Kategorie-Archiv: Leben

KOLUMNE // Der Social Media-Guide
für Turteltauben

21.03.2016 um 12.09 – box1 Leben Wir

scalamaris welt kolumneHeute gilt der Fokus mal ausnahmsweise nicht dem schnöden Leid der breiten Masse. Nein, ich nehme mich in dieser Ausgabe einer sozialen Randgruppe an – nämlich der für die Umwelt untragbaren Menschenkategorie „frisch verliebt“. Wir alle wissen längst, heute funktioniert nichts, und zwar nicht einmal oder schon gar nicht, die Liebe ohne Internetaustausch. Der Weg durch offene Love-Tabs ist gepflastert mit Missverständnissen und Wlan-Venus-Fallen.

Zeit, euch angry Love-Birds mal aus der Grauzone LiebesNetz-Kommunikation rauszuholen. Damit aus euch Turteltauben keine twitternden Idioten-Vögel werden. Nimm diesen Erfahrungs-Guide als streng liebevollen Schulterklopfer, du armes süßes Marzipanschwein. Nur so kann das alles überhaupt was mit euch beiden werden. weiterlesen

Fashion Tales //
Zeig mir deine Schuhe und ich sag dir, wer du bist.

25.02.2016 um 13.38 – Leben Mode

lieblingsschuhe

Ich habe mir stets große Mühe gegeben, nicht wie ein komplettes Modeopfer zu wirken. Oder wie eine Tussi. Oder wie jemand, dessen Gehirn ausschaut, als hätte man es mit einem Vakuumierer auf Rosinengröße zusammen geschrumpft. Ich ging außerdem jahrelang davon aus, die oben genannten Attribute seien untrennbar mit dem Geschmack einer Frau verknüpft, getreu dem Motto „Zeig mir deine Schuhe und ich sag‘ dir, wer du bist.“ Pinke Pumps – ciao, weiße Stiefel – klarer Fall, Blingbling – Prost, Mahlzeit. Ihr könnt euch sicher vorstellen, was passierte, als ich beim Aufräumen und Aussortieren meines modischen Hab und Guts jüngst einen Strauß aus Lieblingsschuhen auf dem Boden platzierte. Die totale Identitätskrise. Ich fragte mich, ob das da unten tatsächlich mein voller Ernst sein könne und ob ich sie überhaupt noch alle beisammen hätte. Wer würde beim Anblick dieses Fußschmuck-Potpourris schon vermuten, dass deren Besitzerin sich bei einem Konzert von Rage against the machine einst die Nase brach und trotz Blutspur bis zum Bauchnabel noch weitere zwei Stunden auf den Beinen stand. Heute stehe ich in Ballerinas, die Ohren haben. Goldene Ohren. Und eine Stupsnase.

Vielleicht ist es ganz einfach: Ein Schuh dient nicht als Spiegel unseres Charakters, sondern als Seismograph unserer Träume. Er zeigt, wie wir gern wären. Oder besser: Welcher verborgene Teil unserer ohnehin gespaltenen Persönlichkeit nach ein bisschen mehr Aufmerksam verlangt. Es folgt also: Eine kleine Analyse der Sehnsüchte in vier Schritten. weiterlesen

10 Anti-Materielle Ideen
für den Valentinstag

05.02.2016 um 12.00 – Leben

valentinstag geschenk ideen

Ich bin kein Freund der materiellen Geschenke für geliebte Menschen, wirklich nicht, nur manchmal, wenn es sich um wahrhaftige Herzenswünsche handelt, drücke ich beide Augen zu. Nun gehörte ich dementsprechend sehr lange zur Riege der Valentinstags-Verweigerinnen, Hauptsache Anti-Anti, man braucht ja schließlich kein hauptsächlich von der Industrie festgelegtes Datum, um in Romantik ersaufen zu dürfen. Im Grunde sehe ich das noch immer so, bloß bin ich es leid, ständig alles schwarz zu malen. Es ist nämlich so: Ich bin ehrlich gesagt einer dieser kompletten Alltags-Versager, die es oftmals nichtmal pünktlich zur Post schaffen, meist müssen nämlich hundert Dinge gleichzeitig erledigt werden. Ich achte zwar sehr auf kleine Aufmerksamkeiten für zwischendurch, aber so ein Tag, der sich ausschließlich um Schmetterlinge im Bauch dreht, kommt mir recht gelegen. Ein bisschen wie an Weihnachten, wo es völlig legitim ist, stundenlang nichts anderes zu tun, als Plätzchen zu backen und Bäume zu schmücken.

