Schlagwort-Archiv: Brain Blah

Brain Blah //
Die Social Media Luxus Problematik

29.11.2016 um 14.55 – Gesellschaft Leben Mode

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Ein Instagram Post, den ich vergangene Nacht in einem Anflug von Schlaflosigkeit niedergetippt hatte, erschien mir noch beim Upload als überaus logisch, durchaus angebracht und dingend notwendig. Nur ist gut gemeint, längst nicht automatisch gut gemacht, was sich alsbald in den darauffolgenden Kommentaren zeigen sollte und mich für einen kurzen Augenblick zunächst ernsthaft an meiner geistigen Konstitution zweifeln ließ und dann an der Fähigkeit, mich für jedermann und -frau verständlich auszudrücken. Deshalb versuche ich es auf diesem Kanal ein zweites Mal, mit ein bisschen mehr Raum für die Erklärung meiner Beweggründe – Obwohl ich ehrlich gesagt vornehmlich eine ganz grundsätzliche Hasskappe auf Soziale Medien und deren Mutation zur Pest für Körper und Seele hegte (vermutlich auch, weil ich selbst Teil davon bin) und noch dazu zu viel Cola getrunken hatte.

Aber jedenfalls schrieb ich irgendetwas von wegen „Leute. Eine Designertasche macht euch nicht glücklicher als ein Spaziergang durch den Park. Vor allem, wenn ihr erst 20 seid. Und wenn ihr doch so ein teures Taschenscheißerchen kauft, dann achtet zumindest darauf, dass es euer Herz mit echter Freude erfüllt, etwa, weil es für einen bestimmten Abschnitt in eurem Leben steht, einen großen Schritt, weil es euch aus welchen Gründen auch immer so richtig etwas bedeutet und dadurch zu einem bescheuerten aber lieb gewonnenes Symbol heranwächst. Aber nicht nur wegen des Logos. Oder etlicher Influencer. Die meisten von ihnen müssen für diesen Luxus nämlich noch dazu einen (nicht in Geldscheinen abzählbaren) Preis bezahlen, den die allermeisten Menschen überhaupt nicht zahlen wollen würden.“ Ich beschloss ganz einfach, das müsse endlich mal gesagt werden und am besten auch immer wieder. weiterlesen

Brain Blah // Plötzlich intolerant.

23.11.2016 um 13.31 – Gesellschaft Leben Wir

collage this is jane wayne brianblahIrgendetwas ist im vergangenen Jahr mit mir geschehen, mit meiner Wohlgesonnenheit, mit meinem Gesicht. Letzteres entgleitet mir neuerdings vollkommen unkontrolliert, in ganz unterschiedlichen Situationen, aber meist im Angesicht meiner eigenen Intoleranz. Ich will keine kauzige Fensterbrettrentnerin werden, die sich an den Lastern anderer ergötzt, wirklich nicht, aber momentan könnte man fast meinen, ich sei auf dem besten Weg dorthin. Allem Anschein nach ist mir der Sinn für das antrainierte Dauerlächeln amerikanischer Hollister-Verkäufer gänzlich abhandengekommen, vor allem im beruflichen Bereich. Dabei war ich schon allein wegen meines stark ausgeprägten Drangs nach Harmonie stets sehr gut darin, getreu dem löblichen und liberalen Motto Leben und leben lassen. Jetzt fällt mir das Lassen im Allgemeinen zunehmend schwer, das Schweigen, genau wie das Schleimen und Scheiße hinnehmen, etwa der guten Stimmung zuliebe.

Ich packe es einfach nicht, Höflichkeit und auch diese gewisse gesunde Gleichgültigkeit über meinen inneren Groll zu stellen, wenn mir etwa jemand gegenübersitzt, dessen Gehabe mich an die Grenze des Augenrollens treibt. Wo wir wieder beim Thema der frühzeitigen Vergreisung meinerseits angelangt wären. Um es mal ganz salopp zu formulieren: Ich habe Angst, hochnäsig à la „Ich hasse Menschen“ zu werden und zwar in einer Form, wie ich sie bisweilen immer auf den Tod verteufelt habe. weiterlesen

Brain Blah // Jeder soll schön sein, aber niemand darf es.

