Kategorie-Archiv: Leben

Kolumne //
Wir müssten viel mehr wie Toni Erdmann sein.

27.09.2016 um 18.33 – box1 Film Gesellschaft Leben

die neue kauzigkeit

Neulich saß ich im Kino und musste mich vor Lachen beinahe übergeben, ein Popcornkorn hatte sich beim heftigen Jauchzen zwischen Gaumen und Nase verirrt und klebte nun dort fest, Tränen schossen mir in die Augen, nicht aber vor Verzweiflung, sondern wegen dieser maximalen Wonne, die mir an Situationskomik beschert wurde. Ines Conradi gab auf der Kino-Leinwand als „Whitney Schnuck“ gerade lautstark „The Greatest Love Of All“ zum Besten, irgendwo in einem fremden Wohnzimmer, voller Inbrunst. Die Dame auf dem Platz neben mir versuchte währenddessen ihren Lachanfall durch heißblütiges Trommeln auf den Oberschenkeln ihrer Begleitung in den Griff zu bekommen, ein glückseliges Grunzen erfüllte den Saal.

Die deutsche Regisseurin und Drehbuchautorin Maren Ade hatte die Welt mit ihrem Spielfilm „Toni Erdmann“ zweifelsohne exakt in diesem Moment zu einer besseren gemacht. Eigentlich heißt der pensionierte Protagonist und Musiklehrer übrigens Winfried Conradi und hegt eine Vorliebe für schräge Scherze. Als sein Hund stirbt, macht er sich auf den Weg nach Bukarest, um die spießige Tochter vor der furztrockenen Einöde der Berater-Branche zu retten. Uns rettet er im gleichen Atemzug vor zu viel Heuchelei, zu wenig Freiheit und vergessenem Humor. Jeder von uns Zuschauenden wusste jedenfalls schnell, dass er gut daran täte, endlich mehr Toni in sein Leben einkehren zu lassen. Ein bisschen mehr Fuck Off eben. Und Mut zur Kauzigkeit. In den folgenden Tagen versuchte ich also, meinen inneren Erdmann häufiger nach außen zu kehren, statt ihn weiter zu ersticken. Wenn auch nicht immer erfolgreich. weiterlesen

Alltags-Sexismus & Geständnisse //
12 inspirierend-feministische TED Talks

ted talksVon den Geständnissen einer schlechten Feministin bis hin zum alltäglichen Sexismus.

Im Internet schwirren hunderte, nein, tausende von TED Talks herum. Ganz schön schwer, da den Überblick zu behalten: Welche der Vorträge sind es tatsächlich wert, angeschaut und geteilt zu werden? Na, diese 12 auf jeden Fall! weiterlesen

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Brain Blah // Darf man manchmal eine gemeine Mistkuh sein?

06.09.2016 um 7.30 – box1 Gesellschaft Leben Wir

brain blah darf an manchmal gemein sein thisisjanewayne

Ich war jetzt sehr lange sehr verliebt in den Heiligenschein der Harmonie. Immer um Diplomatie bemüht, stets freundlich und bescheiden, manchmal sogar unsichtbar, jemand, der eher schweigt als zu streiten und rot anläuft, sobald andere gemein werden. Also jedenfalls grob zusammengefasst, so als Freundin, Partnerin, Ex, Bekannte oder Unbekannte. Beim motzigen Inder etwa entschuldige ich mich seit mittlerweile drei Jahren dafür, im Dachgeschoss zu wohnen, er bekommt sogar Extra-Trinkgeld zum Sowieso-schon-Trinkgeld, wegen der Bonus-Treppen. Dabei hat er es in Wahrheit noch nie über die Belle Etage hinaus geschafft, wenn es klingelt, renne ich meinem Palak Paneer ohnehin entgegen, als sei der flammende Curry-Spinat mein persönlicher Sonnenuntergang. Herr Lieferservice hingegen schlendert tendenziell und bleibt manchmal sogar heimlich stehen um Stufen zu sparen. Ich merke das, aber schweige. Bloß anderen nicht zur Last fallen. Ist egal, dass der nie danke sagt. Ist auch egal, dass der Nachbar von unten nie grüßt, aber böse guckt und seine Frau ebenfalls schaut, als laste sämtliches Übel der Welt auf ihren Schultern. Vielleicht tut es das ja. Deshalb winke ich an guten Tagen ganz versöhnlich rüber. Es tat mir auch leid, als ich neulich einem Betrunkenem im Park im Weg herum lag, echt. Und richtig, was versuche ich auch mit einem 20 Euro Schein zwei fünfundzwanzig Cent Brötchen zu bezahlen, die es noch dazu überhaupt nicht gibt, weil „dit sind Schrippen!“. Tschuldigung, ich hätte es wirklich verdient gehabt, in meiner Dekadenz zu ersaufen.