In Finnland feiert man am 14. Februar übrigens die Freundschaft. Und so eine Liebe ist im besten Fall ja auch das. Es spricht also nichts dagegen, ein wenig Schmalz auszupacken, für die beste Freundin, die heimlich verknallte Affäre oder den Einen. Zehn Ideen folgen hier – vielleicht plaudert ihr ja auch ein bisschen aus dem Nähkästchen, viele Köpfe haben schließlich mehr drauf als ein einziger: weiterlesen

Aufgefallen // Diäten statt Mode
– alles für die Klickzahlen

04.02.2016 um 11.50 – box1 Gesellschaft Leben

Diaet wahn magerwahn
Ich lebe selbstverständlich nicht im Wolkenkuckucksheim, mir ist also durchaus bewusst, dass die Welt der Brigitte-Diäten eine überaus erfolgreiche ist, der Modebranche, die noch immer nicht viel von physischer Diversität versteht, sei Dank. Bloß schwieg selbige besagtes Thema der Körperoptimierung durch Abnehm-Tricks bisweilen eher tot, als das gefährliche Feuer der Esskrankheiten im Deckmantel gut gemeinter Ernährungs-Ratschläge noch selbst zum lodern zu bringen. Ausnahmen gab es schon immer, vornehmlich im Lifestyle-Bereich, der eigentlich sehr geschätzten Grazia zum Beispiel trampelte ich erst im vergangenen Jahr schweren Herzen auf die Füße, weil deren Leserinnen sich plötzlich an fast schon geistesgestört absurden Geißelungen des eigenen Magens orientieren sollten, getreu dem Motto was für Promis gut ist, kann für uns Normalsterbliche nicht verkehrt sein.

 Seit einer Weile stößt mir aber vor allem das Online-Treiben hoch geschätzter, alt eingesessener Modemagazine übel auf. weiterlesen

Kolumne // Scalamaris Welt – Drei Freunde bei Wein am Tisch (und die Liebe)

03.02.2016 um 17.12 – Leben

scalamari jane kolumne

Kein Wunder, dass ich euch bei heiteren 8 Grad auf ganz, ganz dünnes Eis ziehe. In eine dunkle Ecke des Treuelandes hinter den Monogamie-Bergen auf die Selbstbestimmtheits-Avenue, auf der ich mich vor kurzem wiederfand und mir dabei ordentlich das Herz prellte.

Das Thema taute und tauchte auf als eine Beichte vor Freunden bei Wein, dass da seit vielen Jahren – selbst während Beziehungen – stets noch ein geheimer anderer Jemand im Spiel ist. Jemand, für den es nie eine sozial abnickbare, offizielle Schublade gab. Er ist weder Kumpel, noch fester oder bester Freund und wir sind mehr als Affäre. Mal sehen wir uns ständig und dann wieder wochenlang überhaupt nicht. Er ist Teil meines Lebens und ich seines, aber eben nur für uns alleine und still und ja – auch heimlich. weiterlesen

Brain Blah //
Stadt, Land, Frust.

01.02.2016 um 22.11 – Leben

stadt land frustGestern Abend habe ich aus gegebenem Anlass mit meinem besten Freund telefoniert, wobei ich eher einen lauten, aufgeregten Monolog hielt, zwanzig Minuten lang, über den für mich größten Grund nie wieder in die Heimat zu ziehen, den Supermarkt. Dieser 200 Quadtrameter weite Raum erscheint mir jedes Mal so vollgepumpt mit geistiger Winzigkeit, dass ich nach jedem einzelnen Besuch gewillt bin, einen Mandala-Malkurs zum Abbau meiner dort binnen weniger Minuten geschürten Super-Aggressionen zu belegen. Es ist ein bisschen wie im Streichelzoo, nur dass man im Angesicht dessen, was sich vor dem Gemüseregal und in den Gängen abspielt, nichts und niemanden streicheln, sondern nur noch weinen will.