15.11.2016 um 17.40 – Allgemein Gesellschaft Leben

body positiveIch habe eine Freundin, die nicht nur blitzgescheit ist, sondern zweifelsohne auch bildschön. Die Diamantin meines Bekanntenkreises sozusagen, vor Selbstbewusstsein strotzend und sogar objektiv betrachtet makellos, von innen und außen. Bloß strahlt sie genau das auch aus, seit der Grundschule schon, weshalb sie wahre Frauenfreundschaften laut eigener Aussage bis heute an etwa einer Hand abzählen kann. Das ist keine Ausrede, jedenfalls musste ich meine eigene Vermutung, nämlich jene eines möglichen Lecks in Sachen Sozialkompetenz ihrerseits, schnell über Bord werfen; schon mehrere Male konnte ich nämlich live dabei zusehen, wie männliche Mitmenschen sich den Hals nach ihr verdrehten, während die anwesenden Damen nichts als abwertende, von Angst geplagte Blicke für die sauschlaue Schönheitskönigin übrig hatten. Das klingt jetzt hoch gestochen, aber ich meine das so, denn wer ausschließlich hübsch daher kommt, wird nur selten als Bedrohung wahrgenommen, stimmt aber das Gesamtpaket: Panik, big time.

Das lassen wir jetzt einfach mal so im Raum stehen, weitere Beobachtung führen uns nämlich geradewegs in eine viel interessantere Einbahnstraße. Wer das mediale Zeitgeschehen derzeit aufmerksam verfolgt, wird wohl kaum an all den lauten Parolen für mehr Selbstbestimmung, Selbstliebe und Selbstsein vorbei gekommen sein, der weiß um den aktuellen, mitunter bis über die Grenzen hinaus vermarkteten Body-Positive-Chor, in den sämtliche Meinungsmacher gerade eifrig einstimmen. Wir begrüßen diese Entwicklung, sehr sogar, bloß frage ich mich zunehmend, ob besagter Appell überhaupt verstanden wurde. Alle sollen schön sein, aber (so gut wie niemand) darf es? weiterlesen

Kommentar //
Herr Trump, der größenwahnsinnige Donald.

09.11.2016 um 14.43 – Gesellschaft

trumpEin Clown zieht ins weiße Haus ein, so schreibt es der Postillon, nur dass so etwas wie Satire diesmal kaum spürbar ist. Wer Trump als Narr mitsamt weißem Haar, teigigem Gesicht und roter Nase bezeichnet, entledigt sich automatisch jeder Übertreibung, der vergisst bei aller Oberflächlichkeit nicht das Wesentliche, weil es ohnehin kaum Wesentliches und insbesondere nur ein verschwindend unauffälliges Maß an Intellekt zu erwähnen gibt, der bedient sich weniger des Pamphlets als vielmehr reiner, schmerzlicher Wahrheit.

Der 9. November 2016 ist ein Schlag in den verwundeten Magen des gesunden Verstandes, ein tragischer Witz auf Kosten der Menschenrechte, eine plötzlich reale Dystopie für jeden Freund der Demokratie, für das denkende Individuum an sich. So schnell abzusehen der fatale Ausgang der US-Wahlen schien, so irrsinnig und unglaublich hallt er nach. Aus „Make America Great Again“ ist „Make America Vote Again“ geworden, Studierende protestieren, Journalist*innen schimpfen und Lena Dunham wähnt sich laut Twitternachricht nur noch in Lady Gagas Vagina in Sicherheit. Sicher vor dem Donald Duck der republikanischen Vollpfosten. Dabei hätte wohl niemand außer der Trump’schen Jünger selbst an den Sieg eines hundsgemeinen Obskuranten, machtgeilen Größenwahnsinnigen, sexistischen Rassisten und strunzdummen Lügners geglaubt. weiterlesen

Kolumne // Entweder ich spinne,
oder meine Wohnung hat Ohren.