Jetzt ist es aber nunmal so, dass das immanente Höflichkeits-Töpfchen irgendwann auch echt mal voll ist. Es fing also an, in mir zu brodeln. Und wie es brodelte. weiterlesen

Kolumne // Ich will so nicht wohnen,
aber vielleicht auch doch.

01.09.2016 um 10.00 – Leben Wohnen

wg leben thisisjanewayneHeute ist Lios erster Kitatag, ich bin nervös, obwohl ja schon ein ganzes Jahr bei seiner Tagesmutter ins Land gezogen ist, aber jetzt sitzt da morgens endgültig kein Buddha-Baby mehr in seinem Hochstuhl-Thron vor mir, sondern ein süßrotziger Frechdachs mit wachen Augen, eigenem Willen und den Pausbacken voll mit Müsli, jetzt wird der kleine Mann plötzlich wirklich groß und mein Drang nach Veränderung noch dazu. Lio und ich, wir sind uns nämlich sehr ähnlich.

Je mehr Menschen sich in unserer direkter Umlaufbahn befinden, desto tiefer ruhen wir in uns, reden müssen wir dabei nicht, wir können sogar ziemlich lange schweigen, genießen immerzu die Abwesenheit von menschlicher Ebbe, Freunde sind unsere Familie, denn die Blutsverwandten sind allesamt 600 Kilometer weit weg. Zu zweit wird uns daheim außerdem schnell langweilig und auch zu dritt. Das gemütliche Familiendasein, wie wir es sonst so kennen, schläfert uns schon nach wenigen Tagen ein, fragt mich nicht weshalb, aber am glücklichsten sind wir stattdessen irgendwo in der Natur oder zwischen Plappermäulern, Picknickdecken und Pastatellern in fremden Küchen. Ich habe deshalb, nach langem Hin und Her, entschieden, dem klassischen Vater-Mutter-Kind-Wohnungsmodell lebe wohl zu sagen. Genauer gesagt habe ich das ja schon vor vielen Monaten getan, aber nun bin ich eben auch dem Freund-von-Mama-Mama-Kind-Modell entwachsen. Ich möchte zurück in eine WG, aus ganzem Herzen. weiterlesen

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Brain Blah // Ein Mal im Monat ist das Leben scheißerer als sonst.

10.08.2016 um 12.32 – box1 Feminismus Leben

PMS thisisjanewayne

Artikel über die scheiß Tage vor den Tagen, kurz PMS, sind in etwa so gewöhnlich wie Taubenkotflecken auf unter Bäumen stehenden Parkbänken. Bei rund 150 potentiellen Symptomen, von denen zumindest eine Handvoll bei immerhin zwei Drittel aller Gebärmutter-Trägerinnen regelmäßig in Erscheinung treten, wundert das nicht einmal mehr jene, die beschwerdefrei durchs Leben flattern. Männer zum Beispiel. Und auch Frauen, die das große Glück haben, von den Nebenwirkungen dieser blutigen Naturgewalt verschont zu bleiben, nicken Zeilen, aus denen der pure Menstruations-Frust spricht, in den meisten Fällen überaus mitfühlend ab. Jedenfalls nahm ich das bisher an.

Neulich, in einem Café, das köstlichen Kaffee brüht, wurde ich allerdings eines Besseren belehrt, oder eher: Eines Schlechteren. Eine wahre Schönheit saß dort, ihr gegenüber ein Bärtiger, Arbeitskollegen höchstwahrscheinlich. Er regte sich auf, sie stimmte ein ins Fluch-Konzert. Was die Chefin eigentlich für ein Problem habe, schimpfte er, und ob sie denn eigentlich permanent ihre verdammte Mens hätte, so unausgeglichen könne ja niemand sein. Da schüttelte es mich ein erstes Mal, denn ja, es gibt PMS tatsächlich, aber das ist noch lange kein Grund, so vorschnell und frech und nebenbei bemerkt auch sexistisch zu urteilen. Naja, es ging natürlich weiter, beide waren sich einig, die Chefin ist ein Arsch, nur die Sache mit diesem Prämenstruellen Syndrom, schnatterte die Schönheit – das solle er sich gefälligst merken – sei eine ganz lahme Ausrede frustrierter Furien, der allergrößte Quatsch, nicht mehr als eine Ausrede „zickiger Weibsbilder, die sich nicht im Griff haben“. Aus unerfindlichen Gründen kroch der köstliche Kaffee mir plötzlich die Speiseröhre rauf und hätte man mir keine Manieren beigebracht, ich hätte die braune Suppe kein zweites Mal herunter geschluckt, sondern mit großem Genuss und Nachdruck auf den Nachbartisch gespuckt. weiterlesen

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Slow Sunday //
Kontrollierst du schon oder lebst du noch?