Im Grunde bedarf es keiner weiteren Worte der Erklärung, an dieser Stelle kann man der eigenen Phantasie und sämtlichen Klischees getrost freien Lauf lassen, der Querschnitt des menschlichen Wurstsalats der Einöde ist nämlich genau so, wie man ihn sich vorstellt, jedenfalls in meinem Minidorf, das zu einem etwas größeren Dorf gehört, in dem es nochmal ganz anders zugeht. Hier aber wachsen hauptsächlich Beates und Renates, die ihre Einkaufslisten abarbeiten als gäbe es einen Preis zu gewinnen, gibt es ja auch, womöglich vom hungernden Ehemann, Männer sieht man hier im Übrigen kaum, dafür aber Umengen an ordentlich aufgedrehtem Haar, das auf festgefrorenen Gesichtern thront. Dazwischen wird über andere gegackert was das Zeug hält, wer Freund ist und wer Feind, lässt sich nur schwer raten, wer den besten Schwiegersohn hat, weiß man jedoch genau: „Der Micha baut jetzt auch ein Haus, der fährt auch ein schönes Auto, nett ist der,“ sowas hört man häufig. An kaum einem anderen Ort, der mir zugänglich wäre, scheinen die wirklich wichtigen Glücksfaktoren des Daseins so stiefmütterlich behandelt zu werden wie hier, es ist, als beschäftige man sich freiwillig tagein, tagaus mit Oberflächen, mit dem perfekten Gartenzaun zum Beispiel, damit man erst gar nicht Gefahr läuft, über den eigenen Horizont hinaus schauen zu müssen. Am Ende bekäme man noch Lebensdurst oder einfach Lust auf Veränderung und das käme einem sozialen Selbstmord gleich. weiterlesen

Kolumne //
Von Veränderungen & Basilikum-Menschen

13.01.2016 um 16.18 – box2 Leben

trennung
Ich wollte immer schreiben, weniger als Journalistin als vielmehr als Autorin, Gedanken teilen und diskutieren, ein bisschen von mir in all jene Themen und Texte stecken, die viel zu häufig wie trockenes Toastbrot behandelt werden, als existierten mehr Fakten als Gefühle, dabei ist es meist genau anders herum. Immer wieder trete ich mir bei diesem Unterfangen auf den eigenen Schlips, frage mich, wo überhaupt die Grenzen gesteckt sind, welcher Teil sämtlicher Gedanken nur mir allein gehören sollte, wie viel ich preisgeben darf, ohne ins Absurde abzurutschen und meiner Privatsphäre allzu sehr auf die Pelle zu rücken. Es kommt nicht selten vor, dass mir mehrere hundert Zeilen in den Fingern kribbeln, obwohl ich am Ende keine einzige davon zu Papier bringe. Weil immer irgendetwas blockiert, am meisten die Angst. Dabei sollte selbige 2016 endlich aus meinem Leben verschwinden.

Vor ein paar Wochen saß ich mit einem von mir angebeteten Kolumnisten bei Keksen und Tee zu Tisch, meine Zweifel stießen auf wenig bis kein Verständnis. Du wirst nie gut sein, wenn du in deinem eigenen Käfig sitzt. Raus da, frei sein. Explodieren. Lass die Worte, die in deinem Kopf sitzen, nach draußen, das bist du ihnen schuldig.  weiterlesen

Fair Friday //
5 Tipps für mehr Nachhaltigkeit

08.01.2016 um 8.40 – Leben Nachhaltigkeit

julia koch

Ich mag den Beginn eines neuen Jahres. Überhaupt den Beginn von etwas Neuem. Alles auf Anfang, neue Chancen, neue Risiken und ohne Ballast neu starten. Deshalb nehme ich mir auch nichts vor, bevor das neue Jahr begonnen hat und setze mich so oder so auf keinen Fall unter Druck.

Für mich funktioniert das gut und genauso bin ich vor Jahren auch die Sache mit dem Veganismus und der Nachhaltigkeit angegangen: In meiner eigenen Geschwindigkeit und mit vielen kleinen Schritten. Hier sind 10 Tipps, mit denen auch ihr im neuen Jahr mit mehr Bewusstsein für unser Umfeld durch den Alltag stapfen könnt und ganz nebenbei noch etwas Gutes für euch tut.

