Schlagwort-Archiv: Buch-Tipp

Off to New York City // 3 Bücher, die ich mitnehme.

13.09.2016 um 9.45 – Buch

books i like

Ich fliege niemals ohne Bücher, überhaupt bin ich sehr gut darin, mich von der puren Existenz abzulenken. Wenn ich mir das stundenlange Betrachten von Wolkentürmen aber schon freiwillig entgehen lasse, dann zumindest mit Nahrung für den Kopf, denke ich mir bei jedem Gang ins Flugzeug. Manchmal verschlafe ich dieses gut gemeinte Vorhaben allerdings, oder ich esse vor Aufregung tütenweise Pringles und Katzenohren. Kann mir diesmal (es geht jetzt gleich nach New York) ausnahmsweise nicht passieren, zu sehr stecke ich mit der Nase schon seit Tagen in Robert Wringhams „Ich bin raus“. Der britische Querdenker, Sozialist, Autor und Bibliothekar, der außerdem für das Magazin „New Escapologist“ verantwortlich zeichnet, hat mich allein schon mit der Einleitung am Schlafittchen gepackt und abhängig gemacht. Es ist nicht so, als würde ich demnächst nach Patagonien auswandern, aber ein bisschen Selbstreflexion kann nicht schaden. Teju Coles „Open City“ habe ich erst drei Jahre nach Veröffentlichung verschlungen, nämlich 2015. Der junge Autor, der mittlerweile mit Sebald, Camus oder Naipaul verglichen wird, beschreibt die Großstadt New York und ihr Grundgefühl im Laufe seines Romans mit allen Sinnen. Ein intensives Buch, das man nie mehr vergisst und immer wieder lesen will und kann, wie ein guter Film, der in nostalgischen Momenten alles Gedachte noch zusätzlich verstärkt. Und dann ist da noch Sheila Heti, die sich selbst und uns in ihrer Geschichte über zwei Freundinnen die Frage stellt: Wie sollen wir sein? Oder besser: Wollen wir überhaupt so sein? Drei Mal Lese-Glück to go sozusagen. Ich bin dann jetzt mal weg. weiterlesen

Buch-Tipp // „Vom Ende der Einsamkeit“ Von Benedict Wells

24.08.2016 um 22.03 – Allgemein

benedeict wells vom ende der einsamkeit

Es passiert mir ja selten, dass ich Autor*innen nachstelle, also eigentlich natürlich nie, bloß für Harald Martenstein hatte ich zuweilen mal die Bilder-Suchmaschine angeschmissen, weil ich dringend wissen wollte, wer mir da in der Zeit Magazin Kolumne eigentlich seit Jahren aus der Seele schreibt und schimpft und schwitzt. Im Fall Benedict Wells hingegen tippten meine Finger nach den ersten gefressenen sechzig Seiten des neuen Romans quasi wie von selbst die Buchstaben seines Namens in mein Gesichtsbuch ein; ich brauchte ein Profil und ein paar Augen zu dieser ebenso klassischen wie genialen Erzählweise, die immer sagt, was sie meint, ohne große Kreise um das Eigentliche zu drehen. „Vom Ende der Einsamkeit“ wird vom Feuilleton nicht zu Unrecht so hoch gehandelt wie ein seltener Edelstein, wobei Benedict selbst eigentlich der größte deutsche Literaten-Rohdiamant von allen ist, bescheiden, klug und viel zu weise für sein Alter, nicht protzig oder bloßer Pop, sondern schlichtweg mehr als gut. Sieben Jahre lang schrieb der 30-jährige Münchener an seinem vierten Werk, das in diesem Frühjahr auf „Becks letzter Sommer“ folgte. Es ist ein Familienroman geworden, der vor allem von einer großen Liebesgeschichte lebt. weiterlesen

FEMINISMUS // Buchtipp: „Sex Object“
von Jessica Valenti

02.08.2016 um 12.34 – Buch Feminismus

sex object

In ihrer Essay-Sammlung Sex Object erzählt die amerikanische Feministin Jessica Valenti wie es ist, als Frau in einer Gesellschaft aufzuwachsen, die Frauen verachtet. Und zeigt, welche Macht persönliche Geschichten haben.

