Kategorie-Archiv: Leben

Brain Blah // Jeder soll schön sein, aber niemand darf es.

15.11.2016 um 17.40 – Allgemein box3 Gesellschaft Leben

body positiveIch habe eine Freundin, die nicht nur blitzgescheit ist, sondern zweifelsohne auch bildschön. Die Diamantin meines Bekanntenkreises sozusagen, vor Selbstbewusstsein strotzend und sogar objektiv betrachtet makellos, von innen und außen. Bloß strahlt sie genau das auch aus, seit der Grundschule schon, weshalb sie wahre Frauenfreundschaften laut eigener Aussage bis heute an etwa einer Hand abzählen kann. Das ist keine Ausrede, jedenfalls musste ich meine eigene Vermutung, nämlich jene eines möglichen Lecks in Sachen Sozialkompetenz ihrerseits, schnell über Bord werfen; schon mehrere Male konnte ich nämlich live dabei zusehen, wie männliche Mitmenschen sich den Hals nach ihr verdrehten, während die anwesenden Damen nichts als abwertende, von Angst geplagte Blicke für die sauschlaue Schönheitskönigin übrig hatten. Das klingt jetzt hoch gestochen, aber ich meine das so, denn wer ausschließlich hübsch daher kommt, wird nur selten als Bedrohung wahrgenommen, stimmt aber das Gesamtpaket: Panik, big time.

Das lassen wir jetzt einfach mal so im Raum stehen, weitere Beobachtung führen uns nämlich geradewegs in eine viel interessantere Einbahnstraße. Wer das mediale Zeitgeschehen derzeit aufmerksam verfolgt, wird wohl kaum an all den lauten Parolen für mehr Selbstbestimmung, Selbstliebe und Selbstsein vorbei gekommen sein, der weiß um den aktuellen, mitunter bis über die Grenzen hinaus vermarkteten Body-Positive-Chor, in den sämtliche Meinungsmacher gerade eifrig einstimmen. Wir begrüßen diese Entwicklung, sehr sogar, bloß frage ich mich zunehmend, ob besagter Appell überhaupt verstanden wurde. Alle sollen schön sein, aber (so gut wie niemand) darf es? weiterlesen

Gesellschaft // Trump ist kein amerikanisches Problem

14.11.2016 um 11.01 – box1 Gesellschaft Leben

populismus 2016Donald Trump mag Amerikaner sein, ein uramerikanisches Problem ist er aber nicht. Auch in Europa verbreiten Menschen wie Le Pen, Petry und Co Hass auf alles, was nicht wie sie ist und denkt. Nun ist es an uns, aktiv zu werden – in der Familie, im Bekannten- und Freundeskreis.

Zum zweiten Mal in diesem Jahr bin ich mit einem okayen Gefühl ins Bett gegangen, mit einem Gefühl des „Wird schon“. Um dann am nächsten Tag aufzuwachen und festzustellen: Wird eben nicht. Das erste Mal war der Tag nach dem Brexit-Referendum am 23. Juni. Das zweite Mal war der 9. November, für Deutsche sowieso ein historisches Datum – und nun auch für die USA. Love trumps hate hieß es noch nach dem Amoklauf in einem LGBT-Club in Orlando diesen Sommer. Nun hat der Hass gesiegt, die Angst vor Veränderungen, das Misstrauen. Donald Trump wird der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Zum zweiten Mal in diesem Jahr fragte ich mich, wie ich und so viele andere uns so täuschen konnten. Ich bin Politikwissenschaftlerin und Journalistin, eigentlich eine ganz gute Mischung, um Fakten zu analysieren, einzuordnen und vor allem Umfragen kritisch zu betrachten. Trotzdem habe ich nicht mit dem gerechnet, was nun passiert ist und stehe ratlos da: Wie konnte das passieren? Und was kommt jetzt? Was kann ich tun? weiterlesen

Kolumne // Entweder ich spinne,
oder meine Wohnung hat Ohren.