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Brain-Blah //
Das Gegenteil von Angst 2016

05.01.2016 um 14.05 – Leben

chopinGestern Nacht habe ich zum allerersten Mal fast alleine in meiner Wohnung geschlafen, Lio im Zimmer nebenan und eigentlich hätte es mucksmäuschen still sein sollen. War es aber nicht, jedenfalls nicht in meinem Kopf und womöglich sind 85 Stunden Dexter daran Schuld. Ich sah mich jedenfalls schon vor fremder DNA triefend auf dem Wohnzimmerboden liegen, während ich es mit Meditation und selbsterzählten Flachwitzen gegen die Furcht versuchte. Mein eigener Herzschlag im Ohr war dabei nur wenig hilfreich, weshalb ich irgendwann aufgab, aufstand und überall das Licht und auch eine heimliche Zigarette anmachte, die ich mir durch die Lunge jagte, als wäre es die letzte dieser Welt. Im Klassikradio lief Chopin. Nach Wahnsinn kommt wohl manchmal Glück, jedenfalls verbuchte ich das endlose Pianokonzert als aufmunternden Arschtritt vom Universum und blieb ganz ruhig sitzen, statt mich vor Panik zu übergeben, wie ich es nämlich eigentlich vorhatte. Die Scheiße muss raus aus meinem Körper, dachte ich noch. Die Gesamtscheiße. Aber Frédéric war ja plötzlich da; es gibt keinen besseren Gefährten, wenn man kurz davor ist, Mandalas zu malen. weiterlesen

Rückblick 2015
– die 12 beliebtesten Kolumnen 2015

04.01.2016 um 15.21 – box3 Gesellschaft Leben

die besten kolumnen 2015

Was ich an meinem Beruf eigentlich am allermeisten mögen würde, werde ich ziemlich häufig gefragt, denn natürlich lechzt der ein oder andere Naseweis geradezu danach, mir sämtliche Cupcakes und Superschuhe im wahrsten Sinne des Wortes auf der Zunge herum drehen zu können.  Glücklicherweise kommen mir selbige aber nur ziemlich am Ende meiner persönlichen Arbeits-Alltag-Hitliste in den Sinn. Es ist viel eher die Liebe zum geschriebenen Wort, die mich an Bratpfannen-Tagen aus der Gehirnsalatsuppe fischt und immer dann zum Hoffnungsschimmer avanciert, wenn vor lauter Mails kaum Spaß in Sicht ist. Nach Feierabend verkrieche ich mich dann gern mit ein, zwei Gläsern Rotwein in meiner Schreibecke und tippe mal schnittig-schnippige Kommentare, mal pathetische Möchtegern-Weisheiten und ab und zu auch noch größeren Unsinn als die Menschheit ertragen kann. Ein paar wenige dieser Texte landen regelmäßig in unserer Kolumnen-Kategorie und werden überraschenderweise wie wild geklickt. Die 12 beliebtesten Beiträge, darunter auch Gedanken von Scalamari, seht ihr nach dem Klick.

Mich plagt jetzt nur noch eine Frage: Wie soll es in Zukunft weitergehen? Es ist nicht so, als würden mir nicht hundert weitere Themen in den Fingern kribbeln, bloß habe ich mich tragischerweise irgendwann in den beinahe unbesiegbaren Spagat zwischen Fiktion und persönlichen Erfahrungen begeben. Ständig muss ich aufpassen, was ich schreibe, weil jedes Wort automatisch als Tagebucheintrag gelesen wird. Was logisch ist, aber nicht immer richtig. Das blockiert und ist ein ziemlich beschneidendes Gefühl, um hier mal bei einer ordentlichen Portion Drama und Pathos zu bleiben. Ich könnte mir jetzt also ein Pseudonym zulegen, aber ihr würdet es höchstwahrscheinlich schneller merken, als der erste Satz beendet wäre. Tabula Rasa? Alles auf Anfang und hemmungslos drauf los tippen, ohne Rücksicht auf Verluste? Möglich, aber auch ein bisschen schmerzhaft. Wir werden sehen – 2016 wird jedenfalls ein wildes Jahr und wir nehmen niemanden lieber mit als euch ♥ weiterlesen

KOLUMNE // Brauche ich ein Post-Beziehungs-Knigge?

10.12.2015 um 9.05 – Leben

sclamari knigge kolumneWas passiert eigentlich wenn der Beziehungsdrops offiziell beidseitig aufgelutscht ist, die Scherben weggekehrt wurden und jeder wieder seine eigene Single-Suppe kocht, dabei immernoch mehr oder weniger stark aus kleinen oder großen hinterlassenen Fleischwunden am offenen Herzen blutet. Immerhin teilt man sich ja leider noch die gleiche Stadt, die gleichen Social Media Plattformen, den gleichen Freundeskreis und häufig sogar den gleichen Planeten. Ist es überhaupt möglich den guten alten „Schlussstrich“ unter das „uns“ zu ziehen – oder handelt es sich da eher um den ewigen Schlusskreis? Und geht das dann nur mit hochgezogener Mauer durchs ehemalige Liebesland? Oder kann man sich da irgendwie „arrangieren“ – und will ich das überhaupt? Mit Ende zwanzig kannst du ja schlecht im Morgengrauen mit dem Schlüssel an seinem Kia Picanto langratschen, nein, da benimmt man sich so erwachsen wie möglich. Richtig? Aber gibt es für die täglichen Post-Beziehungs-Konfrontationen eine offizielle Guideline, einen Knigge oder ein Tafelwerk woran man sich krallen und sich im Zweifel vor Gericht berufen kann? Was würde Drake tun, ist doch hier die Frage? weiterlesen