02.11.2016 um 11.33 – Gesellschaft Leben Technik

facebook spionageWeil wir kein Technikblog sind, wollte ich die nun folgenden Gedanken zunächst beiseite schieben und weil ich mich außerdem nicht mehr für Technik interessiere als für Royals, war ich mir schnell sicher, mir würde außerdem die nötige Expertise für ebendieses Vorhaben fehlen. Jetzt wird es mir aber langsam zu bunt. Oder besser: Verrückt. Denn entweder mein Hirn hat sich jetzt endgültig dem Wahnsinn verschrieben und sich von kritischen Stimmen, Verschwörungstheoretikern und diversen U.S.-amerikanischen Politserien infiltrieren lassen, oder mein Handy hört, was ich sage. Obwohl, vielleicht ist es auch der Laptop. Oder das Tablet. Jedenfalls muss irgendetwas in meiner Wohnung Ohren haben, etwas, ohne Beine und Arme. Etwas, das eigentlich stets zu meinen Diensten sein sollte, statt mich auszuspionieren. Schon klar, man könnte sich in diesem Moment natürlich fragen, ob die werte Modebloggerin wohl eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen habe, besser wäre das wohl; so ein bisschen Irrsinn ist bei so viel Internet im Alltag immerhin nicht auszuschließen. Das war ehrlich gesagt auch mein erster Gedanke. Aber es scheint mittlerweile tatsächlich so, als habe sogar das, worüber ich schlafanzugtragend am Frühstückstisch spreche, Einfluss auf den Werbe-Algorythmus meiner ganz persönlichen Facebook Timeline. Ich habe das Treiben, nachdem ich skeptisch wurde, etwas genauer unter die Lupe genommen. Eine ganze Woche lang. Und die sah, grob zusammengefasst, so aus: weiterlesen

Kolumne // Liebe ist wie Süßkram
aus der Papiertüte

26.10.2016 um 12.30 – Feminismus Leben

IMG_8981Ich hatte schon ein paar feste Freunde, etwa vier richtige waren es, und manchmal überkam mich die seltsame Panik, ich könne dennoch so etwas wie ein leichtes Mädchen sein, weil zwischen ebendiesen Partnern auch immer wieder Nicht-Partner für gelegentliches DVD-Schauen auftauchten, meist dann, wenn ich lieber Single als zweisam war, aber eben doch nicht auf sämtliche Vorzüge des menschlichen Miteinanders verzichten wollte. Erstaunlich auch, dass ich das lose Anbändeln irgendwann nicht nur als etwas exotisches betrachtete, das man lieber nicht an die große Glocke hängt, die Leute hätten ja tuscheln können, sondern das In-Einer-Beziehung-Sein im gleichen Atemzug als etwas empfand, das gesellschaftlich irgendwie akzeptierter schien. Jedenfalls fiel es nicht immer leicht, zu erklären, dass XY vermutlich nicht mein Zukünftiger werden würde und zwar einfach darum.

Weil es Phasen in meinem Leben gab, in denen ich lieber Chips im Bett aß, während meine beste Freundin sich auf dem Sessel gegenüber die Fußnägel lackierte, als einem Mann Auskunft darüber zu erteilen, weshalb ich die nächsten zwei Wochen lieber für mich allein buchen würde. Was war ich also froh, als ich endlich mein vermeintliches Deckelchen fand, den Vater meines Kindes nämlich, und dass ich fortan an Pärchen-Tischen sitzen konnte, ohne eine Verkuppelungs-Angst im Nacken zu spüren. Zuvor hatte ich hin und wieder einen Julius kennenlernen oder meinen Nachtisch mit Torben teilen müssen. Alles paletti also, puh. Bis zur Trennung, die Topf und Deckelchen einvernehmlich entschieden, weil aus einer Papiertüte voll bunter Liebe eine leere Tüte geworden war, eine, in der es immerhin noch nach tiefer Freundschaft roch. Da ging die Farce von vorne los. Und Achtung, jetzt kommen wir nämlich zum Knackpunkt, denn wie man es macht, macht man es offenbar falsch oder zumindest entgegen jeder Logik. weiterlesen

Brain Blah // #NoMakeUp
Sag mal, gehts dir nicht gut?

20.10.2016 um 14.24 – Beauty Feminismus Leben

#nomakeup

„I hope to God it’s a revolution. Cause I don’t want to cover up anymore. Not my face, not my mind, not my soul, not my thoughts, not my dreams, not my struggles, not my emotional growth. Nothing.“ Mit ihrem Essay für das Newsletter-Projekt Lenny Letter hatte Alicia Keys sich Ende Mai in die Herzen sämtlicher Frauen geschrieben. Die Musikerin entledigte sich damals pünktlich zur neuen Singleauskopplung „In Common“ ganz öffentlich jeglicher Schminke, selbst auf dem dazugehörigen Plattencover war und ist kein Gramm Puder zu erkennen: „I swear it is the strongest, most empowered, most free, and most honestly beautiful that I have ever felt“, kommentierte Keys später ihre Entscheidung, aus der als logische Konsequenz recht bald die #NoMakeUp Bewegung entsprang.

