Schlagwort-Archiv: Body Positive

Body Positivity Track //
Miss Eaves – Thunder Thighs

09.06.2017 um 11.30 – Musik

Eigentlich hatte ich mir geschworen, weniger von Body Positivity zu schwafeln und stattdessen für eine Art Body Neutralism einzustehen. Vielleicht ist es aber noch ein bisschen zu früh für diese radikale Form der Akzeptanz durch Ignoranz (oder wie auch immer man ein gut gemeintes Desinteresse an den Körperformen dieser Welt nennen mag). Wir wären ja quasi längst am Ziel angelangt, wenn Bäuchlein und Beine überhaupt keinen Redestoff mehr bieten würden, wenn Formen, Farben und Äußerlichkeiten endlich kein öffentliches Thema mehr wären. In Wahrheit ist der Weg hin zur selbstverständlichen Diversität aber noch ein sehr langer und Body Shaming pünktlich zum Sommer präsenter denn je. Ein wunderbares Beispiel für die Abstinenz von Respekt gegenüber der Vielfalt des menschlichen Körpers lieferte dieser Tage etwa das Klatsch-Magazin „Inside“, das mit dem Titeln „Die Dellen-Queens! Stars im Cellulite-Stress“ lockte. Diese traurige, klickgeile Frechheit bedarf zwar keines weiteren Kommentars, ein bisschen Gegenwind kann aber trotzdem nicht schaden.

Rapperin Miss Eaves kommt uns da mit ihrem neuen Track „Thunder Tighs“ gerade also durchaus gelegen. Ihr Sommer-Mantra lautet nämlich: “Thick thighs, sundress, I’m looking good”! weiterlesen

Brain Blah //
Es ist Sommer, lasst die Rollen frei.

17.05.2017 um 13.40 – Leben Wir

Ich bewundere Menschen, die viel Sport treiben wirklich sehr, so ist das gar nicht. Diese enorme Form von Selbstdisziplin muss man ja erst einmal aufbringen, und Crunchies – pardon Chrunches – Kniebeugen und Klimmzüge, ich meine, Spaß macht das alles zu Beginn doch nun wirklich nicht, man muss vielmehr erst Blut riechen, dann den inneren Schweinehund erlegen und vor allem dran bleiben, bis eines Tages der Rausch einsetzt und jede Anstrengung zur Wonne wachsen lässt. Aber Freunde, ich fragte mich dieser Tage, ob das denn wirklich alles sein muss. Es geht, so die These, ja kaum mehr um Gesundheit als viel eher um den perfekten (Achtung-Scheiß-Wort-Alert) Beach Body.

Ich lese ja nunmal auch diverse Blogs und Magazine und mein Gott, statt den Frühling mit Wohlwollen und offenen dürren oder dicken, aber zumindest eigenen Armen zu begrüßen, bricht seit Wochen allerorts Hysterie aus. Die einen fressen nur noch die Hälfte, andere verballern jeden lauen Maiabend im Gym und beinahe alle drehen am Rädchen, mobben sich selbst vor dem Spiegel und verzweifeln an Idealvorstellungen, denen so gut wie niemand, der nicht allein zwischen Fotos und Filtern existiert, standhalten kann. Sogar Knie werden gehasst, weil über Knien nunmal Haut und vielleicht auch ein gesunder Fettmantel hängt, ohne gehts ja nicht, außer wir säßen bloß zur Zierde da, mit ausgestrecktem, strammen Bein natürlich. weiterlesen

