
Als das Modehaus Prada seine Models anlässlich der Resort Kollektion für 2013 mit Schweißbändern auf dem Kopf ausstattete, war ich zunächst skeptisch. Dann blitzten vor meinem innreren Auge allerdings Filmszenen aus Wes Andersons “The Royal Tenenbaums” auf, in denen nicht nur Lacoste Hemden, sondern eben auch Schweißbänder eine stilprägende Rolle spielen.
Diese positive Assoziationskette führte schließlich zu einem Selbstversuch meinerseits und reichlich Skepsis auf Leserseite. Als ich gearde eben allerdings bei C-Heads über das Editorial “I love my deck” von Federico Sorrentino stolperte, war es erneut um mich geschehen. Langhaarige Mädchen (und vielleicht auch kurzhaarige) sollten ihre Haarreifen meiner Meinung nach gegen “Sweatbands” eintauschen – jedenfalls wenn’s so gut ausschaut wie bei der Madame dort oben. Tennis wird das nächste große Ding, wir ahnten es. Und adidas hat’s gemeinsam mit Opening Ceremony erst kürzlich unter Beweis gestellt. DIe Sache ist sozusagen geritzt – aber macht ihr mit? Weiterlesen »
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Mit sogenannten “Moderegeln” konnte ich noch nie viel anfangen und außerdem wüsste ich gerne, wer jene denn überhaupt aufgestellt haben soll. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass deren Existenz tatsächlich bewiesen werden kann, bin ich allerdings ziemlich sicher, dass sie längst weniger wert sind als ein vertrockneter Kürbis. Regeln sind so oder so da, um gebrochen zu werden, dann wissen schließlich auch die einflussreichsten Modeschöpfer unserer Zeit.
Und trotzdem: In regelmäßigen Abständen muss ich mir Sprüche anhören wie “Blau kombiniert man nicht zu Schwarz” (Vladimir Karaleev beglückte uns Anfang des Jahres übrigens mit einem der schönsten Gegenbeispiele). Noch schlimmer: “Wenn’s untenrum weit ist, muss es obenrum eng sein!”. Oder eben andersrum. Wie schön, dass die Geschmäcker verschieden sind – ich mag nämlich am liebsten Schlabber-Look auf Schlabber-Look. Hier ein paar Beispiele zum Reinverlieben: Weiterlesen »
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Ich bin wieder ganz euphorisch, aus dem Häuschen, fast verknallt. Wegen Lena Dunham, meinem einzig wahren Idol, sofern ich mich denn für jemanden entscheiden müsste, der gerade im Rampenlicht steht. Weil ich mich nicht schon wieder in einem virtuellen Liebesbrief verlieren mag, zitiere ich an dieser Stelle einfach einen etwas älteren Text von uns – bezüglich der Serie GIRLS und dessen Macherin Lena:
“Leute, das ist in meinen Augen die ultimativ tollste Serie seit hundert Jahren. Das ist das Gegenteil von Glamour, das ist das Leben, wenn man Mitte Zwanzig ist, vollkommen pleite und überfordert mit der eigenen Libido. Seit ich weiß, dass die weltbeste Hauptdarstellerin, nämlich die 26-jährige Lena Dunham, auch noch verantwortlich für’s Drehbuch und die Regie ist, bin ich komplett aus dem Häuschen. Wenn man es auf die Spitze treibt, dann ist GIRLS der intelligente Gegenentwurf zu hirnzerkleinernden Daily Soaps.” So, wer es bisher noch nicht wusste, der weiß es jetzt: GIRLS ist meine absolut heftigste Lieblingsserie und ich bin kurz davor, mir einen Fernseher anzuschaffen, damit ich das Ganze auch mal in Groß genießen kann, plus Popcorn. Nun hätte ich beinahe vergessen, worum es hier eigentlich geht: ASOS war nämlich so geschickt, sich das eventuell coolste Gesicht der Medienlandschaft für ein Editorial zu angeln. Gut so – denn wenn Lena eins nicht ist, dann ein langweiliger Model-Stereotyp. Der einzige Nachteil: Die Mode ist uns in diesem Zusammenhang fast ein wenig egal. Weiterlesen »
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… und ich weiß gar nicht genau, weshalb. Ich meine, die 90er Jahre zurück, daran lässt sich nicht mehr rütteln. Trotzdem habe ich nicht vor, im türkisfarbenen Cut-Out-Kleid samt Doppelgürtel über die Straßen zu flanieren. Aber darum geht es auch nicht. Ich erfreue mich bloß an dem frischen Hauch von Inspiration, der hier mitschwingt: Eng anliegende Halsketten, Mut zum trashigen Labeling. Lederwesten über Bauchfrei-Shirts und gigantische Ohrringe zu bunten Haartüchern (ganz zu schweigen von Isabe Marant und Givenchy-Schätzchen). Beim Betrachten solcher Modestrecken gilt es eben nicht, nach dem eins zu eins kopierten Look zu streben. Das Schöne ist, dass wir genauer hinsehen müssen. Denn dann gibt es viele kleine Details zu entdecken, die sich ganz wunderbar mit unserem eigenen Stil kombinieren lassen.