Um es gleich klar zu machen: Sex Object ist kein Buch, das man lesen sollte, wenn man sich entspannen will – am Strand, abends vorm Schlafengehen. Sex Object macht stellenweise nämlich ganz schön wütend, fassungslos, traurig. Und genau das macht dieses Buch so gut. weiterlesen

Auf meinem Nachttisch im April //
Wunde Punkte von Matt Sumell

04.04.2016 um 11.29 – box3 Buch

matt sumell wunde punkte

Nachdem ich jahrelang davon ausging, dass es in der Literatur nichts wichtigeres als dicke Schinken und Ergüsse einstiger Intellektueller gäbe, musste ich irgendwann feststellen, dass das waghalsige, moderne Buchleben wie ein lauer Wind an mir vorbei pfiff und ich damit nichts weiter als einer dieser lausigen fehlgeleiteten Bücherwürmer war, die stets meinen, man könne das Gehirn nur mit Prestige-trächtigen Autoren aufmöbeln und die dabei das Beste verpassen. Das andere Lesen wenn man so will, das wie ein Faustschlag in den Magen dringt und im nächsten Moment vor Lebendigkeit überquillt. Deshalb landet inzwischen jeden Monat eine Neuerscheinung auf meinem Nachttisch.

Diesmal ist es Matt Sumells „Wunde Punkte“, das Debüt eines unverschämt talentierten Schriftstellers, der eigentlich gar kein Schriftsteller werden, sondern bloß seiner Dozentin imponieren wollte. Hat nicht funktioniert und so schrieb er seinen ersten Roman, der leicht als Sozialstudie über die Existenz eines waschechten Proleten abgetan werden könnte – wäre da nicht die enorme Komik, die unerträgliche Tragik und das ungemein heftige sprachliche Donnerwetter, das uns mit jeder Zeile in ein anderes Extrem der Gemütszustände wirft. weiterlesen

Auf meinem Nachttisch im März //
„Angst vorm Sterben“ von Erica Jong

04.03.2016 um 12.54 – Allgemein box1

erica jong angst vorm sterben

Vor ein paar Wochen habe ich mir vorgenommen, mehr Zeit mit Schönem zu verbringen und schön, das sind für mich zum Beispiel Bücher, von innen und außen, ich mag nicht nur, was sie mich lehren, sondern auch wie sie riechen, wenn man zum ersten Mal den Deckel öffnet. Sogar einen kleinen Nervenkitzel verspüre ich dann, denn erste Male sind etwas Wunderbares, ebenso wie erste Seiten. Sie sagen manchmal viel, manchmal wenig, aber immer vermitteln sie ein Gefühl, das schwer zu beschreiben, aber deutlich zu spüren ist. Gerade eben fiel die Sonne wie ein warmes Tuch über den einzigen Stuhl, der auf meinem Balkon steht, der Himmel hing glasklar darüber, Pause. Ich legte mir Erica Jong auf die Knie und nahm einen Schluck warmen Tee, den ich bereits nach zwei Absätzen wieder aus meinen Backen prustete. Ich habe keine Ahnung, was mich mit dem gerade erschienen Roman „Angst vorm Sterben“ erwartet, aber ich bin mir sicher, es wird ein Wahnsinnsritt.

Alles, was ich bisher weiß ist, dass Woody Allen das Buch verschlungen hat wie warme Semmeln, dass dessen Autorin so etwas wie die Großmutter von Lena Dunham sein könnte, eine schreibende Legende der 70er Jahre ist sie ohnehin schon, ihr Werk „Angst vom Fliegen“ gilt bis heute als Bibel der sexuellen Befreiung der Frau. Jongs Schreibstil ist messerscharf wie salopp, eine irrwitzige Mischung. Vom Titel sollte man sich nicht abschrecken lassen, denn obwohl die 60-Jährige Protagonistin Vanessa Wonderman vom Verfall umgeben ist, nimmt ihre eigene Existenz mitten in New York jetzt nochmal richtig an Fahrt auf. Zwischen Leidenschaft und Selbstverwirklichung, spontanfick.com, der großen Liebe, Entwürdigung und Erhabenheit, sucht sie nach der Antwort auf die große Frage: Was ist ein geglücktes Leben? weiterlesen