02.11.2016 um 11.33 – box3 Gesellschaft Leben Technik

facebook spionageWeil wir kein Technikblog sind, wollte ich die nun folgenden Gedanken zunächst beiseite schieben und weil ich mich außerdem nicht mehr für Technik interessiere als für Royals, war ich mir schnell sicher, mir würde außerdem die nötige Expertise für ebendieses Vorhaben fehlen. Jetzt wird es mir aber langsam zu bunt. Oder besser: Verrückt. Denn entweder mein Hirn hat sich jetzt endgültig dem Wahnsinn verschrieben und sich von kritischen Stimmen, Verschwörungstheoretikern und diversen U.S.-amerikanischen Politserien infiltrieren lassen, oder mein Handy hört, was ich sage. Obwohl, vielleicht ist es auch der Laptop. Oder das Tablet. Jedenfalls muss irgendetwas in meiner Wohnung Ohren haben, etwas, ohne Beine und Arme. Etwas, das eigentlich stets zu meinen Diensten sein sollte, statt mich auszuspionieren. Schon klar, man könnte sich in diesem Moment natürlich fragen, ob die werte Modebloggerin wohl eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen habe, besser wäre das wohl; so ein bisschen Irrsinn ist bei so viel Internet im Alltag immerhin nicht auszuschließen. Das war ehrlich gesagt auch mein erster Gedanke. Aber es scheint mittlerweile tatsächlich so, als habe sogar das, worüber ich schlafanzugtragend am Frühstückstisch spreche, Einfluss auf den Werbe-Algorythmus meiner ganz persönlichen Facebook Timeline. Ich habe das Treiben, nachdem ich skeptisch wurde, etwas genauer unter die Lupe genommen. Eine ganze Woche lang. Und die sah, grob zusammengefasst, so aus: weiterlesen

Kolumne // Liebe ist wie Süßkram
aus der Papiertüte

26.10.2016 um 12.30 – box3 Feminismus Leben

IMG_8981Ich hatte schon ein paar feste Freunde, etwa vier richtige waren es, und manchmal überkam mich die seltsame Panik, ich könne dennoch so etwas wie ein leichtes Mädchen sein, weil zwischen ebendiesen Partnern auch immer wieder Nicht-Partner für gelegentliches DVD-Schauen auftauchten, meist dann, wenn ich lieber Single als zweisam war, aber eben doch nicht auf sämtliche Vorzüge des menschlichen Miteinanders verzichten wollte. Erstaunlich auch, dass ich das lose Anbändeln irgendwann nicht nur als etwas exotisches betrachtete, das man lieber nicht an die große Glocke hängt, die Leute hätten ja tuscheln können, sondern das In-Einer-Beziehung-Sein im gleichen Atemzug als etwas empfand, das gesellschaftlich irgendwie akzeptierter schien. Jedenfalls fiel es nicht immer leicht, zu erklären, dass XY vermutlich nicht mein Zukünftiger werden würde und zwar einfach darum.

Weil es Phasen in meinem Leben gab, in denen ich lieber Chips im Bett aß, während meine beste Freundin sich auf dem Sessel gegenüber die Fußnägel lackierte, als einem Mann Auskunft darüber zu erteilen, weshalb ich die nächsten zwei Wochen lieber für mich allein buchen würde. Was war ich also froh, als ich endlich mein vermeintliches Deckelchen fand, den Vater meines Kindes nämlich, und dass ich fortan an Pärchen-Tischen sitzen konnte, ohne eine Verkuppelungs-Angst im Nacken zu spüren. Zuvor hatte ich hin und wieder einen Julius kennenlernen oder meinen Nachtisch mit Torben teilen müssen. Alles paletti also, puh. Bis zur Trennung, die Topf und Deckelchen einvernehmlich entschieden, weil aus einer Papiertüte voll bunter Liebe eine leere Tüte geworden war, eine, in der es immerhin noch nach tiefer Freundschaft roch. Da ging die Farce von vorne los. Und Achtung, jetzt kommen wir nämlich zum Knackpunkt, denn wie man es macht, macht man es offenbar falsch oder zumindest entgegen jeder Logik. weiterlesen

Brain Blah // #NoMakeUp
Sag mal, gehts dir nicht gut?