Nach dem Fashion Week Overdose kann ich seit dem Betrachten dieser Bilder wieder zweifelsohne sagen: Mode, ich liebe dich, du Schlingel, du. Weiterlesen »
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Blusen sind weiß Gott keine Neuerfindung der Jetztzeit. Die Basis bleibt stets gleich, bloß Form und Farbe ändern sich im Wandel der Zeit. Da war zum Beispiel das Bubimodell, der runde Peter-Pan-Kragen in den 50ern und 60ern, Anfang der 70er trug man immer noch runde Dackelkragen, die irgendwann von extrabreiten Kragen und spitz zulaufenden Versionen, gern aus synthetischen Stoffen, verdrängt wurden. Dann brachen die 8oer Jahre an, Bundkragen folgten ebenso wie Stehkragen, kleine Schleifen, und Hemdkragen.
Und jetzt, jetzt trägt man irgendwie alles. Bis vor einiger Zeit war man zwar tolerant hinsichtlich der Form (sofern sie nicht an Satin-Albträume aus Glamrock-Zeiten erinnerte), doch beinahe jeder achtete darauf, dass die ersten Knöpfe stets geöffnet waren. Wer sich bis oben hin zuschnürte, ging eher als Mormone durch, nicht als modisch. Nun ist, wenn man so will, das Gegenteil der Fall: Jeder Knopf wird geschlossen getragen, Dekolteé zeigen ist passé. skandinavisch-schmale Krägchen mag man derzeit besonders gern. Um ehrlich zu sein: Die Bluse ist irgendwie fast unwichtig geworden, was zählt sind einzig und allein “Collars”. Klein, groß, geblühmt, einfarbig, aus Metall, gern auch im Alleingang als Schmuck-Ersatz gesehen. Und wie es nunmal so ist, macht uns das Used Mag mit seinem hübschen Editorial heute noch viel mehr Lust auf adrette Zugeknöpftheit. Wir brauchen mehr Blusen und Krägen, so viel steht fest. Weiterlesen »
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Derzeit zählt Deutschland knapp 2,8 Millionen Arbeitslose. In den USA sind es so viele wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Bitterkeit dieser Realität scheint das französiche Magazin “Antidote” jedoch nicht davon abzuhalten, derartige Lebensumstände als Inspiration für ein Modeeditorial zu verwursten. Styleite.com zeigt sich empört ob dieses taktlosen Umgangs mit traurigen, aber doch existierenden gesellschaftlichen Umständen. Zu Recht?
Die Modewelt kennt schon lange keine Grenzen mehr, Provokation gehört zum Alltagsgeschäft: Ob Kindermodels, denen mit viel Schminke und Lockenwicklern liebliche Gesichter von vermeindlich 20-Jährigen gezaubert oder “Dicke“, die unter dem Titel “Tons of Fun” wie selbstverständlich zur Schau gestellt werden. Geschockt zu sein scheint von solchen Gradwanderungen so gut wie niemand mehr. “Abstumpfung” sagen die einen, andere hingegen erklären den Umgang mit Extremen durch die vermeindlich herrschende Ideenlosigkeit in harmloseren Gefilden – es ist eben alles schon mal da gewesen. Muss denn aber immer noch die nächst mögliche Grenze überschritten werden? Muss immer alles radikaler werden, um noch herausstechen zu können? Offensichtlich. Denn über eine stinknormale Fotoserie hätten auch wir an dieser Stelle schließlich nicht berichtet – es scheint also aufzugehen, dieses Konzept. Weiterlesen »
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Mode als Spiegel der Gesellschaft, Mode als Statement und Egokitzler. Ihre Bedeutung geht seit jeher konform mit dem, was das Leben uns beschert. In Zeiten von Krisen, die im Zusammenhang mit Geldwirschaft stehen, folgt prompt der Materialismus. Qualität statt Quantität, das galt in der Nachkriegszeit und auch heute. In den letzten Jahren kamen immer wieder Debatten auf, die auf erklärende Art und Weise das Tragen von überteuerter Kleidung rechtfertigten. Denn wenn es brennt, dann verlagern sich Prioritäten, man möchte zumindest sich selbst vor der Ernüchterung retten und kleidet sich pompöser als zuvor. Was früher riesenhaft zur Schau getragene Markennamen auf Oberbekleidung jeglichen Schnittes war, wurde inzwischen durch Understatement ohne jegliches ersichtliches Etikett verdrängt – dafür werden Accessoires immer wichtiger und wachsen zu wahrhaften Monstern heran.