Buch-Tipps // Was ich jetzt lesen werde

06.01.2016 um 13.37 – box1 Buch

leseliste 2016In der ersten Woche des Jahres kaufe ich mir stets eine Handvoll Bücher, die ich während der nächsten 12 Monate hundertprozentig lesen will. Keine Neuheiten, die werden im Laufe der Zeit einfach dazwischen gefudelt, sondern meist Klassiker, die schon viel zu lange auf meiner Leseliste schlummern. Da denkt man immer, man wäre relativ bewandert und hätte bald sämtliche Werke durch, die nicht nur irgendwie wichtig, sondern vor allem auch großartig sind (alles andere wäre wohl mehr Bauchpinseler des Egos als Vergnügen), aber nein. Es geht immer weiter, wahrscheinlich sogar bis ans Ende der eigenen Lebenszeit, weil die Zeit selbst, vor allem für Ruhe und das geschriebene Wort, so oder so das knappste aller Güter ist. Also ran an den Speck, bevor es zu spät ist. Mein Vorsatz 2016: Mehr als nur ein Buch pro Monat verschlingen, bis die Augen viereckig werden. Den Fernseher habe ich dafür wieder aus der Wohnung verbannt – zu viel Ablenkungsgefahr und was soll ich sagen, ein Hoch auf Netflix, wenn das Hirn doch nicht will.

Obwohl ich mir für solche Momente erstmals erhobenen Hauptes ein Buch aus der Kategorie „Freche Frauen“ zugelegt habe. Nein, ich schäme mich nicht. Ich werde mich in Badeschaum suhlen und Tränen weinen. weiterlesen

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Bildband-Tipp //
„Snapshots of dangerous Women“

27.08.2015 um 12.52 – box1 Buch

snapshots of dangerous women„When I’m good, I´m very good, but when I’m bad, I’m better.“ – Mae West 

Männer sind Männer rund Frauen sind Frauen, so war das damals, und damals ist noch gar nicht lange her. Trinken, rauchen, laut und frivol sein, hinter dem Lenkrad sitzen und vielleicht sogar rasen, Sport treiben, Haut zeigen, Abenteuer erleben und sich vergessen – die „dangerous women“ von früher mussten dafür mutig sein. Beim Betrachten der sorgsam kuratierten Fotografien, die zwischen den 30er und 60er Jahren aufgenommen und von dem New Yorker Kunstsammler Peter J. Cohen aus Flohmarktkisten dieser Welt gerettet wurden, ersäuft man entweder in Langweile, weil „alles schon gesehen“, oder aber man denkt sich fort, zum Beispiel ins Jahr 1922, als in der Zeitung noch Schlagzeilen wie a women is arrested for lighting a cigarette in the street zu lesen waren, man sucht nach den Geschichten hinter den Schnappschüssen und versinkt in Fragen, die größer sind als temporärer Leichtsinn. Und dann ist da noch Dankbarkeit. Dafür, dass es sie gab, die wilden Hilden und Dorothy Levitts dieser Welt, die lieber Hosen als Röcke trugen, an Autos schraubten, im Flugzeug den Atlantik überquerten und sich ihre Lippen als Zeichen der eigenen Emanzipation mit feuerroter Farbe bemalten. Manchmal hilft es, sich daran zu erinnern, dass Selbstverständlichkeiten irgendwann einmal Ausnahmen waren – um am Ende festzustellen, dass wir genau da weiter machen sollten, wo wir uns heute in wohliger Bequemlichkeit suhlen. „A dangerous woman doesn’t break the rules – she makes them.“ weiterlesen