Strandspaß Spezial Teil I //
Bademode für alle <3

30.03.2017 um 10.33 – box2 Mode

How to get a beach body – 1.Have a body, 2. Go the beach. Welch wohlig warme Utopie, diese süße Vorstellung einer Zeitschriftenlandschaft, in der Diäten endlich keine Rolle mehr spielen. Stattdessen fällt mir im Angesicht der geballten Masse an Genuss-verweigernden Titelthemen und angeblich schlankmachenden Clickbait-Beiträgen vor lauter Ratlosigkeit regelmäßig die Kinnlande herunter. Es ist nicht so als würde ich per se jedes Workout und sämtliche Matscha-Rezepte verteufeln, seis drum, aber was uns da aufgetischt wird, ist meist vor allem eins: Krank. Was bitte fange ich denn mit der Information an, dass Celebrity XY sich ausschließlich von fettarmer Milch und halben Brötchen ernährt? Und wie reagiere ich auf die frohe Botschaft, dass es durchaus möglich ist, sich an heißem Wasser satt zu saufen? Hoffentlich mit einem stolzen Mittelfinger statt mit Komplexen. Genau das ist aber gar nicht so einfach. Body Positive? Halb Berlin scheint gerade wieder in den alljährlichen Optimierungswahn zu verfallen, was in Ordnung wäre, würde es aus den richtigen Gründen geschehen, aus Selbstliebe statt aus Selbsthass zum Beispiel. Wie aber soll sich so etwas wie Zufriedenheit einstellen, wie können wir je Dankbarkeit empfinden für einen Körper, der alles kann, wenn wir im Prinzip tagein, tagaus fertig gemacht werden. Manchmal sogar unbewusst.

Immer wieder kommt etwa ganz ungeniert die Frage auf: Wie machst du dich Beach-Ready? Ich habe längst aufgehört, am Sinn dieser Frage zu verzweifeln und mir stattdessen selbst eine Antwort geliefert: Mit einer guten Sonnencreme. Und einem Badeanzug, den ich mag. Fertig. Jetzt müssen wir nur noch damit anfangen, nicht nur nett zu anderen, sondern endlich auch zu uns selbst zu sein. Und immer weiter nach bunter Diversität schreien, damit pralle Melonen, winzige Kirschen und frische wie verrunzelte Äpfelchen endlich zu gleichen Teilen mit Liebe überhäuft werden: weiterlesen

Brain Blah //
Warum Lena Dunhams Cellulite auf dem Cover so wichtig ist

04.01.2017 um 14.11 – Feminismus Gesellschaft

girls lena dunham cover cellulite glamour magazine

Das amerikanische Glamour Magazine hat sich dazu entschieden, die vier „GIRLS“ Stars auf das Cover der Februar-Ausgabe zu bringen. Und zwar ungeachtet kleiner Makel. Zum allerersten Mal in der Geschichte der Frauenzeitschriftenlandschaft ist auf dem Deckblatt einer Hochglanzproduktion also waschechte Cellulite zu erkennen – ein wichtiges Statement und noch viel mehr als das. Nur logisch etwa. Vor allem in Hinsicht darauf, dass besagte Issue ausschließlich von Frauen für Frauen produziert wurde und 90% von uns nunmal genau wie Regisseurin und Protagonistin Lena Dunham liebenswerte Beulen an Po oder Beinen mit sich herum tragen. Die darf normalerweise bloß niemand sehen. Eine Meinung, die in Anbetracht der Realität seltsam erscheinen mag, aber durchaus salonfähig ist.

Ich erinnere mich noch genau an ein Gespräch in New York, das ich mit einer Redakteurin der Grazia führte. Man fragte mich nach meiner Meinung über dieses und jenes und nachdem ich viel Positives anzumerken hatte, erinnerte ich mich in letzter Sekunde doch noch an die Pro- und Kontra Kategorie des Magazins, in der Mitarbeiterinnen ihren Senf zu aktuellen Themen beisteuern dürften. Ein Beitrag, der mir besonders übel aufstieß und in schlechter Erinnerung blieb, war jener über die Lingerie Kampagne, in der Lena und Jemima Kirke sich in voller Pracht und Unterwäsche am Rande einer Badewanne räkelten. Während ich selbst ausschließlich Applaus für die daraus entstandenen Bilder übrig hatte, schwadronierte die Kontra-Stimme doch tatsächlich darüber, dass „so etwas“ nun wirklich niemand sehen wolle. So etwas dickes. So etwas Unästhetisches. Noch beim Durchlesen dieser Zeilen fiel mir die Kinnlade herunter. Bis dato hatte ich schlichtweg nicht darüber nachgedacht, dass außer der Brands selbst überhaupt jemand etwas gegen sympathischen und selbstbewussten Realismus in Bildform einzuwenden haben könnte. Gegen den allgemeinen Tenor des positiven Körpergefühls, der vor allem von einem natürlichen Umgang mit Diversität zehrt. Gegen Menschen, die sich so zeigen, wie Mutter Natur sie geschaffen hatte. weiterlesen