Nun lässt sich über Optik bekantlich streiten, eine Meinung darf man allerdings trotzdem dazu haben. Schaue ich mir Auszüge aus Fotostrecken wir der obrigen an, in der Julia Stegner in der Vogue Japan eine Art Körperkette als klimmbimmiges Schmuckstück trägt, so hoffe ich sehr, dass man es bei Einzelstücken für ganz besondere Anlässe oder Lookbook-Hinguckern belässt. Weniger ist mehr, meistens. Allzu viel Goldballast haben wir doch gar nicht nötig, oder? Weiterlesen »
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Eigentlich hatte man in der letzten Zeit eher das Gefühl, modetechnisch stünden nach vielem Hin und Her nun alle Zeichen auf Geradlinigkeit. Ja, es fühlte sich beinahe so an, als würde Ruhe einkehren in die sonst so vibrierende Modemädchenwelt. Wenig Schnickschnack, höchtens ein Hingucker pro Outfit – das war zumindest das Credo, unter welchem nicht nur Jungdesigner wie Hien Le ihre Models auf den Berliner Laufsteg der vergangenen Fashion Week schickten.
Die Vogue UK belehrt uns nun aber eines Besseren und hält an unsererm insgeheimen Lieblingsmotto fest: Alles ist erlaubt, Tabus sind zu brechen und wer mutig ist, gewinnt. Weiterlesen »
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Wir fragen uns gerade, wie uns diese Bilder dort oben bloß durch die Lappen gehen konnten. In der “June Issue” der Dazed and Confused haben sich nämlich gleich drei kreative Köpfe die Klinke in die Hand gegeben: Zum einen hätten wir da Richard Burbridge, einen der meist gebuchtesten Fashion Fotografen weltweit, dann noch Robbie Spencer, seineszeichens Stylist, und zu guter Letzt gesellte sich auch noch der italienische Künstler Maurizio Anzeri, der bekannt ist für seine mit Nadel und Faden verzierten Flomarktfund-Fotos, zum Dreiergespann hinzu.
Das Ergebnis fällt gar so wunderbar aus, dass wohl jedes andere Magazin wünschte, selbst Urheber dieser Bilderstrecke zu sein. Weder platt, noch aufdringlich, dafür graphisch, klar und durchaus ein Exempel der totalen visuellen Befriedigung. Keine schnöde Modefotografie, vielmehr Portraitarbeiten mit ungewohntem Bruch, der zugleich aber genau dorthin zu gehören scheint. Oder was denkt ihr, hm? Weiterlesen »
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27.07.2011, 17.26 von Antje

Es fröstelt mich. Ich sehe dunkle, und doch satte Farben, die wie dick aufgetragene Ölfarbe glänzen. Der Lichteinfall verwischt junge Gesichter in Halbschattengewächse. Ich sehe Blicke, die von Unschuld und Angst, Herausforderung und Langeweile erzählen. Geheimnisvoll aufgeladen mit Hinweisen, Referenzen, die ich angedeutet sehe und doch nicht zu entschlüsseln vermag.
Das von der schwedischen Fotografin Julia Hetta abgelichtete und von Hannes Hetta gestylte Editorial Jungfrukällan (“The Virgin Spring”) für das neue Acne Paper irritiert durch seine Abgründigkeit und durch seine ungewöhnliche Ästhetik. Die wolkigen Konturen, die stumpfen Farben und das überlegt gesetzte Licht erinnern an die Portraitmalerei der Renaissance und auch die anderen Arbeiten in Hettas Portfolio – ein Stilleben fiel mir dabei besonders auf- scheinen von der Malerei inspiriert zu sein. Eine detailverliebte Bildkomposition, Filter, Spielereien mit der Belichtung: ihre Fotografien sind konzeptionell und narrativ.
Und doch schien mir das nicht alles zu sein. Weiterlesen »
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