Schlagwort-Archiv: Buch-Tipp

Bücher, die man bei Liebeskummer lesen kann (aber auch sonst)

13.07.2017 um 16.08 – Buch Leben

Als ich neulich mit einer Liebeskummer-gebeutelten Freundin telefonierte und vergeblich nach aufbauenden Allheilmitteln suchte, fiel mir kurz darauf wieder ein, dass warme Worte nach einer Trennung zwar überaus hilfreich sein können, am Ende aber eben kaum etwas so gut tut wie die irgendwann einkehrende Erkenntnis, dass es weiter geht. Und im Zweifel noch viel besser wird als zuvor. Es braucht nur ein wenig Zeit und Mut und frische Lebensfreude. Die bekam ich damals, als sich mein eigenes Herz nach langem Bangen und Brechen selbst zu vertilgen drohte, zwar einerseits von den treuesten Freunden der Welt eingehaucht, jedoch meine ich mich außerdem daran erinnern zu können, dass es mordsmäßig gut tat, einen kleinen Teil der frisch gewonnen Freiheit einzig und allein mit mir selbst zu verbringen. Und mit Büchern.

Deshalb habe dieser Tage also kurzer Hand ein wenig im Bekanntenkreis nachgeforscht und mit der Hilfe von ein, zwei, drei herzschmerzbewanderten Stehaufmännchen eine runde Liste mit insgesamt 14 Literatur-Tipps erstellt, die in aufregend anstrengenden Zeiten von Eiscreme-Torten, Schnaps-Eskapaden und teigigen Tränensäcken auf ganz unterschiedliche Art und Weise für Linderung sorgen: weiterlesen

TAGS:

,

Buch-Tipp // „Living The Healthy Choice“ von Pauline Bossdorf – 70 supereinfache, schmackhafte & gesunde Rezepte

31.05.2017 um 10.10 – Buch Cooking

Ich besaß bisher insgesamt drei Kochbücher. Jedes einzelne davon hatte ich zum Einzug in meine erste WG von besorgten Familienangehörigen geschenkt bekommen, aber kein einziges kam je zum Einsatz. Ich liebte zwar Essen, aber ich hasste es, zu kochen – Genau wie Pauline Bossdorf, die mich bereits mit dem Vorwort ihres Buch-Debüts am Schlafittchen packte: „Meine größte kulinarische Errungenschaft war bis dato Nudeln mit Käse und wann immer meine Mutter einen Salat zum Abendessen vorbereitete, fragte ich, wo sie denn bitte das richtige Essen versteckt hatte“, schreibt sie da. Living The Healthy Choice liegt seither griffbreit neben Schneidebrett und Kühlschrank in meiner Küche bereit und ist somit ganz offiziell das erste Kochbuch, das ich wirklich benutze. weiterlesen

4 Bücher für den Urlaub, das Schimmbad oder Balkonien

29.05.2017 um 12.05 – Buch

Welches Buch ich kommende Woche mit nach Mallorca nehmen werde, das weiß ich noch gar nicht (Tipps sind wirklich sehr willkommen); ein kleines aber feines muss es jedenfalls sein, mir bleiben nämlich nur drei Tage mit sehr wenig Allein-Zeit zum Verschlingen desselbigen. Würde mich aber gerade jemand anderes nach einer schnellen Lektüre fragen, nach einem Buch, das Flugzeiten überbrückt oder für ein schnelles Feierabend-Gehirnyoga geeignet ist, stünde Abenteuer Freiheit von Carlo Strenger ganz oben auf meiner Liste. Strenger ist etwa der Meinung, Freiheit sei ein lebenslanges Abenteuer: riskant, aber zugleich viel interessanter als die Massenkultur uns weismachen wolle. Wer ein wenig mehr Zeit und Muße mitbringt, könnte sich hingegen dem Club der unverbesserlichen Optimisten von Jean-Michel Guenassia hingeben – eine wonnige Reise durch das Paris der 1960er Jahre ist das, vollgestopft ist mit Rock’n’Roll, Verweisen auf die großen Intellektuellen der Nachkriegszeit, Gitanes-Zigaretten und der ersten großen Liebe. Wie im Rausch lässt sich nach einer kurzen Eingewöhnungsphase außerdem Delphine De Viganes autobiografischer Roman Das Lächeln meiner Mutter lesen. Tragisch, traurig und tonnenschwer ist dieses Buch und dann wieder so sanftmütig und versöhnlich, dass man irgendwann den Drang danach verspürt, laut in die Seiten hinein zu rufen. Um das gerade Geschehende endlich zurechtzurücken. Fehlt noch Joan Juliet Bucks Memoiren The Price Of Illusion – ganz leichte Kost, ein wenig Gossip, ein bisschen Grazie, ein andere Welt, die es sich aber durchaus zu Ergründen lohnt, zum Beispiel Strohhut-tragend und Limo-schlürfend: weiterlesen