INTERVIEW // Mirna Funk über ihr Buch
„Winternähe“ & modernen Antisemitismus

21.08.2015 um 9.48 – box2 Buch

mirna funk winternaeheMirna Funk ist eine deutsche Jüdin, die 1981 in Ostberlin geboren wurde. Sie redet schnell und laut, aber nicht einfach so, sondern weil sie viel zu sagen hat. Nach ihrem Studium der Philosophie und Geschichte schreibt sie für zahlreiche Publikationen wie „Interview“, den „Freitag“ und das „ZEITmagazin“, über Feminismus, Mode und Antisemitismus – Mit Schubladen konnte Mirna noch nie viel anfangen. Im Sommer 2014 geht die Journalistin nach Tel Aviv, um von dort aus über ihr Leben im Ausnahmezustand zu berichten. Was vor knapp einem Jahr noch niemand wusste: Gleichzeitig arbeitet sie ganz still und heimlich an ihrem ersten Roman „Winternähe“, der gerade erschienen ist und prompt mir dem Uwe-Johnson-Förderpreis für das beste deutschsprachige Debüt der vergangenen zwei Jahre ausgezeichnet wurde.

Winternähe“ erzählt eine Geschichte zwischen Berlin und Tel Aviv, die Geschichte von Lola. Lola ist aber nicht Mirna, Mirna nicht Lola. Ein paar Gemeinsamkeiten gibt es trotzdem: Den von Fremden aufgemalten Hitlerbart zum Beispiel. Die Suche nach der eigenen Identität als Vaterjüdin, den Versuch, selbstbestimmt zu leben und die Fassungslosigkeit darüber, dass selbst Freunde sich zu antisemitischen Kommentaren in der leichtsinnigen Wonne der Social Media Welt hinreißen lassen. Ein bisschen soll „Winternähe“ auch Aufklärung sein, sprachlich schlau und provokant, eine Art Handbuch, das die Vielfalt der israelischen Gesellschaft aufzeigt und Wissen gegen gefährliche Vorurteile austauscht. Im Interview spricht Mirna Funk über die Angst der Deutschen vor dem Fremden, über die Liebe zu ihrem Mann, den sie als Tochter einer nicht-jüdischen Mutter in Israel nicht heiraten darf und die Zeit im Krieg. weiterlesen

Buch-Tipp // Miranda July
– „The First Bad Man“

12.08.2015 um 11.00 – box2 Buch

the first bad man miranda julyIn meinem Wandschrank stehen zwei Bücher von Miranda July, „No one belongs here more than you„, eine Kurzgeschichtensammlung, und „Learning to love you more„, das im Grunde eine gebundene Zusammenfassung des gleichnamigen Kunstprojekts ist. Beide Werke haben mich fasziniert, keine Frage, aber keines hat mich um den Schlaf gebracht. Ähnlich erging es mir mit den beiden Langfilmen der in Los Angeles lebenden Allround-Künstlerin, weder „The Future“, noch „Me and you and everyone we know“ konnten mich, im Nachhinein betrachtet, so richtig mürbe machen, im positivsten aller Sinne natürlich, was nicht bedeutet, dass ich sie nicht mochte. Es ist nur ein bisschen so, als würden sämtliche Kritiker dieser Welt Miranda July bedingungslos auf Schritt und Tritt folgen, vielleicht weil sie selbst als Person so bunt und schön und bizarr ist, womöglich fehlte mir bisweilen aber auch einfach der Sinn für ihre filmischen und literarischen Ergüsse, gut möglich.

Etwas anders verhält es sich mit ihrem Debüt-Roman „The first bad man„, der jüngst im Englischen erschien. Seit drei Tagen gehe ich zu spät ins Bett, um doch noch eine Seite lesen zu können und noch eine und noch eine, bis die Augen brennen. weiterlesen

