Kategorie-Archiv: Gesellschaft

#SafetyPin-Kampagne // Mit einer Sicherheitsnadel gegen Rechtsextremismus

29.06.2016 um 13.07 – Gesellschaft

#safetypin51,9% der Großbritannier_innen sagten am 23. Juni ja zum Brexit und stimmten damit für den Austritt aus der Europäischen Union. Die Gründe dafür reichen in der Geschichte zwar weit zurück, wirklich verstehen kann sie jedoch so gut niemand, der über ausreichend Grips verfügt. Zuletzt befeuerte aber wohl die Schuldenkrise im Euroraum die Skepsis der britischen Bürger_innen, man schimpfte über Brüssel, denn es gäbe zu viele Regulierungen, die der Wirtschaft nicht gut täten, es folgte schließlich der Aufstieg der EU-kritischen UK Independence Party und zwar nicht zuletzt aufgrund der Angst vor noch mehr EU-Einwanderern. Aber auch vor denen, die schon da sind, die längst ein neues Zuhause gefunden haben. Etwa drei Millionen ausländische EU-Bürger leben derzeit in Großbritannien, die Frage ist nur: Wie lange noch? Denn künftig soll die Zahl der Migranten deutlich verringert werden. Es ist das alte Lied: Wegen des ohnehin schon überlasteten Gesundheitssystems natürlich und auch fehlende Schul- sowie Arbeitsplätze werden als Gründe für die Besorgnis angeführt. Und während der halbe Erdball derzeit in Ohnmacht verfällt und doch noch auf ein eventuelles Zurück hofft, wird die Stimmung gegenüber Ausländern in Großbritannien immer aggressiver. Vor allem die 850.000 Polen müssen auf offener Straße in Deckung gehen, sie werden beschimpft, angegriffen und fürchten, das Land demnächst verlassen zu müssen – Sehr zur Freude hoffnungsvoller Rechtsextremisten auf der ganzen Welt.

Was kann man dagegen tun? Zum Beispiel ein Zeichen setzen. weiterlesen

TAGS:

Brain Blah // Mehr Kapieren, weniger Komplexe – wie eine App alle irre macht.

22.06.2016 um 16.58 – Gesellschaft

facetune app thisisjanewayne

Ich saß gerade auf einem pinken Sessel, beschäftigt damit, mein Unvermögen bezüglich jedweder Multitasking-Fähigkeit zu überspielen, als die Fotografin, die mich kurz zuvor geknipst hatte, irgendetwas von wegen „schon ok, mach du erstmal, Facetune und so“ in meine Richtung murmelte. Facewas? Da hatte ich mein eigentliches Vorhaben, nämlich ein paar behämmerte Emojis auf mein Instagram-Bild zu knallen, auch schon wieder vergessen. Stattdessen schaute ich wie ein angeschossenes Reh und ziemlich blöde aus der Wäsche.

Klar, schonmal davon gehört, bei Wein und Brot ausprobiert und dann wieder beiseite geschoben, eine Foto-App, benutzen wohl viele. Aber brauche ich das auch? „Gibts ja wohl nicht, du bist der gottverdammt einzige Medienmensch auf diesem Planeten, der diese gnadenlos wirklichkeitsverzerrende App nicht in seiner Cloud hängen hat, geil ist das!“- man konnte es nicht fassen, niemand im Raum. Und da waren viele. weiterlesen

Frauen in Filmen // Gleichen weibliche Ghostbusters einer Apokalypse?

20.06.2016 um 13.32 – Feminismus Film Gesellschaft

frauen im film ghostbusters 3 2016 this is jane wayneDer neue – weibliche – Ghostbusters-Film ist zur Abstimmung darüber geworden, ob Filme von bzw. mit Frauen überhaupt jemand sehen will und ob diese gut sind. Das nervt.

Ein Nachmittag im Kino, voller Erwartung auf den neuen X-Men-Streifen. Während auf der Leinwand der gefühlt hundertste Trailer zu irgendeinem Film läuft, dreht sich mein Bekannter zu mir: „Guckst du dir eigentlich den neuen Ghostbusters-Film an? Mit den Frauen?“ „Klar“, sage ich, woraufhin mein Bekannter das Gesicht verzieht: „Aber der hat auf Youtube total schlechte Kritiken bekommen. Ich glaube, der Film ist echt mies – und das sage ich nicht, weil die Hauptpersonen Frauen sind.“

Ich bin baff: Seit wann gelten Youtube- „Kritiken“ ( = Klicks auf den Daumenhoch/Daumenrunter-Button plus User-Kommentare) als Hinweis darauf, ob ein Film gut oder schlecht ist? Und warum muss extra betont werden, das Problem seien nicht die Frauen – wenn sie es offensichtlich sind? (Letztens las ich einen Artikel, der ernsthaft den Titel trug: I despise Hillary Clinton and it has nothing to do with her gender – genau, schon klar). Ich werde den neuen Ghostbusters-Film mit Kristen Wiig, Leslie Jones, Melissa McCarthy und Kate McKinnon gucken, keine Frage: Jede einzelne dieser Frauen finde ich witzig und unterhaltsam und warum sollte die Kombination aus all diesen Frauen nicht einen lustigen Film ergeben? weiterlesen

Gedanken zu Orlando //
Weil Liebe Liebe ist.

