Kategorie-Archiv: Musik

TLC – „Haters“ // People gonna say what they say, but we don’t care about that anyway

21.06.2017 um 12.20 – Musik

»Waterfalls«, »No Scrubs«,»Creep«,»Unpretty« – ich weiß nicht, wie es euch geht, aber es muss bloß ein einziger dieser Tracks laufen, um mich ganz Nostalgie-besoffen zu machen. Irgendetwas hat das Tomboy-Trio rund um Lisa »Left Eye« Lopes, Tionne »T-Boz« Watkins und Rozonda »Chilli« Thomas schon damals anders gemacht, vielleicht sogar besser. Die drei Musikerinnen sangen und sprachen über die Selbstbestimmung der Frau, wetterten gegen Schönheitsideale und setzen modische Statements, denen am Ende eine halbe Generation folgte. So sehr ich das Wort normalerweise auch meide, in diesem Fall fällt mir kein passenderes ein: Cool waren sie vor allem, die Amerikanerinnen aus Atlanta, die vor ihrem Label-Wechsel noch als 2nd Nature auftraten. Und das trotz überbordendem Mainstream-Erfolg: Mit 65 Millionen verkauften Alben, zehn Top-10- und vier Nummer-1-Singles gehören TLC bis heute zu den erfolgreichsten und einflussreichsten Girlgroups aller Zeiten. 2002 aber, sieben Monate vor der Veröffentlichung des vorerst letzten TLC-Albums »3D«, kam „Left Eye“ bei einem Autounfall ums Leben; es wurde ruhig um das verbliebene Duo. Bis sich Chilli und T-Boz schließlich einen Ruck gaben, auch für ihre verstorbene Freundin. 2015 erschein dank einer Crowdfunding-Aktion das erste TLC-Album seit 15 Jahren.

Die mittlerweile dritte Singleauskopplung nennt sich HATERS und widmet sich einem aktuellen Thema, über das wir im Zeitalter der Web-Anonymität im Grunde viel häufiger sprechen müssten. Vor allem mit jungen Usern, aber auch mit unseren Geschwistern und Freunden : Internet-Mobbing. weiterlesen

Body Positivity Track //
Miss Eaves – Thunder Thighs

09.06.2017 um 11.30 – Musik

Eigentlich hatte ich mir geschworen, weniger von Body Positivity zu schwafeln und stattdessen für eine Art Body Neutralism einzustehen. Vielleicht ist es aber noch ein bisschen zu früh für diese radikale Form der Akzeptanz durch Ignoranz (oder wie auch immer man ein gut gemeintes Desinteresse an den Körperformen dieser Welt nennen mag). Wir wären ja quasi längst am Ziel angelangt, wenn Bäuchlein und Beine überhaupt keinen Redestoff mehr bieten würden, wenn Formen, Farben und Äußerlichkeiten endlich kein öffentliches Thema mehr wären. In Wahrheit ist der Weg hin zur selbstverständlichen Diversität aber noch ein sehr langer und Body Shaming pünktlich zum Sommer präsenter denn je. Ein wunderbares Beispiel für die Abstinenz von Respekt gegenüber der Vielfalt des menschlichen Körpers lieferte dieser Tage etwa das Klatsch-Magazin „Inside“, das mit dem Titeln „Die Dellen-Queens! Stars im Cellulite-Stress“ lockte. Diese traurige, klickgeile Frechheit bedarf zwar keines weiteren Kommentars, ein bisschen Gegenwind kann aber trotzdem nicht schaden.

