Kategorie-Archiv: Leben

Rückblick 2015
– die 12 beliebtesten Kolumnen 2015

– 04.01.2016 um 15.21 – box3 Gesellschaft Leben

die besten kolumnen 2015

Was ich an meinem Beruf eigentlich am allermeisten mögen würde, werde ich ziemlich häufig gefragt, denn natürlich lechzt der ein oder andere Naseweis geradezu danach, mir sämtliche Cupcakes und Superschuhe im wahrsten Sinne des Wortes auf der Zunge herum drehen zu können.  Glücklicherweise kommen mir selbige aber nur ziemlich am Ende meiner persönlichen Arbeits-Alltag-Hitliste in den Sinn. Es ist viel eher die Liebe zum geschriebenen Wort, die mich an Bratpfannen-Tagen aus der Gehirnsalatsuppe fischt und immer dann zum Hoffnungsschimmer avanciert, wenn vor lauter Mails kaum Spaß in Sicht ist. Nach Feierabend verkrieche ich mich dann gern mit ein, zwei Gläsern Rotwein in meiner Schreibecke und tippe mal schnittig-schnippige Kommentare, mal pathetische Möchtegern-Weisheiten und ab und zu auch noch größeren Unsinn als die Menschheit ertragen kann. Ein paar wenige dieser Texte landen regelmäßig in unserer Kolumnen-Kategorie und werden überraschenderweise wie wild geklickt. Die 12 beliebtesten Beiträge, darunter auch Gedanken von Scalamari, seht ihr nach dem Klick.

Mich plagt jetzt nur noch eine Frage: Wie soll es in Zukunft weitergehen? Es ist nicht so, als würden mir nicht hundert weitere Themen in den Fingern kribbeln, bloß habe ich mich tragischerweise irgendwann in den beinahe unbesiegbaren Spagat zwischen Fiktion und persönlichen Erfahrungen begeben. Ständig muss ich aufpassen, was ich schreibe, weil jedes Wort automatisch als Tagebucheintrag gelesen wird. Was logisch ist, aber nicht immer richtig. Das blockiert und ist ein ziemlich beschneidendes Gefühl, um hier mal bei einer ordentlichen Portion Drama und Pathos zu bleiben. Ich könnte mir jetzt also ein Pseudonym zulegen, aber ihr würdet es höchstwahrscheinlich schneller merken, als der erste Satz beendet wäre. Tabula Rasa? Alles auf Anfang und hemmungslos drauf los tippen, ohne Rücksicht auf Verluste? Möglich, aber auch ein bisschen schmerzhaft. Wir werden sehen – 2016 wird jedenfalls ein wildes Jahr und wir nehmen niemanden lieber mit als euch ♥ weiterlesen

KOLUMNE // Brauche ich ein Post-Beziehungs-Knigge?

– 10.12.2015 um 9.05 – Leben

sclamari knigge kolumneWas passiert eigentlich wenn der Beziehungsdrops offiziell beidseitig aufgelutscht ist, die Scherben weggekehrt wurden und jeder wieder seine eigene Single-Suppe kocht, dabei immernoch mehr oder weniger stark aus kleinen oder großen hinterlassenen Fleischwunden am offenen Herzen blutet. Immerhin teilt man sich ja leider noch die gleiche Stadt, die gleichen Social Media Plattformen, den gleichen Freundeskreis und häufig sogar den gleichen Planeten. Ist es überhaupt möglich den guten alten „Schlussstrich“ unter das „uns“ zu ziehen – oder handelt es sich da eher um den ewigen Schlusskreis? Und geht das dann nur mit hochgezogener Mauer durchs ehemalige Liebesland? Oder kann man sich da irgendwie „arrangieren“ – und will ich das überhaupt? Mit Ende zwanzig kannst du ja schlecht im Morgengrauen mit dem Schlüssel an seinem Kia Picanto langratschen, nein, da benimmt man sich so erwachsen wie möglich. Richtig? Aber gibt es für die täglichen Post-Beziehungs-Konfrontationen eine offizielle Guideline, einen Knigge oder ein Tafelwerk woran man sich krallen und sich im Zweifel vor Gericht berufen kann? Was würde Drake tun, ist doch hier die Frage? weiterlesen