31.07.2016 um 11.02 – Leben Slow Sunday

This is Jane Wayne – Julia Jane – Slow Sunday

Wir haben euch am Wochenende viel zu lange in Ruhe gelassen, findet ihr nicht auch? Und genau deswegen darf ich heute ganz feierlich (und ein klitzekleines bisschen aufgeregt) verkünden, das genau damit ab sofort Schluss ist. Dürfen wir vorstellen? Slow Sunday – und ein Versuch, sich noch mehr dem Leben zu widmen, seinen kleinen Stolpersteinchen und großartigen Chancen.

Es gibt für mich nichts schöneres, als über Themen zu schreiben, die mich jeden Tag beschäftigen, und genau hier knüpft die neueste Rubrik an. Neben Fair Friday werde ich euch also ab sofort kurz vor einem neuen Wochenstart mit meinen persönlichen Life-Balance Erkenntnissen behelligen. Und na klaro: Wie am Freitag wird es auch am Sonntag um Nachhaltigkeit gehen. Und zwar um Nachhaltigkeit im Umgang mit uns selbst. So!

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What keeps you running? //
Manche Dinge ändern sich… plötzlich.

31.07.2016 um 6.30 – Healthy Living Leben Wir

nike #whatkeepsmerunning

Das hier ist kein Text über übertriebene Fitness, keine Ode an das Knechten des Körpers für ein makelloses Antlitz, keine Bauchpinselei der eigenen flinken Fähigkeiten, die besitze ich nämlich kaum. Um Bewegung geht es trotzdem, präzise gesagt um die bedeutungsschwangere Frage #WhatKeepsYouRunning? Nicht nur auf dem Laufband, sondern im Leben. Zunächst einmal: Warum renne ich überhaupt? Das ist logisch und leicht erklärt: Weil es nicht anders geht. Läppische drei Kilometer am Abend trennen mich seit Jahren vom totalen Wahnsinn. Obwohl ich noch nie ein besonders körperbewusster Mensch war, weder von innen noch von außen. Oder gerade deshalb.

Meine Leibspeise ist Pommes Schranke, von Salat werde ich nur satt, wenn entweder ein halbes Baguette oder ein ganzer Klotz Feta dazu gereicht wird und beim Sport funktioniere ich grundsätzlich nicht von allein, sondern eher wie ein faules Pony, dem man Zuckerstückchen als Entschädigung für Bewegung versprechen muss. Wann immer es anstrengend wird, schießt mich meine gebeutelte Lunge ohnehin schon seit Jahren auf den Mond. Was immer in Ordnung war, wilde Nächte tragen nunmal ihre verlebten Früchte, sagte ich mir dann, und wer wie ein Schornstein qualmt, sobald die Sonne verschwindet, der hat sich nunmal für eine friedliche ab und zu hustende Koexistenz mit den Jane Fondas dieser Welt entschieden. Wäre da inzwischen nicht dieses richtige scheiß Gefühl, die Gewissheit, sich da gerade selbst den physischen Bach runter gehen zu sehen. Besonders beim Laufen, das ich ja brauche, um nicht verrückt zu werden. Zum Durchlüften des komplett reizüberfluteten Gehirns.  weiterlesen

Brain Blah //
„Wann kommt denn bei euch das nächste Kind?“ – Vielleicht nie.

