Kategorie-Archiv: Kolumne

Brain Blah // Ich habe meinem Freund (k)einen Heiratsantrag gemacht.

23.05.2017 um 8.30 – Kolumne Leben Wir

Als ich ungefähr acht Jahre alt war, machte mir ein Junge aus der Parallelklasse einen Heiratsantrag. Das war ganz leicht. Wir hatten uns in einem Heuhaufen auf der Wiese vor dem Haus versteckt, weil er, nennen wir ihn doch einfach Hansjürgen, bald von seinen Eltern abgeholt werden sollte. Die Ehe schien da nur der nächste logische Schritt zu sein, denn wenn man verheiratet ist, so dachten wir, würde man uns endlich als Erwachsene anerkennen und bis in alle Ewigkeit Gameboy spielen und Cola trinken lassen. Ich kramte also ein Haargummi aus der Hosentasche, das Hansjürgen alsbald um meinen Finger wickelte, der schnell rotblau anlief, aber das machte nichts, schließlich duftete die Ackerluft mit einem Mal verlockend frisch nach Freiheit. Händchenhaltend richteten wir uns auf, um der Mutter von Hansjürgen und meiner eigenen die frohe Botschaft zu überbringen. Am Ende half alles nichts. Eine halbe Stunde später marschiere ich noch immer ledig gen Zähneputzen.

Die Jahre vergingen und mit ihnen mindestens drei missglücke Versuche meinerseits, um jemands Hand zu bitten. Weder Otto, noch Erik oder Rasputin wollten mich zur Frau nehmen. Nur einer begründete seine Entscheidung mit meiner einnehmenden Zahnspange, die anderen beiden fühlten sich laut eigener Aussage in ihrer durch Disneyfilme geprägten Ehre gekränkt. weiterlesen

GIRLS TALK // Mein Freund weiß, dass ich meine Periode bekomme, bevor ich es weiß

19.04.2017 um 14.56 – Feminismus Kolumne Leben

Viele Frauen verärgert es, wenn ihnen aufgrund von kleinen Aussetzern unterstellt wird, sie hätten ihre Periode. Bei mir liegt man dieser Annahme aber meist richtig. Mein Freund etwa ist stets der Erste, der bemerkt, dass es morgen wieder rotrund geht.

Neulich hat sich eine gute Bekannte von mir lautstark darüber echauffiert, wie frech und sexistisch es sei, einer Frau in flapsigen, emotionalen oder wütenden Momenten zu unterstellen, sie habe ihre Tage. Das sei übergriffig, zutiefst! Ich stimmte nickend zu. Und vor allem sei das doch erfundener Quatsch, ein respektloses Klischee. Ich nickte wieder, schwenkte dann aber doch noch wellenförmig ab, ein bisschen wie ein nach Orientierung suchender Tukan, bis das Rauf-und-runter meines Kinns schließlich einem bestimmten Rechts-links wich und ich so heftig mit dem Kopf schüttelte, dass mir all meine feministische Überzeugung aus den Ohren herauszufallen drohte. Stille und Stirnfalten. Wie genau ich das jetzt meinen würde, fragte die Bekannte. Also erklärte ich mich. Oder besser: Ich versuchte etwas zu erklären, das sich nicht im geringsten verpauschalisieren lässt und für mich dennoch recht eindeutig scheint: Einigen Frauen steht ihre Periode förmlich auf die Stirn geschrieben, antwortete ich nuschelnd. Vielen auch nicht, was mich sehr freut und zuweilen sogar aufrichtig neidisch stimmt. Aber immer wenn einer oder eine etwas problematisches wie „Meine Fresse, hat die ihre Mens, oder was“ von sich gibt, dann denke ich nicht „Arschloch“, sondern „kann schon sein“. weiterlesen

Bedroom Stories //
Zusammen Pornos gucken – mit Erika Lust

04.04.2017 um 11.18 – Kolumne Leben Sex

Ein Gastbeitrag von Ann, protokolliert von Nike Jane. Teil 1 inklusive wiesoweshalbwarum lest ihr hier.