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Brain Blah //
Der Hutkarton voll alter Liebe

– 25.11.2015 um 17.47 – Leben

liebeIch besitze einen alten Hutkarton, den ich nur sehr selten öffne, eine Büchse der Pandora sozusagen, deren Inhalt auf mich ganz ähnlich wirkt wie ein Tropfen feinster Vodka auf einen trockenen Alkoholiker. Auf dem Deckel kleben Weinränder und das einstige Weiß des Kartons gleicht jetzt den fleckigen Wänden einer Kettenraucherwohnung. Vielleicht, weil wegen dieser kleinen Kiste tatsächlich so viele Zigaretten vor die Hunde gegangen sind. Und noch mehr Pinot Grigio von Rossmann. Handgeschriebene Liebesbriefe schlummern in ihr, auch eine kurze Schlussmach-Notiz, Erinnerungen, viel Müll wie Konzertkarten, ein Ring, selbstgedreht aus dem Aluminiumpapier einer Bierflasche und Fotos. Die meisten zeigen Menschen in Zweisamkeit, einer davon bin immer ich. Der Hutkarton ist die letzte Ruhestätte meiner jugendlichen Verliebtheiten. Eine Chronik der gescheiterten Konservierungsversuche von etwas, das man „für immer“ nennt. Hat natürlich nie geklappt. Zu bereuen gibt es trotzdem nichts und genau das ist das Problem.

Die meisten meiner Freundinnen sind ziemlich froh, wenn einer ihrer Exfreunde das Land verlässt, je weiter das Ziel entfernt ist, desto besser. Eine der besonders Traumatisierten hat es einst fertig gebracht, ganze sieben Minuten lang unter unserem Tisch nach imaginären Kontaktlinsen zu suchen, bloß weil Jonas, „der Irre“, plötzlich am anderen Ende des Restaurants auftauchte. Wieder eine andere findet, ihr Männergeschmack sei Jahre lang konstant schlechter geworden, beim Gedanken an Verflossene werde ihr außerdem manchmal ganz heiß vor Ekel. Ich hingegen winke meist wie eine dieser Chinakatzen, sobald einer der Ritter meiner Vergangenheit im Anmarsch ist. Glück im Unglück, Segen und Fluch zugleich, aber vor allem eins: irritierend. Weil man zwar loslassen, aber nicht vergessen kann. weiterlesen

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Was ist wirklich sexy?
Calvin Klein Underwear x Zalando – #Shareyoursexy

– 19.11.2015 um 8.43 – Leben

shareyoursexy_nikejane

„Du bist verhaftet wegen sexy“, ich höre Olli Schulz noch immer schnodderig diese Zeilen singen, noch schlimmer trifft es meinen Gehörgang bei „Right Said Fred“, schön ist bloß, dass Westenhagen wohl auf ewig alles für uns tun würde. Was ich sagen will: „Sexy“ ist ein Wort, das lange Zeit zu unrecht gescholten und als Ausdruck gänzlich oberflächlicher Anziehungskraft missverstanden wurde. Zu verdanken haben wir diesen Umstand zu großen Teilen der Übersexualisierung sämtlicher Massenmedien, in denen Sexappeal beinahe immer auf äußerliche, gern halbnackte Reize reduziert wird. Dabei läuft der Hase eigentlich ganz anders. Ein Busen ohne Charakter ist kein schöner Busen und das Wichtigste ist noch immer der Kopf, vor allem das, was drin steckt. Das sehen auch Zalando und Calvin Klein Underwear so, deren gemeinsame Kampagne bekam gerade erst den Hashtag und gleichnamigen Titel #SHAREYOURSEXY verpasst – ein Aufruf an alle da draußen, ihre eigenen Vorstellungen von einem Begriff kund zu tun, der es streckenweise wirklich schwer hatte. Schluss damit. Optische Reize mögen zwar nicht komplett unerheblich sein, im Vergleich zu alldem, was an hocherotischer Ausstrahlung jedoch in unserem Innersten steckt, stellen sie zusammen genommen aber glücklicher Weise nur die allerkleinste Kirsche auf der Sahnetorte sämtlicher Pluspunkte dar.

