Schlagwort-Archiv: Black Girl Confessions

BLACK GIRL CONFESSIONS //
„GEH ZURÜCK NACH AFRIKA“ – EIN BESUCH IN DER HEIMAT

16.08.2017 um 12.44 – Gesellschaft Kolumne Leben

Ich habe mir diesen Sommer etwas besonderes ausgedacht: Mir selbst und der Familie eine richtige Freude machen, mit einem ausgedehnten Heimaturlaub. Denn wo geht es schon entspannter zu als bei Mama auf dem Sofa? Der Weg in die Lübecker Bucht dauert keine vier Stunden gen Nord-Westen, also gesagt getan, ich freute mich auf dieses „damals-Gefühl“ und schneckenlahme Spaziergänge durch die Altstadt. Nur: Was macht man eigentlich, wenn das Zuhause, wie man es kannte, im Grunde gar nicht mehr existiert? Zumindest nicht so wie in all den lebhaften Erinnerungen. Und was, wenn du dich selbst eben auch verändert hast? Fünf Jahre sind kein Pappenstiel und haben es geschafft, mein Verständnis von einer waschechten Heimat noch einmal gehörig auf den Kopf zu stellen. Berlin ist jetzt „Zuhause“. Der Nazi auf dem Fahrrad aber, sah das ein wenig anders. weiterlesen

BLACK GIRL CONFESSIONS // VON DER KUNST, EIN WÜTENDES LEBEN ZU FÜHREN

27.06.2017 um 14.03 – Kolumne Leben Wir

Zurzeit versuche ich meine Emotionen besser in den Griff zu bekommen und rationaler zu werden. Erwachsener für mein Verständnis. Ich will nicht mehr so herausschreien, was in meinen Kopf schießt und vor allem vorher noch einmal kurz bedenken, was ich eigentlich sagen will. Ob das überhaupt ok ist, dieses und jenes so zu formulieren oder ob mich die Materie überhaupt etwas angeht. Auf meiner eigenen Baustelle bleiben. Selfreflection is key. Aber was ist mit den Momenten, in denen man sich so absolut nicht mehr zu beherrschen weiß und vor Empörung und Wut spuckt und sich die Wörter vor lauter Hektik überschlagen?

„Du bist aber aggro“. Wenn man etwas zu oft über sich hört, springt man selbst mit dem halben Bein auf den fahrenden Zug. Schon wieder so ein Balanceakt. Von der Kunst, ein wütendes Leben zuführen. weiterlesen

BLACK GIRL CONFESSIONS //
„WOW, HAST DU FARBE BEKOMMEN“

05.06.2017 um 19.23 – Kolumne Leben Wir

Alle Jahre wieder bricht sie pünktlich zum Frühling über uns herein, diese Zeit, in der schon im Kopf die imaginären Liegen durchgegangen werden, um sie mit einem Handtuch zu besetzen und bloß nicht zu kurz zu kommen beim kollektiven Sonnenbad, beim Wettlauf um den eindeutigsten Bikiniabdruck und den dunkelsten Sommersonnen-Ton auf einer Skala von Kreide bis Kokosnuss. Wir wollen braune Haut und das am besten potzblitzschnell. Lange halten soll der Anstrich auch. Koste es, was es wolle. Die Mehrheit der westlichen Welt verlangt nach einem dunkelgoldenen Antlitz, dafür ist kein Tan Maximizer, kein Öl, kein Selbstbräuner und auch kein Solariumbesuch zu schade – aber warum? Welcher mitunter sogar unvernünftige und ungesunde Teufel reitet uns denn da? Wieso ist uns allen einmal im Jahr schlagartig nach einem knusprigen Sommerteint zumute? Und warum spiele ich da eigentlich mit?

Ich fange einfach mal bei mir selbst an. Ich selbst betrachte mich nämlich als Afrodeutsche. Also als schwarze Frau. Weil das für mich weniger mit meiner tatsächlichen Hautfarbe (die farblich gar nicht schwarz ist), sondern mit einer Zugehörigkeit, mit einem sich mit einer Gruppe identifizieren zu tun hat. Ich bin, wenn man so will, quasi eine weiße Schwarze. Und jeden Sommer plagt es auch mich aufs Neue: Och nö, ich bin ja so blass, du bist ja schon so braun, oh – in der Drogerie gibt es ein neues Sonnenöl mit LSF 15, nehm ich mal mit. Ab Anfang April haue ich mich ernsthaft bei jeder noch so kleinen Gelegenheit in die pralle Sonne und hoffe mit jedem Tag auf eine noch intensivere Bräune. Was ist da los? weiterlesen

Black Girl Confessions //
Von Afrostolz und Alltagsrassismus

24.01.2017 um 13.09 – Beauty Gesellschaft Leben

afro proudMeine Heimat als Kleinstadt zu bezeichnen, wäre untertrieben, aber Menschenmassen und Diversität hat dieser Ort trotzdem nicht zu bieten. Auch wenn all’ meine Freund*innen und ich es lieben, in der Weihnachtszeit oder den Sommermonaten die mittelgroße Perle im Norden und Mamas Gästebett aufzusuchen, atme ich nicht selten erleichtert auf, wenn ich den historischen Stadttoren wieder den Rücken kehre.

Als Women of Colour war Aufwachsen fernab der Großstadt, besonders in der Retrospektive, ein gar nicht so leichtes Unterfangen. Ich ließ in der vierten Klasse unter Tränen eine chemische Glättungskur über mein Haar ergehen und entschied mich, nachdem einige Lehrer meine Frisur als ungepflegt betitelten, meine verletzten Locken für die gesamte Mittelstufe unter einem Jeans-Bandana zu verstecken. Mit 17 war es endlich so weit: Free the Fro! Endlich fühlte ich mich sicher und gut mit meinem Schopf, lernte wie es ihn zu pflegen gilt und sauge seitdem begeistert alle Natural Hair Tipps auf, wie mein durstiges Haar die pflanzlichen Öle. Auf den Straßen von Lübeck sorgte das große, braune Etwas in der Regel für interessierte Blicke und verunsichertes Nachfragen. Meine Haare blieben etwas besonders, weil selten und auffällig. Obwohl ich mich heute prima mit Haut und Haar fühle, ist und bleibt mein Afro ein intimes und emotionales Thema, von dem ich das Gefühl habe, es von Zeit zu Zeit immer noch ein Stückchen besser zu verstehen. weiterlesen