Ich glaube, ich bin ein bisschen schief gewickelt, wenn es um die Wahrnehmung meiner eigenen Offenheit geht. Denn obwohl ich ohne zu zögern meine Hand dafür ins Feuer gelegt hätte, schon mit meiner (zugegeben sehr späten) Entjungferung eine gewaltig große Portion sexuelle Gelassenheit mit Löffeln gefressen zu haben, wird mir im Angesicht rotweingetränkter Gespräche mit meinen Freundinnen immer wieder das genaue Gegenteil unter die Nase gerieben. Zuletzt am vergangenen Wochenende. Gerade waren wir noch dabei, über das Für und Wider von Cycles, dieser neuen gehypten Verhütungs-App, zu fachsimpeln, da platze es plötzlich aus der wahrscheinlich Runden-Blauesten heraus: Schluss jetzt damit, ihr sei nämlich echt scheißlangwellig im Bett und wirklich wichtiger als das Kalibrieren von Thermometern und Temperaturen seien jetzt verdammt nochmal mal ein paar hilfreiche Tipps und Tricks zum Aufmöbeln der in Daunendecken gebetteten 5-Jahres-Monotonie, sonst würden die Wanzen bald mehr rammeln als sie und ihr Freund, deren gemeinsame Libido derzeit vermutlich irgendwo auf Lanzarote Krabbenfischen würde, und falls sie jemand zufällig treffen würde: Schöne Grüße!

Betretenes Schweigen. Aber nur etwa zwei Sekunden lang. Mir selbst flog gerade etwas Limo aus dem linken Nasenloch, weil Contenance, als irgendwer am Tisch die Initiative ergriff und schnell danach fragte, ob denn noch nicht einmal Pornos helfen würden. Pornos, ja klar, dachte ich. Und oh Gott, Pornos. Hihi. Beinahe hätte ich aus Reflex das Gesicht zu einem Kotze-Smiley verzogen, schließlich schaue ich sowas nur allein und ratzfatz und vor allem heimlich, genau wie mein Freund vermutlich auch. Bis zu diesem Abend kannte ich nämlich nur Youporn. Und da vergeht einem die Lust mitunter schon auf der Startseite, soviel Sperma fliegt da rum. Als gäbe es für eine Frau nichts geileres, als sich in Befruchtungsflüssigkeit zu suhlen. weiterlesen

#IMFREEDOM //
Freisein – was bedeutet das überhaupt?

03.04.2017 um 10.30 – Kolumne Leben Mode Wir

Ihr erinnert euch vielleicht noch an die #ImPERFECT Kampagne von Esprit, die wir im vergangenen Jahr unterstützt haben. Damals wurde vor allem ein kultureller Dialog innerhalb der Modewelt angestoßen, der sich für das Abrücken von Stereotypen aussprach und stattdessen mehr Persönlichkeit und Diversität forderte. Aber auch mehr Selbstliebe, mehr Akzeptanz und Dankbarkeit für kleine Makel, die uns von Abziehbildern unterscheiden. 2017 geht Esprit mit #ImESPRIT noch einen Schritt weiter. Diesmal stehen Vielfalt, Individualität und Selbstbestimmung im Fokus. Wir werden in der aktuellen Kampagne also nicht nur dazu aufgefordert, für uns selbst einzustehen, sondern auch für das, was uns am Herzen liegt. Am besten durch ein starkes Statement, das auch ihr teilen könnt und zwar hier. So haben wir etwa die Wahl zwischen #ImLOVE, #ImCHANGE oder #ImCOURAGE. Ich habe mich für #ImFREEDOM entschieden. Und warum?, hat Esprit mich daraufhin gefragt. Die Antwort fiel mir viel schwerer als erwartet. Also fing ich ganz vorn an.

„Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen,“ schrieb Evelyn Beatrice Hall in ihrem Buch „The Friends of Voltaire“ und trifft damit noch heute, mehr als hundert Jahre später, punktgenau in die Wunde der kränkelnden Demokratie, die derzeit gemeinsam mit der Pressefreiheit um ihr Bestehen bangt. Auf politischer und gesellschaftlicher Ebene stehen wir ohnehin gesammelt vor zum Teil noch schmerzlich weit entfernten Lösungsansätzen und hoffen dabei inständig auf eine Welt, in der jeder Mensch sich frei entfalten darf, unabhängig von sexueller Orientierung, Herkunft, Geschlecht und Religion. Und manchmal, wenn die Nachrichten wieder besonders weh tun, vergessen wir ein weiteres Mal, bei uns selbst anzufangen. Im Kleinen. Immer dann, wenn es um unsere eigene Entfaltung geht. Ich habe mir für mein Leben nicht viel mehr vorgenommen, als es jeden Tag geschehen zu lassen. Und mir den Anspruch auf persönliche Freiheit niemals austreiben zu lassen, nicht von der Vernunft, nicht von dem in den meisten von uns manifestierten Drang nach Sicherheit, nicht von der Erwartungshaltung anderer. #ImFREEDOM, weil ich fortwährend selbst entscheide, hinter welchem Bestrebens-Törchen ich es mir bequem mache und dabei stets den passenden Schlüssel zum Schloss im Kopf behalte. Nennen wir diesen Schlüssel doch einfach Mut. Den Mut zu besitzen, Dinge, die einem nicht mehr gut tun, trotz der natürlichen Furcht vor dem Ungewissen, ziehen zu lassen, halbherzige Umstände ändern statt hinnehmen zu wollen, auch das bedeutet für mich Freiheit. weiterlesen