„Good Night Stories for Rebel Girls“
-Ein Buch-Tipp für kleine und große Mädchen & Jungs

16.05.2017 um 12.12 – Buch Feminismus

Ich bin mit den Märchen der Gebrüder Grimm groß geworden und mit Disney. Schön war das, aber irgendwann einmal dämmerte mir, dass das ewige Warten auf den Traumprinzen nicht unbedingt das gelbe vom Ei ist, dass im Kosmos der Kindermärchen ganz gehörig etwas schief läuft.

Da sind Schwestern habgierig und eifersüchtig, Mütter bitterböse, Königinnen grausam, Prinzessinnen nur schön und gut und lieb statt schlau und außerdem unbedingt angewiesen auf die Hilfe eines starken, männlichen Retters. Es muss geheiratet werden! Gebacken! Und das Haar frisiert! Dabei sieht die Realität inzwischen doch – hurra – mitunter ganz anders aus. Ein Glück also, dass das echte Leben die schönsten Märchen schreibt. „Good Night Stories for Rebel Girls“ beschäftigt sich genau deshalb mit ebenjenen wahren Geschichten. Mit Frauen und Mädchen, die ihre eigenen Träume leben oder vor gar nicht allzu langer Zeit gelebt haben, die geforscht, gekämpft, geschrieben, gemalt oder schier Unmögliches geschafft haben statt ein unsichtbares Dasein unter dem Schöffel der Partriarchats zu fristen. Mit ihrem Einschlaf-Buch wollen die Autorinnen Elena Favilli und Francesca Cavallo sämtlichen Mädchen Mut machen. Aber auch allen Frauen. Und Vorbilder liefern, an denen es in vielen (Kinder-)Erzählungen allzuoft mangelt. Weil wir eben doch alles sein können, was wir wollen: weiterlesen

Buch-Tipp // „The Second Sex“ – Warum Simone de Beauvoirs Klassiker moderner und wichtiger ist, als viele denken.

03.05.2017 um 10.02 – Buch Feminismus Mode

Ein paar Wochen erst ist es her, dass das knallgelbe The Second Sex-Shirt aus der KDG x Jane Wayne-Kollektion in meinem Schrank gelandet ist und schon verbinde ich wunderbare Erlebnisse mit diesem Kleidungsstück. Zum Beispiel dieses: Beim Besuch in meiner geliebten Heimatstadt Herne stand ich mit meiner Mama im Buchladen unseres Vertrauens und suchte nach Geschenken für Freund*innen und Bekannte. Ich empfahl meiner Mama diverse Bücher, holte sie aus dem Regal und präsentierte sie. Als meine Mama ein paar Regale weiterging, sprach mich plötzlich eine Frau von der Seite an: „Bedienen Sie?“. Nach einem kurzen Moment der Verständnislosigkeit dämmerte es mir: Sie hielt mich für eine Mitarbeiterin! Das lag nicht nur an dem Dialog mit meiner Mama („Hier, das ist wirklich super!“), sondern auch an besagtem knallgelben T-Shirt, auf dem nun mal fett ein Buch prangt.

„Niemand ist den Frauen gegenüber arroganter, aggressiver oder verächtlicher als ein in seiner Männlichkeit verunsicherter Mann.“ (Das andere Geschlecht) weiterlesen

Buch-Tipp //
‚Why I am not a Feminist‘ von Jessa Crispin

05.04.2017 um 10.51 – box1 Buch Feminismus

Zu individualistisch, zu wenig radikal: In ihrem Buch Why I Am Not a Feminist rechnet die amerikanische Autorin Jessa Crsipin mit dem Mainstream-Feminismus ab – und liefert jede Menge Denkanstöße.