Deshalb sollen wir diesmal selbst Stellung beziehen und der Welt verraten, was wir als wirklich, wirklich sexy empfinden. Oberflächlichkeiten spielen hierbei die geringste Rolle, das Puerto Ricanische Übermodel Joan Smalls darf im Behind the Scenes Video zur Kampagne meines Erachtens also gern ihre Bauchmuskeln zum Besten geben, Hüllen sind in meinen Augen nämlich immer nur so heiß, wie das, was sich an echtem Grips dahinter verbirgt. Selbstbewusstsein zum Beispiel ist unschlagbar. Genau wie die Kunst des gepflegten Witzeerzählens.

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Kolumne //
Von Entscheidungsmimosen und der Liebe

– 04.11.2015 um 12.29 – box3 Leben

scalamari kolumneWo Entscheidungsmimosen wuchern, wächst kein Liebesfarn mehr

Mitternacht im Prenzlauer Berg, Helmholzplatz, Hinterhaus – In meinem Bett tindere ich mich mal wieder in den Schlaf. Es ist wie Schafe zählen, irgendwann fallen beim monotonen Swipen die Augen dann zu. Nope, Nope, Nope, Nope – ah was mit Tieren – like – MATCH – gute Nacht. Getroffen habe ich mich noch nie mit einem, obwohl ich schon oft kurz davor war – aber kurz vor was? Kurz vor Kaffee? Kurz vor Sex? Kurz vor verlieben? Oder kurz vor kompletter Desillusionierung? Ich sage es euch, die Dating-Straßen der Stadt sind gepflastert mit Missverständnissen und Befindlichkeiten. Die Kunst Single-Berlin zu kapieren, ist so schwer wie sich beim Engtanz nicht vom Nachbarn vollschwitzen zu lassen. Also quasi unmöglich. Aber wem erzähle ich das. Zeit ein paar Regeln aufzustellen, Großstadt-Phänomene einzuordnen, alte Romantik-Zöpfe abzuschneiden und fehlkonstruierte Gefühls-Mauern niederzureißen. Und wofür? Für die Liebe! Die echte, motherfucking ewige Liebe – natürlich. weiterlesen

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Protokolle aus dem (Liebes)Leben //
Darüber, dass ein Mann manchmal nicht genug ist

– 30.09.2015 um 10.51 – box2 Leben

11373672_1699028843664632_336418271_nKiki sitzt in einem Café neben mir, wache Augen, dunkles langes Haar, ein ordentlicher Seitenscheitel, aber Sorgenfalten auf der Stirn. Kann ich mir kurz den Zucker borgen? fragt sie mich, während ihre Freundin immer lauter wird und damit beschäftigt ist, nach Luft zu schnappen: Du musst dich entscheiden, Herrgott. Was ich als Tischnachbarin denn eigentlich von dieser Geschichte halten würde, raunt es mir entgegen. Ich höre zu, eine Stunde lang – Der Anfang von „Protokolle aus dem Leben“. Ich verabrede mich mit Kiki, selber Ort, gleiche Zeit, bloß zwei Tage später. Und sie fängt nochmal von vorn an:

„Es ist doch so, das halbe Leben dreht sich darum, den richtigen Partner zu finden, um irgendwann häuslich zu werden, Kinder zu kriegen und für immer zu zweit zu sein. Ich wäre aber ganz ehrlich lieber zu dritt. Was ein Problem ist, schon allein wegen unserer Sozialisierung, man muss erstmal jemanden finden, der das versteht, geschweige denn mitmacht. Angefangen hat das alles eigentlich mit meinem Exfreund. Wir waren ein Traumteam, aber irgendwann fragte er mich, ob ich mir eventuell vorstellen könnte, ab und zu mit anderen zu schlafen, er denke nämlich manchmal selbst darüber nach, nicht, weil er den Akt an sich mit mir nicht wunderbar finden würde, sondern weil er nach viel hin und her eingesehen habe, dass Monogamie irgendwann zwangsläufig zu Seitensprüngen führe, ich solle bloß mal einen Blick auf die Statistiken dieser versauten Erde werfen. weiterlesen

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Wo bleiben denn
die kritischen Artikel?