Slow Sunday //
Über Geburtstagsgedanken & Wünsche

26.03.2017 um 9.25 – Kolumne Slow Sunday

Vergangenen Freitag bin ich 27 Jahre alt geworden und sehr nachdenklich. Ich meine, Geburtstage sind nun wirklich das Letzte, an dem man sich in eine komplizierte Gedankenwelt verkrümeln und über das Leben sinnieren sollte, aber irgendwie könnten sie auch nicht perfekter dafür geeignet sein. Bin ich als Kind noch morgens aufgewacht und habe freudenstrahlend gedacht „Heute ist mein Tag!“, denke ich heute „Heute ist mein Tag?“ und möchte am liebsten liegenbleiben. Wann sind Jahrestage eigentlich so verdammt anstrengend geworden?

Vielleicht, seit ich mein Gefühlschaos durch äußere Höflichkeit und angemessene Fröhlichkeit überstimmen muss. Seit es mir herzlich egal ist, ob und was ich nun geschenkt bekomme, wenn ich mir eigentlich nur mehr Zeit wünsche. Für Frieden. Für meine Träume. Für mich selbst.  weiterlesen

Bedroom Stories //
Warum wir oft lieber performen statt kommen.

20.03.2017 um 14.38 – box1 Feminismus Kolumne Sex

Ein Gastbeitrag von Ann, protokolliert von Nike Jane. Teil 1 inklusive wiesoweshalbwarum lest ihr hier.

Ich bin gerade ein Körperklaus, so ein richtiger, ein bisschen wie ein Roboter, der nur rechts, links, oben und unten kann, aber bestimmt kein Talent für schlangenscharfe Latina-Bewegungen hegt. Woher das kommt, weiß ich nicht, normalerweise bin ich nämlich eher biegsam wie eine Brezeln, bloß scheint mir über Nacht ein erheblicher Teil meines eigenen Körpergefühls flöten gegangen zu sein. Und so kam es, dass ich dieser Tage auf meinem Freund thronte, zwar mit Lust im Nacken, aber mächtig ungelenk. Und auch ein bisschen faul. Ich wippte also ein wenig hin und her, als plötzlich ein Bild vor meinem inneren Augen aufploppte, das die Sache nicht besser machte: ich als Wackeldackel – sichtlich um den richtigen Takt bemüht, kläglich am Einklang scheiternd. Es war zum Glück dunkel, deshalb blieb die erstarrte Denkermiene, die sich schnell zwischen nachdenklichen Stirnfalten verkroch, im Schatten verborgen. Statt mich aber über die damit einhergehende ausbleibende Befriedigung meiner eigenen Libido zu ärgern, hoffte ich von Zweifeln zerfressen einzig und allein darauf, mein Gegenüber möge nichts von meiner miesen Meisterleistung in Sachen Off-Beat bemerken. Ab sofort hieß es: Perfomen statt kommen. Denn wichtiger als meine Lust wurde mir plötzlich mein Ego.

Erst Tage später wurde mir bewusst, wie falsch das war. Nicht, weil Selbstlosigkeit per se dilettantisch wäre, bloß war der Grund für selbige in diesem Fall der behämmertste aller denkbaren. Ich wollte ja überhaupt nicht nett sein. Sondern bloß um Himmels Willen nicht schlecht im Bett. Und ich glaube, damit bin ich nicht alleine. Oder noch schlimmer: Vermutlich bringt diese Sorge sogar recht viele von uns um den so wohlverdienten Orgasmus. weiterlesen

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Vorurteile // Das gesegnete Leben der Sari C. #feelingblessed

10.03.2017 um 11.49 – box2 Kolumne Leben Wir

Für all diejenigen, die endlich mal die Wahrheit über mich, und damit in einem Abwasch auch gleich das Berlin-Blogger-Mädchen per se wissen wollten, gibt es gute Nachrichten: Der Tag ist gekommen. Tabula Rasa, was soll der Geiz. Alles muss raus. Bereit für das beinharte Feuerwerk?