Viele Menschen haben ein Problem mit Feminismus: Sie denken an das als „unpraktisch“ empfundene Gendern der Sprache, an längst überholte Forderungen und keifende Frauen. Die Autorin Jessa Crispin, Gründerin des bekannten amerikanischen Blogs Bookslut, hat ein ganz anderes Problem mit Feminismus: dass er seine eigentliche Mission verraten hat und zu einem Lifestyle geworden ist. „Somewhere along the way toward female liberation, it was decided that the most effective method was for feminism to become universal“, schreibt Crispin in ihrer Polemik Why I Am Not a Feminist: A Feminist Manifesto. Allerdings habe man dabei vergessen, dass „for something to be universally accepted, it must become as banal, as non-threatening and ineffective as possible.” weiterlesen

Buch-Tipp //
„Das Problem mit den Frauen“

16.02.2017 um 8.00 – box2 Buch Feminismus

Warum tauchen eigentlich so wenige Frauen in den Geschichtsbüchern auf? Diese Frage diskutiert die Zeichnerin Jacky Fleming ironisch-unterhaltsam in ihrem neuen Buch Das Problem mit den Frauen. Ihre Antwort: Frauen sind Männern biologisch einfach unterlegen.

Ach je, die Frauen. Sie können wirklich nicht besonders viel: zu schwach, um Pinsel zu halten, zu kleine Köpfe, um ordentlich zu denken. Kein Wunder, dass es in den Geschichtsbüchern kaum beeindruckende Frauen gibt. Zumindest lautet so die Erklärung, die die britische Zeichnerin Jacky Fleming in ihrem Buch Das Problem mit den Frauen (Kiepenheuer & Witsch) liefert. Ihre mit Liebe zum Detail gezeichneten Frauen kommen gegen das schiere Genie ihrer männlichen Zeitgenossen einfach nicht an – und landen deshalb im (ebenfalls zeichnerisch dargestellten) „Abfalleimer der Geschichte“. weiterlesen

Buch-Tipp // „Beziehungsweise“
– Ein Erzählband über Liebesvariationen

07.02.2017 um 13.50 – box1 Buch

beziehungsweise manuela reichart

Meistens packt es mich Samstags. Dann stampfe ich gen Lieblingsbuchladen und besorge mehr Lesestoff als ich binnen einer Woche überhaupt bewältigen kann. Was aber gut ist, vor allem als Allheilmittel gegen Seriensucht. Nun liegt er jedenfalls da, gleich neben dem endlich ins Deutsche übersetzten Klassiker „I Love Dick“, der 900 Seiten schwere, heiß diskutierte Roman „Ein wenig Leben“, der mich schon ganz zu Beginn so sehr einnahm, dass ich noch im letzten Moment eine Verabredung sausen lassen musste. Auf solch bewegenden Langzeitstrecken jedenfalls kommt mir ein kleines papierenes Ablenkungsmanöver von der seichten Sorte stets sehr gelegen. Diesmal zum Beispiel in Form von Manuela Reicharts Erzählband „Beziehungsweise“, den man ratzfatz verschlungen hat. Vielleicht auch, weil die Liebe uns alle betrifft. Wie ein roter Faden zieht sie sich durch unser Leben, mal als Glück, mal als Unglück. Immer gibt es einen Anfang und oft ein Ende – übrig bleibt aber stets dasselbe: Erinnerungen. Darum und um noch viel mehr geht es in Manuela Reicharts Texten, die von wohltuenden und kaputten Beziehungen erzählen, von Seitensprüngen und Hoffnung, von Zufällen und Neuanfängen. Von den unergründlichen Variationen der Liebe. weiterlesen

Buch-Tipp //
Maxie Wander: Guten Morgen, du Schöne

16.01.2017 um 10.13 – Buch Feminismus

maxi wander guten morgen du schoeneFast 40 Jahre alt ist Maxie Wanders Guten Morgen, du Schöne – ein Klassiker der DDR-Literatur. Authentisch erzählen Frauen darin von sich selbst, von ihren Träumen und Problemen. Das ist auch heute noch unbedingt lesenswert und überraschend aktuell