– 29.10.2014 um 12.13 – Leben Wir

konsumGestern ist etwas Wunderbares passiert, denn unter einem Beitrag von Scalamari Jane über das Alleine-Reisen erhitzen sich gleich mehrere Gemüter – einige ein bisschen zu voreilig, jedenfalls wenn mich fragt, andere allerdings völlig zu Recht. „Wo bleiben denn die kritischen Artikel“, fragte da jemand, und „werdet ihr jetzt wie andere Modeblogs“? Im allerersten Augenblick muss man da als Mit-Verantwortliche für dieses Schlammassel natürlich kräftig schlucken und mitunter auch heimlich ein paar Wut-Bröckchen zurück dorthin schicken, wo sie herkommen, man ist geneigt „Na hört mal, ihr dürft das hier alles umsonst lesen, also beschwert euch nicht!“ durch den Bildschirm zu brüllen, aber bevor es überhaupt zu Sinnlosigkeiten wie diesen kommen kann, schaltet sich in solchen Situationen freundlicher Weise doch wieder das Gehirn ein. Wie wundervoll ist das denn eigentlich? Wir sind nämlich ganz offensichtlich nicht wie „alle anderen Modeblogs“, denn wir haben euch. Schlaue Fuchs-Leser, die sich keineswegs mit Shopping-Plattitüden zufrieden geben wollen, zumindest nicht ausschließlich.

Es gibt nur ein winziges Problem: Als erste Motz- und Schwadronier-Beauftragte des Jane Wayne Teams schwächle ich gerade wie nie zuvor. Und das hat gleich mehrere Gründe. weiterlesen

Interview // Was soll ich nur essen?
Zu Besuch im Botanischen Salon Berlin

– 05.08.2014 um 10.00 – box1 Leben Rezept

scalamari

Wenn ich mich in den Biomarkt bei mir um die Ecke verirre, erfüllen die drahtigen Prenzlauer Berg Muttis mit ihren rotbäckigen Kids meistens jedes Klischee, was ich von Öko so habe. Ich will sie dann immer antippen und fragen: „Ist das Zeug was es hier zu kaufen gibt wirklich so viel besser? Besser für wen? Für mich, für den Planeten, für die Menschheit oder den Geldbeutel der Bioindustrie?“ Ich bin komplett überfordert mit dem Angebot an Lebensmitteln und pseudogesunden Ernährungsformen, die durch die Regale und Zeitungen geistern. Wie denn jetzt? Vegan? Raw? Glutenfrei? Oder doch einfach so wie’s grad in den Einkaufskorb fällt? Zeit also, mehr Licht ins Dunkle zu bringen.

Erste Etappe meiner neuen Reise – ich besuche den Botanischen Salon in Berlin Treptow. Erst seit kurzem betreiben Ela Papen und Jana Plewa diesen Raum, eine Art Kochschule für gesunde Ernährung in einem von der Französischen Lebensart inspirierten Salon, in dem man sich austauscht und lernt welche Lebensmittel, welche Zubereitungstechniken und welche natürlichen Tricks dem Körper gut tun. Ich nehme am vielversprechenden Kurs „Smoothies – das Botanische Frühstück“ teil und nutze die Gelegenheit zwischen selfmade Chia Pudding, Wildkräuterkunde und „Roh-Schoko-Erdmandelmilch“-Herstellung, um Ela mal ein paar gepfefferte Fragen zum Thema zu stellen – und Ela antwortet gepfeffert zurück: weiterlesen

