inismus begann, längst überdrüssig bin. weiterlesen

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Thursday Reads //
#NoBanNoWall – Was ist hier eigentlich los?

02.02.2017 um 15.37 – Gesellschaft Leben

this is fucked upDie Amerikanische Demokratie ist gerade nicht nur gefühlt dabei, sich immer eindeutiger einer Diktatur anzunähern, Neu-Präsident Trump selbst träumt, so scheint es zumindest, ohnehin längst von einer Autokratie, in der er allein den Weg bestimmt. Mithilfe seiner Milliardärs-Freunde natürlich. Am Freitag dann, dem 27.Januar, ist die Welt schließlich noch ein bisschen „vertrumpter“ geworden, aber auch lauter. Als Reaktion auf das temporäre Einreiseverbot für Staatsbürger*innen von sieben mehrheitlich muslimischen Ländern gingen und gehen Menschen aus aller Welt auf die Straße. #NoBanNoWall heißt es seitdem auf Plakaten, aber auch im Netz. Protest kommt von überall her. Gegen die Idee des US-Präsidenten, bis auf Weiteres keine Flüchtlinge aus Syrien mehr ins Land zu lassen. Aber eben auch keine anderen Muslime, mindestens 90 Tage lang. Schlimm fühlt sich außerdem die beunruhigenden Gewissheit an, dass die USA durch überstürzt unterzeichnete Dekrete etlichen besorgniserregenden Prozessen folgt, wie wir sie bereits aus Russland, der Türkei oder Ungarn kennen. Und zwar in einem absurd rasanten Tempo. Mithilfe einer Klage der ACLU konnte zwar eine teilweise Aufhebung des Verbots für Besitzer der doppelten Staatsbürgerschaft, einer Greencard oder eines Visums durchgesetzt werden und selbstredend wehrt Mister President sich auch weiterhin gegen die Vorwürfe eines dennoch ziemlich offensichtlichen #MuslimBans. Eine Frage schwebt dennoch deutlicher denn je über dem herrschenden Wahnsinn, der vom Weißen Haus ausgehend weite Wellen schlägt: Wie wird man – mal ganz theoretisch – einen US Präsiedenten los?  Dass unsere Europäische „Flüchtlingspolitik“ Trumps ausgrenzender Politik allerdings gefährlich nahe kommt, wird dieser Tage hingegen fleißig ignoriert. Vielleicht ein guter Zeitpunkt, endlich umzudenken. Auch hier.

Wir haben aufgrund von eigener Orientierungslosigkeit eine kleine Leseleiste zusammengesucht und freuen uns auf noch mehr Links. weiterlesen

#WomensMarch //
Ein überwältigendes Ereignis – und jetzt?

25.01.2017 um 10.15 – Feminismus Gesellschaft

womensmarch2017Am 21. Januar 2017 gingen weltweit Millionen von Menschen auf die Straße, um gegen Donald Trump und das, wofür er steht, zu demonstrieren. Ein überwältigendes Ereignis – und jetzt?

Am letzten Samstag stieg ich in Paderborn in ein Taxi zum Bahnhof. Ich hatte einen Vortrag zu Feminismus heute gehalten, eine langstielige Dankeschön-Rose klemmte unpraktisch unter meinem Arm. Der Taxifahrer warf einen Blick auf die Rose. „Was gab’s denn da?“, fragte er „Einen frauenpolitischen Themennachmittag.“ „Na“, sagte er, „heute ist doch auch diese große Demonstration! Dieser Women’s March.“ Innerlich stellte ich mich auf eine dieser üblich Diskussionen ein: Wie, warum und überhaupt, Frauen geht’s doch super, dieses ständige Gemaule, nervige Feministinnen, und so weiter und so fort. Stattdessen: „Gute Sache“, sprach der Taxifahrer, „diesen Trump, den kann man ja nicht so stehen lassen. Furchtbarer Mann.“ Und obwohl ich selbst in Paderborn war und nicht auf dem Women’s March in Berlin sein konnte: In diesem Moment fühlte ich etwas Warmes in mir hochsteigen. weiterlesen

Black Girl Confessions //
Von Afrostolz und Alltagsrassismus

24.01.2017 um 13.09 – Beauty Gesellschaft Leben

afro proudMeine Heimat als Kleinstadt zu bezeichnen, wäre untertrieben, aber Menschenmassen und Diversität hat dieser Ort trotzdem nicht zu bieten. Auch wenn all’ meine Freund*innen und ich es lieben, in der Weihnachtszeit oder den Sommermonaten die mittelgroße Perle im Norden und Mamas Gästebett aufzusuchen, atme ich nicht selten erleichtert auf, wenn ich den historischen Stadttoren wieder den Rücken kehre.