Ich bin in Westdeutschland aufgewachsen, wo man in der Schule sehr viel über den Holocaust lernte (zu Recht) und sehr wenig über die DDR (zu Unrecht). Die Scorpions hatten den „Wind of change“ herbeigesungen, die deutsch-deutsche Teilung war überwunden und wir alle Teil eines großen, glücklichen Volkes. Bei meinem ersten Trip in die ehemalige DDR hing ich in Dresden dermaßen fasziniert vor diversen „Ostalgie“-Produkten, dass meine in Ostdeutschland aufgewachsene Freundin Marie nur ungläubig den Kopf schüttelte.

Mittlerweile bilde ich mir ein, doch ein bisschen mehr über die DDR und Ostdeutschland zu wissen – alles andere wäre nach fünf Jahren Erstwohnsitz Berlin auch mehr als traurig. Und trotzdem habe ich Maxie Wanders wunderbares Buch Guten Morgen, du Schöne erst jetzt gelesen. Eine Freundin hat mir diesen 40 Jahre alten Klassiker der DDR-Literatur zum Geburtstag geschenkt und ehrlich gesagt war ich skeptisch, wie aktuell und interessant das heute noch sein kann: 19 Frauen im Alter von 16 bis 92 Jahren aus der DDR, die von ihren Sorgen und Hoffnungen, von Träumen und Liebe erzählen. weiterlesen

Books that shaped & saved my life //
Mit Amelie Kahl vom Amazedmag

05.12.2016 um 15.28 – box1 Buch

amelie kahl books that saved and shaped my live thisisjanewayne

Zusammen mit Milena und Antonia beglückt uns Amelie als eine der drei Gründerinnen des wundervollen AMAZED Mags tagtäglich mit Schönem und Schlauen in Schrift und Bild, für den Bean Store ist sie außerdem als Einkäuferin unterwegs und auch das The Stu, ein Projektraum für Künstler*innen und Entrepreneurs auf dem aufsteigenden Ast, wäre ohne die Münchenerin, die aus Überzeugung niemals Mascara benutzt, höchst wahrscheinlich nur halb so bereichernd. Wofür ich Frau Kahl neben ihrer konstant mindestens dreifachen Umtriebigkeit aber am allermeisten bewundere, ist ihre gnadenlose Offenheit. In ihren Kolumnen schreibt sie etwa darüber, wie es sich anfühlt, immer wieder an sich selbst arbeiten zu müssen, einen Job zu verlieren oder überwältigend häufig missverstanden zu werden, sie stellt Fragen, sucht nach Antworten und spricht über Trennungen und Zweifel mindestens so selbstverständlich wie über das Leben als Frau in einer Gesellschaft, die „Kleine Maus“ noch immer für ein adäquates Kompliment hält.

Nur logisch also, dass ich anlässlich unserer Reihe „Books that saved & shaped my life“ nun endlich wissen wollte, welche Bücher eine fabelhafte Amelie wie diese bisher wohl am meisten genossen und verschlungen hat: weiterlesen