Der Schönheitswahn auf Instagram
& die etwas kranke Perfect 365 App

perfect-365Gestern Morgen schlawänzelte ich nichtsahnend und ein bisschen müde ins MTV Büro, wie jeden Montag eben, bloß hatte ich diesmal schon wenige Sekunden nach meiner Ankunft Pipi in den Augen stehen und kugelte mich vor Lachen, ein Kollege hatte nämlich die App „Perfect 365“ entdeckt und sich mithilfe diverser Bearbeitungs-Tools ein Elfen-Gesicht samt Wallemähne gezaubert. Zum Schießen, wirklich. Leicht zu beeindrucken wie ich manchmal bin, dauerte es demnach also keine weiteren zwei Minuten bis auch ich in Besitz der vermeintliche Quatsch-App war, mich munter frisierte und tropische Make Ups passend zur Copacabana bestaunte. So weit, so witzig. Dann entdeckte ich allerdings eine ganze Palette erschreckend natürlich wirkenden Filter, die sich wie Feenstaub auf mein Gesicht legten: Jeder Makel wird mit einem einzigen Klick determiniert, auch Tränensäcke, dafür gibt’s Gratis-Blush in Sekundenschnelle, Endlos-Wimpern und eine dezente, aber wirksame Gesichts-Form-Korrektur. 

Irgendwo zwischen „Hammer, jetzt muss ich mich nie mehr für ein Foto schminken“ und „Oh Gott, die Welt ist ein einziger Fake“, dämmerte mir, dass diese App wirklich und wahrhaftig ernst gemeint ist. Ich überlegte sogar eine Sekunde lang, diese sagenhafte Entdeckung für mich zu behalten, erschrak glücklicherweise aber sehr schnell vor meinem eigenen Nagel im Kopf und fragte mich gleichzeitig, wer in meinem Umfeld wohl schon längst mit „Perfect 365“ fudelt. weiterlesen

Die Sache mit den ständigen Rechtfertigungen & der Magie des Materiellen.

– 02.07.2014 um 13.00 – Allgemein box1 Leben Mode

chanel-boy-bagLetzte Woche stand plötzlich eine meiner liebsten Freundinnen vor der Tür, leicht panisch, ein bisschen verknallt und sehr, sehr ratlos. Man kennt das ja: Mit Mitte 20 schrumpft die geistige Leistungsfähigkeit im Angesicht eines gut aussehenden bärtigen Mannes etwa auf die Größe eines vollpubertären Spatzenhirns. Ähnliches war ihr ein paar Tage zuvor selbst passiert. Die Aufregung vor dem nächsten Date maximierte sich daraufhin im Minutentakt und auch die Bedeutsamkeit der Frage nach der richtigen Tasche zum richtigen Outfit und der richtigen Frisur erlangte titanische Ausmaße. „Kannst du mir deine schlichte schwarze Umhänge-Dingsda leihen, bittebitte?“, schnappatmete es aus dem Freundinnen-Mund, während mir ein paar wibbernde Finger eine Chanel Boy Bag entgegen hielten. „Du kannst so lange die hier haben, die magst du doch, oder?“. Ich wurde jetzt auch leicht panisch. 

Ganze fünf Minuten lang schwieg ich (Boy und ich standen noch immer wie festgenagelt im Flur) und sah der Verknalltüte aus der Ferne dabei zu, wie sie dreiundzwanzig Mal um meinen Wohnzimmertisch herum kreiste, während sie sieben Mal ihren Haarknoten löste, wieder zusammen steckte, löste, wieder zusammen steckte und mich dann bierernst ansah, um die Quintessenz ihrer Sorgen auf den Punkt zu bringen: „Wenn ich da jetzt mit meiner Chanel auflaufe, dann denkt der doch, ich hab‘ nur Stroh und Tussikram im Kopf“. Sie ahnte ganz offensichtlich, dass ich ihr nicht wenige Sekunden später einen Vogel hätte zeigen wollen und irgendetwas von wegen „Jetzt bist du übergeschnappt, anders kann ich mir nicht erklären, dass du meinen Vintage-Eumeln vorziehst“, geblubbert hätte. Jetzt aber verschluckte ich all meine geplanten klugen Worte und glotze nur blöd und Antwort-suchend in der Gegend herum. Wie Recht sie doch womöglich hatte. weiterlesen

Die Sache mit dem Alltags-Sexismus //
Pfeif mich nicht an, denn ich pfeif nicht zurück.