20.10.2016 um 14.24 – Beauty Feminismus Leben

#nomakeup

„I hope to God it’s a revolution. Cause I don’t want to cover up anymore. Not my face, not my mind, not my soul, not my thoughts, not my dreams, not my struggles, not my emotional growth. Nothing.“ Mit ihrem Essay für das Newsletter-Projekt Lenny Letter hatte Alicia Keys sich Ende Mai in die Herzen sämtlicher Frauen geschrieben. Die Musikerin entledigte sich damals pünktlich zur neuen Singleauskopplung „In Common“ ganz öffentlich jeglicher Schminke, selbst auf dem dazugehörigen Plattencover war und ist kein Gramm Puder zu erkennen: „I swear it is the strongest, most empowered, most free, and most honestly beautiful that I have ever felt“, kommentierte Keys später ihre Entscheidung, aus der als logische Konsequenz recht bald die #NoMakeUp Bewegung entsprang.

Frauen aus aller Welt posten sich seither passend zum Hashtag ganz so, wie die Natur sie schuf: ungeschminkt. „Wunderbar“, dachte ich damals schnell, bis ich kurz darauf ins Hadern geriet: Läuft da nicht mächtig was schief, wenn das Natürliche plötzlich als Ausnahme gilt und sogar ganz öffentlich zelebriert werden muss, um überhaupt wieder als salonfähig zu gelten? weiterlesen

Wir fragen, ihr antwortet //
Können wir auf eine gesunde Art
mit dem Konsum Freundschaft schließen?

04.10.2016 um 13.06 – Gesellschaft Leben Mode

IMG_1769Hi, ich bin Pia, Mediendesignerin und Markt- und Werbepsychologin. Zwei Seelen wohnen, ach!, in meiner Brust: Ich liebe Kleidung, Kunst und tolles Design, entwickele aber eine stetig zunehmende Antipathie gegen Kommerz, Fast Fashion und das Zelebrieren von Lifestyle-Konsum. Wie geht das zusammen, fragt Nike, können wir auf eine gesunde Art mit dem Konsum Freundschaft schließen? Ein Erklärungsversuch.

Irgendwo in der deutschen Blogosphäre, wo genau weiß ich leider nicht mehr, habe ich vor kurzem einen wundervollen Satz gelesen, der lautete in etwa so: „Ich liebe Mode für diese Momente, in denen man in den Spiegel schaut und durch die neuen Kleider auf einmal die Frau sieht, die man auch sein könnte“. Bäm! Treffer, versenkt. Dieser Satz bringt es auf den Punkt, finde ich. Mode ist so viel mehr als Ästhetik und Design: Es geht nicht nur darum, wie toll sich der Stoff anfühlt, wie meisterhaft er verarbeitet ist, was die rein physische, ästhetische Kombination aus Stoffen, Farben und Schnitten über alle Sinneswahrnehmungen in der Psyche auslöst. Vielmehr noch geht es um das Lebensgefühl, das man sich mit Mode anziehen kann. Mode kann in einen kunstgeschichtlichen Kontext eingeordnet werden. Sie ist mit kulturellen Codes aufgeladen, die es uns erlauben, durch sie in neue Rollen zu schlüpfen. Mit einem Hoodie sind wir homie, im Slipdress lover, in Boyfriend Jeans friend. Dank weit fallender Anzughose und umschmeichelnder Seidenbluse werden wir zur smarten, schicken Businesswoman, nach getaner Arbeit werfen wir uns dann luftig leicht ein geblümtes Sommerkleid über, um den Hippie im Herzen nicht zu verlieren. Wer Meister dieses Spiels ist und seine Regeln kennt, kann diese Codes brechen und sie sich kreativ zu Eigen machen. Die kulturell geteilten und medial vermittelten Codes, die in Kleidungsstücken und schönen Designobjekten für uns greifbar werden, helfen uns dabei, unser Selbst zu erweitern, unsere Identität zu konstruieren und damit zu spielen. Das ist eine tolle Sache, so kann Kleidung unser Leben bereichern und uns dabei helfen, uns selbst und der Welt zu signalisieren, wer wir sind. Und wer wir sein wollen. weiterlesen

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Brain Blah // Endlich werden wir wieder
politisch, streiten und fluchen.