Es folgt die Realitsvorführung des gesegneten Lebens der Sari C. Konsequent und beißend in den Augen. Schert euch hinfort, ihr diabolischen Vorurteile! weiterlesen

Warum ich „Style The Bump“
nicht mehr hören kann.

09.03.2017 um 12.34 – Feminismus Kolumne Leben Mode

Ich möchte nicht gehässig klingen, wirklich nicht, aber wenn ich irgendwo den Hashtag #Stylethebump lese, möchte ich mir ein blickdichtes Brett vor den Kopf schnallen. Eines, das ebenso robust und beständig ist wie die allseits verbreitete Annahme, eine gut gekleidete Schwangere sei etwas Aufsehenerregend. Etwas Besonderes. Als hätte man eine Art Auszeichnung dafür verdient, wenn man in der Lage dazu ist, sich trotz Babybauch ein hübsches Kleid überzuwerfen, dafür, dass man im Angesicht der Hormondusche nicht verlernt hat, Lippenstift aufzutragen.

Böse Zungen könnten mir jetzt unterstellen, ich würde all den werdenden Müttern da draußen auf die Füße treten wollen, ihnen den wohlverdienten Lob nicht gönnen. Dabei geht es mir um das Gegenteil. Darum, dass mir viele der medialen Huldigungen in Wahrheit wie Hohn vorkommen. Überall liest man Headlines wie „Stylish und schwanger – diese Promimütter zeigen wie es geht“. Als würde das eine das andere normalerweise ausschließen. weiterlesen

Brain Blah //
Über Mut, Trennungen & Neuanfänge

28.02.2017 um 10.05 – box2 Kolumne Leben Wir

Ich werde nicht selten gefragt, wie ich das eigentlich alles so wuppe als Alleinerziehende. Zunächst einmal muss ich mein Gegenüber dann sehr schnell korrigieren, denn ich bin ja gar nicht allein, das Kind hat glücklicherweise nach wie vor einen Vater und wenn man mich fragt, sogar den besten. Wir leben das 50/50 Modell – etwa alle drei Tage wechseln wir uns ab. Lio hat demnach also nicht nur ein Zuhaue, sondern gleich zwei. Das findet der kleine Mann prima. Und auch seine Eltern. „Ja, aber klappt das denn?“ lautet meist die nächste Frage, und: „Ist das nicht komisch, sich trotz Trennung ständig zu sehen?“ – Nein, kein bisschen. Dann kommen die ungläubigen Blicke, hin und wieder legt sich auch die Stirn, die mir da gegenüber steht, in hässliche Falten, aha. Ganz selten, wenn ich auf Krawall gebürstet bin (was mir mit zunehmendem Alter tatsächlich häufiger passiert), liefere ich im Angesicht der aufkeimenden Skepsis quasi auch schon rein prophylaktisch eine kurze Erklärung zum Ist-Zustand. Dass das alles so wunderbar funktioniert, höre ich mich regelmäßig runterrattern, liegt vor allem daran, dass wir uns rechtzeitig dazu entschieden haben, das gewohnte Familien-Konstrukt aufzugeben, um uns einem neuen Modell zu widmen. Im Namen der Freundschaft.

„Man soll gehen, wenn’s am schönsten ist“, heißt es schließlich und ich finde, da ist auch in Beziehungsdingen was dran. Zwar bin ich keineswegs der Meinung, dass man schon mit Schmetterlingen im Bauch die Biege machen sollte, um sich ja frühzeitig vor potenziellen Messerspitzen in der Magengrube zu bewahren. Aber immerhin rechtzeitig. Obwohl das Abbiegen auf den Solo-Weg oft viel mehr Mut erfordert als das Bleiben. Kämpfen kann helfen und ist unabdingbar, solange noch ein Funken Liebe da ist. Und parallel dazu die Gewissheit, dass man trotz aller widrigen Umstände und Durstrecken noch immer gewillt ist, sich irgendwann einmal gemeinsam ins Rentner-Exil zu verabschieden, um wackelige Enten dick zu füttern. Allerdings fürchte ich, dass wir allzuoft versuchen, an etwas festzuhalten, das mehr Mittelmäßigkeit als echtes Glück verspricht. Aus Bequemlichkeit, vor allem aber aus aus Angst. Vor der Ungewissheit, lästigen Konsequenzen und dem Alleinsein. weiterlesen