– 18.06.2014 um 14.23 – Allgemein Feminismus Leben

alltags-sexismusWie man es macht, man es falsch, das ist klar und ganz gewiss gibt es immer jemanden, der irgendetwas zu meckern hat, egal was man tut oder lässt, das ist wahrlich keine große Überraschung, sondern ein Grundsatz, über den selbst Harald Martenstein ganze Lieder singen könnte. Logisch also, dass ich seit der Veröffentlichung diverser Artikel, zum Beispiel jenem über diesen ominösen „Feminismus mit Titten“, immer wieder auf ganz abstruse Gegenstimmen stoße, auf feine, wohl dosierte Seitenhiebe. Ganz getreu dem Motto: „Mädchen, wo liegt eigentlich dein Problem, ist doch alles Friedefreudeeierkuchen hier in Deutschland“. Ach ja? Andere argumentieren „Ach weißt du, ich beschäftige mich gar nicht groß mit diesem Thema, ist für mich halt selbstverständlich.“ Der Haken an beiden Einstellungen ist bloß folgender: Gleichberechtigung zwischen den Menschen, also das, wofür ein gesunder Feminismus nun mal stehen sollte, ist auch 2014 noch ein kleines aber feines Märchen, eine Utopie, die selbst Oma und Mami noch längst nicht zur blumigen Realität reden, kämpfen und machen konnten. Vor allem im täglichen Miteinander zwischen Männlein und Weiblein und allem dazwischen.

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Girls Talk // Kappen statt Tampons?

– 27.05.2014 um 10.48 – box2 Feminismus Leben

periodeDas hier wird jetzt für die meisten von uns ein bisschen unangenehm. Denn die meisten von uns reden nicht über Dinge wie diese, schon gar nicht in der Öffentlichkeit und nur ganz selten mit den eigenen Freundinnen. Die meisten von uns finde das, was „da unten“ so während der Periode passiert sogar „eklig“ und „abstoßend“ –  ist ja schließlich etwas, „das man bitte mit sich selbst ausmachen sollte“. Im Iran glauben laut einer Studie angeblich rund 48% der jungen Frauen, „Menstruation“ sei eine Krankheit, in Kenia ist es menstruierenden Frauen sogar noch immer nicht erlaubt, Kühe anzufassen – aus Angst, die Tiere könnten sich anstecken, krank werden oder sterben. Woher rührt (neben der fehlenden Aufklärung) die Panik und weshalb diese fiesen Berührungs- und Besprechungsängste? Weil’s blutet, schmiert und schmerzt, schon klar.

Und trotzdem gehört’s zum Leben dazu, zum Menschsein und so weiter. Ein Mal im Moment leiden wir also an PMS, wir schlürfen entkrampfenden Tee, schreien sinnlos Wände, Männer oder Verkäuferinnen an und stopfen das Loch mit Viskose-Tampons zu, quasi ganz automatisch. Über Alternativen denkt kaum jemand nach, höchstens über Binden. Und das, obwohl man doch eigentlich weiß, dass OBs & Co weder so richtig gut für das Innenleben unserer Scheiden, Mumus, Pflaumen sind (Nährboden für Keime und Bakterien), noch für den Abfluss und die Umwelt (10-15000 Tampons benutzt eine Frau nämlich in ihrem Leben). Bloß eine einzige mutige Amazone meines Freundinnenkreises hat sich vor gut einem Jahr gegen alle gängigen Konventionen und Hygieneprodukte wehren können und schwärmt seither regelmäßig von der sogenannten „Lunette Menstruationskappe„, erfunden von ein paar cleveren Finninnen. Und dann gibt es ja auch noch die Ruby Cups

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Gar nichts wird sich ändern,
wenn wir groß sind.