11.07.2016 um 13.59 – Leben Wir

kinderkriegen baby thisisjanewayne tinyjaneSeit ich Mutter bin, beschleicht mich das Gefühl, dass ein Kind allein nicht ausreicht. Egal, wen ich nach langer Zeit wieder treffe, die zweite Frage nach dem obligatorischen „Wie gehts, wie stehst“ lautet zunehmend: Und, wollt ihr noch ein Geschwisterchen? Ich muss dann erst einmal erklären, dass das „Wir“ inzwischen ein ganz anderes ist – Ups-Moment #1, die Leute scheinen noch immer wie automatisch davon auszugehen, Trennungen seien entgegen jeder Statistik eine Ausnahme in unserem scheinbar perfekten Lebensumfeld. Mit dem Mitleid, dass ich weder brauche noch möchte, komme ich inzwischen klar, man meint es ja nur gut mit mir. Wenn ich irgendwann aber zurück zum eigentlichen Thema gelange und meinen Standpunkt klar mache, nämlich den, dass ich nicht wissen kann, was in drei, vier oder zehn Jahren ist, ich derzeit aber ziemlich sicher bin, ein Einzelkind in die Welt gesetzt zu haben, werden die Augen groß und Mundwinkel fangen an zu hängen. Ganz ehrlich, kein Scherz. Ist auch nicht eingebildet das Ganze, das weiß ich, weil meist Augen- und Ohrenzeugen dabei sind. Die häufigsten Reaktionen lauten wie folgt: Eeeecht jetzt? Aber willst du kein Mädchen haben, wer soll denn all die Taschen erben, als Frau möchte man doch auch eine Tochter? Soll Lio wirklich allein aufwachsen? Träumst du nicht von einer richtig großen Rasselbande? Nein? Krass. Und so weiter und so fort.

Ich finde das, gelinde gesagt, sehr unmodern. Und unsensibel. Und unangebracht. Denn erstens ist mir schnurzpiepegal, welches Geschlecht mein Kind hat, zweitens leben wir in einer Gesellschaft, in der Freundeskreise längt zur selbstgewählten Familie geworden sind, kein Kind muss also einsam und allein mit Einzelkind-Schaufeln im Sand buddeln und drittens liebe ich Großfamilien, ich stamme nämlich aus einer, aber ich selbst sehe mich aus unterschiedlichsten Gründen nunmal nicht als Anführerin einer solchen. Das macht mich weder herzlos und überaus egoistisch, noch traurig. Beides wird einem aber seltsamerweise gern unterstellt. Meine Entscheidung liegt jedoch einer ganz simplen Erkenntnis zugrunde. weiterlesen

Brain Blah // „Don’t apologize for burning too bright, girls“ feat. Neutrogena

04.07.2016 um 7.30 – Beauty Leben

neutrogena sieh was moeglich ist 1Sieh‘, was möglich ist„, fordert uns der Hautpflegeexperte Neutrogena in seiner gleichnamigen Kampagne auf und legt dabei das Augenmerk auf Schönheit, die durch viel mehr geformt wird als die bloße, vielleicht sogar makellose Oberfläche. Was nützt uns schon ein augenscheinlich hübsches Erscheinungsbild ohne das bisschen Mehr dahinter? Ohne eigenen Kopf zum Beispiel und Fantasie und Persönlichkeit. So richtig schön sein, von innen und außen, funktioniert immer dann am besten, wenn wir selbst an uns glauben, wenn wir fest davon überzeugt sind, dass alles möglich ist. Und wenn wir träumen dürfen. Wenn aus Gedanken Erlebnisse werden oder aus Luftschlössern das echte Leben. Wann finden wir Menschen anziehend? Ich weiß nicht, wie es um euch bestellt ist, aber ich selbst verneige mich vor all jenen, die ihr Glück gefunden haben und vor Selbstbewusstsein Funken sprühen. Die das tun, was sie lieben. Neutrogena möchte uns womöglich genau deshalb dazu inspirieren, uns fortan von unserer schönste Seite zu zeigen – zwar auch mithilfe von ein wenig Fürsorglichkeit gegenüber unseres kostbaren Antlitzes, vor allem aber durch das Realisieren von Träumen. Ich weiß, dazu benötigt man in der Regel auch ziemlich viel Mut; wer niemals richtig hoch springt, der kann nunmal auch nicht tief fallen. Aber deshalb lieber auf Ewig am Boden bleiben? Möglich. Aber nicht unbedingt ratsam.

Meine eigene Idee von der Selbstständigkeit zum Beispiel, fanden die allermeisten Menschen in meiner Umgebung in etwa so dumm wie die Mode und alles, was mit ihr zusammen hängt. Dass beides zusammen genommen sogar ein erfolgreiches Unterfangen sein könnte, und noch dazu eines, das mich jeden Tag mit Glück, Stolz und Freundschaft erfüllt, daran habe nur ich allein von Anfang an geglaubt. Und Sarah, die mutig genug war, den Weg raus aus der Uni, rein in die fremde neue Stadt und in eine Branche, die wir nur aus Erzählungen kannten, mit mir zu gehen. weiterlesen