Bedroom Stories #4 //
J’aime vielleicht L’amour à trois

13.02.2017 um 15.13 – box3 Kolumne Leben

Ein Gastbeitrag von Ann, protokolliert von Nike Jane. Teil 1 inklusive wiesoweshalbwarum lest ihr hier.

Mein Freund und ich sind jetzt seit fast drei Jahren zusammen. Normalerweise fängt es ja jetzt irgendwann an, einzurosten. Im Bett vor allem. Sagt man jedenfalls. Aber was „man“ sagt, stimmt ja wirklich auch nur bedingt. Jedenfalls würde ich unseren momentanen Beziehungsstatus eher als zweiten oder dritten Frühling bezeichnen, auf allen Ebenen. Uns steht sozusagen der Schalk im Nacken, hin und wieder fühlen wir uns zu gleichen Teilen Banane und manchmal haben wir auch nicht mehr alle Tassen im Schrank. Wenn wir zum Beispiel fest entschlossen sind, für immer ganz anders zu sein als der Rest der Welt, viel freier eben und offener und wunderbar wild. Erwachsen zwar, aber längst nicht „wie die großen Leute“. Vielleicht liegt es daran, dass ich noch in diesem Monat Geburtstag habe, aber vor ein paar Tagen überkam uns zudem auch noch die Sehnsucht nach Jugend, weshalb wir schließlich im Schneidersitz vor alten Mixtapes saßen und unserer Vergangenheit lauschten. „Moi ce que j’aime / c’est faire l’amour / spécialment à trois / Je sais c’est démodé /ça fait hippie complet / mais je le crie sur les to’ts / J’aime l’amour à trois“ sangen Stereo Total. Ein Blick, zwei Gedanken, dann Stille. „Willst du?“ fragte ich und er sagte: „Du denn?“. Gemeinsam gegen das Einrosten, so der Plan. weiterlesen

Kolumne //
I am a Quitter.

09.02.2017 um 12.03 – Kolumne Leben

kolumne i am a quitter fabienne sandIch sag’s, wie es ist: Anstiege, die exponentiell verlaufen, waren noch nie mein Ding und nein – ich rede nicht von meiner voll ausgeprägten Dyskalkulie, sondern von dem Unwort sondergleichen welches sich „Karriereleiter“ nennt. Was soll das überhaupt bedeuten, Karriereleiter? Ein „Steil-nach-oben-und-niemals-verweilen“-Prinzip setzt ja voraus, dass es nicht darum geht, bei etwas Schönem zu verweilen, sondern immer nach der nächsten Sprosse zu streben. Wo es dabei hingehen soll, ist ganz klar und zwar an die Spitze zu den Dagobert Ducks, den hyper erfolgreichen und super Perfekten Zu den Alleskönnern unseres Planeten. Ein Berufswunsch steht da vielleicht schon seit der Wahl der Leistungskurse fest, die Unizeit wird mit einem feschen Auslandsaufenthalt aufgepeppt und der Traumjob nach dem Traumpraktikum folgt natürlich prompt. Und was ist mit mir?

Ich ziehe mit Zwanzig schnurstracks in die Hauptstadt. Da ist es eh viel cooler und ich könnte was mit Kunst studieren, denn da war ich mal ganz gut drin. Kein Ziel vor Augen haben und trotzdem bestrebt auf irgendetwas wie Erfüllt- und Glücklich sein hinarbeiten geht nämlich auch, wenn man seinen Weg nicht so richtig plant. Hier und da mal für ein paar Pausen unterbrechen, sich neu orientieren oder verschnaufen, um fix wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen. „Was willst du mal werden, wenn du groß bist?“. Wann muss ich das entscheiden und ab wann bin ich eigentlich groß? Bis heute kann ich keine der drei Fragen beantworten. Aber ich fühle mich ganz fabelhaft dabei. Fast vier ganze Jahre hat es mich gekostet, meine Nase mal hier, mal da hineinzustecken und wieder herauszuziehen, um am Ende vor allem festzustellen, was ich nicht will (was übrigens auch eine wertvolle Erfahrung ist!). Und nun? Nun bin ich im zweiten Monat des Jahres 2017 irgendwo zwischen maximal zufrieden und himmelhoch jauchzend. Und das, obwohl ich eine Aufgeberin bin. weiterlesen

Bedroom Stories #2 //
Sex statt Yoga.