Rapperin Miss Eaves kommt uns da mit ihrem neuen Track „Thunder Tighs“ gerade also durchaus gelegen. Ihr Sommer-Mantra lautet nämlich: “Thick thighs, sundress, I’m looking good”! weiterlesen

My Life is a Mixtape // 21 Lieder von
damals bis heute mit… Sarah Jane

01.06.2017 um 11.44 – Musik Wir

In My Life is a Mixtape nehmen wir euch mit auf eine ganz persönliche Reise durch unser Leben, ein Blick in unser Tagebuch quasi, denn in wirklich jedem Song steckt irgendeine wunderbare bis schmerzliche Erinnerung. Als Nike Jane vor wenigen Wochen startete und euch ihr Mixtape kredenzte, fielen mir auf anhieb 40 Lieder ein, die ich vom Fleck weg mit euch teilen wollte: Seit gestern Nachmittag sitze ich nun schon an meinem ganz persönlichen Mixtape und fahre eine emotionale Achterbahn, die ihr glücklicherweise nicht nachvollziehen müsst. Aber dennoch: Irgendetwas reinigendes, großartiges und magisches steckt in dieser Auflistung sämtlicher Song von damals bis heute und ich kann nur jedem ans Herz legen, es uns gleich zu tun und einmal genau zu notieren, welches Lied wann was auslöste, welche Momente ihr damit verbindet und wie verrückt die Zeit doch war. Wie Nike schon sagte:

Jeder von uns trägt schließlich eine ganz persönliche Speicherplatte mit sogenannten Life-Hits mit sich herum. Die müssen gar nicht alle schön sein, Ehrlichkeit zählt viel mehr. Deshalb schließe ich mich hier fix an und kredenze euch Mixtape #2, das irgendwie zu lang ist, indem trotzdem so viel fehlt: weiterlesen

Mixtape //
Musik, die den Sommer ins Büro holt

18.05.2017 um 14.31 – Mixtapes Musik

Der Sommer ist da! Wie schön! Wie heiß! Und auch irgendwie gemein. Jammern wäre dennoch fehl am Platz, schon klar, und deshalb freuen wir uns ab sofort vielmehr ein überdimensional gigantisches Superloch in den Eiskaffee-Bauch, zum Beispiel über die Büro-Aussicht, die uns mit wolkenlosem Blau und prallem Sonnenschein beglückt. Nur noch ein paar Stunden, dann ists geschafft. Tschacka. Bis dahin gibts ein bisschen Sommer für die Office-Ohren: weiterlesen

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My Life is a Mixtape #1 //
20 Lieder von damals bis heute mit … Nike Jane

08.05.2017 um 15.07 – Musik Wir

Eigentlich wollte ich nichts anderes, als ein kleines Nike-Mixtape anlegen, für mich ganz allein, weil ich nunmal mit beinahe jeder Erinnerung ein ganz bestimmtes Lied verknüpfe und manchmal ein wenig Angst habe, zu vergessen. Nicht alles, aber kleine Momente, die in Wahrheit ganz groß waren. Herausgekommen sind ganz genau 75 Lieder, die sich zumindest von meinem eigenen Hirn wie ein audiovisuelles Tagebuch quer durch ein jetzt 29-jähriges Leben lesen lassen. Und genau daraus wurde dann auch schon die Idee zu unserer neuen Kategorie My Life is a Mixtape geboren. Jeder von uns trägt schließlich eine ganz persönliche Speicherplatte mit sogenannten Life-Hits mit sich herum. Die müssen gar nicht alle schön sein, Ehrlichkeit zählt viel mehr.

Deshalb mache ich heute den Anfang mit Mixtape #1, das wegen der akkuraten Vorarbeit viel zu lang geraten ist. Weniger ging jetzt aber nicht mehr und es fühlt sich trotzdem an, als fehle ein ganzer Mount Everest an Retrospektive. Und falls ihr gerade Zeit habt: Wessen Leben hättet ihr denn eigentlich gern als Mixtape präsentiert? weiterlesen

Wo lang geht’s zum Coachella? 12 heimische Festivals, die ganz bestimmt mithalten können 🌻

13.04.2017 um 11.35 – box2 Event Musik

Wer es für den ziemlich unwahrscheinlichen Fall noch nicht mitbekommen haben sollte: An diesem und am kommenden Wochenende findet das Coachella Valley Music and Arts Festival, kurz Coachella, in Indio im Coachella Valley, Kalifornien statt – und eine ganze Branche dreht durch: Nein, nicht bloß die Musikbranche, auch die großen Modeketten steigen längst alljährlich auf den Hippie-Zug zur Festival Zeit auf – und das führte in den vergangenen Jahren natürlich zu immer lauter werdenden Kritik an der Kommerzialisierung und Verwässerung eines der größten Festivals der Welt.