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Brain Blah //
Der Hutkarton voll alter Liebe

25.11.2015 um 17.47 – Leben

liebeIch besitze einen alten Hutkarton, den ich nur sehr selten öffne, eine Büchse der Pandora sozusagen, deren Inhalt auf mich ganz ähnlich wirkt wie ein Tropfen feinster Vodka auf einen trockenen Alkoholiker. Auf dem Deckel kleben Weinränder und das einstige Weiß des Kartons gleicht jetzt den fleckigen Wänden einer Kettenraucherwohnung. Vielleicht, weil wegen dieser kleinen Kiste tatsächlich so viele Zigaretten vor die Hunde gegangen sind. Und noch mehr Pinot Grigio von Rossmann. Handgeschriebene Liebesbriefe schlummern in ihr, auch eine kurze Schlussmach-Notiz, Erinnerungen, viel Müll wie Konzertkarten, ein Ring, selbstgedreht aus dem Aluminiumpapier einer Bierflasche und Fotos. Die meisten zeigen Menschen in Zweisamkeit, einer davon bin immer ich. Der Hutkarton ist die letzte Ruhestätte meiner jugendlichen Verliebtheiten. Eine Chronik der gescheiterten Konservierungsversuche von etwas, das man „für immer“ nennt. Hat natürlich nie geklappt. Zu bereuen gibt es trotzdem nichts und genau das ist das Problem.

Die meisten meiner Freundinnen sind ziemlich froh, wenn einer ihrer Exfreunde das Land verlässt, je weiter das Ziel entfernt ist, desto besser. Eine der besonders Traumatisierten hat es einst fertig gebracht, ganze sieben Minuten lang unter unserem Tisch nach imaginären Kontaktlinsen zu suchen, bloß weil Jonas, „der Irre“, plötzlich am anderen Ende des Restaurants auftauchte. Wieder eine andere findet, ihr Männergeschmack sei Jahre lang konstant schlechter geworden, beim Gedanken an Verflossene werde ihr außerdem manchmal ganz heiß vor Ekel. Ich hingegen winke meist wie eine dieser Chinakatzen, sobald einer der Ritter meiner Vergangenheit im Anmarsch ist. Glück im Unglück, Segen und Fluch zugleich, aber vor allem eins: irritierend. Weil man zwar loslassen, aber nicht vergessen kann. weiterlesen

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Was ist wirklich sexy?
Calvin Klein Underwear x Zalando – #Shareyoursexy

19.11.2015 um 8.43 – Leben

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„Du bist verhaftet wegen sexy“, ich höre Olli Schulz noch immer schnodderig diese Zeilen singen, noch schlimmer trifft es meinen Gehörgang bei „Right Said Fred“, schön ist bloß, dass Westenhagen wohl auf ewig alles für uns tun würde. Was ich sagen will: „Sexy“ ist ein Wort, das lange Zeit zu unrecht gescholten und als Ausdruck gänzlich oberflächlicher Anziehungskraft missverstanden wurde. Zu verdanken haben wir diesen Umstand zu großen Teilen der Übersexualisierung sämtlicher Massenmedien, in denen Sexappeal beinahe immer auf äußerliche, gern halbnackte Reize reduziert wird. Dabei läuft der Hase eigentlich ganz anders. Ein Busen ohne Charakter ist kein schöner Busen und das Wichtigste ist noch immer der Kopf, vor allem das, was drin steckt. Das sehen auch Zalando und Calvin Klein Underwear so, deren gemeinsame Kampagne bekam gerade erst den Hashtag und gleichnamigen Titel #SHAREYOURSEXY verpasst – ein Aufruf an alle da draußen, ihre eigenen Vorstellungen von einem Begriff kund zu tun, der es streckenweise wirklich schwer hatte. Schluss damit. Optische Reize mögen zwar nicht komplett unerheblich sein, im Vergleich zu alldem, was an hocherotischer Ausstrahlung jedoch in unserem Innersten steckt, stellen sie zusammen genommen aber glücklicher Weise nur die allerkleinste Kirsche auf der Sahnetorte sämtlicher Pluspunkte dar.