Buch-Tipp //
„Das Ende von Eddy“ von Édouard Louis

23.04.2015 um 11.18 – box2 Buch

SAMSUNG CAMERA PICTURESIch weine selten, während ich lese. „Das Leben von Eddy“ hat mich oft weinen lassen, wegen der Zeilen, Zitate und dem Zittern in der geschriebenen Autoren-Stimme. Wegen der aufkommenden Wut auf die beschränkte Menschheit und auf sämtliche Protagonisten des Debüt-Romans dieses französischen Wunderkindes, das seine eigene Geschichte aufgeschrieben hat, um dem Leben von früher zu entkommen und in ein neues aufzubrechen. Um gehört zu werden, um anderen, die so sind wie er, Édouard Louis, Mut zu machen, vielleicht aber auch, um Exorzismus zu betreiben, um die bösen Geister der Vergangenheit los zu werden. Nicht jede Zeile sei autobiographisch, heißt es. Aber wahr genug, um nachzuhallen wie die Schreie seiner überforderten Mutter. Wie sein eigenes Wimmern, wenn der Bruder ihn wider und wieder tot schlagen wollte, wenn der autoritäre Vater nicht an sich halten konnte. Scheiße nochmal, wieso heult der immer, warum ist der so? Das soll ein Kerl sein? Ich habe ihn nicht erzogen wie ein Mädchen, verfluchte Scheiße. Reg dich ab, muss das sein, dieses tuntige Gefuchtel. 

Der hochbegabte Soziologiestudent schreibt darüber, wie man eine Kindheit in ärmlichen Verhältnissen, zwischen Rassismus, Missbrauch und Gewalt überlebt, wenn man schwul ist. weiterlesen

Buchtipp // „Früher war ich unentschlossen, jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher“ von Jule Müller

02.02.2015 um 10.00 – box1 Buch

jule mueller frueher war ich unentschlossen jetzt bin ich mir da nicht ehr so sicher

Jule Müller ist 32 Jahre jung, Head of Love der wunderbaren Plattform Im Gegenteil, wo sie munter Herzen in ganz Deutschland verkuppelt, genau deshalb wurde sie natürlich auch schon längst Teil unserer #Girlcrush Rubrik und jetzt auch noch das – ein Buch! 

„Früher war ich unentschlossen, jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher“ – ein biografische Erzählung. Selbstironisch, konstant witzig, leicht dramatisch und vor allem eines: sehr persönlich.

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Buch-Tipp //
„Strangeland“ von Tracey Emin

17.09.2014 um 12.44 – Buch

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Ihr lieben Janes und Johns, ich hoffe ihr seid bereit für das was jetzt kommt: Noch mehr Bücher-Tipps für Zwischendurch! Wie sie heißen wird, dürft ihr an dieser Stelle einfach gern loswerden – wir haben uns in alter Jane Wayne-Manier nämlich noch gar nicht festlegen können. Was das nun jetzt genau bedeutet: Ich werde euch in Zukunft nicht einfach „nur“ von meinen Lieblingsbüchern vorschwärmen, sondern auch noch lauter Mädchenpowerwälzer ans Herz legen.

Der Bücherdschungel ist voll mit tollen Romanen von talentierten Autorinnen, Lebensgeschichten von außergewöhnlichen Frauen oder Bildbänden von großartigen Künstlerinnen – auf gar keinen Fall dürfen diese Schätze im Buchstabendickicht verloren gehen. Jawohl und genau deswegen will ich auch gar nicht mehr länger um den heißen Brei herum zu reden und eröffne unsere neue Mädchenserie freudig mit der Autobiografie von Tracey Emin.: weiterlesen

Buch-Tipp // „Léon und Louise“
von Alex Capus

12.09.2014 um 10.45 – box2 Buch

alex-capus-leon-und-luiseIch mag mir heute gar nicht den Mund fusselig reden, stattdessen möchte ich bloß allen, die „Léon und Louise“ noch nicht kennen gelernt haben, raten, selbiges dringend nachzuholen. Denn dieser wunderbare Roman des französischen Schriftstellers Alex Capus erschien zwar bereits 2011, passt aber vor allem an einem grauen Freitag wie heute außerordentlich gut zu ruhigen Minuten, Zitronentee und Duftkzerzen-Arrangements. Es geht nämlich um die ganz große Liebe, aber auf eine sehr unverkitschte Art und Weise, denn Léon und Louise sind so etwas wie die Königskinder der Kriegsjahre, zwei Menschen, die nicht dürfen, aber wollen. 