Bitte, wo lang geht’s zu Coachella? Pah, keine Ahnung. Wer braucht schon das riesengroße, prallgefüllte Festival mit Nachhaltigkeitsanspruch und weltbestem Line-Up um Radiohead, Lady Gaga, Kendrik Lamar, Bon Iver und eine ganze Handvoll Überraschungsacts, wenn er hierzulande mindestens genauso gut und ganz bestimmt viel gemütlicher auf dem Hurricane schunkeln, auf dem Melt! bis Mitternacht zappeln oder auf dem A Summer’s Tale Zeit mit der ganzen Familie verweilen kann? Wir haben ein paar der besten Adressen für euren Festival Kalender herausgekramt, die hier in der Kommentarleiste bitte unbedingt durch kleinere und unbekanntere ergänzt werden darf. Coachella, whaaat? weiterlesen

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Track des Tages // „#MyClitoris“
– gegen weibliche Genitalverstümmelung

23.03.2017 um 14.39 – box1 Feminismus Musik

Die britische Wohltätigkeitsorganisation Integrate UK hat vor einiger Zeit ein Video veröffentlicht, das weiblicher Genitalverstümmelung den Kampf ansagt. Und zwar weniger durch harsche Provokation als vielmehr durch einen klugen, offenen und zugänglichen Umgang mit der Thematik. Moment mal. Genitalverstümmelung, würde man vielleicht meinen, ist ein Problem, mit dem Europa und auch Deutschland nicht viel am Hut haben. Die Realität zeigt jedoch recht deutlich das Gegenteil auf: Knapp 50.000 Frauen und Mädchen sind auch in der Bundesrepublik von FGM (female genital mutilation) betroffen – anlässlich des Internationalen Tages gegen weibliche Genitalverstümmelung am 6. Februar hatte das Bundesfrauenministerium erstmals eine empirische Studie mit aktuellen Zahlen vorgestellt. Demzufolge habe mitunter die Zuwanderung von Frauen und Mädchen aus Ländern wie Eritrea, Irak, Somalia, Ägypten und Äthiopien, in denen Genitalverstümmelungen noch immer gängig ist, dazu beigetragen, dass die Zahl betroffener Frauen und Mädchen in Deutschland von Ende 2014 bis Mitte 2016 um 40% stieg. Kann denn die Regierung nicht helfen?  weiterlesen

Mixtape // Quaterlife Crisis I
– When We Were young

15.03.2017 um 18.00 – box1 Musik

Mir ist vergangene Woche das gehässige Lachen über meine Midlife-Crisis-Eltern mitten im Hals stecken geblieben, plötzlich waren da nämlich drei Karma-Falten auf meiner Stirn zu sehen, während mein Sohn schokoladenverschmiert mit dem Finger auf mich zeigte und aussprach, was ich in diesem Moment dachte: Mama ist alt! Ich fing an zu heulen, weil ich gerade erst zum achtundfünfzigsten Mal von meiner 18-Jährigen Nachbarin gesiezt worden war, die ständig klingelt, um mich vor der Lautstärke ihrer nächsten Party zu warnen, auf der ich gefühlt gestern noch die erste gewesen wäre, die nach Gras gefragt hätte. Ich meine, zumindest vorgestern war das Pretty Vacant in Düsseldorf doch noch mein Wohnzimmer, in dem ich umsonst Schnaps bekam, den Barkeeper datete und den DJ (hi Eser!) beim Namen kannte. In dem ich mit meinen Mitbewohnerinnen trippelnderweise zu Indiekellersongs tanzte, bei Kettcars „Deiche“ beleidigte SMS an meine Fast-Beziehung verschickte und Geld für die Pizza danach einsammelte, um gleich nach dem Rausschmeißlied die Erste an der siffigen 3-Euro-Bude zu sein, obwohl wir schon am Nachmittag zwei Kilo Miracoli vorgekocht hatten. In zwei Wochen habe ich Geburtstag. 29. Und ich weigere mich. Weil ich gerade meine erste Qauterlife Crisis durchlebe. Den Soundtrack dazu hört ihr unten. Lebe wohl, mein Traum vom „We’re gonna live forever“ Tattoo auf dem linken Oberschenkel. Ich bin jetzt fast groß. Deshalb hänge ich mir lieber ein tröstendes, altes Poster übers Bett. weiterlesen