Frauen aus aller Welt posten sich seither passend zum Hashtag ganz so, wie die Natur sie schuf: ungeschminkt. „Wunderbar“, dachte ich damals schnell, bis ich kurz darauf ins Hadern geriet: Läuft da nicht mächtig was schief, wenn das Natürliche plötzlich als Ausnahme gilt und sogar ganz öffentlich zelebriert werden muss, um überhaupt wieder als salonfähig zu gelten? weiterlesen

Brain Blah // Endlich werden wir wieder
politisch, streiten und fluchen.

29.09.2016 um 11.56 – Feminismus Gesellschaft Leben
freundschaften und politikBild: Louis Vuitton

Vor ein paar Monaten bekam ich eine Nachricht von einem alten Klassenkameraden, wir hatten noch immer 51 gemeinsame Freunde auf Facebook. Zehn Zeilen später waren es nur noch 50. Dank einer ziemlich simplen Frage: Ey, du. Der Thomas ist übergeschnappt, springt für die AfD in die Bresche – kann man das noch tolerieren? Ich dachte nicht nach, sondern kommentierte die jetzt unübersehbare Sympathie-Bekundung zum politischen Abgrund Deutschlands scharf und drückte alsbald den Unfriend-Button. Es war noch nicht einmal eine weise Überlegung, den einstigen Pausenclown aus meinem virtuellen Leben zu löschen, vielmehr handelte es sich um einen natürlichen Reflex und ein bisschen auch um Selbstschutz. Braunes Gedankengut, und sei es noch so geschickt im Deckmantel christlich-konservativer Werte verpackt, treibt mich an die Kotzgrenze und ich hasse es wirklich, mich zu übergeben.

Ob politische Differenzen Freundschaften zerstören können, gerade jetzt, in Zeiten der rechten Hipster, Frauke Petrys, Le Pens und Trumps, darüber diskutierte man in meinem Umfeld fortan vermehrt. Anfangs zögerlich, irgendwann bestimmt. Das „Ja“ fiel niemandem so richtig leicht, denn Freunde sind kostbar. Am Ende gewann dennoch die Gewissheit in tragisch-selbstsicherer Helge-Schneider-Manier: Ich habe mich vertan. Irren ist nunmal menschlich. weiterlesen

Kolumne //
Wir müssten viel mehr wie Toni Erdmann sein.

27.09.2016 um 18.33 – box1 Film Gesellschaft Leben

die neue kauzigkeit

Neulich saß ich im Kino und musste mich vor Lachen beinahe übergeben, ein Popcornkorn hatte sich beim heftigen Jauchzen zwischen Gaumen und Nase verirrt und klebte nun dort fest, Tränen schossen mir in die Augen, nicht aber vor Verzweiflung, sondern wegen dieser maximalen Wonne, die mir an Situationskomik beschert wurde. Ines Conradi gab auf der Kino-Leinwand als „Whitney Schnuck“ gerade lautstark „The Greatest Love Of All“ zum Besten, irgendwo in einem fremden Wohnzimmer, voller Inbrunst. Die Dame auf dem Platz neben mir versuchte währenddessen ihren Lachanfall durch heißblütiges Trommeln auf den Oberschenkeln ihrer Begleitung in den Griff zu bekommen, ein glückseliges Grunzen erfüllte den Saal.