Aus der Froschperspektive erzählt Capus die Geschichte seiner zwei Helden, die sich mit 17 Jahren kennenlernen und verlieben, kurz darauf vom Krieg getrennt werden, sich zunächst für tot halten, in unterschiedlichen Ländern leben, andere Männer und Frauen begehren und sich doch niemals vergessen. Das Nicht-Paar trifft sich erst zufällig wieder, dann geplant und zwar allen Konventionen zum Trotz. weiterlesen

Lese- & Buch-Tipp // Sheila Heti, Heidi Julavits & Leanne Shapton über ‘Women in Clothes’

10.09.2014 um 9.24 – box1 Buch Gesellschaft Mode

women-in-clothesUm ehrlich zu sein, habe ich ein äußerst zwiegespaltenes Verhältnis zu Büchern über Mode, oder besser gesagt zu jenen, die inzwischen beinahe wie am Laufband erscheinen, um uns darüber zu unterrichten, wie wir uns zu kleiden haben, wie „Berlin“ sich aufmotzt oder nicht, wie das gertenschlanke It-Girl aus der Klatschzeitung morgens das Haus verlässt und welche Stilregeln heutzutage angeblich gültig zu sein scheinen. Vor allem über letzteres Phänomen kann ich nur schmunzeln. Gestern noch posaunte man „Sandalen sind ein No-Go!“ in die elitäre Schuhwelt hinaus, heute schon sitzen in sämtlichen Front Rows, genau, stolze Sandalen-Trägerinnen.

Wer sich jetzt noch traut, öffentlich über Do’s und Don’ts zu urteilen, der muss sehr selbstbewusst, ja fast schon überheblich sein. Vielleicht auch ein klein wenig hinterweltlerisch. Denn jede Frau hat ihren ganz eigenen Geschmack, eine individuelle Idee von und Liebe zur Mode, aber auch kleine und große Kämpfe mit ihr, der Mutter aller schönen Oberflächlichkeiten, auszutragen. Und dann gibt es ja noch all jene unter uns, die sich tagtäglich anziehen, weil nackig sein eben einfach keine Lösung ist. Wie also sieht ein Buch aus, das keinen Aspekt des gigantischen und auch sehr persönlichen Themenfelds der „Mode“ außen vor lässt? weiterlesen

Buch-Tipp // „ELSA UNGEHEUER“
von Astrid Rosenfeld

20.08.2014 um 12.52 – Buch

elsa ungeheuer astrid rosenfeldEigentlich ist es egal, worum es in Astrid Rosenfelds zweitem Roman überhaupt geht, im Grunde ist die erzählte Geschichte nämlich so alt wie das Lesen selbst: Zwei Jungs, ein Mädchen und Drama. Bloß schreibt die Berliner Autorin so atemlos und wortgewandt von Herrn Murmelstein, den Gebrüdern „Fetti“ Karl und Lorenz, von Mathilde und der „Kratzlerin“, dass ich „Elsa ungeheuer“ schon ab Seite Eins so hastig verschlang wie Spaghettieis bei 30 Grad im Schatten. Jeder der auftauchenden Charaktere ist so skurril wie einzigartig und liebenswert, jede einzelne Zeile, jede Seite wichtig und phantasiereich und irgendwie auch wild. Aber zurück zum Anfang: 

„Für manche Menschen scheint die Erde einfach nicht der rechte Ort zu sein, und meine Mutter Hanna war so ein Mensch. (…) Mit sechzehn hatte Hanna Stimmen gehört. Mit siebzehn durfte sie die Psychiatrie wieder verlassen und mit achtzehn auch die Neuroleptika absetzen. Übrig blieb eine grüne Mütze, die ein Arzt ihr geschenkt hatte. Auch noch zwölf Jahre später thronte sie Sommer wie Winter auf Hannas Haupt. Ein Talismann. Vor elf Tagen verschwand die grüne Mütze und Hanna Brauer, geborene Dohl, zog sich eine rosa Unterhose über den Kopf und sprang vom Balkon.“ weiterlesen