Deshalb sollen wir diesmal selbst Stellung beziehen und der Welt verraten, was wir als wirklich, wirklich sexy empfinden. Oberflächlichkeiten spielen hierbei die geringste Rolle, das Puerto Ricanische Übermodel Joan Smalls darf im Behind the Scenes Video zur Kampagne meines Erachtens also gern ihre Bauchmuskeln zum Besten geben, Hüllen sind in meinen Augen nämlich immer nur so heiß, wie das, was sich an echtem Grips dahinter verbirgt. Selbstbewusstsein zum Beispiel ist unschlagbar. Genau wie die Kunst des gepflegten Witzeerzählens.

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Kolumne //
Von Entscheidungsmimosen und der Liebe

04.11.2015 um 12.29 – box3 Leben

scalamari kolumneWo Entscheidungsmimosen wuchern, wächst kein Liebesfarn mehr

Mitternacht im Prenzlauer Berg, Helmholzplatz, Hinterhaus – In meinem Bett tindere ich mich mal wieder in den Schlaf. Es ist wie Schafe zählen, irgendwann fallen beim monotonen Swipen die Augen dann zu. Nope, Nope, Nope, Nope – ah was mit Tieren – like – MATCH – gute Nacht. Getroffen habe ich mich noch nie mit einem, obwohl ich schon oft kurz davor war – aber kurz vor was? Kurz vor Kaffee? Kurz vor Sex? Kurz vor verlieben? Oder kurz vor kompletter Desillusionierung? Ich sage es euch, die Dating-Straßen der Stadt sind gepflastert mit Missverständnissen und Befindlichkeiten. Die Kunst Single-Berlin zu kapieren, ist so schwer wie sich beim Engtanz nicht vom Nachbarn vollschwitzen zu lassen. Also quasi unmöglich. Aber wem erzähle ich das. Zeit ein paar Regeln aufzustellen, Großstadt-Phänomene einzuordnen, alte Romantik-Zöpfe abzuschneiden und fehlkonstruierte Gefühls-Mauern niederzureißen. Und wofür? Für die Liebe! Die echte, motherfucking ewige Liebe – natürlich. weiterlesen

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Protokolle aus dem (Liebes)Leben //
Darüber, dass ein Mann manchmal nicht genug ist

30.09.2015 um 10.51 – box2 Leben

11373672_1699028843664632_336418271_nKiki sitzt in einem Café neben mir, wache Augen, dunkles langes Haar, ein ordentlicher Seitenscheitel, aber Sorgenfalten auf der Stirn. Kann ich mir kurz den Zucker borgen? fragt sie mich, während ihre Freundin immer lauter wird und damit beschäftigt ist, nach Luft zu schnappen: Du musst dich entscheiden, Herrgott. Was ich als Tischnachbarin denn eigentlich von dieser Geschichte halten würde, raunt es mir entgegen. Ich höre zu, eine Stunde lang – Der Anfang von „Protokolle aus dem Leben“. Ich verabrede mich mit Kiki, selber Ort, gleiche Zeit, bloß zwei Tage später. Und sie fängt nochmal von vorn an:

„Es ist doch so, das halbe Leben dreht sich darum, den richtigen Partner zu finden, um irgendwann häuslich zu werden, Kinder zu kriegen und für immer zu zweit zu sein. Ich wäre aber ganz ehrlich lieber zu dritt. Was ein Problem ist, schon allein wegen unserer Sozialisierung, man muss erstmal jemanden finden, der das versteht, geschweige denn mitmacht. Angefangen hat das alles eigentlich mit meinem Exfreund. Wir waren ein Traumteam, aber irgendwann fragte er mich, ob ich mir eventuell vorstellen könnte, ab und zu mit anderen zu schlafen, er denke nämlich manchmal selbst darüber nach, nicht, weil er den Akt an sich mit mir nicht wunderbar finden würde, sondern weil er nach viel hin und her eingesehen habe, dass Monogamie irgendwann zwangsläufig zu Seitensprüngen führe, ich solle bloß mal einen Blick auf die Statistiken dieser versauten Erde werfen. weiterlesen

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