All Eyes On // Closed Heartbreaker Jeans
feat. Joy Denalane + Interview

15.02.2017 um 12.31 – box1 Mode Musik

Wenn ich an Joy Denalane denke, klingt mir noch immer „Nur mit Dir“ aus dem Jahr 1999 in den Ohren und ich schwelge in wunderschönen Erinnerungen. So eine tolle Stimme ist so ganz und gar nicht leicht zu vergessen und machte die Sängerin mitunter zu einer deutschen Größe des Soul und R’n’B. Starke Stimme, große Gefühle – was für eine Freude, dass Joy uns ab dem 3. März mit ihrem neuen Album „Gleisdreieck“ einen wahren Ohrenschmaus liefert. Der Song „Alles Leuchtet“ ist nur eines der vielen wunderbaren Lieder, die auf uns warten, aber eine ganz besonderes News ereilt und schon jetzt: Zusammen mit Closed präsentiert sie die neue Heartbreaker Jeans, mit der das Hamburger Brand nicht nur Joy und ihre Stimme, sondern auch selbstbewusste Frauen und die Tatsache feiert, dass Mode sich vor allem gut anfühlen muss. Genau das schafft die lässige und gleichzeitig körpernahe Passform laut Joy jedenfalls ohne Weiteres.

Warum der neue Denim Liebling jede Frau zur Herzensbrecherin macht und welche Bedeutung Mode im Allgemeinen für die schöne Berlinerin hat, lest ihr jetzt im Short Chat, für das sich Joy Denalane trotz vollgepacktem Terminkalender ein wenig Zeit freigeschaufelt hat – das Lookbook plus Video gibts obendrauf: weiterlesen

Single-Premiere 💖//
Balbina – „Der gute Tag“

10.02.2017 um 11.26 – Musik


Als ich Balbina Jagielskas Musik zum ersten Mal hörte, da habe ich sie nicht verstanden. Weil alles so ungewohnt war, so anders. Die Stimme, die Texte, das Gefühl. Ein bisschen so, als würde jemand aus einer anderen Welt zu mir sprechen, eine Fabelfigur vielleicht. Ich drückte wieder auf „play“ und wieder und wieder. Wurde erst nachdenklich und dann ein bisschen süchtig nach der jungen Frau, die unsere Welt akribisch genau beobachtet und in Zeilen verpackt, die nicht weniger sind als Poesie. Pop-Poesie, wenn man so will. Und dann machte es klick. Meine Liebe zu Balbina ist jetzt schon fast sechs Jahre alt, aber inniger denn je. Am 17. Februar erscheint endlich ihr drittes Album: „Fragen über Fragen„. Wir dürfen euch aber schon heute die Premiere der dazugehörigen Single „Ein guter Tag“ präsentieren und feiern damit nicht nur eine der begabtesten, wundersamsten Sängerinnen des Landes, sondern auch eine Komponistin und Liedtexterin, die unsere Gehirne und Herzen gleich auf allen erdenklichen Ebenen berührt.

„Der Song handelt davon, dass man eigentlich überhaupt nicht geplant hat, gute Laune zu haben und dann doch plötzlich alles stimmt. Man übernimmt das Lächeln der Umwelt und wird selbst heiter. Das ist der kurze Moment, indem man sein eigenes Glück einfach mitentscheidet.“ ❤️ weiterlesen

Musik: „The German TLC!“ //
Ace Tee – Bist du down ? (feat. Kwam.e)