16.06.2016 um 9.00 – Feminismus Gesellschaft Leben

pray for orlando love is love
Ein paar Gedanken, vier Tage nach dem Attentat.

Vier Tage ist das Attentat mittlerweile her. Ach, was heißt hier Attentat. Das klingt noch viel zu harmlos. In Wirklichkeit reden wir nicht von einem Attentat, sondern vom größten Hass-Verbrechen an der LGBT-Gemeinde seit dem Zweiten Weltkrieg. 53 Menschen sind verletzt, davon viele schwer. 49 sind tot. Umgebracht innerhalb weniger Stunden von einem, der in blindem Hass auf jene schoss, die er als anders, als bedrohlich empfand.

Vier Tage nach diesem Verbrechen kommen immer neue Details ans Licht. Über die Opfer. Über den Täter. Vor allem über den Täter: Omar Mateen, 29 Jahre alt, US-Amerikaner mit afghanischen Wurzeln. Er soll einen Treueschwur auf den sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) geleistet haben, diese international operierende Mordmaschinerie. Mateen, so ist der aktuelle Stand, scheint sich alleine, im stillen Kämmerlein radikalisiert zu haben. Er brauchte kein IS-Ausbildungscamp, er brauchte nur das Internet. In amerikanischen Medien wird spekuliert, Mateen sei selbst homosexuell gewesen: ein radikaler Islamist, der mit seiner eigenen Sexualität nicht klar kam. Wissen werden wir es wahrscheinlich nie – Mateen ist der 50. Tote bei dem Massaker im Pulse, erschossen von der Polizei. weiterlesen

BUCHTIPP // „Girl’s Can’t Code“
– Pah, „We Love Code!“

23.05.2016 um 12.27 – Feminismus Gesellschaft

girls can code neuneu

Websites, Apps, Programme: Kennen wir alle. Aber wie sieht es mit den Codes dahinter aus? Das Buch We Love Code! will neugierig machen aufs Programmieren – Bühne frei für Ada Lovelace, Brainfuck und 2-Schritte-Authentifizierung.

Manchmal denke ich an meine Schulzeit zurück und ärgere mich: Hätte ich mal Informatik als Fach gewählt! Dann könnte ich heute vielleicht programmieren, hätte vielleicht einen super bezahlten Job und mein Leben wäre vielleicht generell – besser. Hätte hätte Fahrradkette. Statt Informatik wählte ich Erdkunde-Sozialwissenschaften, was jetzt auch nicht schlecht, aber auch nicht so richtig cool war. Informatik hingegen war cool. Das wurde mir spätestens in dem Augenblick bewusst, als wir mit dem Französisch-Kurs im Computerraum hockten und Vokabelübungen machten. Plötzlich färbte sich mein Bildschirm pechschwarz, in der oberen linken Ecke erschien eine giftgrüne Schrift: „Follow the white rabbit“. Und in der letzten Reihe lachten sich zwei meiner Mitschüler schlapp, weil ihr kleiner Trick („Trojaner“ genannt) so gut funktioniert hatte. Was soll ich sagen: Einer der beiden Herren arbeitet heute für Google.  weiterlesen

In was für einer Welt Leben wir eigentlich //
Waxing für 12-Jährige – ein offener Brief

11.05.2016 um 17.15 – Feminismus Gesellschaft

waxingÜber Haare haben wir schon häufiger diskutiert. Nicht nur über solche, die auf dem Kopf wachsen, sondern auch über jene, die im Intimbereich und unter den Achselhöhlen sprießen. Wir empfinden den Diskurs darüber, dass ausnahmslos jede selbstbestimmte Frisur als prachtvoll gelten dürfen muss, nach wie vor als wichtig. Wenngleich es einem Tränen in die Augen treiben sollte, dass die Öffentlichkeit sich in Anbetracht der Natur des Körpers noch immer geniert als sprächen wir von Verwahrlosung, dass es überhaupt noch vonnöten ist, auf die Schönheit von Diversität aufmerksam zu machen und darauf, dass Natürlichkeit einzig durch die perfide mediale Sozialisierung, der wir unterliegen, als eklig empfunden werden kann. Neben der Periode unterliegt vor allem das Schamhaar einer strengen Zensur. Instagram sperrte einst den Feed der Künstlerin Petra F. Collins, man sah ein paar Flusen rechts und links aus dem Höschen ragen. Das war zu viel des Guten. Im Grunde ist der weibliche Körper an sich und exakt das, was zu ihm gehört, schon mehr als die meisten ertragen können. Menstruationsblut etwa wird in der Welt der Hygieneartikelhersteller derart abstrahiert, dass man beinahe meinen könne, unser Uterus stoße statt Gebärmutterschleimhaut ein wohlig duftendes babyblaues Gel der Unschuld aus. Es ist ein wahrer Luxus, sich in seinem Körper wohl fühlen zu dürfen. Und nicht aufgrund seiner Beschaffenheit, Optik und Mechanik benachteiligt zu werden. Der oft proklamierte Drang unserer Generation nach Individualität scheint nämlich ähnlich wie der Spaß genau da aufzuhören, wo die Natur vergessen hat, einen Photoshop-Filter anzuwenden. Das ist nicht neu. Neu hingegen ist aber, dass nun offenbar auch Kinder den Schemen der radikalen „Selbstoptimierung“ unterliegen.