Die deutsche Regisseurin und Drehbuchautorin Maren Ade hatte die Welt mit ihrem Spielfilm „Toni Erdmann“ zweifelsohne exakt in diesem Moment zu einer besseren gemacht. Eigentlich heißt der pensionierte Protagonist und Musiklehrer übrigens Winfried Conradi und hegt eine Vorliebe für schräge Scherze. Als sein Hund stirbt, macht er sich auf den Weg nach Bukarest, um die spießige Tochter vor der furztrockenen Einöde der Berater-Branche zu retten. Uns rettet er im gleichen Atemzug vor zu viel Heuchelei, zu wenig Freiheit und vergessenem Humor. Jeder von uns Zuschauenden wusste jedenfalls schnell, dass er gut daran täte, endlich mehr Toni in sein Leben einkehren zu lassen. Ein bisschen mehr Fuck Off eben. Und Mut zur Kauzigkeit. In den folgenden Tagen versuchte ich also, meinen inneren Erdmann häufiger nach außen zu kehren, statt ihn weiter zu ersticken. Wenn auch nicht immer erfolgreich. weiterlesen

Brain Blah // Darf man manchmal eine gemeine Mistkuh sein?

06.09.2016 um 7.30 – box1 Gesellschaft Leben Wir

brain blah darf an manchmal gemein sein thisisjanewayne

Ich war jetzt sehr lange sehr verliebt in den Heiligenschein der Harmonie. Immer um Diplomatie bemüht, stets freundlich und bescheiden, manchmal sogar unsichtbar, jemand, der eher schweigt als zu streiten und rot anläuft, sobald andere gemein werden. Also jedenfalls grob zusammengefasst, so als Freundin, Partnerin, Ex, Bekannte oder Unbekannte. Beim motzigen Inder etwa entschuldige ich mich seit mittlerweile drei Jahren dafür, im Dachgeschoss zu wohnen, er bekommt sogar Extra-Trinkgeld zum Sowieso-schon-Trinkgeld, wegen der Bonus-Treppen. Dabei hat er es in Wahrheit noch nie über die Belle Etage hinaus geschafft, wenn es klingelt, renne ich meinem Palak Paneer ohnehin entgegen, als sei der flammende Curry-Spinat mein persönlicher Sonnenuntergang. Herr Lieferservice hingegen schlendert tendenziell und bleibt manchmal sogar heimlich stehen um Stufen zu sparen. Ich merke das, aber schweige. Bloß anderen nicht zur Last fallen. Ist egal, dass der nie danke sagt. Ist auch egal, dass der Nachbar von unten nie grüßt, aber böse guckt und seine Frau ebenfalls schaut, als laste sämtliches Übel der Welt auf ihren Schultern. Vielleicht tut es das ja. Deshalb winke ich an guten Tagen ganz versöhnlich rüber. Es tat mir auch leid, als ich neulich einem Betrunkenem im Park im Weg herum lag, echt. Und richtig, was versuche ich auch mit einem 20 Euro Schein zwei fünfundzwanzig Cent Brötchen zu bezahlen, die es noch dazu überhaupt nicht gibt, weil „dit sind Schrippen!“. Tschuldigung, ich hätte es wirklich verdient gehabt, in meiner Dekadenz zu ersaufen.

Jetzt ist es aber nunmal so, dass das immanente Höflichkeits-Töpfchen irgendwann auch echt mal voll ist. Es fing also an, in mir zu brodeln. Und wie es brodelte. weiterlesen

Brain Blah // Ein Mal im Monat ist das Leben scheißerer als sonst.

10.08.2016 um 12.32 – box1 Feminismus Leben

PMS thisisjanewayne

Artikel über die scheiß Tage vor den Tagen, kurz PMS, sind in etwa so gewöhnlich wie Taubenkotflecken auf unter Bäumen stehenden Parkbänken. Bei rund 150 potentiellen Symptomen, von denen zumindest eine Handvoll bei immerhin zwei Drittel aller Gebärmutter-Trägerinnen regelmäßig in Erscheinung treten, wundert das nicht einmal mehr jene, die beschwerdefrei durchs Leben flattern. Männer zum Beispiel. Und auch Frauen, die das große Glück haben, von den Nebenwirkungen dieser blutigen Naturgewalt verschont zu bleiben, nicken Zeilen, aus denen der pure Menstruations-Frust spricht, in den meisten Fällen überaus mitfühlend ab. Jedenfalls nahm ich das bisher an.