Buch -Tipp // „UNBEHAUSTE“
– 24 Kurzgeschichten über das Fremdsein

22.11.2016 um 12.28 – box3 Buch

unbehauste 24 Autoren über das fremdsein buch

Ich habe eine Schwäche für Kurzgeschichten und wenn ich ein bisschen mehr Grips und Motivation an den Tag legen würde, dafür aber weniger Zweifel hätte, könnte ich mich wohl längst von sämtlicher Panik im Angesicht fehlender Weihnachtsgeschenke frei machen, weil meine Familie unterm Baum endlich die seit Jahren versprochenen Zeilen aus meiner Feder vollgepackt mit Epos lesen müsste. Dem ist aber natürlich nicht so. Weshalb ich andere, nämlich die, die sich getraut und einfach mal gemacht haben, statt bloß drüber zur reden um Ende alles abzusagen, mehr bewundere denn je. Jule Müller etwa, oder auch Fabian Herriger, der übrigens aus meinem Dorf stammt und ohnehin ein ganz feiner Schreiber ist. Die beiden können sich fortan als zwei von 24 Autor*innen bezeichnen, die gemeinsam die von Alexander Broicher herausgegebene Anthologie „Unbehauste“ geschaffen haben, ein Sammelband, das ich in einer einzigen langen Nacht verschlungen habe. Wegen der Vielschichtigkeit der teils fiktiven, teils schmerzhaft echten Geschichten, wegen des Auf und Abs zwischen Wut und Hoffnung, wegen unverzichtbarer Perspektiven und Denkanstöße, die im Kollektiv noch gewaltiger nachhallen. In 24 Geschichten, Essays und Gedichten geht immer um eins: Das Fremdsein. In einem Land, in der Welt oder sich selbst. Ein Thema, das aktueller nicht sein könnte. Womöglich sogar eines der derzeit wichtigsten. Und noch ein Kaufargument: Ein Teil des Erlöses kommt passender Weise der Integrationsförderung zugute. weiterlesen

Top 10 Coffee Table Books //
Gegen Fernweh

25.10.2016 um 9.00 – box1 Buch

fernweg coffee table books

Die Sache mit diesen sogenannten Coffee Table Books habe ich lange Zeit nicht verstanden, oder besser: Missverstanden. Ich vermutete aufgrund meines eigenen Desinteresses, die dicken Foto-Schinken würden ausschließlich aus optischen Gründen, zu Prestige-Zwecken und wegen der Zurschaustellung des eigenen Kunstgeschmacks auf Couchtischen herumliegen. Es sollte tatsächlich noch einige Jahre dauern, bis ich schließlich begriff, dass es auch anders geht. Dass ein Bildband etwa die schönsten Konversationen hervorzaubern kann, dass so ein schweres, großes Buch auch Innehalten bedeutet, und „sich Zeit nehmen“, dass man es im besten Fall immer wieder aus dem Stapel zieht, um sich beim Blättern davon zu träumen und nach neuen Details zu suchen. Mittlerweile verändert sich je nach Stimmung sogar mein Arrangement auf dem Beistelltisch, mal liegt dort wütende Kunst, meist Snapshot Of Dangerous Women und seit neuestem ganz viel Fernweh-Lektüre.

Und wenn ich dann zu lange in „Hide and Seek“ geblättert habe und mein Herz nach einem Bauhaus verlangt, überbrücke ich die Zeit bis zum nächsten Waldspaziergang vielleicht einfach mit Evergreen – Living with plants: weiterlesen

Buch-Tipp //
„Ich hasse dieses Internet“ von Jarett Kobek

13.10.2016 um 8.30 – box3 Buch

buch tipp ich hasse dieses internet jarett kobek

Friederike Schilbach ist für mich so etwas wie eine Buchbrieffreundin, nur, dass anstelle von Siegellack meist ein einfaches Post-It am gedruckten Inhalt ihrer Post an mich klebt. Diesmal sprach die vielerorts hoch geschätzte Lektorin des S.Fischer Verlags in einer rosafarbenen Notiz von nicht viel mehr als Liebe und fügte quasi zeitgleich das digitale Versprechen hinzu, ich könne wohl kaum enttäuscht werden. Von „Ich hasse dieses Internet„, dem jüngsten Roman des Amerikaners Jarett Kobek, der einen türkischen Namen trägt und einst an der NYU studierte. Ab sofort ist seine wütende Schrift auch in Deutschland erhältlich. Und weil ich bisweilen gerade einmal 30 Seiten voran gekommen bin, etwa aufgrund des permanenten Wimmerns meines eMail-Postfaches, dürfte im Grunde klar sein, dass ich mich hinsichtlich des heutigen Buch-Tipps auf blindes Vertrauen stütze, wenngleich ich beim Lesen diverser Zeilen bereits ein paar Tränen gelacht habe und mich dem Autor schon jetzt auf sonderbar ambivalente Weise verbunden fühle. Ich hasse dieses Internet nämlich auch, bloß nicht immer und ausschließlich. Umso schmerzlicher trifft mich Kobeks 368 Seiten starke Vermutung, unsere Gesellschaft leide an flächendeckender Vertrottelung, wenn es um das Begreifen sämtlicher Risiken im Umgang mit Technologien geht. Oder zumindest an proaktiver Verdrängung. An dieser Stelle kommt David Hugendick ins Spiel. Wo mein Wissen über jeden weiteren Inhalt der von den beiden Protagonistinnen Adeline und Ellen getragenen Geschichte endet, beginnt sein wortgewandtes Lob an diesen eloquenten Wutanfall, auf den eine ganze Kritikerschar nur so gewartet haben muss. Ich habe mich verliebt. In zwei Männer gleichzeitig, wie es scheint. weiterlesen