All eyes on //
LÖV THE LABEL – sustainable underwear
made by woman for woman

25.11.2016 um 11.53 – Mode

lovthelabel underwear

Es passiert mir manchmal, dass ich mich auf platonischer Ebene so sehr in einen Menschen verliebe, den ich gerade erst fünf Minuten kenne, dass ich am liebsten alles stehen und liegen lassen würde, um schnell fünf Kaffee zu bestellen und alles, aber auch wirklich alles zu erfahren, was in dem jeweiligen Superkopf an Gedanken so herumschwirrt. So war das auch vor ein paar Wochen, als ich über Maike und ihr Label LÖV stolperte. Ratzfatz waren wir beim Thema Body Shaming angelangt, bei BH-Bügeln, die pieksen und Katastrophen-Periodenschmerzen. Furchtbar sei das doch, sagte Maike, und erklärte mir schnell, dass sie und ihre Freundinnen es mit LÖV deshalb auch irgendwie anders machen wollten, nämlich fair, ethisch korrekt und transparent zum Beispiel. Ohne Retusche in Postproduktion, dafür aber mit Vielfalt hinsichtlich der Bildsprache und vor allem mit einer großen Portion Gemütlichkeit. Im Repertoire der aus biologischer Baumwolle gefertigten Unterwäsche findet sich etwa ein Bottom-Schnitt, der fast bis zum Bauchnabel reicht, damit der Unterleib an kritischen Tagen warm eingepackt ist, logisch. Lästige Drähte und Polsterungen sucht man hingegen vergebens, die Passform kommt nämlich mit dem Schnitt, und sämtliche Verschlüsse werden aus Nickel freien Materialien gefertigt – ausschließlich in Europa wohlgemerkt. 

Demnächst folgt selbstverständlich noch ein Interview mit Maike, die Gründerin des besagten neuen Lieblingslabels hat nämlich ganz schön viel zu sagen. Und das merkt man: Bei LÖV geht es immer wieder um Themen wie Selbstliebe und Gedanken über den „weiblichen Blick“ auf die Welt, um Body Positivism und Inklusion. Mehr verrate ich jetzt aber wirklich nicht. Stattdessen folgen Bilder und ein kleiner Geschenk-Tipp: Mein Favorit aus der aktuellen Kollektion heißt SKYAMORE:

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Brain Blah // Jeder soll schön sein, aber niemand darf es.

15.11.2016 um 17.40 – Allgemein box3 Gesellschaft Leben

body positiveIch habe eine Freundin, die nicht nur blitzgescheit ist, sondern zweifelsohne auch bildschön. Die Diamantin meines Bekanntenkreises sozusagen, vor Selbstbewusstsein strotzend und sogar objektiv betrachtet makellos, von innen und außen. Bloß strahlt sie genau das auch aus, seit der Grundschule schon, weshalb sie wahre Frauenfreundschaften laut eigener Aussage bis heute an etwa einer Hand abzählen kann. Das ist keine Ausrede, jedenfalls musste ich meine eigene Vermutung, nämlich jene eines möglichen Lecks in Sachen Sozialkompetenz ihrerseits, schnell über Bord werfen; schon mehrere Male konnte ich nämlich live dabei zusehen, wie männliche Mitmenschen sich den Hals nach ihr verdrehten, während die anwesenden Damen nichts als abwertende, von Angst geplagte Blicke für die sauschlaue Schönheitskönigin übrig hatten. Das klingt jetzt hoch gestochen, aber ich meine das so, denn wer ausschließlich hübsch daher kommt, wird nur selten als Bedrohung wahrgenommen, stimmt aber das Gesamtpaket: Panik, big time.

Das lassen wir jetzt einfach mal so im Raum stehen, weitere Beobachtung führen uns nämlich geradewegs in eine viel interessantere Einbahnstraße. Wer das mediale Zeitgeschehen derzeit aufmerksam verfolgt, wird wohl kaum an all den lauten Parolen für mehr Selbstbestimmung, Selbstliebe und Selbstsein vorbei gekommen sein, der weiß um den aktuellen, mitunter bis über die Grenzen hinaus vermarkteten Body-Positive-Chor, in den sämtliche Meinungsmacher gerade eifrig einstimmen. Wir begrüßen diese Entwicklung, sehr sogar, bloß frage ich mich zunehmend, ob besagter Appell überhaupt verstanden wurde. Alle sollen schön sein, aber (so gut wie niemand) darf es? weiterlesen