Neulich, in einem Café, das köstlichen Kaffee brüht, wurde ich allerdings eines Besseren belehrt, oder eher: Eines Schlechteren. Eine wahre Schönheit saß dort, ihr gegenüber ein Bärtiger, Arbeitskollegen höchstwahrscheinlich. Er regte sich auf, sie stimmte ein ins Fluch-Konzert. Was die Chefin eigentlich für ein Problem habe, schimpfte er, und ob sie denn eigentlich permanent ihre verdammte Mens hätte, so unausgeglichen könne ja niemand sein. Da schüttelte es mich ein erstes Mal, denn ja, es gibt PMS tatsächlich, aber das ist noch lange kein Grund, so vorschnell und frech und nebenbei bemerkt auch sexistisch zu urteilen. Naja, es ging natürlich weiter, beide waren sich einig, die Chefin ist ein Arsch, nur die Sache mit diesem Prämenstruellen Syndrom, schnatterte die Schönheit – das solle er sich gefälligst merken – sei eine ganz lahme Ausrede frustrierter Furien, der allergrößte Quatsch, nicht mehr als eine Ausrede „zickiger Weibsbilder, die sich nicht im Griff haben“. Aus unerfindlichen Gründen kroch der köstliche Kaffee mir plötzlich die Speiseröhre rauf und hätte man mir keine Manieren beigebracht, ich hätte die braune Suppe kein zweites Mal herunter geschluckt, sondern mit großem Genuss und Nachdruck auf den Nachbartisch gespuckt. weiterlesen

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Brain Blah //
„Wann kommt denn bei euch das nächste Kind?“ – Vielleicht nie.

11.07.2016 um 13.59 – Leben Wir

kinderkriegen baby thisisjanewayne tinyjaneSeit ich Mutter bin, beschleicht mich das Gefühl, dass ein Kind allein nicht ausreicht. Egal, wen ich nach langer Zeit wieder treffe, die zweite Frage nach dem obligatorischen „Wie gehts, wie stehst“ lautet zunehmend: Und, wollt ihr noch ein Geschwisterchen? Ich muss dann erst einmal erklären, dass das „Wir“ inzwischen ein ganz anderes ist – Ups-Moment #1, die Leute scheinen noch immer wie automatisch davon auszugehen, Trennungen seien entgegen jeder Statistik eine Ausnahme in unserem scheinbar perfekten Lebensumfeld. Mit dem Mitleid, dass ich weder brauche noch möchte, komme ich inzwischen klar, man meint es ja nur gut mit mir. Wenn ich irgendwann aber zurück zum eigentlichen Thema gelange und meinen Standpunkt klar mache, nämlich den, dass ich nicht wissen kann, was in drei, vier oder zehn Jahren ist, ich derzeit aber ziemlich sicher bin, ein Einzelkind in die Welt gesetzt zu haben, werden die Augen groß und Mundwinkel fangen an zu hängen. Ganz ehrlich, kein Scherz. Ist auch nicht eingebildet das Ganze, das weiß ich, weil meist Augen- und Ohrenzeugen dabei sind. Die häufigsten Reaktionen lauten wie folgt: Eeeecht jetzt? Aber willst du kein Mädchen haben, wer soll denn all die Taschen erben, als Frau möchte man doch auch eine Tochter? Soll Lio wirklich allein aufwachsen? Träumst du nicht von einer richtig großen Rasselbande? Nein? Krass. Und so weiter und so fort.

Ich finde das, gelinde gesagt, sehr unmodern. Und unsensibel. Und unangebracht. Denn erstens ist mir schnurzpiepegal, welches Geschlecht mein Kind hat, zweitens leben wir in einer Gesellschaft, in der Freundeskreise längt zur selbstgewählten Familie geworden sind, kein Kind muss also einsam und allein mit Einzelkind-Schaufeln im Sand buddeln und drittens liebe ich Großfamilien, ich stamme nämlich aus einer, aber ich selbst sehe mich aus unterschiedlichsten Gründen nunmal nicht als Anführerin einer solchen. Das macht mich weder herzlos und überaus egoistisch, noch traurig. Beides wird einem aber seltsamerweise gern unterstellt. Meine Entscheidung liegt jedoch einer ganz simplen Erkenntnis zugrunde. weiterlesen

Brain Blah // Mehr Kapieren, weniger Komplexe – wie eine App alle irre macht.