29.09.2016 um 11.56 – Feminismus Gesellschaft Leben
freundschaften und politikBild: Louis Vuitton

Vor ein paar Monaten bekam ich eine Nachricht von einem alten Klassenkameraden, wir hatten noch immer 51 gemeinsame Freunde auf Facebook. Zehn Zeilen später waren es nur noch 50. Dank einer ziemlich simplen Frage: Ey, du. Der Thomas ist übergeschnappt, springt für die AfD in die Bresche – kann man das noch tolerieren? Ich dachte nicht nach, sondern kommentierte die jetzt unübersehbare Sympathie-Bekundung zum politischen Abgrund Deutschlands scharf und drückte alsbald den Unfriend-Button. Es war noch nicht einmal eine weise Überlegung, den einstigen Pausenclown aus meinem virtuellen Leben zu löschen, vielmehr handelte es sich um einen natürlichen Reflex und ein bisschen auch um Selbstschutz. Braunes Gedankengut, und sei es noch so geschickt im Deckmantel christlich-konservativer Werte verpackt, treibt mich an die Kotzgrenze und ich hasse es wirklich, mich zu übergeben.

Ob politische Differenzen Freundschaften zerstören können, gerade jetzt, in Zeiten der rechten Hipster, Frauke Petrys, Le Pens und Trumps, darüber diskutierte man in meinem Umfeld fortan vermehrt. Anfangs zögerlich, irgendwann bestimmt. Das „Ja“ fiel niemandem so richtig leicht, denn Freunde sind kostbar. Am Ende gewann dennoch die Gewissheit in tragisch-selbstsicherer Helge-Schneider-Manier: Ich habe mich vertan. Irren ist nunmal menschlich. weiterlesen

Kolumne //
Wir müssten viel mehr wie Toni Erdmann sein.

27.09.2016 um 18.33 – box1 Film Gesellschaft Leben

die neue kauzigkeit

Neulich saß ich im Kino und musste mich vor Lachen beinahe übergeben, ein Popcornkorn hatte sich beim heftigen Jauchzen zwischen Gaumen und Nase verirrt und klebte nun dort fest, Tränen schossen mir in die Augen, nicht aber vor Verzweiflung, sondern wegen dieser maximalen Wonne, die mir an Situationskomik beschert wurde. Ines Conradi gab auf der Kino-Leinwand als „Whitney Schnuck“ gerade lautstark „The Greatest Love Of All“ zum Besten, irgendwo in einem fremden Wohnzimmer, voller Inbrunst. Die Dame auf dem Platz neben mir versuchte währenddessen ihren Lachanfall durch heißblütiges Trommeln auf den Oberschenkeln ihrer Begleitung in den Griff zu bekommen, ein glückseliges Grunzen erfüllte den Saal.

Die deutsche Regisseurin und Drehbuchautorin Maren Ade hatte die Welt mit ihrem Spielfilm „Toni Erdmann“ zweifelsohne exakt in diesem Moment zu einer besseren gemacht. Eigentlich heißt der pensionierte Protagonist und Musiklehrer übrigens Winfried Conradi und hegt eine Vorliebe für schräge Scherze. Als sein Hund stirbt, macht er sich auf den Weg nach Bukarest, um die spießige Tochter vor der furztrockenen Einöde der Berater-Branche zu retten. Uns rettet er im gleichen Atemzug vor zu viel Heuchelei, zu wenig Freiheit und vergessenem Humor. Jeder von uns Zuschauenden wusste jedenfalls schnell, dass er gut daran täte, endlich mehr Toni in sein Leben einkehren zu lassen. Ein bisschen mehr Fuck Off eben. Und Mut zur Kauzigkeit. In den folgenden Tagen versuchte ich also, meinen inneren Erdmann häufiger nach außen zu kehren, statt ihn weiter zu ersticken. Wenn auch nicht immer erfolgreich. weiterlesen

Alltags-Sexismus & Geständnisse //
12 inspirierend-feministische TED Talks

ted talksVon den Geständnissen einer schlechten Feministin bis hin zum alltäglichen Sexismus.

Im Internet schwirren hunderte, nein, tausende von TED Talks herum. Ganz schön schwer, da den Überblick zu behalten: Welche der Vorträge sind es tatsächlich wert, angeschaut und geteilt zu werden? Na, diese 12 auf jeden Fall! weiterlesen

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