Als Women of Colour war Aufwachsen fernab der Großstadt, besonders in der Retrospektive, ein gar nicht so leichtes Unterfangen. Ich ließ in der vierten Klasse unter Tränen eine chemische Glättungskur über mein Haar ergehen und entschied mich, nachdem einige Lehrer meine Frisur als ungepflegt betitelten, meine verletzten Locken für die gesamte Mittelstufe unter einem Jeans-Bandana zu verstecken. Mit 17 war es endlich so weit: Free the Fro! Endlich fühlte ich mich sicher und gut mit meinem Schopf, lernte wie es ihn zu pflegen gilt und sauge seitdem begeistert alle Natural Hair Tipps auf, wie mein durstiges Haar die pflanzlichen Öle. Auf den Straßen von Lübeck sorgte das große, braune Etwas in der Regel für interessierte Blicke und verunsichertes Nachfragen. Meine Haare blieben etwas besonders, weil selten und auffällig. Obwohl ich mich heute prima mit Haut und Haar fühle, ist und bleibt mein Afro ein intimes und emotionales Thema, von dem ich das Gefühl habe, es von Zeit zu Zeit immer noch ein Stückchen besser zu verstehen. weiterlesen

Deutsche Politik //
Ein Hoch auf die Langeweile

23.01.2017 um 9.00 – Gesellschaft

politische langeweile deutschlandVerglichen mit anderen Ländern ist die deutsche Politik gähnend langweilig – im Vordergrund stehen Inhalte nicht Inszenierung. Doch angesichts eines Präsidenten Trump oder auch eines Björn Höcke (AfD), sollten wir froh sein, dass es so lange so langweilig war im deutschen Politikbetrieb.

Als ich im Spätsommer 2007 mein Studium in Frankreich begann, dauerte es nicht lange, bis sie auf der Bildfläche auftauchten: das neue It-Paar Nicolas Sarkozy und Carla Bruni. Verliebt schlenderten der damalige französische Präsident und das zur Sängerin mutierte Model durch Disneyland Paris, Weihnachten ging es in den Urlaub nach Luxor. Die Medien vermuteten eine PR-Aktion. Doch bald war klar: Die meinen das ernst. Selbst der deutsche Spiegel druckte Frankreichs neues premier couple auf die Titelseite. „Wie nimmst du als Deutsche das denn wahr?“, fragten französische Freund*innen und ich konnte ihnen nur sagen: Deutsche Politik ist viel zu langweilig für derartig aufregende Liebesverwicklungen. Deutschland ist ein Land, in dem es schon als nahezu verrückt gilt, wenn der Bundespräsident mit seiner Herzensdame nicht verheiratet ist, oder der Justizminister eine Schauspielerin datet. weiterlesen

6 Ideen für
mehr feministischen Alltagsaktionismus

09.01.2017 um 11.03 – Feminismus Gesellschaft

feminismus im alltagEine gleichberechtigte Gesellschaft ist möglich! Aber wie? Vor allem durch viele kleine feministische Alltagsaktionen.

Tataaa, das neue Jahr ist da und mit ihm – natürlich – die altbekannten guten Vorsätze. 2017 liegt wie ein unbeschriebenes, nagelneues Notizbuch vor uns und die Möglichkeiten scheinen endlos. Höher, schneller, besser, weiter, ein anderes, runderneuertes Ich ist möglich! Zumindest, bist das gerade noch so verheißungsvolle neue Jahr schon wieder zur Hälfte rum ist (Stop, war nicht gestern erst Januar?) und man verlegen feststellen muss, dass von den zahlreichen Vorsätzen lediglich dreizweiviertel umgesetzt wurden. Ungefähr. Eigentlich wissen wir es ja schon längst: Große Veränderungen lassen sich oft nur durch viele kleine Veränderungen verwirklichen. Kleine Dinge, die erstmal keinen großen Effekt zu haben scheinen, am Ende aber eben in ihrer Gesamtheit dafür sorgen, dass sich was ändert. Nicht umsonst heißt es in jedem Ratgeber, man solle große Ziele in kleinere Etappen einteilen. Und das gilt auch für das Ziel einer besseren, gleichberechtigten Gesellschaft.