18.01.2017 um 12.58 – box3 Musik

ace tee baby bist du down

„The new TLC are German, pass it on“ – ein Tweet, der Anfang Januar als zarte Vorahnung und Bitte von der findigen Userin Yung Rachu abgefeuert wurde und dessen Message heute, nur etwas mehr als einen Monat später, gern als bare Münze gewertet werden darf. Denn wenn sich sogar die USA, die Mutter des R’n’b, erstmals in der Geschichte vor einer deutschen Hip Hop Künstlerin verneigt, wenn sämtliche Hoheiten des Musikjournalismus nichts als Superlative für eine 23-Jährige aus Hamburg übrig haben, dann sind wir gerade womöglich live bei der Geburt eines neuen Stars dabei. Mehr als 750.000 Mal wurde der Track „Bist du down?“ bisweilen aufgerufen. Die Vogue titelt: „Meet the Cool New German R&B Singer Channeling TLC and Aaliyah With Her Style„, „The Internet Is Losing It Over This German Jam“ titelt Highsnobiety und das Papermag schickt „Props für die Entdeckung dieses Juwels an Fader„. Wer jetzt noch immer nicht hinhört und -sieht, ist selbst Schuld.

Ace Tee, die eigentlich Tarin heißt, hat nämlich ganz offenbar alles. Talent, Stimme, Textgefühl und Stil. Mehr noch als das. Sie hat verstanden, woran es den meisten 90s-Verliebten mangelt: An der raren Gabe, keine Kopie von etwas längst Vergangenem zu sein. Sondern ein Zeitreisender, der das Gefühl und die Essenz von damals aufsammelt, um daraus im Jetzt etwas zu erschaffen, das endlich die angestaute Sehsucht stillt. „Future R&B“ nennt Ace Tee ihr Genre also ganz passend. Dem Spiegel erklärte die Musikerin jüngst: „It’s all about Money, Drugs, Girls – alles ist immer nur dasselbe. Wir machen das jetzt einfach anders und bringen Positivität rein.“ Mission geglückt.  weiterlesen

Die Anti Christmas Playlist //
Same Procedure As Every Year

19.12.2016 um 11.04 – Musik

anti christmas mixtape playlistIch mag Weihnachten wirklich sehr gern und auch die dazugehörige Musik, letzteres bloß nicht in Dauerschleife und wenn ich Mariah Carey noch einziges Mal trällern hören muss bevor das Christkind kommt, laufe ich durchaus Gefahr, Dinge zu tun, die selbst Knecht Ruprecht schockieren würden. Weil ich dank diverser privater Nachrichten jedoch weiß, dass ich mit meinem Aggressionspotenzial immerhin nicht gänzlich allein dastehe, habe ich in alter Jane Wayne Manier auch in diesem Jahr für einen kleinen musikalischen Ausgleich in Form einer kleiner Playlist gesorgt. Erwartet nicht zu viel, ich werde alt und weiß nicht, was man als moderner Mensch gerade hört. Das folgende Mixtape ist also mehr Archiv als Fundstätte neuer Schätze, aber ich finde, mit diesen 50 Stücken lässt sich das Warten auf die Sippe ganz gut aushalten: weiterlesen

„Sorry, Sie haben leider eine Scheide“ – Wie Giulia Becker Sexismus mit Satire bekämpft

07.12.2016 um 12.14 – box2 Feminismus Musik

eine scheide boehmermann

Jan Böhmermann mag vielleicht  Polizei haben, aber seine Mitarbeiterin Giulia Becker hat etwas viel phänomenaleres: eine waschechte Scheide. Die bringt ihr jedoch nicht nur Freude und Freunde, sondern vor allem Probleme. Das wissen wir spätestens, seit Böhmi das Musikperformance-Zepter im Neo Magazin Royale vor etwa einer Woche freiwillig aus der Hand gab, um die Bühne erstmals einem weiblichen Mitglied seines Autoren-Teams zu überlassen. Es liegt an meiner Scheide / Es ist egal wie viel ich leide / Schuld ist meine Scheide – Mit ihrem Song „Verdammte Schei*e“ hat die Komikerin, die auf Twitter als „Schwester Ewald“ für Furore und intelligente Unterhaltung sorgt, den Feminismus mit einer längst verdienten Portion Lässigkeit beglückt und obendrein ganz nonchalant eine neue Bewegung gegen Benachteiligung ins Leben gerufen:

„Wenn ihr mit mir seid, dann schwingt jetzt eure Scheide“, singt sie uns im dazugehörigen Video entgegen, mit der Unterstützung von Ina Müller, Hazel Brugger, Nora Tschirner, Olivia Jones und einem ganzen Protestmarsch im Rücken. Hunderte Frauen legen Daumen und Zeigefinger bestimmt aneinander, um der Welt zu zeigen: Wir haben eine Scheide. Es mag Zufall sein, dass das auserwählte Symbol unweigerlich an die Merkel-Raute erinnert. Herrlich pathetisch und zwar genau im richtigen Maße, ist es allemal. Denn was zunächst als typische Übertreibung im ehrwürdigen Stil glasklarer Satire anmutet, ist im Kern für viele von uns Alltag. Noch immer. weiterlesen

MUSIK // Dena „Freaking Out“

02.12.2016 um 9.06 – Musik

dena

It’s a great pairing for pop that wears its heart on its sleeve without sounding toothless. Mit „Freaking Out“ lädt uns Denitza Todorova ganz tief in ihr Innerstes ein, erzählt uns von ihrem Schmerz und ihrer persönlichen Einbahnstraße zwischen Kummer und Sprachlosigkeit. Freaking Out ist eine Momentaufnahme ihres Lebens, die wir so gut kennen aus unserem eigenen Kosmos kennen und genau darin fasst sie dieses uns so vertraute Gefühl von Verzweiflung, Weltschmerz und Unverständnis in ganz klaren Wort zusammen. Während Dena in ihrem neuesten Video zur zweiten Single-Auskopplung ihrer aktuellen EP „Trust“ in einer Selbsthilfegruppe sitzt und in einem Schwall all ihren Kummer über die Liebe und das Leben rauslässt, haben wir längst das Gefühl, mit im Kreis zu sitzen, um ununterbrochen zu nicken und ihr dabei liebevoll die Schulter zu streicheln oder wütend die Fäuste zu ballen.

Denn Dena singt von dem Moment, den wir alle kennen, von Bewegungslosigkeit, von WTF-Momenten und Orientierungslosigkeit, sie beschreibt ihren Liebeskummer und das Gefühl, wenn aus Zweisamkeit Feindseligkeit wird, während sie in gewohnter Manier dafür sorgt, dass unser Körper ab der Hüfte gar nicht anders kann, als mit dem Beat zu wippen. weiterlesen

„Hengstin“ – warum ein Song über Sexismus & Diskriminierung kein kalter Kaffee ist.

07.11.2016 um 12.24 – box3 Feminismus Musik

jennifer rostock hengstinDie Band Jennifer Rostock hat vergangene Woche das Video zum Song Hengstin veröffentlicht. Im Song selbst geht es um Sexismus, um Diskriminierung – und die Reaktionen einiger Medien zeigen beispielhaft, warum das Thema eben kein „kalter Kaffee“ ist.

Ich bin ehrlich gesagt kein großer Fan von Jennifer Rostock – irgendwie nicht meine Musik. Aber Hengstin, den neuen Song der Band, mag ich. Sehr sogar. Noch mehr mag ich das dazugehörige Video, das letzten Freitag veröffentlicht wurde. Darin bouncen Tänzer*innen auf verstörende Art ziemlich cool herum, verschiedene Frauen schauen herausfordernd in die Kamera und Sängerin Jennifer Weist ist manchmal nackt und am Ende eine Zentaurin, also eine Pferdefrau. Hengstin eben. Der eigentliche Knaller ist aber natürlich der Text: „Erzähl mir nicht, dass das Thema kalter Kaffee ist / man muss nicht alles schwarz anmalen, um zu erkennen was Sache ist. Wir leben in ’nem Herrenwitz, der nicht zum Lachen ist / doch wenn man ihn nur gut erzählt, merkt keine Sau, wie flach er ist“, rappt Weist an einer Stelle. weiterlesen