17.01.2017 um 10.00 – box1 Kolumne Leben

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Ich finde, so ganz grundsätzlich, die Leute sollten viel mehr bumsen. Ich sage jetzt außerdem ganz bewusst bumsen und nicht Liebe machen, denn Liebe zu machen ist zwar schön, aber mitunter auch anstrengend. Einfach, weil es dauert und in gewisser Weise fordert, wenn auch nur Aufmerksamkeit und Einfühlungsvermögen. Vorspiel, Aramsamsam, Nachspiel, ihr wisst schon. Manchmal wehrt sich auch in mir alles gegen das Rumfummeln, ich will dann lieber Netflix als nackte Tatsachen. Der Alltag ist schließlich anstrengend genug. Aber – und dieses aber sollte unbedingt sehr groß geschrieben werden – Fakt ist, dass so ein mittelkurzes bis rasant schnelles Rein-Raus Wunder bewirken kann, ob mit oder ohne Orgasmus, ganz egal. Sex statt Yoga quasi, darauf konnten meine Freundinnen und ich uns nach langem Hin und Her und einer großen Familienpizza sogar einigen. Sex als eine Art fortwährender Selbstheilungsprozess. Gut für die Seele, die Beziehung, den Job und die mentale Gesundheit. Weil Sex gleich doppelt Stress abbaut, auf dem geistigen wie dem körperlichen Kanal. Ganz so, als würde man den von Strapazen gespannten Flitzebogen endlich loslassen, als bekäme der innere Vulkan unverhofft das Go zum Spucken und am Ende legt sich die warme Lava wie eine versöhnliche Decke über das Tal der täglichen Reizthemen. Lava, nicht Sperma, ihr Ferkel. Bleibt trotz all der offensichtlichen Wonne von drei, vier, fünf, sechs Vögeleien pro Woche bloß noch ein Feind namens Faulheit. Wir kennen ihn alle.  weiterlesen

Kolumne // Jubiläen aus der Hölle oder
– 30, was tun?

13.01.2017 um 10.57 – Kolumne Wir

30 jahre1

Hatte ich mir die letzten Monate noch aus lauter Altersparanoia die Rübe darüber zerbrochen, ob der 30. Geburtstag in andächtiger Trauer verbracht, demütig ignoriert oder unverhältnismäßig üppig zelebriert werden sollte, bin ich nun zu einem Entschluss gekommen:

Jubiläen aus der Hölle

Im Gespräch, anlässlich des nahenden Tages X mit einem Freund der anderen Seite, der grau melierten Seite, jenseits der Drei vor der Null, kristallisiere sich in Anbetracht der „Kosten-Nutzen“ Rechnung, vorerst die Bedeutungslosigkeit dieser Jubiläumsfeier heraus. Die Zahl, das Datum, als kalendarischer Schwachsinn, quasi. Der „Feierakt zum Runden“, so die Quintessenz, sei wie der Silvesterabend aller Jahre. Ist die am 29. Dezember in den Raum geworfene Frage „Und, was hast du so vor?“. Antwort: Niemand weiß es, keiner hat Bock drauf. Feierfreudige Partyraketen ausgeklammert.  weiterlesen

Brain Blah // Selbst Simone de Beauvoir war manchmal eifersüchtig.