Die britisch-libanesische Menschenrechtsanwältin Amal Clooney forderte Frauen Ende 2016 beispielsweise zu „täglichen feministischen Handlungen“ auf. Wenig überraschend war der Anlass für diese Aufforderung die anstehende Präsidentschaft von Mr. „Grab them by the pussy“ Trump – aber die Idee von feministischen Handlungen im Alltag funktioniert auch hier, in Deutschland. Natürlich lässt sich ein persönliches Ziel wie „Fit werden“ nicht mit einem gesellschaftlichen Ziel wie „mehr Gerechtigkeit“ vergleichen. Und die Etappenziele für zweiteres passen vermutlich auch nicht schön säuberlich auf einen einzigen Zettel. Aber irgendwo muss man ja mal anfangen: Wer, wenn nicht wir? Wann, wenn nicht jetzt? Von alleine ändert sich nämlich nichts, das müssen wir schon selbst in die Hand nehmen. Und wie genau? Hier sind ein paar Ideen: weiterlesen

Brain Blah // Warum Lena Dunhams Cellulite auf dem Cover so wichtig ist

04.01.2017 um 14.11 – Feminismus Gesellschaft

girls lena dunham cover cellulite glamour magazine

Das amerikanische Glamour Magazine hat sich dazu entschieden, die vier „GIRLS“ Stars auf das Cover der Februar-Ausgabe zu bringen. Und zwar ungeachtet kleiner Makel. Zum allerersten Mal in der Geschichte der Frauenzeitschriftenlandschaft ist auf dem Deckblatt einer Hochglanzproduktion also waschechte Cellulite zu erkennen – ein wichtiges Statement und noch viel mehr als das. Nur logisch etwa. Vor allem in Hinsicht darauf, dass besagte Issue ausschließlich von Frauen für Frauen produziert wurde und 90% von uns nunmal genau wie Regisseurin und Protagonistin Lena Dunham liebenswerte Beulen an Po oder Beinen mit sich herum tragen. Die darf normalerweise bloß niemand sehen. Eine Meinung, die in Anbetracht der Realität seltsam erscheinen mag, aber durchaus salonfähig ist.

Ich erinnere mich noch genau an ein Gespräch in New York, das ich mit einer Redakteurin der Grazia führte. Man fragte mich nach meiner Meinung über dieses und jenes und nachdem ich viel Positives anzumerken hatte, erinnerte ich mich in letzter Sekunde doch noch an die Pro- und Kontra Kategorie des Magazins, in der Mitarbeiterinnen ihren Senf zu aktuellen Themen beisteuern dürften. Ein Beitrag, der mir besonders übel aufstieß und in schlechter Erinnerung blieb, war jener über die Lingerie Kampagne, in der Lena und Jemima Kirke sich in voller Pracht und Unterwäsche am Rande einer Badewanne räkelten. Während ich selbst ausschließlich Applaus für die daraus entstandenen Bilder übrig hatte, schwadronierte die Kontra-Stimme doch tatsächlich darüber, dass „so etwas“ nun wirklich niemand sehen wolle. So etwas dickes. So etwas Unästhetisches. Noch beim Durchlesen dieser Zeilen fiel mir die Kinnlade herunter. Bis dato hatte ich schlichtweg nicht darüber nachgedacht, dass außer der Brands selbst überhaupt jemand etwas gegen sympathischen und selbstbewussten Realismus in Bildform einzuwenden haben könnte. Gegen den allgemeinen Tenor des positiven Körpergefühls, der vor allem von einem natürlichen Umgang mit Diversität zehrt. Gegen Menschen, die sich so zeigen, wie Mutter Natur sie geschaffen hatte. weiterlesen

Weniger Worte, mehr Taten //
Was wir jetzt noch für Aleppo tun können.