22.06.2016 um 16.58 – Gesellschaft

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Ich saß gerade auf einem pinken Sessel, beschäftigt damit, mein Unvermögen bezüglich jedweder Multitasking-Fähigkeit zu überspielen, als die Fotografin, die mich kurz zuvor geknipst hatte, irgendetwas von wegen „schon ok, mach du erstmal, Facetune und so“ in meine Richtung murmelte. Facewas? Da hatte ich mein eigentliches Vorhaben, nämlich ein paar behämmerte Emojis auf mein Instagram-Bild zu knallen, auch schon wieder vergessen. Stattdessen schaute ich wie ein angeschossenes Reh und ziemlich blöde aus der Wäsche.

Klar, schonmal davon gehört, bei Wein und Brot ausprobiert und dann wieder beiseite geschoben, eine Foto-App, benutzen wohl viele. Aber brauche ich das auch? „Gibts ja wohl nicht, du bist der gottverdammt einzige Medienmensch auf diesem Planeten, der diese gnadenlos wirklichkeitsverzerrende App nicht in seiner Cloud hängen hat, geil ist das!“- man konnte es nicht fassen, niemand im Raum. Und da waren viele. weiterlesen

Warum mein Kleiderschrank mich manchmal unglücklich macht + Detox-Tipps

16.06.2016 um 13.44 – box1 Leben Mode Wir

kleiderschrank detox this is jane wayne Ich habe keinen Kleiderschrank, ich habe ein Gäste-WC. Einen begehbaren Toiletten-Schrank sozusagen, in dem alles außer Kleidung horten, raussuchen und wieder reinhängen, strengstens verboten ist. Dieser Ort ist so etwas wie ein Geheim-Ort, ein schwarzes gigantisches Loch, das Socken frisst, Refugium für meditative Outfit-Auswahl-Minuten und Austragungsort diverser Nervenzusammenbrüche ob des anhaltenden Chaos. Ich möchte das nicht mehr. Ich möchte meinen Gästen wieder nach Baumwollblüten riechende Duftstäbchen präsentieren, Häkel-Hüte für Papierrollen bei Oma klauen und exquisite Seife aufstellen, die mir für meine eigenen Hände zu schade ist. Ich möchte wieder einen Kleiderschrank haben. Einen einzigen, mittelgroßen, mehr nicht. Und ich möchte, dass all mein modisches Hab und Gut dort hinein passt, ohne Quetschen und Stopfen und Verlieren und Vergessen. Vor lauter T-Shirt-Stapel-Bäume habe ich den Wald schon seit Monaten nicht mehr gesehen und wenn es so weiter geht, droht mir womöglich die völlige Erblindung.

Ich ersaufe ja schon jetzt in meinem erste Welt Problem und klinge zuweilen wie eine dieser von den Medien propagierten Toastbrot-Frauen, deren Vakuum im Kopf zu nichts als wahnsinnig-verzweifeltem Kicher-Gejammere im Angesicht der kleidsamen Überforderung führt. Nur, dass ich nicht kichere, sondern fluche: Ich habe nichts zum anziehen. Jedenfalls nichts, was ich jetzt gerade wirklich anziehen will. Dabei hängen die Stangen voll. Das Problem liegt also nicht im Kleiderschrank, sondern in meiner Unzufriedenheit. Und in meinem Überfluss. weiterlesen

Brain Blah //
Warum es stark ist, schwach zu sein.

14.06.2016 um 12.30 – Leben Wir

brain blah thisisjanewayne nike van dintherEs ist mir egal, ob mir eine männliche Schulter Trost schenkt, eine weibliche, irgendwas dazwischen oder ob ich selbst eine große Kanne Tee für den stärksten meiner Jungsfreunde brühe. Jeder braucht irgendwann einmal jemanden, der Händchen hält und zuhört und Schlaues sagt. Ich frage mich bloß, weshalb wir so selten danach fragen.

Die meisten von uns schreien lieber das Kopfkissen an als sich vor den Augen anderer einen Moment lang zu verlieren. Wir schlucken Trauer lieber runter und füttern verfressene Magengeschwüre als anderen mit unseren Gedanken auf die Nerven zu gehen, man will ja niemanden belasten. Das Wetteifern um Mitgefühl hört offenbar genau dort auf, wo ein mittelstressiger Job nichtig wird und echte Traurigkeit anfängt. Womöglich, weil es in einer maroden Welt schick geworden ist, innerlich wie äußerlich heile zu sein, beinhart und optimistisch und unkaputtbar. weiterlesen

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