11.01.2017 um 7.30 – box2 Kolumne Leben Wir

collageIch muss mir diesmal feste an die eigene pseudo-selbstbewusst-feministische-Girlpower-Nase fassen und das mache ich nicht gern, und noch viel ungerner, weil der Grund für meine heutigen Stirnfalten im Angesicht kleiner Ungereimtheiten unter Frauen doch tatsächlich Männer sind. Als hätten wir nicht ausreichend eigene Päckchen mit uns herumzutragen und außerdem lang genug für Unabhängigkeit plädiert, fiel mir während eines Telefonats mit einer guten Freundin in der Ferne irgendwann doch tatsächlich auf, dass jede der circa drei weiblichen Personen, über die wir uns binnen zwanzig Minuten tendenziell neutral bis angepisst äußerten, in irgendeiner Verbindung zu unseren Partnern standen und stehen. Was offenbar vornehmlich in unserer subjektiven Annahme begründet liegt, beinahe jede Dame dieser Welt würde sich nach selbigen die Finger lecken. Finde den Fehler. Das darf doch wirklich nicht wahr sein, dass ausgerechnet ich eine permanente Skepsis gegenüber ein, zwei, drölf Frauen hege, die es auf irgendeine Art und Weise auf meine Beziehung abgesehen haben (könnten). Dabei haben sie das womöglich noch nicht einmal. Wobei. Weiß der Kuckuck. Es sollte mich natürlich ohnehin nicht interessieren. Meine ferne Freundin verstand mich trotzdem und sinnierte im gleichen Atemzug über eigene kleine Geschichten.

Da schicken ähnliche Instanzen nicht selten ungefragt Selfies, aus dem Urlaub zum Beispiel, immer dann, wenn sie selbst einem guten Kumpel schlicht und ergreifend das Bild einer Palme statt eines breites Bikinigrinsen rüber gesimst hätte, genau wie ich. Gut möglich, dass man sich jetzt darüber streiten kann, ob es der aktuellen Liebe in diesem Fall an Selbstwertgefühl oder der Reisenden an Respekt mangelt. Was nichts daran ändert, dass meine Freundin und ich hin und wieder eifersüchtig werden und damit als gewöhnlicher Durchschnittsmenschen höchstwahrscheinlich nicht gänzlich allein dastehen, sogar Simone De Beauvoir hatte sich in ihren Briefen an Jean-Paul Sartre nicht lückenlos im Griff. Entgegen meines eigentlich stark manifestierten Credos der Nächstenliebe tendiere ich ebenfalls dazu, gewissen Kandidatinnen schlangenartige Charakterzüge zu unterstellen. Das ist furchtbar. Und vielleicht überhaupt nicht berechtigt. Gut möglich also, dass ich an mir arbeiten muss. Wobei mir schwant, dass das viele von uns müssen, trotz Empowernment-Parolen. weiterlesen

Kolumne // Das Gefühl, nicht dazuzugehören.

25.11.2016 um 13.27 – Allgemein Kolumne

Ich bin jetzt seit über zwei Jahren Mutter und eigentlich könnte man da doch meinen, ich hätte mich längst mit meinem neuen Platz in der Gesellschaft anfreunden müssen. Das Problem ist aber, dass ich, zumindest gefühlt, noch nicht einmal einen richtigen Platz habe. Weil ich nirgendwo richtig reinpasse, jedenfalls in den Köpfen der anderen nicht. Natürlich überspitze ich das Ganze im Folgenden zur Verdeutlichung meines Anliegens und schiebe die Ausnahmen, meine engsten Freunde etwa, für die ich einfach Nike war, bin und bleibe, ganz frech beiseite. Obwohl das so natürlich auch nicht ganz richtig ist. Freitags werde ich in der Abendplanung nämlich hin und wieder vergessen.

Vor allem seit ich, verzeiht mir bitte diesen Terminus, „Single Mom“ bin. Also getrennt lebend vom Vater meines Kindes. Und da wären wir schon beim ersten richtigen Knackpunkt angelangt. Wenn man sich nämlich dazu entscheidet, dass alle drei Beteiligten der Familienkonstellation glücklicher wären, wenn Mama und Papa jeweils ihre eigenen Wege gehen, dann blickt man zunächst einmal in große Augen. Wegen der vermeintlich gigantisch-egoistischen Intentionen, denn für die Allgemeinheit scheint es außer Frage, dass eine Bullerbü-Kindheit trotzdem möglich ist. Ich sage zu meiner Verteidigung dann manchmal überflüssige Dinge wie „Ja, aber ich bin ja nicht alleinerziehend.“ Bloß folgt dann alsbald der nächste Gegenschlag, im Prinzip habe ich ohnehin nur zwei Möglichkeiten: Entweder ich bin die arme Sau ohne Kindespapa im meinem Bett, oder one lucky bitch, weil ich durch das 50/50-Modell ja so unverschämt viel Zeit für mich alleine habe, hach. weiterlesen