15.12.2016 um 13.17 – Gesellschaft

aleppoIch finde keine Worte für Assad und seine russischen Helfer, nicht für das, was die Westliche Welt im Orient angerichtet hat und noch immer anrichtet, nicht für die USA, die vor fünf Jahren schon hätte handeln müssen, nicht für islamistische Gruppen, die an der Angst der Zivilbevölkerung wachsen, nicht für die Politik, die entweder wegsieht oder noch mehr Übel anrichtet, nicht für Machthaber, die einen Genozid geschehen lassen, nicht für das Vorantreiben von Waffenexporten in Entwicklungsländer und für das, was Geld und Religionen in der Lage sind zu zerstören, nicht dafür, dass die Welt Aleppo allein gelassen hat. „Als wir zum ersten Male berichteten, daß unsere Freunde geschlachtet wurden, gab es einen Schrei des Entsetzens und viele Hilfe. Da waren hundert geschlachtet. Aber als tausend geschlachtet waren und des Schlachtens kein Ende war, breitete sich Schweigen aus, und es gab nur mehr wenig Hilfe. So ist es. Wenn die Verbrechen sich häufen, werden sie unsichtbar. Wenn die Leiden unerträglich werden, hört man die Schreie nicht mehr. Ein Mensch wird geschlagen, und der zusieht, wird ohnmächtig. Das ist nur natürlich. Wenn die Untat kommt, wie der Regen fällt, dann ruft niemand mehr halt. (…)“ – Bertholt Brecht. Alle Infos zur aktuellen Lage in Syrien findet ihr zum Beispiel hier. Auch diese eMail des Journalisten Zouhir al-Shimale legen wir euch ans Herz. Und wie können wir jetzt noch helfen? weiterlesen

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Kolumne // Beim Thema Make-up machst nicht du die Regeln, sondern die anderen.

schminkeBeim Thema Make-up machen die Regeln die anderen. Immer noch.

Einmal habe ich den Fehler gemacht. Zwei-, dreimal. Und jedes Mal die gleiche Reaktion: „Schlecht siehst du aus! Bist du krank?” Dazu ein angedeutetes Lachen – nimm’s doch nicht so ernst. Ja, ich habe den Fehler ein paar Mal gemacht. Und dann beschlossen: Meine Großeltern besuche ich nicht mehr ungeschminkt. Weil ich keine Lust mehr habe auf blöde Sprüche oder die vorauseilenden Entschuldigungen meiner Mutter: „Nicht, dass ihr euch wundert – Julia hatte keine Zeit, sich zu schminken!“ Das alles klingt genauso bescheuert, wie es sich liest. Als ich mich bei meiner Schwester über diesen familiären Zwang zum Make-up beschwerte, sagte die nur achselzuckend: „Ach, die freuen sich halt, wenn man sich ein bisschen hübsch macht.“ weiterlesen

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Brain Blah //
Die Social Media Luxus Problematik

29.11.2016 um 14.55 – box2 Gesellschaft Leben Mode

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Ein Instagram Post, den ich vergangene Nacht in einem Anflug von Schlaflosigkeit niedergetippt hatte, erschien mir noch beim Upload als überaus logisch, durchaus angebracht und dingend notwendig. Nur ist gut gemeint, längst nicht automatisch gut gemacht, was sich alsbald in den darauffolgenden Kommentaren zeigen sollte und mich für einen kurzen Augenblick zunächst ernsthaft an meiner geistigen Konstitution zweifeln ließ und dann an der Fähigkeit, mich für jedermann und -frau verständlich auszudrücken. Deshalb versuche ich es auf diesem Kanal ein zweites Mal, mit ein bisschen mehr Raum für die Erklärung meiner Beweggründe – Obwohl ich ehrlich gesagt vornehmlich eine ganz grundsätzliche Hasskappe auf Soziale Medien und deren Mutation zur Pest für Körper und Seele hegte (vermutlich auch, weil ich selbst Teil davon bin) und noch dazu zu viel Cola getrunken hatte.

Aber jedenfalls schrieb ich irgendetwas von wegen „Leute. Eine Designertasche macht euch nicht glücklicher als ein Spaziergang durch den Park. Vor allem, wenn ihr erst 20 seid. Und wenn ihr doch so ein teures Taschenscheißerchen kauft, dann achtet zumindest darauf, dass es euer Herz mit echter Freude erfüllt, etwa, weil es für einen bestimmten Abschnitt in eurem Leben steht, einen großen Schritt, weil es euch aus welchen Gründen auch immer so richtig etwas bedeutet und dadurch zu einem bescheuerten aber lieb gewonnenes Symbol heranwächst. Aber nicht nur wegen des Logos. Oder etlicher Influencer. Die meisten von ihnen müssen für diesen Luxus nämlich noch dazu einen (nicht in Geldscheinen abzählbaren) Preis bezahlen, den die allermeisten Menschen überhaupt nicht zahlen wollen würden.“ Ich beschloss ganz einfach, das müsse endlich mal gesagt werden und am besten auch immer wieder. weiterlesen

TREND // Die 7 Entwicklungen in der Mode – laut Lidewij Edelkoort

28.11.2016 um 14.30 – Gesellschaft Mode

li edekoort

Lidewij Edelkoort dürfte mittlerweile auch fernab der Mode Branche, der Trend- und Konsumforschung für so manch eine oder einen mittlerweile ein Begriff sein, denn die gebürtige Niederländerin gilt als Orakel einer ganzen Branche, fasst Gegenwärtiges auf den Punkt zusammen, benennt Entwicklungen, die wir vielleicht längst spüren, bislang aber nicht in Worte fassen konnten und redet Tacheles in einem Zirkus, der zwar hin und wieder noch glitzert, dem es im Grunde allerdings ziemlich schlecht geht.

Mit ihrer These „Die Mode, wie wir sie kennen, ist totaus ihrem im vergangenen Jahr veröffentlichen Anti-Fashion Manifesto polarisierte damals, sollte allerdings recht behalten: Designer wechselten 2016 so oft wie noch nie die Positionen, das „See now, Buy now“-Konzept wurde fast flächendeckend umgesetzt und scheint den Rubel wider erwarten nicht ins Rollen zu bringen, und während manche Brands auf Extravaganz und laute Ohs setzen, dabei Schweißperlen auf der Stirn haben, drohen sie doch im kommenden Jahr nicht mehr „en vogue“ zu sein, setzen die anderen auf einfachste, aber absatzstarke Produkte ohne Whaows andere Spektakel. Was ist da los? Und wie kommen wir daraus? In einem Interview mit der deutschen Welle setzte man sich mit der Trendforscherin Edelkoort erneut an den Tisch. Das Ergebnis? Eine kleine Bestandsaufnahme ihrer Thesen, ihrer Vorhersagen – und ein Status Quo. Es sind keine völlig neuen Erkenntnisse, die da auf uns warten, aber es sind kleine Belege, die uns die Codes der Mode und die Zeichen der Zeit ziemlich anschaulich erklären: weiterlesen

Brain Blah // Plötzlich intolerant.

23.11.2016 um 13.31 – Gesellschaft Leben Wir

collage this is jane wayne brianblahIrgendetwas ist im vergangenen Jahr mit mir geschehen, mit meiner Wohlgesonnenheit, mit meinem Gesicht. Letzteres entgleitet mir neuerdings vollkommen unkontrolliert, in ganz unterschiedlichen Situationen, aber meist im Angesicht meiner eigenen Intoleranz. Ich will keine kauzige Fensterbrettrentnerin werden, die sich an den Lastern anderer ergötzt, wirklich nicht, aber momentan könnte man fast meinen, ich sei auf dem besten Weg dorthin. Allem Anschein nach ist mir der Sinn für das antrainierte Dauerlächeln amerikanischer Hollister-Verkäufer gänzlich abhandengekommen, vor allem im beruflichen Bereich. Dabei war ich schon allein wegen meines stark ausgeprägten Drangs nach Harmonie stets sehr gut darin, getreu dem löblichen und liberalen Motto Leben und leben lassen. Jetzt fällt mir das Lassen im Allgemeinen zunehmend schwer, das Schweigen, genau wie das Schleimen und Scheiße hinnehmen, etwa der guten Stimmung zuliebe.

Ich packe es einfach nicht, Höflichkeit und auch diese gewisse gesunde Gleichgültigkeit über meinen inneren Groll zu stellen, wenn mir etwa jemand gegenübersitzt, dessen Gehabe mich an die Grenze des Augenrollens treibt. Wo wir wieder beim Thema der frühzeitigen Vergreisung meinerseits angelangt wären. Um es mal ganz salopp zu formulieren: Ich habe Angst, hochnäsig à la „Ich hasse Menschen“ zu werden und zwar in einer Form, wie ich sie bisweilen immer auf den Tod verteufelt habe. weiterlesen