– 05.05.2014 um 12.44 – Allgemein Leben Wir

schwanger-hurraBevor wir hier in „das war der glücklichste Moment meines Lebens“-Phrasen ersaufen, mache ich es kurz: Wir bekommen eine Mini-Jane, die vielleicht aber auch ein Junge sein wird und ganz sicher einen anderen Namen bekommt. Wir wissen jetzt seit knapp fünf Monaten davon und nein, der Moment der Wahrheit glich weniger einem ekstatischen Freudentanz mit Tränen in den Augen als vielmehr einer unerwarteten Ufo-Landung inklusive euphorisiert-debilem Lächeln oben drauf. Passiert ja nicht alle Tage, sowas Unglaubliches und unglaublich wahnsinnig Schönes. Glücklicherweise sind meine Frauenärztin und ich uns einig: Das Schlimmste am Schwangersein sind andere Schwangere. Und das Schlimmste am Muttersein sind andere Mütter. 

Ich schwöre hiermit nämlich hoch und heilig, dass mein Kind sich künftig nicht ausschließlich mit Dinkelbrot vergnügen muss, dass mich keine zehn Esel zu so etwas wie einem Hechel-Kurs überreden können und mich auch niemand kurz vor der Geburt auf ein Trampolin mit Fototapeten-Hintergrund bekommt. Entgegen aller Vorurteile und Einwände muss nämlich jeder selbst entscheiden, wie er lebt, gebärt (urgh) und erzieht. Viele Millionen Frauen vor mir haben das alles außerdem auch schon geschafft, und zwar ohne viel Klimbim. Erinnert mich bitte an diese Worte, falls die Hormone doch noch am Hirn schrauben sollten.  weiterlesen

GIRLCRUSH- Interview // Ada Blitzkrieg –
und warum Feminismus das absolute
Must-Have des Lebens ist

– 28.04.2014 um 11.01 – BlogLove Feminismus Leben Menschen

Titel_Beispiel

So, heute traue ich mich kaum los zu schreiben, denn wir haben es diesmal nicht nur mit einem unserer liebsten Powergirls, sondern auch mit der Textkönigin schlecht hin zu tun: Ada Blitzkrieg aka Frau Textkrieg. Ada ist nicht nur freiberufliche Journalistin und schreibt allerlei feine Kolumnen, nein, sie verfügt außerdem über vierundzwanzigtausend Follower bei Twitter und ist noch dazu Autorin zweier Überflieger-Romane.

Wer auf Madame trifft, trifft also zweifelsohne auf eine waschechte Kreativitäts-Bombe, die sich in ein paar Wochen allerdings nach San Francisco verabschiedet. Wer Berlin längst erobert hat, muss schließlich nach neuen Herausforderungen suchen! weiterlesen

Die Sache mit der „Don’t mess with me“-Haltung

– 24.04.2014 um 10.55 – Allgemein Leben Wir

dont-mess-with-me-nike-van-dintherWenn jemand sagen würde „Don’t mess with me“, so richtig ernsthaft und aufrichtig und mitten raus, zum Beispiel in mein Gesicht, dann zweifelte ich vermutlich an der psychischen Konstitution jenes Menschen, aus dessen Mund diese viereinhalb Wörter da gerade gekrochen kämen. Sowas denkt man für gewöhnlich, manch einer schreibt’s sich auch ins Tagebuch oder rahmt ein Concept-Store-Poster mit selbiger Aussage ein, um es neben oder über den mit Schnittblumen geschmückten Eames Chair zu hängen, mag ja sein. Aber wer sagt denn sowas? Vermutlich niemand, weil man dazu ziemlich große Eier haben müsste, die aber irgendwie niemand zu haben scheint, außer vielleicht im Traum. Ich träume sehr häufig. Manchmal vor lauter Wut oder aus Verzweiflung.

Es ist nämlich so: Am liebsten würde ich ständig „Don’t mess with me“ schreiben und schreien. Gerne würde ich dann auch gehört und gelesen werden, damit ich mich nicht wiederholen bräuchte. Ich würde „Don’t mess with me“ mit Schwarzlichtfarbe auf meine Stirn kritzeln und mich regelmäßig unter blaue Glühbirnen stellen. Ich würde „Don’t mess with me“ denken und leben und mich nie wieder aus der Ruhe bringen lassen. DON’T MESS WITH ME. Nicht, weil ich nicht zu besiegen wäre. Sondern weil ich mich weigere, mitzumachen. 

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