Buch-Tipp //
The Notorious RBG (Ruth Bader Ginsburg)

06.10.2016 um 13.33 – Buch Feminismus

the notorious rbg

Ich habe meine Freundin Betty selten so euphorisch erlebt und Betty ist wirklich ein alter Stein in meinem Freundesbrett. Vor zwei Wochen brachte sie ein Buch mit zum Pizzaabend, knallte es auf den Tisch, hob die Hände als würde sie zur Pirouette ansetzen, schaute uns dabei mit ernsthafter Miene an und forderte: Lest dieses Buch. Denn Ruth Bader Ginsburg sei eine Heldin.

Das ist natürlich ohnehin ein längst glasklarer Fakt, aber seit Irin Carmon und Shana Knizhnik, die beiden Urheberinnen des Tumblrs „The Notorious RBG„, die Genialität der mittlerweile 83-Jährigen 2015 im gleichnamigen Buch verewigt und noch dazu verbildlicht haben, ist aus der zweiten amerikanischen Verfassungsrichterin überhaupt eine Ikone der, wenn man so will, intellektuellen Popkultur geworden. Es kommt jedenfalls nicht selten vor, dass auf sämtlichen, zumeist studentischen Kostümierungs-Parties der U.S.A. junge Ruths gesichtet werden, manche tragen sogar Bart und ausnahmslos alle schwarz-geränderte Brillen zu weißen Spitzenkragen. RBGs Markenzeichen. weiterlesen

Off to New York City // 3 Bücher, die ich mitnehme.

13.09.2016 um 9.45 – Buch

books i like

Ich fliege niemals ohne Bücher, überhaupt bin ich sehr gut darin, mich von der puren Existenz abzulenken. Wenn ich mir das stundenlange Betrachten von Wolkentürmen aber schon freiwillig entgehen lasse, dann zumindest mit Nahrung für den Kopf, denke ich mir bei jedem Gang ins Flugzeug. Manchmal verschlafe ich dieses gut gemeinte Vorhaben allerdings, oder ich esse vor Aufregung tütenweise Pringles und Katzenohren. Kann mir diesmal (es geht jetzt gleich nach New York) ausnahmsweise nicht passieren, zu sehr stecke ich mit der Nase schon seit Tagen in Robert Wringhams „Ich bin raus“. Der britische Querdenker, Sozialist, Autor und Bibliothekar, der außerdem für das Magazin „New Escapologist“ verantwortlich zeichnet, hat mich allein schon mit der Einleitung am Schlafittchen gepackt und abhängig gemacht. Es ist nicht so, als würde ich demnächst nach Patagonien auswandern, aber ein bisschen Selbstreflexion kann nicht schaden. Teju Coles „Open City“ habe ich erst drei Jahre nach Veröffentlichung verschlungen, nämlich 2015. Der junge Autor, der mittlerweile mit Sebald, Camus oder Naipaul verglichen wird, beschreibt die Großstadt New York und ihr Grundgefühl im Laufe seines Romans mit allen Sinnen. Ein intensives Buch, das man nie mehr vergisst und immer wieder lesen will und kann, wie ein guter Film, der in nostalgischen Momenten alles Gedachte noch zusätzlich verstärkt. Und dann ist da noch Sheila Heti, die sich selbst und uns in ihrer Geschichte über zwei Freundinnen die Frage stellt: Wie sollen wir sein? Oder besser: Wollen wir überhaupt so sein? Drei Mal Lese-Glück to go sozusagen. Ich bin dann jetzt mal weg. weiterlesen