Heute Morgen erreichte uns per Mail die Nachricht einer Leserin. Während ihres letzten Besuchs im Waxing-Studio stolperte Jolki Palki über eine Werbung, die alles übertrifft, was man als denkender Mensch als vertretbar einordnen sollte: Teenies zwischen 12 und 17 Jahren erhalten ab sofort Rabatt auf jede Art der Haarentfernung. Daraufhin schrieb Palki einen offenen Brief, den wir an dieser Stelle mit euch teilen wollen. Auch, um an den Verstand der Betreiber_innen von Wax in the City zu appellieren: weiterlesen

Sexualstrafrecht // „Wie es sich anfühlt, weniger Rechte zu haben als ein Auto“

09.05.2016 um 14.18 – Feminismus Gesellschaft

sexualstrafrechtAlina Sonnefeld meldete sich im vergangenen Jahr per Mail bei uns. Im Anhang befand sich ein Text, der dringen in die Internet-Welt hinaus geschickt gehörte. Damals schrieb sie darüber, wie es sich anfühlt, in der heutigen Welt ein Mädchen zu sein. Ein 18-jähriges Mädchen. Jetzt vermutet unsere Autorin, weniger Reche zu besitzen als ein Auto:

Mir war das lange nicht bewusst. Das mit unserem Sexualstrafrecht.

Dass es nicht genügt vergewaltigt worden zu sein, um den Täter strafrechtlich verurteilen zu lassen. Dass man verpflichtet ist, sich zu wehren, mit allen Mitteln. Auch mit denen, die einem nicht zur Verfügung stehen. weiterlesen

Social Media Battle //
Alte Hasen vs. junges Gemüse

05.05.2016 um 18.23 – Gesellschaft Mode Technik

digital influencerManchmal, wenn das Internet über Social Media oder wir Blogger_innen über Veränderungen in der digitalen Welt schreiben, frage ich mich, wer von euch wohl längst mit rollenden Augen vor dem Bildschirm sitzt. Man kann sich auf der einen Seite nämlich köstlich darüber amüsieren, wie bierernst scheinbar nebensächliche Themen zuweilen diskutiert werden, andererseits haben wir es hier faktisch mit einem mittlerweile millionenenschweren Business zu tun: Wer viele Follower vorzuweisen hat, etwa auf Instagram, rüttelt häufig heftig am Kooperations-Baum. Das ist neu. Früher galt: Je höher der Traffic auf der eigentlichen Website, desto besser – Social Media existierte ausschließlich als positive Begleiterscheinung. Heute jedoch läuft der Hase oft komplett anders herum, die hellsten Sterne am Himmel der sozialen Medien kommen gar komplett ohne Webseiten aus. Instagram-Ikonen und Snapchat-Profis lassen vorrangig schöne Bilder statt getippten Content sprechen. Und zwar sehr zur Sorge der schreibenden Blog-Front. Auch ich erbrach mich erst jüngst verbal auf das Phänomen mit dem gelben Geist – bis ich prompt zur Bekämpfung meiner offenbar frühzeitigen Vergreisung zum Selbsttest überredet wurde und schließlich höchst vergnügt aus der Woche voller „Snaps“ hervor ging. Es kommt womöglich also nicht darauf an, was wir konsumieren, sondern wie wir konsumieren. Wie berechtigt ist aber die mitunter handfeste Kritik an diversen, sagen wir mal, „Fast-Media“-Stars, die seit geraumer Zeit über unsere Smartphone-Displays hüpfen?

Sarah fragt sich derzeit beispielsweise öffentlich, ob der leichtfüßige Bunte-Bilder-Feed, der inzwischen in die Hände von Facebook übergangenen ist, womöglich geradewegs zum Wertverlust von Blogs und damit auch des geschriebenen Wortes führt, Masha gruselt sich ein wenig vor der Macht all jener, die ihr gesamtes Leben für Snapchat abfilmen und bei unseren Kolleginnen von Journelles geht es aufgrund des inflationär gebrauchten Begriffs „Digital Influencer“ heiß her. Die ersten beiden Diskussionen ließen mich beim Lesen mit dem Kopf nicken wie ein nach Futter suchender Spatz; da ist viel Wahres dran und die Kratzbürste in mir gab sich hoch erfreut über so viel Ehrlichkeit. Spätestens mit dem Gesprächsstoff-Beitrag von Jessie ließ sich aber ein kerniger Beigeschmack zwischen den Zeilen heraus lesen: Nämlich die omnipräsente Angst von uns alten Hasen, das junge Gemüse könne uns irgendwann von der Bildfläche verdrängen. weiterlesen

TAGS: